Underwater Love – A Pink Musical

Leicht und beschwingt, belustigt, irgendwie sorglos und nicht mit dem Gefühl, jetzt große Interpretationsarbeit leisten zu müssen, groß einen Handlungsstrang zu rekonstruieren oder Hauptfiguren zu analysieren, auf Empathie hin zu untersuchen oder was auch immer einem speziell bei deutschen Filmen, aber längst nicht nur, einfällt. Die Unbeschwertheit des Filmes hat sich übertragen. Ich bin auch nicht gestresst von Überspannung oder bildlicher Überforderung. Oder dass ich mich mit Ambitionen bis Überambitionen nachwachsender Filmkünstler und Möchtegernfilmkünstler oder mit den hohen Ansprüchen von Altmeistern rumschlagen muss. Nein, das Menü hier wird wirklich leicht verdaulich serviert von Shinji Imaoka. Und die Gurken sind ja nur zum Anschauen da, nicht mal in die muss man hineinbeißen.

Die Kappas sind merkwürdige japanische Fabelwesen, die unter Wasser leben, eine Mulde auf dem Kopf haben, einen Schnabel, eine Gestensprache, die darin besteht, dass sie die Arme vom Körper weg schwingen und dann in der Vogelscheuchenstellung innehalten lassen und sie fordern die Menschen zum Sumo-Ringen heraus. Kappas sind Animationsfiguren in einem Realfilm. Der Film entlässt einen aus dem Kino mit einem Kappa im Kopf und beim nächsten Toilettengang erwischt man sich, wie man sich nicht wundern würde, wenn so ein Kappa plötzlich aus dem Wasser herausguckte und einen angrinste und einem zu verstehen gäbe, wie windig doch so eine menschliche Existenz sein könne, die immer wieder pinkeln müsse.

Kappas sind ganz unaufgeregte Wesen, so stellt sie der Film gleich zu Beginn vor: ein Kappa mitten in einem See riesiger grüner Blätter endlos lang an einer Gurke kauend. Das entsprechende Geräusch wird einem nicht vorenthalten. Ein grandioses Grün-Bild, voll philosophisch, volle Augenweide, reiner Stoizismus.

Asuka ist Arbeiterin in einer Fischfabrik am Meer. Sie ist kurz davor zu heiraten. Bei der Arbeit entdeckt sie einen Fisch, der noch lebt. Sie trägt ihn ins Meer zurück. Aus dem Meer taucht ein Kappa auf. Er isst den Fisch. Sie rennt zurück und erzählt den ungläubigen Kolleginnen, sie habe einen Kappa gesehen.

Wie sie nach Hause fährt mit ihrem Kleinwagen, da trampt doch tatsächlich ein Kappa. Sie nimmt ihn mit. Es ist ihr Freund Aoki, der vor 17 Jahren gestorben ist. Inzwischen ist er offenbar ein Kappa geworden. Sie nimmt ihn mit nach Hause. Er duscht sich. Da kommt Asukas Bräutigam. Sie will ihn abwimmeln. Dadurch wird Asuka nur geiler. Eine heiße Liebesszene folgt, ganz nackt die beiden. Der Kappa hält sich versteckt und wird nicht entdeckt. Asuka ist jetzt 35.

Am nächsten Tag stellt ihr Bräutigam, der auch ihr Chef ist, völlig unvermittelt den Kappa als neuen Mitarbeiter vor und teilt ihn Asuka zu.

Aber der Kappa kann bei Asuka nicht bleiben, denn sie will heiraten. Eine sexy Frau mit Minirock, minier geht nicht, verführt jetzt den Kappa in seiner ehemaligen Wohnung, die leer steht. Zuerst will die Frau Geld. Ein solches hat ein Kappa nicht. Also macht sies umsonst, zieht sich aus und dem Kappa sein Glied aus der Hose, das sehr dunkel ist und so als hätte es eine in die Höhe geschossene dreifach übereinandertegürmte Eichel. Sie bläst ihm einen. Japaner können manche Dinge wirklich sehr entspannt angehen.

Bei einer weiteren Begegnung zwischen dem Kappa, Asuka und ihrem Bräutigam kommt es zum Eklat aus Misstrauen des Bräutigams heraus. Das ist die Stelle mit der einzigen kleinen Schreierei im Film.

Der Komplikationen werden immer mehr. Bis auch der Teufel ins Spiel kommt, eine ganz merkwürdige Menschengestalt in einem Kleid wie ein mehrfarbiger Clown-Ringel-Strumpf. Die Lage spitzt sich immer mehr zu. Und wenn auch alles fast beschaulich langsam vor sich geht, so sind es doch am Ende eine ganze Menge Szenen, die noch zu referieren wären.

Zwischendrin wird die Spielhandlung immer wieder unterbrochen mit Songs, was heißt hier Song, es sind Lieder mit einem Thema, wie die alten Frauen, ein Hochzeitstanz zu einer hochzeitsmarschähnlichen Musik, oder fatalistisch: es bleibt wie es ist (die Tanz-Bewegungen dazu sind fast schon lasch zu nenen), der Kappa allein am Meer oder vom Vielfraß, der auch den Teller frisst oder ein Glücks- und Freudentaumeltanz. Dazu machen die Akteure unter Verzicht auf jede choreographische Anleitung oder Perfektion Bewegungen, die kaum mehr als lockernde Schüttel- und Schwingbewegungen sind und stellen sich auch frontal zur Kamera. Man könnte diesen Tanz unambitioniertes Gehupfe nennen. Ein unehrgeiziges Loslassen.

Vielleicht nimmt der Film seine Lässigkeit auch daher, dass er sich frei fühlt, sich vom japanischen Pink-Genre inspiriert zu fühlen, sich aber nicht gezwungen sieht, das auf Teufel kommt raus zu egalisieren, zu toppen oder zu perfektionieren. Insofern dürfte er das Genre genau verstanden haben.

Zwischendrin erzählt Asuka dem Kappa, was sie nach seinem Tod gemacht habe. Aha, man schlägt sich durch ist sein Kommentar. Sie war zehn Jahre in Tokio. Dann kam sie auf familiären Gründen zurück. Sie möchte Kinder.
Zur Arbeit in der Fabrik im Freien muss der Kappa eine Sonnenbrille tragen.
Asuka beim Spielen mit dem Wasserschlauch: ich wässere Deine Mulde.
Ständig sind irgendwo irgendwelche Gurken zu sehen.
Kussversuch zwischen Nutte und Kappa, nicht leicht wegen dem Schnabel.
Ein sehr übersichtlicher Film.
Die Analperle spielt im weiteren Verlauf des Filmes eine Rolle. Sie wird einem alten Kappa aus dem Leib gerissen und die große Kugel aus Gedärm soll sich Asuka in den Anus stecken.. (Der Filmverleih hat eine FSK-Freigabe ab 16 beantragt).
Später gibt’s auf die eingeschobene Kugel noch einen Totenfick mit dem toten Kappa, der daraufhin als Mensch wieder aufwacht und sich dann auflöst.

Am Schluss ist alles nur ein Traum, eine Phantasie gewesen und der Zuschauer ist glücklich, dass der Mensch ein so phantasiebegabtes Wesen ist und sich Zeit für seine Phantasien lassen kann.
Wir treffen uns irgendwo wieder.

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