Wunderkinder

Eine weitere Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg. Eine die von jüdischen Wunderkindern handelt, eine, die mit Fernsehdialogen auskommt, die immer alles erklären („was ist denn hier los“, „was machst Du hier“), eine Besetzung mit einigen sogenannten „Namen“, ein Erklärkino mit ein paar schönen klassischen Musikeinlagen, ein Nazitum das man heute noch in jeder Geisterbahn oder in jedem Gruselfilm zur Belustigung des Publikums einsetzen könnte, ein Kino, das kaum für den Schulunterricht taugt und am Ende mit einer ernsten Widmung versehen ist, den getöteten jüdischen Kindern.

Es fängt an, wie eine Geschichte anfangen kann.
Bierbrauer Reich braut 1941 Bier in der Ukraine, in Brascha. Sein Töchterchen Hanna möchte Geigerin werden und übt und übt. Sie lernt die beiden jüdischen Wunderkinder Abrascha und Larissa kennen. Sie musizieren zusammen. Wie die Nazis in der Ukraine einmarschieren und die Juden den gelben Stern anstecken müssen, gibt es Probleme in dieser Freundschaft und auch für den Bierbrauer und vor allem Anlass für ein paar Sprüche übers Bier.

Jedenfalls müssen die Juden fliehen, landen zum Teil im KZ, aber die Kinder überleben. Die Rahmenhandlung für die Erzählung ist eine Konzertprobe in Deutschland von Hanna Jahrzehnte später, ein Mann wollte zu ihr, wurde aber nicht vorgelassen, er hatte dafür einen Brief übergeben lassen und Hanna erkennt, dass der von Abrascha sein muss, sie kann ihn noch zurückholen und ohne jeden Zwischenschnitt stehen sie in der nächsten Sekunde an jenem Steg in der Ukraine, der jetzt verfallen ist, an dem sie in der Jugend oft gesessen haben, die Füße im Wasser baumeln lassend und ein Konfekt zwischen den Zehen, das mit Glück ein Barsch angeknabbert hat.

Die kleinen Wunderkinder durften also zu einem Konzert nach Moskau fahren, sie trödeln beim Einsteigen und ihre Lehrerin Irina sagt: „So bedeutend seid Ihr nicht, dass Ihr den Zug aufhalten könnt“. Denn die Wunderkinder sind ganz gewöhnliche Kinder. Der Junge interessiert sich für Indianer und liebt sein Taschenmesser, wie jeder gewöhnliche Junge. Aber Irina ist eine aufgeweckte Pädagogin und sagt zu Abrascha, er müsse vorsichtig sein mit dem Messer, denn „ein einziger Schnitt könnte das Ende unserer Konzertreise bedeuten“.

Es ist die Rede von einer Amerikareise, da soll die ganze Familie mit und der Opa Michael Mendel darf grinsend den Satz einwerfen, das gelte hoffentlich auch für den Großvater.

Die kleine Bierbrauerstochter darf Irina und den Wunderkindern vorspielen. Die Vorzeigepädagogin Irina meint daraufhin diplomatisch: „So viel Gefühl für Musik und so wenig für Menschen“.

Das Wunderkind Abrascha ist ein idealer Wunderjunge und auf keine Weise korrupt. Der Vater hat plötzlich neue Winterjacken besorgt für die Amerikareise. Der Wunderjunge ist skeptisch, er hat noch Gewissen und fragt, wo das Geld her sei, ob vom Bierbrauer und man möchte sich ja nicht kaufen lassen. Aber bald gibt das Wunderkind den wirtschaftlichen Zwängen und damit einer gewissen Abhängigkeit vom Bierbrauer nach. Er ist eben auch nur ein ganz gewöhnlicher Junge.

Bei der Szene am Steg, wo Hanna den Keks zwischen dem Zeh hat, meint das Wunderkind bewundernd: „Hanna, Du bist die Herrin der Fische.“

Nach dieser Idylle muss ein Luftangriff her. Bomben auf das Bierbrauerreich in der Ukraine. Viele statuarische Szenen, die Figuren stehen wie Skulpturen in Halbtotalen im Raum und liefern im Stehen ihre Sätze.

„Was bedeutet das Mami?“
Selbst im Kellerasyl wird die Stautuarik fortgeschrieben.
Der Abschied im Zweiten Weltkrieg zwischen Juden und deutschen Christen wird mit folgendem Satz erläutert: „Bleiben Sie am Leben und behalten Sie uns in guter Erinnerung“.

„Darf ich Sie um ein Glas ihrer köstlichen Limo bitten“ fragt Larissa die Haushälterin von Bierbrauer Reich, ein gepflegter Satz mitten im Krieg.

Dann haben die Juden sich in eine Waldhütte zurückgezogen. Ein flüchtiger Russe auf einem Motorrad hat einen Hirsch überfahren – und das zehn Meter von der Hütte entfernt, zehn Meter von den spielenden Kindern entfernt geht ein Hirsch spazieren und wird von einem Motorrad, das nur holprig, aber umso lauter krachend vorwärtskommt, überfahren. Dann fällt der Motorradfahrer hin und rappelt sich auf und fährt weiter und die Kinder finden den sterbenden Hirsch und Larissa fragt „Abrascha, ist das der Krieg?“.

Dann kehren die Kinder in die Brauerei zurück. Dort treffen sie ihren Vater. Der hat einen Arm verloren und auf das Entsetzen der Kinder reagiert er mit dem Satz: „Das ist alles gar nicht so schlimm. Hauptsache man lebt. Ich bin eh Linkshänder“. „Vater, warum machen die das?“ fragt das Kind zurück.

Später dann im Keller, „Papa, ich hab Durst“. Dann wird Herr Reich von den Nazis auf eine kleine Reise beordert. Herr Reich hat aber den Schlüssel zum Keller, in dem die Juden eingesperrt sind. Jetzt meldet er sich nicht mehr.
Die Eingesperrten kommen zu der Einsicht: „Wir müssen was unternehmen“, denn „sonst sterben wir alle“

Da das einzige Nahrungsmittel im Keller Bier ist und sich die Gefangenen daran gütlich tun, sagt einer, man müsse aus der Not eine Tugend machen, er könne jetzt „saufen wie ich will, mein Frau kann mich nicht rauswerfen.“

Zum Glück haben wir Abrascha. Der schafft es, durch ein Kellerfenster rauszukommen. Und Alex, ein gemütlicher Bierbrauer, der verhilft den Flüchtlingen zu einem Auto. Damit können sie zur Jagdhütte fahren. Dummerweise hatten die Kinder den Zufluchtsort nach der ersten Flucht treuherzig den Nazis verraten und die erwarten die Flüchtlinge schon. Da wird’s dann echt grausam.

Dagegen muss angeflachst werden „wenn alles vorbei ist, geben Sie ein Bier aus“.

Oft stehen an Hauswänden diese Jutesäcke und Fässer, die Zeichen der Moderne wie Hinweisschilder auf Sprinkler oder BMZ oder Strom- oder Telefonkästen oder moderne Kellergitter abdecken sollen.

In der unübersichtlichen Gemengelage der Produzenten dieses Filmes taucht der Name Degeto auf.

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