What a Man

Matthias Schweighöfer, Autor, Regisseur und Protagonist dieses Filmes, versucht sich vom Bild des Traumes aller Schwiegermütter zu befreien und engt dieses Bild nur noch mehr ein gemäß dem Slogan und der Moral dieses Filmes, man müsse sich nur so annehmen wie man sei, dann sei man ein echter Mann. Ein echter Traum aller Schwiegermütter.

Die Handlung: zwischen Schweighöfer als Alex und seiner Freundin Carolin, gespielt von Mavie Hörbiger, knirschts und kriselts. Sie schmeißt ihn raus. Er kommt bei Nele, Sibel Kekilli, unter. Die beiden sind für einander geschaffen. Aber wenn sie das sofort begreifen täten, wäre der Film schon nach 20 Minuten aus. Bis die beiden also im Flieger nach Peking sitzen zur Rettung der Pandas müssen noch einige Verwirrungen passieren. Okke gespielt von Elyas M’Barek muss ihm einige Ratschläge geben, wie man ein Mann wird und der Lockvogel Laura, den Sibel auf ihn ansetzt, muss die Verwirrung der Gefühle noch steigern.

So weit so theoretisch so gut. Ich würde nicht sagen, dass die intendierten Gefühlsbewegungen sehr genau analysiert und inszeniert sind; die werden mehr naturalistisch, schauspielerisch-intuitiv-naiv weggespielt und da Matthias Schweighöfer selbst die Regie führt, geschieht dies auch recht nonchalant, aber auch recht überraschungsfrei, eher mit Kichergarantie für seine potentiellen Schwiegermütter.

Wie eng die geistige Welt unseres Filmstars Schweighöfer ist (als solcher setzt er sich ganz schön ins Licht und in Szene), zeigt die Spannbreite der kühnsten männlichen Taten, die im Film vorkommen: das ist das Fällen eines Baumes mit der Axt, das sind erotische Spiele mit Schlagsahne auf dem Bauch der dicken Laura, und dann kommt noch igitt igitt als Nonplusultra verwegener Mannwerdung: das Schmatzen. Das muss gleich zweimal im Film vorkommen. Das erste Mal beschwichtigt Schweighöfer seine Freundin Carolin noch. Wie sie später, das ist eine der Komplikationen, die das Filmende nach hinten verschieben, plötzlich wieder reuig vor der Wohnung auf der Treppe hockt und ein Versöhnungsgespräch will, da gehen sie zum Japaner essen und eine ältere Dame einer japanischen Reisegruppe schmatzt laut. Da rastet Carolin total aus. Das ist ihre Nicht-Entwicklung in diesem Film. Schweighöfer beschwichtigt jetzt nicht mehr, er schlürft und schmatzt nun ebenfalls, was das Zeugs hält, das ist seine Entwicklung im Film, seine Mannwerdung. Er tut es. Er schmatzt.

Das ist nicht seine einzige „Entwicklung“. Er hat noch ein größeres Problem, was nun aber genau nicht ein typisch männliches Problem ist, er hat Flugangst. Da gibt’s ganz am Anfang des Filmes eine Alptraumsequenz, wie das Flugzeug, in dem er sitzt, anfängt zu ruckeln dass es nicht mehr schön ist und er schier zugrunde geht. Und aus Liebe – wie gesagt, theoretisch postulierter, im Spiel jedoch nicht erkennbarer – Liebe, fliegt er dann der Pandaschützerin Kekilli hinterher nach Peking und zu allem Zufall hat sie den Flieger verpasst und sitzt dann in der gleichen Reihe. Ein Lebenshilfefilm zur Überwindung der Flugangst.

Andere spießige Elemente in diesem Film: der zu laute Nachbar über der gemeinsamen Wohnung von Alex und Carolin, die Frage in der Schule an das jugendliche Alter Ego von Alex, den blonden Bengel Frank: was ist in der Wurst.
Na ja, das ist auch sehr Klischee, der Freund von Kekilli, der Franzose Etienne, der allein nach Peking fahren will. Witzchen, Witzchen, Bonne Chance.
Oder wie Schweighöfer Nele sucht und weiß, dass sie im Panda-Kostüm rumläuft und dann sind da plötzlich Dutzende von Aktions-Pandas und einer weiß, dass Nele schon auf dem Weg zum Flughafen ist, das ist so wenig originell, nichts gegen verbrauchte Ideen, aber müssen sie dann auch noch so uninspiriert vorgetragen werden?

Text gegen Flugangst: „Fliegen ist super, man kommt so schnell von A nach B.“

Nachdem er Kekilli das erste Mal kurz geküsst hat, steht sie da und sagt „Kuck, nix passiert“.

Die Handschrift von Schweighöfer scheint mir schon was Persönliches zu haben, aber es ist die Handschrift des Traumschwiegersohnes: nett und niemandem weh tun und immer schön lächeln und in jedem Moment schön fotogen bleiben und keinen Makel haben. Der Hang zur unmenschlichen Perfektheit von Form und Oberfläche. Ideal für Rasierwasserwerbung. Oder Hautcreme.

Es gibt ein paar schöne Aufnahmen von Frankfurt, dem Main, den Brücken, den Hochhäusern, by night und von einem schönen alten Botanischen Garten.

Ein etwas aufwändigeres Selbstdarstellungsfilmchens eines wohl im deutschen subventionierten Film bereits vertrockneten Talentes.

Vielleicht haben die Förderer dieses Filmes noch nie ein anderes Drehbuch gelesen. Oder sie gehören selbst zur Gruppe der angepeilten Schwiegermütter-Klientel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.