Eine hochprofessionelle Animation mit Autos, die sprechen können.
Am Anfang sind die menschlichen Autos gewöhnungsbedürftig, weil das Gros der Blechoberfläche keine Mimik hat, es sind nur die frontalen Kühlerabdeckungen die als Mund fungieren und auf den Windschutzscheiben sind quasi die Augen, die auch nur ganz grob als schwarze Punkte, also sehr abstrakt markiert sind.
Die Räder und ihre Achsen übernehmen wenn nötig die Funktion menschlicher Extremitäten, die Autos können sich mit den Rädern begrüssen oder sich kratzen und diverse andere Dinge anstellen. Um so wichtiger sind die Stimmen als Humanfaktor. Dabei wirkt es sich zuschauerfreundlich aus, dass die deutsche Nachsynchronisation auf sprachliche Farben und Färbungen setzt. Einzig das Hauptauto, Lightning McQueen, ein super Rennauto, spricht das etwas farblose Hannoveraner Synchron- und Hochdeutsch. Vielleicht wollte man diese Hauptfigur damit für alle Ohren und Regionen kompatibel machen.
Zur Geschichte. Die ist gut gebaut und simpel. Und vielleicht dann doch nicht so simpel. Lightning McQueen, der professionell Rennen fährt, möchte ein Pause einlegen. Aber wenn das mit der Pause funktionierte, dann gäbe es ja keine Geschichte zu erzählen. Er hört also von einem neuen Rennserie, die ihn sofort elektrisiert.
Der Clou an dieser Rennserie ist, dass die Autos hier nicht mehr mit Erdöl, sondern mit Pflanzenöl fahren müssen. Auch wenn es inzwischen Bedenken gegen die breite Herstellung von Biokraftstoff gibt im Hinblick darauf, dass ein Konflikt zwischen Anbau von Kraftstoff und Anbau von Nahrungsmitteln entsteht, so gilt der Biokraftstoff doch als eine mögliche Alternative zum Erdöl, dessen Reserven täglich weniger werden. Das Rennen gibt sich also das Deckmäntelchen des Fortschrittes.
Dass es sich dabei nur um ein Deckmäntelchen handelt, dass hinter diesem Rennen und den vielen unerklärlichen Unfällen mitten auf der Rennstrecke gewaltige wirtschaftliche Interessen stecken, dass diese Rennserie nur ins Leben gerufen worden ist, um einen brutalen Wirtschaftspoker auszutragen, ohne dass die meisten Beteiligten – oft auch gutmütigen – Rennwagen das wissen, das wird sich dann erst im Laufe des Rennens und nach einigen spektakulären Unfällen herausstellen. Das Böse kommt hier sehr hinterhältig und kaum identifizierbar daher. Es dauert allein schon, bis die Guten überhaupt merken, was hier mit ihnen gespielt wird. Denn sie waren leicht mit dem Fortschritt zu ködern.
Ein Stück weit ist dieser Film also auch ein Wirtschaftskrimi um ein skandalöses Wirtschaftsverbrechen, in dem mit härtesten Bandagen gekämpft wird, durchaus vergleichbar mit Vorgängen, die in der Realwirtschaft ablaufen und dort oft auch nicht auf Anhieb als solche erkennbar sind.
Die Bandagen dieser Wirtschaftsverbrecher sind so hart, dass ein normalanständiger Mensch gar nicht auf die Idee käme; da hilft dann ein Assistent und Berater, dem erstens keiner was zutraut, der also immer unverdächtig ist und hier in der Gestalt eines kleinen, ruckligen, rostigen, schier auseinanderbrechenden, absolut unverdächtigen Abschleppwagens daher kommt, wie Lightning McQueen ihn hat, und der noch dazu nicht besonders intelligent aussieht. Der aber die Sache im entscheidenden Moment rausreißt. Der dahinter kommt, was Sache ist. Der sich nicht beirren lässt, auch wenn er ins Visier von Geheimdiensten gerät.
Spielen tut dieser Krimi an Rennstrecken um die halbe Welt. Es gibt eine herrliche Überzeichnung des Rennzirkus von Monaco, einem Riviera-Fantasie-ort. Der Ferne Osten kommt vor genau so wie London. Dort wird eine zierlich, zerbrechliche Queen in Form eine alten Rolls Royce den Helden des Filmes zum Ritter schlagen (wozu hat ein Rolls Royce sonst eine Antenne?).
Es gibt eine verhängnisvolle Gefangenschaft im Uhrwerk des Big Ben, waghalsige Verfolgungsjagden, Autorennstarts und Unfälle, Überwachungen, Verkleidungen, Einschmuggeln ins Zentrum des Bösewichts, eine tickende Bombe, Laser, die von den Hausdächern Rennwagen zur Explosion bringen können, ein untergeschmuggelter Oelteppich, Toiletten für Autos, die kitzeln, Autos, die alles und noch einiges mehr können als die Autos von James Bond.
Für Autoliebhaber gibt es jede Menge animierter und reanimierter traumhafter Automodelle durch die ganze Geschichte des Automobils.
Und der Abspann, der von einem eigenen Department entwickelt worden ist, gibt Postkarten-Referenzen an alle Gegenden der Welt, von denen die Macher hoffen, dass der Film dort geschaut wird. Da kommt auch das berühmte Münchner Oktoberfest vor.
Besonders perfid ist übrigens die Bombe gebaut, die die Filmemacher für den Countdown ersonnen haben: sie kann nur mittels Stimmerkennung deaktiviert werden; die Stimme muss die vom Bösewicht selber sein.