Insidious

Den Inhalt sollte man hier gar nicht groß referieren. Jedenfalls nicht für die Öffentlichkeit, die den Film noch anschauen will. Weil er ja erst mal auf eine falsche Fährte führt. Die Lamberts sind eben in ein neues Haus eingezogen. Überall sind noch Umzugskartons. Man ist am Einrichten. Das Haus ist etwas dunkel. Etwas unheimlich. Das versteht die Kamera hervorragend einzufangen. Man sieht, dass sie und die Regie in außerordentlich kundigen Händen liegen. Es ist eine unglaubliche Ausgewogenheit zwischen Normalität – so spielen die erstklassig geführten Schauspieler – und dem Horror, der uns ins Haus steht und wie die Bilder eben glauben machen wollen, vom Haus ausgeht.

Der Horror kommt wohldosiert und in kleinen, erst unauffälligen Häppchen daher. Steigert sich dann bis der Papa, der ein Schullehrer ist, offenbar nicht mehr gerne nach Hause zurückkehrt (das ist fast der ungemütlichste Audruck des bisherigen Horrors) und vorgibt, er habe Schularbeiten zu korrigieren oder Tests vorzubereiten, aber man sieht ihn allein im Schulzimmer vor dem Laptop sitzen, nicht sehr beschäftigt. Er hat Angst vor dem Horrorhaus, in dem plötzlich Figuren vor den Fenstern vorbeihuschen oder gar ein skelettartiger, blutroter Handabdruck auf dem Leintuch vom Buben zu finden ist.

Der Bub, der ist schon ganz krank. Der liegt plötzlich in einer Art Koma und die Ärzte finden nicht heraus, was es ist, sowas haben sie noch nie gesehen.

Also zieht man dann lieber um in ein anderes Haus, weil auch die Ehe zu kriseln beginnt. Die Phänomene hören jedoch nicht auf. Im Gegenteil, sie werden schlimmer. Das Haus ist zwar etwas heller. Aber der Phänomene werden mehr. Ein Zwerg spukt plötzlich rum im Haus. Es folgt ein Knall. Andere unheimliche Geräusche. Auch das Gespräch mit dem Pfarrer hilft nichts. Also wird Alice bestellt, eine Geistaustreiberin. Ihr voran tauchen zwei junge Männer mit weißen Hemden auf, sehr merkwürdige Erscheinungen mit Hokuspokus-Geräten ausgerüstet, mit denen sie das Haus absuchen. Wie Alice erscheint, eine Frau mit blondem strähnigem Haar, stimmig wie überhaupt die Besetzung superstimmig ist, da wird klar, wer in dieser Truppe das Sagen hat. Es ist Alice und die beiden anderen haben nur ihr nachzutippeln und aufzuschreiben, was sie bei der Begehung des Hauses sagt. Auffallend ist nun, dass am Ende statt der Notizen das wilde Gemälde eines Gespenstes zu sehen ist.

Im Ersten Teil, im ersten Haus, der knapp eine Stunde dauert, fängt es übrigens mit dem Babyyphon an. Die Mutter hört im Wohnzimmer aus dem Zimmer des Babys Männerstimmen und auch Krach und wie sie nachschauen geht, da ist nichts. Später dann nach so einem Radau liegt der größere Sohn, Dalton, der doch an Infusionen angehängt war, auf dem Boden und das ganze Zimmer ist ein Riesenchaos, das düfte einer der triftigsten Gründe für den Umzug gewesen sein.

Die Analyse von Alice ist jedenfalls, dass es sich um ein Verlassen des Astralkörpers handelt, resp. ein Spazierengehen mit selbigem und man erfährt dabei erstaunt, dass schon der Vater von Dalton das Phänomen kannte. Das Verfahren zur Identifizierung des Geistes, der sich im Körper von Dalton eingenistet haben muss, besteht darin, aufwändige Fotos zu machen, auf welchen der Geist ab und an zu erkennen ist.

Alice kündigt ihre Methoden als „a little unorthodox“ an, was auch zutrifft.
Bei ihr gibt es Geistaustreiben für 600 Dollar.
“I watch myself asleep”.

Geistaustreibsession. Hier wird’s gespensterhaft, wie klar wird, dass auch der Vater damit zu tun hat und noch später wird’s noch gruseliger, wie Alice gewürgt wird bei der Sitzung mit dem Metronom; to be outside ist der Zustand. Der Film hats gesehen und gefilmt, wie er in dem Sessel sitzt und gleichzeitig am Zimmerrand steht und sich betrachtet. Das Ziel ist, ihn wieder hinein zu kriegen. Dafür bedient sich James Wan, der Regisseur, einer ziemlichen Geisterbahnphase, die einfach hübsch gemacht ist, aber nicht allzu aufregend fürs Gemüt, man kann auch nachher sicher ruhig schlafen.

Ein Film, bei dem wohl die Freude darüber, wie schön und horrorstilsicher er gemacht ist, größer sein dürfte als der Grusel und der Kitzel durch die Effekte. Eher eine Augen-, denn eine Zitterweide.
Mit einem durchaus aparten Thema, dessen Nexus zur eigenen Erfahrungswelt aber eher dünn ist, die Anzahl der Fälle, in denen ich vom Bett aus mir zusah, wie ich mich von der Zimmerdecke herab betrachtete, halten sich in Grenzen.

2 Gedanken zu „Insidious“

  1. Von James Wan, ergo Pflicht. Nach dem Hatrick „Saw“, „Dead Silence“ und „Death Sentence – Todesurteil“ wird auch „Insidious“ sein Geld wert sein.

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