Huacho – Ein Tag im Leben

Ein Fake-Doku, der am Anfang durchaus glaubwürdig rüber kommt. Bedingt dürfte dies vor allem durch die Enge der Räumlichkeit des ersten Bühnenbildes sein, einer armseligen Behausung mit ständig ausfallender Elektrizität, wobei durch das Fehlen einer Außenansicht oder eines Gesamtbildes die Nachprüfbarkeit sehr beschränkt wird.

In dieser Räumlichkeit wohnt eine Familie aus Großvater, Großmutter, Tochter und Enkel. ein vielleicht 12jähriger Schuljunge. Durch die Enge bleibt die Kamera nah dran an den Leuten. So kommt auch die zweite Qualität, die die Glaubwürdigkeit erhöht, gut zur Geltung, dass der Regisseur prima mit seinen Schauspielern umgehen kann. Und so glaubwürdige Szenen inszeniert. Gerade in diesem ersten Teil ist auch die Kamera ein Zauberin wunderschönen Lichtes, der ständige gespielte Ausfall der Elektrizität gibt plausiblen Grund für Kerzenlicht oder weiches Außenlicht.

Die Struktur des Filmes, das wird rasch erkennbar, ist sehr systematisch. Eine Viertelstunde sind wir bei der Gesamtfamilie. Die einzelnen Akte werden jeweils durch einen Stromausfall voneinander abgetrennt, ganz cool einfach black, ohne Sound, dann kommen vier Akte, die sich je einem Familienmitglied widmen, in fast dardennescher Manier über die Schultern schauen. Erst die Oma, wie sie Käse macht und diesen dann am Strassenrand verkauft. Auch ungeniert lügt, dass sie die Kühe selber melkt, dabei haben wir vorher erfahren, dass sie die, und meist auch mit Wasser gestreckt, von einem Händler bezieht. Und teuer ist sie zudem, mindestens bis gegen die Abendstunden.

Als nächstes verfolgen wir die Mutter, die in der Küche einer kleinen chilenischen „Original“Attraktion, in der Art, original-chilenisches Herrschaftshaus, arbeitet und durch einen Spalt oder einen Zaun die amerikanischen und anderweitigen Touristen beobachtet. Sie ist immer in Geldnöten, versucht jeden anzupumpen, bringt dann sogar in der nächst grösseren Stadt ihr blaues Kleid zurück, damit sie die Stromrechnung bezahlen kann.

Im nächsten Akt hängt sich die Kamera an den Schulbuben. Ganz diskret bleibt sie einmal vor dem automatischen Gittertor eines Kameraden stehen, nachdem die Sesam sich geöffnet und den anderen Jungen verschluckt hat. Die haben alle Videospiele. Drum petzt unser junger Held beim Lehrer. Bei der Heimfahrt trifft er die Mutter im Bus. In der Kneipe bei ihrer Station holen sie noch den Großvater ab, der sein Tagelöhnergeld, ihn haben wir im vorletzten Akt beim Pfähle einschlagen in sengender Sonne begleitet, für Freunde und Alkohol in der Kneipe lässt.

Im letzten Akt ist die Familie dann wieder vereinigt.

Sonderbarerweise entpuppt sich der Film durch das Nacherzählen als interessanter als während des Schauens, dort störte mich irgendwann diese Aktaufteilung in Viertelstundensegmente, das sich mir nicht plausibel erschloss.

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