Hangover 2 – Jetzt ist Bangkok dran

Hier von Kino als einer anspruchsvollen Sache zu sprechen verbietet sich naturgemäss bei einer derartigen Ventilveranstaltung im Sinne eines Junggesellenabschiedes oder eines Polterabends. Wobei der dramaturgische Plot voll funktionsfähig wäre, gewissermassen noch dem zotigsten Mist eine tragfähige Basis verschafft. Das Wolfsrufdel, so da sind der Bräutigam und seine Kumpels, fliegen von Amerika nach Thailand, weil der Bräutigam dort eine asiatische Schönheit ehelichen soll. Die Nacht vor der Hochzeit jedoch endet in einem grauenhaften Absturz in Bang-Cock mit allseitigem Gedächtnisverlust. Dem Versuch der Rekonstruktion der Erlebnisse dieser Nacht wird die Hauptmenge des Materials dieser Holterdiepolter-Bilderzusammenstellung gewidmet; es findet sich vor allem in jener Region männlicher Fantasien, in welcher Eier und Ständer und Frauen mit schönen Busen und Schwänzen dominieren und sowieso die Urängste vorm Sex und die entsprechend diskriminierenden Vorurteile (dazu kommt noch ein Affe als Drogenkurier, ein verlorener Finger, dubiose Kriminelle, ein Tätowierer), jener Region die in der deutschen Hochkultur in Goethes Faust in Auerbachs Keller besungen wird als „wir fühlten uns wohl als wie fünfhundert Säue“, die Region, wo das Kulturelle im Menschen kapituliert, wesewegen er sie schnell und gern mit Gedächtnisverlust belegt; der vorliegenden Raustreifen versucht nun, diesem Gedächtnisverlust aus der Patsche und verdreckter menschlicher Nachtzeit zu Leinwandschummerlicht zu verhelfen. A la recherche d’une nuit perdue wäre ein zu ehrenvoller Titel. Wenn der Mensch sich selbst nicht mehr kennt und am Ende alles in die moralisch korrekt Form gießt, die Ehe nämlich.

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