Waste Land

Der Film könnte unter die Kategorie Kunstdoku subsumiert werden.

Dokumentiert wird die Fotoaktion des in New York lebenden aus Brasilien stammenden Künstlers Vik Muniz mit Arbeitern des „Jardim Gramacho“ bei Rio. Auf dieser inzwischen geschlossenen riesigen Müllhalde arbeiten Menschen als Recycler. Sie suchen wiederverwendbare Materialien aus dem angekippten Müll aus und verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt.

Vik Muniz hat erst Portrait-Fotos von einigen dieser Arbeiter und Arbeiterinnen mit Namen wie Magna, Zumbi, Suelem, Irma, Isis gemacht. Diese hat er in einer grossen Fabrikhalle aus einigen Metern Höhe auf den Boden projiziert. Er hat die Fotografierten für einige Tage engagiert, damit sie die auf den Boden projizierten Fotos mit Müll aus der Halde auslegten. Die so entstandenen Müllbilder hat Muniz dann wieder von oben fotografiert und die Fotografien auf grosse Formate aufgezogen.

Als erster Versuch ist er daraufhin mit einem dieser Bilder zu einer Auktion nach London geflogen und das hat sofort umgerechnet 50’000 Dollar eingebracht, denn Muniz ist ein Name in der internationalen Kunstszene.

Dokumentiert wird auch die Vernissage der Bilder in etwas kleinerem Format im Museum of Modern Art in Rio. Jedem der Fotografierten brachte Muniz nachher persönlich den Abzug „seines“ Bildes.

Ein Spezialsujet war die Nachstellung des berühmten Gemäldes „Der Tod des Marat“ von Jacques-Louis David, selbstverständlich mit einer Badewann aus der Müllkippe genau so wie dem Buch und den anderen Utensilien.

Im Rahmen dieser Dokumentation erhält der Zuschauer auch Einblicke in die Leben einiger dieser Müllarbeiter, ihrer Organisation und deren Kopf Valter.

Leider ist die Kamera immer sehr, sehr wacklig, so dass man die Bilder nie in Ruhe anschauen kann; nicht gerade betrachterfreundlich für ein Kunstobjekt. Und wenn ein Bild doch mal etwas länger steht, dann wird es übermässig und vollkommen überflüssigerweise mit Sound aufgepeppt, zum Beispiel wenn ein Müllwagen seine Fuhre auf die Deponie kippt und die Müllarbeiter schon auf den noch runterrutschenden Abfall aufspringen.

Muniz will mit seinem Projekt folgendes erreichen: mixing art with social projects.

Im Abspann ist zu lesen, dass die Aktion 250’000 Dollar gebracht habe, welche für ein Aufbauprojekt und ein Übergangsprojekt für die Zeit nach der Auflösung der Deponie zur Verfügung gestellt wurden. Wieviel der Künstler selbst an dem Projekt verdient oder ob er es ganz idealistisch ohne Rechnungsstellung gemacht hat, darüber schweigt der Abspann.

Interessant fand ich die Diskussion, ob es nicht schlimm sei, die Müllrecycler für zwei Wochen aus dem für unsere Augen furchtbaren Lebensbereich Müllhalde rauzureissen, sie für zwei Wochen im Atelier bezahlt Kunstluft schnuppern zu lassen, sie in das Rampenlicht der internationalen Kunstwelt zu führen und nachher müssen sie wieder zurück zu ihrem Müll. Ob man ihnen das zumuten könne. Die Antwort von Muniz ist eindeutig: dadurch kommen sie auf andere Ideen und sie erhalten vielleicht Impulse, ihr Leben zu verändern. Diese Ideen können sie aber durchaus auch in Büchern aus der Müllkippe finden; gesprochen wurde über Nietzsche, Marat und Macchiavelli (der liesse sich besonders gut auch auf Rio anwenden, war zu hören). Sie haben aus gefundenen Büchern sogar eine Bibliothek zusammengestellt.

Valter, so hiess der Weise in der Gruppe, der Kopf, der die Müllarbeiter organisierte und der auf mitleidige Kommentare zum Müllrecycling immer meinte, 99 sei eben nicht 100. Nach dieser Handlungsmaxime haben übrigens die Müllarbeiter gar nicht so schlecht verdient im Vergleich zu anderen Menschen in der Armutswelt der Favelas.

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