Der Name der Leute

Ein unvoreingenommener Film, der vom Titelthema ausgeht.

Arthur Martin ist ein Name, den es nicht allzu häufig gibt, aber man hört diesem Namen den Migrationshintergrund seines Trägers nicht an, man erhält keine Hinweise darauf, welche besondere Geschichte hinter dem Namen steckt. Er kann sich also mit seinem Namen ganz gut verstecken, denn wo immer er ihn nennt, fragen die Leute gleich: Elektro? weil es eine Firma selbigen Namens gibt, die allgemein bekannt ist.

In Bahia, die immer die einzige mit diesem Namen war, die ihre miesen Kindheitserlebniss schon mit dem Klavierlehrer hatte, und die jetzt eine trotzige Politiaktivistin ist, die mit rechtslastigen Typen schläft um sie zu bekehren, begegnet er seinem Gegenteil, einer Frau, die ihre Geschichte nicht verstecken kann, denn Bahias Eltern stammen aus Algerien, ihrem Namen sieht man den Migrationshintergrund auf 100 Kilometer an. Durch dieses Nicht-Verdrängen-Können ist sie bewusst, selbstbewusst und quicklebendig geworden.

Wir erleben sie als erstes in der Telefonzentrale einer Radiosendung, in welcher Arthur, der ein Spezialist für Tierseuchen ist und immer dann in eine Sendung gerufen wird, wenn mal wieder die Vogelgrippe oder ein Rinderwahnsinn die Gemüter beunruhigen; sie soll Anrufer durchstellen, aber wie sie eine Weile der Sendung mit ihrem Angstmachpotential zuhört, platzt ihr der Kragen, sie stürmt in den Studioraum und macht Arthur ganz heftig an, erst seien es die Vögel, dann die Kühe (?) und dann die Migranten, vor denen gewarnt wird.

Kurz darauf will sie schon mit ihm ins Bett, denn entweder treibt sies gleich mit einem Mann oder gar nie. Das überfordert Arthur allerdings. Trotzdem begegnen sie sich ein zweites Mal. Es entwickelt sich Zuneigung. Sie wollen heiraten. Aber ein Mirgrant, der dringend eine Aufenthaltsbewilligung braucht, kreuzt die Pläne; Bahia heiratet diesen sofort – und nicht Arthur; ihre Mutter ist ihr dabei behilflich, denn sie kennt sich aus, auch darin, wie solche Scheinehen kontrolliert werden. Arthur soll aus dem gleich Grund eine andere Frau heiraten.

Die zarte Annäherung von Bahia und Arthur geht trotzdem weiter. Besonders delikat ist der erste Besuch von Arthurs Eltern bei Bahia und ihren Eltern. Arthurs Eltern sind Juden und haben den Holocaust überlebt. Darum solle Bahia eine ganze Reihe von Begriffen und Themen vermeiden wie Gas und Ofen und Züge. Prompt gibt’s praktisch kein Thema mehr, was sie nicht instinktsicher in ein rhethorisches Fettnäpfchen verwandelt.

Später werden dann die beiden Väter zur Reparatur eines defekten Küchengerätes abgeordnet. Zufrieden wie kleine Buben schrauben sie das Teil total auseinander statt es zu reparieren.

Der Filmemacher hat sich eine gewise Spontaneität seiner Erzählweise bewahrt, indem er locker die Geschichten der beiden Protagonisten ineinander schneidet und sobald von der Vergangenheit die Rede ist, lässt er gleich die jugendlichen Pendants der Figuren auftreten

Es entsteht dadurch eine nicht unspannende Bewusstseinscollage moderner Menschen, die nicht als Franzosen geboren worden sind, aber in Frankreich leben. Das hat momentweise den Appeal eines Graffitis.

Bahia nennt sich eine „pute politique“, eine politische Nutte und so heisst dann auch das Buch das sie herausgibt. Bis dahin haben sich aber Arthur und Bahia aus den Augen verloren.
Sie hat Erfolg mit dem Buch.

(Das dürfte der aufregendste Neuzugang im Kinoprogramm dieser Woche sein!)

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