Alles, was wir geben mussten

Das Problem bei dieser Literaturverfilmung nach Kazuo Ishiguro scheint mir zu sein, dass sie zu lange ein Geheimnis um das Thema macht und dieses nur scheibchenweise lüftet. Dabei verstehe ich nicht ganz, welchen Reiz das für den Zuschauer haben soll, der den Roman nicht kennt und der nicht weiss, dass das Internat, welches im Zentrum der Handlung steht, von heranwachsenden Klonen bevölkert wird, die, wenn sie erwachsen sind, als Organspender fungieren sollen, und die meist nach der dritten Spende mangels weiterer Funktionsfähigkeit ihres Körpers „beenden“.

Merkwürdig, ein Film, der ein Geheimnis um sein Thema macht. Das dürfte nichte gerade rezeptionsdienlich sein.
Vermutlich also wieder eine jener Literaturverfilmungen, die vor allem Kennern des Buches gefallen dürften.

Denn die Fragen, die sich im Laufe des Filmes stellen, die sind durchaus reizvoll: was ist der Unterschied zwischen einem Klon und einem Menschen, können Klone lieben, haben sie eine Seele? Wie soll sich aber ein Zuschauer mit diesen Themen beschäftigen, wenn ihm noch gar nicht klar ist, dass er Klone vor sich hat?

Der Titel und das Thema geben dem bei Sportlern beliebten Satz „ich habe alles gegeben“ eine ganz unerwartet, sarkastische Bedeutung. Klone hier geben ihre Organe und damit ihr Leben.

Übrigens: bei Charlotte Ramplings Auftritt im Rollstuhl bin ich mir nicht so sicher, ob es nicht ihr eigener Klon ist, der sie hier vertritt.

Die deutsche Synchronisation ist klonenhaft monoton und clean.

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