Das Lied in mir

Ein deutscher Film, der mir das Gefühl vermittelt, den Machern liegt was daran, gerade diese Geschichte zu erzählen, die Geschichte einer Suche nach einer verdrängten/vergessenen Vergangenheit einer jungen Deutschen, die Schwimmerin ist und während eines Zwischenstopps in Buenos Aires mit einer Melodie aus einer ihr nicht gewärtigen Vergangenheit konfrontiert wird. Das löst eine überraschende Spurensuche aus.

Die Hauptrolle der Schwimmerin ist nach meinem Eindruck mit Jessica Schwarz als Maria überzeugend besetzt.

Schönheitsfehler an der Geschichte dagegen scheint mir die Skizzenhaftigkeit ihrer Schilderung, besonders der Rahmenhandlung, als ob die Hinführung zu dieser Spurensuche vernachlässigbar sei, aber auch in der Haupthandlung passieren mir einige Dinge allzu glatt und widerstandslos.

Dazu nur zwei Fragen: ist Maria auf dem Weg zu einem Wettkampf? Warum ist sie nicht mit einer Mannschaft unterwegs und auch ganz ohne Begleiter – oder kenne ich mich da im Sport einfach nicht genügend aus? Warum setzt sie sich, nachdem sie den Pass verloren hat, nicht als allererstes mit der deutschen Botschaft und mit Sportfunktionären in Verbindung? Für die Glaubwürdigkeit einer Geschichte sind gerade solche Reaktionen wie die auf einen verpassten Weiterflug keine quantité négligeable, sind genau die Dinge, die einer Geschichte enorme Glaubwürdigkeit und damit Nachdruck verleihen, ihr Verbindlichkeit geben. Wenn sie aber als vernachlässigenswert behandelt werden wie hier, dann vergibt sich das Buch auch die Chance auf zwingende Dialoge und muss zu den typischen, ätzenden deutschen Frühstücks(TV)dialogen Zuflucht nehmen, wie „Guten Morgen“ „Hast du schon gefrühstück“ „Na, ich war eben eine Runde um den Block, aber wenn Du Dich beeilst, kriegen wir noch was.“ Oder man muss den Film mit einem Satz wie „die lass ich im Auto“ (vorm Abflug aus Baden-Württemberg) beginnen lassen, einem Satz von lätscherter Bedeutungslosigkeit und im Film ohne jede weitere Signifikanz. Schade. Denn die Konfliktkonstellation, wie sie sich im Laufe des Filmes ergibt, ist hochexplosiv. Schön ist auch, wenn nach einer Szene, die wieder einen Hammer an Information lieferte, musikalisch begleitete Impressionen von Bueons Aires zum Wirkenlassen angschlossen werden.

Zugute halten würde ich Florian Micoud Cossen, so heisst der Regisseur und seiner Co-Autorin Elena von Saucken, dass sie mit dieser Skizzenhaftigkeit immerhin gut am Thema geblieben sind und sich nicht in Nebensträngen vertrödelt haben.

Fazit: „es ist schon viel Schönes dran“, wie nach einer ersten Stell-Probe gerne mal gewitzelt wird. (Wenn ich Hollywood wäre, würde ich mir den Stoff sofort unter den Nagel reißen und von einem richtigen Drehbuchhandwerksmeister nach allen Regeln der Drehbuchkunst ins Lot bringen lassen; und dann womöglich einen Hit landen). Den Film jedoch so schon ins Kino zu bringen, da verschenken die Macher sehr viel vom eigenen Einsatz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert