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Brutalität im Jugendknast, die Geschichte ging durch die Presse: ein jugendlicher Häftling ist von seinen drei Mitinsassen in der Vierer-Zelle über ein Wochenende brutal malträtiert und schließlich zum Selbstmord gezwungen worden.

Die grausame Tat hat Philipp Koch zu diesem Film veranlasst, denn der Jugendstrafvollzug ist in Deutschland in keinem guten Zustand, die Rückfallquote ist groß, ebenso die Selbstmordrate. Ein Appell-Film also, ein Hinweis-Film, ein Drauf-aufmerksam-mach-Film. Ein Film für Festivals mit Gutmenschen in den Juries. Die können das Bemühen um ein soziales Problem erkennen und honorieren und dabei über die Zustände bedenklich ihre Stirn runzeln.

Philipp Koch und sein Team haben sich viel Mühe gegeben und doch kommt alles recht steril rüber; wie mit der Pinzette angefasst; man möchte Gefängnisalltag zeigen, ihn aber doch nicht so wahrhaben wollen, wie er ist (vergleiche dazu den Film Un Prophète letzten Jahres, der die Machtstrukturen im Gefängnis wie mit einem Skalpell seziert hatte). Die Haltung von Koch ist eine sozio-ethische, vielleicht sogar die christlicher Nächstenliebe, er möchte sich mit dem furchtbaren Thema befassen, es aber gleichzeitig nicht zu drastisch darstellen. Wenn die Jungs duschen, dann drehen sie sich züchtig von der Kamera weg und es gibt eine cineastisch merkwürdig verklemmt gefilmte Vergewaltigungsszene mit einer Klobürste, erst sieht man nur das leidende Gesicht des Jungen und spürt die Rein-Rausbewegungen von hinten, dann liegt die blutgetränkte Clobürste auf dem Boden. Es ist eine frisierte Knastwelt des Gutmenschen, der sicherlich recherchiert hat, zum Beispiel, dass eine Portion Hasch „Koffer“ heißt oder wie mit einer Schnur, einem Schuh und etwas Schwung Dinge von vergittertem Fenster zu vergittertem Fenster transportiert werden können.

Koch möchte aber auch ein „ausgewogener“ Berichterstatter sein (was für einen Kinofilm ziemlich tödlich sein kann, wie Exemplum beweist), er führt den Knast auch als ein Ort der Erziehung und der Ausbildung vor, ein Ort des Schulunterrichtes (nicht jeder tut sich leicht, ein Subjekt von einem Verb zu unterscheiden), als ein Ort der Therapie (Gespräche mit der „Dachdeckerin“), als ein Ort, in dem es aufklärungs-, warnungs- oder informationshalber Führungen für andere Jugendliche gibt.

Ein weiteres Problem sind die erwachsenen Figuren, die von Drehbuch und Regie sträflich vernachlässigt worden sind; dadurch fehlt den jungen Darstellern ernst zu nehmender Widerpart; sie agieren dann stets so, als seien sie in einem Acting-Workshop (worauf beim Inszenieren wohl das Hauptaugenmerk auch gelegt worden ist, „stellt Euch vor, Ihr seid immer in dieser Zelle zu Viert und hockt da Tag und Nacht so dicht aufeinander“ – das tun sie auch sehr ernsthaft); aber es erscheint doch auch viel Selbstzweck dabei, weil ihnen die erwachsenen Figuren wie gesagt keinen schauspielerischen Widerstand entgegensetzen (können).

Zur Sprache und den Dialogen. Das Drehbuch versucht einen Gefängnis-Slang zu imitieren, jedoch nicht ganz so brutal und so direkt, wie er wirklich sein dürfte, zwar kommt das Wort „Schwuchtel“ vermutlich annähernd so häufig vor wie im realen Knastalltag, aber sonst gibt es auch sehr viele, künstlich wirkende und arrangierte Gespräche, zum Beispiel über die Befindlichkeit im Knast, damit fängt es an, die hocken auf ihren Betten in ihrem Zimmer und diskutieren, was sie nach dem Knast machen wollen. Da werden die vier Typen so ein bisschen charakterisiert, später gibt es ein ebensolches Gespräch über Frauen oder eine ganze Reihe von sehr ordentlichen Gesprächen mit Besuchern, Dialoge, fast wie in der Bibelstunde.

Quintessenz: gut gemeint aber nicht scharf genug analysiert, und das Buch nicht stringent genug konzipiert.

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