Howl

Biopic verstanden als ehrliche, hochanständige, sanfte, künstlerisch schön und respektvoll ausgestaltete Agit-Prop für Toleranz der Homosexualität gegenüber.

Wobei das Biopic sich reduziert auf die Phase im Leben von Allen Ginsberg, die sich mit Publizierung, Verbot und Gerichtsverhandlung um das Gedicht Howl beschäftigt, was für Ginsberg damals den Durchbruch bedeutete.

Das Gedicht Howl war von Moralisten angegriffen worden, weil darin mit Wörtern wie Schwanz und Möse und deren Mehrzahl locker umgegangen wird.

Der Film besteht aus drei ineinander geschnittenen Strängen. Ein Darsteller, der äußerlich dem originalen Ginsberg sehr nahe kommt, rezitiert das Corpus Deliciti, das Gedicht Howl, das ausserdem illustriert wird mit kafkaesk anmutenden Animationen von Epstein und Friedman. Im zweiten Strang gibt es nachgespielte biographische Situationen aus dem Leben von Ginsberg (zum Beispiel aufregend-erotisch im Bett mit dem Frauenhelden Neal Cassady) und ein fiktionales Interview aus Zitaten, dabei sitzt der Ginsberg-Darsteller an der Schreibmaschine. Im dritten Strang wird die Gerichtsverhandlung über das Gedicht Howl nachinszeniert, wobei der moralinsaure Kläger mit seinen Einwänden dem Begriffsdifferenzierungsvermögen der Richter – gottseidank! – nicht gewachsen ist.

Ein sehenswerter Einblick in ein Stück schwuler Emanzipationsgeschichte.

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