Vater Morgana

Fünf Versuche, diesem Film einen angemessenen Text zur Seite oder gegenüber oder hintan zu stellen.

1. Versuch: dieser Film dauert 90 Minuten, sonst ist nichts Besonderes an ihm. So sollen halt die eingespielten Musiktitel aufgeführt werden: My Way / Put Your Hand In Mine / Hochzeitsthema / Vier Jahreszeiten (Frühling) / Barcarole (Les Contes d’Hoffmann) / The Story / Valse Opus Nr. 69 Nr. 1 / Chiu-Chiu / An Der Schönen Blauen Donau Opus Nr. 314 / Ali Barber / Sonate In C / Waiting For The Man / Better Days / 27 / Daddy / Sexual Monster / Noise Of Silence / Ohne Dich (Schlaf Ich Heut Nacht Nicht Ein) / Die Letzte Chance / Mindy / Morgenblätter Opus Nr. 279 / Fly Me To The Moon (In Other Words) / Lovin’ Man.

2. Versuch: Komödie im deutschen Film ist, wenn ein Demenzkranker statt Pistole Kartoffelschäler, statt Flokati Flohzirkus und statt Würfelzucker Matjes sagt oder „Mach mal die Bügelbretter aus, Du siehst gar nichts“, so Michael Gwisdek, der einen quirligen, dementen Alten chargiert zu seinem Sohn, über den es einzig zu erwähnen gibt, dass Christian Ulmen ihn spielt und der hat wohl ein Vaterproblem.

3. Versuch: Wenn nebst der Pisa-Studie auch Witzigkeit und Esprit des Kinos eines Landes ein Gradmesser für das Niveau der Bildung wären und wenn dieser Film unter diesem Standpunkt betrachtet würde, wäre er ein weiteres verheerendes Zeugnis für den Bildungsstand im Lande. Denn Witz und Esprit dieses Filmes erschöpfen sich bereits vollumfänglich mit dem Titel.

4. Versuch: Aphorismen: Die tote Leinwand. Ein Cast, der sich beißt – wenn er sich wenigstens kratzen täte. Der Song, „eisgekühltes Coca-Cola.“ der schon im letzten Ulmen-Film nicht für Stimmung sorgen konnte, muss hier wieder herhalten und wird auch diesen Ulmen-Film nicht retten können. Niveau unter der Wachalei. Cameo-Auftritte von Heinz Hönig und Hans-Peter Hallwachs, die dem Flohzirkus auch kein Matjes bügeln können; geht’s den beiden so schlecht, dass sie diesen Würfelzirkus annehmen müssen? Man muss den Abstieg feiern, wenn er fällt. Selbst eine Klamotte braucht ein Minimum an, ähm, Bremse.

5. Versuch: Wie kommt es, dass so ein dürftig Werklein mit öffentlichen Geldern gefördert wird? Wobei jetzt schon abzusehen ist, dass sowohl das breite als auch das elitäre Publikum den Film meiden wird, denn das Publikum für diesen Film war vielleicht in den 50er Jahren noch gut zu Fuß.
Wo liegen die Kino-Qualitäten dieses Regisseurs und Drehbuchautors? Beim Schreiben garantiert nicht und die Regie ist auch nicht mehr als biederes TV-Gewerbe.
Vielleicht hat der junge Mann, nennen wir ihn Till Endemann, einen schelmischen Blick oder ein leicht linkisches Gehabe oder er ist ein kühler Blonder aus dem Hohen Norden und die Herrschaften von der Förderung, selbst schon jenseits der Grenze der Vergesslichkeit, was Kinokomödie leisten könnte, wenn sie’s denn könnte, fühlen sich sentimental berufen, dem Jungen helfen zu müssen – dem Kino helfen sie damit nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.