Somewhere

Sicher, die Filme von Sofia Coppola, die kann man anschauen. Die haben schon was Persönliches, wie soll ich sagen, fast was unbekümmert Persönliches. Wenn es ihr gefällt, so lässt sie einen schwarzen Lamborghini Runde um Runde auf einer Teerbahn in einer Wüstenei drehen. Eins, zwei, drei, ad libitum. Das ist subjektiv, das ist kindisch-kindlich, das ist irgendwie radikal. Das vergisst man auch nicht so schnell. Ah, das war doch der Film mit dem Lamborghini, der in der Wüste wie verrückt im Kreis gefahren ist.

Es gibt auch Szenen, die sind weniger originell, wenn der Protagonist des Filmes, ein erfolgreicher TV-Star, sich Go-go-Girls ins Hotelzimmer bestellt, die dann an einer Stange grässlich abtörnende Tänze vollführen. Und weitere Szenen aus einem gelangweilten Starleben. Tiefe hat das nicht.

Tiefe hat vielleicht das Leben hors classe, welches das natürliche, geburtsbedingte Biotop von Sofia Coppola ist, sowieso nicht (ihr Vater war der berühmte, ja, ja, Francis, ja ja, Ford Coppola, also Weltprominenz). Und vielleicht erkennt sie das. Und dann dreht sie ganz ungeniert ohne Tiefe. Und vielleicht macht gerade das die Filme für die Kritiker – und auch für ein gar nicht so kleines Publikum, wie LOST IN TRANSLATION bewiesen hat – so überaus faszinierend, diese Zwanglosigkeit, dieses sich an kein Gesetz gebunden fühlen, diese Spontaneität, dieses dem Einfall folgen; einfach diese Freiheit, die sie hat und die sie sich nehmen kann – und sich auch nimmt(!), wie sie sonst beim Film vor lauter Produktionszwängen kaum mehr zu finden ist, erst recht nicht beim deutschen Film, der immer schlimmer im Prokrustes-Bett des Fernsehens deformiert wird – dagegen muss einem Sofia Coppolas Film wie eine Erlösung vorkommen.

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