Die kommenden Tage

Diffuses zu pointieren und zusammenzufassen ist nicht leicht.

Vielleicht können notierte Auffälligkeiten und Auszüge aus Dialogpassagen einen Hinweis dazu geben, was es mit diesem Film auf sich haben könnte.

Am schönsten sind die Bilder von der mit Transportzeppelinen überfüllten Luftautobahn am Anfang – wenn wir’s bei Luc Besson nicht schon schöner gesehen hätten.

Im Zentrum des Films steht die Familie Kuper. Papa ist gut situierter Anwalt. Die Mama wird von Susanne Lothar gespielt. Dann sind da noch zwei Töchter und ein Sohn.

Daniel Brühl und August Diehl stehen auf je eine der beiden Töchter Kuper.

August Diehl durchlächelt seine Rolle degetohaft.

Daniel Brühl findet dort, wo der Film den Elan zum Endschwung nehmen sollte, alle Zeit der Welt, eine Volière mit Greif- und Nachtvögeln wie im Naturkundeunterricht zu erklären; das ist dann wohl ein modernes Verständnis von Suspense. Er hat eine Augenkrankheit. Seine Liebe zur einen der Kuper-Töchter ist gezeichnet von der Rarität eines medizinischen Falles, dass Kinder, die sie zusammen zeugen, schon im Mutterleibe sterben. Dieser Fall wird im Film wie in einer Fernseh-Ratgeber-Sendung genau erklärt. Die Augenkrankheit ebenfalls.

Vincent Redetzki spielt den Sohn der Kuper-Familie. Er heisst im Film Philipp und will zum Militär; er spielt die Rolle mit einer dringlicheren Ernsthaftigkeit als die anderen Darsteller und ohne jedes Degeto-Lächeln, ähnlich wie Tobey Maguire den Sam Cahill in „Brothers“ – und fällt dadurch aus dem Rahmen. Weil Philipp zum Militär will, gibt er dem Filmemacher Kraume die Chance, eine Gelöbnisfeier der Bundeswehr zu zeigen. Philipp aber will nur zum Militär, weil er Astronaut werden möchte.

Hüttendialog
„Die Heidi und der Geissenpeter“ …
„Ich will in der Stadt leben, ich will promovieren“ …
„es tut mir leid, äh… dafür bin ich charmant und sportlich, gutaussehend“.
„und eitel … drum pflanz ich Dir eine Kartoffel“
„Laura, ich freue mich wahnsinnig auf unser Kind .. ich will dass Dein Leben fest wird“.

Hochzeit in einsamer Kapelle. Das Brautkleid wird im Lendenbereich von innen rot. Klinik.
„Ihre Frau hat den Eingriff gut überstanden, aber für Ihr Kind kam unsere Hilfe leider zu spät“
— „Ich habe leider keine gute Nachricht für Sie“
Dann edelkitischiger Abschied von totgeborenen Kind.

Das Paar, das keine lebenden Kinder kriegen kann, liebt sich heftig.
„beschissen finde ich, dass Du nicht dazu stehen kannst“
„wenn ich mit dem Menschen, den ich liebe, keine Kinder kriegen kann…“.

Es kommen noch vor: Terroristen-Cyber-Angriff, Schwarze Stürme, Menschen auf der Flucht, Geburt, Verfassungsschutzbesuch bei Kupers, Begegnung in der Bibliothek, Gespräch über Veränderung und Evolution, gewalttätige Demos, eine europäische Hochsicherheitszone, ein Satz wie „Ich habe den Quatsch von Konstantin und Du hast das Kind von Konstantin“, Frauenhysterie, Streichermusik (bedeutungsvoll), Schächten einer Ziege und als Zugabe gibt’s eine flambierte Alphütte mit totem Geier und abgeschlachteten Menschen.

Gegen Ende sagt Laura, das ist die eine der beiden Kuper-Töchter, „Konsequenz führt immer in den Terror; das Chaos, das Kuddelmudel ist das Leben“. Vielleicht stellt der Film den Versuch dar, diese merkwürdige Verkürzung des Begriffes Konsequenz zu illustrieren oder es handelt sich hier, wie schon vorige Woche beim Vampir-Film „Wir sind die Nacht“ um ein grundsätzliches Missverständnis darüber, was großes Kino sei.

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