OFF, Tag 3 – Out to Sea

Ganz ehrlich: Wer am dritten Abend eines Festivals noch bloggen kann, macht etwas grundlegend falsch. Ich melde mich morgen, gegen Nachmittag.

Also. Der gestrige Festivaltag bot etwas ganz besonderes: Dänemarks ersten Pitching Contest. Zehn aufstrebende Filmemacher bekamen die Gelegenheit, vor einem Podium von vier Funktionären der dänischen Filmbranche zu sprechen und ihr Projekt vorzustellen. Das ganze Fand im Momentum Theater auf der Bühne statt, das Publikum bestand aus geladenen Festivalbesuchern.

Nach strengen fünf Minuten würde jeder nicht vollendete Pitch nötigenfalls zwangsweise abgebrochen, dann durfte das Podium zehn Minuten lang nachfragen, bohren und abklopfen. In Folge hatte dann auch das Publikum die Gelegenheit, fünf Minuten lang Fragen zu stellen, was gerne genutzt wurde. War einer der Autoren mit dem Pitch nicht fertig geworden, lautete die erste Frage sowieso stets, wie der Film ausgeht, was bei einem Pitch ja sowieso immer dazuerklärt werden muss, denn vor einer eventuell teuren Filmproduktion muss natürlich jeder Twist klar sein. Ein Pitch ist also kein romantisches Geschichtenerzählen am Lagerfeuer. (Video)

Der Gewinner wird 50.000 DKK gewinnen (€6.600), um sein Drehbuch ausarbeiten zu können und wird bei der Preisverleihung am Freitag bekanntgegeben.

Ich verließ den Pitching Contest zur Halbzeitpause, denn ich wollte mir ein Fahrrad mieten. Der Preis von 100 DKK am Tag ist sehr günstig, doch leider hatte das Geschäft auch nur bis 13 Uhr offen. Ich ärgerte mich über die verpassten Pitches und mein schlechtes (nicht vorhandenes) Dänisch, und begab mich wieder aufs Filmfest. Hier wurde ich eingeladen, an einer kleinen Bootsfahrt in Richtung Meer teilzunehmen.

Die Networking Cruise sollte dazu dienen, die Kulturmacher der Insel Fünen und deren Geldgeber an einen Tisch zu bringen, um mittelfristig effektiver und sicherer Kultur machen zu können. So fand ich mich bald mit Theaterleitern, Regisseuren, Produzenten, Finanziers und einigen Kisten Bier auf einem Ausflugsboot wieder und schipperte auf dem Odense-Kanal Richtung Ostsee.

Auf Höhe Klintebjerg stand ein dicker Mann am Kai und brüllte das Schiff mit sich überschlagender Stimme durch ein Megafon an, winkte heftig und wiederholte alsbald seine Bemühungen, unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Tatsächlich war das ein geplanter Stunt, es handelte sich um Banjo von Banjos Hotdogwerken, eine lokale Koryphäe in der Herstellung besonders leckerer Hotdogs. (Video) Wir legten an, und jeder musste mindestens zwei essen. Wer dem Standl zu nahe kam, bekam ungefragt einen weiteren Hotdog in die Hand gedrückt, ich war nicht der einzige, der schließlich mit drei der Würsteln im Bauch über den Kai wankte. (Zumal ich, gänzlich in Unkenntnis des nahenden Hotdog-Ausfluges, einige Stunden zuvor bereits einen Hotdog der Konkurrenz gesnackt hatte.) Die Heimreise entlang des Kanals (ursprünglich sollte die Fahrt tatsächlich aufs Meer gehen, doch der Seegang war zu stark, um die Angelegenheit noch als gemütlich empfinden zu können) verlief in großer Zufriedenheit, sämtliche Teilnehmer waren hotdogbeseelt und bierbeglückt, und das Networking unter den Dänen schien zu flutschen. Nicht unerwähnt sollte werden, dass das Schiff nochmal anlegen musste, um drei vergessene Passagiere (inkl. mir) aufzunehmen. Wir waren einen Steg entlangspaziert und hatten die ganzen Boote dort angeschaut.

Sebastian, ein Vertreter des Kurzfilmfeststs von Winterthur, und ich ließen uns vom Shuttlebus am Hotel absetzen, so dass wir uns frisch machen konnten. Es war schon acht, und ab neun würde es Livemusik im Club OFF geben. Ich wechselte mein Hemd und machte mich wieder auf den Weg. In den Club wäre ich fast nicht reingekommen, da mein Badge noch im anderen Hemd steckte und von den Leuten, die mich mittlerweile kannten, keiner in Sicht war. Es wäre keine Katastrophe gewesen, dann hätte ich halt einfach Eintritt gezahlt, doch einer der OFF-Helfer eilte mir schließlich zu Hilfe.

Es spielte Black Horse, eine junge Band mit eigenwilligen Klängen, und wir tranken weiter das wirklich leckere Odense-Bier von Albani. Im Anschluss setzten Sebastian und ich uns zusammen, ein paar der OFF-Mitarbeiter kamen hinzu. Und hier endet mein Bericht, auch wenn ich noch folgende Stichworte fallen lassen möchte: Bier, alternative Bar Den Smagløse (der Name bedeutet „geschmacklos“), Bier, Fernet Branca, schließt irgendwie schon um drei, Boogies Club, Bier, tanzen, OFF-Mitarbeiter und Filmfestgäste gießen sich gemeinsam einen auf die Lampe, jemand hat eine Flasche Rum gekauft, gibt aber nichts ab, Bier, volles Bier fallenlassen, schließt irgendwie schon um halb fünf, torkeln zum Hotel unter der gelallten Wegbeschreibung der Mittrinker, sich-als-Gast-identifizieren gegenüber der eher resoluten Nachportierin, Morgendämmerung, Bett. Was für ein Fest! Das nenn‘ ich Networking!

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