OFF, Tag 1 – Ankunft

Niemand wird überrascht sein, wenn ich schreibe, dass die Ankunft in einem fremden Land etwas Gewöhnungsbedürftiges ist. So ging es auch mir, obwohl ich mir auf die Fahnen schreibe, ein weltoffener und belastbarer Tourist zu sein, der nicht sofort von einem Reiseleiter an die Hand genommen werden braucht.

Doch wenn man erstmals nach Jahren wieder in ein Land mit einer anderen Währung als dem Euro kommt, noch dazu in eines, bei dem man den Wechselkurs nicht einmal ansatzweise im Kopf hat; wenn man zudem auch noch die Sprache bis auf „Hej“ (Hallo) und „Tak“ (danke) nicht versteht, dann sieht man sich vor Hürden, deren Existenz man längst vergessen hatte.

Die Anreise an sich verlief im Grunde ereignislos und so glatt, wie man sich das nur wünschen möchte. Sämtliche Leute, auf die ich getroffen bin, waren überaus freundlich und entgegenkommend. Dabei begann der Tag mit einem Verbrechen: Da ich keine Münzen für den Fahrkartenautomaten im Bus hatte, fuhr ich bis zur U-Bahn schwarz. Dort erstand ich besagte Tageskarte und verkaufte sie am Flughafen (mein zweites Verbrechen) an einen frisch gelandeten Geschäftsmann, der wahrscheinlich noch immer damit in München herumgurkt.

Dem Flug folgte der Umstieg in die Bahn in Kopenhagen, dann zwei Stunden durchs Land, unter anderem auf der beeindruckenden Brücke über den Großen Belt – wobei der Zug die östliche, beeindruckendere Hälfte der Strecke in einem Unterseetunnel zurücklegt und erst auf einem kleinen Eiland zur Autobahn stößt. Kaum hat man die Insel Fünen erreicht, hält der Zug auch bald in Odense. Ein kleiner Spaziergang durch einen Park brachte mich in mein Hotel, und nach dem Einchecken erkundete ich die Stadt, insbesondere natürlich die Stätten rund ums Filmfest.

Das Praktische am strömenden Regen ist, dass man sicher erfährt, ob man eine undichte Schuhsohle hat. Ich habe sogar deren zwei, durfte ich feststellen. Dann dauerte es auch eine Weile, bis ich das Filmfestbüro auf dem weitläufigen Gelände der Brandts Klædefabrik gefunden hatte, ehemals Kleiderfabrik, nun Kulturzentrum mitten in der Stadt. Es kann halt nicht alles klappen. Doch ich wurde wärmstens empfangen, und mit den üblichen Pressematerialien versorgt.

Der erste offizielle Akt des Filmfests war die Eröffnungsgala am Abend, passenderweise auch gleich Kick-OFF genannt. Verschiedene Funktionäre begrüßten den zum Bersten gefüllten Saal, insbesondere Artistic Director Mikkel Munch-Fals hatte die Lacher auf seiner Seite. Selbst Filmemacher, hatte er den Spagat zwischen der Ablehnung seiner früheren Werke zu ebendiesem Filmfest und der Aufgabe, nun selbst am längsten Hebel zu sitzen, zu schlagen. Seine mit ordentlich Selbstironie geführte Rede strotze vor vergangenen Kapiteln hart erkämpfter, bitterer Lebensweisheiten und war dennoch mit Güte, Einsicht und Weisheit abgerundet.

Zwischen den einzelnen Rednern wurden ausgewählte Kurzfilme gezeigt, die bereits das breite Spektrum der zu erwartenden Filme abdeckten. Besonders beeindruckend war Babel von Hendrick Dussolier, der die Zerrissenheit der Chinesen zwischen Tradition und Moderne (und insbesondere dem schnellen Geld ohne Rücksicht auf Verluste) zeigt. Auch Synesthesia vom Duo Terri Timely riss vom Hocker, denn die geradezu hypnotische Kombination aus verschiedenen (einfachen) Spezialeffekten und skurrilen Handlungssträngen in einer kleinen Wohnung, alles zum Takt einer fremdartigen Musik, fesselten die Zuschauer in Nullkommanichts. Außerdem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass drei lokale Gesangsgrößen eine Festivalhymne komponiert hatten und zum Besten gaben.

Das obligatorische Get-Together im Anschluss brachte die Besucher und Macher des Festivals im Foyer (mit Bar) in gelassener Atmosphäre zusammen und führte teilweise zu stundenlangen Gesprächen über Gott, Film und die Welt. Ein guter Auftakt zu einem sicherlich gelungenen Festival!

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