Der Fluch von dem Judas sein Kelch

Am gestrigen Samstag Abend zeigte RTL zur Prime Time The Librarian: The Curse of the Judas Chalice, einen augenscheinlich im Fahrwasser von Indiana Jones angesiedelten TV-Abenteuerfilm, diesmal mit einem Bibliothekar und irgendwelchen Vampirgeschichten, für mich nicht weiter von Interesse. Bis mich folgende Mail eines Freundes mit dem Betreff „Aua aua“ erreichte:

Nicht zu fassen, ich habe zuerst gedacht, es sei nur ein Fehler in der Programmzeitschrift. Aber nein: Groß angekündigt auf RTL und in allen Zeitungen und Online-Fernsehprogrammen brav abgetippt — „The Quest — Der Fluch des Judaskelch“. Des Kelch?? So wie: Das Haus des Mann? Der Name meines Vater? Des Pudel Kern? Habe ich da was nicht mitbekommen und die Deklination von Substantiven ist durch eine Zuschauerabstimmung von RTL endgültig abeschafft worden? Ich packs nicht … Dass das mal ein RTL-Redakteur nicht checkt – geschenkt. Aber das es ALLE widerspruchslos abschreiben, das kann doch echt nicht sein. Noch besser: In der IMDB steht der Film als „Der Fluch des Judas Kelch“ (Anm.: hier). Muss aber wild geflucht haben, der gute Herr Kelch, wenn man darüber gleich einen Film drehen konnte 🙂

Tatsächlich, der Mann hat Recht. Und die Angelegenheit ist nicht nur ihm aufgefallen. Der Film scheint als DVD so auf den deutschen Markt gekommen zu sein, und vom offiziellen (aber falschen) Titel wurde nicht mehr abgewichen.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um irgendein Wortspiel wie zum Beispiel bei Titeln wie Of Moose and Men, Biss zum Morgengrauen oder Salami Aleikum. Nein, „des Kelch“ ist schlicht und einfach falsch, die korrekte Deklination lautet „des Kelches“. Grundsätzlich mündige Redakteure verstecken sich in solchen Fällen meist hinter der PAL-Regel aus dem Anhalter: Sie können nicht sehen, was sie nicht sehen wollen.

Das Problem ist symptomatisch für die gesamte deutsche Filmwirtschaft: Korrekte Rechtschreibung, Grammatik oder auch Wortwahl scheint in den Medien in zunehmendem Maße als optional zu gelten, insbesondere bei der Synchronisation von Filmen. Hierzu siehe „falsche Freunde„, diese Fettnäpfchen werden üblicherweise in großer Zahl mitgenommen, wenn Filme eingedeutscht werden.

Ein besonders gängiges Beispiel für so einen Fehler findet sich in Untertiteln. Bekommt der Zuschauer dort eine Rückblende vorgesetzt, steht meist unter dem Bild „Drei Jahre früher“, was aus „three years earlier“ korrekt übersetzt wurde, sofern man die Worte ohne Zusammenhang übersetzt. Doch das wirklich korrekte Deutsch für „three years earlier“ lautet „Drei Jahre zuvor“. Das weiß scheinbar nur jeder zehnte Untertitel-Autor, und das ist schade.

Nachdem es die massiven Fehler von Double Facepalm-Qualität nun auch schon in die Filmtitel geschafft haben, bleibt also nur noch offen, wann der Untergang des Abendlandes denn nun endlich besiegelt ist.

Double Facepalm

PS: Rechts im Bild übrigens ausgerechnet der Regisseur des Meisterwerks.

Ein Gedanke zu „Der Fluch von dem Judas sein Kelch“

  1. „Kelch“… „Kelches“… … … „des Kelch“… ? *grübel*

    Hmm…

    Wenn es einer Million Bahnhofspennern (inklusive mir) nicht aufgefallen ist… und auch andere es erst bei der Wiederholung bemerkt haben… dann lass‘ ich es durchgehen…

    „Des Kelch“… „Des Kelches“… „Des Kelch“…

    Blödes Wort…

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