Bergblut (Filmfest München)

Die Erzählperspektive dieses Filmes schielt – und zwar gewaltig. Sie gibt vor, auf das Schicksal von Katharina zu schauen, der Städterin aus Augsburg, die der Liebe wegen ins Tiroler Bergbauerndorf auswandert, enthält uns aber das Fundament der Anteilnahme an ihrem Leben, nämlich Träume, Konflikte, die ein Ziel, eine Spannung emotional nachvollziehbar herstellen könnten vor und schielt auf den Tiroler National- und Freiheitshelden Andreas Hofer, dem sie am Ende auch eine prächtige Erschiessungsszene gönnt, dessen Weg aber auch nur durch Erzählung und unter Verweigerung der Möglichkeit der Anteilnahme durch den Zuschauer, erklärt wurde. Dass der Zuschauer trotzdem nicht nach kurzer Zeit schon den Saal verlässt, dürfte einzig und allein (sic!) das Verdienst der grandiosen Kamera sein, die in jedem einzelnen Bild was zu erzählen hat, angefangen wie sie sanft, fast anmacherisch über die Gletscher fliegt bis zu Strukturen in Textilien, Holz, Gegenständen, Natur, Alpen, wie sie diese in ihrem Bei-sich-Sein überrascht.

6 Gedanken zu „Bergblut (Filmfest München)“

  1. es war ein film der ein wenig ruckelt vor allem zu beginn und gegen ende….ein wenig übermütig nach hollywood schielt…und sich einer klassischen erzählstruktur verschreibt, die man als altmodisch bezeichnen könnte…dennoch, finde ich, funktioniert funktioniert er viel bessser als die meisten filme, die ich auf auf dem filmfest gesehen habe…dass man sich nicht einfühlen kann trifft nicht zu..im gegenteil…das schicksal der hauptdarstellerin und deren ehemann geht, ob man es will oder nicht ans herz, knapp am kitsch vorbei, aber doch vorbei…es ist kein neues deutsches kino und will es nicht sein…ausserdem gibt es ein unglaublich homogenes cast…allen voran die zwei jungen ( noch) relativ unbekannten hauptdarsteller, die die geschichte durchaus emotional zu füllen vermögen….es ist wunderbar den dialekten zu folgen…..den grossartigen bildern ..es ist nicht neu, was erzählt wird, es sind die alten zutaten krieg liebe tod ..aber es trifft den zuschauer…
    der einzige grosse wehrmutstropfen ist die musik…die leider oft den film mit süße übertünkt, die er sonst warscheinlich gar nicht hätte und szenen pathetisiert und aufbläst, die eigentlich von ihrer kargheit leben könnten…das tut manchmal weh…da dadurch auch krieg verklärt und falsches heldentum heraufbeschworen wird.
    aber dennoch ist es eine große leistung von regisseur ( er ist erst 25), kamera und schauspielern…und eine liebeserklärung an südtirol…eine packende geschichte…..und kino für zuschauer….

    sven

  2. Mich hat die Kombination aus Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund sehr beeindruckt.
    Obwohl der Film an einigen Stellen Längen aufweist, hat gerade die Musik es geschafft, diese Längen zu überbrücken. Wer von „süße übertünkt“ spricht, scheint sich nicht wirklich emotional auf die Geschichte einlassen zu können. Gerade an den entscheidenden Stellen (der Volksaufstand und gegen Ende Hofers Gefangennahme) wurde die Intensität durch grossartige musikalische Untermalung hervorgehoben.
    Hut ab auch vor der Produktion, die wohl mit geringen finanziellen Mitteln einen Film von solcher Größe geschaffen hat.
    Beeindruckend auch, dass ein so junger Regisseur ein solch großartiges Werk als seinen Abschlussfilm herausgebracht hat.

  3. Für mich definitiv einer der interessanteste Filme, die ich auf dem Filmfest gesehen habe! Ich war emotional die ganze Zeit dabei, habe viel über die Geschichte Tirols erfahren und fand die Schauspieler einfach klasse!
    Was für eine Kamera! Was für ein erfrischend eigenwilliger Film! Bravo!

  4. Es gibt ihn noch: den großen Bergfilm, der den Zuschauer emotional packt und ihn über die gesamte Länge des Films (2 Stunden) dermaßen fesselt, dass er völlig die Zeit vergisst. Das Schicksal der Bergbäuerin Katharina wird stimmig erzählt, und ihre widerstreitenden Gefühle werden in sensiblen Bildern eingefangen. Besonders beeindruckt hat mich die Spielfreude und das Engagement der Haupt- und Nebendarsteller, was der Geschichte trotz der Schwere und Tragik des Themas irgendwie auch eine große Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit gegeben hat. Das zeichnet gute Filme aus. Pamer hat als Regisseur voll überzeugt.
    Hervorzuheben ist vor allem auch die grandiose Filmmusik, die unter die Haut geht und die Gefühlsschwankungen, denen man als Zuschauer angesichts der gewaltigen Bilder ausgesetzt ist, kraftvoll verstärkt. Die Stimmigkeit zwischen Szene und Melodie war perfekt, der Gänsehautfaktor hoch, und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass diese Musik sich mit Hollywood-Filmmusiken durchaus messen kann. Bin gespannt, ob diese Filmmusik demnächst nicht auch ohne den Film, z. B. bei Klassik Radio, zu hören sein wird.

  5. Gestern habe ich beim Autofahren auf Bayern 4 die Filmmusik von Bergblut wieder gehört, nachdem ich vor 10 Tagen die Premiere des Films im Gasteig gesehen hatte. Ich habe lange keinen Bergfilm mehr erlebt, der alle Register des Genres dermaßen auszuspielen weiß: ganz großer Film, ganz große Klasse! Persönlich hätte mir nur der Hermann in der Rolle von Katharinas Ehemann besser gefallen, da er von Alter und Statur her kraftvoller rüberkommt als der Schauspieler, der den Franz gespielt hat. Auch dieser hat schauspielerisch durchaus überzeugt; ich fand ihn für die Rolle aber zu jung und zu schmal.
    Das Sahnehäubchen dieses Films ist ohne Zweifel seine Musik. Sie treibt einem auch dann die Tränen in die Augen, wenn man sie „pur“, also ohne Bilder, hört. Der Komponist spielt auf auf der Gefühlsskala seiner Zuhörer wie ein Pianist auf der Tastatur. Vor allem die Eingangsmusik und das Thema erreichen eine Tiefe, die den Vergleich mit Hans Zimmer und Ennio Morricone nicht zu scheuen braucht. Grandiose Klänge und ein echter Ohrenschmaus!

  6. Die PR-Maschinerie für diesen Film Bergblut und für seine Musik scheint deutlich besser zu funktionieren als der Film selber.

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