Am Set von „Sommer in Orange“

Der Marcus H. Rosenmüller dreht mal wieder in der bayerischen Provinz, und diesmal wurde ich zum Setbesuch eingeladen. Der Drehort lag praktischerweise nur 20 km die Straße runter von meinem Zuhause im Speckgürtel Münchens, und so begab ich mich mit großer Vorfreude und meiner kleinen Kamera ans Set von Sommer in Orange. (Fotos hier)

Wieso Vorfreude? Nun, als ich noch selber Filmemacher werden wollte, durchlief ich zwischen 1994 bis 1999 einen wahren Bewerbungsmarathon bei so gut wie allen deutschen (und einigen ausländischen) Filmhochschulen, allesamt erfolglos. Eigentlich sollte ich ja hauptberuflich mein Biologie/Chemie-Studium an der LMU München bestreiten, aber die Anziehungskraft von Hollywood war dann doch stärker, das kreative Knistern am Filmset viel faszinierender als der Zitronensäurezyklus, die RNA-Synthese und die Allen’sche Regel.

Also stand ich für diverse Hochschulfilme an diversen Sets, bewachte nachts eine Kamera im Olympischen Dorf, sperrte tapfer Straßen (ungefähr so, nur dass die Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit meist kein Einsehen haben), fuhr Negative von Kötzschau zum Entwickeln nach München und die Muster zurück (mit einem brandneuen 525er-BMW, was für eine Rakete!), föhnte nachts Abschnitte der Sommerrodelbahn am Blomberg trocken, und schlug mich mal fast mit einem Regisseur, der meinte, seine Chefposition auch außerhalb der Dreharbeiten durchdrücken zu müssen.

Setluft ist wie Zirkusluft, nur noch interessanter, weil Technik-affiner und meist ohne die Gefahr, von einem exotischen Tier gefressen zu werden. Also keine Frage, ob ich am Set von Orange ein paar Stunden zuschauen wollte!

Wie immer, wenn man zu Dreharbeiten gelangt, findet man zunächst mal keinen Parkplatz. Überall haben die Crewmitglieder ihre Autos abgestellt. Am Pressetag war das natürlich noch schlimmer, denn die Kollegen fielen über das kleine Oberbiberg her wie ein Schwarm Bienen. Den eigentlichen Drehort identifiziert man leicht an der Ansammlung von LKWs aller Art, die eng an eng geparkt stehen, die Hecktüren offen, unbewacht. Üblicherweise kommt man jedoch als erstes am Generator vorbei, denn wenn beim Film Strom gebraucht wird, sollte sein Erzeuger möglichst weit abseits stehen, damit nicht das leiseste Summen an die empfindlichen Mikros am Set gelangt. (Anekdote: Bei einem Dreh sollte ich einmal mit dem 7,5-Tonner-„Genni“ mal zum Tanken fahren, was sich als überaus spannend herausstellte. Denn obschon das Fahrzeug eher klein anmutet, zeigt das tonnenschwere Aggregat in seinem Inneren gerade in Kurven deutlich, dass es seinen eigenen Willen hat. Auf der Kreuzung vor der Tanke wurde es dann beim flotten Abbiegen echt knapp, doch zum Glück sind wir nicht umgekippt, und nie hat jemand davon erfahren…)

In der Nähe des Catering-Wagens sammelte sich die Presse. Kein Wunder, die Presse sammelt sich tendenziell immer in der Nähe des Caterings. (Ein Luxus! Bei Studentenfilmproduktionen gab’s meist nur vergilbte Semmeln mit schwitzenden Wurstscheiben drauf und Plastikbecher, auf die man mit Edding seinen Namen schreiben sollte, und wehe, man braucht noch einen!) Man habe ein Buffet belegter Brötchen für uns hergerichtet, sagte mir die Cateringfrau, während sie mich von hinter dem Tresen durch die Benutzung der Selbstbedienungs-Kaffeemaschine dirigierte. Doch keiner der Journalisten traute sich an die Brötchen, denn niemand sagte uns offiziell, dass das für uns war. Ich wollte bestimmt nicht den Anfang machen, denn wenn der Dicke als erster ans Buffet stürmt, ist das nicht so gut für’s Image. Doch was erzähl ich von Brötchen, der Dreh ist doch viel wichtiger!

Schließlich wurden wir ums Haus herumgeführt, witzigerweise von einem Kollegen, der vom Journalismus in die aktive Filmerei gewechselt ist und nun als Aufnahmeleiter arbeitet, und wurden darauf hingewiesen, dass wir uns keinesfalls frei auf der Wiese bewegen dürfen, denn die dürfe nicht zertrampelt werden. Von Ferne konnten wir nun den Dreh zweier Szenen mitansehen, relativ aufwendig mit einer Steadicam. Wie gewöhnlich zog eine ganze Schar von Gehilfen bei jedem Schritt des Kameramanns mit, einer muss die Schärfe ziehen, jemand anders das Sonnenlicht mit einem Reflektor von unten auf die Schauspieler umlenken, ein dritter die Klappe schlagen und nach dem Ton angeln muss auch jemand. Nichts und niemand darf zu keiner Sekunde ins Bild geraten oder ein Geräusch machen, und mittendrin sollen sich die Schauspieler möglichst frei und unbefangen bewegen und dabei ihren Text stets parat haben. Ein ziemliches Ballet, das da gekonnt choreografiert stattfindet und das – im Gegensatz zu diesen ihre Branche kannibalisierenden Castingshows – nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Nach einigen Takes stellten sich die Akteure für ein Gruppenfoto zur Verfügung, und bald lichteten sich die Reihen der Journalisten, denn Regisseur Rosenmüller sowie ausgewählte Mitglieder von Crew und Cast (darunter Petra Schmidt-Schaller, Amber Bongard, Béla Baumann, Georg Friedrich und Oliver Korittke) würden kurze Interviews geben. Auf der anderen Seite des malerischen, zum Glück denkmalgeschützten Bauernhofs war ein kleines Sonnendach aufgestellt worden, doch da der Dreh für die Interviews nicht wirklich unterbrochen wurde, war es bisweilen recht mühsam für die Kollegen (ich habe nur Impressionen eingefangen und wollte keiner der größeren Redaktionen wertvolle Interviewzeit stehlen), ihr Material zusammenzubekommen.

Die Geschichte von Sommer in Orange ist so einfach wie amüsant: Im Jahre 1980 eröffnet eine Berlinerin eine Baghwan-WG in der bayerischen Provinz, der Culture Clash ist vorprogrammiert. Und ist auch tatsächlich so passiert, denn das Drehbuch stammt von Ursula Gruber, die zusammen mit ihrem Bruder Georg (Odeon Film), einem dem Produzenten des Films, in ebensoeiner Kommune aufwuchs. Die besten Geschichten erzählt das Leben (ich selbst könnte auch einige erzählen), und so sehe ich der Premiere von Sommer in Orange „im Spätsommer 2011“ mit großer Freude entgegen.

Besonderer Dank gebührt LimeLight PR, die diesen Setbesuch organisiert haben und uns Filmjournalisten so die Gelegenheit gegeben haben, unsere Arbeit näher am Sujet als üblich zu machen. Danke!

Ach ja, ein Video hab ich auch noch für Euch gemacht:

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