Amelia

Abfliegen, landen, abfliegen, landen, abfliegen, landen, abfliegen, landen, abfliegen, landen, dann, irgendwann, abstürzen. Verschollen auf Nimmerwiedersehen. Doch die deutsche Synchronstimme lispelt munter weiter in der Ich-Person.

Anknüpfen mit seinem Interesse möchte man da, wo Amelia, dargestellt von Hilary Swank, erzählt, dass ihr Vater Alkoholiker war. Hier flasht in Relation ihrer Worte zu ihrem Gesicht abgrundtiefe Spannung. Von da aus liesse sich vielleicht der (dramaturgische) Bogen spannen, eine Begründung finden für den unzähmbaren Pioniergeist.

Stattdesssen I: ein Mädchen steht in einem Kornfeld, träumerisch versonnen einem Propellerflugzeug nachschauend – das haben schon viele Mädchen getan, kaum je ist daraus eine Flugpionierin geworden.

Stattdessen II: abfliegen, landen, abfliegen, landen, abfliegen, landen. Dazwischen Meer von oben, Berge von oben, Savanne von oben, Giraffen von oben, Wolken, Wolken und Menschen, die das landende Flugzeuge begrüssen, einige Takes von Richard Gere, der immer noch fotogen ist, und dann wieder Abflüge. Eine Erdumrundung dreht sich gezwungenermassen im Kreis.

Für einen Film über eine bemerkenswerte Frauengestalt ist es leider undankbar, wenn diese nullkommaplötzlich aus dem Äther und damit aus der Weltgeschichte verschwindet. Dieses Handicap wird nicht dadurch aufgewogen, dass von Anfang an immer wieder auf diesen letzten Flug vorausgeblendet wird.

Biopic begriffen als schlichtes, nachzeichnendes Kinderbilderbuch. Für die gebildete Klientel zu wenig: für die Massen kaum attraktiv genug. Die Möglichkeiten des Kinos nur an der vermeintlich leicht handhabbaren Äusserlichkeit und Oberfläche genutzt.

2 Gedanken zu „Amelia“

  1. Dieser kurze Text drückt genau das aus, was ich beim Sehen des Films empfand und ich hier etwas ausführlicher beschrieben hab: http://www.negativ-film.de/2010/06/amelia.html
    Genau die ungelungene Dramaturgie und die floskelhaften Voice-overs, sowie eine Konzentration auf die anscheinend weniger interessanten (informiert man sich etwas über Earharts Leben) Aspekte dieser Lebensgeschichte machen den Film zu einem Beispiel für verpasste Chancen. Schade! Aber Danke für Deine prägnante Zusammenfassung!

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