Mammoth

Die Globalisierung durch die Vergrösserung des Kinos gesehen, oder: so schön kann Globalisierungskritik sein.

Die Globalisierung ist ein Mammut, auf englisch Mammoth. Da steckt auch die moth, die Motte drin. Auch die Melone am Obststand hört sich an wie Mammoth, Interpretation offen.

Die Globalisierung spiegelt sich im Kleinen, im Detail. Einmal ist es ein 3000 Euro teurer Kugelschreiber, den die thailändische Gespielin unseres Protagonisten aus Not praktisch für nichts verscherbelt.

Nicht der Suspense zählt hier, es sind präzise einzelne Punkturen im grossen globalen Zusammenhang, die den Reiz dieses immer ungewöhnlichen, immer hochfahrenden Gemäldes ausmachen.

Es geht nicht um realistische Rollendarstellung. Die punktgenaue Besetzung ist unwichtig. Dem Protagonisten würde man so den erfolgreichen Geschäftsmann, der im Business-Jet um die Welt düst, nicht abnehmen. Egal. Wichtig ist der Zusammenhang. Dass seine Frau auch arbeitet, als Unfallchirurgin, für sie reicht aus, dass sie bildhübsch ist und dass sie wie ihr Mann quicklebendig spielt. Wichtig ist hier, dass die beiden ein philippinisches Kindermädchen beschäftigen müssen, so vom Ungleichgewicht der globalisierten Welt, in der sie ein Rad mitdrehen, profitierend.

Das Kindermädchen wiederum braucht den Job, um ihre Familie in den Philippinen zu ernähren.

Ein Bub des Kindermädchens gerät derweil in kindsmissbrauchende Ausländerkreise, die so das Wohlstandsgefälle ausbeuten.

Der Geschäftsmann leistet sich in Thailand eine Gespielin. Auch diese macht das nur wegen ihrem eigenen Kind.

Die Frau des Geschäftsmannes versucht in der Unfallchirurgie einem schwerverletzen, fremden Jungen zu helfen.

Der Traum wäre doch der, wie es der Film am Ende zeigt, dass die Familie, will heissen: jede Familie – ohne Kindermädchen – glücklich vereint wäre, wie die Heilige Familie von Raffaelo Santi, ganz ohne die perversen Folgen der Globalisierung und überdrehter Geschäftsaktivitäten.

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