Diamantenhochzeit

Was wollen uns die Macher dieses Werkes erzählen? Was wollen sie uns mit auf den Weg geben?

Dass es Humor sei, wenn man trotzdem lacht, deutscher … Humor nämlich?

Dass es das selbstverständlichste von der Welt sei, wenn der Sohn ausgeflippter Eltern, Mutter mit Ostasientrip, Vater verwahrloster Tüftler, und weil das noch nicht einträglich genug ist, noch dazu mit illegalen Diamantenlieferungen beschäftigt, dass der Sohn aus solchem Hause nämlich das reinste Milchbubisöhnchen wie aus bestem bürgerlichem Milieu sei und wie gemacht für die Werbung von Zahnpasta und Deo und mit der langweiligen Stimme eines Versicherungsvertreters? Ich meine, wer das glaubt, der wird möglicherweise einen Zugang zum Humor dieses Filmes finden.

Mein Eindruck war allerdings eher der, dass es meinem Humor ähnlich erging, wie jenen beiden Hochzeitsfiguren auf der Hochzeitstorte, die ständig umkippten und die die Mutter  ständig aufzustellen versuchte, running Gag, der wohl den Film erklären sollte.

10 Minuten vor Schluss, da habe ich dann doch gelacht. Da kam ein Gag, der was mit Verhaltenspsychologie oder mit Verhaltsenforschung zu tun haben könnte (vorher waren die Gags vor allem von der Art, dass die Figuren recht blöd sind und ungefähr kaputt machen, was kaputt zu machen ist, dusselig halt, angefangen mit dem Autospiegel, was man hierzulande unter Slapstick versteht). Wie nämlich die schwäbischen Schwiegereltern der Braut, biedere Geschäftsleute, die nicht mal schwäbisch sprechen, den Gauner im Kofferraum ihres Autos entdecken und wie sie darauf reagieren. Da dachte ich, aha, da schraubt sich screwballmässig was hoch.

Es folgt dann noch ein kurzes Zombiemoment, wenn das Obergauner- und schwule Liebespaar, der Dicke und der schon halbwegs erschossene Schwerenöter, dieser mit Torte im Gesicht, seinen Fettsack unfreiwillig erschiesst.

Die Frage ist, ob es sich dafür lohnt, vorher über eine Stunde lang einem Film zuzuschauen, der es mit grosser Gründlichkeit vermeidet, die gewiss konfliktträchtige Ausgangs-Familien-Situation wie oben geschildert erst mal ernst zu nehmen und nämlich glaubwürdig darzustellen (falls das überhaupt möglich ist und es sich nicht einfach um ein Studentenulkprodukt handelt) und diese dadurch gezielt zum Aufbau einer Kinospannung zu nutzen. Statt dessen wird sie billig dazu verwendet, sie unlustig, unoriginell und oberflächlich auszuschlachten.

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