Roger Ebert: Filmjournalismus mal ohne Zuckerguss

Filmkritikerpapst Roger Ebert hat in seinem Blog resümiert, wie es zur Zeit aussieht in unserer Branche, und kommt zu dem Schluss: Es gibt mehr Filmjournalismus denn je, und auch ambitionierteren denn je, was gut ist; aber die Zahl derer, die von diesem Beruf tatsächlich leben können (mit oder ohne Familie) geht rapide zurück, was schlecht ist. Es verhält sich also ganz so, wie es die Anzüge ja immer wollten.

Fachkollegen empfehle ich dringendst, den Blogeintrag zu lesen.

Ich werfe jetzt bestimmt nicht das Handtuch, aber ich werde mich verstärkt auf meinen Umstieg in die Filmjournalismus-Dienstleisterbranche konzentrieren.

Interessant außerdem Roger Eberts Meinung zum aktuellen 3D-Boom. Ich stimme zu, aber hauptsächlich, weil ich als Nicht-Brillenträger von dem Gestell auf meinem Gesicht fortwährend irritiert werde. Ich trage ja nichtmal Sonnenbrillen.

2 Gedanken zu „Roger Ebert: Filmjournalismus mal ohne Zuckerguss“

  1. Das haben uns die Amerikaner immer noch voraus, dass sie viel offener und unbefangener über neue Entwicklungen reden können und die dann auch entsprechend bechreiben.

  2. In Sachen Film ist uns Amerika ganz allgemein weit voraus. Zu uns schwappen zwar meist nur die großen Mainstreamblockbuster herüber, doch gibt es ja auch meines Wissens eine gesunde Independentkultur. Gerade gestern habe ich Kick-Ass gesehen, ein von den Studios abgelehnter, in Folge privatfinanzierter, rabenschwarzer und unheimlich zynischer Antisuperheldenfilm – der hierzulande der Presse gar nicht erst gezeigt wurde!

    In Amerika gibt es keine Filmförderung (die hierzulande einen Filz vermuten lassen könnte, weil immer dieselben Leute große Filme zu drehen scheinen, doch keiner von denen scheint aber wirkliche Genialität zu besitzen – wo ist unser Martin Scorsese oder auch nur unser JJ Abrams?), entsprechend größer ist die Ambition der Filmemacher, es bei ihrer einzigen kleinen Chance absolut richtig zu machen (Kevin Smith zum Beispiel).

    Und im Umgang mit der Presse scheinen mir die USA ebenfalls auch proaktiver zu sein als ihre deutschen Kollegen. Über dem Teich gibt es ja meist keine Vorab-PVs, denn der fertige Film braucht nicht noch wochenlang synchronisiert zu werden. Theoretisch kann der Film erst am Tag der Premiere fertiggestellt werden, was hierzulande bei Import-Ware per Definition nicht geht. Also sind die Journalisten wahrscheinlich gleichgestellt, egal, ob sie für TV, Print, Radio oder Online schreiben, während mir das (letztendlich nicht nachvollziehbare, also frei nach Gusto durchgeführte) Herding durch die Veranstalter (offiziell nach Veröffentlichungskanal) tierisch auf die Eier geht ein wenig sauer aufstößt.

    Nun, es scheint tatsächlich, dass für die Amerikaner als Presse gilt, wer fair schreibt, egal wie, wo und mit welchen Mitteln. Ein großer, großer Vorteil des „Land of the Free“, denn selbst der kleinste Onliner ohne jegliches Budget kann mit genauso stolz geschwellter Brust Filmkritiker sein wie Roger Ebert es mit über vier Jahrzehnten Chicago Sun-Times im Rücken kann. Siehe Harry Knowles, der es sich von seinem Bett aus schon einmal mit praktisch allen Verleihern verscherzt hat, aber dennoch ernstgenommen wird. Denn wenn er einmal Mist redet, wird darüber gesprochen und eventuell eine Richtigstellung veröffentlicht, und an Meinungen ist und bleibt alles erlaubt.

    Hierzulande haben die Journalisten von Anfang an keine echte Chance, wenn der Verleih entscheidet, dass die einen einen Film erst Wochen nach den anderen sehen dürfen. Die Marktchancen des jeweiligen Journalisten sinken, völlig unabhängig davon, wie gut und gewissenhafte er arbeitet, allein, weil sein Blog oder seine Webseite einem Anzug nicht gefallen oder er im falschen Veröffentlichungskanal publiziert.

    Ich hab an anderer Stelle mal geschrieben, dass Feuilletonisten im Gegensatz zu anderen Journalisten wohl am ehesten aus Balsaholz geschnitzt sind. Ein knallharter Enthüllungsjournalist (nicht im Paparazzo-Sinne) würde sich sicher nicht von einer PR-Agentur in eine Gruppe einteilen lassen, denke ich. (Ich weiß, dass die beiden Arten von Journalismus sich nicht vergleichen lassen, es geht mir um die Härte des Rückgrats des jeweiligen Typen von Journalisten.)

    Wie dem auch sei, wir werden hierzulande nichts ändern (es macht ja auch keiner was, die meisten haben wohl Angst, ihre wertvollen Connections zu verletzen), also bleibt’s bei Dienst nach Vorschrift. Schade, denn Filmjournalismus könnte so ein toller Beruf sein.

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