Die Tür

Anno Saul möchte uns bestimmt was Interessantes erzählen. Das spürt man auf jeden Fall. Das erzählt seine Liebe zu lichtvollen Bildern.

Aber was will er uns genau erzählen, hm, Ratlosigkeit.

Eine Time-Channel-Geschichte dürfte es sein. Mitten im Leben 5 Jahre zurück gehen, den Unfall mit dem Töchterchen wieder erleben, des Töchterchens, das mit weissem Käscher und Sonnenhut auf der Jagd nach einem Blauen Falter in den Swimming-Pool der schwabulös definierten herrschaftlichen Villa fällt und ertrinkt, weil ihr Schnürsenkel sich im Gitter um den Abfluss verfängt.

Vater ist derweil kurz die Nachbarin ficken. Die Nachbarin, das ist Frau Makatsch, als Gast in den Credits aufgeführt – die Bezeichnung Gast soll wohl darauf hinweisen, dass sie eine andere Schauspielerklasse sei als das übrige, glatte B-Ensemble.

Die Exposition ist deutlich. In den Dialogen erklären die Akteure, ein Mads Mikkelsen als „Ivan der Bedröppelte und der Blaue Falter Gewissen“, schlechtes Gewissen, das spielt er von Anfang an, noch bevor er Grund dazu hat, also die Akteure erklären was sie tun, so dass der erste Zuschauer schon nach wenigen Minuten wieder rausgegangen ist, weil so werden Figuren einfach nur stinklangweilig eingeführt.

Den Figuren fehlt jede Dreidimensionalität. Sie treten immer nur auf, um das Thema Gewissen zu illustrieren. Handlung und Zeitsprünge werden mit den fortlaufenden Filmminuten zusehends konfuser, aber immer versuchen die Figuren in den Dialogen ihre Handlungen zu erklären.

Nach etwa 45 Minuten gibt es wirklich kurz eine spannende Szene, da erfährt man endlich, dass der Hauptdarsteller, Ivan der Bedröppelte, ein höchst erfolgreicher Maler ist und dass sein Freund, von dem man bisher auch nichts erfahren hat und auch weiter kaum was erfahren wird, will man auch gar nicht, gerade eine Videoinstallation für eine Bank am Vorbereiten ist. Das hätte man den Beiden nicht gegeben, das können wir als überraschende, die Story aber auch nicht im Geringsten bereichernde Information zur Kenntnis nehmen.

Also im Atelier, da ist es einen Moment lang spannend, wenn der Maler ein Gespräch mit seiner Frau führt, wie es denn weiter gehen soll mit den beiden und im Hintergrund ein Gemälde zu sehen ist, auf welchem Mutter und Tochter gemalt sind, beide mit Fleischerhaken durch die Wangen. Das macht neugierig, das Gemälde im Hintergrund erzeugt Spannung zum Kontext.

Aber wie erwartet, nur ja keine irdische Spannung aufkommen lassen in einem überirdischen Werk, das wäre doch viel zu gewöhnlich, viel zu albern, nein, gleich wird im Garten eine Leiche verbuddelt, eine zusammenhangslose Leiche.

Notizen während des Screenings: wäre erträglich als Videoinstallation in einer großen Kunsthalle mit 103 Monitoren auf denen je ein youtubegerechter 1-minütiger Schnipsel aus diesem Film in Endlosschleife läuft, dann wäre in 8 bis zehn Minuten das Werk geniessbar und vollkommen zureichend zu konsumieren unter dem erwähnten Titel „Ivan der Bedröppelte und der Blaue Falter Gewissen“, ächzend vor Symbolik.

Das Buch ist ein Durcheinander und viel zu erklärlastig, es gibt keine Konflikte, die die Dramatik vorwärts treiben könnten und der Cast tut das Seine zur Unverständlichkeit der Handlung, dem Etikett B-Cast Rechnung tragend. Vielleicht hätte ein Cast mit Kanten und Ecken und gegen den Strich gebürstet noch was rausholen können.

Eine Tür aus undurchdringlichem Material, die sich gleich hinter einem schließt oder, nö, eigentlich schon vor einem. Aussichtslose Aussichten gewissermassen. Insofern vielleicht phänotypisch für unsere Zeit.

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