Chéri – Eine Komödie der Eitelkeiten

Jede Liebe sucht ihren passenden Topf oder Deckel. Das hat uns Eric Rohmer in seinen „Moralischen Erzählungen“ wunderbar leicht vorgemacht. Im Britannien der Belle Epoque und natürlich in einem Milieu, in dem Geld keine Rolle spielt und in welchem dieser Film angesiedelt ist, hindert die perfekte, grandiose Ausstattung, die ist ein einziges Fest, die Leichtigkeit des Spieles, der Liebessensationen doch. Denn man darf die Opulenz  nicht verschenken. Also muss die Kamera langsam bleiben, müssen die Spieler eingeengt sehr präzise agieren, fast staatstheaterlich, manchmal, so der  Eindruck, gar etwas bemüht.

Der junge Mann, Sohn einer feisten Lebedame, sie eine Knallcharge von Besetzung, lernt die Liebe bei einer ebensolchen, der Michelle Pfeiffer. Und verliebt sich in sie und sie in ihn. Aber irgendwann muss er heiraten. Eine hübsche, junge Adelige, logisch. Das tut er auch pflichtbewusst. Aber dann sucht sich die Liebe halt doch ihren Weg dahin, wo sie zum Erblühen kam, zurück. So einfach so simpel. Wobei dann zwar zum schlechten Ende erzählt wird, der junge Mann habe sich erschossen. Und Michelle bleibt traurig in Großaufnahme zurück.

Frears scheint kein besonderer Ohrregisseur zu sein, deshalb wird allenthalben theatermäßig laut und undifferenziert in der Phrasierung und Melodisierung der Texte gesprochen. Die Schauspieler liefern den gut gelernten Text gut ab. Im Theater würden sie dafür bejubelt. Im Kino ist es an den Möglichkeiten des Mediums weit vorbei- oder drüber hinausgespielt. Daher auch nicht geeignet für das breite Publikum. Böse Zungen würden da eher und zurecht wohl die Kukidentmafia als mögliche Klientele ausmachen.

Wie gesagt, die Ausstattung ist erstklassig und überwältigend oft; aber anscheinend waren Kamera und Regie ebenso überwältigt und achteten nicht genau auf die psychologischen Finessen der Figuren, auf die drängende Continuity des Motivs der Geschichte.

Es ist selbst fraglich, ob das ältere Publium dem viel abgewinnen wird. Ein Film, wie es scheint, zum Vornherein fürs Museum alter Meister produziert. Wozu ihn dann noch ins Kino bringen?

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