John Cusack, Twitter und 2012

John Cusack twittert eifrig unter seinem Nick shockozulu. Der bekannte und beliebte Schauspieler spielt außerdem in Roland Emmerichs 2012 die (oder zumindest eine) Hauptrolle.

Nun twitterte Cusack, dass Sony ihn bat, den Filmstart via Twitter zu unterstützen. Rein zwischenmenschlich sehe ich keinerlei Problem darin, dass man einen Beteiligten an einem Film bittet, positive oder gar keine Stimmung für den Film zu machen. Das ist nur natürlich. Selbst wenn es beim Dreh Schwierigkeiten gegeben haben sollte, ist es ja nur menschlich, dass man nicht wünscht, dass jemand einem nachträglich in den Pool sch.. pinkelt.

Nun ist der Filmverleih kein Kumpel und John Cusack als Hauptdarsteller kein Jedermann. Immerhin über 20.000 Follower verfolgen Cusacks Tweets, und diese dürften, da Internet-affin und sicherlich selber Blogger, Twitterer, Facebooker und Myspacer Social Networker, als begehrenswerte Multiplikatoren gelten. Dann multipliziere ich doch mal:

Ich frage mich: Ist die Bitte von Sony an Cusack, den Film zu unterstützen, moralisch verwerflich oder nicht? Einerseits gibt es keinerlei Verpflichtung für Cusack, positiv über den Film zu twittern, und natürlich ist es nur im Sinne von Sony, dass der Film einen guten Start hat. Andererseits dürfte 2012 ohnehin keine Probleme bekommen, seine Kosten wieder reinzuspielen und obendrauf noch einen hübschen Gewinn zu erwirtschaften. Wenn Cusack oder andere Beteiligte über den Film twittern wollen, dann tun sie es sicherlich auch ohne Aufforderung, positiv wie negativ.

Doch wenn ein so großes Unternehmen Cusack direkt anspricht und bittet, Werbung für den Film über seinen privaten Twitter-Kanal zu machen, dann ist das für meine Begriffe doch reichlich unverschämt. Klar muss Cusack nicht, aber dass der Verleih überhaupt gefragt hat, ist ja wohl die Höhe.

Warum ist das die Höhe? Wenn man früher in einem Geschäft bedient wurde, hieß es an der Kasse oft „Empfehlen Sie uns weiter“. Das ist ganz normal und quasi schon eine Verabschiedungsformel. Doch wenn mich dahingegen der Geschäftsführer abends privat anruft und sagt: „Ich hab nachgeforscht, Du hast Doch viele Freunde. Empfiehl denen doch bitte aktiv mein Geschäft“, dann ist das doch reichlich unverschämt, oder nicht? Analog dazu heißt das: Da John Cusack bei 2012 mitspielt, steht zu hoffen (mehr nicht), dass er vielleicht positiv über seine Erfahrungen und den Film berichtet oder lieber gar nicht, wenn seine Erfahrungen und Eindrücke negativ sind. Bis hierhin reicht der gute Ton. Wenn er aber extra aufgefordert wird (im Urlaub übrigens, momentan berichtet er aus Irland), positiv die Werbetrommel zu rühren, noch dazu in einem eher privaten Umfeld, dann ist das echt frech. Und unpassend.

Und ganz normal für die heutige Zeit, leider. So wie übrigens auch diese Linktausch-Angebote, die ich immer wieder bekomme. Da wollen Kino/Film-Blogs sich mit meinem verlinken (oder auch Billigflugvermittler, wtf?), und ich soll im Gegenzug den anderen Blog, den ich überhaupt nicht kenne, der womöglich nichtmal gut ist, und den es vielleicht noch gar nicht gibt (oder nicht mehr, wie diesen hier), empfehlen. Dass dieser Blog eine völlig andere Zielgruppe hat als allgemeine Filmblogs, ist offenbar völlig egal. Es geht irgendwelchen Marketingagenturen bei diesen Schnellstartprojekten immer nur um Klicks, Page Impressions, Pageranks und lauter anderen Businesskäse. Mir geht es darum, zu schreiben, wozu ich Bock habe, und lesen können es Menschen (Menschen!), die auch Bock dazu haben. Da brauch ich keine Traffic-Pumpe, denn wer einen Blog wie diesen sucht, wird ihn schon finden. Und diese anonymen Massen, die scheinbar nur zum Klicken da sind, um irgendein Businessmodell am Funktionieren zu halten, interessieren mich überhaupt nicht.

Bin ich schon so vergrämt, dass ich behaupte, früher war alles besser? Sind diese Traffic-Businessideen was fundiertes? Braucht man zum Leben wirklich Google? So, und jetzt runter von meinem Rasen!

10 Gedanken zu „John Cusack, Twitter und 2012“

  1. Finde es in dem Verhältnis jetzt nicht sooo schlimm, kann ja immer noch nein sagen – aber das sieht dann natürlich auch doof aus. 😉

  2. Man vergisst dabei sehr schnell, dass die Schauspieler schon immer dazu aufgefordert wurden und genau das taten. Bisher allerdings Off-Line, also in Fernseh- und Radioshows. Das sehe ich nicht als unverschämt an, sondern steht oft auch bestimmt nicht selten in den Verträgen, dass sie für Werbung zu Verfügung stehen und alles mögliche dafür auch tun müssen, sollen, dürfen, wie auch immer.

  3. Mir ist natürlich auch klar, dass Schauspieler schon immer dazu aufgefordert wurden – siehe Blogpost oben. Doch wenn John Cusack es für nötig erachtet, zu twittern, dass er extra zu dem Thema angesprochen wurde, dann war das sicher nicht Teil einer Abmachung von vor Drehbeginn. Auch finde ich es in diesem Fall „nicht sooo schlimm“, doch wo ist die Grenze?

    Leser meines Blogs wissen, dass ich immer wieder (zuletzt hier) darauf eingehe, wie privatwirtschaftliche Unternehmen die Presse für ihre Werbezwecke nutzen wollen, und dass das nicht nur amoralisch, sondern auch noch langfristig fatal für die (Glaubhaftigkeit der) Presse selbst ist.

    Daher finde ich, sollte man die Augen offenhalten, was diese vielen kleinen Manipulationsversuche angeht. Es ist kein Problem, dass die Wirtschaft sowas versucht (so ist er halt, der galoppierende Kapitalismus), doch sollte es ebenso kein Problem sein, wenn man solche Versuche öffentlich anspricht (so ist sie halt, die unabhängige Presse).

  4. „Leser meines Blogs wissen, dass ich immer wieder (zuletzt hier) darauf eingehe, wie privatwirtschaftliche Unternehmen die Presse für ihre Werbezwecke nutzen wollen, und dass das nicht nur amoralisch, sondern auch noch langfristig fatal für die (Glaubhaftigkeit der) Presse selbst ist.“

    John Cusack ist aber nicht die Presse. Deshalb kann er twittern, was er will, ob nun über das Wetter, was er zum Frühstück hatte oder „2012“…

  5. Nein, Peroy, ist er nicht, aber er ist analog dazu ein Kanal, den jemand beeinflussen wil. Er kann natürlich (wie mehrfach oben geschrieben) twittern, was er will, aber Einflussnahme ist versucht worden, egal, wie man’s dreht und wendet. Dies ist kein schlimmes Beispiel, aber ein Beispiel.

  6. Äh, ich könnte mir vorstellen, dass auch John Cusack Interesse daran hat, dass „2012“ ein Hit wird… von daher halte ich das Wörtchen „Einflussnahme“ für fragwürdig… 😕

  7. Ich muss Julian hier Recht geben. Es geht meines Erachtens auch eher darum, dass die ’social networks‘ zunehmend dazu genutzt werden, private Vertrauensverhältnisse zu Gunsten von Konzerninteressen zu benutzen oder auch zu missbrauchen – je nach Perspektive.

    John Cusack genießt bei mir zum Beispiel den Status eines ernst zu nehmenden Schauspielers, der bisher weder durch große Skandale, noch durch massive Manipulation der Öffentlichkeit (Stichwort: Tom Cruise) aufgefallen ist. Wenn ich ihm auf Twitter folge, dann hab ich das Gefühl, ich habe es zu einem hohen Prozentabteil mit dem ‚echten‘ Menschen zu tun.

    Gegenbeispiel: Herrn Cruise würde ich keine Zeile als authentisch abnehmen, auch wenn er übers Zähne putzen o.Ä. twittert.

    Das hat aber mit den medialen Repräsentationen dieser Personen in der Öffentlchkeit zu tun – nicht mit der Realität. Diese mediale Repräsentation wird von Sony in diesem Falle in Anspruch genommen – nicht der Schauspieler John Cusack. Der hat seinen Job getan. Vermutlich ist auch das Twittern noch nicht Teil der „Seine-Fresse-In-Jede-Kamera-Halten“-Klausel in den Hollywoodverträgen gewnadert. Kommt noch, bin ich sicher. Und dann ist es auch nicht mehr Herr Cusack selber, sondern ein Student, der von seinem Agenten bezahlt wird.

    Also: F**K Sony. Genießen wir es, solande es noch Grund für eine Illusion gibt…

    PS: Darf ich F**K schreiben?

  8. Hi Timo, wegen mir darfst Du immer f**k schreiben, oder das ganze auch ohne Sternchen, das ist sicher durch Presse- und Meinungsfreiheit gedeckelt. Es mag aber nicht der beste Ton sein, insbesondere dann, wenn man als Journalist wie ich dann doch mit den genannten Firmen weiterhin zusammenarbeiten können möchte (sagen wir, wie’s ist: bisweilen von ihrer Gunst abhängig ist), und wenn man außerdem in der Lage sein will, ggf. über den konkreten Blogbeitrag mit genannten Unternehmen sachlich diskutieren zu können, ist es zugegebenermaßen eher abträglich. Und Peroy muss ich in dem Punkt rechtgeben, dass so ein Fluch in keinem Fall überzeugend ist. In allen anderen Punkten Deiner Argumentation stimme ich voll zu.

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