„Vertriebsnahe Pressearbeit als Marketing-Wirkungsverstärker“

Über Twitter bin ich auf diesen Artikel (PDF) in einem Wirtschaftsmagazin gestoßen. Im Text wird erklärt, wie Unternehmen ihre Umsätze bzw. Kundenzahlen steigern können, indem sie „marketingorientierte Pressearbeit“ betreiben, die „viel zu selten“ als „Vermarktungshilfe“ genutzt wird. Die Motivation:

„(…) denn schließlich sind Presse, Hörfunk, TV und Internet im Grunde genommen ziemlich wirksame Transporteure neuer Ideen und Botschaften, benötigen handfeste und aktuelle News auch aus der Wirtschaft.

Unternehmen, die das berücksichtigen,

können mit vergleichsweise geringen Kosten erhebliche Nachfrageeffekte provozieren„.

In Folge werden die Spielregeln erklärt: Plumpe Werbung gehört über die Werbeabteilung ins Blatt, und das sogenannte Kommunikationsmarketing (KM) geht weit über die PR-Verlautbarungen hinaus. Des weiteren:

Gefragt sind vielmehr Beiträge als Träger der eigentlichen Botschaften, die journalistisch verfasst sind, den
Duktus des jeweiligen Blattes (Tageszeitung, Publikumsmagazin, Fachzeitschrift) berücksichtigen, darüber hinaus kurz sind und mit verständlicher Benennung selbst komplizierte technische Sachverhalte auf den Punkt bringen.

Man beachte: Die Texte sollten „journalistisch verfasst“ sein. Dort steht jedoch nicht „von Journalisten verfasst„.

Ich finde es ziemlich bedauerlich, mit welcher Energie hier der Auftrag des Journalismus offen unterminiert wird, um Marketing zu betreiben. Nicht der Hauch eines schlechten Gewissens findet sich in dem Artikel, der offen propagiert, wie die Presse (inkl. der Notlagen der ganzen Branche) und damit das Vertrauen der Leser für den eigenen Gewinn ausgeschlachtet zu werden hat. Natürlich ist ganz offiziell hier nur die Rede davon, dass man immerhin nur versucht,

diese Medien auch dann von den Inhalten der entsprechenden News zu begeistern, die Meldung also auch zu platzieren„.

Doch für besonders helle scheinen die Journalisten ja ohnehin nicht gehalten zu werden:

Ein neues Produkt oder Verfahren wird in aller Regel nur dann medial transportiert, wenn der zuständige Redakteur eine sofort erfassbare, nach Umfang, Gliederung, Stil und Sprache den Bedürfnissen des Mediums aufbereitete Vorlage erhält.

Dem Redakteur wird also offenbar nichtmal zugetraut, eine sofort erfassbare Pressemeldung über ein neues Produkt oder Verfahren ohne fremde Hilfe in Umfang, Gliederung, Stil und Sprache seines Mediums umzusetzen. Nein, er soll ganz offenbar nur noch abschreiben, möglichst nichts nachkontrollieren und schon gar keine blöden Fragen stellen.

Jaja, Atomkraftwerke sind sicher, und Schweine können fliegen.

Passend dazu dieser empfehlenswerte Artikel.

Alle Zitate aus dem genannten Text.

2 Gedanken zu „„Vertriebsnahe Pressearbeit als Marketing-Wirkungsverstärker““

  1. Man sollte vielleicht beachten dass der Artikel im PDF vom Geschäftsführer eben der Agentur stammt, die in diesem Text „redaktionell erwähnt“ bzw. beworben wird und eben genau diese „marketingorientierte Pressearbeit“ anbietet, das ganze sozusagen die gelebte vertriebsnahe Pressearbeit, früher hieß es einfach Eigenwerbung. In diesem Zusammenhang sicher nicht dumm gemacht, dennoch würde ich mir vom Brandenburger Wirtschaftsmagazin eine Kennzeichnung als PR-Artikel wünschen, das Interview mit der Deutschen Bank gleich darunter ist ja auch als Anzeige gekennzeichnet.
    Generell ist der Trend zur immer professioneller gemachten und auf die Zielgruppe abgestimmten Pressemeldungen schon seit Jahren zu sehen und auch völlig legitim, das Problem besteht darin dass immer mehr Presseorgane solche Meldungen fast unverändert und vor allem ungeprüft übernehmen. Aber das kann man nun nicht dem Anbieter der Texte vorwerfen.

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