Mein Leben als Arbeitgeber

PRO:
In einer Bewerbung sieht all das hier gut aus:

  • Interesse für den Beruf, der hinter dem Job steht. In diesem Fall ist es hilfreich, journalistisches Interesse sowie journalistische Erfahrungen zu haben – hier reicht mir schon die Schülerzeitung.
  • Auflistung einiger Qualifikationen im persönlichen Profil der Job-Webseite, was in der Bewerbung ja mitgeschickt wird. Hieran erkennt man, dass die Qualifikationen nicht nur für diese Bewerbung aufgeführt wurden, sondern ganz allgemein zur Info angegeben wurden. Dass da auch „fremde“ Qualifikationen darunter sind, ist ja kein Problem – wer arbeitet schon sein Leben lang in ein- und demselben Arbeitsfeld?
  • eine eigene Webseite, und sei es nur ein Profil bei einer Social Networking Plattform, oder ein eigenes Blog ist immer vorteilhaft (auch oder insbesondere, wenn die Seite in einer anderen Sprache geführt wird!). Keine Angst vor Freizeitfotos (außer ganz peinlichen), junge Arbeitgeber wissen das sicher gut von der Arbeitsfähigkeit der Kandidaten zu trennen. Bei altbackenen Arbeitgebern würde ich dahingegen bei einer eigenen Seite dann doch zur Vorsicht raten. Generell zeigt eine eigene Seite, dass man Web 2.0-kompatibel ist. Immer gut: Die eigene Domain.
  • Mut zur Lücke: Manche Bewerber schrieben, dass sie ihr Englisch für nicht perfekt hielten, dass sie aber dann nachschlagen würden. Das ist positiv, denn der Bewerber ist offenbar bereit, dazuzulernen.
  • Ebenfalls einen Stein im Brett haben Bewerber mit einer sozialen Ader: Sei dies die Freiwillige Feuerwehr, die Johanniter oder auch das Mitarbeiten bei Wikipedia.
  • Wer Fragen zum Job hat, sollte diese ruhig stellen. Hierbei sollte man auf den Ton achten. Negativ ist es allerdings, wenn man schon in der Bewerbung nach einer Gehaltserhöhung fragt.
  • Äußerst positiv ist es, wenn ein Bewerber sich schonmal über seinen potenziellen Arbeitgeber informiert und das in der Bewerbung erwähnt (einer hat einen größeren Fehler auf der Webseite entdeckt und mir gleich mitgeteilt)
  • Wer im Ausland lebt, kann übers Internet trotzdem für einen Betrieb in Deutschland arbeiten. Das bei einer Bewerbung klarzumachen, ist ein starkes Signal und ebenfalls sehr positiv. Schwierig wird es hier für den Arbeitgeber mit Fragen der Versteuerung, der Arbeitserlaubnis, der Kommunikation und so weiter.
  • Schon bei der Bewerbung den zukünftigen Chef zu duzen, ist sehr mutig. In der Journalismusbranche zeugt das jedoch von Schneid und vielleicht auch Branchenkenntnis und ist ein positives Signal. In den meisten anderen Branchen würde ich dann doch das „Sie“ empfehlen. Wer schreibt, dass er oder sie der Höflichkeit halber beim „Sie“ bleibt, hat ebenfalls einen Stein im Brett.
  • Wer gerade sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholt (oder es schon nachgeholt hat), sendet ebenfalls ein starkes, positives Signal über Motivation und innere Stärke. Sehr positiv!
  • Einige Bewerber haben mir Listen ihrer Lieblingsfilme zusammengestellt. Das ist in anderen Bewerbungen natürlich fehl am Platze, hier aber sehr interessant, besonders dann, wenn es sich um besondere Filme abseits des Mainstream handelt.
  • Wer über dem angegebenem Bewerberalter ist, sollte sich keinesfalls niedermachen. Mit knapp über 30 ist man nicht im „fortgeschrittenem Alter“, und schon gar nicht im „vorgerücktem Alter“ oder zum „alten Eisen“ gehörig. Ebenfalls sollte man sich, wenn man eher jünger ist, nicht „Frischfleisch“ nennen, denn das sagt zwischen den Zeilen „benutz mich“. Diese Infos stehen bei „pro“, weil ich gar nicht wußte, dass die Jobanzeige nicht nur bei dieser, sondern auch bei anderen Jobseiten angezeigt werden würde. Und diese Seiten beziehen sich ja nicht explizit auf Schüler, sondern eben auf jedermann. Zuerst hatte ich mich über die Bewerber gewundert, die ganz offenbar keine Schüler mehr sind, dann ist mir das klar geworden. Das Alter sollte in einer Brwerbung ebensowenig Thema sein wie Geschlecht, Hautfarbe oder sonstwas.

CONTRA:
In einer Bewerbung kommt nicht so gut rüber:

  • schlechtes bzw. nicht ganz perfektes Deutsch. Das mag zwar bei vielen Jobs kein Hinderungsgrund sein, aber in einer journalistischen Umgebung kann das schnell problematisch werden und ist daher ein No-Go, ein Showstopper. Ich bitte, mir das nicht übelzunehmen. Immer schlecht ist es, „Praktikas“ zu schreiben statt „Praktika“. „In freudiger Erwartung“ (der Antwort) klingt eher wie „ich bin schwanger“. Auch gibt es keine „Leerstelle“, wenn überhaupt, dann eine „Lehrstelle“ (was aber bei diesem Job ohnehin nicht stimmte). „Ich habe keine Probleme mit…“ (Englisch, Deadlines usw.) ist auch nicht positiv. Man muss Deadlines ja nicht lieben, aber sollte eher neutral bleiben. Eine gute Formulierung ist zum Beispiel, dass Deadlines natürlich zum Arbeitsalltag gehören und man bis jetzt noch jede einhalten konnte. „Fließende Englischkenntnisse“ zu haben klingt ein wenig schief. „Ich beherrsche Englisch fließend in Wort und Schrift“ ist die bessere Variante. Wer Umlaute statt ä, ö, ü lieber ae, oe, ue schreibt, hat die falsche Tastatur. Für Programmierer sind diese sicher besser, aber für Textarbeit sind alle deutschen Zeichen unabdingbar.
  • Wenn die Interessenlage des Bewerbers offenbar gar nichts mit dem angebotenen Job zu tun hat, ist der Bewerber vielleicht nicht so gut für den Job geeignet. Wenn eine Formulierung fehlt, die genau das anspricht, wirkt die Bewerbung fehl am Platze.
  • Im Bewerbungsschreiben darf man natürlich nähere Fragen stellen, aber gleich wissen zu wollen, wann das Gehalt wie hoch steigen wird, ist ein wenig hart, finde ich. Auch sollten die Fragen anständig und höflich formuliert sein und nicht wie ein Kreuzverhör aussehen.
  • In einer Bewerbung sollte man nicht fragen, ob eine Stelle frei ist. Wenn eine Stellenanzeige geschaltet wird, ist üblicherweise auch eine Stelle frei.
  • Man sollte einen Autoresponder erkennen können. Auf diesen braucht man nicht zu antworten. Wer darauf antwortet, sollte dann positiv nachfassen: „Ich will den Job aber unbedingt machen“ oder ähnliches schickt ein starkes positives Signal, anderes eher nicht so sehr.
  • Wer über sich selbst schreibt, sollte die Formulierung, dass einem nun nicht mehr über einen selbst einfällt, vermeiden.
  • Ich weiß, dass es fast unmögich ist, seinen eigenen Namen als Mail-Alias zu bekommen, doch wirken Mailadressen mit sexuellem, sexuell zweideutigem oder andereweitig ungeeignetem (z.B. aggressivem oder völlig kryptischem) Nick unseriös.
  • Ebenfalls ungeschickt ist es, die Formulierungen der Anzeige in die Bewerbung zu übernehmen, mit einem „sehr interessiert an“ davor. Das wirkt wie abkopiert.
  • Wenn die Person, an die die Bewerbung gerichtet ist, namentlich bekannt ist (wie aus der Anzeige ersichtlich), dann sollte man seine Bewerbung nicht mit „Liebe/r Leser/in“ oder ähnlich beginnen. Auch sollte man nicht den Fehler machen, den Firmennamen als Ansprechpartner misszuverstehen. So gibt es mit etwas Glück einen „Herrn Siemens“, aber sicher keinen „Herrn BMW“… (Und ich bin eben nicht der „Herr Pool“)
  • Wer seinen Lebenslauf gleich beilegt, schickt ein positives Signal (ich habe darauf nicht geachtet, weil ich ja formlose Bewerbungen okay finde). Dieser sollte jedoch als PDF verschickt werden, nicht als Word. Abgesehen davon, dass man aus den Metadaten des Word-Dokuments eine Menge privater Daten herausfinden kann, sieht man, ob der Bewerber mit Word umgehen kann oder nicht. Wer z.B. ein Datum rechtsbündig setzen will, und dafür viele Leerzeichen einfügt (anstatt es eben auf Rechtsbündig zu setzen), schickt kein gutes Signal.
  • Bei den bisherigen Qualifikationen sollte man schon mehr eintragen als nur einen einzigen Tag Arbeit.
  • Wer den Unterlagen eine Exmatrikulation mit nicht beendetem Studium beilegt, tut sich keinen Gefallen. Ein abgebrochenes Studium muss kein Hindernis sein, kann sogar positiv sein (Willensstärke), aber die Exmatrikulationsbescheinigung ist kein wichtiges Dokument, das man einer Bewerbung beilegen sollte.
  • Man sollte in seiner Bewerbung auch mal einen Absatz machen. Einen durchgehenden Text zu schicken, wirkt nicht positiv. (Das kann aber auch ein Fehler vom System sein und muß nicht beim Bewerber liegen – doch das muß der Arbeitgeber auch erstmal erkennen)
  • In eine Bewerbung sollte man nicht reinschreiben, dass man täglich nur eine Stunde Zeit hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass da was dazwischenkommt, ist ungemein groß…
  • Telefonnummern sollte man, wenn überhaupt, mit Vorwahl angeben
  • Wer das Bewerbungsformular leer abschickt, hat sofort verloren. Zwei oder drei Zeilen sind auch deutlich zu wenig.
  • Pro Job sollte man nur eine Bewerbung schicken. Dubletten fallen auf. (Wobei auch das ein Systemfehler gewesen sein kann)
  • DSL ist Pflicht für Jobs über das Internet. Sonst zahlt der Arbeitgeber die Wartezeit des Mitarbeiters, und beide sind unzufrieden.
  • Beigelegte Unterlagen sollten immer gescannt und ordentlich beschnitten sein, keinesfalls abfotografiert.

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