Ich habe beschlossen, eine Assistenz für (Firmenname in Umfirmierung) anzuheuern, damit auf der Webseite die Basisdienste zuverlässig bedient werden, auch wenn ich mal keine Zeit haben sollte – was in letzter Zeit gehäuft vorkam und deshalb untragbar war (deswegen hab ich auch noch keine Rechnungen verschickt). Vor einigen Wochen hatte ich in drei umliegenden Gymnasien Zettel mit einem Jobangebot für ein paar Stunden die Woche ausgehängt, und – keine Antwort bekommen. Nicht ein Schüler hat sich für einen Nebenjob interessiert. Ganz schön enttäuschend.

Dann habe ich kurz nach (bayerischem) Ferienbeginn im Internet inseriert. Hier war das Ergebnis reziprok proportional zu meinem ersten Versuch: Innerhalb von fünf Stunden nach Freischaltung der Anzeige hatte ich 128 Bewerbungen, nach fünf Tagen waren es 430. Ich watete förmlich durch hoffnungsvolle potentielle Assistenten und Assistentinnen, deren Altersspanne zwischen 13 und 60 betrug.

Das Auswahlverfahren war für mich persönlich grausam, am liebsten hätte ich sie alle beschäftigt. Zum ersten Mal im Leben konnte ich so ein Bewerbungsverfahren aus Arbeitgebersicht sehen, und mir fiel wie Schuppen von den Augen, auf welche Kriterien man sich letztendlich zu reduzieren gezwungen ist, um die Menge der Bewerber irgendwie auf eine übscheraubare Endauswahl einzudampfen. Nachdem ich jede einzelne Bewerbung akribisch bis zum letzten Buchstaben gelesen hatte, sortierte ich sie in eine von drei Kategorien: „Nein“, „Weiß nicht“, „Vielleicht“.

Bei „Nein“ landeten die wenigsten, dorthin versetzte ich nur grobe Hämmer, so zum Beispiel leere Bewerbungsformulare (über das System der Anzeigenseite verschickt, nur die Absender-Adresse enthaltend) oder die wenigen, die schon im Anschreiben eine Gehaltserhöhung forderten. In das hoffnungsvolle „Vielleicht“ wanderten die, die mir irgendwie positiv aufgefallen sind, sei es durch Mitarbeit an Wikipedia, durch konkrete Auseinandersetzung mit der Webseite von (Firmenname in Umfirmierung) (einer hat sogar einen dicken Fehler entdeckt) oder durch die richtige Mischung aus Schneid in der Ansprache meiner Person sowie fachlicher Kompetenz – auch nicht wenige. Alle anderen (die allermeisten) kamen zu „Weiß nicht“. Da praktisch jeder Filme liebt und im Internet unterwegs ist, ist das in einer Bewerbung natürlich kein Alleinstellungsmerkmal.

Ich haderte mit meinem Schicksal und vor allem dem aller, die in „Weiß nicht“ gelandet waren, und quälte mich nochmal durch all deren Bewerbungen, von denen ich einige zu „Vielleicht“ upgradete – alles, während ständig neue Bewerbungen eintrafen. Dann habe ich endlich alle ca. 90 „Vielleicht“-Kandidaten ausgedruckt, bin ins Café, habe mit einem Freund darüber gesprochen, Markierungen gesetzt, Plusse und Minusse verteilt (Pli und Mini? Plen und Minen?), drei Nächte über diesen und den neu dazugekommenen Bewerbungen unruhig geschlafen und kam einfach zu keinem Ergebnis. Das Aussortieren nach Qualifikation alleine wollte nicht funktionieren.

Schließlich habe ich die Sache von der anderen Seite angeguckt und mich gefragt, wie gut ich wohl mit wem zusammenabeiten könnte, rein anhand der Formulierung des Anschreibens, „aus dem Bauch heraus“. Übrig blieben fünf Leute, die mir alle besonders ins Auge gestochen waren. Hier waren ausschlaggebende Faktoren, dass einer noch keinen Führerschein hat, aber schon 18 ist (also offenbar Geld dafür brauchen kann), dass jemand anders geschrieben hat, er würde seiner Freundin gern einen Urlaub schenken können und ähnliches, also rein subjektive, emotionale Faktoren. Außerdem rief ich diese fünf und ein paar zusätzliche Wackelkandidaten an, um mal persönlich auf Tuchfühlung zu gehen.

Letztendlich entscheiden also nicht Qualifikationen, Ausbildungsergebnisse und ähnliches, sondern menschliche Faktoren. Ich habe aus dieser Sache dermaßen viel für meine eigenen Bewerbungen (der Vergangenheit) gelernt, dass ich meiner Ablehnungsmail an die 429 nicht so glücklichen Bewerber gleich eine Liste von „Dos und Don’ts“, wie ich ihnen subjektiv während dieser Woche begegnet bin, beigelegt habe. Leider habe ich versäumt, holzhammerdeutlich darauf hinzuweisen, dass diese Liste nicht die Fehler jedes individuellen Empfängers enthält, sondern alles, was mir bei über 400 Bewerbungen so aufgefallen ist, und was ich so als allgemeinen Rat für die Zukunft hinausschicken möchte. Ich habe dies zwar hineingeschrieben, aber offenbar nicht deutlich genug, wie zwei, drei weniger freundliche Mails, die ich nun erhalte, zum Ausdruck bringen. Für mich war es auch das erste Mal, einen Job zu vergeben, ich lerne ja auch dazu. Deutlich mehr jedoch antworten positiv und freuen sich über die Tipps. Auch habe ich schon eine Kontaktanfrage über Xing bekommen. Ich hebe mir die Bewerbungen auf, damit ich in Zukunft schonmal nachfragen kann bei allen „Weiß nicht“ und „Vielleicht“-Kandidaten, wenn sich ein weiterer Job auftut.

Zurück zum Zuschlag: (Firmenname in Umfirmierung)pr hat nun einen Mitarbeiter, der von zuhause aus Datenbankpflege betreiben wird. Ich hoffe, dass Lücken in den Einträgen von nun an der Vergangenheit angehören und dass die Seite flutscht wie nie zuvor. Doch zuerst wird der Mitarbeiter geduldsam eingelernt, seine erste Feuerprobe hat er, wenn ich meinen Computer zum Richten gebe und dann zwei Wochen ohne bin: Meine Grafikkarte ist offenbar hinüber, und einen Mac kann man eben von privat nicht einfach aufschrauben. Manche können das zwar, aber wieso sollte ich, wenn ich noch Garantie habe?

PS: Hier noch die Liste meiner subjektiven Erfahrungen und Ratschlägen, damit sie irgendwo aufgehoben ist:

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