Die echten Blockbuster

Im gestrigen Beitrag habe ich ja erwähnt, dass sich die überdurchschnittlich hohe Bewertung der heutigen Filme im Verhältnis zu den früheren durch den heutzutage deutlich raffinierteren Marketing-Hype erklären lässt. Auch wollte ich irgendwann noch ein paar Worte zur IMDb-Bewertung eines Filmes fallen lassen, denn die dortigen Punkte sind nun wirklich nicht repräsentativ. Laut IMDb-Chart ist The Dark Knight der beste Film aller Zeiten, was nun wirklich stark bezweifelt werden darf. Nicht, dass der Film schlecht ist (Review folgt irgendwann), aber der Beste? Aller Zeiten? Kommt schon, das glaubt Ihr doch auch selber nicht.

Nun hilft mir die Webseite, auf die ein Kumpel mich hingewiesen hat: Die US-Einspielergebnisse, inflationsangepasst. Diese Übersicht hilft nun wirklich, wenigstens den finanziellen Marktwert eines Filmes einzuschätzen – und mal ehrlich: Die Kurven der IMDb-Meinungsklicks und der Einspielergebnisse dürften ja wohl ziemlich ähnlich verlaufen.

Und diese Liste zeigt die Filme schon eher nach der wirklichen Wertigkeit, und nicht so, wie die medienhypegeschwängerten Batman-Jünger sich das heute so gern auf ihre Fahnen schreiben. Platz 2 ist Star Wars, Platz 21 der Pate, Platz 47 der ursprüngliche Batman und The Dark Knight rangiert derzeit auf… Platz 66, zwischen Lady and the Tramp und Close Encounters. Na also.

Ach ja, und dass Morgan Freeman im Krankenhaus liegt, dürfte mittlerweile ja die Runde gemacht haben.

4 Gedanken zu „Die echten Blockbuster“

  1. Na ja, die Top 250 der IMDb mag ja statistisch gesehen nicht repräsentativ sein, aber sie basiert auf Wertungen von Fans, die andere Maßstäbe anlegen als Kritiker oder Kreative aus dem Filmgeschäft. Außerdem sind in der Liste nur 51 Filme aus den 2000ern (Stand 6.8.), in denen der „Marketing-Hype“ ja erst zu voller Blüte kam. Und davon hatten die wenigsten einen Hype, bevor sie gestartet sind (siehe „Amélie“, „Departed“, „Das Leben der anderen“, „Vergiss mein nicht“, „Der Pianist“ usw.). Und „Cloverfield“, der ja quasi die Mutter aller Hypes ist, ist gar nicht dabei.
    Ich gebe dir Recht, dass sich die breite Masse durchaus durch das Marketing beeinflussen lässt, aber bin der Meinung, dass gerade die IMDb-Liste ein schönes Beispiel dafür ist, dass wirkliche Filmfans eben nicht danach gehen, zumal nur Wertungen von Leuten gezählt werden, die regelmäßig voten und schon eine bestimmte (geheime) Anzahl von Votes haben.
    Obwohl ich „The Dark Knight“ noch nicht gesehen habe, gehe ich auch davon aus, dass es nicht der beste Film aller Zeiten ist, aber ich denke auch, dass die IMDb-Wertung noch deutlich runtergehen wird, was bei meisten neueren Filmen nach einiger Zeit eintritt („Juno“ z.B. war, als er rauskam, mehrere Wochen lang unter den Top 100, jetzt ist er gar nicht mehr drin).
    Bei der inflationsangepassten Liste sind auch zwei Dinge zu berücksichtigen, die die „wirkliche Wertigkeit“ relativieren:
    1. gehen die Leute durch die „neuen Medien“ (DVD, Internet, Fernsehen usw.) nicht mehr so häufig ins Kino wie früher und
    2. (wie auch unter der Liste als Anmerkung steht) werden auch Wiederaufführungen berücksichtigt, was z.B. bei den „Star Wars“-Filmen ein nicht unerheblicher Faktor sein dürfte.
    Meine Meinung.
    Viele Grüße
    Marc

  2. Sehr gut gesagt, Marc, absolut wahr. Was ich jedoch bei der IMDb vermisse, und darauf gehst Du auch nicht ein: Was ist mit der Bewertung von Filmen, die älter sind als die IMDb? Wer macht sich denn die Mühe, sich zu registrieren und alle Filme, die er schon gesehen hat, zu bewerten? Bei den großen Hämmern machen das sicher viele, aber das sind nur recht wenige Filme. Ich habe auch meine Stimme bei E.T. und Star Wars abgegeben, aber eben nicht bei Knight Rider, Species und anderen Filmen, die ich im Lauf meines Lebens gesehen habe.

    Daher ist die ganze Bewertung der IMDb schief und krumm, finde ich. Alle Filme von vor 2005 oder so müßten dort ausser Konkurrenz laufen – oder deren Bewertung müsste durch einen Schlüssel angepasst werden.

  3. Hi Julian,

    die boxofficemojo.com ist schon seit Jahren meine Anlaufstelle für Charts in den USA. Bin dort Forum-Mitglied allerdings ohne Taten zur Zeit.

  4. Okay, in dem Punkt geb ich dir Recht, abgesehen davon, dass ich die Grenze schon Mitte bis Ende der Neunziger setzen würde, als das Internet und damit auch die IMDb mehr Menschen zugänglich wurde als vorher.
    Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich kaum Filme bewerte, die ich vor meiner Registrierung gesehen habe, was aber nicht an Faulheit liegt, sondern daran, dass ich mich nicht immer gut genug daran erinnern kann, um eine richtige Wertung abgeben zu können. Seit ich registriert bin, vote ich immer, sobald ich einen Film gesehen habe, sei es ein Blockbuster oder ein Minifilm.
    Grüße,
    Marc

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