Viel Akte, wenig X

Heute war die Pressevorführung von Akte X – Jenseits der Wahrheit, dem zweiten Akte-X-Film. Der Film startet diesen Donnerstag, also in drei Tagen.

Pater Joe, im Bild ganz vorne, ist ein verurteilter Pädophiler und zugleich katholischer Geistlicher. Er lebt zurückgezogen in einer Art Wohneinrichtung für entlassene Straftäter. Nur, dass er Visionen hat, scheint seinem Leben einen Sinn zu geben.

Besagte Visionen erlauben es dem Mann, dem FBI zu einer Serie von Leichen(teil)funden in einer zugefrorenen Winterlandschaft zu verhelfen. Doch eine entführte Agentin, auf der das eigentliche Hauptaugenmerk des FBI liegt, bleibt verschollen, auch wenn sie laut Pater Joes Visionen immer noch am Leben ist.

Bei Scully wird angefragt, ob sie nicht Mulder anhauen könnte, wieder mit auf die übernatürliche Pirsch zu gehen – als unbewaffnete Zivilisten. Beide Ex-Agenten, noch immer ein Paar, zurückgezogen in einer langweiligen und wenig spektakulären Einsamkeit lebend, beginnen, an dem Fall mitzuarbeiten. Mulder glaubt („I want to believe“) an die Visionen von Pater Joe und das generell Übernatürliche (kein Wunder nach dem letzten Film), Scully sieht in dem Mann nur den Päderasten, der nun versucht, sich sein Gewissen halbwegs reinzuwaschen, indem er der Justiz hilft.

Es dauert nicht lang, und Mulder stößt tatsächlich auf einige merkwürdige Umtriebe. Natürlich klappt sein Alleingang nicht so, wie er sollte, und die Standard-Dramaturgie nimmt ihren Lauf.

Im Grunde handelt es sich bei diesem Film um eine überlange Einzelfolge der Serie. Der Film ist nichteinmal besonders spannend. Die Bösewichte werden so spät und so ungeschickt eingeführt, dass man keinen rechten Groll auf sie entwickeln mag, und das Übernatürliche (das X an den Akten) ist der mit Abstand dünnste aller Handlungsfäden. Richtig gelungen ist ein Twist in Bezug auf Amanda Peets Rolle und ein Gag mit dem Score-Thema und einem Foto, aber ansonsten verdient dieser Film meiner Meinung nach nicht die Bezeichnung „Akte X“. Ich habe eine Menge Thriller gesehen, die mich weit mehr gerissen haben.

Schade, denn ich hatte mich sehr auf den Film gefreut. Ich bin zwar ohnehin kein großer X-Files-Fan, aber großes Hollywoodkino mit übernatürlicher Note* schaue ich mir immer gern an. So richtig schlecht ist der Film auch nicht, ich denke aber, dass es schon eines Kenners der Materie bedarf, um eventuell versteckte Anspielungen, Cameos und sonstiges zu entdecken. Ich hoffe jetzt mal, dass ich bloß nicht gut genug eineweiht war, um irgendwelche hintergründigen zusätzlichen Ebenen zu sehen, anstatt erkennen zu müssen, dass da keine waren. Auf mich wirkte der Film weit weniger doppelbödig als Total Recall, sah aus wie eine teure TV-Produktion (nur einmal Hubschrauber, keine spektakulären sonstigen Einsätze der Ami-Justiz), hatte mir zuwenig Übernatürliches und war leider nicht spannend genug.

Warum ich denn überhaupt darüber schreibe? Weil er zur großen Reihe der X-Files gehört (gehören will) und entsprechende Beachtung verdient haben sollte. Und weil ich nicht verstehe, wieso sich ein Paar, das offenbar schon seit Jahren zusammenlebt, sich noch mit dem Nachnamen anredet.

*Mich faszinieren übernatürliche Angelegenheiten so lange, solange sie noch nicht erklärt werden konnten oder nicht schon längst widerlegt wurden. Dimensionstore, Vergeßlichkeitsblitze, Visionen, Zombies und Zeitreisen sind für mich kein Problem, aber z.B. ein tonnenschweres Insekt im Körper eines Bauern unterzubringen, ohne dass der mehr als 75 kg wiegt (Men in Black), ist physikalisch unmöglich. Sowas stört mich im Kino dermaßen, dass ich mich vom Kinogenuss ablenken lasse. Mit den Einwänden von Freunden und Kollegen, dass man das doch einfach annehmen müsse oder metaphorisch zu sehen habe, kann ich nur wenig anfangen. Man sollte nicht mehr in eine Situation hineininterpretieren, als womöglich darin ist, denke ich. Am meisten freue ich mich aber, wenn im Film tatsächliche, reale Erklärungen für Phänomene genannt oder gesucht werden, auch wenn dies vielleicht nicht jeder Zuschauer versteht. So, wie in Arztserien wie Dr. House ja eben auch echte Krankheiten und Chemikalien genannt werden und in Anwaltsserien echte Paragraphen.

4 Gedanken zu „Viel Akte, wenig X“

  1. Dass Mulder sich von Scully mit Nachnamen anreden lässt, liegt vermutlich daran, dass er seinen Vornamen nicht mag (zumindest glaube ich mich zu erinnern, dass das in einer der ersten Folgen mal erwähnt wurde).

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