Spamfilter vs. Pressearbeit

Cineasten diskutieren mitunter ja auch ganz gerne über deutsche Filmtitel, die sich im großen und ganzen in drei grobe Kategorien fassen lassen:

  1. korrekt übersetzt bzw. gekonnt eingedeutscht
  2. nicht exakt getroffen bzw. annehmbarer alternativer Titel
  3. völlig in den Wald gedichtet bzw. total übers Knie gebrochen (unter Filmkennern auch die weitläufige „Wie zum Geier konnte das passieren?“-Kategorie genannt)

Diese Kategorien sind natürlich nicht endgültig, man kann sie sicher noch verfeinern.

Ein Beispiel für 1) wäre meines Erachtens Star Wars: Krieg der Sterne. Ein Fall für 2) könnte Jaws sein, der hier als Der weiße Hai bekannt ist. Für 3) gibt es eine Fülle guter Beispiele, zwei zeitlose Klassiker sind Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone für Ruthless People und Im Land der Raketenwürmer für Tremors. Solche Titel können Filme ruinieren…

Neulich gab es wohl eine sehr schlecht besuchte Pressevorführung für Forgetting Sarah Marshall. (Trailer hier) Nach etwas Nachforschung ist am wahrscheinlichsten, dass der deutsche Titel die Ursache für das Ausbleiben der Einladung bei so manchem Kollegen ist: Der Film heißt auf deutsch Nie wieder Sex mit der Ex, und beim Schlagwort Sex wird die Mail natürlich sofort ausgefiltert. Nun lädt die betreuuende Presseagentur unter dem Originaltitel ein und entschuldigt sich dafür:

Wir können den deutschen Filmtitel an dieser Stelle leider nicht erwähnen, da die Möglichkeit besteht, dass die Email durch Ihren SPAM-Filter abgefangen wird.

Die Frage ist natürlich: Wo setzt man hierbei an? Ich sehe drei mögliche Lösungen:

  1. Die Spamfilter weniger aggressiv programmieren. (Nachteil: Mehr Spam „kommt durch“, also ist das nicht wirklich eine Option)
  2. Die deutschen Filmtitel Spamfilter-sicher wählen. (Nachteil: Man hat bei der Filmtitelwahl keinerlei Freiheiten mehr, und wenn man dann auch noch zusieht, dass zum deutschen Titel auch die Domain noch frei ist, lassen sich bald gar keine halbwegs ordentlichen deutschen Filmtitel finden – also auch keine Option)
  3. Der Versand von Einladungen erfolgt nur noch per signierter Mail, dann kann man reinschreiben, was man will. (Nachteil: Ich glaube, die wenigsten von uns bekommen es gebacken, auch noch alle potentiellen Absender von signierten Mails in ihren Mailprogrammen zu verifizieren. Also leider auch keine praktikable Lösung. Leider, wohlgemerkt.)

Das Problem ist also nicht zu lösen. Außer mit dem Workaround, den Einladungstext als Grafik zu speichern und diese zu verschicken, so dass der Spamfilter umgangen wird. Beispiele für Text-als-Grafik finden sich zum Beispiel auf der Webseite von Apple, versucht doch mal dort, eine der Überschriften mit der Maus zu markieren. Das wäre fürs erste eine Lösung.

Ich kann den Film derweil nur sehr knapp vor Start sehen, weil mein Spamfilter zu gut war. D’oh.

PS: Mit Beautiful Bitch ist soeben der nächste Film am Horizont aufgetaucht, der im Spamfilter hängen bleiben könnte…

5 Gedanken zu „Spamfilter vs. Pressearbeit“

  1. „Im Land der Raketenwürmer für Tremors. Solche Titel können Filme ruinieren…“

    Nein, das war grandios ! GRANDIOS ! Wer auch immer sich den ausgedacht hat, verdient kostenlos Bier und Nutten auf Lebenszeit !

  2. Ich muss zu meiner Schande gestehen, das sich von einem rein kommerziellen Standpunkt den Titel „Die unglaubliche Entführung…“ nicht so schlecht fand, machte er doch die ZAZ-Connection deutlich. „Rücksichtslose Leute“ hat auch irgendwie keinen so tollen Klang… (meine Favoriten sind immer noch „Mike in 3,8 von 0 auf 100“ und „Was nutzt dem toten Hund ein Beefsteak“).

    Zum eigentlichen Problem fällt mir allerdings auch keine Patentlösung ein…

  3. Das Gummiboot hab ich nie gesehen, das war mir schon vom Titel her (!) zu peinlich. Was man hier anmerken sollte: „Up the creek without a paddle“ ist ein Idiom für „in einer ausweglosen Situation sein“, aber noch viel wichtiger ist „a trip up the Rhine“, das wohl für Sex steht. Leider find ich gerade keinen Nachweis dafür, aber ich hab das mal aufgeschnappt irgendwo. Viele Übesetzer wissen sowas nicht (ich ja auch nicht, aber ich übersetze ja auch nicht), besonders bei den Simpsons war Combrincks Unkenntnis der englischen (Jugend-)Sprache ein gewaltiges Übel.

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