Ich hab da mal ’ne Idee

Neulich habe ich ein wenig afk tv geguckt, wo dann auch ein Kurzfilm einer Filmhochschule gezeigt wurde. Der Film (sicherlich ein Übungsfilm aus einem der unteren Semester) war schwarzweiß, die Abtastung recht körnig, Staub und Kratzer im Bild, und dort, wo die Schnitte saßen, sprang das Bild ganz gern. Der Ton war… Na, lassen wir das. Ganz klar: Das Werk eines jungen, aufstrebenden Studenten, der noch lernt.

Große cineastische Toleranz ist daher angesagt, auch wenn die Auswahlkriterien der Filmhochschulen einen annehmen lassen möchten, dass es ohnehin nur die Steven Soderberghs und Martin Scorseses von morgen ins heiß ersehnte und lang erhoffte Studium schaffen.

Ich hätte jedoch nie gedacht, dass ein Fünfminüter mich derart langweilen könnte. Da wurde establisht, dass sich die Balken biegen, doch dann folgte so gut wie keine Handlung. Es gab keinen fühlbaren Twist, keinen Gag, keine Szene, die zum Schmunzeln sein sollte. Die Auflösung der Geschichte erfolgte sehr plump und mit einem vorhersehbaren, will heißen, viel zu lang und deutlich vorbereiteten „Gag“. Ich schimmelte förmlich auf dem Sofa vor mich hin, während sich so gar nichts von Interesse auf der Mattscheibe abspielte, entwickelte oder vorbereitete.

Und da hab ich mir gedacht: Moment mal, ich glaub, ich hab eine Idee!

Mal angenommen, jeder Filmverleih, der eine Pressevorführung ansetzt, „adoptiert“ für diese PV einen Hochschulkurzfilm (bis max. 10 Minuten) aus der jeweiligen Stadt oder Region. Dieser Film wird dann vor der Pressevorführung (die ja ohnehin meist eine Viertelstunde später anfangen) gezeigt. Alle Journalisten, die wollen, können diesen (Vor-)Film dann auch angucken. Wer erst später in den Saal will, kann ja noch seinen Kaffee leerschlürfen.

Später können die Journalisten, die den Schulfilm gesehen haben (müssen aber nicht), Feedback dazu abgeben. Sei es mündlich oder in ein Mikro, sei es schriftlich in ein Formblatt oder sei es im Nachhinein öffentlich oder nichtöffentlich mit einer kleinen Kritik. Diese Informationen können dem jungen, aufstrebenden, talentierten Filmemacher dann als „Feuertaufe“ seines Films gelten, als Feedback „von der Front“ sozusagen.

Denn die Einschätzungen der Professoren der Filmhochschulen sind berufsbedingt wohl nie ganz neutral, Kurzfilme zeigt sowieso kein Kino, Kurzfilmfestbesucher sind dünn gesät, afk guckt nun wirklich auch nicht jeder (und wer schreibt schon eine Kritik dazu?), Familie und Freunde des Filmemachers dürften auch befangen sein, und und und. Der Filmstudent, der ja nachher sein Brot mit der Auswertung seine Filme auf dem freien (!) Markt verdienen können möchte (und können soll), könnte auf diese Weise früh und vor allem gnadenloses (vielleicht sogar anonymes) Feedback über die Qualität seiner Arbeit erhalten. Ich bin sicher, dass die Kollegen, so sehr ein Werk auch zerrissen werden mag, in der Lage sind, die dahinterliegende Ambition zu erkennen und ihr Feedback entsprechend zu formulieren. Schlechte Kritiken kann man außerdem nicht früh genug bekommen, was einen nicht umbringt, macht einen härter. Das Leben ist kein Ponyhof.

Wie findet Ihr diese Idee? Bescheuert? Gut? Irgendwas dazwischen? Laßt es hören!

2 Gedanken zu „Ich hab da mal ’ne Idee“

  1. coole idee! Aber stelle ich mir auch schwer vor, wer entscheidet, welcher Kurzfilm laufen darf? Und was für einen Benefit hat den der Hauptfilm davon? Warum sollten sich die Vorführer darauf einlassen? Und: Ist es nicht auch so, dass Kritiker, die an den Maßstäben eines „A-Movies“ beurteilen, etwas hart mit den Studentenfilmen wären?

    grüße aus stuggi – faby

  2. Hi faBy,

    danke. Ich denke, die Hochschulfilme brauchen nicht besonders „gepaart“ zu werden mit den anderen Produktionen, es geht ja nur darum, sie Kritikern zeigen zu können. Der Hauptfilm hat gar keinen Benefit, deswegen sprach ich ja auch vom „Adoptieren von Hochschulfilmen“ – damit sich frei entwickelt werden kann, ohne Zwang oder Gelddruck. Das sehe ich wie so ein „Patenkind in der dritten Welt“-Projekt: Man (der Verleih) tut dem aufstrebenden Filmemacher was Gutes, einfach so, ohne Deal und Win-Win. Da die Vorführung sowieso gebucht ist und die Journalisten eingeladen sind, die Photonen also sozusagen eh schon verschossen werden, klinkt sich der Hochschulfilm einfach mit ein, wie so ein Pilotfisch bei einem Hai.

    Und klar beurteilen die Kritiker den Film entsprechend gnadenlos, auch wenn sie, wie ich ja schon geschrieben habe, in der Lage sein werden, die Intention vom tatsächlichen Endprodukt auseinanderzuhalten. Doch gerade weil der Student „A-Grade Feedback“ bekommt, kann er sich besser daran orientieren als an butterweichem Freundlich-Feedback. Ich denke nicht, daß irgendwer einen Filmstudenten fertigmachen will, aber der Student steht ja nach der Schule gewissermaßen nackt im Regen, muss natürlich in der Lage sein, A-Filme für einen A-Markt zu drehen, denn „da draußen“ gibt es kein Pardon. Das Publikum ist einfach gnadenlos, und wenn sein abendfüllender Spielfilm nicht ankommt, spielt er eben nichts ein, und dann gibt’s halt nichts mehr zu Essen.

    Ich hoffe übrigens, dass „Studentenfilm“ nicht als Genre gesehen wird, als fehlerreiche, mit Toleranz zu begegnender Art von Film. Im Grunde ist das ja auch dasselbe mit dem „deutschen Film“ (wenn es den überhaupt so gibt) – man geht ins Kino mit dem Wissen, dass der Film deutsch ist, also wahrscheinlich nicht so knackig wie eine große Hollywoodproduktion. Nur: Warum nicht? Warum müssen deutsche Filme mit Samthandschuhen angefasst werden? Die Italiener haben auch Das Leben ist schön gedreht, die Franzosen Das fünfte Element und Léon, der Profi, die Russen Wächter des Tages und Wächter der Nacht, die Engländer, Mexikaner und so weiter doch auch ganz fähiges Programm. Wenn man hier nicht DDR- und Nazithemen hätte (die ausschließlich zu erdrückend düsteren, depressiven Filmen führen, also garantiert kein schöner Dinner-and-a-Movie-Abend mit der Liebsten möglich ist), blieben nur wenig interessante Filme übrig. Und Léon, der Profi aus deutscher Hand… gab’s da nicht mal einen ganz schrecklichen Scharfschützenfilm mit Heiner Lauterbach?

    Ich finde, man sollte Filme nicht nach ihrem Herkunftsland beurteilen, aber auch nicht erkennen können. Doch einen deutschen Film riecht man in den meisten Fällen hundert Meilen gegen den Wind – leider, leider, leider! Und da sowieso alles nur noch dem Geld zuliebe getan wird (Gesundheitsreform, Bahn AG, Postprivatisierung usw.), sollten die Filme eben auch langsam von Fördermitteln unabhängig und selbsttragend gedreht werden. Finde ich jedenfalls.

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