Werkstattkino: Spezialitäten

Leider habe ich vergessen, die Mail zu posten, daher nun einen Tag zu spät: Im Werkstattkino laufen derzeit ein paar gewaltige Kinoklassiker in Kombination mit neuen Perlen. Ich kann echten Filmfans nur empfehlen, weiterzulesen.

KURZ DAVOR IST ES PASSIERT
Österreich 2006. Regie: Anja Salomonowitz. 35mm. 72 Min. Erstaufführung.
KURZ DAVOR IST ES PASSIERT ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem globalen Phänomen des Frauenhandels. Anja Salomonowitz wählt einen ungewöhnlichen Zugang zum Thema: ihr Film basiert auf realen Erzählungen gehandelter Frauen, aus denen die Regisseurin ein dokumentarisches Drehbuch erarbeitet hat. Die Geschichten werden nicht von SchauspielerInnen, sondern von Menschen nacherzählt, die mit den Ereignissen und Orten des Films in einer Beziehung stehen könnten: ein Zöllner, eine Dorfbewohnerin, ein Bordell-Kellner, eine Diplomatin und ein Taxi-Chauffeur. Ein Film über falsche Versprechungen, Ausbeutung, Enttäuschung und die Frage nach den anderen Wegen.

„Der Film handelt davon, was die Leute sich ausdenken, während sie den Film sehen. Die Bilder, die man sich zu den erzählten Geschichten des Frauenhandels vorstellt, sind die eigentliche Haupthandlung des Films. Etwas, das man auf der Leinwand nicht sieht. Das ist wie im richtigen Leben, denn diese Geschichten werden aus dem alltäglichen gesellschaftlichen Bewußtsein ausgeblendet.“ (Anja Salomonowitz)
22. – 31.10. um 20.30 h

filme von JULES DASSIN

rififi
(DU RIFIFI CHEZ LES HOMMES). Frankreich 1956. Buch und Regie: Jules Dassin. Kamera: Philippe Agostino. Musik: Georges Auric. Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel. 35mm. Deutsche Fassung. 108 Min.
Eine hochspezialisierte Bande aus internationalen „Fachleuten“ plant den Raub von Diamanten aus einem Geschäft an der Place Vendome in Paris. Mit diesem meisterhaft inszenierten Film hat Jules Dassin den Begriff des „Thrillers“ in den französischen Kriminalfilm eingeführt.

Die berühmte Einbruchsszene, die mit allen Details gezeigt wird, dauert fast 26 unvergessliche Minuten.
22. – 24.10. um 22.00 h

halb elf in einer sommernacht
(10:30 P.M. SOMMER). USA/Spanien 1966. Regie: Jules Dassin. Mit Peter Finch, Melina Mercouri, Romy Schneider. 35mm. 85 Min.
Nach einem Roman von Marguerite Duras hat Jules Dassin diesen Stoff in ein optisch ebenso bewegtes wie bewegendes Bild gegossen. Ein kluger, intelligenter, zum Mitdenken zwingender Film! Romy Schneiders Claire wirkt kühl und zugleich erotisch, egoistisch und doch resigniert, eine interessante, vom Intellekt her gegebene schauspielerische Leistung. (Wiesbadener Kurier, 1966)
25. – 27.10. um 22.00 h und am 28.10. um 18.00 h

the naked city
USA 1947. Regie: Jules Dassin. Kamera: William Daniels. Musik: Miklos Rozsa, Frank Skinner. Mit Barry Fitzgerald, Howard Duff. 16mm. Originalfassung. 95 Min.
Ein ungewöhnlicher Kriminalfall in einem ungewöhnlichen Kriminalfilm. Fast dokumentarhaft genau und wirklichkeitnah wird die Arbeit eines New Yorker Mordkommissariats vorgeführt.
28.10. um 22.00 h

zelle R 17
(BRUTE FORCE). USA 1946/47. Regie: Jules Dassin. Buch: Richard Brooks. Kamera: William Daniels. Musik: Miklos Rozsa. Mit Burt Lancaster, Hume Cronin, Charles Bickford, Yvonne de Carlo. 35mm. Deutsche Fassung. 100 Min.
Sechs Häftlinge eines amerikanischen Zuchthauses bereiten einen Aufstand vor und versuchen zu fliehen. Der Ausbruch mißlingt, die Meuterei wird blutig niedergeschlagen. Hartes Melodram. „The essence of Jules Dassin’s BRUTE FORCE is violence.“ (FILM NOIR)
29. – 31.10. um 22.00 h

halb elf in einer sommernacht
(10:30 P.M. SUMMER). USA/Spanien 1966. Regie: Jules Dassin. Buch: Jules Dassin, Marguerite Duras. Kamera: Gabor Pogany. Musik: Cristobal Halffter. Mit Peter Finch, Melina Mercouri, Romy Schneider. 35mm. Deutsche Fassung. 85 Min.
Nach einem Roman von Marguerite Duras hat Jules Dassin diesen Stoff in ein optisch ebenso bewegtes wie bewegendes Bild gegossen. Ein kluger, intelligenter, zum Mitdenken zwingender Film! Farben und Tönen kommt dramaturgische Bedeutung zu. (…) Melina Mercouri gibt der Maria all ihre Vitalität, all ihre Gefühlsintensität. (…) Die „Andere“, das ist Romy Schneider, ihre Claire wirkt kühl und zugleich erotisch, egoistisch und doch resigniert, eine interessante, vom Intellekt her gegebene schauspielerische Leistung. (Wiesbadener Kurier, 1966)
25. – 27.10. um 22.00 h und 28.10. um 18.00 h

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SONNTAGSSPEZIALITÄTEN

der swimmingpool
(LA PISCINE/LA PISCINA). F/I 1968. Regie: Jacques Deray. Buch: Jean-Claude Carrière, Jacques Deray. Kamera: Jean Jacques Tarbes. Musik: Michel Legrand. Mit Alain Delon, Romy Schneider, Jane Birkin. 16mm. Deutsche Fassung. 113 Min.
Die erotische Vierecksgeschichte zwischen einem Künstlerpaar und einem reichen Playboy mit Tochter im mondänen Luxusmilieu von St. Tropez endet tödlich. „Eine düstere, zwielichtige Geschichte, im gleißenden Sonnenlicht inszeniert.“ (Susan Vahabzadeh, 2003).
4.11. um 18.00 h

der kampf auf der insel
(LE COMBAT DANS L’ILE). F 1961. Regie: Alain Cavalier. Buch: Alain Cavalier, Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau. Kamera: Jean-Marie Maillois. Musik: Serge Nigg. Mit Romy Schneider, Jean-Louis Trintignant. 35mm. Deutsche Fassung. 104 Min.
Am schönsten ist sie, wenn sie trunken ist: Romy Schneider, berauscht vom Glück, von der Liebe, von der Lust. Ein Rausch von Vergänglichkeit, in dem immer auch Unsicherheit mitklingt, im Angesicht des kommenden Tages. (Fritz Göttler, 1992)
11.11. um 18.00 h

das mädchen und der mörder – die ermordung trotzkis
(L’ASSASSINAT DE TROTSKY/L’ASSASSINO DI TROTSKY). F/I/GB 1971. Regie: Joseph Losey. Buch: Nicolas Mosley, Masolino d’Amico. Kamera: Pasquale de Santis. Musik: Egisto Macchi. Mit Alain Delon, Richard Burton, Romy Schneider.
35mm. Deutsche Fassung. 102 Min.
In sachlicher Distanz und einer etwas unterkühlt wirkenden Inszenierung wird die Bemühung einer kleinen Gruppe geschildert, den im mexikanischen Exil lebenden Trotzki zu ermorden. Losey hat unheimlich genau kalkuliert. Er läßt die Kamera erzählen, ganz langsam in großen Schwenks Leben einfangen und sich dann festkrallen im Detail, dies oft unterlegt mit Musik, in der die Bedrohung anschwillt. Losey treibt mit ausgeklügeltem Kunstgeschmack seinen Film voran und mit ihm den Zuschauer.
(Helmut Schmitz, 1973)
18.11. um 18.00 h

die geliebte des anderen
(QUI?/IL CADAVERE DEGLIE ARTIGLIE D’ACCIAIO). F/I 1970. Regie: Léonard Keigel. Buch: Léonard Keigel, Paul Gégauff. Kamera: Jean Bourgoin. Musik: Claude Bolling. Mit Romy Schneider, Maurice Ronet. 16mm. Deutsche Fassung. 78 Min.
Bei einem Autounfall bleibt der Fahrer unauffindbar, die Geliebte kann sich retten und lebt nun mit dem Bruder des Verunglückten zusammen. Spannender Psychokrimi und natürlich ein Film, der von der Liebe handelt.
25.11. um 18.00 h

the cardinal
USA 1963. Regie: Otto Preminger. Buch: Robert Dozier nach dem Roman von Henry Morton Robinson. Kamera: Leon Shamroy. Musik: Jerome Moross. Mit Tom Tyron, Romy Schneider, Raf Vallone, John Saxon, Josef Meinrad, John Huston.
35mm. Originalfassung. 175 Min.
Der amerikanische, 1906 in Wien geborene Filmregisseur und Produzent Otto Preminger schreckt vor heißen Eisen nicht zurück. Zwei politische und zwei religiöse packt er an in seinem neuen Film: die Integration der Farbigen, den Nationalsozialismus, das Naturrecht, die Mischehe. Der gutaussehende Tom Tyron ist ein Priester ohne Furcht und Tadel, für unseren Geschmack ein wenig zu blankgerieben (…) Romy Schneider verbindet jetzt die einstige, ihr zum Verhängnis gewordene Süße mit der am französischen Dialog geschulten Knappheit und Raschheit, sie weiß alle gefährliche Sentimentalität, die in ihrer Rolle lagert, zum vermeiden. (Brigitte Jeremias, 1964)
2.12. um 16.30 h

schornstein nr. 4
(LA VOLEUSE). F/BRD 1966. Buch und Regie: Jean Chapot. Kamera: Jean Bernard Penzer. Musik: Antoine Duhamel. Mit Romy Schneider, Michel Piccoli, Hans-Christian Blech. 35mm. Deutsche Fassung. 90 Min.
Eine junge Frau, seit Jahren kinderlos verheiratet, kämpft um ihr voreheliches Kind, das sie an Pflegeeltern weggeben hat. Ungewöhnliches Frauenporträt mit Romy Schneider, die nach ihrem Abschied vom „Sissy“-Image erstmals wieder in Deutschland vor der Kamera steht: Ein in kargen Schwarzweißbildern und langen Dialogpassagen entfaltetes Psychogramm. „Ich las das Drehbuch und wußte: Das ist die Traumrolle für mich. Ich kann ganz zart und leise sein, und ich kann toben wie ein Berserker…“ (Romy Schneider)
9.12. um 18.00 h

sommerliebelei
(UN AMOUR DE PLUIE). BRD/F/I 1973. Buch und Regie: Jean-Claude Brialy. Kamera: Andreas Winding. Musik: Francis Lai. Mit Romy Schneider, Nino Castelnuovo. 35mm. Deutsche Fassung. 97 Min.
Die erotischen Ferienerlebnisse einer verheirateten Frau und ihrer 14jährigen Tochter. Während die Mutter das Interesse eines Italieners erregt, macht die Tochter erste Erfahrungen mit dem sensiblen Küchenjungen. Kunstvoll pastellierte Tragikomödie über die Unbeständigkeit der Gefühle.
16.12. um 18.00 h

Werkstattkino
Fraunhoferstr. 9
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