Der Horror beim PR-machen

Wer sich ein wenig mit PR und Werbung beschäftigt, und sei es nur ganz nebenbei und hobbymäßig, dem dürfte schon länger bekannt sein, daß der Markt mehr als übersättigt ist; und daß Werbebotschaften dazu tendieren, beim intendierten Empänger zum einen Ohr hinein- und zum anderen wieder hinauszugehen, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Die Tatsache, daß hierzulande die Werbemacher nach langen Jahren der volksverdummenden Werbung mit Pseudo-Fakten (es gab Ausnahmen) endlich aufwachen und sich ein (spätes) Beispiel an den international schon längst erfolgreichen, kreativen Spots und Kampagnen nehmen, führt im Nebeneffekt dazu, daß manch neue, irre kreative Kampagne mißverstanden werden kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sie a) nicht konsequent durchgehalten wird, b) nicht ausreichend budgetiert ist oder c) aufgrund der Bedenken zarter Seelen in Positionen mit Entscheidungsbefugnis von vorneherein nur einen halb-aufrüttelnden Kurs fahren soll, um aufzurütteln, aber irgendwie doch nicht zu stören.

Im sehr engen und speziellen Bereich der Bewerbung von Filmen an Filmjournalisten zum Erreichen einer besseren Beachtung des Films in der jeweiligen Publikation (die dann oft in ganz ähnlicher Form fürs Publikum zweitverwertet wird) gibt es meist Kampagnen, die sich durchwegs in die Kategorien „gut gemeint“ und „ach, wenn wir nur mehr Budget gehabt hätten und dazu die Freiheit, zu machen, was wir eigentlich machen wollten“ einordnen lassen.

Man sieht die (oft gute) Idee dahinter und den guten Willen, aber auch die Grenzen, die bei der Durchführung erreicht wurden (im Grunde wie bei Soaps, TV-Produktionen und manchen Filmen). Das ist manchmal, wie in diesem Beispiel, sehr schade.

Myers-Brief unknownHeute habe ich nämlich eine Mail von Michael Myers höchstselbst erhalten, der mich in einem offenbar an mich gerichteten Brief darauf hinweist, daß er nun bald wieder in Freiheit sein und seine Mordlust in die Tat umsetzen wird. An sich eine nette Idee für den Filmstart. Nur leider ein wenig zu brav für meinen Geschmack.

Zum einen scheint Herr Myers nun bei Senator in Deutschland zu arbeiten, wie mir seine Mailadresse verrät, zum anderen fällt dem psychisch kranken Manne keine düsterere Betreffzeile als „Ein Brief von Michael Myers“ ein.

Im beiliegenden Brief spricht er mich mit „Lieber Freund“ an, und der kleine e-Mail-Blutfleck ganz unten ist auch nicht wirklich gruselig.

Sicher wird keiner der Kollegen ernsthaft erschaudern, aber etwas stärkerer Tobak wäre schon lustig gewesen: Ein Brief, keine Mail, und den auf Englisch, der Absender eine kryptische Adresse (bei Mailadresse eine, die nicht so ohne weiteres oder per Whois zu einem Verleih zurückverfolgt werden können sollte), eine persönliche Anrede, und optisch nicht unbedingt einen Handschrift-Font auf liniertem Papier, sondern eine echt aufwendige Produktion, die dann aussehen sollte wie von einem Myers-Opfer mit letzter Kraft geschrieben und blutverschmiert in die Post gesteckt. Okay – das hätte dann auch wieder nach hinten losgehen können, die einen wären zur Polizei gegangen (wenn nicht schon der Briefträger selbst), die anderen hätte den Brief weggeschmissen, aber die restlichen hätten’s aber deutlich cooler gefunden.

Screenshot Michael Myers-MailDiese Kompromißversion dahingegen mag ihre Berechtigung haben, und ich möchte der Pressestelle mitteilen, daß ich die Idee sehr gut, und die Ausführung gut bis befriedigend finde. Außerdem möchte ich klarstellen, daß ich die ursprüngliche Idee dahinter nachvollziehen kann, und diese prima finde! Hoffen wir nur noch, daß die anderen Spamfilter auch so gut trainiert sind wie meiner und die Mail auch zum Empfänger durchlassen…

2 Gedanken zu „Der Horror beim PR-machen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.