Journalismus liegt mir wohl im Blut

Die Meldung, daß die halb vergessenen Young Indiana Jones Chronicles (offizielle Seite) nun auf DVD erscheinen werden (nach 15 Jahren!) hat mich an eine amüsante Episode aus meiner, naja, journalistischen Vergangenheit erinnert.

Ich war noch Schüler, als ich 1992 hörte, daß George Lucas nach München kommen würde, um seine neue TV-Serie, eben die Young Indiana Jones Chronicles, vorzustellen. Damals (vor der unsäglichen Star Wars Special Edition von 1997, in der Greedo zuerst schießt, und den für Fans gewöhnungsbedürftigen Episoden I, II und III) hatte ich noch gewaltige Ehrfurcht vor dem Mann, der die Holy Trilogy erschaffen hatte, und der nur drei Jahre zuvor zusammen mit Steven Spielberg den genialen Indiana Jones and the Last Crusade ins Kino gebracht hatte. Zu einer Zeit, als digitale Tricks übrigens noch furchtbar aussahen.

Die Sache war sonnenklar: Ich mußte einfach George Lucas treffen!

Eine Schulkameradin von mir war damals mit einem Redakteur der Abendzeitung (glaube ich) zusammen, und den bekniete ich. Naja, ich bekniete sie, und sie bekniete ihn. Soweit ich mich erinnere, war der Kollege hauptsächlich für den Sportteil tätig und interessierte sich tatsächlich nicht so sehr für Filmthemen. So akkreditierte er sich für die Veranstaltung, und schickte zum Termin eine Vertretung – mich.

Am Nachmittag fand die Pressekonferenz im Gasteig statt, doch ich traute mich nicht, hineinzugehen. Irgendetwas schien mir den Hals zuzuschnüren, außerdem war die Tür schon geschlossen. Dafür stand mir pötzlich George Lucas gegenüber, der nach der Konferenz natürlich als Erster den Raum verlassen hatte. Stotternd bat ich ihn um ein Autogramm, das er mir auch bereitwillig gab – in seine unautorisierte Biographie, denn was anderes hatte ich damals nicht zur Hand. Das simple „GL“ hat mich lange geärgert, bis ich Jahre später im Internet (das gab’s damals ja auch noch nicht) gesehen habe, daß das tatsächlich seine Unterschrift zu sein scheint (Quelle).

Am Abend fand dann die Premiere statt, getarnt als Fotografen (mit der Fotoausrüstung meiner Mutter) schlugen mein bester Freund und ich am Abend beim Circus Krone auf.

Klaglos ließ man uns ein, die Akkreditierung hatte geklappt. Heute weiß ich natürlich das wissende Lächeln der Pressedame zu deuten, die uns hypernervöse Milchbubis in unseren besten Sonntagsklamotten natürlich sofort durchschaut hatte. Dennoch zeigte sie Herz und hakte den Redakteur, den wir vertraten, auf ihrer Gästeliste ab.

So tauchten wir ein in die bunte Welt der Premierenparties, meine erste Erfahrung dieser Art überhaupt. Naja, einige Jahre zuvor war ich vielleicht ein bißchen in die Pinewood-Studios in London eingebrochen, aber das erzähle ich ein andermal, eventuell…

Noch bevor wir in das Innere des Circus Krone gelangten, drückten sehr ansehliche Hostessen uns hormongeplagten Spät-Teenagern nordafrikanische Leckereien in die Hand, ich meine mich an Datteln im Speckmantel zu erinnern. Wir schlenderten ein wenig herum, schlürften Cola (Cocktails in unserem Alter war damals kein Thema) schossen sogar ein paar Fotos (wir hatten zwei, drei Rollen Film dabei, wollten aber durch den Blitz nicht weiter auffallen) und beguckten die Münchner Schickeria. Ich kannte niemanden, weil ich mich eigentlich nur für internationale Filme interessierte und von den Kulturgrößen unserer Stadt schlicht und einfach keine Ahnung hatte. Uschi Glas war da, glaube ich. Später dann wurden die ersten beiden Folgen der Serie auf einer riesenhaften Leinwand mitten im Rund des Zirkus gezeigt, mit dem größten Videobeamer, den ich je gesehen hatte.

Mein Nachbar zuhause hatte schon damals einen Beamer, so einen mit drei Röhren in RGB, der hatte ein Gehäuse aus Holz und wog ungefähr 30 Kilo (der Beamer, nicht der Nachbar). Bei dem im Circus Krone waren die Linsen jedoch im Dreieck angeordnet und das Ding war so groß wie ein VW Käfer.

Die beiden Folgen waren spannend, aber ich war viel zu aufgeregt, um mir irgendein Detail der Handlung zu merken. Eines weiß ich aber noch: Indiana Jones fehlt im Alter ein Auge, er trägt eine Augenklappe und hat eine gewaltige Narbe im Gesicht. Ich fürchte also, daß im kommenden Film etwas Häßliches passieren wird.

Nach dem Film gab es Applaus, wir fotografierten George Lucas in seiner VIP-Koje sitzend, und dann gab es Essen. Couscous und tausend andere Buffetspezialitäten, doch wir trauten uns kaum zuzuschlagen. Nach weiterem Schlendern und Atmosphäre-Aufsaugen entschlossen wir uns schließlich, zu gehen. Es war ja auch immerhin schon nach zweiundzwanzig Uhr. Am Ausgang drückten die Hostessen den Gästen nun Giveaways in die Hand: Original Indiana Jones-Hüte, keine billigen Kopien, sondern richtige Filzhüte, innen mit einer goldenen Prägung zur Erinnerung an die Veranstaltung und mit Sat.1-Logo. Geil! Den hab ich heut noch, er hat mir aber noch nie gepaßt, obwohl er Größe 62 hat.

Später setzen wir uns wieder in die S-Bahn und juckelten nach Hause. Das war so ziemlich unser genialstes Erlebnis des Jahres, kultiger noch als unsere Teilnahme als Statisten beim Videodreh zu Give In To Me von Michael Jackson im Juni 1992. (Das war auch so eine Geschichte, ein andermal)

Noch heute denke ich gern an diese Episode zurück, nur eines geht mir erst jetzt auf: Ich habe der Abendzeitung nie angeboten, über die Premiere zu berichten… Doch bedankt haben wir uns bei dem Redkateur der Abendzeitung, das weiß ich noch. George Lucas hab ich übrigens seither nicht wieder getroffen, auch nicht, als ich 1999 hochgeheim ILM besuchen durfte. Auch das erzähle ich vielleicht einmal.

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