Moral vs. Marketing

Vorhin gab es einen überaus interessanten Beitrag im Zündfunk, bei Bayern 2 Radio. Für die Radiohörer wurde das (schon lange existierende) Prinzip des Guerilla-Marketings anhand der sogenannten „Street Teams“ manch großer Musiklabels beleuchtet.

Hierbei besorgen sich die betreffenden Labels junge Musikfans, organisieren diese, meist in einem Online-Forum, stellen ihnen Werbemittel, üblicherweise Flyer und Aufkleber, zur Verfügung. Dann werden die Kids über die feinen Unterschiede zwischen Guerilla-Marketing und Vandalismus belehrt und die Nacht entlassen.

Selbstverständlich tauchen die Aufkleber in Folge nicht nur dort auf, wo sie angebracht hätten werden dürfen, sondern nahezu überall. Das Label weiß natürlich von nichts, der „Täter“ ist im Einzelfall auch nicht mehr feststellbar, und die „Opfer“ (Kneipenbesitzer, öffentliche Verkehrsmittel usw.) kümmern sich im Regelfall nicht um eine Strafverfolgung. Warum auch, wegen einem kleinen Aufkleber? Die Werbung jedoch ist bei der Zielgruppe angekommen – ein perfektes Konzept, frei nach dem Motto: „Wo kein Kläger, da kein Richter„.

Im Beitrag wurde meiner Erinnerung nach auch erwähnt, daß manche Labels bisweilen sogar Schablonen und Sprühfarbe ausgeben, doch in der Online-Variante ist davon nichts zu finden (dies verfolge ich nun nicht weiter, ich habe leider auch keine Aufzeichnung der Sendung).

Dem wohl erzogenen Zivilisten stoßen die Extremfälle dieses Marketings, die offenbar bisweilen an den Rand der Legalität reichen, übel auf. Auch sorgt diese Praxis weltweit für eine allgemeine Verrauhung des Advertising-Klimas, natürlich nicht nur durch die Musiklabels. Bisweilen gibt es sogar nackte Panik wegen einer Guerilla-Marketing-Aktion. Diese Entwicklung ist nicht mehr rückgängig zu machen, es bleibt der Schluß:

Wenn heutzutage Marketing dieser Art also in Extremfällen und ohne Rücksicht auf andere straffrei betrieben werden kann, hindert folglich nur noch die eigene Moral jeden Unternehmer daran, mit ähnlichen Methoden gleichzuziehen. Die aggressiven Werber der Welt liefern so die Vorlage für jedermann – und die moralische wie juristische Berechtigung gleich mit.

Außerdem demonstrieren solche Werber ganz nebenbei, welchen Stellenwert Vertrauen, Wertschätzung, Zusammenarbeit und eben auch die gute alte „sowas tut man einfach nicht„-Moral bei ihnen einnehmen, sie setzen mit ihren Beispielen auch selbst die Richtlinien, an denen sich andere orientieren werden.

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