Endlich: Talentscouting für Filmmusik

Die heutige Pressemeldung von Sony ließ mich aufhorchen: Eine „weitreichende Zusammenarbeit beim Talentscouting“ für Filmkomponisten wurde vereinbart. Insbesondere jungen Komponisten soll der Einstieg ins Filmgeschäft erleichtert werden.

Das freut mich riesig, denn eine schleichende Entwicklung hat im Sektor der Filmmusik zu einer gewissen Knappheit an guter Filmmusik geführt.

Früher lieferten die Giganten der Filmkomposition noch die Ohrwürmer zu den großen Kinofilmen, die Themen, die man auf der Straße pfiff, auf der Autobahn in voller Lautstärke hörte und die man natürlich auf CD haben mußte. Kurz: von denen man nicht genug bekommen konnte.

Heute quillt meist nicht mehr als ein armseliger Synthesizer-Phonbrei aus den Lautsprechern, der einen zum einen Ohr hinein- und sogleich zum anderen wieder hinausläuft: Gefällig und klanglich halbwegs der emotionalen Lage auf der Leinwand angepaßt, aber keinesfalls markant, eingängig oder gar memorierbar. Sicher mag es Ausnahmen geben, doch sie fallen nicht auf.

Gut, es soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch die größten Komponisten sich bisweilen bei den noch größeren und schon lange verblichenen Musikgenies, äh … sagen wir, Inspiration holten – sagen zumindest die Kenner beider Genres. Doch das sei hier nicht Thema.

Was dem heutigen Zuschauer aber im TV- und Kinobereich, insbesondere bei den deutschen Produktionen, die wir hierzulande ja noch am ehesten beurteilen können, zugemutet wird, ist meines Erachtens oft eine Beleidigung fürs Ohr. Seit dem Herrn der Ringe und Harry Potter habe ich keinen Film mehr gesehen, dessen Thema mir nachhaltig im Ohr geblieben ist. Dies mag an zwei Gründen liegen:

Zum einen denke ich, daß bei der Musik ganz einfach gespart wird, weil es eben ziemlich einfach und vor allem billig ist, per Synthesizer auditive Platitüden herzustellen, die den Film um die Musikdimension erweitern, aber eben nicht weiter auffallen. Dafür braucht es nur den Komponisten, der meist samt Pianist in Personalunion auftritt, und nicht das London Symphony Orchestra samt einer pervers genialen Soundstage.

Und zum anderen ist ein Trend zu beobachten: Weg von der individuell komponierten Filmmusik, hin zur Verwendung von bestehenden Musiktiteln, die dadurch zum Teil eine Rennaissance erleben. Ein gutes Beispiel hierfür ist der komplette Soundtrack zu Pulp Fiction. Natürlich werden schon lange aktuelle Popsongs der jeweiligen Zeit verwendet (teilweise als Remix), hauptsächlich in Komödien und romantischen Filmen, doch für die großen Blockbuster wird tendenziell noch ordentlich und vor allem klassisch komponiert.

Seit dem Boot (1981) habe ich jedoch keine deutsche Produktion mehr im Gehör – glaube ich zumindest. Aber daß ich nicht sicher bin, sagt ja schon einiges. Vom internationalen Markt hingegen einige. (Halt, eben ist mir noch Lola rennt eingefallen. Aber das hat ’ne Stunde gedauert.)

Um nur einige zu nennen, hier eine wirklich kleine Auswahl wirklich berühmter Filmthemen, geordnet nach Komponisten, und teilweise zum iTunes Store verlinkt:

John Williams: Der weiße Hai, Star Wars, CE3K, Superman, 1941, Indiana Jones, E.T., Jurassic Park, Schindlers Liste, Harry Potter.

Jerry Goldsmith: Planet der Affen, Logan’s Run, Unternehmen Capricorn, Alien, Star Trek (nicht das TV-Thema, das ist von Alexander Courage), First Blood, The Ghost and the Darkness, L.A. Confidential.

Henry Mancini: Frühstück bei Tiffany, The Pink Panther, Das große Rennen rund um die Welt.

Ennio Morricone: Für eine Handvoll Dollar, Es war einmal in Amerika, Spiel mir das Lied vom Tod, Zwei Glorreiche Halunken, Mein Name ist Nobody.

Das Gefälle, bzw. aus unserer Sicht die Steigung ist mehr als deutlich zu erkennen. Ich kann also nur hoffen, daß die Zukunft bessere Film- und TV-Musik in Deutschland bringen wird. Diesem Ziel sind wir nun einen Schritt näher. Zu hoffen bleibt nur noch, daß die richtigen Komponisten gefördert werden, und nicht die gefälligen.

Hier noch die Pressemeldung, Links von mir:

SoundTrack_Cologne und Sony/ATV vereinbaren First Look

21. Mai, CANNES. Beim TAG DER DEUTSCHEN FILMMUSIK in Cannes kündigten Sony/ATV Music Publishing (Germany) und SoundTrack_Cologne, der Kölner Kongress für Film- und Medienmusik, eine weitreichende Zusammenarbeit beim Talentscouting an.

Im Rahmen einer First-Look-Vereinbarung haben u.a die Sieger von NEW SOUNDS IN EUROPEAN FILM, dem Europäischen Wettbewerb von SoundTrack_Cologne, die Möglichkeit, einen Verlagsvertrag mit Sony/ATV zu erhalten. Die beiden Partner gründeten dazu eine gemeinsame Edition, die insbesondere jungen Komponisten offensteht und ihnen den Einstieg ins Filmbusiness erleichtern soll.

SoundTrack_Cologne als führendes deutsches Branchenforum ist der ideale Partner für unsere Bestrebungen, junge europäische Talente schon früh kennenzulernen und an unseren Verlag zu binden“, sagt Patrick Strauch, Geschäftsführer Sony/ATV Music Publishing (Germany) GmbH.

Die Option, mit einem großen Verlag zusammenzuarbeiten, ist für viele unserer jungen Wettbewerbsteilnehmer eine große Chance. Wir freuen uns über diese Partnerschaft, sie ist ein weiterer wichtiger Baustein, um unseren europäischen Nachwuchskomponisten den Weg in die Branche zu ebnen“, sagt Michael P. Aust vom SoundTrack_Cologne-Veranstalter Televisor.

Gäste sind u.a. Gerd Baumann, Komponist, Deutscher Filmpreis 2007 Beste Musik, Klaus Maeck, Geschäftsführer Freibank und Geschäftsführer corazón international.

Kontakt:

Sony/ATV Music Publishing (Germany) GmbH

2 Gedanken zu „Endlich: Talentscouting für Filmmusik“

  1. Hallo und Danke für die Infos. Da ich selbst Filmmusik komponiere und Probleme habe die richtigen Kontakte zu bekommen, hoffe ich, dass in Zukunft in Deutschland mehr Aufmerksamkeit auf neue Filmkomponisten gelenkt wird.
    Es ist auch traurig, dass die meisten bekannten Filmkomponisten aus Deutschland nur über den Umweg Hollywood Erfolg hatten.

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