Der echte Anbruch des Digitalzeitalters

Steve Jobs, Gründer und CEO von Apple, hat stets durch seine Vision begeistert – oftmals lange bevor die Zeit für ein Produkt abgebrochen war. Im Juni 2005 beschloß er seine Antrittsrede für Studienbeginner der Uni Stanford mit dem mittlerweile weltbekannten ZitatStay hungry. Stay foolish„. Diese vier Worte fassen die Unternehmensphilosophie von Apple höchst motivierend zusammen. Und er hat recht: Ohne Innovation keine … äh … Innovation. Ist ja logisch eigentlich.

Nun hat sich der Kinostar Filmverleih in Stuttgart getraut, Innovationsfreude zu zeigen: Laut der heutigen Pressemitteilung wird Ganges – Fluß zum Himmel der erste Film sein, der in Deutschland ausschließlich digital gezeigt wird. Start ist der 7. Juni.

Ich kann diesen Schritt nur begrüßen: Er spart dem Verleih immense Kosten bei der Herstellung der Kopien, motiviert die Kinobetreiber zum Umstieg auf digitale Projektion (zumindest in einem kleinen Maße) und macht, das ist nun unsere Aufgabe, die Öffentlichkeit auf die neue Technologie aufmerksam. Außerdem funktioniert so ein Schritt nur mit einem kleinen Film, denn mit einem Blockbuster würde sich der Verleih möglicher Einnahmen beschneiden, da die Mehrzahl der Leinwände natürlich noch analog bespielt werden. Ich persönlich ziehe jedenfalls den Hut vor dieser zukunftsweisenden Entscheidung des Kinostar Filmverleihs.

Hier die komplette Pressemeldung zum Nachlesen:

Digitales Kino

Ganges – Fluss zum Himmel
Kinostart im Format der Zukunft

Am 7. Juni startet der Kinostar Filmverleih mit Ganges – Fluss zum Himmel zum ersten mal einen Film bundesweit in den Kinos, der ausschließlich als digitaler Kinofilm für die Kinos vorliegt

Kino im digitalen Bildformat ist zweifelslos das Kino der Zukunft“ sagt Nicole Ackermann, Geschäftsführerin des Kinostar Filmverleih in Stuttgart. Ackermann weiter: „Mit mehr und mehr Kinos überall in Deutschland, die über Vorführmöglichkeiten für digitale Kinobildformate verfügen, wird der digitale Kinomarkt immer interessanter. Und bietet damit auch programmatisch für Filmverleiher und Kinos erweiterte Möglichkeiten weil das Filmangebot gerade auch bei interessanten Filmen, die etwas neben dem Mainstream angesiedelt sind, deutlich steigt.

Ackermann geht davon aus, das ein Kinostart für einen Film wie „Ganges – Fluss zum Himmel“ noch vor 2 Jahren niemals möglich gewesen wäre. Ackermann: „Der Film wäre in der Versenkung verschwunden.“ Am 7. Juni bringt der Kinostar Filmverleih den Film nun digital in die deutschen Kinos. Ackermann: „Es gibt heute digitale Spielstätten in allen wichtigen deutschen Kinostädten, das Interesse bei den Kinos ist sehr groß.

Der Film „Ganges – Fluss zum Himmel“ von Regisseurin Gayle Ferraro erforscht die außergewöhnliche Bindung eines ganzen Volkes an einen Fluss – eine Bindung die in der Menschheitsgeschichte einmalig und in ihrer tiefen Spiritualität kaum jemals für Menschen außerhalb des indischen Kulturkreises wirklich nachvollziehbar ist. Die Sehnsucht ihrer todkranken Angehörigen nach den Verheißungen des ewigen Lebens führt vier indische Familien in die jahrhundertealte Stadt Varanasi, an einen der wichtigsten Plätze des Hindu-Glaubens. Seit tausenden von Jahren führt der Glaube die Hindus an diesen Platz, um dort in den Ganges-Fluten die letzte Ruhe zu finden. Seit wenigen Jahrzehnten stirbt allerdings auch der Fluss selbst jeden Tag ein Stückchen mehr aufgrund der belastenden Verschmutzungen welche ihm der Mensch zumutet. Uralte Glaubenstraditionen, Jahrtausende lang überliefert und praktiziert. Die letzte Reise eines jeden gläubigen Hindu bleibt den Augen der übrigen Welt meist verborgen. In „Ganges – Fluss zum Himmel“ zeigt Regisseurin Gayle Ferraro diese Riten und wie sie sonst nur von den engsten Familienangehörigen erlebt werden.

Der Film wurde unter anderem beim Fort Lauderdale International Film Festival mit dem Special Jury Award und beim Reel Women International Film Festival mit dem Best Documentary Award ausgezeichnet.

Ganges – Fluss zum Himmel. Bundesstart: 07. Juni 2007.
Weitere Infos zum Film unter www.gangesflusszumhimmel.de.

Am Rande erwähnt: Der Ganges ist ein wenig zu schmutzig für einen Fluß. Trotz aller Traditionen bin ich dafür, die der Leichenentsorgung zu überdenken. Aber das wird im Film vielleicht auch erwähnt… Hier noch ein Bericht von Ver.di über die Initiative European Docuzone (siehe ebenfalls hier), bei der wohl nicht alle mitspielen.

2 Gedanken zu „Der echte Anbruch des Digitalzeitalters“

  1. ..dadurch wird es den Raubkopierern nochmals leichter gemacht.

    Als Mitinhaber eines kleinen Kinos, das ständig am Abgrund balanciert und jetzt endlich auf Tellermaschine aufrüsten konnte, suche ich bei dieser Meldung nur nach Salz für die Tischkante..

  2. Ich weiß nicht, ob man das so sehen kann: Die Qualitätsminderung, die im Kino abgefilmte Streifen erfahren, hat sicher nichts mit der Projektionstechnologie zu tun.

    Ich denke nicht, daß man die per Satellit oder Festplatte gelieferten Daten so ohne weiteres kopieren kann, da gibt es sicher gewaltige Codierungen, wahrscheinlich sogar mit Hardware-Dongle. Aber ein Restrisiko bleibt, das stimmt sicher.

    Oder meintest Du, daß die Raubkopierer einfach(er)es Spiel haben, weil manche Verleiher gegen die European Docuzone sind?

    Sag mal, „Salz für die Tischkante“, das hab ich ja noch nie gehört! Was bedeutet das denn?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.