Smoking Kills!

Daß Rauchen gesundheitsschädlich ist, uns Nichtrauchern bisweilen gewaltig auf den Sack die Nerven geht, den Betroffenen Unmengen von Geld kostet, aber dafür die Wirtschaft gewaltig ankurbelt, ist bekannt. Daß Rauchen außerdem echt cool ist, ist ja auch schon lange kein Geheimnis mehr:

Humphrey Bogart

(Quelle)

Nun meldet der Hollywood Reporter, daß das Rauchen in Filmen bei der MPAA (gewissermaßen der amerikanischen FSK) ab sofort als K.O.-Kriterium für die Altersfreigabe von Kinofilmen gelten wird.

Mit dieser Entscheidung eröffnet sich nun ein interessanter Konflikt:

Einerseits zahlt die Tabakindustrie sicherlich nicht gerade schlecht, wenn Stars auf der großen Leinwand lässig die Fluppe anstecken, andererseits ist es auch eine Frage der künstlerischen Freiheit, eine Filmfigur rauchen zu lassen oder eben nicht. Kann das Publikum einen nichtrauchenden Privatdetektiv ernstnehmen? Kann man einen nervösen Zusammenbruch wie zum Beispiel bei werdenden Vätern ohne Zigarette darstellen? Gewisse Frauen werden nicht zuletzt durch die Zigarette erotisch bis zum Gehtnichtmehr. Und wie will man bitteschön die Bill Clinton-Biographie ohne Zigarre verfilmen? Das muß doch auch irgendwie wahrheitsgetreu sein!

Audrey Hepburn

(Quelle)

Natürlich darf auch weiterhin im Film geraucht werden. Wenn jedoch sonst keine drastischen Elemente im Film vorkommen, und auch das Wörtchen fuck* nicht mehr als einmal, dann ist man dennoch pauschal einen guten Teil seines potentiellen Publikums los, nur weil irgendwo eine Zigarette brennt.

Was ist eigentlich, wenn man ein Interview im Film hat, und es wird geraucht? Was ist mit Friedenspfeifen? Was ist, wenn einer raucht, um damit laut Drehbuch eine schlechte Erfahrung zu machen oder um die Lunte anzuzünden, die den Bösewicht into Oblivion bläst? Was ist mit abschreckenden Dokumentationen? Kann ich Ernst Stavro Blofeld noch ernstnehmen, wenn ihm die MPAA die Zigarette nimmt und die PETA womöglich noch die Katze? Wie könnte Léon je Mathilda ansprechen, wenn sie nicht rauchen würde? The Usual Suspects ohne Zigaretten? Undenkbar. Also nein, das geht einfach zu weit.

Ich bin nicht wirklich sicher, ob es überhaupt die Aufgabe der Filmbewertungsstelle ist, die Altersfreigabe für Filme an solchen Details festzumachen, dabei auch noch auf eine derart pauschalisierte und – typisch amerikanisch – simplifizierte Weise. Wenn das hier herüberschwappt, wie auch die tolle Gesundheitsreform, dann dürfen wir Tim und Struppi bald nur noch ab 18 kaufen, denn Käpt’n Haddocks Alkoholismus ist ja wohl echt nicht mehr pc. Asterix und Obelix kommen natürlich auf den Index, denn die sind ja sowieso auf Droge. Barbapapa wird dann wohl als krasse Vision von armen Kiddies, die wohl was geraucht haben, klassifiziert, und die Teletubbies, oh! mein! Gott! Und Harry Potter sind wir dann sicherlich auch los, Magie, also wirklich. Was für Abgründe tun sich da auf! Bin ich froh, daß die Amerikaner wenigstens sonst so ein solides Wertesystem und so eine klare Gesetzgebung haben. Aber ich rutsche ab, zurück zum Thema.

Das Rauchen auf der Leinwand ist natürlich schon vielfach behandelt worden, sei es in diversen Artikel und Abhandlungen (Studie über Rauchen in deutschen Medien, Spiegel Online, WDR, unsere Bundesregierung äußert sich ebenfalls, SZ, bei abc), auch wurde das Rauchen in nicht wenigen Filmen thematisiert, unter anderem natürlich Smoke, Blue in the Face, The Insider oder auch jüngst Thank you for Smoking.

Doch zurück zur MPAA: Zu diesem Thema empfiehlt sich dringend This Film Is Not Yet Rated, der das Bewertungssystem der MPAA unter die Lupe nimmt und der womöglich nie bei uns zu sehen sein wird. In jedem Fall hier der Trailer, und hier die DVD bei Amazon, natürlich nur ab 18, ist ja unbequem…

Grundsätzlich finde ich es nichts geringeres als furchtbar, wenn die Altersfreigabe von Filmen an solchen Formalismen festgemacht wird. Das führt dazu, daß bald der letzte Laie eine Filmbewertung anhand einer Checkliste durchführen kann. Die Doppelbödigkeit und Hintergründigkeit von Filmen kann bei solchen Methoden irgendwann ja gar nicht mehr bewertet werden. Der erzieherische Wert durch teilweise lehr- oder heilsame, kontrollierte Schocks im Kino (man soll sich ja gruseln! man soll ja erschrecken!) wird durch diese unreflektierte Verschlagwortung komplett unter den Tisch fallen.

Wer E.T. mit sechzehn und den weißen Hai erst mit achtzehn sieht, wird nur noch gähnen – und wieder am Computer Gegner aller Art niederballern. Das kann ja wohl nicht im Sinne der Kunst sein, nicht im Sinne der künstlerischen Freiheit und schon gar nicht im Sinne der Filmemacher. Und in meinem Sinne ist das auch nicht, obwohl ich militanter Nichtraucher und gezwungenermaßen bisweilen passionierter Passivraucher bin.

Alternativ bietet es sich jedoch auch an, sich einfach das Rauchen abzugewöhnen, dann fällt einem das Fehlen der Rauchwaren im Film hoffentlich nicht mehr so auf. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es einige Wege:

*Zum Thema „fuck“ im Film: Die Kurzfassungen von The Big Lebowski (auch unten), Pulp Fiction (auch unten), Scarface und Casino sollen an dieser Stelle ein Zeichen setzen:

Und, aus gegebenem Anlaß: Happy Birthday, Bono!

Ein Gedanke zu „Smoking Kills!“

  1. Ich gebe der MPAA da vollkommen recht. Hier eine Liste der Dinge, die außerdem dringend auf den Index sollten.

    1. „Die Simpsons“:
    Da ich Homer Simpson selbstverständlich als moralisches Vorbild sehe, bin dich durch diese Serie dick geworden. Nach fast jeder Folge habe ich einen Donut und einen Super-Squishie zu mir genommen. Im Grunde haben mir die Amerikaner pro Folge 2000 Kalorien in den Arsch geschoben. Von den Folgen für unser Gesundheitswesen ganz zu schweigen. Ich finde, ich hätte davor geschützt werden sollen.

    2. Coyote und Road Runner:
    Hätte die MPAA früher gehandelt, hätte ich mir nicht die Rakete an den Rücken getackert und wäre mit 800mph durch den Grand Canyon gerast, nur, um dann genau über der tiefsten Schlucht zum stehen zu kommen, einen Sekunde zu haben, verdutzt in die Karmera zu schauen und dann mit einem dünnen Pfeifen abwärts aus dem Bild zu verschwinden. Das ist nämlich im echten Leben ganz genau so wie in der Serie. Nur ohne meinen lieben Reha-Trainer Herr Höscher, der mir die 28-fache Querschnittslähmung aus dem Rücken treibt. MPAA, wo warst du, als ich dich gebraucht habe?!

    Und 3. CNN:
    Zum Glück ist die MPAA mit ‚Raucher bestrafen‘ beschäftigt. So habe ich die Möglichkeit meinen Rucksack zu füllen mit:
    a) einen Tarnkappenbomber
    b) waffenfähigem Plutonium
    c) einem böse schauenden Afro-Amerikaner im Kapmfanzug
    …und damit dann im Irak einzumarschieren. Denn das ist das einzige Land, das ich kenne. Über andere Länder wird nicht gesprochen, da is ja auch kein Krieg.

    Und das schönste ist: Ich werde trotz allem 100 Jahre alt. Denn ich bin Nichtraucher.

    Gruß an die MPAA,
    Emanuel

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