Der Deutsche Filmpreis 2007 und seine Schattenseiten

Die große Gala in Berlin ist zu Ende, und es gab ein paar Überraschungen beim Deutschen Filmpreis 2007. Die Preisträger (PDF) brauche ich hier nicht aufzuzählen oder anderweitig zu kommentieren, hierzu wurde und wird genug berichtet. (Spiegel online, Zeit.de, FAZ, N-TV, generische Google News-Suche)

Viel interessanter ist jedoch die vom deutschen Filmkritikerverband VdFk veröffentlichte Erklärung zur Vergabe der Preise, denn diese und die zugrundeliegenden Ereignisse lassen auf … sagen wir, mögliche industrielle Interessen bei der Vergabepraxis der Preise schließen:

 

 

VdFk – Verband der deutschen Filmkritik

Mitglied der FIPRESCI International Federation of Film Critics

Saarbrücken, den 4.5.2007

Der Deutsche Filmpreis wird beschädigt Erklärung des Verbandes der deutschen Filmkritik (VdFk) zum Deutschen Filmpreis 2007

Mit Sorge beobachtet der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) die vor Verleihung des Deutschen Filmpreises Lola 2007 bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten im Nominierungsverfahren der Deutschen Filmakademie (vergl. Die Zeit, 3.5.07). Die Qualität und Fairness der Preis-Vergabe durch die Deutsche Filmakademie geben Anlass zur Sorge um diesen wichtigsten und höchstdotierten Kulturpreis der Bundesrepublik.

Beim Vornominierungsverfahren 2007 gehörte mit Kameramann Jörg Widmer satzungswidrig ein durch Mitarbeit befangenes Akademiemitglied der Vorauswahljury für den „besten Spielfilm“ an. Widmer war, wie von der Filmakademie eingeräumt wird, auch nicht durch ein Ausnahmeverfahren in die Jury gekommen – ein zweiter Verstoß gegen die Satzung.

Der Präsident der Deutschen Filmakademie ergriff im Vorfeld in einem Wochenmagazin Partei für und gegen vornominierte Filme, hier seinen Interessen als Aufsichtsrat der Produktionsfirma „Neue Constantin“ folgend. Statt zu integrieren, spaltet die Akademie auf diese Weise die deutsche Filmszene. Über den Deutschen Filmpreis hinaus zeigt sich im dritten Jahr der Filmakademie, dass sie weder filmpolitisch noch im Hinblick auf Filmbildung ihre selbst gestellten Aufgaben erfüllt hat.

Die Nominierungs- und Preisergebnisse der letzten drei Jahre zeigen: Nur noch der kleinste gemeinsame Nenner des gehobenen Mainstream hat beim Deutschen Filmpreis eine echte Chance. Innovative, sperrige, Kritik wie Publikum spaltende Filme werden durch ein Verfahren nahezu ausgeschlossen, das vermeintlich demokratisch ist, tatsächlich aber die wünschenswerte Aufgabe verfehlt, Filmkunst und Vielfalt zu schützen, und auch auf Filme aufmerksam zu machen, die es beim Publikum schwer hatten oder übersehen wurden.

Die Deutsche Filmakademie ist ohne nennenswerten Einfluss auf den filmkulturellen Diskurs. Mit Fatih Akin und den Akademiemitgliedern Andres Veiel und Hans Weingartner haben sich drei wichtige deutsche Filmemacher und internationale Repräsentanten des Deutschen Kinos zu Wort gemeldet und sich von der Nominierungs- und Vergabepraxis des Deutschen Filmpreises in der jetzigen Form distanziert.

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) schließt sich dieser Kritik an, und unterstützt ausdrücklich das Anliegen einer deutlichen, nach Außen sichtbaren Verbesserung des Vergabeverfahrens.

Wir fordern die Deutsche Filmakademie dazu auf, die Richtlinien ihrer eigenen Satzung einzuhalten, und die Transparenz, Fairness und Qualität des Vergabeverfahrens zu verbessern.

Wir fordern die deutschen Filmschaffenden dazu auf, sich in- und außerhalb der Filmakademie jenseits von persönlichen Interessen und Vorlieben für diesen wichtigsten deutschen Kulturpreis, für Qualität und Vielfalt und die Einhaltung fairer Vergaberegeln einzusetzen.

Wir fordern den Kulturstaatsminister und den Kulturausschuss des Deutschen Bundestages dazu auf, ihre Kontrollfunktionen wahrzunehmen, auf Fairness wie auf Einhaltung der kulturellen Ausrichtung dieses „Kernstücks der kulturellen Filmförderung des BKM“ zu achten.

Der Vorstand

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VdFk – Verband der deutschen Filmkritik e.V.

Martin-Luther-Straße 27, 60316 Frankfurt, vorstand@vdfk.de

Vorstand: Dr. Andrea Dittgen, Dr. Josef Schnelle, Wolfgang Hamdorf, Rüdiger Suchsland, Rudolf Worschech

Geschäftsführung: Dr. Andrea Dittgen, Schillerplatz 16, 66111 Saarbrücken, Tel/Fax 0681-31506 dittgen@vdfk.de

Stv. Geschäftsführer: Karsten Kastelan, Segitzdamm 26, 10969 Berlin, 030-61656662, kastelan@vdfk.de

Bankverbindundung: Postbank Essen Kontonummer 0139 324 435, Bankleitzahl 360 100 43

Vereinsregister Frankfurt/Main VR 5566, KSt-Steuernummer 47 224 2709 2 – V/401

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Verlinkung zur ZEIT und zum FIPRESCI durch mich. Leider hat der VdFk noch keine eigene Webseite, daher hier kein Link.

Ich finde es verwerflich, wenn Filmpreise nicht mehr nach Qualität und subjektivem Gefallen, sondern nach marktwirtschaftlichen Gründen vergeben werden. Das erinnert mich an Prämienrennen von Drückerkolonnen, und nicht an die Kulturlandschaft im Land der Dichter und Denker.

Ein Gedanke zu „Der Deutsche Filmpreis 2007 und seine Schattenseiten“

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