Konrad Adenauer spielt mit.

Über die unterlassene Aufarbeitung von 40 Jahren Franco-Diktatur in Spanien mit Hundertausenden von Folter- und Todesopfern. Die Aufarbeitung verhindert ein Amnestieparagraph, der in die Verfassung der parlamentarischen Erbmonarchie nach dem Ende der Franco-Diktatur aufgenommen wurde.

In Spanien musste nicht eine einzige Person ins Gefängnis dafür, was der Francismo in 40 Jahren angerichtet hat. Es gab 185 KZs nach dem Motto „Erlösung durch Arbeit“. Nur in Kambodscha liegen mehr Menschen in Massengräbern als in Spanien. Die katholische Kirche als eifrige Helferin des Faschismus. Der Film schneidet zwischen solche Informationen das glänzende Heute von Spanien.

Krass, wenn man mit Deutschland vergleicht, das die kürzere Naziherrschaft beginnend mit den Nürnberger Prozessen ganz anders aufgearbeitet hat, ja wo sich eine eigentliche Aufarbeitungsindustrie entwickelt hat; noch heute scheint jedes Filmprojekt, das sich mit der Zeit befasst und ein noch unbehandeltes Nazi-Thema findet, auf offene Ohren und Förderhähne zu stoßen. Nichts dergleichen in Spanien.

Mit Jahrzehnten Verspätung und in Argentinien fingen Anwälte an, Berichte von Opfern zu sammeln, Angeklagte herauszukristallisieren und internationale Haftbefehle gegen sie auszustellen. Allerdings ist nach argentinischem Gesetz eine Vernehmung nur bei physischer Anwesenheit möglich und nicht durch Videozuschaltung.

Insofern sind die nie belangten spanischen Täter in Spanien sicher. Sie sind meist in hohem Alter, werden ungangeklagt wegsterben und das Land muss mit dieser stehen gelassenen Ungerechtigkeit weiterzuleben versuchen.

Immerhin verschaffen die argentinischen Anwälte dem Thema Öffentlichkeit. Wobei sich Deutschland nicht besonders hervortut. Denn auch Hitler hatte mit der Legion Kondor, einem geheimen Einsatz, sein Teil zur Zerstörung der spanischen Republik und zur Festigung der Macht von Franco beigetragen.

Konrad Adenauer besucht 1967 Franco.
Shake-Hands mit Franco.
Adenauer: „Ich habe von dem spanischen Staatschef einen sehr guten Eindruck bekommen, ein kluger Mann, ein sehr überlegender Mann, ein Mann der eher ein Wort spricht, das wohl überlegt und das sind immer Männer, mit denen man die schwersten Fragen, lösen kann.“
1969 erhält der Franco-Minister Manuel Fraga das Bundesverdienstkreuz, dafür, „dass er den Adenauer-Besuch organisiert hatte.“ Und nur Matthöfer von der SPD fragte, ob das nicht ein Verhöhnung der Opfer der Diktatur sei.

Am 18. August 2014 versucht der erste Kläger, Dario Rivas, der Kanzlerin Angela Merkel einen Brief zu überreichen. Er fordert eine Entschuldigung für die in Spanien begangenen Verbrechen. Er wird von Sicherheitskräften daran gehindert.

Der Film von Lucia Palacios und Dietmar Post ist wichtig auch für Deutschland. Er ist gut zu verstehen, auch wenn man wenig vertraut ist mit der Geschichte Spaniens und ist mit bestens lesbaren Untertiteln versehen. Er macht klar, wie Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit unbedingt einer Aufarbeitung bedürfen. Insofern sollte auch im Hinblick auf Syrien die Errichtung eines internationalen Syrientribunal nach Ende der kriegerischen Handlungen und mit beginnendem Wiederaufbau gefordert werden: ohne Tribunal keine deutsche Aufbauhilfe, wie vom damit überforderten Russland, das zum Bombardieren gut war, gefordert.

Bezüglich Syrien hat Deutschland immerhin erste Schritte unternommen: hier werden bereits Beweise und Fakten für einen allfälligen Prozess gesammelt. Ob das auch jemand hinsichtlich der von Deutschen in Spanien begonnen Verbrechen tut?

Siehe auch den Film The International Criminal Court.

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Dieser Dokumentarfilm von Stefan Eisenburger (1979 – 2016) ist mehr als nur eine Dokumentation über das Alter in der prosperierenden Bundesrepublik und von einer Rentnergeneration, der es gut geht, die sich noch einen angenehmen Lebensstandard leisten kann – das ist sie zwar auch.

Sie ist auch eine Dokumentation zum Thema Freundschaft. Zum einen geht es um die Alters-Freundschaft zwischen Erich und Schmitte, zwei ältere Herren, die nach dem Tod der Frau von Erich über den Schwimmsport als Leistungssport zueinander gefunden haben und die generell zum positiven Denken tendieren.

Im Film ist das Ziel die EM in London von 2016. Erich wird von seiner Tochter gelegentlich unterstützt, während Schmitte eine noch berufstätige Freundin fünfeinhalb Autostunden von seinem Wohnort entfernt als Wochenendbeziehung pflegt.

Der Film ist aber noch mehr. Er dokumentiert gleichzeitig die Freundschaft, die sich über die Arbeit an dem Film, zwischen dem zugeneigten Stefan Eisenburger und den beiden Protagonisten entwickelt hat.

Schon früh im Film tritt Stefan Eisenburger selbst ins Bild bei einer Duschszene und macht darauf aufmerksam, wie selbstverständlich inzwischen die Kamera für Erich geworden sei. Meist ist Stefan allein (also ohne Filmteam) mit seinen Darstellern unterwegs. Er trinkt mit dem einen ein Feierabendbier auf dem Sofa, sie gucken zusammen Fußball. Oder er begleitet Schmitte bei seinem Wochenendausflug zu dessen Freundin. Auch so kommen im Auto nur mit Gopro und dem Dokumentaristen als Freund Gespräche zustande.

Das Trainingslager für die EM auf Teneriffa bringt den Dokumentaristen und die beiden alten Männer noch näher zusammen. „So, jetzt bring‘ ich Euch mal ins Bett“ – Stefan darf im Zimmer bleiben, bis die beiden Herren, der eine unter der Sauerstoffmaske, in ihren getrennten Betten liegen und das Licht ausgeht.

Köstlich ist die Szene mit dem Strömungskanal, wo die Schwimmer mit Kameras aufgenommen und die Videos anschließend vom Trainer analysiert werden.

Der Tod von Stefan Eisenburger im September 2016 durch einen Badeunfall setzte den Dreharbeiten ein abruptes Ende. Jetzt sind dem Film, was ihn zum Gedenkfilm macht, noch Material über die Trauer der beiden Protagonisten hinzugefügt worden.

Aber: sie schwimmen weiter, Erich, der zwischendrin sogar die Wettschwimmerei aufgeben wollte, lässt sich wieder auf Wettbewerb ein. Es ist also auch ein Film über Alter, Sport und Optimismus, ein Genre, das schon zahlreiche Filme hervorgebracht hat.

Und doch ist der Film durch seine Geschichte eine besondere Dokumentation und von tiefer Menschlichkeit. Wie Erich einmal beim Dreh etwas unvorsichtig in den Whirlpool rutscht, rennt Stefan sofort von hinter der Kamera zu seinem Protagonisten und fragt, ob alles in Ordnung sei.

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Das Kino als Verstärker der friedlichen Message des vom Tibetunterdrücker China gehassten Dalai Lama. Siehe Review von stefe.

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stefe war in seiner Review recht angetan, wie verloren und randständig der Wilde Westen hier geschildert wird. Dazu die heikle Mission für einen Indianerhasser.

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Eisiges Zottelabenteuer am Himalaya, schrill überzeichneter Alltag in den USA, Beschwörung des Alt-Hollywood-Kinos, junge Amoure eines alten Franzosen, Fortpflanzungsproblem eines Dorfes ohne Männer, Verwicklungen zwischen Literatur und Leben, ein Votum für die Artenvielfalt, Therapie für Eltern und Kinder, die keine Zeit haben, ein deutscher Möchtegern-Autopsiethriller und ein Sesamstraße-unter-die-Gürtellinie-Drücker aus den USA. Zwei erstklassige DVDs mit amerikanischen Filmen: eine mit lässiger Laune erzählte Valet(Ganoven)-Geschichte und ein heftiger Feuerkatastrophenfilm. Das TV verbrämt eine Werbesendung für Alpenschamanen mit mystisch-magischem Bild- und Tonfirlefanz.

Kino
SMALLFOOT: EIN EISIGARTIGES ABENTEUER
Wider den Populismus.

A HAPPENING OF MONUMENTAL PROPORTIONS
Wie im Alltag Mücken zu Elefanten werden.

BAD TIMES AT THE EL ROYALE
Agonie von Alt-Hollywood?

VERLIEBT IN MEINE FRAU
Französische Beziehungskomödienkost von gestandenen Mimen – schön gereift.

DAS MÄDCHEN DAS LESEN KONNTE
ist auch das Mädchen, das lieben und damit für Nachwuchs sorgen kann.

INTRIGO – TOD EINES AUTORS
Literatur hat auch mit Augenausstechen zu tun.

UNSER SAATGUT – WIR ERNTEN WAS WIR SÄEN
Wenn Saatgut zur kostbaren Rarität wird.

ELTERNSCHULE
Mäuschendoku; Werbung für eine Eltern-Kind-Therapie.

ABGESCHNITTEN
Ein weiterer Beitrag zur Pathologie des blindlings geförderten deutschen Kinos der Gegenwart.

THE HAPPYTIME MURDERS
Muschi, strengen Sie ihr Stoffhirn an!

DVD
BAD SAMARITAN – IM VISIER DES KILLERS
Erfrischend erzählt wie nach einem Platzregen: die Geschichte von den zwei nebenamtlichen Ganoven, die an einen extrem gestörten Verbrecher geraten.

NO WAY OUT – GEGEN DIE FLAMMEN
Hier fehlt der Platzregen definitiv; die Hitze der Flammen sorgt für die Hitze des Filmes.

TV
ALPENSCHAMANEN – EINE REISE IN DIE BESEELTE NATUR
und in die geschäftliche Ausbeutung derselben, müsste der Titel korrekt ergänzt werden.

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Bad Times nicht nur im Hotel El Royale, Bad Times für Hollywood, das sein großartiges Können solcherart für Nostalgie verwendet, so rückwärtsgerichtet, das so nur im eigenen, zwar gut gegorenen, Safte schmort.

Hollywood, wie es die Welt zu bannen wusste mit erstklassiger Inszenierung, großartiger Kinematographie (edle Schönschrift; very sophisticated movie style), was hier nochmal zeigen darf, wie das geht; samt dem religiösen Input der Konfession und Absolution, die es damit gewiss auch sich selbst erteilt. Hollywood, wie es die Welt nicht mehr braucht.

Hollywood mit allen Zutaten, in denen es stark war: Knarren, Geiselnahme, schöne Frauen, interessante Männer, Bankraub, Amischlitten, Koffer und Betten, ein Staubsaugervertreter, ein Geistlicher, ein Geheimagent, versteckte Kamera, Schnurtelefon oder Telefonzelle, eine Sängerin, ein Hotelportier, Verwanzung von Zimmern, Beobachtung durch Spionagespiegel, Innenräume als exquisite Bühne, das filmstarke Setting eines Hotels mit Vergangenheit, „El Royale“, das Geschichten für Legionen von Filmen erzählen könnte. Hier ist jeder Beobachter, Opfer und Täter zugleich.

Ein herausragendes Repertoir-Stück Hollywood mit der passenden Musik der 60er dazu und auch Gesang, mit Feuer und Regen, mit Rauch, Drinks und K.O.-Tropfen und statt Nummerngirls wie beim Zirkus gibt es wie beim Stummfilm liebevoll schlicht gestaltete Schwarz-Weiß-Zwischentitel.

!Und veritable Stars: Jeff Bridges, Dakota Johnson, Jon Hamm, Lewis Pullman, Chris Hemsworth, Xavier Dolan.

Es gibt politisches Zeitkolorit: Vietnam und die Hippies, das Meer und das goldgelbe Blütenfeld, man könnte direkt ins Schwärmen geraten beim Versuch der Rekapitulation dieses Filmes von Drew Goddard (The Cabin in the Woods).

Trotzdem bleibt die Frage, was Hollywood mit diesem Gottesdienst der Selbstgenügsamkeit und der Sehnsucht zurück uns erzählen will? Dass es das Gefühl hat, es sei endgültig vorbei, aus der Schmaus, passé die großen Zeiten? Ein Abgesang auf Glanz und Glamour? Ein letzter Sud? Geraucht wird nicht und Sex gibt es auch keinen, Autoverfolgungsjagden ebsowenig wie Außerirdische oder Blockbusteranimationen, kein Pferd, kein Handy und kein Wildwest, einzig Reno in der Nähe mit seinen Spielerhöllen wird noch einen kleinen Auftritt erhalten als Hinweis auf unsterbliche Sucht – Hollywoods heutige Spielersucht der Blockbusteritis?

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Stoffhirn ausschalten

und die Sesamstraße vergessen.

Im Untertitel heißt dieser Film von Brian Henson nach dem Drehbuch von Todd Berger auch: „Kein Sesam. Nur Straße“.

Das mag interpretiert werden: anfangs noch ein zwei gute Pointen zu Themen wie Diskriminierung von Stofftieren, Rassismus oder datenabgreifgierige Geheimdienste und dann aber ganz schnell ab ins Niveau unter der Gürtellinie mit gaaanz viel Arschloch- und ähnlichen Texten.

Wie bei solchen Abzotfilmen üblich gibt es durchaus eine Story, an der die niveaulosen Witze und Pointen aufgereiht werden. Es ist eine Welt aus Menschen und Stofftieren. Von der Puppenband „HappyTime Gang“ wird ein Mitglied nach dem anderen ermordet. Detektiv Phil, inzwischen nicht mehr Kommissar, versucht zusammen mit Detective Connie Edwards (Melissa McCarthy) den Morden auf die Spur zu kommen.

Ein Pornoladen spielt eine Rolle, es gibt Einbrüche, Überfälle, Schießereien, Handschellen, einen Angriff mit Kampfhunden, Polizeigewahrsam. Es gibt die weiße Puppe Sarah White mit sexy Perücke, „die alles vögelt, was bei drei nicht auf dem Baum ist“. Sie wird Phil ganz schön nicht nur den Kopf verdrehen.

Oder es gibt Phils Starbruder Larry, über den es heißt „da friert mir je vor Angst die Muschi zu“. Es gibt die Drohung: „Und wenn Sie nicht kooperieren, beiß ich Ihnen auch in den Schwanz“. Einmal ruft jemand aus „Heilige, verschissene Scheiße“ oder „Du verdammtes Stück Kremlscheiße“, „Ich hab auf den Spiegel gepisst“, „Die ficken den Puffreis solange, bis er die Konsistenz von Risotto hat“. Das sind ganz offensichtlich Texte, die versuchen, das Bild der ordentlichen Sesam-Straße gezielt saumäßig zu destruieren. Wollen solche Texte Stoffhirne anfeuchten?

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Animation gegen den Populismus.

Die Zotteltiere von Yetis, die sind vom Ästhetischen her gesehen bessere Autowaschanlagenbürsten, aber das stört gar nicht, da in diesem Film von Karey Kirkpatrick Geist die wichtigere Rolle spielt. Der wird eingesetzt nicht nur für jede Menge Gags und Situationskomik mit dem entsprechenden Witz, der alle Generationen erheitern kann, sondern auch um die Moral klar und deutlich zu machen: es bringt nichts, andere zu Monstern zu erklären (das Prinzip des Populismus). Man muss aufeinander zugehen und reden. Es bringt nichts, sich mit Lebenslügen am Leben zu erhalten und so sein jeden Tag neues, „glückliches“ Leben zu zelebrieren.

So halten es die Yetis ganz hoch oben im Himalya, hoch über den Wolken. Ihr kleines, eisiges Land ist auf Glück abonniert und gleicht einem Freizeitpark. Die Gesetze sind in Stein gemeißelt und über sie wacht der Steinhüter mit dem steinernen Gewand.

Die Yetis machen sich ganz schön einen vor. Zum Beispiel gilt, dass der Tag mit dem Gongschlag von ihnen selbst aufgerufen wird. Dazu wird einer, der dazu geschult ist, mit einem Mechanismus wie mit einer Steinschleuder über das ganze Dorf hinweg zu einem Gong hoch am anderen Ende geschossen; kopfvoran erzeugt er den Schlag. Im Kopf dürfte es aussehen, wie in dem eines amerikanischen Footballspielers (mehr dazu).

Die Hauptfigur Migo möchte den Gongschuss gerade lernen. Sein Vater und Vorgänger hat schon einen ziemlich platten Kopf von der täglichen Herbeirufung des neuen Tages. Die ersten Versuche gehen in gekonntem Slapstick schief, doch dann kommt ein Versuch, der Migo weit über das Ziel an den Rand des Yetireiches schießt.

Dort erlebt er einen Flugzeugabsturz und sieht den Kapitän, der sich mit dem Schleudersitz rettet. Das stellt das Weltbild von Migo in Frage. Denn der Pilot hat kleine Füße. Ein ehernes Gesetz unter den Yetis sagt aber, dass es kleine Füße gar nicht gibt und wer das bezweifelt, der verstößt gegen das Gesetz.

Ein Konflikt von galileischem Ausmaß bricht in Migo aus. Denn er möchte die Wahrheit sagen, das ist ein weiteres ehernes Gesetz, aber er möchte seine Erkenntnis auch nicht verleugnen. Wer jedoch dem Gesetz widerspricht, der begeht einen kapitalen Fehler und muss mit Verbannung rechnen, schon gar nicht kann Migo Gongwecker werden.

Als Verbannter versucht Migo der Sache nachzugehen und stößt auf Mitverschworene, die auch nicht alles glauben, eine konspirative Gruppe. Sie wollen versuchen, Migo von einem hohen Felsen unter die Wolkenschicht abzuseilen, wo der Kleinfuß vermutet wird. Auch dieses Unternehmen ist ergiebig, was Zeichentrickgags anlangt und wie der alte Steinkeeper dahinter kommt, läuft die Aktion schief.

Migo aber entdeckt das, was es unter den Wolken gibt: Himalya-Dörfer und ein Fernsehteam, das auf der Suche nach dem Yeti ist. Lauter Kleinfüße. So kommt allerlei köstliche, dramatische Verwechslungshandlung in Gang und gibt Anlass für jede Menge an weiteren heiteren Gags und Chokes, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es nichts bringt, andere für Monster zu halten. Denn die Vermonsterung war bisher durchaus gegenseitig und hat sich so bestens am Leben erhalten. Angereichert wird die flapsig-humorige Handlung mit Songs und Tanz und die deutsche Synchro ist durchaus ansprechend.

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Extrem magazinhaft und schnellblätternd, keineswegs verbiestert, ja mit elanhaftem Humor gestalten Jon Betz und Taggart Siegel ihren Appellativfim, der mit einem Aufruf endet:

„Beteilige Dich an der Bewegung zur Erhaltung der Saatenvielfalt
Baue GMO-freies, offen bestäubtes Saatgut an
Bewahre und tausche Saaten
Hilf mit, eine Saatenbank zu gründen
Unterstütze Saatenbanken
Unterstütze die Ächtung toxischer Pestizide
Iss lokale, organisch angebaute Lebensmittel
trete Organisationen zur Unterstützung der Saatenvielfalt bei“

Sie begründen den Appel mit einem plausiblen, attraktiven Bildmix aus Animationen, Statements, Dokumenten, Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen, Naturaufnahmen, historischem Footage, kleinen Geschichten, einer Prise Folklore und vielen prominenten Befürwortern der Saatenvielfalt: Raj Patel, Vandana Shiva, Jane Goodall, Tyrone Hayes, Wendell Kabutan.

Sie lassen Pfleger und Vertreter indigener Kulturen zu Wort kommen, Wissenschaftler, Ökonomen, Vertreter von Organisationen, Institutionen und Saatenbanken, Anwälte, Ethnobotaniker, Biodynamiker, Aktivisten, Pestizidbetroffene, Surfer, Lehrer, Landwirte, Weizen- und Rapsbauern, Molekularbiologen, Politiker und einen Restaurantbesitzer.

Sie geben Einblicke in unterschiedliche Saatenbanken in verschiedenen Weltregionen und in das Fort-Knox-mäßig geschützte Svalbard in Skandivanien mit Kopien des Saatgutes fast aller Saatenbanken der Welt.

Die abenteuerlichsten Figuren sind die zwei Weltenbummler von Saatgutsammlern und botanischen Entdeckern, botanische Schatzsucher, die flippen schier aus, wie sie in der Kalahari-Wüste Teufelsklaue, Nara-Melonen und Gemsbock-Gurken entdecken.

Die industrielle Landwirtschaft wird angeführt, einer der Hauptrepräsentanten ist Monsanto und das Glyphosat. Die Mittel, die die Industrie anwendet, um Bauern abhängig zu machen, in den Schuldenzirkel zu treiben, die 270 000 Selbstmorde verschuldeter Bauern in Indien werden zitiert.

Hawaii als Experimentierfeld für die Agrarchemie und deren Rücksichtslosigkeit den Einheimischen gegenüber. Auszüge aus Hearings und amtliche Dokumente kommen vor. Zu denken gibt es schon, wenn man hört, wie extrem die Artenvielfalt auf dem Planeten allein in den letzten 100 Jahren geschrumpft ist, dass 94 Prozent der Saatgutvielfalt im 20. Jahrhundert verloren gegangen sei.

Weitere Begriffe: Lebensmittelwald. Patentierbarkeit von Leben? Saatgut-Diktatur. Erbe der biologischen Vielfalt.

Websites: zum Film und zu Collective Eye.

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Es gibt Leute, die Christian Alvart (Banklady, Halbe Brüder), der hier für die Regie und das Drehbuch nach dem Roman von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos steht, hochhalten wollen, die diesen Film retten wollen.

Dazu müssen sie eine ganze Reihe von „Wenns“ anführen, „wenn“ das Buch klarer geschrieben worden wäre, „wenn“ er gestrafft hätte.

Mir unverständlich. Wie mir überhaupt unverständlich ist, dass Alvart noch öffentliche Gelder erhält, wo doch die Filme durchs Band notleidend sind, wobei er nicht immer für das Drehbuch steht. Und es scheint schlimmer zu werden.

Das zeichnete sich schon bei seinem letzten Film Steig nicht aus ab. Da schien die dünne unausgereifte Story schon gar nicht mehr interessiert zu haben; sie war lediglich Vorwand für beliebig endlos aneinandergereihte Actioneffekte.

Beim vorliegenden Film kann nur noch von einer Filmleiche gesprochen werden, denn der Film ist leer, hat kein nachvollziehaber herausgearbeitetes Handlungs- und Storygerüst, ist kaum rekapitulierbar; es sollte offensichtlich ein Autopsie-Thriller oder -Schocker werden, wurde aber direkt ein Beitrag zur Pathologie des deutschen, geförderten Kinos der Gegenwart.

Je weniger Inhalt und Story vorhanden sind, desto mehr glaubt Alvart, auf die Ketchup- und die Soundtube für aufgeschnittene Leichen und die Tonspur drücken und dann noch computeranimierten Sturm auf Helgoland und Schnee und vor allem Lärm hinzufügen zu müssen.

Moritz Bleibtreu kämpft sich redlich ab als Pathologe. Es gibt junge Schauspielerinnen, die kämpfen sich ebenfalls ab im beabsichtigten Horrorgenre. Und wenn man Lars Eidinger innert kürzester Zeit schon wieder in einer schlecht geschriebenen Rolle sieht, so möchte man ihn auch nicht so schnell wieder auf der Leinwand sehen.

Es ist dies ein schnoddriges Aufschneiderkino, ein Wichtigtuerkino, was Mist großzügig an zu errrichtende Hauswände klotzt, für die es aber weder Grundriss noch Stützgerüst gibt – direkt zum Scheitern verurteilt.

Kürzen kann Alvart auch nicht. Für solche Projekt staatliches Geld herzugeben ist Verschwendung und Missbrauch von Steuergeldern. Es fehlt ihm am elementar Narrativen – auch der Horrorfilm braucht das. Alvart sollte mother studieren, wie schmerzhaft ein Horrorfilm sein kann, warum hier die auch nicht knickrig eingesetzen Effekt so wirken und dann sollte er selbstreflektiv nachfragen, warum die bei ihm so ins Leere gehen, also zum Fenster hinausgeworfene Liebesmüh sind. Leeres Großkotzkino, das sein Handwerk im Elementar-Erzählerischen nicht beherrscht.

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