Und läuft und läuft und läuft um sein Leben.
Siehe die Review von stefe.
Und läuft und läuft und läuft um sein Leben.
Siehe die Review von stefe.
Produziert nach ökologischen Standards
In Deutschland stürmt die AfD von einem Wahlerfolg zum nächsten, die, wie es notorisch heißt „in Teilen gesichert rechtsextrem“ sei und die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen möchte.
Dieser hat das wohl noch nicht so recht mitbekommen und macht weiter Programm, als lebe er in glückseligen, altväterlichen Zeiten offenbar an weiten Teilen eines heute möglichen Publikums vorbei. Ein Witzchenabend mit Einspielern wie aus einem guten Fernsehmöbel der 50er Jahre, nur dass dieser Screen in eine Holzwand eingelassen ist. Auch die Ausstattung des Studios versucht nach hinten zu schauen und eine Kuscheligkeit und Biederkeit entstehen zu lassen, als gäbe es eine Welt draußen und von heute nicht.
Vor Aufzeichnungsbeginn wird das Publikum wie mit einer Peitsche aufgeheizt, so dass der Begrüßungsapplaus für den Moderator steif gekünstelt, gequält daherkommt; dieser ermüdet sichtlich im Laufe der zähen Dreiviertelstunde, in der der BR Promis aus verstaubten Regalen in die Sendung hat transportieren lassen; keine Ahnung, wer die weshalb kennen soll.
Die Promigäste versuchen nun bemüht, Anekdoten zum Besten zu geben, von denen irgendwer unter den Anwesenden, das kann auch das Publikum sein, erraten soll, ob sie gelogen seien. Das ist an sich eine hübsche Idee für ein Gesellschaftsspiel, für den Familienabend, für den Vereinsabend von anno dunnemals, für die Hütte, für den Campingabend.
Hier läuft es unter Promi-PR, wer immer auch definiert, wer weshalb ein Promi ist und es verdient, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seinen PR-Aktivitäten nicht nur gratis, sondern bestimmt gegen eine Aufwandsentschädigung aus dem Zwangsgebührentopf unterstützt zu werden.
Ein Angelegenheit, die mit Humor nichts zu tun hat, sondern nur mit Geschäft und in der Zwangsgebührengelder abgezweigt werden für Leute, die ihr Geld damit verdienen, dass sie bekannt sind, dass sie sogenannte Promi-Namen sind.
Im Abspann der Sendung steht nicht mal ein Verantwortlicher vom BR, der, nach welchen Gunstprinzipien auch immer, die Protagonisten ausgewählt hat. Haarriss im Hobby-Hoarsing-Steckenpferd oder Muskelfaserriss, Policia oder Polyester, Schrotten eines Suzuki und Bieseln in Topfpalmenkübeln in Hotels, das war die Highlights an Brillanz dieser verschenkten, peinlich versenkten öffentlich-rechtlichen Dreiviertelstunde.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.
Sicher, es gibt verschiedene Arten, einen Film zu schauen; aber irgendwie liefert man sich ihm doch aus – während der Vorführung. Dann setzt die Distanzierung, die Verdauung ein, vielleicht auch die Befreiung. Und dann wird es spannend, mit anderen Filmen zu vergleichen. Dazu bieten auch die neu ins Kino drängende Filme genügend Möglichkeiten. Viele sind heute frauenthemenlastig. Aber es gibt auch solche, die mit ungewöhnlichen Protagonisten punkten, ach der Fächer ist so breit, vom Politischen bis zum Urmenschlichen, vom scharfen Blick auf einen Willkürstaat bis zur ausladenden Gefühlswelt. Ein Deutscher wirft einen kritischen Blick auf die Türkei. Zwei Belgier nehmen sich aus nächster Nähe überforderter Mütter an. Ein nordmazedonischer Naturbursche veranstaltet Lautsprecherlärm in der Landschaft. Ein pensionierter französischer Lehrer reagiert seinen Berufsfrust ab. Ein Ami trickst skrupellos an der Erbfolge rum. Eine Deutsche ist fasziniert von Frauen, die in Bezug auf Härte und Brutalität mit den Männern gleichziehen. Eine Amerikanerin wagt sich mit einem Monster ins Althollywood. Eine Afrikanerin arrangiert sich mit den Konsequenzen ihres Emanzipationsversuches. Ein animierter amerikanischer Biber wird im Kommerzkino zum Ökoaktivisten. Eine amerikanische Filmschauspielerin lässt ihren gemischten Gefühlen hemmungslos freien Lauf. Ein Deutscher landet punktgenau da, wo es ihn immer schon hingetrieben hat. Die DVD-Welt schickt einen jungen Dino durch das Coming-of-Age und lässt animierte Roboter ein moralisch fragwürdiges Eigenleben entwickeln. Das Öffentlich-Rechtliche hat eine superassimilierten Einwanderer ausfindig gemacht.
Kino
GELBE BRIEFE
Von der Willkür in der Diktatur
JEUNES MERES – JUNGE MÜTTER
Lauter Katastrophen um die Mutterschaft – aber auch Hoffnung
DJ AHMET
Pop aus Lautsprechern auf Traktoren in Nordmazedonien
MONSIEUR ROBERT KENNT KEIN PARDON
Rache auf humoristisch
HOW TO MAKE A KILLING
Seine Position in der Erbreihenfolge optimieren
NO MERCY
Gnadenlos harte Filmfrauen
The Bride! Es lebe die Braut
Unsterblicher und immer wieder recyclebarer Frankenstein.
NAWI – DEAR FUTURE ME
Der Preis für die Emanzipation einer jungen Afrikanerin
HOPPERS
Einmal mehr darf die Jugend Natur und Zukunft retten.
THE CHRONOLOGY OF WATER
Frauengefühle?
ON THE WAVE
Mit dem inneren Kompass bis zu den höchsten Wellen
DVD
PREDATOR BADLANDS
Junger Predator muss hinaus in die Welt und sich bewähren.
FIVE NIGHTS AT FREDDY’S 2
Roboter/Animatronics mit Freiheitsdrang.
TV
LEBENSLININEN: CISSÉ, DER KULT-TAXIFAHRER
Muster-Bayer
Wir lieben Ginger Rogers
Wir lieben das alte Hollywood, das könnte der Untertext, der Hintertext hinter dieser Frankenstein-Story von Maggie Gyllenhaal sein, eine Verehrungsgabe an das amerikanische Kino von anno dunnemals, der Roaring Twenties, ein Kino, das sich nach rückwärts wendet, vielleicht, weil unsere Zeit unappetitlich genug ist?
Der Film fängt in Chicago an. Frankenstein (Christian Bale), gut verhüllt mit Mantel, Hut und Tuch um den Mund, narbig geschminkt, taucht hundert Jahre nach seinem Tod, etwa 1920, in der Praxis von Dr. Euphronius (Annette Bening) auf. Er ist auf Brautsuche, sie soll ihm bei der Brautschau, genauer, bei der Beschaffung und also Wiederbelebung einer weiblichen Leiche behilflich sein.
Schon sieht man die beiden beim Buddeln in einem Friedhof. Schon liegt die Frauenleiche (Jessie Buckley) auf dem Tisch von Dr. Euphonius. Sie setzt ihre Maschinerie in Gang. Hier denkt man kurz an den bestens in Erinnerung gebliebenen Film Poor Things von Yorgos Lanthimos. Sollte man besser beiseite schieben den Vergleich, um nicht enttäuscht zu werden.
Man sollte sich darauf einstellen, dass Maggie Gyllenahaal das Frankensteinthema offenbar vor allem nutzen möchte, um das alte Hollywoodkino zu rekapitulieren, auf ihre Art wiederzubeleben, so wie Dr. Euphronius es mit den Leichen handhabt.
Denn bald werden die Braut und der Bräutigam zusammen auf Tour sein, wie einsten Bonny and Clyde. Sie haben die Polizei auf den Fersen. Hit and Run. Sie reisen nach New York. Sie werden in den Medien bekannt, sie müssen immer wieder türmen, sie tauchen auf Feten auf, sie gehen ins Kino zusammen. Das ist die Chance für den Film, Ginger Rogers und Fed Astair hervorzukramen in Schwarz-Weiß und mit Ton. Ja, Frankenstein ist so begeistert, dass er zum Nachtänzer wird.
Der Film ist eine Reise in die Vergangenheit, suhlt sich dort und lässt ab und an Mary Shelly in Schwarz-Weiß wie in Trance erscheinen, als ob das fiebrige Träume der unsterblichen oder wie ihr Monster irgendwie auch nicht sterben könnenden Autorin sind. Einmal gibt es im Kino sogar eine 3-D-Vorstellung.
Roboterbiber
Pixar steht unter Produktionszwang, schließlich hat man den ganzen Produktionsapparat, die Gagmaschinerie, die Zeichner- und Brainstorming-Teams geübt im Umgang mit KI und den Zugang zu Geldern oder man muss eigene wieder investieren.
Wenn einem nicht gerade ein Thema unter den Nägeln brennt, das es zu verfilmen, zu veranimieren gilt, so muss man eins erfinden. Die Plüschtieranimationsabteilung verfügt eh über einen leicht variierbaren Fundus aus dem Tierreich.
Im Zentrum soll eine menschliche Heldin stehen, es muss ein Mädchen sein. Sie wird Mabel heißen. Es wird sich herausstellen, dass es günstig ist, sie in zwei Lebensaltern zu zeigen, als 12-jährige und später als 19-jährige.
Auf ein Thema, was mit pädagogischem Impetus zubereitet werden soll, hat man sich auf Umweltschutz geeinigt, die Zerstörung der Natur durch den Menschen. Deshalb wird Mable, wie wir sie nennen, im Erwachsenenalter eine Umweltaktivistin.
In der Vorgeschichte führt Oma ihre Enkelin in die Großartigkeit der Natur ein. Das passiert ähnlich wie in Flüstern der Wälder. Die Kreativen zaubern eine großartig idyllische Landschaft auf die Leinwand, zum Niederknieden, Omas Haus vor einer bunt blühenden Wiese.
Das Bild, was im Film am meisten menschliche Nähe und Wärme und Bezug herstellt, das sind Oma und Enkelin Mabel, wie sie auf einem Hügel vor der Natur traut nebeneinander sitzen. Oma erklärt ihre Naturphilosophie, man müsse nur hinschauen, hinhören, dann komme sie schon.
Das wird Mabel ein paar Jahre später versuchen. Nichts rührt sich. Der Stausee, den Biber mit ihrer Staumauer erzeugt haben, liegt ausgetrocknet da. Kein Biber weit und breit zu entdecken. Irgendwas stimmt nicht.
Auf der einen Seite steht dräuend ein nicht fertig gebautes Stück Umfahrungsstraße um Beaverton Village herum. OB Jerry, der wiedergewählt werden möchte, ist dabei, das letzte Hindernis zur Vervollständigung der Straße aus dem Weg zu räumen, den Biberdamm. Der ist gespickt mit Sprengstoffladungen. Mabel geht kühn dazwischen. Heldin.
Auf der Suche nach den verschwundenen Tieren gerät Mabel in etwas hinein, wofür sich die Kreativen bei allerlei bunt gemischten Genres bedienen, von SciFi über Robotertier, Krimi bis hin zur Naturkatastrophe (Waldbrand). Diese Handlungen dienen dazu, an ihnen wie an einer Perlenkette Gag über Gag aneinanderzureihen. Es ist ein Synthetic-Kino mit Naturschutzimpetus, das selbstverständlich gut auszugehen hat.
Appetizer
Der Film von Ilsa Willinger macht richtig Lust auf das von ihre behandelte Frauenfilmgenre, das nach eigener Aussage die härteren Film macht als die Männer und dies dank dem schonungsloseren Blick. Härte wird mit Ehrlichkeit gleichgesetzt.
Es geht also nicht um RomComs, um Komödien, Tragödien, Sci-Fi oder Fantasy von Frauen. Immerhin findet Alice Guy, der Erfinderin der Filmerzählung und dem mutmaßlich ersten Opfer einer chauvinistischen Filmgeschichtsschreibung, Eingang mit einem Zitat aus „Die Fee im Kohlfeld“. Aber das ist ein anderes Kino, als für welches sich dieser Film interessiert.
Hier geht es um Filme von Frauen, die sich explizit mit dem Thema Frau beschäftigen, von Frauen, die Selbstbewusstsein gegenüber den Männern entwickeln, die sagen, was die an Gewalt können, das können wir auch; es fällt auch der Begriff des Hexenbusiness.
Am stärksten beeindruckt ist die Dokumentaristin von der Russin Kira Muratowa. Die hat für sie die Richtung vorgegeben, in der sie weitersuchte.
Ein wichtiger Punkt ist das Frauenfilmfest von Cretueil. Hier wühlt sich Jackie Buet durch das umnfangreiche Archiv. Von hier aus spannen sich die Fäden in alle Welt.
Die Filmemacherin besuchte namhafte Regisseurinen der unterschiedlichsten Generationen mit einer großen Bandbreite an Filmen. Einige wurden auch hier besprochen: Die Jungfrauenmaschine, Titane, Saint Omer, Mona Lisa and the Blood Moon, Petite Maman – Als wir Kinder waren.
Andrea Arnold wird zitiert und wie sie sich von der Art des Filmemachens von Francis Ford Coppola unterscheide. Ein Thema ist die Frau als traditionelles Sexobjekt und dass in diesen Filmen die Frau nie Beute sei.
Es gibt Filme, die zeigen Exhibitionisten, Onanisten, Vergewaltiger. Weniger ist die Rede davon, die Menschen einfach genau zu beobachten. Es scheint vor allem um den weiblichen Blick auf die Welt zu gehen und diesen von einem behaupteten männlichen Blick abzugrenzen und ihn diesem gleichwertig gegenüberzustellen.
Es gibt natürlich auch viele Frauen, die ganz andere Filme machen, aber das ist hier nicht das Thema. Es geht hier darum, dass auch Frauen Brutalität im Film zeigen können, womöglich noch brutaler als Männer.
Interviewte Regisseurinnen: Ana Lily Amirpour, Catherine Breillat, Margit Czenki, Virigne Despentes, Alice Diop, Valie Export, Nina Menkes, Marzieh Meshkini, Mouly Surya, Céline Sciamma, Joey Soloway, Monika Treut, Apolline Traoré.
Leben und Schmerz
Leben, Liebe, Sehnsucht, Lust, Schmerz, Missbrauch, Kunst, Lebensgier, Begriffe, die in inniger Verquickung zueinanderstehen, aufwühlend, thrillend, beklemmend, ekelerregend, abstoßend, anziehend, unbegreiflich, nicht in Begriffe zu fassen und zu fesseln, nicht festzulegen, nicht festzuschreiben, vielleicht zum Hinausschreien, so wie der Film Titane, so wie der Film The Substance, vielleicht auch Animale oder wie kürzlich Smalltowngirl.
Die Autorin Lidia Yuknavitch ist in diese Gefühls- und Schmerzwelten eingetaucht, oder wurde hineingeworfen, sie hat sie erlebt und erlitten, sie hat ein Buch darüber geschrieben. Kristen Stewart hat das zu einem Drehbuch umgearbeitet und mit Imogen Poots als Lidia teils fragmentarisch, teils impressiv, atemlos mit Handkamera verfilmt, radikal subjektiv.
Entfernt denkt man auch an den Film 22 Bahnen, bei dem das Wasser und das Schwimmen eine wichtige Symbolik übernehmen.
Lidia wird vom Vater zum Wettbewerbsschwimmen gezwungen, förmlich gepeitscht, gequält. Aber sie ist nicht gut genug, um ein ganzes Uni-Stipendium zu erhalten, Halbstipendium, Dreiviertel. Dann hat ein Bundesstaat doch noch ein Einsehen.
Einen künstlerischen Verweis gibt es auf Amazing Grace. Die hatte auch ihre Erlebnisse. Kristen Stewart geht direkt auf ihre Protagonistin ein, sie sieht Details drum herum, die alle etwas erzählen, sie vermeidet jegliches Gewicht auf Ausstattung; es geht ihr um die Sache, um den Schmerz, wo er entsteht, wo er ausgetragen werden muss.
Innerer Kompass
Sebastians innerer Kompass kennt nur eine Richtung: Meer, Wellen, Surfen.
Das muss er als Bub gespürt haben, wie er das erste Mal mit den Eltern und der kleinen Schwester den Sommerurlaub am Meer verbracht hat. Er bekam dazu ein Surfbrett. Das lässt der Bub nicht mehr los, das lässt den Buben nicht mehr los.
Sebastian wächst weit entfernt vom Wasser auf in der fränkischen Stadt Nürnberg. Er muss mit dem Vorlieb nehmen, was sich dort bietet, Binnenseen, auf denen Windsurfen möglich ist. Er verschlingt alles, was er über das Surfen zu lesen auftreiben kann, es sind vor allem Magazine. So erfährt er von einer Surf-Schule auf Hawaii. Der 17-jährige lässt alles hinter sich, Familie, Heimat, Deutschland und vor allem, das Festland und kann auf Hawaii fast voll und ganz seinem Hobby frönen.
Peter Wolf und Axel Gerdau kreisen diesen inneren Kompass des Surfers Sebastian Steudtner mit einer Montage von Talking Heads aus dem familiären wie auch dem beruflichen Umfeld ein: Mutter, Vater, Schwester, Surfer, Journalisten, Trainer, ein Surf-Shaper, ein Surf-Entrepreneur, Surf-Historiker, Menschen aus Hawaii, zu denen er familiären Anschluss gefunden hat.
Sebastian Steudtner ist ein Außenseiter in der Branche. Auf Hawaii lernt er die Surfer der Big Waves kennen. Er ist dank seinem inneren Kompass, der Begriff kommt allerdings in der Doku nicht vor, der ist sozusagen, der Weiße Elephant im Raum, fokussiert auf die nächst größere Welle.
Sebastian will leben vom Surfen. Das geht nur über das Gewinnen von Auszeichnungen. Er gewinnt diese für die größte Welle im Jahr 2010. Die Verleihung wird zum Eklat. Da nimmt Amerika den saumäßigen Benimm der Trump-Ära vorweg. Die Pfründen-Inhaber der Surfwelt verweigern sich ihm. Es zeichnen sich keine lukrativen Verträge ab.
Aber der Mann gibt nicht auf. Er fährt zurück nach Deutschland. Er trainiert weiter. Überwindet eine Zeit als Landratte. Die Wellen lassen ihn nicht los. Er surft in Irland. Dann winkt Nazaré in Portugal. Hier brandet eine der berühmtesten, der höchsten und gefährlichsten Wellen an.
Es entstehen durch das Surfen Freundschaften, die unerlässlich sind. Auch seine Liebe findet er. Und endlich den lang begehrten Durchbruch, wie wir es so nennen wollen. Die finanziellen Mittel fließen. Der Surfstar bewohnt mit Frau, Kind und Hunden eine Villa mit Blick auf die Welle von Nazaré.
Reichtum und Tod
Auch die Reichen müssen sterben. Den Reichtum erhalten die Erben. So weit so banal. Reichtum, Erben und Tod, ein ideales Begriffspaar für Geschichten. Den Kinofilm gleichen Titels hat es 2024 schon gegeben und war wohl nicht der erste seiner Art.
Jetzt hat John Patton Ford sich das Sujet geschnappt und daraus einen eleganten, leicht verdaulichen, auf die internationale Menükarte passenden Kinofilm gemacht.
Becket (Glen Powell) steht im Stammbaum der superreichen Redfellows als Erbe an xter Stelle. Seine ledige Mutter wird vom Clan verstoßen, sie leben in nicht angemessener Umgebung. Die Mutter versucht, ihm trotzdem eine gute Erziehung und Bildung zukommen zu lassen; sie stirbt früh. Er behält eine Haarlocke von ihr, die sie an ihre Mahnung erinnert, nicht locker zu lassen und den Erbfall abzupassen, der früher oder später auf ihn zukomme. Bis er auf die Idee kommt, dem nachzuhelfen, dauert es noch ein paar Filmminuten.
Der Film beginnt mit der Nähe zum Tod. Becket ist rechtsgültig zum Tod verurteilt. In vier Stunden ist es soweit. Ein Pastor besucht ihn. Er ist mit seinem Lachfältchen sehr entspannt und fängt an, zu erzählen.
Der Film fährt mit Rückblenden fort, wie Becket mit leichter Hand und ohne Verdacht zu erwecken die ersten Verwandten, die im Stammbaum vor ihm stehen, ins Jenseits und ihre Leichen in herrlichen Särgen ins Familienmausoleum befördert.
Zwei Frauen spielen nebst seiner Mutter eine Rolle in seinem Leben. Julia lernt er schon als Kind kennen und verliebt sich. Sie wird als Erwachsene und als perfekter Vollvamp gespielt von Margaret Qualley. Ruth (Jessica Henwick) lernt er über eines seiner Opfer kennen. Das ist eine ernste Liebe, während die erwachsene Julia erpresserisch und unheilvoll auftritt. Zwei FBI-Agenten hat Becket bald an der Backe. Die halten sich lediglich an vorgeschriebene Routinen.
Der Film ist in gutem Tempo erzählt, ein illustriertes Protokoll einer Mordserie, er hält sich nicht bei Kleinigkeiten auf und ist für Überraschungen gut. Er ventiliert so ganz nebenher Klassenunterschiede, ergeht sich in der Schilderung des Lebens der Upper Class und kurz beflügelt er auch Gedanken über die Todesstrafe und die Frage, wem man trauen kann und soll.
Rache ist süß,
das behauptet dieser Film von Pierre-Francois Martin-Laval so stur, wie seine Hauptfigur Robert Poutifard oder wie ein Christian Clavier gerne die kleinen Spießer spielt in ihrer Verbohrtheit und allfälligen Begriffsstutzigkeit und die dann doch das Herz auf dem rechten Fleck haben.
Es ist kein üblicher Revenge-Film. Er nutzt das Genre vorerst, um den in Rente gegangenen Schullehrer Poutifard seinen Frust über all die Demütigungen, die er in Jahrzehnten von seinen ungezogenen Schülern – und auch von seiner Mutter (Isabelle Nanty) – hat erleiden müssen, zu rächen. Er lebt auch mit Eintritt in die Rente noch in ihrem Haus. Sie hat ihn fest im Griff.
Einmal kurz vorher hätte es fast zu einer Liebe mit der neuen Kollegin Claudine (Jennie Anne Walker) aus Québec geklappt. Ein böser Schülerinnenstreich hat dies zunichte gemacht.
In einer geheimen Kammer im Haus seiner Mutter hat er die Beweise gesammelt, die Streiche, die Texte, die Unanständigkeiten, die Unverfrorenheiten. Jedes Jahr ist neues Material hinzugekommen.
Besonders das Quartett, das ihm die Liebe zu Claudine zerstört hat, hat er auf dem Kieker. Kaum in Rente begibt er sich, so systematisch wie pingelig, 20 Jahre nach der bösen Tate auf den Rachefeldzug.
Erst will er Anthony (Roby Schinasi) sein Sternerestaurant madig machen, nicht nur, dass er ihm unangemeldet einen Restaurantkritiker auf den Hals schickt, einen schlabberneden Hund hetzt er ihm auch auf die Bude und mehr. An Einfällen fehlt es Regie und Darsteller nicht.
Dann sind die beiden Zwillinge Camille (Salomé Partouche) und Mélanie (Noémie Chicheportiche) dran. Die sind zwei Influencerinnen geworden und haben einen wichtigen Grundsteinlegungstermin mit dem Staatspräsidenten. Den zu vermasseln wird der Lehrer bereits von seiner Mutter unterstützt, die kennt sich, im Gegensatz zu ihm, im Internet aus. Das wird noch wichtiger für den vierten Fall.
Audrey (Kezia Quintal) ist eine gefeierte Popsängerin geworden. Hier gilt es, ihren Auftritt zu hacken. Da erweist sich der einzige Schüler, der Herrn Poutifard je verehrt hat, Bouli (Oussama Kheddam), als Techniker der Halle nützlich. Aber, es stellt sich ein unvorhergesehenes, ernstzunehmendes Hindernis quer zu des Rächers Plänen.
Es sind der Charme sowohl des Drehbuches als auch des Charakters der Clavier-Figur, die zur Erkennntis führen, dass Vergebung die stärkste Form der Rache sei, das war jetzt ein Spoiler, aber wenn ein Christian Clavier eine Komödie spielt, oder hier eine Rachekomödie, so darf erwartet werden, dass die Angelegenheit gut ausgeht.