Diese entsetzliche Vergänglichkeit,
diese blödsinnige Sterblichkeit, sie sind es, gegen die das Horrorgenre vehement anstrampelt und dabei vor keinen Mitteln zurückschreckt; sie sind es, die, ganz ohne zu belehren, den Menschen seine Verletzlichkeit, seine Endlichkeit lustvoll gruselnd spüren lassen.
Der Schauder ist umso größer, je weiter entfernt sich ein Mensch vom Ende spürt, in der Jugend also. Das dürfte der Grund sein, warum einem kaum Filme über Horror im Alter unterkommen. Meist es es die blühende Jugend, der krass der Spiegel der Vergänglichkeit vorgehalten wird, vielleicht im Sinne, sie solle sich nicht so geben, sie würde selber zeitig drankommen.
Das zeigt der Film von Corin Hardy nach dem Drehbuch von Owen Egerton modellhaft am sportlichen Horse (Stephen Kalyn), geradezu ein Modell blühender Jugend und Männlichkeit. Er spielt am College Basketball. Er ist kurz davor, den Siegestreffer für seine Mannschaft zu lancieren. Etwas irritiert ihn. Er sieht, völlig unrealistisch und für die anderen nicht wahrnehmbar, eine Schauderfigur wie aus glühender Lava geformt auf ihn zugeht.
Horse schafft den Treffer, es ist eine Sekunde vor Abfpiff, die Mannschaft umringt ihn jubelnd. Allein in der Garderobe hat er wieder diese Vision. Sie bereitet ihm Krämpfe. Er hat sich eingeschlossen. Die anderen Sportler fragen von draußen, was los sei.
Der Film springt ein paar Monate in die Zukunft. Chrys (Dafne Keen) ist neu am College. Sie bekommt ein freigewordenes Spind. Drauf steht „Horse“ gekratzt. Nebenbei fällt die Bemerkung, dass dieser gestorben sei.
Im Spind findet Chrys ein Relikt aus schwarzem Holz in einem ebensolchem Gefäß, mit einem maskenhaften Gesicht, aus einer alten Kultur bestimmt.
Lehrer Craven (Nick Frost) entdeckt das Fundstück und reißt es an sich. Gleich googelt er und sieht, dass es einen ziemlichen Wert hat. Aber schon scheint er selbst etwas zu hören. Rel (Sky Yang), der Pausenclown unter den Schülern, sucht nach etwas und findet das ominöse Teil, nimmt den Maskenkopf, etwa faustgroß, an sich.
Somit, das kann sich der genregeübte Zuschauer selbst zusammenklamüsern, ist das Ungeheuerliche auch bei den Schülern angekommen, alle im blühendsten Aufwachsalter. Den Lehrer erwischt es umgehend.
Die Filmemacher gehen souverän um mit dem Genre, kennen die gängigen Motive, Beleuchtungen, Kamerapositionen. Sie haben einen wunderschönen Cast zusammengestellt, bei dem Hinscheiden besonders weht tut.
Es werden auch Beziehungsgeschichten angedeutet. Vor allem möchte Chrys gerne wissen, ob Grace (Ali Skovbye) auf Frauen stehe. Aber, so ein dünner Geschichtsfaden dient eh nur als Vorwand, um die Genremaschinerie auf Hochtouren zu bringen und das Publikum an seinem – letztlich ist es die Todesangst – Angstnerv zu reizen.
Der Titel wird in der allerersten Sequenz bereits endgültig strapaziert: ein Schiedsrichter in Clouse-Up pfeift einen Ton, der eher mit einer Lawinenexplosion als mit Pfeifen zu tun hat. Da pfeifen die letzten Spatzen vom Dach, worum es gleich gehen wird.
Zur Schilderung der Provinzumstände, die offenbar ein besonders geeigneter Nährboden für das Horrorgenre sind, wird noch Pfarrer Noah Hagbgerty (Perc Hynes White) eingeführt, eine ganz und gar ungute Figur, der die Jugend mit Drogen versorgt. Man könnte solche Filme vielleicht sogar selber als einen Akt des Voodoo gegen die Vergänglichkeit lesen.
Diese entsetzliche Vergänglichkeit, diese blödsinnige Sterblichkeit, sie sind es, gegen die das Horrorgenre vehement anstrampelt und dabei vor keinen Mitteln zurückschreckt; sie sind es, die, ganz ohne zu belehren, den...