Kommentar zu den Reviews vom 26. März 2020

Vorösterlich Ultimatives – im Konjunktiv, wenn denn die Kinos geöffnet hätten. Heldenhafter Einsatz einer jungen Frau für Ehre und Kaiser. Diese Liebe oder keine. Wie das FBI eine erfolgreiche Schauspielerin kaputt macht. Ein Berliner will sich nicht entmieten lassen. Die Menopause ist definitiv. Planspiele für ultimative Katastrophen. Der Gegensatz von Gut und Böse ist religiös unerbittlich. Ohne Brot kein Mensch. Stream statt Kino: Megakino aus Lateinamerika, Klempnernde Frauen in Nahost, die Italianità der Klassik. Auf DVD gibt es Wasserspaß. Im TV eindrückliche Lebenslinien. Ferner hat stefe einen Kommentar zu Coronas Einfluss auf die Reviews abgegeben.

Kino

MULAN

Selbst gegen Hexen kommt diese junge Frau an. 

UNDINE

Ultimativer Liebesanspruch.

JEAN SEBERG – AGAINST ALL ENEMIES

Zerstörung einer Schauspielerin.

DER LETZTE MIETER

Heine beugt vor. 

PAUSE

Keine Pause, Ende einer Lebensphase. 

MASTER OF DISASTER

Es gibt mehr Möglichkeiten der Verkettung unglücklicher Umstände als unsere Schulweisheit sich denken möchte. 

SWORD OF GOD – IM NAMEN DES HERREN/DER LETZTE KREUZZUG

Wovon wollen die Heilsverkünder leben, wenn es das Böse und das Sündige nicht gäbe?

BROT

Es ist unser A und O. 

STREAM

LA FLOR

Jahrelang haben die ihr Filmmaterial geknetet und bespielt und reflektiert.

WATERPROOF

Löchrige Leitungen müssen auch in Jordanien abgedichtet werden.

DIE ITALIENISCHE ART

In Rom erzeugt Ravel Gänsehaut, in New York nicht.

DVD

SNORRI UND DER BABY -SCHWIMMCLUB

Da möchte die DVD am liebsten mit ins Wasser springen.

TV

LEBENSLINIEN: JIMMY HARTWIG – EUCH WERD‘ ICH’S ZEIGEN

Extremkampf um Anerkennung.

Kommentar

CORONA NOTPROGRAMM

stefe bleibt beim Kino!

Undine

Absolute Liebe.

Undine (Paula Beer) verlangt die totale Liebe. Ihr Freund Johannes (Jacob Matschenz) hat gefälligst im Café auf sie zu warten, während sie als Kunsthistorikerin mit Führungen zu Stadtmodellen von Berlin ihr Geld verdient. 

Durch ein Fenster kann sie ihren Freund derweil beobachten. Doch nach ihrem Arbeitsschluss ist er nicht mehr da. Das wird ihn, so hat sie es angedroht, das Leben kosten. 

Klar, dass es sich hier nicht um Realismus, sondern um Fabulismus, Symbolismus handelt. 

Undine prallt nun im Café mit Christoph (Franz Rogowski, ein Bild von Mann mit starken Armen und sinnlicher Ausstrahlung) zusammen. Es ist ein erschüttender Zusammenprall, so wie er das Fundament für eine totale Liebe sein kann. 

Franz arbeitet als Industrietaucher. So ist auch er dem Wasser verbunden wie das Fabelwesen Undine ein Wassergeist ist. Bei ihrem ersten Zusammentreffen bricht ein großes Aquarium entzwei und ergießt sich über das Café. Undine rettet ein Taucher- oder Christoforus-Figürchen. Die Liebesfäden sind gelegt. 

Das Spiel kann beginnen. Das Spiel der Unsicherheit, des Misstrauens – man darf in der Liebe mit Undine nicht lügen, nichts verheimlichen, das verlangt Christoforus und ahnt anlässlich einer flüchtigen, zufälligen Begegnung mit Johannes, dass bei ihr noch ein anderer im Busch ist. 

Lügen und Bereuen, den anderen suchen und nicht finden, das sind die allzu bekannten Vorgänge in dieser Art von Liebesspiel, das Petzold perfekt beherrscht und sympathisch persönlich und sicher mit nicht allzu viel Budget und mit fabelhaften Schauspielern inszeniert. 

Allerdings entsteht auch der Verdacht, dass es sich hierbei lediglich um eine Entspannungs- oder Kino-Fingerübung handelt, um von der stressigen und fordernden Internet-Serienarbeit, der sich Petzold in letzter Zeit vermehr gewidmet hat, zu erholen … um formalerweise seiner Undine, dem Kino, treu zu bleiben. 

Der Film wirkt lediglich wie eine Skizze des Handlungsfadens einer möglichen neuen Serie. Petzold nimmt sich nicht die übliche Zeit für Genaugikeit, auch bei der Auswahl der Locations oder der Frames. 

Bei der ersten Führung durch die Berliner Stadtmodelle erzählt Undine viel zu weitschweifig über die Berliner Stadtgeschichte, ohne dass das der Beziehungskiste etwas bringt; das wirkt wie Zeitschinderei und geht auf Kosten der kinopräzisen Ausarbeitung von Story und Szenen. 

Vielleicht zehrt die Internet-Serienarbeit doch mehr an Petzold als er wahr haben möchte und verschmiert seinen Kinoanspruch. Das Drehbuch scheint er sehr schnell entworfen und für gut befunden zu haben; es wirkt wie eine flüchtige Akademelei oder wie nach einem Drehbuchentwurf auf einem Bierdeckel. 

Hoffentlich wird Undine Christian Petzold nicht umbringen für diesen Film. 

Pause

Nichts Besorgniserregendes

das ist der Befund des Arztes nach Aufzählung aller möglichen Symptome der einsetzenden Menopause einer Frau: Trockenheit der Vagina, Hitzewallungen, Mangel an sexuellem Verlangen, Verlust oder Ausetzer des Gedächtnisses, Stimmungsschwankungen, Erschöpfungszustände, Ausdünnung der Haare, Brüchigkeit der Nägel, Nachtschweiß, unruhiger Schlaf, mit oder auch ohne Nachtschweiß, Überempfindlichkeit, Zahnfleischentzündung, geistige Verwirrung, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Inkontinenz, Völlegefühl, Gewichtszunahme, Allergien, Mundgeruch, Blutungen, Depressionen, Angstzustände, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Juckreiz, gastrointestinale Störungen, Verdauungssstörungen, Muskelsteifheit, Schmerzen in der Brust, schmerzende Gelenke, Panikattacken, unregelmäßige Periode, trockene Augen, akute Empfindsamkeit, Osteoporose. 

Diese trocken lakonisch von einem Arzt vorgetragenen Nebenwirkungen hören sich an wie ein dadistischer Prolog und zeigen den nicht ganz schalklosen Zugriff von Tonia Mishiali, die mit Anna Fotadou auch das Drehbuch geschrieben hat, auf das Titelthema der Pause, der Menopause, um in den folgenden anderthalb Stunden zu zeigen, dass die Problematik wohl eher anders gelagert sein dürfte; dass das Zwischenmenschliche in einer langen Ehe entscheidender sein dürfte. 

Elpida (Stella Firogeni), die auch Hope gerufen wird, ist verheiratet mit Costas (Andreas Vasileiou). Sie wohnen in einem Wohnblock. Beide haben ein Auto. Sie malt. Er denkt an die Rente und hortet in seinem Werzeugkasten Geld. Die Ehe ist ungefähr so, dass erst der Eindruck entsteht, eine hingebungsvolle Tochter sorgt für ihren Vater. Beide haben ihren eigenen Fernseher. Er schaut Sport und sie parallel mit Kopfhörern Actionfilme. Auf dem Balkon zwitschert ein Vogel in einem Käfig. 

Es gibt eine Tochter und eine Enkelin. Aber Costas findet, es reiche, wenn seine Frau mit denen kommuniziert. 

In betrachterfreundlichem Breitformat, das immer auch geometrische Linien als Rahmen einsetzt, schildert Mishiali den Alltag dieser Frau, wie ihr Mann sie demütigt, indem er ihr Auto verkauft, wodurch ihr Leben viel schwieriger wird, Kontakt mit einer Nachbarin, die ein kleines Kind hat, und einen grotesken Auftritt nach einer Schönheits-OP, erotische Fantasien mit einem Maler (Anstreicher), Ausbruchsfantasien und Ausbruchsversuche, Malkurs. 

Über die Ehe der beiden kann es einem jedoch kalt den Rücken runterlaufen, erträglich gemacht durch die ruhige, momentweise fast stillebenhafte Bildgestaltung und das helle Licht des Mittelmeeraumes, schätzungsweise Zyperns. 

Sword of God – Im Namen des Herrn

Filmkunst

Vom Gegensatz Gut/Böse lebt die Kirche und mit ihr die Kirchenmalerei, besonders schön auch die Ikonenmalerei im Osten. 

Der Glaube braucht das Heidentum, der Rechtgläubige den Häretiker, das Glaubensritual steht gegen die Orgie, den Hexensabbat, das Zombitum. Die Abbildung diese Gegensätz zieht sich vom Mittelalter bis in die Moderne; nichts ist bildnerisch ergiebiger als das Verkommene, Ungläubige, die Lebend-Toten, das Fegefeuer, die Hölle. 

Das war es in der Malerei, das ist es heute noch in der Filmkunst von Bartosh Konopka. In auffallender Hell-Dunkel-Ästhetik erzählt er die Geschichte von Bischof Willibrod (Krzysztof Pieczynski), der mit Nonema (Karol Bernacki) mit einem Boot mit weiteren christlichen Glaubensverkündern kenternd an einer Insel anlandet. 

Willibrod und Nonema sind die beiden einzige Überlebenden. Sie stoßen bald auf eine malerisch-heidnische Gemeinde. Diese Begegnung überleben sie nur, weil der Bischof den Feuertest besteht: er geht durch die Flammen und entzündet sich nicht dabei. Er will das Wort Gottes verkünden, ein Gotteshaus bauen. Ständig kündigt er das Kommen des Königs an. Er will Taufen abhalten. 

Gleichzeitig gibt es bildmassive Schilderungen von Orgien, von heidnischen Gruppenritualen der kalkweiß geschminkten Bewohner der Insel. 

Die Geschichte geht sich nicht so ganz christlich aus, denn die Verkünder kennen auch das Töten, kannten es; den Bischof verfolgen die Gesichter der auf einem Kreuzzug von ihm Umgebrachten. Es gibt zugenähte Münder, Dämonenaustreibung, Glaubensanfechtungen der Verkünder, Verführung durch Frauen. 

Bartosh Konopka, der Drehbuchautor und Regisseur, hat markante Gesichter für die Rollen ausgesucht und die Darsteller spielen sehr ernsthaft, so dass die Kontinuität zur Künstlichkeit und Ikonenhaftigkeit der Kirchenmalerei gewahrt ist, eingereiht in die große filmkünstlerische Tradition des Ostens. 

Master of Disaster

Der Film zum Virus!

Eher schlecht präpariert (auch auf Corona!) scheint die Welt auf die diversen möglichen Katastrophen, die mit dem Klimawandel, mit Migrationsbewegungen und dem Terorrismus zusammhängen, wie auch mit der rasanten, nicht nachhaltigen, technologisch-wirtschaftlichen Entwicklung. 

Jürgen Brügger und Jörg Hassengier wollen mit ihrer Dokumentation über verschiedene Player der Katastrophenanalyse und -prävention nicht Angst machen. Sie lassen vielmehr sich und damit auch den Zuschauer, faszinieren durch einen Überblick über eine Vielfalt von Vorbeugungsaktivitäten und Katastrophenszenarienplanungen, wie sie dem Normalsterblichen eher nicht präsent sind. 

Der Film gewinn an Aktualität durch das Corona-Virus; es kommt das Zitat drin vor, lange vor dem Corona-Ausbruch, dass die Welt auch mit neuen Viren rechnen müsse, die sich in wenigen Monaten um den ganzen Globus verbreiten. Just damit scheint da und dort die Politik überfordert. 

Es überwiegt in diesem magazinhaften, TV-gerechten Film das Skurrile. Anfangs ist man nicht sicher, ob man sich in einer satirischen Sendung befindet, wenn Prof. Schmidtchen und Dr. Borries vom Institut für Sicherheitsstudien durchs Ruhrgebiet spazieren und sich Szenarien ausdenken, was durch eine Verkettung unglücklicher Umstände alles passieren könnte. 

Schmidtchen und Borries sehen eine Wohngegend, eine Landschaft völlig anders als unsereins. Sie haben beide militärischen Hintergrund. Es sind Typen, die sich mit dem Rücken zur Wand in eine Kneipe setzen, immer einen Fluchtweg im Auge. Sie testen ein Umspannwerk auf seine Sicherheitsvorkehrungen, ein Wasserreservoir und werweißen, wie leicht es wäre, die ganze Wasserversorgung lahmzulegen durch Vergiftung beispielsweise. Es sind Typen, die in Worst-Case-Szenarien denken. Daher beziehen sie auch ihre Erfolgserlebnisse. 

Ein besonderer Boden für Skurrilität scheint die Schweiz zu sein mit ihrem Swiss Fort Knox, einem Datenkopietresorraum 800 Meter tief in einen Berg gebaut oder mit dem Thinktank bei Swiss Re, der mögliche Risiken als Rohstoffe evaluiert; da geht es um einen riesigen unterirdischen See in den USA, der Milliarden von Tonnen von CO2 speichert; was, wenn das freigesetzt würde? 

Die Dokumentaristen begleiten Katastrophenschutzübungen, Einsatzbesprechungen, das Präparieren von simulierten Verletzten; sie begeben sich zu allerlei Forschungs- und Wissenschaftsstellen, solche die Telefonumfragen zur Katastrophenprävention durchführen oder sich wie das Robert Koch Institut in Hochsicherheitslaboratorien um extrem gefährliche Biostoffe kümmert. 

Corona zeigt uns, in welch anfälliger Welt wir leben und Brügger und Haassengier zeigen uns, dass die Menschheit vielfältig vorzusorgen versucht, dass es aber auch genügend Stoff für Apokalyptiker gibt, andererseits, dass kein Grund zu Panik besteht. 

Kannten Sie schon das Mausefallen-Experiment von Jan Richter?

Jean Seberg – Against All Enemies

Mit großer hollywoodscher Studioklarheit, damit die Geschichte auch der Letzte in der hintersten Reihe sie versteht, erzählt Benedict Andrews nach dem Drehbuch von Joe Shrapnel und Anna Waterhouse den Ausschnitt aus dem Leben der Schauspielerin Jean Seberg von ihrer Rückkehr aus Frankreich nach Hollywood 1968 bis zu ihrem frühen Tod 1979 in Paris. 

Das Drehbuch ist stark auf Vereinfachung und Deutlichkeit hin gebürstet nach allen Regeln der Drehbuchkunst. 

Seberg (würdig verkörpert von Kristen Stewart) ist die leidende Protagonistin, Heldin, die auch nicht fehlerlos ist. Ihr Märtyrertum wird wunderbar symbolisiert mit der Feuertodszene aus „Die heilige Johanna“, ihrem Durchbruchsfilm. 

Die zentrale Aufmerksamkeit des Filmes gilt der Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Seberg durch den Geheimdienst. Diese ergibt sich aus ihrem Verhältnis zu Hakim Jamal (Anthony Mackie), einem Führer der Black-Panther-Bewegung. Sie lernt ihn in einer lehrhaft deutlichen Szene im Flugzeug kennen; er will erster Klasse fliegen, wird aber aus rassistischen Gründen in die hinter Klasse verwiesen. Das kriegt die Seberg mit und setzt sich für ihn ein. 

Die Sympathie ist da. Diese setzt sich beim Verlassen des Flugzeuges fort. Spontan stellt sich Seberg zu den Blackpanthern, die Jamal abholen, und mit ihnen reckt sie die Faust. Sie sponsert die Black Panthers großzügig und entwickelt ein intimes Verhältnis zu Jamal, obwohl sowohl sie als auch er verheiratet sind. 

Die späten 60er sind so zumindest in der Theorie als freizügig eingeführt. Die Überwacher schneiden das ganze Gestöhn aus der verwanzten Wohnung mit. 

Der Film erzählt Schritt für Schritt, wie intime Geheimnisse durchgestochen und allmählich das Leben der Seberg ruiniert wird, sie zu noch mehr, eh immer reichlich leicht verfügbarem Hochprozentigem greift, zu Pillen. 

Damit der Geheimdienst nicht so böse dasteht, gibt es dort die Figur das Jack Solomon (Jack O‘ Connell), der anfängt, Sympathie für sein Opfer und Mitgefühl zu entwickeln, so dass aus dem Biopic ein Melodram wird. 

Knallig ist der Vergleich zu Queen & Slim, der einen deutlich moderneren und emotionaleren, auch künstlerisch spontaneren Zugang zum Rassismusthema in den USA bietet, und trotzdem nicht weniger klar ist. Im Vergleich zu Queen & Slim ist dieser Film von Benedict Andrews ein pathethisch behagliches Melodram zu einem unbehaglichen Thema.

Der letzte Mieter (Kinostart auf Sommer verschoben)

Ein nicht mal unalltäglicher Vorgang. 

Alptraum Entmietung.

Das waren von Gregor Erler für seinen ersten Langfilm keine schlechten Überlegungen: klassischerweise sich auf einen Ort, eine Handlung und einen Zeitraum zu beschränken. 

Auch über eine Zwangsräumung lässt sich ein spannender Film machen, gerade wenn man es nicht TV-alltagsrealistisch vorhat, sondern sich nicht scheut, Elemente des Drastischen an der Grenze zur Farce, des Thrillers und gar des Katastrophenfilmes zu verwenden. 

Auch zeigt Erler, dass dadurch ein Film bei dem vermutlich nicht überbordenden Budget nach deutlich mehr aussehen kann, wenn man die filmischen Mittel von Licht, Flexibilität der Kamera von Handkamera bis zur Drohne, Ausstattung (so und nicht anders sehen Entmietungsmiethäuser aus, so runtergekommen!), einer guten Auswahl an Schauspielern inklusive deren Führung, dann noch geschickte Montage und entsprechende Musik (die vielleicht diesen dünnen scharfen Ton, der eine ebensolche Wendung ankündigen will etwas zu oft einsetzt) geschickt, wohldosiert und clever einsetzt. 

Dietmar Heine (Wolfgang Packhäuser) soll als einer der letzten Mieter eines zum Abriss bestimmten Mietshauses zwangsgeräumt werden. Er aber verschanzt sich in seiner Wohnung. Im Keller hat er eine explosive Intallation vorbereitet. 

Sein Sohn Tobias (Matthias Ziesing), Spengler, schaut bei ihm vorbei und gerät mitten in die Zwangsgräumungsaktion. Der Sohn der Immobilienhaiin Görgens (Mignon Remé) mit der Firma Immolux, die auf Luxussanierungen spezialisiert ist, ist auch in der Wohnung. Mark (Moritz Heidelbach) soll den Vater dazu bewegen, freiwillig zu gehen. 

Es gibt ein Gewehr in der Wohnung. Es folgt noch die Polizstin Shirin Kämper (Pega Ferydoni); sie hat ihre Dienstwaffe bei sich. Das Drama kann sich entwickeln, es gibt Handschellen, Handys, Polizei-Walkie-Talkies, Wärmebildkameras, Scharfschützen auf gegenüberliegenden Dächern, eine Sneakcam, die die Polizei in die Wohnung unter ein Bett zu schieben versteht, es gibt die Kamera, mit der der alte Mieter seine Auseinandersetzung mit dem Immobilientyp aufgenommen hat. 

All das setzt Erler ein, um daraus ein Bildmaterial zu gewinnen, das oft den Vergleich mit internationalen Thriller-Hochglanzprodukten nicht zu scheuen braucht. Warum der Wirkbereich des Filmes aber voraussichtlich doch übersichtlich bleiben dürfte, mag einmal mehr am Buch liegen. Es gibt keine Figur, zu der man Sympathie entwickelt, sie sind allein der Mechanik der Action untergeordnet. Daher taucht gerade anfangs zu oft die Frage auf, was das hier solle, was wer hier wolle. 

Der Protagonist Tobias wird anfangs mit einem flott ineinerandergeschnittenen, fragmentarischen Bilderbogen von seiner Arbeit, seiner Fahrt durch Berlin vorgestellt, rein äußerlich mit einer Berufsinfo, mit nichts, woran der Zuschauer mit seinem persönlichen Interesse andocken könnte, nicht mit einem Problem, nicht protagonistenlike. So bleibt der Film zumindest eine äußerst gelungene Fingerübung im Genre des Thrillers, des Entmietungsthrillers. 

Go ahead, make my day.