Kommentar zu den Reviews vom 12. Februar 2026

Heute sind nicht so viele Neubesprechungen. Muss nicht am Fasching oder an der Münchner Siko liegen. Es gibt auch Filme, die kann, selbst wenn er wollte, stefe vor dem Kinostart nicht sehen. Da gibt es einen kleinen Verleih, die sprechen von einer Größenordnung von vielleicht 5000 Zuschauern pro Film, die haben nicht so ein Riesenbudget für Pressearbeit. Pressevoraufführungen, die kosten und Sichtungslinks auch, besonders, wenn man sichere haben will. Der kleine Verleih leistet sich ein Quantum von 50 sicheren Sichtungslinks pro Monat. Die verteilt er an jene Medien, die seiner Meinung nach die größte Reichweite haben. Also der Kleine unterstützt die Großen und lässt die Kleinen, selbst wenn sie berichten wollten, leer ausgehen. Eine etwas merkwürdige Firmen- und Filmphilosophie.

Neu im Kino ist ein weiterer Gazafilm, der ganz im Bereich des Kinos spielt; er funktioniert Gaza zum Filmstudio um (statt zur Riviera des Ostens). Eine Animation erzählt weich und kinderfreundlich davon, wie tief unten im Meer zum Ich zu finden ist. Eine gepflegte deutsche Dokumentation nimmt sich unaufgeregt und respektvoll ein weit verbreitetes, brisantes und gerne verschwiegenes Thema vor. Ein hochprofessionell konstruierter Thriller kommt aus L. A. Hollywood sucht mit bombastischem Aufmotzen einer Trivialgeschichte händeringend Aufmerksamkeit. Ein fiktionaler deutscher Film bemüht sich zeitgeistig um das Thema der Midlife-Crisis eines Autors und versucht die Frage zu beantworten, wie riecht ein Vater.

Kino

ONCE UPON A TIME IN GAZA
Gazawood schlägt zu!

DER LETZTE WALSÄNGER
Jeder muss lernen, sein Lied zu singen.

FASSADEN
Wie Gewalt sich in die große Liebe einschleicht.

CRIME 101
Misstrauen ist der Heizstoff des Thrillers.

WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE
Kitschgeschichte im Gewand großer Oper

DIE ÄLTERN
Autor in Krisenselbstbespiegelung

Wuthering Heights – Sturmhöhe

Theaterdonner fett

ist nur eines der theatralen Elemente, die Regisseurin Emerald Fennell, die auch das Drehbuch nach Emily Bronte geschrieben hat, die sie einsetzt, um zu zeigen, wie wichtig, wie bedeutsam ihr der Film ist. Auch andere altbekannte Theatereffekte werden massiv zu diesem Behufe benutzt, Sturm und Wind, Regen und Nebel. So richtig schönes Wetter ist nie. Auch die Landschaft wird gerne kulissenhaft hervorgekramt wie in der großen Oper, teils wirken die Steinsgebilde, die dafür herhalten müssen, wie von Bühnenbildnern geformt.

Inhaltlich geht die Filmemacherin rigoros vor; sie kämmt die Bronte-Story radikal auf den Kitschgehalt runter, reduziert die Figuren auf Figuren der großen Bühne oder des großen Hollywood-Startheaters, das sich wohl selbst für großes Welttheater hält.

Margot Robbie kommt einem schon vor wie die perfekte Starmaschine, wirklich perfekt in jedem Moment, in jeder Regung.

Hinzu kommt die Orientierung der Bildwelt an einprägsamen Phasen der Malerei wie dem Barock. Innenräume samt Frauenfiguren darin könnten von Vermeer abgeguckt sein. Sie werden gerne mit Boden und Decke gezeigt, diese quadratischen Muster.

Psychologische Feinzeichnung und Komplexität der Figuren, ihrer Geschichte gibt es hier nicht. Zwischen dieser Art Kino und jener von Sentimental Value, das ein heutiger Film ist, klaffen Abgründe.

Knallig fängt die drastische Show an mit einer Henkung ohne Rücksicht auf zarte Nerven.

Cathy ist noch ein Kind (Charlotte Mellington), lebt in besseren Verhöltnissen mit einem tyrannischen Vater (Martin Clunes). Der nimmt das Findelkind Heathcliff (Owen Cooper) im Hause auf. Dann ist noch Nelly im Haushalt (Vy Ngueyen). Cathy und Heathcliff sind ein Herz und eine Seele. Liebe liegt in der Luft.

Zeitsprung. Die beiden sind erwachsen. Heathcliff wird jetzt gespielt von Jacob Elordi, einem naturwüchsigen Mannsbild, stämmig, groß, langes, schwarzes Haare. Die Familie Earnshaw von Cathy ist verarmt. Vater versäuft und verspielt alles. Er wird unerträglich.

Die Familie von Edgard Linton (Shazad Latif), sehr reich, zieht in die Nachbarschaft in der einsamen Gegend. Das heißt, die bauen sich fünf Meilen entfernt ein schlossähnliches Anwesen. Edgard will Cathy heiraten. Für sie wären damit alle ökonomischen Probleme gelöst. Doch die Liebe gilt Heathcliff. Der haut ab.

Das ist der Stoff, aus dem Herz-Schmerz-Geschichten sind und aus welchen sich die Dramen oder das Drama entwickelt, denn eines Tages kommt Heathcliff zurück, kauft das Haus der Earnshaws und wird damit auch ökonomisch akzeptabel.

Mehr ist nicht. Außer dass Cathy bereits schwanger ist. Die Musikspur ist zum richtigen Haudrauf geworden, so wie die Darsteller offenbar tendenziell zum dramatischen Spiel angehalten sind; das hat den Vorteil, dass garantiert nie genuschelt wird. Es ist ein Kino, was mir veraltet vorkommt, besonders wenn man mit „Sentimental Value“ vergleicht.

Es ist ein Kino, was mit Getöse auf sich aufmerksam machen will, seine bescheidene Message einem aufs Auge drücken will (oder gar einen ganz anderen Schmerz am Leben äußern will), vielleicht, weil es weiß, dass es so Neues nicht zu erzählen hat, oder gar selber an der Unterkomplexität der Figuren, die es zeichnet, leidet, und das zeigt er nicht nur mittels der schweren Musikspur, sondern auch mit einer Nähe zu bombastischer Opernhaftigkeit bei Ausstattung und Ausleuchtung.

Könnte für mich in der Schublade „Kuriositäten der Filmgeschichte“ landen.

Crime 101

Sicherheitsbedürfnis und menschliche Schwäche

Das geschickte Ausspielen und Ineinanderverknüpfen dieser anthropologischen Grundkonstanten ist das Geheimnis des perfekten Thrillers, so wie Bart Layton ihn hier nach dem Roman von Don Winslow präsentiert.

Die menschliche Schwäche des Protagonisten Mike Davis (Christ Hemsworth) ist diejenige, bei seinen Raubüberfällen keine Spuren hinterlassen zu wollen, als Dieb unsichtbar zu bleiben und vor allem, keine Gewalt anzuwenden; er ist, das mag man als menschliche Schwäche lesen, ein Einzelgänger.

Was Mike vielleicht nicht bewusst ist, dass er aus just diesen Gründen nach einem bestimmten Muster handelt. Darauf kommt der schlaue Detektiv Loubesnick (Mark Ruffalo) von der Kriminalpolizei von Los Angeles. Er erkennt, dass der unbekannte Täter stets in der Nähe des Freeway 101 zuschlägt. Loubesnicks Schwächen sind menschlicher Art. Seine Frau Angie (Jennifer Jason Leigh) schmeißt ihn von Zuhause raus; und auch zwei seiner Untergebenen handeln trottelig, schießen auf einen falsch Verdächtigten.

Sharon (Halle Berry) wird von ihren Vorgesetzten als Schwäche ausgelegt, dass sie eine Frau und 53 ist und deshalb ihr versprochener Karrieresprung immer wieder hinausgeschoben wird. Sie arbeitet bei einer Versicherung für Superreiche. Die Schwäche von diesen ist just das Sicherheitsbedürfnis. Das lassen sie sich was kosten mit Sicherheitsdiensten und Versicherungen.

Aktuell ist Sharon an einer Police für die Hochzeit der Tochter des Trillionärs Monroe (Tate Donovan) dran, nicht nur die Hochzeit, auch die Geschenke, da sind für mehrere Millionen Diamanten dabei, sollen versichert werden. Sharon steht kurz vorm Abschluss. Sie wird zugunsten einer jüngeren, neuen Mitarbeiterin abgezogen. Hier entblößt der Film die Versicherungsheinis des blanken Sexismus.

Ganz im Hintergrund agiert Nick Nolte. Er ist der Auftraggeber von Mike. Weil dieser den neuen Job in Santa Barbara für zu riskant hält, lehnt er ab. Dafür bringt Nolte Ormon (Barry Keoghan) ins Spiel.

Eine Figur wie Nolte ist vielleicht diejenige, die sich längst jenseits von menschlicher Schwäche und Sicherheitsbedürfnis positioniert hat. Er steht in dem Game da wie ein alter, verwitterter Baum, dem kein Sturm mehr was anhaben kann.

Umso mehr kommt das Spiel der anderen Figuren in Gang. Es besteht aus dem gegenseitigen sich Beobachten, zufällig jemanden kennenlernen und dann plötzlich gemeinsame Interessen feststellen – oder auch nicht.

Der Thrill spitzt sich zu im Hinblick auf die Monroe-Hochzeit und die Ankunft der Diamanten sowie anderer Hochzeitsgeschenke aus Antwerpen. Hier wird noch auf eine weitere menschliche Schwäche verwiesen, darauf, dass der Trillionär das alles schwarz abwickeln will, um Steuern zu sparen.

Bart Layton lässt von der ersten Sekunde an keinen Zweifel, dass es sich bei seinem Film um einen Top-Thriller handelt. Geschickt montiert er Aufnahmen vom nächtlichen L. A. und dessen belebten Autobahnen unterschnitten mit schwarzen Limousen, Fahrern mit Sonnenbrillen, Details auf Armaturen, eine Pistole wird ins Bild gerückt und wie später ein Mustang auftaucht, ist sofort klar, dass einen noch einiges an vergnüglichen Verfolgungsjagden erwartet, aber auch, dass in dem geschilderten Milieu keiner keinem so richtig über den Weg traut – aus guten Gründen. Ein Heilmittel setzt der Film all dem entgegen: Yoga und der Traum aller Träume des Kleinganoven im Kleinbürger: Walk-Away-Money.

Once Upon a Time in Gaza

Gazawood

Ein weiterer, wunderbarer Kinofilm der zwei Tarantino-Brüder Arab und Nasser Tarzan aus dem Gazastreifen nach Gaza Mon Amour.

Sie sind Kinofans durch und durch und mit dem Titel dieses Filmes referieren sie auf den Tarantino-Film Once Upon a Time in Hollywood. Dort ist Hollywood in die Jahre gekommen; hier ist die Kinobegeisterung unmittelbarer und frischer denn je und wenn Gaza einen Stoff für hollywoodlike Filme liefert, woher sollen sonst die Ideen zu Heldengeschichten kommen?

Sie thematisieren das Filmemachen. Im Film wollen ein Regisseur (Is’haq Elias) und sein Produzent (Said Saada) in Gaza einen Actionfilm drehen. Er wird „Der Rebell“ heißen und soll von einem palästinensischen Helden und Märtyrer handeln.

So simpel erzählen die palästinensischen Filmbrüder Nasser das aber nicht; dazu sind sie zu sehr Filmfreaks.

Dem Film voran setzen sie auf der Tonspur eine Referenz an Amerika, dem Land der Träume; dort träumt ein Amerikaner davon, aus Gaza die Riviera des Nahen Ostens zu machen.

Mit Bildern vom Zustand in Gaza einerseits und den Siedlungen andererseits weiterzumachen, ist unumgänglich.

Der Film springt zurück ins Jahr 2001 und fängt mit dem Boss des späteren Protagonisten, mit Osama (Majd Eid) an. Er ist im Gazastreifen Betreiber einer Falafelbude. Den Mercedes, den er fährt, könnte er sich vermutlich mit Falafel allein nicht leisten. Er dealt mit Drogen; Pillen werden unauffällig dem Falafel beigepackt. Sein braver Mitarbeiter Yahya will das nicht länger mitmachen. Er steckt nicht so tief drin wie sein Chef. Der wiederum ist im Visier des Drogenfahnders Abou Sami (Ramzi Maqdisi). Der möchte aus ihm Namen von anderen Dealern erfahren.

Die Methoden der palästinensischen Polizei sind nicht besser als diejenigen in Diktaturen. Wer Spoiler nicht mag, der muss spätestens hier sich ausklinken.

Osama will nicht mehr mitmachen. Das endet wüst. Der Film springt zwei Jahre vor. Hier fängt er mit der Filmproduktion an, die einen Protagonisten sucht. Sie stößt auf Yahya, der noch lange Haare hat. Er bekommt die Rolle des Rebellen, der Gerechtigkeit für Palästina fordert.

Auf die Dreharbeiten folgt eine Einladung des Filmteams durch den Innenminister, der voll des Lobes über die Produktion ist. Dort begegnet Yahya wieder Abou Sami, den er in übler Erinnerung hat und der jetzt eine Chefposition einnimmt.

Für Spannung ist gesorgt in diesem ersten Actionfilm aus Gaza, wie die Ambition des Filmemachers im Film lautet. Gleichzeitig erhält der Zuschauer einen Eindruck von den Lebensumständen in Gaza mit den dauernden Bombardierungen. Das ist umso wichtiger, als internationale Journalisten nach wie vor keinen oder nur sehr beschränkten Zugang zu dem Gebiet erhalten. Gaza als verbotene Zone für Journalisten. Der Film dürfte keine geschätzte 95 Millionen Dollar wie der erwähnte Tarantino gekostet haben; bringt aber dem Zuschauer eine Menge an Unterhaltung, Spannung und Informationen, aus einer journalistisch unterbelichteten Weltgegend. Hilfreich war da zuletzt auch Die Stimme von Hind Rajab.

Der letzte Walsänger

Sein Lied singen

Diese Message kommt unmissverständlich an bei den den den alten weißen Mann in der Pressevorführung begleitenden Mädchen von 8 bis 16 Jahren. Sie sind unisono der Meinung, dass es schön ist, dass Vincent, der Nachwuchswal, am Schluss sein Lied findet und singt. Die jüngste fand vor allem spannend, dass die Freunde sich zanken und darnach wieder versöhnen und gut angekommen ist auch, dass Leviathan eine Wandlung durchmacht und vor allem, dass er klein wird. Die älteste allerdings fand, dass am Anfang der Verlust der Eltern von Vincent zu schnell erzählt wird.

Insgesamt war das Nachwuchspublikum sehr angetan vom Film und auch der alte weiße Mann hatte sein Vergnügen. Ihm hat am meisten belustigt der falsche Machtmensch, der wie ein König Ubu in den Nordgewässern auf einem grotesken Hüpfburgthron mitten in seinem Schrotthaldenimperium residiert, die Hofschranzen um ihn herum, aufgedonnerte Pinguine. Unwillkürlich musste er an einen amerikanischen Präsidenten denken.

Gefallen hat ihm auch die Relation von Vincent zum kleinen grünen Bolt, der als seine Nanny sich sieht. Der ist ein winziger, Aufmerksamkeit auf sich ziehender Farbtupfer, ein Urbild für Gemeinschaft, Freundschaft und Gefährtenschaft.

Ausgangspunkt ist die Gefährdung der Riffs und dass nur der Walgesang sie retten kann. Vater Humphrey von Vincent war der letzte Wal, der das noch konnte. Der ist aber samt Gattin einem Zusammenstoß mit den Schiffsschrauben eines motorgetriebenen menschlichen Gefährts erlegen und in die ewigen Tiefen des Marianengrabens abgesunken.

Der von Selbstzweifeln geplagte Vincent soll seinen Vater ersetzen. Deshalb macht er sich auf die Suche nach ihm. Das Abenteuerreiseteam besteht aus Vincent, Bolt und dem Schwertfisch. Die Reise führt in die Meerestiefe hinunter.

Hauptgegner ist Leviathan, der eingefroren schadlos gemacht ist. Aber das Eis bricht und er fängt an, das Trio zu verfolgen und giftige Tinte im Meer zu versprühen. Andererseits gibt es faszinierende Korallenwelten und Zaubergärten, die wunderschönen kleinen Tropfen, die im Schwarm ihre Wirkung erzielen.

Es gibt unten die Lehre, dass man ganz in der Tiefe sich selber finden müsse; das Om wird zelebriert; das ist vielleicht etwas viel des Esoterischen und Heilsgeschehens. Aber, der alte weiße Mann ist zufrieden mit dem Film von Pavel Hrubos, Steven Majaury, Reza Memari, der mit Greg Nix auch das Buch geschrieben hat, dass so ein Unterwasserfilm, anfangs waren gar lyrische Momemte festzustellen, dazu noch mit passabler deutscher Tonspur, doch deutlich weniger aggressiv ist als andere, vor allem amerikanische Kinderfilme, die manchmal vor lauter Actionhysterie nicht mehr wissen, was sie erzählen wollen.

Fassaden

Gewalt in der Partnerschaft

Kern dieses ansprechend gemachten Themenfilmes von Alina Cyranek sind vier Interviews mit Frauen, die von ihren Partnern Gewalt erlebt und die es offensichtlich geschafft haben, sich aus den Beziehungen zu lösen.

Gelesen werden die Texte von Sandra Hüller mit ihrer spröden, uneitlen, unprätentiösen Art, so als wundere sie sich wie die Autorinnen nochmal darüber, was sie alles erlebt hat. Sie liest die Texte aus dem Off. Auf der Leinwand sind dazu abwechselnd Tanzimprovisationen eines Paares zu sehen, Standfotos von Häusern und Wohnblocks, in denen solche Dinge passieren oder ausnahmesweise Beweisfotos von Hämatomen.

Zur Aufdeckung von Gewalt in Partnerschaft und Ehe kann die Stadt von Vorteil sein, weil es eher Nachbarn gibt, die Schreie oder anderen ungwöhnlichen Lärm, den das Herumwerfen von Gegenständen erzeugt, hören und die Polizei alarmieren können.

Auf dem Land ist es schwieriger, besonders wenn die Gewalt in einem sozial besseren Milieu passiert, der Mann vielleicht eine lokale Größe ist, so dass niemand sich traut, etwas zu sagen; obwohl alle es wissen.

Zwischen den Interviewabschnitten wartet der Film mit Fachleuten auf, die beruflich mit dieser Art von Gewalt befasst sind, von der Polizei, der Sozialberatung, der Psychologie, aus der Medizin, vom Gericht. Sie werden vor neutralem Hintergrund platziert, kurz vorgestellt und sprechen in die Kamera, geben Einblick in ihr Wissen und in ihre Erfahrungen mit dem Thema.

Die Anfänge einer solchen Beziehung sind oft traumhaft. Die Frau ist vielleicht gerade in einer schwierigen Situation. Da begegnet sie einem außerordentlich charmanten Typen. Liebe nistet sich ein. Er schwärmt ihr das Glück des Lebens vor. Eine gemeinsame Zukunft wird geplant. Sie gibt alles her, gibt alles auf.

Es setzt ein schleichender Prozess sozialer Isolierung ein. Wie das Glück vollkommen scheint, setzt es die erste Kopfnuss. Es ist ein verhängnisvoller Mechanismus, eine Spirale, die sich in Gang setzt und die die Frau immer mehr zur Gefangenen, zur Sklavin in der Beziehung macht.

Wenn immer einer neuer Höhepunkt der Gewalt erreicht ist und die Frau Versuche macht, Hilfe zu holen, ist der Mann völlig umgekehrt, reumütig, winselt, bittet, fleht. Und die Frau lässt sich wieder rumkriegen. Wie beim Film über Kindsmissbrauch Blinder Fleck ist auch hier das Thema der Glaubwürdigkeit vor Gericht ein Punkt. Zugunsten der Frauen können Fotos von Hämatomen und Verletzungen beigezogen werden.

Die Ältern

A displaced Person
oder
Eberhofer in Hamburg

Wer seinen Eberhofer (Sebastian Bezzel) liebt, der kann ihn jetzt in Hamburg haben in der Rolle des Erfolgsautors Hannes. Der hatte mit einer Buchreihe mit dem Begriff „Dunstkreis“ im Titel die Grundlage für ein gutes Autorenleben gelegt inklusive unübersehbaren Wohlstandsbauches, Haus für eine protoypische Familie mit seiner Frau Sara (Anna Schudt), zwei erwachsenenen Kindern: Carla (Kya-Celina Barucki), die schon 21 ist und sich nach einer eigenen Wohnung sehnt und Sohn Nick (Philip Müller), der unlustig fürs Abi pauken soll.

Von den weiteren Rollen ist beim Filmportal nur noch Vanessa als Judith Bohle identifizierbar. Hannes steckt in einer künstlerischen Krise. Er kommt mit seinem neuen Buch nicht voran und sein Verleger will die Reihe endgültig einstellen. Gleichzeitig wird er, das ist nun wirklich eine ausgewachsene Midlif-Crisis, mit dem Wunsch der Tochter konfrontiert, dass sie ausziehen will. Sie sucht eine Dreizimmerwohnung. Wieso? Weil nämlich auch die Mutter gleichzeitig mit ihr ausziehen will.

Eberhofer, oh, pardon, Hannes fällt aus allen Wolken. Ihm ist überhaupt nicht aufgefallen, dass, als sie das letzte Mal Sex hatten, es noch eine Bundeskanzlerin gegeben hat. Der echte Romanautor Jan Weiler, der mit Robert Gold auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt Hannes über Vanessa stolpern, dreimal, bis sie sich zum Kaffee treffen. Gut vorstellbar, dass in dem Buch auch autobiographische Elemente mitschwingen; das ist nicht weit hergeholt, wenn Autoren über Krisen von Autoren schreiben.

Sönke Wortmann jedenfalls setzt gewohnt souverän in Bilder um, was ihm das Drehbuch vorsetzt mit Schauspielern, die eine Casterin zusammengewürfelt hat. Man denkt unwillkürlich und irgendwie wehmütig an Wortmanns Debütfilm „Kleine Haie“, an seinen talentierten Umgang damals speziell mit den jungen Schauspielern und wie er sie darstellerisch zum Glänzen gebracht hat.

Was hier verfilmt wird, ist eine Literatur, die ihren Erfolg offenbar darin begründet, dass sie unbeschwert surft auf den Wellen trendiger Familienprobleme, zeitgeistnah, modisch, allerweltshaft.

Das Zimmer der Tochter sollte mal wieder gelüftet werden, meint der Vater. Und wie riecht ein Vater? Probleme sind das. Oder auch ein Jungspullover, der eine abenteuerliche Reise hinter sich hat, muss, das belegt eine Extraszene, in der Waschmaschine gereinigt werden. Putzige Familienhygiene.

Der Sohn ist am Uwe Seeler Gymnasium. Und wenn in Deutschland ein Drehbuchautor nicht weiter weiß, dann darf ein Darsteller die Frage stellen: „Was ist denn hier los?“ oder er lässt die Hauptfigur voice-over erzählen, was zu schwierig erscheint, um in Kinosprache übersetzt zu werden. In Kattenvenne macht Hannes Station auf Lesereise vor dürrem, lungenkrankem Publikum.

Kommentar zu den Reviews vom 5. Februar 2026

Heute tut sich im Kino eine extrem weite Spanne zwischen Furcht, Schrecken und Glück auf, geographisch wie psychologisch. In Südkorea zeigt sich eine Kluft zwischen Gegensätzlichem: Zwischen einer Einheimischen und einem Europäer vibriert es ganz zart und ein anderer Südkoreaner überschreitet sämtliche Grenzen des Anstandes, des Erlaubten, des Legalen und des guten Geschmacks, wie er um sein wirtschaftliches Überleben kämpft. In Amerika gibt es einen verwirrenden Einblick in die Bilderkatastrophen im Kopf eines Künstlers. Ein Paradejugendlicher steht im Zentrum einer deutschen Literaturverfilmung. Im Irak soll ein Mädchen für einen Massenmörder etwas Feines zubereiten. Für eine koreanischen Boyband gibt es einen Konzertfilm. An den milden Gestades eines idyllischen Alpenrandsees in Italien hat sich das Glück rar gemacht. Im Hohen Norden jenseits des Plarkreises sollen junge Menschen Freiheit von der Netzwelt und Selbstvertrauen gewinnen. An der Küste des Nordsees wird versucht, ein Stück deutscher Literatur kinematographisch zu verlebendigen.

Kino
NO OTHER CHOICE
Der Kapitalismus zwingt einen ja dazu.

WINTER IN SOKCHO
Verhalten-zart koreanisch-französische Begegnung

RETURN TO SILENT HILL
Künstlertraumata? Menschheitstraumata?

UNGEDULD DES HERZENS
Deutsche Literaturverfilmung

EIN KUCHEN FÜR DEN PRÄSIDENTEN
… auch wenn er ein blutrünstiger Diktator und Massenmörder ist.

ARCHITEKTUR DES GLÜCKS
Von einem Dorf, das vom Glücksspiel verlassen wurde.

STRAY KIDS: THE DOMINATE EXPERIENCE
Aus dem Fanshop

FOLKTALES – MIT SCHLITTENHUNDEN INS LEBEN
Die Nornen stricken an ihren roten Schicksalsfäden.

DER SCHIMMELREITER
wird doch nicht etwa Schimmel angesetzt haben?

Stray Kids: The DominATE Experience

Only Fans

Diese Dokumentation von Paul Dugdale und Farah Khalid dürfte gezielt für die Fans der koreanischen Boy-Group Stray Kids gedacht sein. Die Fans werden voll auf ihre Kosten kommen und sparen sich, wenn sie anstatt zum Konzert ins Kino gehen, eine Menge Geld. Sie bekommen ihre Stars ganz nah und Konzertauftritte satt von deren dritten Welttournee, DominATE.

Es ist eine souveräne Konzertdoku mit all den wilden Kamerafahrten, den Lichteffekten, den Feuereffekten; es ist Show total.

Die Boys immer in der Gruppe, immer uniform gekleidet, mal dunkel, mal hell und dann noch unterstützt von bestimmt mehr als einem Dutzend Tänzern und unzähligen Musikern; zu schweigen von der technischen Mannschaft und den Roadies im Hintergrund.

Sie haben riesige Wege auf eigens gebauten Bühnen und Laufstegen zu bewältigen, das Mikro immer dicht am Mund, als Maßgabe gilt, den einen Finger unten an der Nase anzulegen. Sie tanzen wild und es kommt einem kurz ein Flashback an „The Testament of Annne Lee“ (ab 12. März im Kino) und die ekstatischen Bewegungen der Shaker.

Als gediegene Zugabe zur Musik werden die Protagonisten einzeln vorgestellt. Sie sitzen vor einem Vorhang, auf dem die Konzertdoku weiterläuft, sie erzählen von sich, wie traumhaft es ist, dass sie es bis hierher geschafft haben, dass sie die Menschen erfreuen wollen in trüben Zeiten, dass es sie Überwindung gekostet hat, dass sie den Teamgeist der ‚Members‘ schätzen. Von Zukunft spricht keiner. Ewig werden sie nicht jung und nicht Idole bleiben.

Das Publikum wird immer wieder dazwischengeschnitten, der Blick in die Megaarenen, die tausenden von Handy- und anderen Lichtlein; die überwältigten Gesichter der primär weiblichen Fans. Eine Frau hat ihren BH einem der Protagonisten auf den Kopf geworfen; so sieht es jedenfalls aus. Ganz ohne Skurrilität ist die Show nicht. Einmal gibt es einen Auftritt im Schottenrock und einmal sogar eine clowneske Nummer mit einer schwarzen Box, bei der es gilt, einen roten Knopf zu drücken; leider nicht den Knopf für das Ende der Show.

Für den Nichtfan zieht es sich hin; er hat als nicht Musikspezialist das Gefühl, die haben nur eine Melodie, die sie ständig im selben Rhythmus singen und vor allem entsteht bei dem Konzert in L.A der Eindruck, dass sie nicht enden wollen mit dem Film und der Show, da wird eine Ehrenrunde der Band auf zwei von Männern gezogenen und geschobenen Podesten durch das lange Rund der Arena in voller Länge, wie es scheint, gezeigt und dann ist immer noch nicht Schluss. Ja, es ist nicht leicht, von so einer Stimmung, von so begeisterten Fans sich zu trennen.

Return to Silent Hill

Künstlers Alpträume

Zu dieser Bilderwelt, die Seinsgewissheiten erschüttern kann, mag man verschiedene Zugänge versuchen.

Auf der sicheren Seite dürfte derjenige sein, der den Vorgängerfilm von 2006 kennt. Den hat ebenfalls Christophe Gans gedreht, der jetzt mit Hiroyuki Owaku und William Josef Schneider auch das Drehbuch geschrieben hat. Ebenfalls auf der sicheren Seite dürfte sich befinden, wer das dem Film zugrunde liegende Videospiel kennt.

Für den Silent-Hill-Unbedarften könnte ein Schlüssel die Eingangssequenz sein. James Sunderland (Jeremy Irvine) rast mit einem sportlichen Wagen mit Massachusettes-Kennzeichen eine kurvige Bergstrecke hinan. Wie er einem LKW ausweichen will, gerät er ins Schleudern und fährt schier Mary Crane (Hannah Emily Anderson) um. Sie wartet dort mit mehreren Koffern auf den Autobus.

In der Hektik des Ausweichmanövers schüttet ein Koffer seinen ganzen Inhalt auf die Straße, wenn das nicht schon mal Symbolik fett ist. James hilft ihr beim Zusammensammeln. Sie verpasst den Bus. Er nimmt sie mit, zurück nach Silent Hill. Oder auch: in die Unordnung in seinem Kopf. Sind die ganzen Bilder vielleicht so, wie man es oft von Nahtoderlebnissen hört, ein wilder Bilderverhau aus einem Schock, wie dem Ausweichmanöver heraus?

Dieser Zugang über die Eingangsszene bietet sich verstärkt an, da sie zweimal vorkommt im Film, der Koffer sich zweimal entleert. Seelenmüllentsorgung?

Zweite Zugangsmöglichkeit wäre die Psychiatrin, die den Protagonisten immer wieder anruft und um ihn besorgt ist, ihn an Termine erinnert. Einmal spricht sie von Traumata eines Veteranen. Veteran von welchem Krieg, Afghanistan?

Es ist schwierig, sich für einen Zugang zu entscheiden, als der Bilderwelt in diesem Film durchgehend etwas Gekünsteltes, Nachbearbeitetes anhaftet. Es ist nicht so, dass irgend eine Szene auch nur annähernd realistisch präsentiert wird, nicht mal die Ausweichmanöverszene am Anfang. Hier ist die Landschaft dahinter wie künstlich erhellt.

Einen dritten Ansatz bietet der Besuch im Atelier von James. Er ist Maler. Er hat auf seiner Staffelei ein Selbstporträt in Arbeit. Das verunstaltet er. Er wandert durch die Galerie all der Frauen, die ihm im Kopf herumgehen.

Das Wetter ist extrem, Unwetter, Regen. Die Traumata erzeugen Zombiefantasien, künstlerisch geschmackvoll, fantasievoll. Man bekommt den Eindruck, man müsse Traumdeuter werden. Das Lakeview-Hotel am See brennt einmal aus. Das Wasser spielt eine Rolle, Nebel, das Feuer. Graue Ruinenlandschaften, die im nächsten Moment wieder belebt sind.

Es ist einer der Film, bei denen man froh ist, beim Verlassen des Kinos wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, eine Realität, die man für glaubwürdig hält, die Kinoschaufenster, die geparkten Autos auf der Straße, die Passanten. Es ist ein Film, der konsequent an Gewissheiten kratzt. Vielleicht auch das Porträt des Künstlers als eines geplagten, traumatisierten Menschen, der nicht loslassen kann.

Go ahead, make my day.