Kommentar zu den Reviews vom 16. Mai 2024

Mögen die in Cannes ihre Stofffetzen oder Tüllberge über den roten Teppich schleppen, egal, komisch, grotesk oder was auch immer, solange es dem Kino hilft, ist das wunderbar! Was uns nicht daran hindert, uns unverdrossen weiter dem aktuellen Kinoprogramm auszusetzen, um die Filme frei von Festivaltohuwabohu und -bohei anzuschauen und um Texte zu erstellen, die so plausibel wie möglich darüber berichten. Den Filmen so zu begegnen, wie sie sind, wenn sie sich nicht dem hochgepushten gesellschaftlichen Magnetfeld eines Topnotch-Festivals ausgesetzt sehen. Ach so, es gibt ja neben dem Weltkino auch das subventionierte deutsche Kino. Die führen so ein bisschen Eigenleben daneben. Die pissen plakativ und mit Millionen öffentlicher Gelder subventioniert auf den roten Teppich, wie kürzlich der Flyer zum Bad Director zweifelsfrei zu verstehen gegeben hat.

Für diejenigen, die im Lande bleiben: heute stellt sich das Kino recht differenziert und breit aufgestellt elementaren Grundfragen. In der Türkei der Frage, was denn die Intelligenzia mit ihrem Leben und ihrer Energie anfange. In Italien geht es um tiefgreifende familiäre Verwicklungen. In Frankreich geht es um Lebensrettung mittels Empathie. Aus Amerika gibt es ein kinderfreundliches Rezept gegen das Alleinsein. Deutschland beschränkt sich auf die Betrachtung einer weiblichen Karriere. Eine amerikanische Schauspielerin gönnt sich ein Zweipersonenstück. Und in Skandinavien versucht sich ein Regisseur am Remake eines eigenen Werkes. Auf DVD meldet sich ein Brite, der sozial wie künstlerisch ein fokussiertes Interesse am Humanismus hat.

Kino

AUF TROCKENEN GRÄSERN
Ihr gebildeten Lehrer, wie setzt Ihr Eure Intelligenz ein?

DER KOLIBRI – CHRONIK EINER LIEBE
Familienchronik wie mit Aquarelltechnik auf die Leinwand getupft

DAS ZIMMER DER WUNDER
Wenn Mutter nach der To-Do-Liste des im Koma liegenden Sohnes tanzt.

IF: IMAGINÄRE FREUNDE
Das ist die Lektion: imaginäre Freunde helfen Kindern gegen Einsamkeit.

JOANA MALLWITZ – MOMENTUM
Mit Feminismus muss man ihr nicht kommen – sie macht nur ihre Arbeit.

WHAT HAPPENS LATER
Meg Ryan hat ein Zweipersonenkonversationsstück für sich und einen Partner inszeniert. Manche Kritiker regen sich auf darüber.

NIGHTWATCH: DEMONS ARE FOREVER
Der Film, den derselbe Regisseur vor 30 Jahren schon mal gemacht hat, scheint sich nicht groß verändert zu haben.

DVD
THE OLD OAK
Britischer Altmeister mit Herzenswärme

Auf trockenen Gräsern

Was macht Ihr mit Euerm Geist?

Ihr seid gebildet, seid für die Weitergabe der Kultur verantwortlich, damit für die Humanität. Ihr seid Lehrer, damit auch Vorbilder, Repräsentanten für den geistigen Zustand eines Landes, für die Türkei mit ihrer menschen- und demokrativerachtenden Politik.

Was tut Ihr, handelt Ihr, verändert Ihr etwas? Und womit beschäftigt Ihr Euch, auch wenn Ihr im Osten der Türkei lebt, da wo die Kurden unterdrückt werden, da, wo es Attentate gibt und bis vor kurzem richtig Krieg?

Das sind Fragen, auch, was Charakter sei, die man aus diesem neuen Meisterwerk von Nuri Bilge Ceyland (Once upon a time in Anatolia, Winterschlaf, The Wild Pear Tree) ablesen kann.

Die politische Situation der Türkei spielt nur am Rande mit, sie wird nicht explizit, bis auf vielleicht eine Diskussion, angesprochen. Der Film schildert das, womit sich diese Lehrer in der Provinz in diesem Winterhalbjahr, in dem der Film spielt, beschäftigen.

Es fällt der Name der Ortschaft Incesu als geographischer Orientierunspunkt. Es sind nicht die Probleme der Weltveränderung, sondern des persönlichen Sich-Einrichtens, die Frage der Versetzung, hier vielleicht der Traum von Istanbul, der Kauf eines neuen Autos, das Problem mit der Mutter, die möchte, dass ihr Sohn, der Lehrer ist, endlich heiratet oder es geht auch darum, Kleider an die Kinder zu verteilen.

Größeren Erzählraum nimmt die Geschichte des Lehrers – und Protagonisten – Samet (Deniz Celiloglu) mit der frühreifen Schülerin Sevim (Ece Bagci) ein. Sie hat einen Liebesbrief an ihn in ihrer Schultasche. Er schenkt ihr einen Taschenspiegel. Es kommt zu Denunziationen und merkwürdigen Verfahren in der Schule. Es wird aber nicht so sensationsheischerisch aufbereitet wie das Lehrer-Schülerinnenverhältnis in Millers Girl. Ja, die Causa wird stillschweigend ad acta gelegt.

Viel Augenmerk legt der Film auf die Lehrer-WG in der Lehrerwohnung von Samet und mit dem Kollegen Kenan (Musab Ekici). Kenan ist eher der unkomplizierte, gewinnende Typ, während Samet mehr in Richtung das Lehrers Paul von Paul Gamatti aus The Holdovers geht, mit einer Tendenz zum Grüblerischen, Selbstreflektorischen.

Die beiden Kollegen wohnen in einer Schulwohnung. Sie unterhalten sich oft über das Leben, die Frauen, die Schule, das Verhältnis zu den Eltern, die Träume des Ortswechsels. Einige dieser Gespräche finden filmschön an einer Qelle in der verschneiten Winterlandschaft Anatoliens statt, wenn die WG-Kumpels Wasser holen.

In diesem 2-Männer-Geschichtsstrang taucht unvermittelt eine Frau auf. Sie ist ebenfalls Lehrerin, Nuray (Merve Dizdar). Sie scheint mir eine dieser 7-W-Schauspielerinnen zu sein, die vor jedem Auftritt sich sieben Fragen durch den Kopf gehen lassen, wer bin ich, wo komme ich her, wo gehe ich hin, was will ich usw.

Diese Beherrschtheit kann auch mit der Rolle zu tun haben. Sie hat bei einem Attentat ein Bein verloren, läuft jetzt mit einer High-Tech-Prothese herum. In dieser Dreier-Konstellation sind Melodram und RomCom zugleich angelegt. Klar ist, dass ihre Sympathien eindeutig zu Kenan neigen. Samet dagegen macht sich seine Überlegungen.

Es ist ein Winterfilm, der ganz nebenbei auch die nicht unbedingt vorbildlichen Zustände an türkischen Schulen schildert. Es ist ein Film, der sowohl seinen Titel als auch sein Plakatbild von einer angehängten Szene holt, die eine Kinofantasie vor dem Hintergrund eines romantischen Nihilismus sein mag.

Und noch einen Kunstgriff hat Nure Bilge Ceylan sich ausgedacht. Kurz vor der möglicherweise heißesten Liebesszenen im Film verlässt der Protagonist das Set des anatolischen
Elternhauses von Nuray, landet in vielfältigen Studiokulissen einer riesigen Halle, sucht gezielt das WC auf.

Diesen Riss in der Erzählung mag sich erklären, wer will. Oder er mag das Geheimnis des Meisters bleiben. Aber das sind oft die Dinge, an denen sich die Erinnerung am leichtesten festklammert, gerade bei einem Film, der mit so einer detaillierten Fülle, auch der Charakterisierung der Figuren, die Nähe des Lebens sucht und auch findet. Und dann gibt es da, als weiteren Kunstgriff, Einsprengsel hervorragender Porträtfotografie.

Nightwatch: Demons are forever

Gestörte Familienverhältnisse allerorten.
Auf Täterseite. Auf Opferseite.

Auf der Täterseite ist es Kommissar Wörmer (Ulf Pilgaard), ein Psychpath, der seine Opfer skalpiert, der im tiefsten Verlies der Anstalt St. Hans einsitzt und praktisch vergessen ist. Auf seiner Seite gibt es Bent (Capser Kjaer Jensen). Den lernen wir im den Film eröffnenden Verhör kennen. Jugendlich irre Grinse. Ein Nachahmungstäter, ein Trittbrettfahrer? Der Kommissar soll ein Kind gehabt haben.

Mehr interessiert sich dieser Film von Ole Bornedal, der offenbar schon 1994 denselben Film mit dem Titel Nightwatch gemacht hat, für die Opferseite. Deren Protagonistin ist die Medizinstudentin Emma (Fanny Leander Bornedal). Ihr Vater Martin (Nikolaj Coster-Waldau) lebt noch, ist arbeitslos und war zu aktiven Zeiten des Psychopathen Wörmer Nachtwächter in der Pathologie. Die Mutter war mit dem Fall befasst und hat im Sommerhaus der Familie Selbstmord begangen. Emma hat die Mutter gefunden. Das kann nicht ohne Folgen bleiben.

Die Opferseite wird unterhaltsam auf dem Level von Pathologenwitzen vorgestellt. Es gibt eine Pathologievorlesung, bei der auch Kommilitonen von Emma dabei sind, Frederdik (Alex Hogh Andersen), Sofus (Sonny Lindberg), Maria (Nina Terese Rask).

Eine Gruselspur legt der Film ganz cool, indem er Emma sich für den Nachtwächterjob in der Pathologie bewerben lässt; sie braucht Geld. Sie findet heraus, dass der Mann, der ihre Mutter offenbar in den Tod getrieben hat, noch lebt. Freund Frederik verschafft ihr mit einem Fake-Anruf Zugang zur Anstalt.

Emma begibt sich damit in eine Welt der gekonnt, ja überaus gekonnt dargestellten Schaudergeschichten, die gelegentlich mehr dem Schauder denn der Logik dienen, aber fein skandinavisch.

Hintergrund dafür bilden Thesen zur unterschiedlichen Rachemechanik von Frauen und Männern, Männer würden sofort explodieren, während Frauen seien wie Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die ewig vor sich hinrosten.

IF: Imaginäre Freunde

Allein in New York III

Allein in New York war hier schon der Little Fugitive – Der kleine Ausreißer, Alleingelassen von Mutter und Bruder treibt er sich auf Coney Island herum und freundet sich dort an. Kürzlich allein in New York und dann prompt auch auf Coney Island war ein gezeichneter Hund mit seinem Roboterfreund (Robot Dreams), den er dort zurücklassen musste.

Jetzt im Spielfilm von John Krasinksi, zu dem er auch das Buch geschrieben hat, ist Bea zuerst allein in New York und dann auch auf Coney Island. Beas Rezept gegen das Alleinsein ist ein anderes, sie entwickelt imaginäre Freunde. Das erkärt der Film gut verständlich.

Bea kommt nach New York, weil ihr Vater im Knight Country Krankenhaus liegt. Bea, die sich nur B nennt, kommt im stolzen alten Bürgerhaus mit getäferten Wänden im Treppenhaus unter bei ihrer Oma. Diese hat Kinderzeichnungen von ihr aufgehoben. Die 12-jährige will sich erwachsen fühlen und davon nichts wissen. Aber sie kann der Kindheit nicht entkommen, die imaginären Freunde lassen sie nicht in Ruhe.

Blossom verfolgt B und führt sie ins Zimmer ihrer Kindheit in dem Haus. Dort findet sie weitere imaginäre Freunde, Blue taucht auf, ein überdimensionierte blauer oder violetter Plüschbär, es ist dabei ein erwachsener Mann, nicht unähnlich ihrem Vater, der sie quasi an der Hand nimmt.

Nicht alle können die imaginären Freunde sehen. Der Junge Ben, der mit gebrochenem Bein im Krankenhaus liegt, hat wohl nicht Fantasie genug.

Ein kleiner Erzählstrang ist die Suche nach solchen Freunden für den Katalog. Sie müssen sich wie bei einem Casting vorstellen.

B und einige ihrer Freund statten später Coney Island einen Besuch ab. Da wimmelt es von Fantasiefiguren. Viele davon sind ausgebaute Alltagsgegenstände, wie eine Banane oder ein Glas Milch.

Das Heilserlebnis im Film ist es, wenn B und ihre Mannschaft es schaffen, die imaginären Figuren bei Erwachsenen wieder sichtbar zu machen. Das gelingt bei der Oma, die plötzlich zu einer Grammophon-Musik wieder tanzt. So ein Erlebnis wird musikalisch bis ins Sakrale hinein erhöht. Es ist gekonntes, konventionelles amerikanischer Gefühls- und Erklärkinderkino.

Der Kolibri – Chronik einer Liebe

Und fliegt und fliegt und bleibt doch stehen,

so wird in diesem Film von Francesca Archibugi, die mit Laura Paolucci und Francesco Piccolo auch das Drehbuch geschrieben hat, die Hauptfigur Marco Carrera charakterisiert, weshalb er auch Kolibri genannt wird (in der ältesten Variante eindrücklich gespielt von Pierfrancesco Favino).

Es ist eine Familiensaga über mehrere Jahrzehnte über die Carreras aus Florenz. Am Tyrrhenischen Meer in der Nähe von La Spezia hat die Familie eine Villa an der Steilküste, wo mehrere verlockende Sommeranwesen verwirrend ineinander gebaut sind.

Direkt neben der Sommerresidenz der Carreras ist diejenige der Familie Latte. Während die Carreras zwei Söhne und eine Tochter haben, fällt bei Lattes vor allem Luise (in der ältesten Variante gespielt von Bérénice Bejo) auf. Die Jungs sehen sie gerne etwas erhöht über dem Level der eigenen Familienvilla.

Vielleicht ist das ein gelungener, erzählerischer Trick, dass Francesca Archibugi in den Anfangsszenen die ganze Familie vorstellt. Es gibt da noch Papa und Mama, später die Ehefrau Marina (Kasia Smutniak) von Marco.

Der Zuschauer sieht sich im ersten Momen vor einem Rätsel. Auch wenn relativ schnell in den Zeitebenen zwischen der Mitte des letzten Jahrhunderts mit Zwischenstufen bis heute gewechselt wird. Aber vielleicht genau so verwirrend, dass der Rätselinstinkt in einem geweckt ist und man versucht, die Zusammenhänge herzustellen.

Da die Figuren andererseits exquisit gecastet sind, gerade auch im Hinblick auf die Kontinuität durch die Jahrzehnte und ebenso exquisit von der Regie geführt und beim Marco sind es Blick und Brille, die ihn schnell in jedem Alter identifizieren lassen, ist das Interesse an der Geschichte dieser Familie geweckt, die in der Art eines pointillistischen Kinos die Szenen leicht hintupft, wie zufällig wirkt das, ergibt aber schnell den großen Zusammenhang.

Die Verrückheiten in der Familie, die Unzlänglichkeiten, all das Unpassende zwischen den Charakteren und den Geschlechtern und ein paar Wahnsinnsdinge, finden so ihren sinnigen Platz.

Zudem weckt der Besuch des Psychiaters Daniele Carradori (Nanni Moretti) bei der Frau von Marco, Letizia (Laura Morante), das Interesse, nicht nur, weil er Intimitäten, die den Beratungsraum des Seelendoktors nicht verlassen sollten, ausgeplaudert werden, sondern weil offenbar eine Gefahr für den Ehemann bestehe.

Hier erfährt Marco auch, dass seine vorgeblich platonische Liebschaft zu Luisa, die sich nach Paris verzogen hat und im Wesentlichen aus Liebesbriefen bestehe, nicht so geheim ist, wie er denkt.

Ein weiteres Element im Game dieser Familie ist das Pokern, dem Marco unwiderstehlich frönt. Bei einem geplanten Flug nach Ljubljana über Zypern mit einem Pokerfreund, rastet dieser im Flugzeug aus, so dass die beiden den Flug nicht antreten können. Das Flugzeug stürzt ab. Keiner der Insassen überlebt. Das wird später den Faden zu Marina spinnen. Ziemlich crazy Geschichte.

Der Film wechselt in der Location zwischen dem eleganten Familiensitz an den Abhängen von Florenz, der Villa am Tyrrhenischen Meer und einigem Beifang in Bars, Flughafen, Kliniken und anderen, auch geheimeren, mondänen Örtlichkeiten und zwischendrin gibts einen Blick auf Florenz.

Ein spezielles Zückerchen hält der Film für Eisenbahnmodellbaufans bereit. Und Pierfrancesco Favino erinnert als Marco mit seiner dicken Brille im Alter und mit den großen Augen an Alec Guiness als Carrés Smiley.

Das Zimmer der Wunder

Heilende Empathie

Thelma (Alexandra Lamy) ist eine überforderte, alleinerziehende Mutter mit Söhnchen Luis (Hugo Questel). An der Schule hat Luis Disziplinarprobleme, schlägt deutlich ältere Jungs. Während Mutter ihn zur Schule begleitet, wird sie durch einen Handy-Anruf abgelenkt. In diesem Moment wird Luis von einem Auto angefahren. Diagnose: Hirnblutung. Er liegt auf unbestimmte Zeit im Koma.

Das Schockereignis hat Mutter aus ihrer Lethargie dem Buben gegenüber aufgeschreckt. Aber jetzt will sie alles für ihn tun, was ihn heilen kann. Das bedeutet, dass sie so oft wie möglich an seinem Krankenbett ist, ihm die Hände massiert, ihm Geschichten erzählt.

Erfolg verspricht sich die Mutter von einem Tagebuch, das sie zufällig unter seiner Bettdecke findet. Hier hat der Bub nebst erstklassigen Zeichnungen auch eine To-Do-List aufgeschrieben von Dingen, die er erleben möchte.

Das ist das zentrale Ereignis dieses Filmes, das ist das, was er in der Regie von Lisa Azuelos leichthändig nach dem Drehbuch von Juliette Sales und Fabien Suarez über und über zelebriert, wie die Mutter dem Sohn dessen Wünsche erfüllt.

Da kennt die Mutter keine Scheu noch Mittel. Bis nach Japan fliegt sie wegen eines Autogrammes eines Mangazeichners. Sie will mit Walen schwimmen; dafür braucht sie extra einen Tauchkurs. Sie will für Luis, dass jemand die prallen Brüste einer Frau anrührt – Luis ist 11 – und sie testet halluzogene Pilze. Ja sie sucht sogar den Erzeuger von Luis auf, der von seinem Glück gar nichts weiß und als Pilot auf den Shetlandinseln zugange ist. Er lebt zusammen mit einer hochschwangeren Frau.

Der Film überträgt diesen grenzenlosen Optimismus, den Glauben daran, mit Empathie zur Heilung beitragen zu können. Das betont er noch mit pausenlos dicker Glücksmusik, mit Optimismusmusik. Eine Heilsgeschichte, ein Rundum-Feelgood-Movie, das in Frankreich großen Erfolg gehabt haben soll.

What Happens Later

Zwei-Personen-Konversationsstück

Vor Jahren ein Erlebnis an einer Theaterkasse, erfährt die potentielle Zuschauerin, dass es sich bei dem von ihr angefragten Stück um ein Zweipersonenstück handelt, worauf sie sich dann doch für eine Aufführung mit mehreren Darstellern entscheidet. Will sagen, man muss das schon mögen, sowieso im Theater, aber erst recht im Kino, wenn es praktisch nur zwei Protagonisten gibt und diese kaum Aktion haben, sondern vielmehr pausenlos Texte austauschen.

Erschwerend kommt hinzu, dass diese Gespräche in den Warteräumen eines abgelegenen Provinzflughafens in den Vereinigten Staaten stattfinden. Ein Unwetter bringt die Flug- und Umsteigepläne durcheinander.

Es ist der 29. Februar und der ist schicksalshaft für die Wiederbegegnung von Will (Meg Ryan) und Bill (David Duchovny). Das letzte Mal, als sie sich so über den Weg liefen, war vor 6 Schalttagen, also müssen es über 20 Jahre her sein. Auch seit ihrer Verliebtheit.

Logisch, dass die anfangs verlegenen Gespräche, die den Small-Talk gleich thematisieren, nach und nach der Aufarbeitung der Vergangenheit, dem Aufdecken von Nichtgewusstem und einer Wiederannäherung dienen.

Das Theaterstück „Shooting Star“ von Steven Dietz ist solide gebaut. Meg Ryan hat das vielleicht auf der Bühne gesehen und eine Rolle für sich gewittert. Sie hat das Theaterstück zusammen mit Kirk Lynn und Steven Dietz zum Drehbuch umgearbeitet, sie ist Mitproduzentin und hat auch gleich neben Hauptrolle, die wegen Arthrose hinkt, die Regie übernommen.

Da sich Meg Ryan mit einem professionellen Filmapparat umgeben hat, ist daraus ein ordentliches Kinostück geworden. Aber wie gesagt, man muss Zweipersonenstücke und Meg Ryan selbstverständlich mögen.

Kommentar zu den Reviews vom 9. Mai 2024

Im Kino kämpfen die unterschiedlichsten Filme darum, wahrgenommen zu werden. Die Amis versuchen es mit einer anrührenden Freundschaft-gegen-das-Alleinsein-Story aus der Großstadt einerseits, mit einem mächtigen Dschungelepos andererseits. Die Europäer antworten mit einer engagierten Fotografin aus dem Amazonas. Die Amis setzen mit einem weiteren anrührenden, vor allem actionreichen Animationsfilm nach. Das kümmert die Franzosen weniger, sie bleiben ihrem ureigensten Thema, der Liebe mit einem neuen Variantenvorschlag treu. Transatlantisch gibt sich eine Sängerin mit genuin feministischer Botschaft. Die Amis wiederum wollen vor allem Geld verdienen mit züchtigen Anzüglichkeiten für ein Zielpublikum. Die Deutschen betrachten wohlwollend eine Gattung von Tanznachwuchs und miesepetrig das eigene Subventionsnest (darauf pissen sie laut Plakat). Auf DVD geht es in amerikanischer Produktion in Russland um nichts weniger als um das Leben und in Britannien treibt die Retrokinophantasie eigentümliche Blüten.

Kino
ROBOT DREAMS
Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.

PLANET DER AFFEN: NEW KINGDOM
Auch hier geht es um Befreiung in herrlich überwucherter Zivilisation.

DIE VISION DER CLAUIDIA ANDUJAR
Eigentlich: Agit-Prop-Fotografin

GARFIELD: EINE EXTRA PORTION ABENTEUER
Pizza per Drohne schützt vor Entführung nicht.

IT’S RAINING MEN
Wenn die Ehefrau für den Ehemann nur noch Teddy zum Einschlafen ist.

TEACHES OF PEACHES
Unterwäsche-Rock-Oma

BEAUTIFUL WEDDING
Vom Hangover nach einer nicht so recht erklärbaren Hochzeit.

DANCING HEARTBEATS
Breaken, Duelle, Battles, Moves, Wettbewerbe: Einsatz radikal

BAD DIRECTOR
Pöbelkino

DVD
THE LAST KUMITE
Gefangen in einer Alles-oder-Nichts-Situation

LOLA
Wer viel Phantasie hat, mag das glauben.

Go ahead, make my day.