Kommentar zu den Reviews vom 20. Januar 2022

Im Kino gibt’s lauter Dinge der Unmöglichkeit. Krankheitsdiagnose durch Urinanalyse? In Tschechien ging das über mehrere politische Systeme hingweg. Die Provinztruppe auf der grossen Showbühne? Im amerikanischen Kino immer mal wieder möglich. Als Medientalent Millionäre ausnehmen? Die Alptraum-Allee macht’s möglich. In Georgien fallen die Wunder vom Himmel. In Wien wird die Realisierung des Unmöglichen um Projekt gemacht. Im Lockdown geht in Helsinki immer noch was. In Bremen bringt eine Massenmörderin noch unter behördlicher Aufsicht Menschen um. Auf DVD irrlichtert das italienische Familienmodell und eine Französin zeigt dem Kapital, was Kunst ist. Im Fernsehen gab es Lockdown-Bilder aus dem Burgenland.

Kino
CHARLATAN
Urinanalyse über politische Systeme hinweg.

SING
Üppig bunt

NIGHTMARE ALLEY
Künstlerpfuhl mit allen Facetten

WAS SEHEN WIR, WENN WIR ZUM HIMMEL SCHAUEN?
Wir sehen den vielfältigen Bilderreichtum einer Stadt in Georgien.

AN IMPOSSIBLE PROJECT
Unmögliches wird sofort erledigt.

EINE NACHT IN HELSINKI – GRACIOUS NIGHT
Nomaden der Corona-Nacht

EFFIGIE – DAS GIFT UND DIE STADT
Eine hinterhältige Mörderin im historischen Bremen.

NIEMAND IST BEI DEN KÄLBERN
A displaced Person

DVD
DRIFTERS
Die angeschlagene italienische Familie

DER ROSENGARTEN VON MADAME VERNET
Rosenkunst gegen Rosengeschäft

Fernsehen
VAKUUM
Lockdown-Allerlei aus Österreich.

Nightmare Alley

Künstlers Romantik-Traum

Im Sinne einer romantischen Vorstellung von Künstlertum, von Urkünstlertum, von ursprünglichem Künstlertum. Künstler sein beim fahrenden Volk, auftreten in einem „Odditorium“.

Den Schauspielertraum erfüllt sich Bradley Cooper mit der Rolle des Mediums Stanton Carlisle in der Verfilmung eines Romans von William Lindsay Gresham, der vor 75 Jahren schon einmal verfilmt worden ist („Der Scharlatan“) und 1941 spielt. Jetzt führt Guillermo del Toro Regie, der mit Kim Morgan auch das Drehbuch nach dem Roman von William Lindsay Gresham geschrieben hat.

Schlangenmenschen, Zwerge, Freaks, Medien gleichgesetzt mit urwüchsigem, ursprünglichem Künstlertum verbunden nicht mit der Scholle, sondern mit dem glänzenden Schlamm des aufgeweichten Bodens des Zirkusplatzes.

Ein Schuss Romantik, ein Schuss Nostalgie heute erfolgreich etablierter Künstler; back to the roots, hat sich vielleicht Bradley Cooper gedacht. Seine Rolle ist die eines Mannes, der am Anfang des Filmes eine Leiche entsorgt und der daraufhin wohl verschwinden muss, der Zuflucht im Zirkuskünstlermilieu findet.

Aufgenommen wird Stanton von Schaustellern, den Mentalisten Zeena (Toni Collette) & Pete (David Strathairn). Bei ihnen zeigt sich seine Begabung, Menschen zu beeinflussen und um den Finger zu wickeln. Er lernt leicht und schnell ihre Tricks und wird Teil der Show.

Molly (Rooney Mara) und er machen sich bald selbständig, haben in der Stadt ihre feste Show; vom Zelt auf dem nassen Ackerboden in den mondänen Stadt-Raum. Eines Tages taucht in der Show Dr. Lilith Ritter (Cate Blanchett) auf und verdirbt den beiden fast den Auftritt.

Das setzt das nächste Kapitel der Geschichte in Gang: der zähe Kampf zwischen der Psychiatrin und dem inzwischen mit vielen Tricks gewaschenen Schlaumeiertalent. Es geht um das Ausnehmen größerer Fische.

Jetzt wandelt sich der Dekor des Filmes vom schwelgerisch-sentimental ausgestatteten romantisch-ländlichen Straßenzirkus in exklusiv-hochelegante, urbane Räume, topmodern damals, die teils mit technischen Wunderwerken der heimlichen Tonaufnahme ausgestattet sind, so dass der Film sich zum wahren Ausstattungs- und Augenschmauswunder entwickelt inklusive der Superinneneinrichtung von Dr. Elroods (David Heweltt) Luxusräumen. Ab und an droht dieses exzessiv-teure Augenmerk auf der Ausstattung, den Inhalt der Geschichte schier zu erdrücken und ihn nebensächlich erscheinen zu lassen.

Für den, der des Englischen mittelprächtig mächtig ist, ist bei der Originalfassung mit einigen Verständnisproblemen zu rechnen, was den Eindruck bestärkt, dass die Schauspieler vermutlich im Sinne der Glaubwürdigkeit der Performance nicht zu ausgeprägtem Artikulieren neigen. So wird daraus wenigstens ein Kinostück für Liebhaber und Connoisseure.

Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?

Diese Trottel haben noch nie einen Raben gesehen, dachte Guia A., doch ließ er sich nichts anmerken“. Reso Cheishvili „Guia A“.

Picture of Kutaissi.

Eine Liebeserklärung an die Stadt Kutaissi und ihre Menschen, Tiere und Geister, den Fußball und die Straßenhunde, den Fluss und die Kunst ist diese semidokumentarische Bildmontage von Alexandre Koberidze, der mit der Musik starke Akzente setzt, ja diese aktiv mitagieren lässt, allemal.

Wie ein Bilderkonzert wirkt das Kunstwerk, das sein Footage aus dieser georgischen Stadt sich beschafft.

Vielleicht ist es das Geheimnis dieses geheimnisvollen Filmes, dass er sich nie festbinden lässt, dass er nie stur an einem Bild, an einem Topos bleibt. Dass er wohl immer wieder zum Himmel guckt, im Sinne des Loslassens und dann wieder ganz frisch und neu Sehens.

Alexandre Koberidze präsentiert seine Bilderstrecke, bei der es immer wieder Inszeniertes gibt, nicht triumphal, er präsentiert sie so, indem er seinem Zuschauer die Chance bietet, sich diesen Bildern zuzuwenden, sich von ihnen beeindrucken, entführen zu lassen.

Koberidze arbeitet viel mit Details. Es ist also kein Erklär- oder Vollständigkeitskino. Es ist eher ein Anschubkino, fast ein Puzzlekino, bei dem der Zuschauer sich die anderen Teile selber denken oder hochrechnen kann.

Die Stadt ist fußballbegeistert. Es gab Zeiten, da konnte man Fernsehübertagungen nur an zwei Orten schauen. Da gehen auch die Straßenhunde hin, die liebevoll mit Namen belegt werden. Es ist kein Narrativ im Sinne des, es war einmal, sondern eine Bilderzustammenstellung fast wie mit einem Insektenauge.

Dabei glitzert und funkelt immer wieder auf die Liebesgeschichte von Lisa und Giorig. Über der lag anfangs ein Fluch. Sie treffen sich auffällig oft zufällig.

Im zweiten Teil des Filmes will die Filmemacherin Ana ein Foto von dem Paar machen. Dann kann der Film lange mit Zeitlupenaufnahmen von kickenden Kindern, Mädchen und Jungs, auf dem Bolzplatz verweilen; dieses Kino hat eine gewisse Experimentierfreude und wohl kaum Voreingenommenheit. Es interessiert sich genau so für Einzelheiten aus Innenräumen, für Schulkinder, die aus der Schule strömen, für einen, der mit einem im öffentlichen Raum aufstellbaren Reck etwas Geld verdient, für poetische Ausschnitte aus der Realität genau so wie für einen Fußball, der in den Fluss gekickt wird und sich in Strudeln verfängt. Das erweckt zeitweilig den Eindruck von Absurdistan.

Kutaissi ist ergiebig, herausgekommen ist ein nicht eine Sekunde langweilendes Epos von zweieinhalb Stunden über eine kleine Stadt voller Wunder, voll von Wahrscheinlichem und Unwahrscheinlichem. Bestimmt wird der Charme des Filmes auch von der wunderschönen, rund geschwungenen georgischen Schrift aus Zwischentiteln. Stimmig sinnliche Kinokomposition. Und dann die Episode, bei der Kameraassistent Lado den Film durcheinanderbringt. Argentinien wurde Weltmeister.

Eine Nacht in Helsinki – Gracious Night Proxy

Über Endgültigkeit
Nutzlose Intelligenz frisst dich auf wie eine Ratte.
/Sanft und zart gehalten werden, das ist alles.

Über Endgültigkeit (Wie kann alles zu Ende sein, wenn nichts getan ist?)
oder: Was machen Männer auf dieser Welt?
Die Corona-Bar (Helsinki)

Was suchen Männer auf dieser Welt, wenn sie nicht grad eine Familie gründen, wenn ihre Beziehungen gescheitert sind, wenn sie Väter, gar Großväter sind oder sein könnten und wenn in Helsinki der erste Mai ein düsterer Abend in Corona-Zeiten ist?

Drei solche Männer führt Mika Kaurismäki (Mittsommernachtstango, Le Havre, Die andere Seite der Hoffnung) in seinem Corona-Film in der Corona-Bar zusammen.

Offiziell ist die Bar geschlossen, ein zart emotional eingerichtetes Lokal, in dem eine Sehnsucht des Filmes wahr werden könnte, die Sehnsucht, „Sanft und zart gehalten werden ..“.

Der Kneipier Heikki (Pertti Sverholm) hat, Lockdown ist, alles feierlich eingerichtet, will die Endgültigkeit des Endes seines Traumes zelebrieren, bevor er seinen Lebensinhalt abfackelt.

Risto (Kari Heikanen), ein Freund und Arzt in einer Lebens- und Liebeskrise irrt nach seiner Arbeit in Helsinki umher, mit seiner Frau Eeva (Anu Sinisalo) sieht er keine Kommunikaitonsmöglichkeit. Auch Juhani (Timo Torikka) landet hier. Er trägt Matrosenmütze und gibt sich als Sozialarbeiter eines Problemviertels zu erkennen. Sein Vorwand, um kurz dazubleiben, er möchte sein Handy aufladen, da seine Tochter gerade ihr erstes Kind erwarte.

In der Art, seine Schnurren zu entwickeln, erinnert Kaurismäki an Woody Allen. Man kann ihn sich vorstellen hinter seiner Schreibmaschine und die Figuren und Dialoge entstehen lassen.

Die Fragen drehen sich um den Sinn des Lebens, um Endgültigkeit. Die Figuren kommen schnell und leicht ins Gespräch miteinander. Es sind Männer in einer nicht brillanten Lebenssituation. Sie stellen sich direkt oder indirekt die Sinnfrage. Sie sind auf die eine oder andere Weise mit existentiellen Gegebenheiten beschäftigt.

Im Hintergrund schwebt das soziale Elend von West-Wantaa, dessen Sozialamt Juhani vorsteht. Auch wenn die Figuren hier noch einen bürgerlichen Boden unter den Füßen verspüren. Es werden Geschichten erzählt, die können auch zurückgehen bis Russland und Stalin oder sie können parallel in der Gegenwart stattfinden, eine Frau, die mit einem gewalttätigen Mann, der sie verfolgt, zugange ist.

Es ist ein Film mit einfachen Mitteln gemacht und ganz bestimmt coronakonform. Im Mittelpunkt steht das Interesse am Menschen, an seinem Dasein, an seiner Endlichkeit und damit das Thema der Endgültigkeit, die droht, jeden Sinn zunichte zu machen.

Dagegen kann zärtliche Emotion eines Liedes aus der Juke-Box helfen oder bei Beziehungsclinch gar ein klärendes Gespräch. Denn die Hoffnung, selbst in einem Grau-in-Grau-Helsinki, stirbt zuletzt. Es gibt Schnittmengen zu dem Film Bloody Nose, Empty Pockets, die amerikanische Kneipen-Nihilismus-Sichtweise.

Und die Frage, ob der Mann je irgend jemand gewesen sei.

Effigie – Das Gift und die Stadt

Bremer Lokalhistorie

In Bremen gab es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Giftmischerin, Gesche Gottfried, die mit Mäusebutter eine Anzahl Menschen umgebracht hat. Dieses Stück Lokalhistorie hat Peer Meter zu einem Bühnenstück „Die Verhöre der Gesche Gottfried“ gestaltet. Jetzt hat er zusammen mit Regisseur Udo Flohr und Antonia Roeller das Drehbuch nach seinem eigenen Bühnenstück geschrieben.

Im Film gibt es eine Rahmengeschichte, die davon handelt, Zeit der frühen Industrialisierung, ob Bremen besser eine Eisenbahnlinie nach Bremerhaven baue oder ob sie den Fluss ständig für die Schifffahrt ausbaggern wollen. Da war noch nicht so klar, welche Transportform gewinnen würde.

Die Massenmörderin-Geschichte selbst wird von der Ich-Erzählerin Cato Böhmer (Elisa Thiemann) berichtet; wird aber nicht als subjektive Heldengeschichte ausgearbeitet, sondern im Sinne einer historischen Rekonstruktion ‚objektivistisch‘ nacherzählt.

Frau Böhmer kommt aus Göttingen und möchte sich als Gerichtsprotokollantin anstellen lassen. Irritation beim Gericht, denn der Herr, der sie eingestellt hat, ist kurzfristig nach Brasilien abgereist. Aber sie wird akzeptiert. Sie repräsentiert ein Stück weiblicher Emanzipationsgeschichte. Sie ist besonders wach und beschlagen, sie weiß, was sie darf, was nicht und wann ein Protokoll gerichtsnotorisch ist.

Cato Böhmer kommt mit dem Fall Gesche Gottfried (Suzan Anbeh) in Berührung, ja der Fall beschlagnahmt sie direkt, denn sie entwickelt eine enge Beziehung zu der Massenmörderin. Diese erhält sogar, weil sie um ihre Leben fürchtet, eine angenehm ausstaffierte Zelle im Gerichtshaus zugewiesen und wird versorgt. Derweil bringt sie kalt weitere Menschen unter die Erde.

Es gibt detaillierte Erörterungen darüber, wie so ein Arsen-Mord nachgewiesen werden könne. Es ist ein Kostümstück und so weit vorhanden, wird auch in historischen Räumlichkeiten gespielt. Dass es sich um die Verfilmung eines Theaterstückes handelt, ist nicht zu verleugnen, trägt positiv zur strukturierten Klarheit bei. Auf der Tonspur spielt das Prager philharmonische Orchester angenehm tragende Sound-Wolken ein.

Sing – Die Show Deines Lebens

Bonbonquietschbuntes Fastfoodvergnügen

Denken muss der geneigte Zuschauer in diesem überaus bunten und quicklebendigen Animationsfilm von Garth Jennings nicht allzu viel. Es ist ja auch primär ein tierisches Vergnügen und also frei von menschlich tiefgründiger Philosophie, von komplizierten Seelenverbindungen und anderen Abgründen.

Die einzigen Abgründe sind die luftigen auf der Bühne des Spektakels, das die Provinztiere im großstädtischen Crystal-Palast überwinden müssen: Weite, All, Schwerelosigkeit, überbordende Bühnenfantasien.

Die Storys in solchen Filmen scheinen ab Fließband zu kommen und sollten sie etwas überstrapaziert werden, so fällt das kaum weiter auf vor lauter Spelastik und Tanz und Gesang.

Der Zuschauer soll eine prickelnde Bilderreizdusche erleben und nichts anderes. Oder darf sich tierisch unbefangen amüsieren, wie die Tiere auch nicht die besseren Menschen sind, wie sie unter Zweitklassigkeit leiden, unter Provinzialität wie Mäuserich Buster Moon, wie sie Erfolg haben wollen genau so wie der Impresario Jimmy Cristal, wie sie dünkelhaft sind wie die Dame vom Casting Miss Crawly, wie sie auch Gefühle versuchen mit einem alten frustrierten Rocksänger, der seit dem Tod seiner Frau sich in eine skurrile Villa zurückgezogen hat. Er soll, das war die vorwitzige Idee des Provinzmäuserichs, nachdem er sich mit seinen Artisten in den Crystal Palace hineingeschlichen hat, den alten Rockstar wieder auf die Bühne bringen. Die nötige Zuwendung des Igels Ash wird es richten. Nach all den Irrungen und Wirrungen darf darauf gewettet werden, dass die Chose nach knapp zwei Stunden Augenweide und Ohrenschmaus gut ausgeht. So rund und füllig wie ein Hamburger irgend einer Hamburger-Kette.

Charlatan

Schulmedizin gegen Naturheiler und Urindiagnostiker, dieser aber auch vom kommunistischen System wegen dem populären Erfolg und Reichtum misstrauisch beäugt. Nicht jeder tolle Arzt, der um alles in der Welt den Menschen helfen will, muss in allem charakterlich tadellos sein. Siehe die Review von stefe.

An Impossible Project

Was dem Digitalen fehlt.
Man kann es nicht riechen, das Digitale; es bleibt auf zwei Dimensionen reduziert.

Während die neue Bundesregierung versucht, das Land digital auf Vordermann zu bringen, gibt es längst eine Renaissance des Analogen.

Dieser Film von Jens Meurer, höchst analog und entsprechend qualitätsvoll gedreht, geht vom ‚Digital Detox‘ aus, dass der Mensch weniger Zeit am Smartphone verbringen soll.

Der Protagonist des Filmes ist Dr. Florian ‚Doc‘ Kaps, der weltbeste Experte für Spinnenaugenmuskulatur. Er habe sich für dieses Fach entschieden, weil er hier der Beste werden konnte. Aber nicht das hat ihn interessant für diese Dokumentation gemacht. Sein Träumertum ist es, seine Philosophie, Unmögliches wahr zu machen, wie es schon der Leitsatz des Polaroid-Erfinders war.

Das erste Unmöglich-Projekt, Impossible, über das Meurer berichtet, ist anno 2008 der Erwerb der letzten Polaroid-Fabrik in Enschede in Holland, die vor der Schließung steht, denn Analog ist im Krebsgang. Die war günstig zu erwerben, weil keiner mehr an ein Überleben des Analogen geglaubt hat.

Träumen ist eines und die geschäftliche Realisierung und auch Rentabelmachung ein anderes. Darüber berichtet der Film, wie ein junger Amerikaner zu dem Projekt stößt, der von der geschäftlichen Seite kommt.

Der Film bleibt aber nicht bei der Kamera. Er macht einen Schlenker nach Wien zu einer Neuauflage der Vinyl-Produktion, streift einen Metzger vor Wien, der strikt nach Überlieferung arbeitet, schaut in Mailand vorbei, wo althergebrachte Druckverfahren lebendig erhalten werden.

Der Träumer ist nicht unbedingt derjenige, der nur an einem Projekt bleibt. Dem Doc ergeht es ähnlich wie Steve Jobs, plötzlich war er bei Polaroid nicht mehr dabei, wie daraus ein wirtschaftliches Projekt wird.

Ein Problem bei Impossible: die Originalrezepturen für die Filmentwicklung bei Polaroid waren verloren, mussten also neu erfunden werden.

Aber es gibt noch vieles in der analogen Welt, was aus Lebensqualitätsgründen erhaltenswert ist. Dem Träumer gehen die Objekte und die Themen nicht aus. Denn was ist der Mensch ohne das Haptische, ohne Gegenstände, die er riechen und fühlen kann? Was ist Facebook? Das ist doch lediglich eine Website. Kein Wunder, dass selbst dieser Laden ein Analog-Research-Lab unterhält – und dass dieses auf den Träumer aus Wien aufmerksam wird.

Der Traum vom Analogen kommt nicht als sentimentale Nostalgie rüber, sondern handfest als eine Suche nach Lebensqualität und lässt die Überlegung zu, wie schnell die Menschheit offenbar bereit ist, solche zugunsten von Neuheiten gedankenlos auf den Müll zu werfen, gar zu sprengen.

Go ahead, make my day.