Nichts gegen Ringsgwandl (den vom Vater und anderen Buben Verdroschenen), der hat im Entertainment- und Volkssängerbusiness eine schöne, bunte Marktlücke unter all den angepassten Künstlern entdeckt („ein Gewächs, das versucht hat, einen Raum zu finden“ sagt er), er verkauft sich gut, ist gut im Geschäft. Aber braucht er deswegen so eine tödlich langweilige TV-Hommage, ein schauderhaftes geistig unkontrolliertes Zusammengestöpsele und -gestiefele, ein Durcheinander ohne jede Spannung ohne jede Story mit öden Statements von anderen Adabei-Figuren aus jenem Fernsehen, dem die Zuschauer wegsterben; und jene, die noch leben und imstande sind einzuschalten, die werden mit den Placebo-Sprecherstimmen gleich wieder in den Dämmerschlaf versetzt, auch mit den unsäglichen Ratsch- und Tratschstatements von Kollegen aus Ringswandls beiden Berufsumfeldern Entertainment als auch Medizin; ja so einer braucht doch tatsächlich läppischerweise einen Biographen.

Soll uns die BR-Redaktion mal erklären, warum für so einen Bilderverhau Zwangsgebührengelder locker gemacht werden. Nicht zu vergessen: immer mehr Haushalten fällt es schwer, den Rundfunkzwangsbeitrag vom immer knapper werdenden Haushaltsbudget abzuknapsen – bei gleichzeitig stetig steigenden Lebenshaltungskosten, das soll uns Anke Mai als verantwortliche Redakteurin mal erklären, dass soll ihr oberster Chef Ulrich Wilhelm, der mit dem stolzen Kanzlerinnengehalt, mal erklären, weshalb sie so eine reine Musikkommerzsendung produzieren, eine billige Ramsch-Verhausendung in der zerfahrenen Art, in der das Fernsehen glaubt, die Wenigen, die noch einschalten, vom sofortigen Wegzappen abzuhalten. Noch dazu in Onanie-Sauce: lauter Eigenprodukte und Abhängige dürfen sich äußern.

Überflüssig, überflüssig, überflüssig, durch nichts zu rechtfertigen, für so ein reines Musikbusiness-Produkt Zwangsgebührengelder zu verschleudern.

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Iiih!, schaut das giftig und grimmig aus, das Titelbild! Giftgrün und horrorviolett, Puppen, Critters, Gnome, Goblins oder Gizmos. Auf Würfeln ist das Wort T O T zu lesen. Aber nicht genug des Würfelspieles, die kleine Puppe mit den roten Haaren will auch noch drauflosstechen, den Teddy vor ihr hat sie bereits zerlegt.

Peter Vogel, der Autor, widmet das Buch seiner Mutter, „auch wenn es ihr nicht gefallen wird“. Das lässt auf eine hohe persönliche Affinität zum Thema „Kleiner Horror“ schließen. Auch zum Vaterverhältnis gibt es eine Bemerkung: „Mein Vater kann meine bis heute anhaltende Actionfigurenobsession auch nicht nachvollziehen“… und kommentiert, das müsse er auch nicht, denn „one man’s trash is another man’s treasure“.

Aus diesem Schatzkästchen hat er ein „großes Buch“, gleich eine Film-Enzyklopädie gemacht. Diese besteht aus einem Vorwort, Anmerkungen zum Aufbau, Kritik und Fazit zu 181 Filmen vornehmlich aus den USA, die mit einem 5-Sterne-System bewertet sind, „eine komplette Liste der 32 Charles-Band-Produktionen in diesem Buch“, ein Kapitel „Tiny TV-Terrors: Folgen von TV-Serien mit kleinem Horror“ und anschließend eine Filmliste nach Jahren und Jahrzehnten geordnet.

Die Texte sind von kleinen Schwarz-Weiß-Fotos begleitet, die mehr der illustrierend-kommentierenden Information als der Schaulust dienen.

Der Autor hat sich Tage und Nächte um die Ohren geschlagen beim Sichten von Filmen des Subgenres, das ihn bannt, „sehr oft lustig, zu oft langweilig, immer wieder eigenartig und manchmal auch abartig pervers, banal, inspirierend. .. und viele von ihnen können auch unerträglich frustrierend und in einigen Fällen sogar fast seelenraubend schlecht sein“.

Tiny Terror, Puppen- und Small Creature-Horrorfilme hält der Autor auch deshalb für spannend, weil sie „in dieser geek-schicken Post-Big Bang Theory-Welt … als cool“ gelten, „wenn man mit seinem inneren, begeisterungsfähigen Kind eng in Kontakt steht.“ Das dürfte auch die Attitüde des Autors zu seinen Filmen sein, weshalb die Lektüre unbedingt als anregend bezeichnet werden kann.

Die Hürden der Filme für die Aufnahme in dieses Buch beschreibt der Autor in vier Punkten: sie müssen dem Horrorgenre zugeordnet werden können, ein bis mehrere kleine Wesen sollten prominent auftreten, es darf kein Kurzfilm sein und eine kommerzielle Veröffentlichung auf einem Trägermedium ist Voraussetzung. Keine Aufnahme fanden Filme mit Killerratten, Mörderfröschen, Piranhas, Ameisen und auch Kind-als-Monster-Filme passten nicht (Ausnahme: Zombie-Biber).

Die Filme
Mit ‚Aberrations‘ fängt der Almanach „ganz weit unten“ an. Hier zeigt der Autor, dass bei ihm auch Schimpfen über einen Film dazugehören kann („Dieser ganze Kackfilm ist ein einziger Irrweg“) und gleichzeitig hofft er, dass niemand von seinen Lesern, die er per „Ihr“ anspricht, je diesen Film sehen wird.

Somit wird klar, dass dem Genre gemäss es nicht um wissenschaftliche Penibilität, sondern gerne um rotzigen Kommentar geht. Deftig gemosert ist auch schon was. Vielleicht im Sinne der bayerischen Lebenseinstellung des Grants – das hat per se einen gewissen Unterhaltungswert. Das Buch eröffnet einem so auch einen Blick in die unendlichen Möglichkeiten, was der Mensch filmisch mit Horror durch kleine Wesen alles anzustellen pflegt, Einblick in eine ganz bestimmt Sparte menschlicher Abgründe, die sich hochkultureller Behandlung eher entzieht.

Mir scheint, dass es bei einigen der behandelten Filme lustiger und kurzweiliger sein dürfte, die Review von Peter Vogel zu lesen, als sich die ganzen Filme anzutun. Kinolesen kann ein anregende, inspirierende Aktivität sein. Mir geht es auch ab und an so, dass ich von einem Film wenig angetan bin, wenn ich aber anfange, ihn zu rekapitulieren, mir die Ideen spannender erscheinen als der Film selbst.

Und wie so oft lesen sich Verrisse von drögen Filmen quicklebendig: das fängt gleich beim ersten Film „Aberrations“ an: „Der ganze Kack-Film ist ein einziger Irrweg“ – „niemand sollte diesen oberüblen Film jemals sehen, nicht mal eingefleischteste Trash-Aficionados“ oder über „Demon Dolls“: „Der Wetterkanal hat mehr künstlerischen Anspruch“ oder „Seit ‚The Dummy 2‘, den ich vorher gesehen hatte, glaub ich ja, dass Dustin Ferguson mal zu lang mit dem Kopf unter Wasser war oder in einer prägenden Kindheitsphase von Tieren großgezogen wurde. Seine Filme sind so unterirdisch schlecht, dass sie auf der anderen Seite des Erdballs wieder herauskommen. Ist Ferguson ein Troll?“ oder zu „The Dummy 2“: „Normalerweise hätte man bei der Sichtung sagen müssen ‚OK, wir sind zwar eine Schundfirma, die ausschließlich Schundfilme vertreibt, aber dieser Schund ist selbst für uns zu schundig.‘ Ich habe mir The Dumy 2 für 94 Cent auf Vimeo ausgeliehen, und mich trotzdem betrogen und bestohlen gefühlt.“ oder „Hier haben wir billige und relativ inkompetente Horror-Videogülle der spaßigen Art“ .

Wogegen vorbehaltlose 5-Sterne-Wertungen, die selten genug sind, immer etwas ernsthafter wirken wie bei „Cat’s Eye“: „Der Troll will Amanda im Schlaf buchstäblich den Atem rauben, und es kommt zum epischen Kampf Katze vs. Gnom“ oder bei ‚Critters‘ „Nach Ghost Busters (eine andere „Gruselkomödie“) die wohl beste filmische Mischung aus Horror und Komödie“ oder zu ‚Dead Silence‘: „Vor allem ist es der wahrscheinlich gruseligste Film überhaupt in diesem Buch und eine der qualitativ hochwertigen Produktionen“ oder über „Dolls“: „Wenn es etwas zu bekritteln gibt, dann nur die kurze Laufzeit von nur 77 Minuten“ und als Begründung für das Buch schreibt der Autor: „Gäbe es die ‚Puppet Master‘-Reihe nicht, hätte ich dieses Buch niemals geschrieben“.

Das Buch ist wie der Bericht eines Abenteurers, der durch dreckige, ätzende, ankotzende Schundzonen sich durchquälen muss, aber versehen mit penibel notierten „Kill Counts“ für jeden Film (differenziert in on-screen oder off camera), einem Merker für „Creative Killing“, den notorischen, nervigen Skeptikern (ein solcher möchte er selbst nicht sein), auch da wird genau Buch geführt, sowie einem ständigen Hadern mit seinem Schicksal als Autor dieses Buches: „Überhaupt will ich nach Festigstellung dises Buches keine shot-on-video-Filme mehr sehen, lieber schleife ich meinen Hodensack durch ein brennendes Reisnagelfeld“ oder “Also schlechte Filme fabrizieren und frech werden auch noch, oder wie?!“

Gerne tritt der Autor auch in einen Dialog mit dem unsicht- und unhörbaren Leser/Filmfan, wer sich hier mehr zumute und ob er dafür am richtigen Ort sei: „Wer bei ‚Ghoulies go to College‘ nicht zumindest ab und zu heftig schmunzelt, der geht zum Lachen in den Keller (und macht dort wahrscheinlich noch ganz andere Sachen)“ oder „Den freakigen Stonern unter Euch sowie den waghalsigen Trashliebhabern von der Sorte ‚Gebt mir mehr! Ist das alles, was ihr zu bieten habt?!‘ empfehle ich die ersten beiden Teile der Reihe“ oder „vier kurze Softsexszenen. Wem das viel gibt, der darf noch einen Stern zum Zweierrating dazu packen“ oder auch „Okay, den meisten Genrefans wird ‚Shrunken Heads‘ wohl zu kindisch sein, und den Gorehounds unter Euch ist er sicher zu zahm“.

Abqualifikationen
„Schrott, Schundwerk, ein eher vernachlässigbarer Beitrag, es gibt schlechte Filme, aber es gibt so etwas wie – die späteren Evil Bong-Teile, ein durch und durch mieser Käse, Filme, die so mies sind wie dieser, eine äußerst banale Schlaftablette von einem Film, wie ein unausgegorener, mieser Experimentalfilm, ein dreckiger, mieser, kleiner Film, in dem wir krassen Scheiß sehen, müder Episodenfilm“.

Merke
„… ein Gruselfilm, der auch wirklich gruselig ist, ist leider alles andere als eine Selbstverständlichkeit.“

Das Buch ist erschienen im Mühlbeyer Filmbuchverlag und ist auch dort zu bestellen.

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Es geht kunstvoll um russischen Rock/Pop, um Gedächtnis und Identität, um die Befreiung der Frau, um gravierenden Realitätsverlust, um eine Nettigkeit und ihre Folgen, um Krebs als Anlass für Ruhrpott-Musik-Nostalgie, ferner laufen an ein niederschwelliger amerikanischer Patriotismusfilm und ein noch niederschwelligerer, amerikanischer KriegsheldenZombieNazifilm. Das Fernsehen überraschte mit Statements von über 100-Jährigen.

Kino
LETO
Russisch Rock hinterm Eisernen Vorhang.

REMEMORY
Eine thrillerhafte Spielerei um Identität und Gedächtnis.

#FEMALE PLEASURE
Ein Überblick über den Stand der Emanzipation der Frau aus ihrer Unterdrückung am Beispiel von fünf bekannten Aktivistinnen.

IN MY ROOM
Burnout eines Kameramannes mit verrückten Folgen.

NUR EIN KLEINER GEFALLEN
Amerikanische Beziehungskomödie in bester Routine-Manier.

SO VIEL ZEIT
Was jetzt? Krebsaufklärungs- oder Rocknostalgiefilm?

AUFBRUCH ZUM MOND
Wer diesen Aufbruch nicht für einen großen Schritt der Menschheit hält, darf sich schuldig fühlen Amerika gegenüber.

OPERATION: OVERLORD
Möglichst laut, möglichst gigantische Leinwand sollen vom Verzicht auf Plausibilität dieser Zombie-Nazi-Schmiere ablenken.

TV
Ü 100 – DAS GEHEIMNIS DER 100-JÄHRIGEN
Woran denken über 100-Jährige? Über den Tod im Nacken? Eher nicht, dann doch lieber Fußball!

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„Ist Gehirntumor schlimm?“

„Da stirbt man“. Auch wenn das deutsche Kino schlimm ist, so heißt es noch nicht, dass es Gehirntumor hat und stirbt, da ist das Fernsehen, ist die Filmförderung davor. So kann es weiter vegetieren, aber erblühen wird es auf diese Weise nicht. Der Kritiker mag weiterhin versuchen, zu diagnostizieren, woran das deutsche Kino – wie auch – hier leidet.

Hat es doch durchaus vorzeigbare Darsteller, hier spielen Armin Rohde und Richy Müller glaubwürdig die 30-Jahre-später-Ruhrpott-Rockmusikertypen, während Jan Josef Liefers etwas zu sehr mit seinem Gehirntumor beschäftigt scheint.

Vor dem Drehbuch gibt’s sogar einen Roman von Frank Goosen, von dem schon andere Bücher verfilmt worden sind: Sommerfest, Radio Heimat, Liegen lernen)

Aber dazwischen gibt’s leider das Drehbuch von Stefan Kolditz (Paula) – und dahinter wieder alle möglichen Förderer und ARD und Degeto, und die haben vielleicht auch mitgeredet und zur Verschlimmbesserung beigetragen.

Diagnose: der Film düfte im Kino den baldigen Gehirntod sterben. Wer will schon im Kino ausführlich über Nebenwirkungen von Tabletten informiert werden, die vor der Operation einem Gehirnturmorpatienten verschrieben werden? Wer will schon ins Kino gehen, um von Leuten zu hören, dass sie Fehler gemacht haben?

Dabei hat der Gehirntumor von Rainer keine weitere Bedeutung, als dass er ihn zum Anlass nimmt, Rainers Band „Bochums Steine“ nach 30 Jahren wiederzubeleben. Bis auf zwei epileptische Anfälle und die Vorbereitung zur Gehirntumor-OP spielt der Krebs keine weitere Rolle.

Das Drehbuch von Kolditz hat den Zuschauer mit dem Gehirntumor aufs Glatteis geführt, denn der löst in Rainer keine Konflikte aus, wobei wir eh praktisch nichts über den Charakter von Rainer erfahren, außer dass seine Frau mit einem anderen zusammen ist, und dass Sohn Daniel ab und an beim Vater sein darf.

Ihm schreibt das Drehbuch also nichts zu, was Interesse erwecken oder Spannung erzeugen könnte. Denn auch die Reaktion auf den Gehirntumor ist außer einem gedankenverlorenen Blick die Aktion, von der der Film offenbar eigentlich handeln will: dem Come-Back, wenn auch nur für ein einziges Konzert, der Bochumer Steine nach 30 Jahren, anno 2017. So erzählt bleibt es nostalgische Schwelgerei im Gestern.

30 Jahre früher, das zeigen vorausgeschickte Szenen, gab es einen unschönen Vorfall bei einem Konzert, der damals das Ende besiegelt hat. Aber was da genau war, darüber wird der Zuschauer im Unklaren gelassen.

Der Rest ist absehbar. Es sind die abgelutschtesten Hindernisse für das Zustandekommen des Comebacks eingebaut. Philipp Kadelbach inszeniert brav ab Blatt wie ein Pennäler, so dass noch der saloppesten Pointe an ihrer Langsamkeit die Luft ausgeht.

Und ein Michael Kadelbach hat an den moralinischen Stellen, wenn es darum geht, dass Tumor schlimm ist und Fehler eingestanden werden (50er Jahre Käseglocke oder Opas aufgewärmtes Kino) eine Moll-Ton-Bedröppelmusik geschaffen, oh Melo, oh Drama.

So wird es denn Schwachbrustkino, das die Öffentlich-Rechtlichen zu später Stunde für all jene medikamentös ruhig gestellten Mitbürger ausstrahlt, die nicht in der Lage sind, den Sender zu wechseln.

Ein Film, der einmal mehr beweist, wie meilenweit das deutsche Kino hinter dem Weltkino herhinkt, vergleichen wir nur im Hinblick auf das Musikfilmelement, Thilda und die beste Band der Welt – Los Bando, wie die aus wenig, aber gut beobachteten Charakteren einen spannenden, witzigen und überraschenden Film machen.

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Das Gedächtnis ist eine identitätsstiftende Angelegenheit.

In diesem Film von Mark Palansky, der mit Mike Vukadinovich auch das Drehbuch geschrieben hat, geht es nicht um das kollektive Gedächtnis, das in Archiven aufbewahrt und in Museen und Instituten gepflegt wird, hier geht es um das individuelle Gedächtnis und zwar weit über das hinaus, was jemand in Fotoalben, auf Video oder in Texten festgehalten hat.

Wobei das Kino ein idealer Ort für eine Art des Gedächtnisses ist – und also auch für einen Film, der von dem Thema handelt. Es geht um das totale Gedächtnis eines Menschen, um „die reine, ungefilterte Wahrheit“.

Das glaubt Gordon Dunn (Martin Donovan) entwickelt zu haben. Das ist ein Gerät ähnlich wie ein Laptop. Dazu gibt es eine Art Chip. Der ist wie ein Stück Glasscheibe, so durchsichtig und oben am undurchsichtigen Haltegriff ist der Name eingraviert, dessen Gedächtnis hier gespeichert und über die Maschie ablesbar ist. Dazu bedarf es eines speziell entwickelten Kopfhörers.

Gordon betreibt das als Geschäft mit der Firma Cortex. Die wird am Schluss den Rememory 2.0 „launchen“. Bis dahin ist Gordon Dunn allerdings tot. Sein Tod ein Rätsel. Er ist keines natürlichen Todes gestorben. Es gibt zwar Einschüsse an der Wand seines eleganten und geräumigen Büros. Aber an der Leiche finden sich keine Spuren. Das Musterexemplar der Gedächtnismaschine, die der Schlüssel zu allem sein könnte, also auch zur Rekonstruktion der Tat, ist verschwunden.

Die Polizei ist überfordert und zeigt wenig Interesse.

Es gibt aber verschiedene Individuen, die aus verschiedenen Gründen hinter dem Apparat her sind, sei es aus enttäuschter Liebe oder weil Gordon individuelle Gedächtnisausschnitte für seine großen, öffentlichen Präsentationen missbraucht hat oder von Seiten weiterer „troubled“ people.

Palansky nutzt diesen Kriminalfall anhand der üblichen Puzzlearbeit speziell von Sam Bloom, der als persönlich Betroffener die detektivische Fleißarbeit mit den Puzzleteilen aus Gedächtnis-Chips erledigt, um die Idee eines totalen Gedächtnisses zu ventilieren, was ist der Mensch anderes, als die Summe der Erinnerungen, und was ist mit Erinnerungen, die wir vergessen haben, ohne dies allerdings radikalphilosophisch zu vertiefen. Wobei die Frage nicht angeschnitten wird, wie weit eine ständige Totalpräsenz aller Erinnerungen den Menschen noch lebensfähig macht oder ob dazu nicht eben partielle Gedächtnisverluste absolut nötig sind.

Die Erinnerung ist, das behaupten manche Bildfolgen, nichts als ein wüster Haufen von willkürlich (oder scheinbar willkürlich) aneinandergeschnittener Bilder und Szenen.

Sam hat selbst ein tragisches Erlebnis mit seinem Bruder Dash (Matt Ellis) zu verarbeiten. Involviert ist Wendy (Evelyne Brochu), die Geliebte von Dunn, seine Ehefrau Carolyn (Julia Ormond) und noch eine weitere, posthume Rolle von Anton Yelchin als Schweißer Todd.

Mit diesem exzellenten Ensemble und aus all den anderen Parametern mixt Palansky einen anregenden und packenden SciFi-Mystery-Memory-Thriller und dem entsprechend verhalten unterlegten Sound.

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Das Geschäftskalkül dieses Filmes von Julius Avery nach dem Drehbuch von Billy Ray und Mark L. Smith scheint gewesen zu sein: Große Leinwand, Dezibelmaximierung, Zombietrash gemixt mit 2.-Weltkriegsoldatenheldentum muss funktionieren, das wollen die Leute sehen, eine gewisse mir nicht näher eruierbare Klientel zumindest, so dass man sich Schlamperei im Storytelling und Schmierentum in der Darstellung leisten zu können glaubt.

Die amerikanischen Soldaten mitten im Nazifeindesland ganz nah an einem HochsicherheitsZombieLabor lümmeln in einer akustisch gegen den Rest der Befestigung kaum abgesicherten Dachräumlichkeit herum als ob sie zuhause in der Homebase seien. Realismus nicht beabsichtigt.

Dröhnend aus allen Tonverstärkerrohren fliegen sie im Bombengeschwader in den Krieg, versuchen Lockerheit im Dialog, bis das Flugzeug daneben brennt und ihr eigener Flieger angeschossen sich dreht.

Ganz wild versucht einer sich nach Fallschirmlandung im Meer oder in einem See, so genau wollen wir das gar nicht wissen, dramatisch unter Wasser vom Fallschirm zu befreien. Glücklicherweise ist direkt an dieser tiefen Stelle das Ufer, an das er klettern kann.

Im deutschen Wald mit viel Farn und anderem Kraut findet der Held seine Kameraden. Ihr Chef, das beobachten sie aus dem Hinterhalt, wird von den Nazis im Stehen erschossen. Ist ja ein Schwarzer, halb so wild.

Dann stoßen die Kriegsmänner auf eine verwilderte Frau. Die fasst schnell Vertrauen und führt sie in ihr Logis, wo noch ein Kind und eine Tante sind. Das ist direkt in dem Gelände mit den TopSecretZombieforschern.

Das dauert alles, ist nicht besonders originell und vor allem nie groß auf Plausibilität hin inszeniert. Vermisst wird die besondere Freude der Macher an einem solchen Film, wie er mir kürzlich bei Bad Samaritan aufgefallen ist, die Hingabe ans genaue Detail und die pointierte Auswahl des Castes.

Das scheint hier alles nachlässig Handgelenk mal Pi passiert zu sein, Hauptsache laut, Hauptsache überdimensionierte Gesichter auf breiter Leinwand und ein paar Zombiefressen wie aus dem Halloween-Store.

Vielleicht kommt es bei diesem Film auf den Lebenszusammenhang an, in welchem man ihn sehen möchte. Wer eine dröge Arbeit hat und einfach mal abschalten will, wird ihm womöglich mehr abgewinnen können als ein Filmmensch, der gerade zuvor, was der Alltagsmensch eh kaum machen würde, einen höchst anspruchsvollen und extrem präzise überlegten und inszenierten Arthouse-Film gesehen hat.

Wo Cheesburger drauf steht, ist Cheese drin, kann auch Analog-Käse sein. Kein Interesse an Glaubwürdigkeit. Die Schauspieler spielen Angst, Furcht oder Bedrohung so, wie Lieschen Müller denkt, dass man Angst, Abscheu oder Schrecken spielt. Eine tiefere Reflektion dazu ist nicht ablesbar. So gibt’s es viel Horror-, Zombie- und Kriegsheldentheatralik zu sehen.

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„Könntest Du mir mal einen kleinen Gefallen tun?“ – die Frage ist hinterhältig, weil sie nicht offenlegt, worum es geht und weil man schlecht „einen kleinen Gefallen“ abschlagen kann.

Wie hinterhältig das sein kann, schildert Paul Feig nach dem Drehbuch von Jessica Schwarzer nach dem Erstlingsroman der Vorschullehrerin aus Chicago, Darcey Bell.

Feig inszeniert das Dialogstück in schwindelerregendem Tempo, dass man ganz schnell Zweifel am Rätsel Mensch bekommen kann, was ist der Mensch und wo ist ihm überhaupt zu glauben?

Wie rasant er inszenieren kann, hat Feig schon bei Brautalarm oder bei Spy – Susan Cooper Undercover bewiesen.

Feigs Protagonistin Stephanie Smothers (Anna Kendrick mit ihrer bewährt distanzierend-zackigen Mimik) ist auch so jemand, die niemandem einen Gefallen abschlagen kann. Sie betreibt den Video-Blog „Hi, Moms! With Stephanie“. Sie nimmt ihre Beiträge zuhause am Küchentisch auf, so simpel wie es geht. Sie spricht ihre Zuschauerinnen immer mit „Hi Moms“ an.

Sie selbst ist Witwe (dazu gibt es Geschichten, die diesen an sich bemitleidenswerten Befund in ein anderes Licht tauchen) und sie hat ihren kleinen Buben Miles (Joshua Satine). In der Schule freundet dieser sich mit Nicky (Ian Ho) an, zwei frische, muntere Buben.

Die Mutter von Nicky stammt aus einer anderen Welt. Emily (Blake Lively) ist Werbedirektorin bei der Dennis Nylon Holding. Sie ist eine extravagante Frau, wohnt mit Sean in einem mondän-feudalen Bungalow, mehr Design, weniger Geschmack. Er sei ein Bestseller-Autor, der vor Jahren einen Bestseller geschrieben hat und seither nichts mehr.

Sie habe sich, derlei Dinge und mehr sind zu erfahren, nachdem sich Emily und Stephanie über die Kinder angefreundet haben, richtiggehend an den Erfolgsautor herangemacht.

Es gibt Rückblendeszenen, wie der Bub gezeugt worden sein dürfte, ganz schnell in der Flugzeug-Toilette.

Der kleine Gefallen besteht darin, ob Stephanie den kleinen Nick für ein paar Tage bei sich aufnehmen könnne, da Emily geschäftlich nach Miami verreise.

Und Emily ward nimmer gesehen.

Aus dem kleinen Gefallen entwickeln sich neue Familienkonstellationen. Es wird eine Leiche gefunden, die Emily sein muss. Aber sie ist nicht aus der Welt. Wie von einem Phantom tauchen Spuren von ihr auf. Die Menschen reden viel. Stephanie fängt das Recherchieren an.

Es ist zum Verzweifeln, was die Menschen alles erzählen und wie sie handeln, dass ein richtiger Mystery-Psycho-Thriller draus wird. Feig schildert diese Menschen und deren Behauptungen heutig und macht krass bewusst, wie wenig wir generell über unsere Mitmenschen wissen und dass unter schönen Oberflächen Unerwartetes und Schlimmeres zu finden sein kann.

Feig lässt es auch, besonders mit dem Musikeinsatz, gerne offen, ob es sich hier nun um eine Komödie oder doch um eine Tragödie, um eine Frotzelei oder um ernsthafte Seinsrecherche handelt.

Zur Frischheit trägt bestimmt auch bei, dass der Roman, der die Drehbuchvorlage lieferte, ein Erstling ist. So dass der Mensch unvoreingenommen in die Fallen tappt, die so ein kleiner Gefallen verdecken kann.

Zu dieser gefährlichen Naivität der Grundlage passt, dass Stephanie außerhalb von New York in Warfield wohnt, wo so etwas desto weniger zu erwarten wäre. Und zur Frischheit der Performance trägt sicher auch bei, dass Feig oder die Autorin in keiner Sekunde versuchen, zu psychologisieren. Dass die Texte mehr wie von einem Magier wie in einem Verwirrspiel vor unseren Augen jongliert werden.

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Das ist ein zugeneigter Erinnerungsfilm an russische Rock- oder Popmusiker der 80er, die hier im Westen nicht unbedingt bekannt sind: Mayk Naumenko (Roman Bilyk) und Viktor Tsoy (Teo Yoo).

Anfangs des Filmes ist Mayk schon bekannt und erfolgreich. Viktor probiert sich aus, schwankt zwischen Rock und Pop. Er spielt Mayk vor. Dieser ist angetan.

Der Film zeigt die Entwicklung der beiden, die zusammenspielen, der Jüngere vom Älteren gefördert.

Im persönlichen Bereich steht Natasha (Irina Starshenbaum) Mayk nahe. Mit ihm hat sie auch ein Kind. Aber der Musiker ist mehr mit seiner Musik beschäftigt. So entwickelt sich ein Verhältnis zu Viktor.

Regisseur Kirill Serebrennikov (Der die Zeichen liest) dreht die Geschichte nach dem Drehbuch von Mikhail Idov + 3 nach den Erinnerungen von Natalya Naumenko in künstlerisch-verführerischem Schwarz-Weiß, erlaubt sich wie einsten Eisenstein rote Kolorierungen, hier bei Äpfeln oder bei einem Frauenkleid.

Auch sonst geht er mit dem Material spielerisch um, bearbeitet es mit Spaß, speziell wenn aus dem Video ein Musikclip wird, kann er sich nicht zurückhalten, was kein Nachteil ist. Er verwendet auch Super-8, Farbe und Split-Screen, um auf die künstlerischen Freiheiten und Kühnheiten des Rocks adäquat zu referieren; genau so setzt er auf eine smarte Verfolgerkamera.

Diese russischen Rockmusiker waren voll vom westlichen Rock elektrisiert. Dessen Platten hängen bei ihnen in der Wohnung. Und wer da einen Bezug dazu hat, der wird von diesem Film sicherlich mehr gefangen, erst recht, wenn er die russischen Musiker kennt, an die diese gediegen und in schönster Filmhandschrift gehaltene Hommage erinnert.

Es gibt eine Figur, die direkt zum Publikum spricht und auf den Anspruch der künstlerischen Freiheit dieses Gedenkfilmes hinweist, der sagt immer: alles was Sie sehen, ist nie passiert. – Im Film passiert es – fast zu schön!

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Den Boden unter den Füßen verloren

und dann doch irgendwie weich gelandet – vielleicht in einem archetypischen Traum von Selbständigkeit und Unabhängigkeit.

Dem dies widerfährt, das ist Armin. Ihn spielt Hans Löw – man schaut ihm gerne zu, er ist nicht der prototypische Subventionsschauspieler, hat Eigenheit und Individualität (aber für seine Weiterentwicklng bräuchte er dringend forderndere Rollen!).

Armin wird vorgestellt anhand seiner zerstreuten Kamera, die er in der Bundeshauptstadt bei Pressekonferenzen von Linken und SPD nicht mehr unter Kontrolle hat. Armin muss ganz schön neben der Kappe sein, denn später in der Fernsehredaktion ist auf dem Bildmaterial nur das zu sehen, was nicht verwendet werden kann: Decken, Beine, Anweisungen an die Interviewpartner und im Moment, da diese sich zusammenreißen und freundlichst ihre politische Botschaft in die Kamera lächeln wollen: Filmriss. Der ist genau dann vorbei, wenn der Interviewpartner aus dem Bild geht.

Das ist so katastrophal, dass man es nicht für möglich halten möchte. Mir wird das erst jetzt bewusst, was für ein dramatischer Aussetzer das für einen Kameramann sein muss. Es ist aber auch so katastrophal, dass es drauf und dran ist, dem Zuschauer nur noch Kopfschütteln zu entlocken und sich zu überlegen, ob er weiter dem Film folgen soll.

Wer die Geduld aufbringt, wird später ausgiebig belohnt, auf jeden Fall, wenn er mit der üblichen Erwartung an einen deutschen, gremienkonsensfähigen Film denkt.

Bald schon fällt auf, dass Ulrich Köhler (Schlafkrankheit war schon außergewöhnlich für einen deutschen Film, mit Afrikabezug dazu und kritisch der Entwicklungshilfe gegenüber) offenbar in der Nachfolge und als deutsche Variante das Prinzip der Gebrüder Dardenne sich zunutze macht: sich für einen Protagonisten zu entscheiden und dem in seinen Handlungen zu folgen; eine angenehme Abwechslung zu der Überzahl an Themenfilmen, die das deutsche, fernsehgeschwängerte Subventionskino am liebsten bietet.

Allerdings wird dabei auch klar, dass in Deutschland deutlicher Nachholbedarf besteht in der Glaubwürdigkeit der Inszenierung von Realität, die in Dokumanier gefilmt wird.

Diese inszenierte Realität springt von Berlin in eine Ortschaft mit dem Autokennzeichen HF, Kreis Herford. Hier berichtet der Film über den familiären Background von Armin. Seine Oma ist ein Pflegefall, liegt im Sterben. Sein Papa ist da, sein Bruder. Sie kümmern sich liebevoll um die alte Frau. Beklemmend wie sie mit dem Tod konfrontiert sind.

Ab da nimmt der Film eine Wendung in die Abgründe der Psychologie. Er verliert jeglichen Realismus. Der Übergang passiert schleichend. Armin fährt mit dem Auto los. An einer Tankstelle steht zwar ein Auto, das betankt wird, stehen zwei Motorräder, ist der Kiosk offen, aber kein Mensch weit und breit.

Armin ist ein korrekter Mensch, besorgt sich Einkäufe und legt das Geld auf die Theke. Kurz nach der Tankstelle gibt es einen in eine Leitplanke gekrachten Wagen und auch kein Mensch weit und breit.

Diese Leere weitet sich aus, als funktioniere die Welt nicht mehr empirisch, an der Grenze zum absurden Theater oder zum Surrealismus.

Armin hat den Boden unter den Füßen verloren. Es mag ein Traum sein. Es mag ein Bohren in den Tiefen seiner Träume sein. Eine Frau taucht auf, Kirsi (Elena Radonicich). Ab hier wird es eine spannende Mann-Frau-Beziehung mit einer zwischen den beiden Darstellern hervorragend funktionierenden Chemie. Es scheint, als wolle Köhler auf den Traum gar keinen Deckel mehr setzen, als wolle er den Film ganz ohne Moral auslaufen lassen. Eine seltene und leise strahlende Kinoblume aus Deutschland.

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Ein Stück Biopic aus dem Leben des Ersten Mannes auf dem Mond, Neil Armstrong.

Der Film nach dem Buch von Josh Singer (Die Verlegerin) nach dem Roman von James R. Hansen in der Regie von Damien Chazelle (La la land; Whiplash – mit diesen beiden Filmen hat Chazelle eine recht smarte, hollywoodkonforme Kinohandschriftenprobe vorgelegt) fängt bei der Landung eines Vorversuches zum Mondflug 1961 in der Mojave-Wüste an.

Da zeigt der Film schon, worauf es ihm ankommt: auf Markerschütterung scheint er es anzulegen, bildnerisch mit ungeheurem Geruckel, dass die Leinwand zu bersten droht und mit Sound aus allen Kanälen. Der Film will nahe gehen, erzählt er uns damit.

Und er will uns noch näher gehen, indem er das Leben von Armstrong auf zwei Schienen erzählt; als Familienvater mit einer stinknormalen Familie, ja mit tragischem Input: ein Töchterchen, was an einem Tumor ganz klein schon stirbt; aber eine Vorbildfamilie.

Wobei es ein lustiges Apercu ist, dass seine Frau Janet (Claire Foy) mit einer Nacharin über diese Normalität spricht, respektive von ihr träumt, nachdem das Astronautentum ihres Mannes immer abenteuerlichere Züge und Bekanntheit annimmt. Während die Nachbarin von einer Zahnarztgattin erzählt, die tatsächlich ein „normales“ Leben führe – und sich nach Außergwöhnlichem sehne. Der Mensch hat’s nie recht, so wie er’s hat. Das heißt nicht, dass mich solche Allgemeinplätze für den Film vereinnehmen.

Es gibt sogar Dinge, die mich eher distanziert lassen. Denn der ganze Film ist von einem selbstverständlichen, subtilen Patriotismus durchzogen, dass die Amis mit dem Mondflug endlich die Russen hinter sich gelassen haben, dass auf dem Mond das Sternenbanner weht (gerade deshalb diskutieren sie in den USA, ob der Film patriotisch genug sei, da dieses Pflanzen der amerikanische Flagge auf dem Mond nicht genügend zelebriert werde).

Auch vermittelt mir der Film in dieser Mischung aus Karriere und Familie, die beide aus der Mäuschenperspektive geschildert werden, das unangenehme Gefühl, dass ich mit etwas befasst werde, was ich nicht unbedingt wünschenswert finde; das ist vielleicht diese Selbstverständlichkeit, mit der ich diese patriotische Position, die den Mondlug bewundert und für Amerika reklamiert, nicht unbedingt teile.

Was mich ferner filmisch auf Distanz hält, das ist Ryan Gosling, der die Rolle offenbar unbesehen zugesagt hat, dem möglicherweise gar nicht aufgefallen ist, dass die Rolle alles andere als spannend geschrieben ist, denn die ist mehr Deko fürs Raumfahrtsmuseum denn Essential fürs heutige Kino.

Gosling muss so oft wie möglich frisch und jung aussehen, optimistisch sein, über Leichen gehen (bevor Apollo elf erfolgreich war, kamen einige Astronauten bei Fehlversuchen Tode). Da ist er dann nachdenklich oder weint. Aber der Star ist unterfordert mit der Rolle; denn der niederschwellige Patriotismus geht eindeutig vor. Dieser verträgt keine Komplikation durch eine komplexe Rolle. Da darf keine Schauspielerleistung ablenken davon.

Irgendwie scheint der Film den Zuschauer in eine Position des schlechten Gewissens zu drängen, dass er selbst sich nicht an diesen patriotischen Aktionen beteiligt hat, bei denen ein kleiner Schritt auf dem Mond einen großen Schritt für die Menschheit bedeute. Wobei der Film die Erklärung schuldig bleibt, was denn das für ein großer Schritt gewesen sein soll, wenn man die aktuellen gesellschaftlichen-politischen Zustände nur schon in Amerika betrachtet; dass der aktuelle amerikanische Präsident ein großer Schritt für die Menschheit sei, ein Fortschritt gar? So besehen gewinnt der Film die Qualität eines grimmigen Propagandastreifens.

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