Anrührend, wie die beiden alternden Comedians „Dick und Doof“ durch die britische Provinz tingeln. Siehe Review von stefe.

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Hier zeigt die einmalige Huppert den amerikanischen Filmvamps, was eine Harke ist – Horror pur. Siehe die Review von stefe.

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2 Tage vor Oktoberfestbeginn surrt es kunterbunt im Kino. Die Briten stecken den Kopf zwar nicht in den Sand, aber ins Innenleben der Monarchie. Die Kanadier lüften die Schnarchdecke einer Schlafstadt (am Fantasy Filmfest). Bürgerlich-christliche Palästinenser verteilen Hochzeitseinladungen in Nazareth. Die Albaner wollen in den Bergen Klarheit über den Religionskonflikt schaffen. In Berlin wird mit der Liebe gespielt. Die Amis schicken einen Filmstar auf den Neptun, geben einem Vietnamveteranen ein Ehrenamt, werfen ein industrielles Kinderanimationsprodukt auf den Markt und bringen einen Debattenfilm zum Thema MeToo. Die Deutschen gucken sich in die Jahre gekommene Rockopas an und lassen ein Kind auf der Leinwand nervig schreien. Das Zwangsgebührenfernsehen erholt sich bestens vom Verlust eines Kommissars und versendet einen dünnen Bericht über königstreue Vereine.

Kino
DOWNTOWN ABBEY
Wer sich so am den Royalties beoimeln kann, der braucht keinen Brexit fürchten.

RED LETTER DAY
Wenn viele Leute Humbug glauben, kann blutige Laienkillerei draus werden.

WAJIB
Eine Tour de Nazareth, ein Road-Movie mit Vater und Sohn, die die Einladungen zur Hochzeit der Tochter den Gästen persönlich überbringen.

EIN LICHT ZWISCHEN DEN WOLKEN
Ein Symbolstück aus den albanischen Bergen; den Religionskonflikt auf kleinsten Raum eingedampft.

HEUTE ODER MORGEN
Wenn aus dem Spiel mit der Liebe eine Ménage à Trois wird – Berlinflairmovie.

AD ASTRA: ZU DEN STERNEN
Erdenschwere statt Gravity trotz fabelhaftem Brad Pitt.

RAMBO: LAST BLOOD
Vietnam- oder Hollywoodtrauma?

ANGRY BIRDS 2 – DER FILM
Vögel, die nicht fliegen können, und Schweinchen als Identifikationsfiguren für Kinder.

SUBMISSION
Der brave Literat und die böse Bitch.

WER 4 SIND
Bilder- und Quasselverhau über Rentnerband.

SYSTEMSPRENGER
Mit diesem Film will Deutschland sich um den Auslandsoscar bewerben – die sind nicht von dieser Welt.

TV
POLIZEIRUF 110: DER ORT VON DEM DIE WOLKEN KOMMEN
Die Ermittlungsmethode ist spannend – und nicht der Kommissar.

BAYERN ERLEBEN – UNTER KÖNIGSTREUEN
Vereine im Schwundmodus.

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Ehrenamt.

Man könnte fast auf die Idee kommen, Ehrenamt könnte was mit Traumabändigung zu tun haben.

So scheint es jedenfalls bei John Rambo (Sylvester Stallone), der in einer einsamen Gegend zurückgezogen lebt mit seiner Haushälterin Maria (Adriana Barraza) und mit der jungen Gabrielle (Yvette Monreal), die ihn „Onkel“ nennt und auf dem Absprung zum Studium steht.

Mit dem Ehrenamt wird Rambo bei einem heftigen Sturm eingeführt, er versucht mit seinem Pferd drei verschwundene Wanderer vor dem Unwetter und vor Sturzbächen in Sicherheit zu bringen. Den übrigen Rettungsdienstlern ist er bekannt, wenn auch nicht vertraut, „ein Freiwilliger“ sei er.

Unter seinem Grundstück hat er ein ganzes Tunnelsystem gegraben und bastelt da, wenn er nicht gerade Pferde einreitet. Er hat sein Vietnam-Trauma. Er bekämpft es täglich, wie er sagt, vielleicht ist auch das Ehrenamt ein Mittel dazu.

Am Ende des Filmes werden noch Szenen und Bilder aus früheren Rambo-Filmen eingeblendet und da glaubt man zu verstehen, dass so eine Hollywood-Rolle, die Filmgeschichte geschrieben hat, zum Trauma werden kann für den Schauspieler, weil er von dieser Rolle nie mehr loskommt; sie holt ihn, wie dieser Film beweist, immer wieder ein.

Der Film selbst kommt als eine merkwürdige Mischung rüber. Die relativ lange Einleitung vor der Action kommt mir vor, wie eine weich-süße Daily-Soap-Geschichte. Gabrielle möchte endlich ihren (brutalen) mexikanischen Vater kennenlernen, der sie schmählich im Stich gelassen hat nach dem Tod der Mutter, weshalb sie die letzten zehn Jahre bei John aufgewachsen ist. John meint über diesen Vater, dass so einer sich nicht bessere im Gegensatz zum ihm selbst, der sein Trauma täglich im Zaum hält.

Auf eigene Faust zieht Gabrielle los über die Grenze. Sie gelangt in die Fänge der Zwangsprostitution, Rambo sucht sie. Es folgt ein heftiger Action-Teil, der an das Mexiko-Klischee der 70-er-Jahre-Filme erinnert und brutal und blutig ist.

Für den Countdown wiederum hat sich Rambo in seiner Datsche eingerichtet mit Sicherungsmaßnahmen, die den ganzen Vietcong oder eine ganze Ami-Armee fertigmachen könnten; das ist von der realistischen Glaubwürdigkeit her vergleichbar mit dem Realitätsgehalt eines Videogames; es kommt als absehbare Mechnik daher. Wobei der Film keine Erklärung daür abgibt, woher Rambo all diese technischen Fähigkeiten hat; Tüftler ist doch eher ein Gegenbegriff zu Rambo.

Wehe, wenn die Traumata losgelassen, wenn kein Ehrenamt sie mehr bändigt. Man kann daher den Stellenwert eines Ehrenamtes nicht hoch genug einschätzen. Sollten wir Sylvester Stallone mehr Ehrenämter wünschen?

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Willst Du einen Kakao?

Bringt ein Mann ein Kind mit blutüberströmter Stirn zu sich nach Hause. Fragt seine Frau zuerst, was denn passiert sei und ohne eine Antwort abzuwarten, „Willst Du einen Kakao?“. In der nächsten Szene sitzt das Kind am Tisch, hat einen Kako vor sich und jetzt fängt die Mutter an mit der Wundversorgung. Deutscher Alltag im Kino. Dieselbe Mutter ist, wenn sie mitten in der Nacht aufsteht und nach diesem fremden Kind schaut, perfekt geschminkt wie für eine Galavorstellung. Sicher keine Galavorstellung im Kino.

Harter deutscher Subventonskinoalltag, der regelmäßig jegliche natürliche Handlungslogik von Menschen in Abrede stellt und diese Menschen mit Sätzen zu charakterisieren versucht, die offenbar auf Drehbuchwerkstätten den armen Studenten beigebracht werden, Zweck- und Erklärsätze: „Wir gehen jetzt alle runter frühstücken und nichts ist passiert“, „Du wirst schon eine Lösung finden, dass sie nicht ständig hier auftaucht“, „Ich mach Schluss, tschüss“, „Die eigene Mutter ist immer das Beste“, „Justin ist raus aus dem Krankenhaus und 6 Tage zuhause“, „Du weißt Benni, es gibt die Möglichkeit, dass Du wieder bei Frau Schwarz wohnst“, „Im Moment haben wir alle Argumente auf unserer Seite“, „Ich werde Ihre Entscheidung respektieren, wie immer sie ausfällt“, „Ich muss jetzt leider weitermachen“, „Du, heute geht das leider wirklich nicht“, „Mein Blick auf die Uhr sagt mir, wir können auch ohne Frau Glas anfangen“.

Jetzt könnte man ein Ratespiel veranstalten, um was für einen Film es sich wohl handelt, in dem solche Sätze vorkommen und die von bedauernswerten Schauspielern gegen Gage gesprochen werden (die Schauspieler sind weisungsgebunden und müssen sich nichts denken dabei).

Der Systemsprenger in diesem Film von Nora Fingscheidt ist eine Systemsprengerin, es ist die 9 Jahre alte Benni (Helena Zengel), die vor allem viel schreien muss, die ein offenbar unerziehbarer Wildfang ist, der nicht in das staatlich vorgesehene, humanistische Fürsorge- und Erziehungssystem passt. Zu einem ähnlichen Thema gibt es den französischen Film, „Alles außer Gewöhnlich“ (der am 5. Dezember in die Kinos kommt – was machen mit einem Menschen in der Öffentlichkeit, der immer, wenn er mit der Bahn über eine Brücke fährt, die Notbremse zieht? Da könnten die Deutschen etwas über die filmische Darstellung zum Umgang mit Systemsprengern lernen).

Diese behandeln das Thema teutonisch penetrant, im Stechschritt, versuchen mit heftiger Musik, unruhigen Bildern als subjektive Verstärker der Heftigkeit der Emotion des Mädchens enervierende Power zu geben, was mehr dem Eindruck denn dem Verständnis dient. Um die „Patientin“ bemüht sich eine Korona von Helfern, Lehrern, Betreuern, Fürsorgern, Ärzten.

Der Film fängt mit einer schulfilmreifen Szene mit einer Ärztin (Melanie Straub) an, es geht um Medikamentierung. Es gibt eine übeforderte Mutter (Lisa Hagmeister), zu der Benni unbedingt zurückmöchte. Es gibt den Erzieher, der ein guter Mensch sein will, immer sehr besorgt schaut und mit dem Kind drei Tage – allein! – in den Wald geht („honny soit qui mal y pense“) und der das Kind zu sich und seiner supergeschminkten Gattin mit nach Hause nimmt. Dass dieser Film der deutsche Vorschlag zum Kandidaten für die Nominierung zum Auslandsoscar ist, sagt alles über die darniederliegende deutsche Film-, vor allem Drehbuchkultur.

Bei all dem Inszenierungs- und Drehbuchtohuwabohu scheint Benni blendend zu gedeihen. Sie lebt nach dem Motto: Alles muss raus und die Show must go on!

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Tour de Nazareth.

Halb Nazareth in 90 Minuten.

Keine Sightseeing-Tour. Wer es aber mag, Einblicke in fremde Verhältnisse zu erhalten, ohne gleich als neugieriger Eindringling empfunden zu werden oder zu stören, der ist hier richtig.

Annemarie Jacir begleitet in ihrem Film Abu Shadi (Mohammad Bakri, ein fabelhafter Alters- und Chrakterdarsteller) und seinen Sohn Shadi (Saleh Bakri) auf ihrer Fahrt in einem Auto, das in unseren Augen ein Oldtimer ist, kreuz und quer durch Nazareth. Sie gibt dabei einen Einblick in das Milieu bürgerlich-christlicher Palästinenser in Israel.

Abu Shadi selbst ist ein bekannter Lehrer. Sein Sohn Shadi studiert Architektur in Italien. Vater nimmt es nicht so genau mit seinen Erzählungen über den Sohn, um den Leuten ihre Träume zu lassen. So meinen manche, Shadi studiere Medizin in Amerika. Dort lebt die Ex-Frau von Abu Shadi, die vor Jahren mit einem Liebhaber abgehauen ist, Papa durfte die Kinder erziehen.

Der Film zeigt an Beispielen, dass die traditionelle Familienstruktur in diesem Milieu am Zerbröseln ist. Aber Abu Shadi will eine richtig große Hochzeit für seine Tochter Amal (Maria Zreik). Das ist das dramaturgische Muster, dass die Hochzeitseinladungen persönlich den Gästen vorbeigebracht werden. So gibt es Einblicke in viele Häuser, Wohnungen und Lebensverhältnisse – und immer sollen die Einlader auf einen Kaffee oder Tee bleiben.

Es gibt Fälle, bei denen sich Vater und Sohn in die Haare geraten. Wenn der Vater den israelischen Aufseher der Schule einladen will, weil der einerseits ein Freund sei, und der Vater andererseits auf eine Beförderung hofft. Der Sohn sieht in ihm einen Spitzel.

Die Lage dieser christlichen Palästinenser, die in Israel leben und hier Bürger zweiter Klasse sind, wird nicht fingerzeigdick als diskriminierend beschrieben; sie ist sogar halbwegs kommod. Die Begrenzungen des Lebens werden da und dort erwähnt, man versucht, sich durchzuschummeln.

Es gibt andere Klassen, auf die heruntergeschaut wird, wenn ein Junge aus der Westbank auf einer Straße versucht, Nikolaus-Artikel an den Mann zu bringen. Während das Elend der Palästinenser in Gaza kaum zur Sprache kommt. Vor allem das Radio bringt immer wieder die verzwickte und unlösbare politische Situation ins Bewusstsein in diesem unterhaltsamen Road-Movie.

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Auf einen Olivenkern gebissen.

Das habe er, erzählt Ted Swenson (Stanley Tucci) seiner Gattin Ruby (Colby Minifie) nachdem er sie mit der Studentin, die eine richtige Bitch ist, Angela (Addison Timlin) betrogen hat.

Die Plombe ist beim Küssen rausgefallen. Der Erfolgsautor tischt seiner Frau die Story mit dem Olivenkern auf. Er ist ein schlechter Lügner und hatte mit einem Buch Erfolg. Er kommt mit seinem zweiten Buch nicht weiter, das „The Black and The Black“ heißen soll in Assoziation zu „Rot und Schwarz“ von Stendhal.

Die begabte Studentin Angela möchte unbedingt, dass er wenigstens das erste Kapitel aus ihrem Buch „Eggs“ liest. Es ist, so weit für den Zuschauer erkennbar, ein einfaches, erotisches Geschreibsel.

Der Film fängt an wie großes literarisches Kino. Stanley Tucci mit Literatenhaarschopf und schwarzrandiger Literatenbrille gibt ein Seminar an der Uni. Sie reden über versaute Literatur. Sie erwecken den Eindruck von geistiger Offenheit und Toleranz abseitigen, sexuellen und literarisch behandelten Praktiken gegenüber.

Der Professor scheint ein in sich ruhender Mann zu sein. Die Ehe ist in Ordnung, sie geht ihren ruhigen Gang. Und da fängt das Problem an. Er hat kein Problem, außer dass er bei seinem neuen Buch nicht so schnell vorwärts kommt. Da kommt diese Bitch von Studentin und versucht mit aller Energie, den Professor rumzukriegen.

Was sich dabei abspielt, entfernt sich allerdings immer weiter vom Literaturfilm, verändert sich rapide in Richtung verfilmter Groschenliteratur.

Der Professor solle die Studentin zum Kauf eines neuen Computers fahren. Und er möge helfen, das Gerät auf ihr Zimmer zu tragen. Da steckt sie ihm beim Installieren ihr Hinterteil so massiv entgegen wie es plumper – auch filmisch – nicht geht. Sie ist die aktive Verführerin.

Allmählich kristallisiert sich heruas, was Richard Levine mit seinem Film nach dem Roman von Fancine Prose bezweckt: er will einen Debattenbeitrag, etwas spät freilich, zum aus den News praktisch verschwundenen Thema des MeToo leisten. In dem Sinne, dass es für eine Verführung zwei brauche und dass nicht jede Anschuldigung auch berechtigt sei, dass nicht jeder Alpha-Mann grundsätzlich und prinzipiell seine Position missbrauche.

So endet der Film in einer Sitzung der Ethikkommission der Uni, vor der der Professor schlechte Karten hat – und der Zuschauer, der es anders vorgeführt bekommen hat, kann ja schlecht eingreifen. Das ist der Absturz aus dem Literaturfilm, den er anfangs vorgibt zu sein, zum reinen Thesenfilm.

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Das Spiel mit der Liebe 2019.

Sie sind jung, sexy, erotisch, offen, neugierig, schelmisch, abenteuerlich, sehnsüchtig, selbstsicher, suchend. Sie zieht es nach Berlin. Niels (Maximilian Hildebrandt) kann im Loft seines Onkels unterkommen. Er hat einen Job als Kellner in einem kleinen Café. Seine Freundin Maria (Paula Knüpling) sollte studieren, hängt lieber rum und ab, ist nächtens mit Sprayern unterwegs, klaut.

Niels und Maria leben eine (erst mal theoretisch) offene Zweierbeziehung. Sie machen forschfrech und unverschämt und direkt Leute an, egal, ob Mann oder Frau.

Der erste, Ben (Yotam Ishay), ist ein bekannter Künstler auf dem Absprung in die Emirate und gerade nicht interessiert an Sex zu Dritt. In der U-Bahn fällt Maria Chloe (Tala Gouvela) auf, bittet sie um Radieschen. Aus der Anmache wird schnell mehr, geht in Beziehung über, die zur Verstimmung zwischen Niels und Maria führt. Aber Eifersucht will Niels sich nicht nachsagen lassen.

Die Dreierbeziehung geht durch Abenteuer, nächtlichen Einstieg in ein Schwimmbad, Chloe steht Schmiere beim Sprayen, es wird gemeinsam gekocht, gechillt oder die Eltern von Maria besucht; das Bett ist aller Dreier Bett, wobei Luder Maria nicht immer ganz so cool bleibt, wie sie vorgibt zu sein.

Chloe stammt aus England und ist wegen ihrer Doktorarbeit in Berlin.

Der Film von Thomas Moritz Helm erzählt den Fortgang dieser Dreier-Beziehung, dieser Méange à Trois, immer an der Grenze zwischen Ernst und Spiel. Daraus ist eines dieser lockeren Berlin-Movies mit Flair und Direktheit geworden. Unaufwändig aufgenommen, spontan wirkend. Die Kamera ist immer nah am Geschehen, am Abenteuer, am Atem, an der Erotik, an der Unsicherheit, auch sie hungert nach Leben wie die Protagonisten und bildet so ein prima Selfie der Generation 20+ im Berliner-(Kino)-Flair.

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Poesie der Einfachheit

oder die Kraft des elementar/archaisch Reduzierten, Symbolischen: Familie, Erbschaft, Religion, Platz für alle?

Besnik (Arben Bajrktaraj) ist ein einfacher Hirte in den Bergen Albaniens. Ein Dorf. Ein Bolzplatz. Eine Moschee, die früher einer Kirche war. Besnik pflegt seinen Vater. Wie dieser im Sterben liegt, kommen sein Bruder Alban (Osman Ahmeti) und seine Schwester Fitore (Irena Cahani) mit ihren Familien.

Von Besnik heißt es, dem Verschlossenen, dass er möglicherweise psychische Probleme habe. Was Frauen betrifft, da scheint einmal etwas gewesen zu sein, aber die Glaubensodogmen waren davor. Die spielen auch jetzt wieder eine Rolle.

Besnik entdeckt in der Moschee einen Fleck, einen Riss. Das führt zu Aufruhr in der islamischen Gemeinde. Eine Frau vom Amt für Denkmalpflege soll sich staatlicherseits darum kümmern. Sie wird in Besnik längst verschüttete und in schönen Schnitzereien kompensierte Gefühle wecken.

Auch der Glaubenskrieg wird durch den Tod des Vaters wieder virulent, die Spaltung geht durch die Familien, die verschiedenen Teile können nicht mehr am selben Tisch essen von wegen Schweinefleisch und so und die Katholiken und Muslime wollen nicht mehr im selben Gotteshaus Gottesdienste feiern. Hinzu kommt das Erbschaftsproblem.

Das Einfachste und das Elementarste scheint für den Menschen gleichzeitig das Schwierigste, das arbeitet Autor und Regisseur Robert Budina unter abgeschiedenen Bergbedingungen kristallklar heraus.

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Crazy Brexitishness.

Pfeif auf den Brexit, ob geordnet oder chaotisch, pfeif auf Europa, pfeif auf die Welt, wenn wir so geschichtenergiebige Adelshäuser haben, werden sich Regisseur Michael Engler und Drehbuchautor Julian Fellowes gesagt haben, wir haben fantastische Schlösser, wir haben fantastische Ausstattung derselben, wir haben fantastische Schauspieler (an der Spitze Dame Maggie Smith als die Schlossherrin), die ein großartiges Britisches Englisch sprechen, mit dem wir ja einsten die Welt erobert und unseren Adelsreichtum finanziert haben und von dem wir in alle Ewigkeiten zehren werden.

Als Konglomerat oder Essenz oder Musterbeispiel aus der Fernsehserie wird hier ein Ereignis auf Schloss Abbey ins Zentrum des Geschehens gerückt: ein Besuch des britischen Königs und seiner Gemahlin.

Das sorgt im Schloss mindestens für die Aufregung wie in Seldwyla der Besuch eines Schneiders (Aufschneiders). Die Briten sind ja firm darin, das Zweiklassensystem in ihren Filmen zu zeigen, die Darsteller werden immer wieder mit solchen Aufgaben betraut – sie schöpfen aus dem Vollen.

Um diesen bevorstehenden und dann auch realisierten Königsbesuch werden wie an einer Perlenschnur kleinere Menschengeschichten gereiht, Liebschaften, überwiegend nicht ganz comme il faut, Neidereien, Eitelkeiten, Standesdünkel, böses Geschwätz und Intrige, ja es wird sogar richtiggehend revolutionär zu einem Aufstand des Schlosspersonals kommen gegen die eingebildete Dienerclique aus dem Buckingham-Palast, die glaubt im Schloss der Crawley gleich das Szepter übernehmen zu müssen.

Autos und Kutschen spielen mit, eine uralte Trambahn, ein Motorrad, ein Dampfkessel, der wegen der Reparatur menschliche Verähltnisse durcheinanderbringt, ja sogar ein Attentat auf den König bei der Parade mit den schönen Pferden ist geplant und, ob man es glaubt oder nicht, es gibt einen Schwulenclub, bei dem es heiß zu und her geht, ein unerwartetes Coming-Out, eine Razzia, eine überraschende Erbschaft für ein vermeintliches Dienstmädchen, ein verlegener Diener vor dem König – die ganze Geschichte fädelt ein Brief ein, sein Weg schreibt Postgeschichte nach, vom Abtrocknen der Tinte der königlichen Unterschrift bis hin zur Übergabe an den Schlossherrn von Abbey. Wer solche Filme macht, dem braucht vor einem Brexit nicht bang sein.

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