Socken-Kampagne

Vor Jahren gab es im Lande die Rote-Socken-Kampagne. Damit versuchte eine politische Partei eine andere fertig zu machen. Gebracht hat es nicht viel. Heute klammern sich diese Parteien einträchtig (und einträglich) an die Regierungspfründen. Ihnen macht das Virus zu schaffen und sie sehen den Wohlstand – und ihre Pfründen – davonschwimmen. Deshalb versucht diese Regierung mit einer Faule-Socken-Kampange im Internet dagegen anzukämpfen. 

Es handelt sich um drei Propaganda-Kurzfilmchen der Bundesregierung, die die jungen Menschen dazu bewegen sollen, in Pandemie-Zeiten zuhause zu bleiben.

Besondere Helden 1

Faul wie die Waschbären, so wurden sie zu Helden. Sich auf die Couch legen und Verantwortung übernehmen. Die Jugend soll bittschön aufs Feiern verzichten. 

Besondere Helden 2

Das ganze Land schaute auf die Jugend. Die durch Nichtstun die Ausbreitung von Covid verhinderte. Tapfer zuhause rumgammeln. Besondere Zeiten brauchen besondere Helden. 

Besondere Helden 3

Besondere Zeiten, schwere Zeiten. Faule Socke. Es war leicht ein Held zu sein. Blieb die ganze Zeit zu Hause. Hier wird, wer Home-Office macht, als faule Socke dargestellt und zum Helden gemacht. 

Es heißt immer, Schauen schult. So kann das Schauen solcher Filmchen in kinodürftiger Zeit als Schauschulung gesehen werden. Diese lehrt uns, wie viel vielfältiger und reichhaltiger doch unsere Kinowelt ist (gegenüber solch bescheidenen Propagandaprodukten) und dass die Kinos dringend wieder geöffnet werden müssen. Umsomehr als offenbar Lockdown 2 der falsche Lockdown war, der also die Falschen erwischt hat; denn wenn er die Antsteckungsbereiche betroffen hätte, dann hätten die Zahlen ja rückläufig sein müssen; aber im Gegenteil: die Zahlen sind gestiegen und gestiegen. Was beweist, im Kino – jetzt mal parteiisch gesprochen – hat sich noch kein Mensch angesteckt. Deshalb die Forderung: Wiederöffnung der Kinos SOFORT!

Immerhin dürften durch die Arbeit an den Bundesregierungs-Spots einige Soloselbständige etwas Bundes-Soforthilfe erhalten haben – und nicht einmal durch Nichtstun. 

Kommentar zu den Reviews vom 19. November 2020

Immer noch ist das Kino eine staatlich verbotene Sache. So weit sind wir schon. Nichtsdestotrotz!

Kino

MATERNAL

Nicht so klischeehaft, wie es sich anhört: Gefallene Mädchen im Kloster. 

DIE ADERN DER WELT

Der Mensch beutet den Boden, die Erde aus, auch in weiten Teilen der Mongolei. 

KURZFILMTIPP

DREI KURZFILMPREZIOSEN AUS BAYERISCHEN LANDEN

In coronaverdunkelten Zeiten wird selbst eine finstere Au zum Lichtblick.

DVD

MELLO MUD

So jung und schon eine Leiche im Keller. 

DAS ENTSCHWINDEN

Tochter als Kollateralschaden der Weltkarriere einer Pianistin.

AFRICAN KUNG-FU NAZIS – DIE DOKU ZUM FILM

Ist Afrika das heißere Hollywood?

UNDINE

Ihr Credo: es gibt nur eine Liebe. 

VOD

UNDINE

Ihre Rache ist unerbittlich. 

Mello Mud (DVD)

Instabile Lage

Ein frappanter Gegensatz hält diesen Film von Renars Vimba aus Litauen in einer faszinierend schwebenden Lage. 

Der Titel referiert auf die soziale Instabilität, den sanften Schlamm, in welchem die knapp 18-jährige Protagonistin Raja (Elina Vaska) und ihr kleiner präpubertärer Bruder Robis (Andzejs Lilientals) bei ihrer Oma Olga (Ruta Birgere) aufwachsen, die gleichzeitig ihr Vormund ist. Viel pädagogischen Einfluss kann die alte Dame nicht ausüben in ihrer einfachen Behausung fernab des Provinznestes, in welchem die Kinder zu Schule gehen. 

Für Kinder ist das paradiesisch, so eine Gegend mit See, Sumpf, Wiesen, lichte Wälder, baltisch. Aber Schulbegeisterung ist nicht; Raja schwänzt lieber. Die Unterschrift der Oma ist leicht zu fälschen. 

Die Mutter hat die Kinder verlassen und es ist eine der leicht skizzierten Storylines, dass Raja sie finden möchte. 

Gegen die Instabilität, und das hält den Film in einer vibrierenden Schwebe, setzt Raja stoisch die Provokation des Coming-of-Age. Es ist nicht primär Systemsprengertum, es wirkt als solches, aber nie sensationalistisch.

Eine zweite Storyline ist die Begabung für Englisch von Raja und der Wettbewerb in der Schule, bei welchem eine Reise nach London lockt. Das berührt die dritte Linie, das ist das Verhältnis zum Lehrer Oskars (Edgars Samitis). Raja wundert sich, was ihn aus Riga in die Provinz verschlagen habe. Er wiederum guckt, erst mal wohl aus pädgogischem Eros, großzügig über die Schulschwänzereien hinweg und ermöglicht Raja die Teilnahme am Wettbewerb. 

Oskars gibt Raja auch Nachhilfe. Da sitzt man notgedrungen näher beieinander. Die Beziehung entwickelt sich wunderbar selbstverständlich und unaufgeregt. 

Dann haben die beiden Kinder plötzlich noch, wie man zu sagen pflegt, eine Leiche, zwar nicht im Keller, aber doch zuhause. Da wird es skandalöser; schafft es aber nicht, den Film in eine aufgeregte Schieflage zu bringen; schließlich schaut ja ab und an der Postbote mit Omas Rente, die Fürsorge oder eine gute Bekannte vorbei. 

Den Boden entzogen, den Boden bereitet, Dialektik der Abgründigkeit und des Gleichgewichts. Ein guter Trost in coronabedingt kinoverbannten Zeiten. 

Maternal

Kindsvernachlässigung.

Ein Thema, was immer mal wieder auf der Leinwand aufscheint. Demnächst aus der Schweiz mit Platzspitzbaby, eine Mutter, die auf Drogenentzug ist und eigentlich nicht fähig, die elterliche Verantwortung für ihre Tochter zu übernehmen. Oder kürzlich aus Chile Ema, die wild lebt, tanzt, liebt und ihr adoptiertes Kind zurückgeben möchte. 

Jetzt aus Argentinien ist es Luciana (Agustina Malale), ledige Mutter, fasziniert von den Kerlen, magisch angezogen von Schlägertypen, eine Gossensprache sprechend und unzuverlässig in der Versorgung ihres Töchterchens Nina. Abgekürzt wird sie Lu gerufen; könnte eine deutsche Kurzform von Luder sein. 

Lu ist untergebracht in einem Nonnenkloster, das sich lediger Schwangerer und unverheirateter junger Mütter und deren Kinder annimmt. Lu teilt ein Zimmer mit Fatima (Denise Carrizo). Die ist anfangs des Filmes schwanger und unterstützt Lu in ihren Ekapaden, leiht ihr Geld, wenn sie sich sexy anzieht für ihr Ausbüchsen aus dem Kloster, um sich mit unguten Kerlen für Sex zu treffen. 

Lu verschwindet auch mal für Tage. Unhaltbare Zustände für das Kloster und das Kind. Sie gaukelt Fa vor, dass sie beide als ledige Mütter zusammenziehen wollen. Fatima bringt ihr Kind zu Welt. Lu ist mal wieder weg. 

Im Kloster ist eine Elevin aus Italien angekommen, Paola (Lidiya Liberman). Sie wird in ihrer glaubensstrahlenden Art zu einer Ersatzmutter für die kleine Nina. Der Konflikt spitzt sich auf der Frage zu, ob Lu die elterliche Gewalt wegen Kindsvernachlässigung entzogen werden soll. 

Maura Delpero, Drehbuch und Regie, schildert die Vorgänge um Lu und ihr Kind beinah meditativ. Sie bleibt eine neutrale Beoachterin, nachdenklich das Milieu schildernd, nicht einen Moment Partei ergreifend, weder für noch gegen die Kirche, weder für noch gegen die „gefallenen Mädchen“. Sie lässt die beiden Welten unterm Dach der Kirche leben, sich ein Stück weit tolerierend, auch wenn es den Nonnen schwer fällt, eine Party der ausgelassenen jungen Damen zuzulassen. Delpero umschifft das Risiko des Klischees, des leichten Ausspielens der Gegensätze dieser beiden Welten. Sie horcht in die Figuren hinein, in ihre Needs und beobachtet die Vorgänge in dieser Menschengemeinschaft mit filmsüßen Kindern. 

Die Adern der Welt

Spröde Melancholie.

Der Dokublick kommt Byambasuren Davaa zugute bei ihrem ersten Spielfilm. Gleich ihr Abschlussfilm an der HFF München sorgte weltweit für Furore bei Festivals und Publikum: Die Geschichte vom weinenden Kamel. Seither hat die mongolische Regisseurin weitere Dokumentationen über die Mongolei gedreht. 

War der erste Film noch eine Dokumentation, die die Mongolei als das deutsche Sehnsuchtsland im romantischen Sinne darstellte und mit einer gut vorbereiteten Kamelträne zu Tränen rührte, so hat sich grundlegend an der Dramaturgie nicht viel geändert, zumindest nicht mit der Zuspitzung auf ein Ende hin, das dem Film weit über die Mongolei hinaus Gültigkeit verschafft im Sinne der Erhaltung des Planeten und der Geißelung der Gier nach Gold und damit einhergehender Zerstörung nicht nur der mongolischen Landschaft. 

Dabei stellt sie das traditionelle mongolische Nomadenleben längst nicht mehr als das Alleinseligmachende dar, sowohl so, wie die Kamera es schildert, als auch durch den Umstand, dass ein Viertel der Mongolei an internationale Minenkonzerne mit Schürfrechten verpachtet sei, was den traditionellen Nomaden auf den Leib rückt. 

Das sind keine schönen Bilder, wenn immer wieder Bagger und aufgerissene Erdoberfläche in der mongolischen Weite wie Fremdkörper auftauchen. 

Die Geschichte ist die von Amra (Bat-Ireedui Batmunkh), einem prachtvollen 12-jährigen Jungen, dessen Vater Erdene (Yalalt Namsrai) in der Gegend eine Berühmtheit und beliebt war im Widerstand gegen die Abbauindustrie. Der kommt bei einem tragischen Unfall ums Leben. 

Jetzt ist der jugendliche Held gefragt. Er lässt nichts zu wünschen übrig. Er geht zur Schule in adretter Schuluniform, will Ernährer der Familie spielen und den Käse der Ziegenherden verkaufen. Dabei gerät er an Arbeiter, die illegal schürfen. Die bohren tiefe Löcher, in die ein Mann hinaabgelassen wird, das Erdreich in Plastikgefäße schaufelt, das wird hochgezogen. Ein Junge von 12 Jahren passt da besser rein. 

Thema Kinderarbeit ist somit auch noch angesprochen. 

Gegenläufig zu dieser Geschichte, bei der der Junge die Schule schwänzt, läuft in Ulan Batoor die Auswertung eines Castings von Kinderstimmen für einen Nachwuchswettbewerb im Fernsehen. Amr wird eingeladen, womit der Endspurt des Filmes eingeleitet wird. 

Byambasuren Davaa erzählt die Geschichte so extensiv wie die mongolische Landschaft ist, sie verzichtet auf jegliche Romantisierung. Selbstverständlich kommen die Jurtenbilder vor, der Junge allein in der Landschaft, aber eben auch die zerstörerische Minenindustrie, die sich nicht aufhalten lässt bei ihrem Raubzug in der Steppe, auch nicht durch Attentate mit Zucker in den Benzintank. 

Die Regisseurin verzichtet auf alles Fingerzeigige, wie es so oft in geförderten deutschen Filmen zu beobachten ist. Sie verzichtet auf Erklärungen; sie nimmt die Rolle der Beobachterin ein und lässt sich dafür Zeit; sie hat sich für eine nomadisch karge Erzählweise entschieden. Gerade deshalb wirkt der Switch am Schluss zur Allgemeingültigkeit umso frappierender. Dagegen störend wirkt als schmerzlicher Culture-Clash die deutsche Billigsynchro. 

Das Entschwinden (DVD)

Klassik und Kollateralschäden.

Louise (Elise de Brauw) muss ein Wunderkind gewesen sein. Schon mit elf Jahren tourte sie als Pianistin um die Welt; ihre Finger waren versichert. Ihre Tochter Roos (Rifka Lodelzen) hat sich mit 8 Jahren entschieden, beim Vater zu bleiben. Mutter war so erfolgreich, dass sie sich auf ein Landhaus in einer einsamen Berggegend Norwegens niederlassen konnte. Hier zieht sie den Nachzügler-Sohn Bengt (der ist gerade mal 13) auf, gibt Klavierstunden und hat ein Rudel Schlittenhunde. 

Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, falls überhaupt von so einem gesprochen werden kann, ist ein eisiges. Tochter musste weit Reißausnehmen vor so einer Mutter, bis in den Kongo ging es. Dort hat sie ein Buch geschrieben. 

Der Film von Boudewijn Koole nach dem Buch von Jolein Laarman setzt da ein, wie Roos nach Jahren ihre Mutter in Norwegen im Winter besucht. Sie erzählt ihr vom neuen Buch. Die Begegnung bleibt kühl. Gespräche kommen nur stockend in Gang. 

Den leichtern Zugang hat Roos zum jüngeren, präpubertären Bruder. Der ist ein Tönesammler. Besonders Eiszapfen, Eiswände, Eishöhlen haben es ihm angetan. Er züchtet sogar Eiszapfen, die einen bestimmten Ton erzeugen, wenn man mit einem Metallstab leicht drauf schlägt. 

Die Geschwister gehen zusammen eisschwimmen, saunieren und der kleine Bub darf sogar die Brüste der älteren Schwester betouchen und über Küsse unterhalten sie sich auch. Roos trifft Ex-Freunde, da flammt auch wieder was auf nebst Gesprächen. 

Erst nach und nach bricht das Eis zwischen Mutter und Tochter. 

Koole arbeitet sehr mit dem Atmosphärischen, mit dem Detail. Ihn interessieren Strukturen, die die Fragilität des Seins spürbar machen, die norwegische Winterlandschaft mit den zerbrechlichen Baumzeichnungen oder Eisgebilde; Menschen wie verloren in der Schneelandschaft und ganz klein oder Menschen auf dem Eis oder von Schlittenhunden durch die Gegend gezogen. 

Es geht Koole in seinem Film um Kollateralschäden der Klassik, denn das Karrieredenken der Mutter dürfte entscheidend gewesen sein für das missratene Verhältnis zur Tochter. 

Mit solchen Kollateralschäden der Klassik oder der hohen Kunst befassen sich immer wieder Filme, zuletzt Schwesterlein im hohen Theatermilieu angesiedelt oder vorher Das Vorspiel im Klavierlehrer-Milieu, ebenfalls mit einer überzeugenden Nina Hoss. 

Es ist ein Kunstfilm, der meisterhaft Stimmungsmalerei und Menschencharakterisierung verbindet, der nicht auf den Skandal setzt sondern ruhig die menschlichen Gräben und Verwerfungen betrachtet ganz ohne Wertungen, sich aber wiederum von Begleittönen inspirieren lässt (Eis, das wie eine Birke klingt). So leise und verhalten die Gespräche geführt werden, das hindert nicht daran, dass sie in Dramatik – ebenfalls nordisch verhalten – ausarten können bis zur Kollision mit einem Elch. Betrachtung von Eis als gefrorenem Ton. Die Mutter hält der Tochter ihre extreme Präsenz vor, während diese sich wehrt, sie sei kein Musikstück. Präsenz-Gerangel?

Drei Kurzfilmpreziosen aus bayerischen Landen

Zu kulturell-demokratisch düsteren Coronazeiten mit Kinoverbot passen ganz gut düstere Erzählungen aus dem Bayerischen Wald, von lange her oder neuere. 

Philipp Wagner aus Passau hat eine Trilogie solcher Geschichten nicht ohne Schalk im Nacken verfilmt und im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – wobei deutsche oder gar englische Untertitel für Anklicker aus der weiteren Umgebung hilfreich wären. Die Filme sind jedoch angenehm dialogarm und die wunderbare niederbayerische Erzählstimme bildet eine tragende Klangwolke wie aus dunklen Tiefen. 

ARME SEELE gleich Fegefeuer. Arme Seelen sind Wiedergänger, die in den Rauhnächten zurückkehren als Erlöser vom Leiden.

Die Idee für FINSTERE AU enststammt Johann Dachs‘ „Wahre Geschichten von Wilderei und Fürstenmord“, eine Wilderergeschichte. 

S‘ LICHTL ist ein Vorkommnis „nach einer wahren Begebenheit“ aus dem Buch „wenn’s weihrazt“ von Karlz-Heinz Reimeier. 

Protagonisten sind Barbara Dorsch (demnächst mit einem Gastauftritt im heiß erwarteten „Kaiserschmarrndrama“), Klaus Stiglmeier, Veronika-Marie von Quast, Johannes Weikl, Vanessa Calvano und Eva Wagner. 

African Kung-Fu Nazis – Die Doku zum Film (als Bonus-Material auf der DVD)

Kumawood

In Kumasi, der größten Stadt Ghanas, gibt es eine ausgewachsene Filmindustrie. Die hat vor allem DVDs für den heimischen Markt, allenfalls den afrikanischen, produziert. Hier in Europa wird ab und an darüber berichtet, die Filme erreichen uns auf dem normalen Kinoweg nicht. In Ghana nennen sie es statt Hollywood oder Bollywood konsequenterweise Kumawood. 

In Japan lebt seit Jahren ein junger Deutscher, Sebastian Stein heißt er, spricht Japanisch und produziert dort Werbevideos. Er hatte nun eine Idee. Eine Idee, die sich verrückt anhört, die er aber konsequent umsetzte. 

Stein hat von der Filmindustrie in Ghana gehört. Er war verzückt von der Vorstellung, dort einen Film zu drehen, in welchem er deutsche, japanische und ghanaische Elemente zusammenbringen könnte, am besten mit einer Komödie. 

In seinem Film möchte Stein also Hitler und sein japanisches Pendant Hideki Tojo in Ghana überleben lassen, dort eine Kung-Fu-Schule betreiben und weitere Pläne zur Welteroberung entwickeln. Dagegen lässt er den Helden Addae antreten, damit der in gekonnten Mann-zu-Mann-Kämpfen sich der Diktatoren erwehre, so die Grundidee für den Spielfilm. Die Kosten wurden mit etwa 10′ 000 Dollar veranschlagt, die Stein erst mal selbst aufbrachte. Für die Regie konnte er den ghanaischen Regiestar Samuel K. Nkansah, der sich „Ninja-Man“ nennt, gewinnen, ein Autodidakt, der sich an asiatischen Kampffilmen über das Metier kundig gemacht hat, Jackie Chan als großes Vorbild. 

Diese Dokumentation, die ausschließlich auf dem limitierten Mediabook als Bonus-Disc zur DVD zu finden ist, erzählt diese verrückte Geschichte mit Temperament, die Vorbereitungen von der ersten Kontaktaufnahme aus Japan an bis zum Roten Teppich Ende 2020 in Ghana, von den Castings, dem Training (der Regisseur war mit seinem Protagonisten Sebastian Stein, der den Hitler spielt und seinem japanischen Hausmeister Yoshito Akimole, der Hideki Tojo spielt, und deren Actionkünsten gar nicht angetan und hat sie extra trainieren lassen). 

Der Film berichtet unterhaltsam nicht nur von der ghanaischen Filmindustrie, den Dreharbeiten, von Pannen und Ereignissen, sondern auch über das Leben in Ghana gibt es Eindrücke im Zusammenhang mit der Motivsuche, zwei Kirchengründer braucht es für eine Beerdigungs-Szene, Sargschreinereien, die Vodoo-Welt und auch das Kulinarische kommt vor mit dem ghanaischen Nationalgericht Fufu, das unter anderem Kuhhirn und Ratten enthält und sehr lecker sein soll. 

Oder es wird gezeigt, wie der ghanaische Filmschauspieler Marsuel Hoppel „Taylor“ für die Rolle des Horseman Göring deutsch, vor allem rrrs und chrrrs und Führerrrr übt, oder wie eine Schnapsbrennerei als Sponsor gefunden wird und vielleicht auch noch vom Einfluss des Alkohols am Set … oder der Schauspieler Steven Yaw Mawungo, „Biggi“, blondiert als Fettwanst Akpeteshi-Master, ein Kungfu-Lehrer, der Werbung für Alkohol macht, oder Details vom Action-Training: Stretches, Punches, Kicks und Moves. 

Kommentar zu den Reviews vom 12. November 2020

Wenn in den Hygienebürokratien denkende Menschen sitzen würden, gäbe es ab heute im Kino zu sehen: einen wundervollen amerikanischen Independent Film zum Thema Misstrauen und Annäherung; die Geschichte eines von wenig beachteten Opfern des Nazi-Regimes, eine Außenseiter-Geschichte aus der Ueckermark, eine Spuren- und Befindlichkeitssuche einer Holocaust-Nachfahrin. Auf DVD meldete sich meisterfotografisch der Rassismus im Süden der USA und eine internationale Action-Komödie aus Afrika. Im Fernsehen wurde der 9. November als Juxdatum betrachtet. 

Kino

DRIVEWAYS

Wenn ins Gespensterhaus die Menschlichkeit einzieht.

FREISTAAT MITTELPUNKT

Rekonstruktion einer erschütternden Holocaust-Opfer-Stimme.

NEUBAU

Außenseiter in der Provinz haben es nach wie vor schwer.

DISPLACED

Dritt-Generation von Holocaust-Opfern stellt die Deutschen zur Rede. 

DVD

WHAT YOU GONNE DO WHEN THE WORLD’s ON FIRE?

Ronaldo und Titus, Mardi Gras, New Black Panther, anno 2017.

AFRICAN KUNG-FU NAZIS

Stretches, Punches, Kicks, Moves aus Kumawood. 

TV 

LEBENSLINIEN: DER OBERPFÄLZER, DER DIE MAUER PLATT MACHTE

Na ja, wenn der Mauerbau zur historischen Skurrilität verkommt, dann sind wir inzwischen offenbar beim zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelandet. 

Go ahead, make my day.