Die Gewaltspirale,
die sich in Südtirol in den frühen 60ern entwickelt, ist das Thema dieses Filmes von Michael Kofler. Es wird so dicht und differenziert behandelt, dass der Film eine hohe Allgemeingültigkeit erhält.
Es gibt im Anspann einen kurzen historischen Hinweis, wie es dazu kam, dass das deutschsprachige Südtirol nach dem Zweiten Weltkrieg Italien zugeschlagen wird. Wie das Gebiet von Rom aus nicht nur stiefmütterlich, sondern diskriminerend behandelt wird und wie die Südtiroler sich dagegen wehren, sie wollen weiter Deutsch sprechen und Bildungschancen wahrnehmen.
Dieser Wunsch stößt in Rom auf taube Ohren. Verhandlungen über Verhandlungen bringen nichts. Eine Gruppe von Südtirolern entscheidet sich für Gewaltakte.
Im Zentrum steht die Bergbauernfamilie mit Anton (Laurence Rupp), seiner Frau Anna (Aenne Schwarz) und Antons Bruder Paul (Thomas Prenn). Anton und Anna haben einen Jungen, der bereits zu Schule geht; das nutzt der Film für einen Einblick in den zweisprachigen Unterricht.
Anna selbst ist Lehrerin und möchte wieder Schule geben, auch um ein Zugeld zu verdienen. Anton ist im revolutionären Untergrund tätig. Einer der ersten Aufsehen erregenden Akte ist die gleichzeitige Sprengung von Dutzenden von Strommasten und damit die Lahmlegung der elektrischen Versorgung der ganzen Region, „in Mailand gehen die Lichter aus“, heißt es in diesem Zusammenhang.
Die Schlagzeilen sind den Südtirolern sicher. Aber es kommt ein junger Mann bei einem der Anschläge zu Tode. Das Opfer hinterlässt eine Familie.
Die Polizei setzt sich auf die Spur der Attentäter. Hans (Fabian Mair Mitterer) bekommen sie zu fassen. Er ist ein Freund von Paul. Anton setzt sich rechtzeitig über die Berge nach Österreich ab.
Die Polizei richtet bei einem Verhör Hans übel zu. Das trifft Paul sehr. Er ist der empfindsame, derjenige mit künstlerischen Ambitionen. Er träumt davon, an der Akademie der Schönen Künste in München zu studieren. Vater war Bildhauer. In seinem ehemaligen Atelier stehen verhüllt Skulpturen von ihm.
Die Polizei versucht, die Familie dazu zu bringen, Anton zu überzeugen, sich zu stellen. Der denkt nicht daran.
Die Schauspieler sprechen Südtirolerisch; die Carabinieri und Vertreter des Staates Italienisch; zu beidem gibt es Untertitel; für die Ohren ist es gut, die Originalversion zu hören.
Das Drehbuch ist klug geschrieben und hält den Zuschauer bei der Stange. Die Handkamera bleibt nah an den Protagonisten und erzeugt eine dichte Atmosphäre, eine Atmosphäre der Atemlosigkeit, aber auch eine konfliktgeschwängerte, immer entlang der Frage, ob Gewalt das richtige Mittel sei, das Ziel der Autonomie von Südtirol zu erlangen.
Nach dem Blutvergießen kommt es zur Autonomie; das ist dem Abspann zu entnehmen. Es bleibt offen, ob es schneller oder gar nicht gelungen wäre, wenn nicht die terroristischen Aktionen Druck erzeugt hätten; der nicht frei davon war, in polizeilich nicht sauberen, genau so illegitimen Gegendruck auszuarten, die Spirale der Gewalt.
Die schwere Musik betont das Drama.
Der Abgeordnete Holzer (Roland Selva) bereut noch jahrelang, dass er in einem schwachen Moment, der Gewaltthese nicht den Riegel vorgeschoben habe.
Repression, Diskriminierung, Gewalt, das sind große Themen unserer Zeit. Apologeten der Gewaltlosigkeit wie einen Mahatma Gandhi sind heute nirgendwo an prominenter Stelle zu finden.
Die Gewaltspirale, die sich in Südtirol in den frühen 60ern entwickelt, ist das Thema dieses Filmes von Michael Kofler. Es wird so dicht und differenziert behandelt, dass der Film eine...