Lauter Hämmer. Hollywoodmärchen als Bilderknaller. Dem Altruismus gnadenlos auf den Zahn gefühlt in Indien und New York. Gleich zwei Filme legen miserabel antidemokratische Gesetze vorgeblich demokratischer Staaten offen, aus Britannien und Australien. Ein Koreaner setzt auf das Überraschungsprinzip, dieses aber hammerhart parasitär. Panikattacken-Hammer aus Österreich.Trotz Geburt in einem iranischen Frauenknast, muss ein Menschenleben noch nicht verloren sein. Und last not least, die biologische Landwirtschaft ist mehr Hammer als man glaubt. Das mit den Kapitälern ist ebenfalls ein Hammer, wenn auch kein filmischer. Auf DVD verbrennt sich ein koreanischer Dichternachwuchs in Liebe, gibt es die schwere Geburt einer berühmten Weihnachtsgeschichte und wagen sich junge Deutsche in die Antarktis.

Kino
MALEFICIENT 2: MÄCHTE DER FINSTERNIS
Opulentes Hollywoodmärchen.

AFTER THE WEDDING
Ist Altruismus von Natur aus gut – oder auch nur eine Abwandlung von Egoismus?

OFFICIAL SECRETS
Hier wird eine miese, antidemokratische, britische Gesetzgebung klar als solche offengelegt.

DIE INSEL DER HUNGRIGEN GEISTER
Der Begriff Weihnachtsinsel als Synonym für ein berüchtigtes Internierungslager.

PARASITE
Der Hammer dieses Filmes besteht darin, dass man ihn nicht verraten darf.

NEVRLAND
Schlachterei, Männerhaushalt und Schwulendisco als Hammermix für Panikbilder.

BORN IN EVIN
Geboren in einem iranischen Frauenknast, dann Filmhochschule München, wow!

AUS LIEBE ZUM ÜBERLEBEN
Jahrzehntelange Biobauernerfahrung ist nicht das Ende des Lateins.

DAS KAPITAL IM 21. JAHRHUNDERT
Erfolgsautors Pikettys Überambition mit einem Tour d‘ Horizon durch eine überfüllte Bilderwelt der Kapitalismusgeschichte.

DVD
BURNING
Hier brennen sich Liebe und Dichterambition ein.

CHARLES DICKENS – DER MANN DER WEIHNACHTEN ERFAND
Diese Geschichte über Dickens ist so menschlich und spannend wie eine Geschichte von Dickens.

PROJEKT ANTARKTIS
Pinguine und der Zwiderwurz des Planens statt Liebe und der argentinische Zoll macht es einem auch nicht leicht.

Comments Kein Kommentar »

Ein junger Mann, Jakob (Simon Frühwirth), in sich gekehrt, mir sich beschäftigt, ist von einem großflächigen Muttermal um die linke Brust gezeichnet. Er lebt in einem drögen Männerhaushalt mit seinem Vater (Josef Hader) und seinem kränkelnden Großvater (Wolfgang Hübsch). Er fängt an, in der Schlachterei zu arbeiten, in der sein Vater bereits zugange ist. Zuhause in seinem Zimmer interessiert Jakob die Kosmologie und – vielleicht mehr noch – schwule Chatplattformen.

Die Bilderwelt in Jakobs Kopf setzt sich zusammen aus Sujets dieser drei Erfahrungswelten. Er leidet unter Panikattacken. Deswegen kommen hinzu Bilder aus dem Spital und von Therapien (Angst- und Atem). Jakob möchte eingeführt werden in die Welt schwulen Sexes, stattdessen muss er in der Schlachterei anfangen – hier duschen die aus der Form geratenen Metzger nackt – dagegen setzt Jakob im Umkleideraum Träume von der reinen Natur.

Gregor Schmidinger, der Autor und Rgisseur dieses Filmes, vermengt diese Welten kunstvoll zu betörend-verstörenden mit vielen Stroboskop-Effekten aufgeladenen Bildcollagen der Angstattacken, die durch Risse in der Kontinuität der Bildwelten deutlich werden.

Zudem gibt es eine kleine Geschichte, die Liebesgeschichte zwischen Jakob und Kristjan (Paul Forman), den er über einen Chat kennenlernt und der ihn in die schwule Subkultur einführt (welche wiederum die Panikbilderwelt bereichert) und zu dem sich auch eine Beziehung mit sensiblen, erotischen Momenten entwickelt. Kristijan führt ihn aber auch ein in die Welt von Trips nach Nevrland; die Substanz DMT, die er inhaliert, würde vom Körper bei Tod und Geburt produziert.

Dem Film vorangestellt ein Nietzsche-Chaos-Zitat.
Der Film könnte auch gesehen werden als ein Stück Youthploitation: der Schönheit reiner, verwirrter aber hungriger Jugend; deren Alltagswelt durch und durch erotisch aufgeladen ist.

Comments Kein Kommentar »

Prekär – Reich.

Die Intro dieses Filmes des Koreaners Joon Ho Bong (Mother, Snowpiercer), der mit Jim Won Han auch das Drehbuch geschrieben hat, schildert die prekären Verhältnisse der Familie Kim, Vater (Kang-ho Song), Mutter (Sun-kyun Lee), erwachsener Sohn (Woo-sik Choi) und erwachsene Tochter (Yeo-jeong Jo) (allfällige Fehler bei Namen und Rollen seien bitte verziehen).

Diese Familie lebt in einer müffelnden Kellerwohnung, das Klo ist ein Hochsitz, knapp unter der Straßenebene, die Fenster an der Decke sind ebenerdig zur Straße. Vorm Fenster pissen Säufer in die Ecke. Ihren Internet- und Mobilzugang klauen die Familienmitglieder von Nachbarn. Manchmal ist der Empfang nur unter der Decke möglich. Sie verdienen sich ein kleines Geld mit dem Zusammenfalten von Kartons für einen Pizza-Lieferdienst. Diese Arbeit verrichten sie mangelhaft.

Diese Eigenschaften der Kims werden in Szenen prallen Kellerlebens geschildert. Ein Freund des Sohnes kommt zu Besuch. Dieser will zum Studieren ins Ausland. Er unterrichtet als Privatlehrer bei einer reichen Familie. Der Sohn könnte doch in der Zeit der Abwesenheit des Freundes den Job des Englischlehrers in dieser Familie übernehmen und sich so ein Geld verdienen.

An der Stelle wird ein weiteres Mal die Schlawinereigenschaft der Familie evident. Der Sohn druckt sich für das Vorstellungsgespräch sein Studiendiplom schon mal aus, auch wenn er noch gar nicht studiert hat. Klappt wunderbar. Im nächsten Schritt bringt er auch noch seine Schwester als Kunsterzieherin für den kleinen Buben und Indianerfan bei der Reichenfamilie unter, die in einem Beton-Juwel moderner Archtiektur residiert.

Hier möchte bittschön der Erzählfluss auf Bitten des Regisseur gestoppt werden (obwohl der Kritiker ja nicht weisungsgebunden ist).

In einem Text, der bei der Pressevorstellung verteilt wurde, bittet Joon Ho Bong: „Wenn Sie eine Rezension über diesen Film schreiben, verzichten sie bitte so weit wie möglich darauf, zu verraten, wie die Geschichte sich entfaltet, nachdem der Bruder und die Schwester beginnen, als Nachhilfelehrer zu arbeiten. Dies wird bereits im Kinotrailer offenbar. Ihre Rücksicht darauf wird ein wunderbares Geschenk an das Publikum und das Filmteam sein, das diesen Film möglich gemacht hat.“

Des Regisseurs Wort in Ehren und wenn dem Publikum mit Schweigen so leicht ein Geschenk zu machen ist, voilà! Andererseits kann sich der Rezensent das nicht bieten lassen, so muss er auf Ersatz sinnen: es gibt ja diese einfachen und beliebten Methoden, die nichts, aber auch rein gar nichts von der Handlung verraten, – und die dem Kritiker die Arbeit maximal erleichtern, die sei hier angewandt: 4 von 5 Sternen, 8 von 10 Punkten, ein Daumen leicht nach oben, zwei Kartoffeln und eine Tomate, ein dreiviertel volles Glas, einen good Shot und einen bad Shot, ein Smiley eher nach oben, zwei Ausrufe- und ein Fragezeichen, sieben Likes etc. Aber die Frage, warum der Film in Cannes sogar die Goldene Palme gewonnen hat, die kann mir niemand verbieten. Konzediert, die Chose im Film hat etwas mit Kaninchen-aus-dem-Hut-Zaubauberei zu tun.

Comments Kein Kommentar »

Der Irakkrieg mit Tausenden von Toten und den grauenhaften Folgen bis hin zum Erblühen des IS mit seinen Köpfungen, Vergewaltigungen, dieser Krieg, wurde von den USA und Großbritannien mit Lügen, reinen Lügen begründet und vom Zaun gerissen. Man wundert sich, dass Täter wie Tony Blair in England und Bush Junior in Amerika immer noch frei herumlaufen. Man wundert sich noch mehr, wenn man diesen Film von Gavin Hood, der mit Gregory und Sara Bernstein auch das Drehbuch geschrieben hat, gesehen hat.

Dem Drehbuch zugrund liegt das Buch „The Spy who tried to stop a War: Katharine Gun and the Secret Plot, to Sanction the Iraq Invasion“ von Marcia und Thomas Mitchell. Wobei der Titel schon präzise den Inhalt des Filmes umreißt.

Katharine Gun ist beim Geheimdienst beschäftigt. Keira Knightley verkörpert diese überzeugend mit dem breiten Spektrum von ahnungsloser Dolmetscherin, die sie anfangs ist und der der Hauch der Geschichte ins Gesicht weht, bis zur Frau, die eine mutige Tat tut und an den Konsequenzen wächst.

Weil Katharine in Asien aufgewachsen ist und sprachbegabt, wird sie gebraucht in der Abteilung, die andere Länder überwacht und ausspioniert; sie hören maßenhaft Gespräche ab und müssen die politische relevanten Dinge herausfiltern und ihrer Behörde kommunizieren.

In ihrer Arbeit kommt Katharine eine Anweisung unter, worin es darum geht, die Briten mögen bittschön andere UN-Länder in der Richtung bearbeiten, dass sie in der UNO für den Angriff auf den Irak stimmen. Eine unerhörte Einmischung. Denn die Beweislage über die Massenvernichtungswaffen, die Saddam habe, ist dünn, dünner geht es nicht, die ging, das kommt im Film nicht vor, auf eine Info-Ente deutscher Spione zurück.

Katharine jedenfalls gerät in einen Gewissenskonflikt, das Papier der Öffentlichkeit zuzuspielen, da sie der Meinung ist, mit solchen Aktionen würden die Behörden über den Krieg unnötig Menschenleben gefährden. Sie kopiert das Papier und spielt es der Presse zu.

Das erzählt der Film mit großer Klarheit und gut nachvollziehbar, insofern auch spannend, denn die Presse ist zwar gierig auf solche Schlagzeilen, sie muss sich aber auch vorsehen; denn seit dem Falklandkrieg gibt es das Gesetz über offizielle Geheimnisse, das von Frau Thatcher noch verschärft wurde. Um solche Gesetze herum kann man alles nur noch falsch machen, wenn man überhaupt noch den Mund öffnet. So ist der Weg der Wahrheit ein Hindernisparcours.

Der Erzählzeitraum geht über ein Jahr; die Zeit von der Berührung von Katharine mit dem Dokument 2003 bis zur Gerichtsverhandlung 2004, die eine verblüffende Wendung nimmt und ohne Worte beweist, wie sehr die Engländer von Tony Blair und dessen Regierung belogen worden sind.

Erschwerend für die Lage von Katharine kommt hinzu, dass sie mit einem irakischen Kurden verheiratet ist, den der Staat in seiner Verzweiflung über die Bekanntwerdung der Anweisung, abzuschieben droht. In den Film sind historische Newsaufnahmen reingeschnitten, in denen die Politstars ihren Irakkrieg verteidigen und verkündigen.

Comments Kein Kommentar »

Die Spindel, die Spindel.

Ein prunkvoll-opulentes Märchen richtig üppig aus Hollywood und ein Hochzeitsfilm dazu.

Ein Märchen und märchenhaft wie im Märchen, ein aus dem Vollen schöpfendes Hollywood-Märchen, das dank Computeranimation noch mehr skurriles, mittelalterliches, kostümpompöses, metamorphotisches Leben auf die Leinwand zaubert – und dies aus voll Düsen tut.

Die Story ist fast so simpel wie im Märchen, allerdings mit Gut-Böse-Veränderungen. Der Prinz soll die Prinzessin heiraten. Prince Phillip (Harris Dickinson) soll Prinzessin Aurora (Elle Fanning) heiraten. Für den Vater von Phillip wäre das der Traum, denn damit würde aus zwei Königreichen eines werden.

Wie es sich für ein Märchen gehört, gibt es einiges, was dagegen spricht. Da ist die Patentante Maleficient (Angelina Jolie), die über das Moorreich herrscht, Flügel hat und nicht so ganz rein menschlicher Natur ist in ihrem dunklen Reich. Sie hat Aurora aufgezogen.

Die Mutter von Phillip (Michelle Pfeiffer), Königin Ingrith vom Königreich Ulstead, möchte Maleficient kennenlernen. Das wird eine peinliche Begegnung im Steinpalast des Staates aus Fachwerkhäusern.

Tief unten im Palast verborgen, da gibt es eine Geheimtür, ist nicht nur eine ausgewachsene Waffenfabrik (wie in Metropolis, die Industrie tief im Bauch), sondern auch ein geheimes Labor, das Experimente mit Moormännlein durchführt.

Zwischen den beiden Frauen, das ist sofort klar, kann es nie und nimmer funktionieren, das wird zu Krieg statt zu einer Hochzeit führen.

Selbstverständlich wird es am Schluss zur Hochzeit kommen, nachdem einiger Schein zerstört, einige Wahrheiten an den Tag gekommen sind zwischen Gutsein und Gutschein oder Bössein und Bösschein, und die Leinwand schier übergekocht ist an einer überbordenden Fülle von Welten aus Wald, Waldwesen, Flugwesen, Fachwerkstatt, Schlosspark, Zauberwald, Flussfähre, Pilzzwergen, Rittermilieu, Moore und geheimnisvoller Natur, Phoenix, Wurzelwesen, Leuchttieren, Geheimlabor, kriegerischen Wesen, mittelalterlichen Waffen, kriegerischem Aufmarsch und Szenen wie in der großen Oper.

Im Dolby Cinema, in dem die Münchner Pressevorführung stattfand, verdichtete sich dieser Eindruck nochmal, so dass stefe wie trunken vom Bilderrausch aus dem Kino in die dröge Oktoberfest-City hinausgespült wurde

Comments Kein Kommentar »

Die australische Reigerung dürfte nicht sehr erbaut sein über diesen Dokumentarfilm von Gabrielle Brady über die Weihnachtsinsel vor Australien und deren berüchtigtes Internierungslager.

Dem Film ist zu entnehmen, dass die Regierung ein Gesetz erlassen hat, dass mit Gefängnis von bis zu zwei Jahren bestraft werden kann, wer aus diesen KZ-ähnlichen Lagern etwas ausplaudert oder öffentlich macht. Dieser Film tut es. Er tut es in verhaltener Manier, die immer wieder von suggestiven Inselimpressionen von Brandung, Dschungel, chinesischen Geisterzeremonien und Krabbenwanderung durchbrochen wird.

Die Protagonistin ist die Folter- und Traumatherapeutin Poh Lin Lee. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Töchterchen in der Nähe des Lagers. In einem Krankenhaus kann sie Insassen zu Therapiestunden treffen. Sie führt therapeutische Gespräche mit diesen Menschen, die schon durch die Flucht unendlich viel Leid erlebt haben (ein Schiffbrüchiger erzählt von den Haien, die andere Gekenterte angegriffen haben) und die im Lager eine brutale Behandlung erleben, die Trennung von Familienmitgliedern.

Der Film vertritt ganz klar die menschenrechtliche Position, dass der Mensch ein Recht habe, Asyl zu bantragen und dass er dafür nicht bestraft werden dürfe, was aber in den Internierungslagern offenbar passiert; weshalb die australische Regierung wohl Schiss davor hat, dass Informationen über ihr verbrecherisches Verhalten an die Öffentlichkeit gelangen.

Die Informationen erreichen den Zuschauer auf verschiedenen Wegen. Er kann direkt dabei sei bei therapteutischen Sitzungen. Das Mittel, die Menschen zum Sprechen zu bringen, ist ein Sandkasten (Sand fühlen) und sind Spielzeugfiguren (im Sand aufstellen). Damit können die Patienten Situationen konkretisieren, rekonstruieren, sich wieder vor Augen führen.

Informationen gelangen aber auch über Fragen der Kinder an die Mutter bei Familienausflügen oder beim Campieren auf die Leinwand. Dann gibt es Telefonate, in denen die Therapeutin herausfinden will, warum ein Patient nicht erscheint, was mit ihm los ist. Die Informationspolitik des Lagers sei in den letzten Jahren deutlich restriktiver geworden bis hin zur Infoblockade, ist bei einem Gespräch mit einer anderen Helferin zu erfahren.

Immerhin kümmern sich die Australier intensiv um die Wanderung der roten Krabben, die eine Straße überqueren müssen; da gibt es partielle Fahrverbote oder Esme lotst im Slalomkurs und indem er vorneweg Krabben aus dem Weg schiebt, einen Konvoi von Autos durch den Krabbenparcours.

Vielleicht wird Australien irgendwann wie um die Krabben sich auch um hilfsbedürftige Menschen kümmern, bevor diese im KZ Selbstvestümmelungen oder Selbstmordversuchen begehen.

Comments Kein Kommentar »

Viel Input – wenig Kino.

Regisseur Justin Pemberton möchte nach dem Drehbuch von Thomas Piketty die ganze Welt des Kapitalismus in zwei Stunden erklären. Er beweist: das ist too much, das ist nicht machbar. Als Bildmaterial für seine Montage verwendet er Unmengen an Schnipseln, die durch die reine Zahl den Eindruck der Beliebigkeit oder eines nicht allzu gründlichen Studiums erwecken, aus Spielfilmen aller Epochen, aus Archivmaterial und dazwischen kommen ganz groß im Bild vor stehender Porträtkamera mit graphisch-architektonischem Hintergrund erstklassig geschminkte Fachleute von Thomas Piketty selbst bis zum Nobelpreisträger Stieglitz zu Wort und reden uns die Ohren voll.

Der Film suggeriert Systematik durch die Geschichte, fängt aber irgendwo in Frankreich zu Adelszeiten an, geht über die französische Revolution, bringt Ausschnitte aus dem Marx-Engels-Film (deren Zeit in Frankreich), geht weiter zur industriellen Revolution, erster Weltkrieg, Belle Epoque und Konsum (Mode, Weihnachtsgeschäft) als wirtschaftliche Impulsgeber, Inflation, Nazizeit, Zweiter Weltkrieg, Wiederaufbau,, soziale System, das Aufkommen einer breiten Mittelschicht, überdimensioniert kommen Reagan und Thatcher vor, dann Clinton mit seiner verhängnisvollen Deregulierung der Banken, die darauf folgende Finanzwirtschaftsblase, die Steueroasen und Weltkonzerne als Steuerflüchtlinge, die Zeit neuen Reichtums und desssen Erben die verglichen wird mit der sozial undurchlässigen Adelszeit, Immobilienassets und das Moralschlusswort von Piketty, dass es schon werden wird, wenn die Politik das Kapital zügle und es mehr besteuere, was dann doch ein recht pauschaler Satz ist.

Dazwischen finden auch die Bürgerrechtsbewegungen Erwähnung, der Ölpreisschock und die autofreien Sonntage. Das wirkt beliebig, weil Pemberton und Piketty am liebsten alles erklären wollen und vor lauter Ambition im Wust der Bilder untergehen.

Comments Kein Kommentar »

Worüber reden?

Über die schreckliche Vergangenheit und die Entbindung eines Töchterchens im Folterknast von Evin in Persien? Oder nach der Entlassung aus dem Gefängnis und der Übersiedlung nach Deutschland, sich dort für den Aufbau eines besseren Lebens sowohl für sich als auch für die Tochter einsetzen?

Das sind Fragestellungen, die sich von Generation zu Generation verändern. Die Filmemacherin Maryam Zaree ist die Tochter, die im Gefängnis geboren worden ist, heute Filmemacherin in Deutschland, und die mehr über die Umstände ihrer Geburt, über den dunklen Fleck in der Vergangenheit von Mutter und Vater erfahren will. Dazu hat sie dieses Filmprojekt begonnen, darin kristallisieren sich die verschiedenen Perspektiven heraus, führen zu einem neuen Dialog der Generationen und beleuchten ganz nebenbei, auch mit Archivmaterial, die Verhältnisse im Iran unter der Diktatur der Ayatollahs.

Die Eltern von Maryam Zaree waren Oppositionelle gegen den Schah, kamen aber nach dem Antritt der Geistlichen schnell selbst in Gefangenschaft.

Maryam Zaree ist eine erfolgreiche Schauspielerin. Erfolgreich für eine Frau mit persischem Background heißt in Deutschland, den TV-Klischeeflüchtling mit Burka spielen; immerhin kann sie es sich in inzwischen leisten, gegen dieses Fernsehvorurteil ein Statement abzugeben; obwohl auch dieser Dokumentarfilm auf der Suche nach der eigenen Herkunft ohne finanzielle Mithilfe des Zwangsgebührenfernsehens nicht denkbar gewesen wäre.

Maryam Zaree weitet ihre Suche aus, da sie bei den engsten Angehörigen, es gibt noch eine Schwetser der Mutter in Paris, wenig fündig wird. Sie stößt auf Organisationen von Exiliranerinnen, die das gemeinsame Gefängnis-Schicksal verbindet. In Australien trifft sie auf die einzige Frau, eine Autorin, die wie sie im iranischen Knast geboren worden ist und die sich traut, öffentlich darüber zu reden.

Und, interessant, wie viele von den starken Frauen, die Knastopfer waren und im Westen ein neues Leben begonnen haben, Psychologinnen geworden sind. Aber auch Maryams neuer Stiefvater aus einer zweiten Beziehung ihrer Mutter ist Psychoanalytiker. Eine Erkenntnis aus der Recherche: „Das Schweigen ist Teil unserer Geschichte“.

Comments Kein Kommentar »

Dieser Film von Bart Freundlich ist ein Remake von Susanne Biers Film „Nach der Hochzeit“.

Das Vorbild, so weit ich mich erinnere, hat mich persönlicher berührt. Bei Bart Freundlich fasziniert mich die fast aseptisch-präzise Art des Verfolgens der Konfliktlinien seiner Protagonisten. Das geschieht mit Argusaugen, wie der erste, kühne Drohnenflug langsam über eine Tempelanlage in Indien kreist, sich dann einzelnen Gevierten nähert und mit plötzlichen Wendungen in einer Art Ruinen-Nische sich hinunterbewegt und eine ganze Reihe Kids beim Meditieren findet, dann etwas nach links schwenkt, um bei einer in Meditationspose aufrecht sitzenden Figur zu landen, bei einer der Protagonistinnen, bei Isabel (Michelle Williams).

Isabel ist eine Idealistin – das ist ein Thema, was schon bei Susanne Bier kritisch hinterfragt wird, die Motivation idealistischen Handelns, ob die wirklich aus Altruismus oder doch vielleicht aus Egoismus heraus stattfindet; das wird immer wieder aufscheinen.

Vorerst jedoch kümmert sich Isabel zu hundert Prozent um die Kinder in dem indischen Waisenhaus. Ihr Liebling ist der Junge Jai (Vir Pachisia), ein Junge, um den sich alle Hilfswerke der Welt reißen dürften.

Isabel ist in Kontakt mit einer Organisation in New York, die bereit wäre, Geld für das Waisenhaus zu spenden. Bedingung ist allerdings, dass sie persönlich dorthin reist. Sie tut alles für die Kinder. Den Sprung über den Ozean nutzt Freundlich, um der indischen Armut die White Supremacy der amerikanischen Ostküste fett definiert entgegenzusetzen.

Die potentielle Spenderin ist Theresa (Julianne Moore). Sie hat das Unternehmen „Horizon – Media“ aufgebaut. Sie ist verheiratet mit dem erfolgreichen Künstler Oscar (Billy Crudup). Er hat ein Kind in die Ehe gebracht, es ist die inzwischen erwachsene Grace (Abby Quinn), die kurz vor ihrer Hochzeit steht.

Das erste Treffen von Isabel und Theresa ist schockierend für Isabel: denn Theresa ist mit den Vorbereitungen zur Hochzeit der Tochter voll in Beschlag genommen: es sind Luxusfragen, ob Hummer oder welch anderes Krustengetier, die viel Zeit einnehmen; die Waisenkinder in Indien müssen zurückstecken.

Isabel ist nicht begeistert, sie hat erwartet, sie bleibt eine Woche und kehrt dann mit 5 Millionen Dollar zurück. Stattdessen wird sie – und wird die Familie von Theresa (sie hat noch zwei leibliche Kinder mit Oskar, zwei Buben) von ständig neu sich eröffnenden Konflikten, die weit zurückreichen, abgehalten, aufgehalten, ausgebremst.

Freundlich folgt diesen Konfliktlinien wie der Chefkoch oder der Chirurg seinen Interessen mit dem Skalpell. Der Kopf des Zuschauers wird damit beschäftigt gehalten, wie die Menschen reagieren, wie sie handeln, nach welchen Maximen, wie weit es wirklich mit ihrem Idealismus her ist, wie weit sie sich über Beziehungen definieren, wie weit sie Beziehungen vertrauen können. Und wie sie mit der Vergänglichkeit umgehen.

Comments Kein Kommentar »

In einem spannenden und anregenden Bilderbogen stellt Bertram Verhaag eine Reihe von Landwirten vor, die vor Jahren und Jahrzehnten aus wohl überlegten Gründen auf Bio umgestellt haben, für die sich das rechnet und die noch lange nicht am Ende des Studiums der Erde und des Zusammenwirkens von Mensche-, Tier- und Pflanzenwelt sind.

Es ist nicht der übliche Bio-Message-Film. Der Film zeigt viel mehr, wie genau Landwirte ihre Kühe, ihre Pflanzen, ihre Erde studieren. Das geht so weit, dass die Erde selbst als Organismus wahrgenommen wird. Dieser verträgt keine schweren Traktoren. Was nicht heißt, dass die Bio-Landwirtschaft ganz ohne auskommt.

Es gibt Einblicke in die Sensibilität von Kühen, die den Stall immer sauber lassen, aber weil das Filmteam hier ist, bekommen sie den Dünnpfiff. Oder die Funktion des Kuhhorns, des Methans und des Wiederkäuens.

Bei der Begründung zur Umstellung auf Ökolandwirtschaft kann sogar die Religion im Sinne des Respektes vor der Schöpfung eine Rolle spielen oder die Spiritualität. Aber es gibt auch quantitative Überlegungen: wie viele Gräser auf einer Wiese blühen können, wie das für die Kühe und dann für die Milch und später für den Käse bereichernd ist. Wie mit einer geschickten Fruchtfolge die Erde vielfältiger und damit ertragreicher wird.

Ein Bauer hat darunter gelitten, dass seine Kühe immer krank waren, da er sie mit industriellem Kraftfutter ernährt, in einem engen Stall gehalten und enthornt hat. Wie seit der Umstellung diese Probleme weg sind – keine kranken Tiere mehr.

Oder der Landwirt, der die Distel nicht als Feind sieht, sondern als ein Signal, dass er etwas falsch gemacht habe. Die Natur als ein ergiebiges, noch lange nicht in seinen letzten Zusammenhängen durchleuchtetes, praktisches Forschungsgebiet.

Bertram Verhaag widersteht der Versuchung der Idealisierung, das macht den Film wichtig, aber Verhaag macht ihn auch leicht mit der musikalischen Untermalung mit am Jodeln und an der Alpenmusik orientiertem Sound.

Interessant ist wie diese Biobauern anfänglich mit Vorurteilen zu kämpfen hatten, da sie oft in ihrer Region die ersten waren oder wie die Kunden anfänglich einem Biobier nichts abgewinnen konnten. Der Film gibt Einblick in einen elementaren Umdenkungsprozess, der noch lange nicht zu Ende ist und dessen Vordenker Biobauern sind.

Comments Kein Kommentar »