Kommentar zu den Reviews vom 23. Januar 2020

Gruppenangelegenheiten. Jungs-Clique aus der Banlieu von Paris. Bäume sind soziale Wesen, also brauchen sie Gruppen. Aus der Gruppe des klassischen Musikmilieus. Eine Gruppe zur Darstellung von Glücksphilosophie. Jungs, die zur „Gäng“ werden. Und der Faschismus war eh eine Gruppengeschichte, auch wenn er veräppelt werden soll. Auf DVD gibts den cleanen Bericht einer ziemlich uncleanen Katastrophe. Im TV eine Person, die schwer vergruppierbar ist. 

Kino

DIE WÜTENDEN – LES MISERABLES

Labile Machtbalance jenseits der staatlichen Struktur: Jugendliche als freie Radikale. 

DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME

Die Bäume kommen selber ganz gut zurecht; sie haben vor allem: Ausdauer.

DAS VORSPIEL

Der Klassik in die Ausbildung geguckt. 

ROLAND REBERS TODESREVUE

Alles kreist in Rebers Weltbild um Tod und Liebe und Glück. 

DIE WOLF-GÄNG

aus der Pennerschule kommt üblen Erwachsenenspielchen auf die Spur. 

JO JO RABBIT

Kann ein Neuseeländer, der in Tschechien einen Film dreht, die deutsche Nazisymbolik in ihren verheerenden Auswirkungen überhaupt erfassen?

DVD

KURSK

Hier wird Matthias Schweighöfer zur Schilderung der heilen Welt vor der Katastrophe eingesetzt.

TV

LEBENSLINIEN: ADELE NEUHAUSER

Wie ein Baum: Karriere in Jahrzehnteschritten.

Roland Rebers Todesrevue

Rabimmel Rabammel Rabumm

Ohne den Refrain dieses Kinderliedes („Ich geh‘ mit meiner Laterne“) geht es sich nicht aus bei Roland Reber, wenn er sein glücksphilosophisches Panoptikum auf die große Leinwand bringt, was sich zweifellos gut macht. 

Das Kinderlied ist vielleicht auch eine Antwort auf die rastlose Suche nach dem Sinn des Lebens, darnach, was Glück sei und insofern, als es eh von beschränkter Dauer ist, auch die Thematik des Todes, die hier titelgebend eingesetzt wird. 

Ein Glück für Reber ist es sicher, mit einem Team wohl ausgewählter Leute, die alle auf der Leinwand auch gut und natürlich kommen und insofern attraktiv sind, ein Theaterstück oder wie hier einen Film mit Anleihen beim experientell-essayistischen Theater zu stemmen. Das erzeugt Sinn, ein kostbares Gemeinschaftsgefühl. 

Der Film selber ventiliert vielsieitig das Streben des Menschen nach Glück und wie er die modernen Medien darein involviert, TV-Show, Internet, Gesellschaftsspiele und auch die Messung des gesundheitlichen Glückes mit Armanduhr, die einem ständig sagt, wie viele Schritte der Träger noch zu tun habe oder die Delegation des Glücksthemas an einen Motivationsguru. 

Die Suche nach Glück über eine Single-Show. Die Suche nach Glück im geselligen Gemeinschaftserlebnis mit Bühnenshow und gemeinsamem Klatschen und Anfeuerungs- oder Forderungsrufen; Glück als Massenerlebnis, als Gruppenerlebnis, als Gemeinschaftserlebnis. 

Dagegen setzt Reber, ganz sachte angedeutet, die Vorstellung von Glück als dem intimen Erlebnis auf der einsamen Insel. 

Das Altwerden ist ein eminent einflussreicher Faktor auf das Lebensgefühl. Damit im Zusammenhang der Tod, die Toten, Eisi Gulp, der Leichen durch Gänge schiebt und über den Tod monologisiert. Damit im Zusammenhang die Pflegeproblematik. 

Es ist ein buntes Panoptikum ans Szenen mit einem riesigen Darstelleraufwand von um die 130 Menschen jeglichen Alters und ganz ohne Starallüren. Sie bringen Szenen mit vereinshaften Geselligkeiten: das Glück im Verein.

Als herausgestellte einzelne Figur dagegen die Maskenperson, die ein berühmter und einflussreicher Influencer werden will. Doch während sie auf Sendung im Internet ist, wird ständig angegeben, dass keine Zuschauer da seien. Es bedarf einer extremen Aktion, damit die Klickzahlen in die Höhe schnellen, die das Streben nach Berühmtheit in die Schranken weist. 

Rebers Filme sind Blüten abseits des deutschen, subventsionsüberdüngten Mainstreams, welcher den Zuschauer in Richtung Intoleranz konditioniert statt ihn zu öffnen für den Reiz der Reflektionen eines nicht von weisungsgebundenen Kulturfunktionären gebändigten unabhängigen Geistes, der nicht locker lässt, den die ungelöste Glücksthematik nicht bequem die Hände in den Schoß legen lässt; der es nicht lassen kann, immer wieder in die Weichteile dominierender, gesellschaftlicher Antworten (eher billiger, nicht allzu reflektierter Antworten) zu greifen, um zu eruieren, ob sich hier Belastbares findet; bei gleichzeitiger Sehnsucht nach dieser vereinshaften Heimeligkeit, nach der Gruppenantwort, die sich auch im Singen von Liedern spiegelt, auch wenn er gleichzeitig vom Ausverkauf der Gefühle spricht oder fordert „Dildos statt Waffen“. 

Und dann wieder die depressive Ansicht, „Überall wo ich hinblicke, ist ein schwarzes Loch“. Vielleicht auch die Frage: ist Glück professionalisierbar – oder müssen die Antworten immer irgendwie laienhaft bleiben? 

Die Wütenden – Les Misérables

Wo‘ s brodelt

In der Banlieue von Paris, wo die sozialen Wohnblocks in die Höhe schießen, dicht an dicht, kann es schnell zu Konflikten kommen zwischen den verschiedenen Zuwandererethnien, jugendlichen Arbeitslosen, die bildungsarm sind, zwischen religiösen Positionen, der Staatsmacht und von Clan- und Gangmacht. So wie die Machtverhältnisse real sich einpendeln, da ist niemand, der nicht korrupt ist oder wengistens religöser Fanatiker. 

In diesem Kraftfeld eines höchst labilen Gleichgewichtes jenseits der staatlichen Monopolherrschaft siedelt Ladj Ly, der mit Giordano Gederlini und Alexis Manenti auch das Drehbuch geschrieben hat, diesen aufregenden Brennpunktfilm an. 

Ein aus dem Zirkus Zeffirelli (von Zigeunern betrieben) gestohlenes Löwenbaby ist das Corpus Delicti, geklaut von Issa (Issa Pericla), an dem sich die dramatische Handlung entzündet. Eine Drohnenaufnahme eines skandalösen Vorganges, die der etwas vergeistigte Milchbubi Buzz (Al Hassan-Ly) gemacht hat, zündet die nächste Eskalationsstufe, da wird es richtig heftig und viel gerannt wird auch – weil das Video die Polizei überführen könnte. 

Die Akteure dabei sind ein Trio von Zivilpolizisten: Christ (Alexi Manenti) und Gwada (Djebril Zonga), die sich als Herren des Viertels sehen und voll korrupt sind; zu ihnen gesellt sich Chris Ruiz (Damien Bonnard), den sie wegen seiner fetten Haare „Pomado“ nennen; seine Berufsauffassung ist noch rein. 

Dann ist da der Bürgermeister (Steve Tientcheu) mit seinem Sidekick, der lokale Gangboss mit seinen Gehilfen und Informanten und schließlich gibt es noch die religiöse Fraktion mit dem Islamlehrer Salah (Almamy Kanoute), der eine Macht für sich ist. Und eine Gruppe von etwa einem halben Dutzend pubertierender Jungs, die einerseits die Religion einlöffeln sollen, die rumhängen und die schnell den Respekt vor den Ersatzmachtstrukturen verlieren und das Brodeln zur Explosion bringen können. 

Die Jagd geht erst hinter dem Löwenbaby her – das wiederum ist das Interessante, dass in so einem Stadtteil nichts unbemerkt bleibt – und dann hinter dem Clip mit dem Film, der für die Zivilcops reines Dynamit bedeutet, bis zum Countdown in einem der Hochhäuser; der Lift ist defekt; das Treppenhaus für gewalttätige Auseinandersetzungen zu eng, was die Kampftemperatur nochmal erhöht. 

Die Darstellung des Milieus kommt realistisch und glaubwürdig rüber, die Sprache, die Darsteller dank Drehbuch und Regie. Die dramatischen Wendungen überraschen immer wieder. 

Die Wolf-Gäng

Stocksolide

hat Tim Trageser diesen Kinderfilm nach dem Drehbuch von Marc Hillefeld nach dem Roman von Wolfgang Hohlbein inszeniert. 

Inszenieren scheint für Trageser vor allem zu bedeuten, die Logistik im Griff zu haben; aus einem wunderhübschen Fachwerkstädtchen mit Computerretouche die magische Stadt „Crailsfeld“ (nicht Crailsheim!) herzustellen; ein buntes Volk, teils Menschen, teils Fantasiefiguren durch die Stadt flanieren, Oldtimer-Autos durchs Bild fahren zu lassen, magische Tricks in den Film einzubauen, Nebel, oder bunter Atem, den die Hexe aushaucht und der die drei Protagonisten dazu bringt, stets das Gegenteil dessen zu sagen, was sie denken. 

Es gibt eine bodenständige Geschichte. Barnabas (Rick Kavanian), will seinen Sohn Vlad (Aaron Kissiov), den Nachwuchsvampir, auf die Pennerakademie bringen, in der auch eine Figur mit Kürbiskopf rumläuft. 

Von seiner Mutter hat der Sohn einen „Blutzahn“ geerbt, der hängt an einer Kette um seinen Hals. Über die genaue Bewandts dieses Erbstückes wissen weder er noch sein Vater genau Bescheid. Das wird im Laufe der Geschichte seriös aufgeklärt. 

Zu Vlad gesellt sich der kleinere Wolf „Arsseni Bultmann“ und das Elfenmädchen oder vielleicht auch Libellenmädchen Fee (Greta Hubert). Die erleben nun traditionelle Kinderabenteuer, immer an der Grenze zur Magie, zur Verwandlung in einen Löwenmenschen (Wolf) oder zum fliegenden Feenwesen. 

Der Gegenspieler ist der Bürgermeister, der auch Luzifer ist, was sie irgendwann herausfinden. Ein Countdown-Platz ist der Kirchturm, der an der Spitze an einen Monopteros erinnert und in dessen Mitte der magische Blutkristall aufbewahrt wird. An ihm hängt Wohl und Wehe der Stadt und selbstveständlich wird das Trio, das sich dann Wolf-Gäng nennt, die Angelegenheit für sich entscheiden. 

Vielleicht leidet unter dem Primat der Regie für die Organisation der Logistik so eines Filmes die Arbeit mit den Darstellern, es leidet auch der Charme, der Humor; der Film bleibt trocken wie eine Schulstunde. Alles korrekt und ein paar Mal haben die Kids in der Pressevorführung dann doch gelacht. 

Ein Beispiel für Trockenes bietet die Szene mit dem Steuerbescheid. Wirklich amtlich trocken und humorfrei. Das erinnert an beamtenhaft ordentliches Subventionskino. Kein Kino zum Abheben, aber auch nicht unbedingt zum Davonlaufen. Die Spanne zu einem Harry-Potter-Film zu überbrücken, bedürfte es noch etlicher Kinomagie.

Und unter und über allem säuselt wohlige Daunenwolkenmusik. 

Das Vorspiel

Das Klassik-Milieu.

Das Milieu klassischer Musik ist ein ganz eigenes, in dem viel Geld fließt in die Multiplikationsindustrie, in die Stardirigenten und die Musiker (Orchestermusik dürften mit von den straffsten Tarifverträgen unter den Künstlerberufen haben; Orchestermusiker legen auf die Minute genau ihr Instrument ab bei Probenende). Das sind Informationen um diesen Film herum oder Vorstellungen, die einen ganz eigenen Teil der Kulturwelt charakterisieren, die klassische Repertoir-Musik, teils mit Zuhörern, die jede Note kennen und Abweichungen heftig bekritteln. 

Ein Milieu, das einerseits von Genie und Größe (Richard Wagner oder Pavarotti) schwärmt, andererseits einen enorm engen Fokus auf diese Kunst wirft. 

Einen atemberaubend nahen und ziemlich unverstellten Blick wirft nun Ina Weisse, die mit Daphne Charizani auch das Drehbuch geschrieben hat, mit großartigen Schauspielern (sowohl gestandenen als auch Nachwuchs!) auf ein Randgebiet der großen Klassik, auf eine Musikschule und gleichzeitig auf die Lebenskrise einer klassischen Geigerin und Musiklehrerin, auf Anna Bronsky (Nina Hoss), eine Geigerin, die Talent beim Vorspielen sieht und sich dafür verwendet, dass Alexander (Ilja Monti) einige Probemonate Stunden bei ihr nehmen darf, sie werde ihn schon auf Vorspielniveau bringen, behauptet sie. 

Anna ist verheiratet mit dem Franzosen Philippe (Simon Abkarian), einem Instrumentenbauer; so richtig funktioniert die Ehebeziehung nicht mehr. Der gemeinsame Sohn ist Jonas (Serafin Mishiev), der nach dem Wunsch der Eltern Geiger werden soll; Eishockey interessiert ihn mehr. Vor allem beobachtet er neidisch, wie die Mutter Energie in die Förderung von Alexander steckt; er selbst kommt sich benachteiligt vor. 

In eine weitere Problemsituation bringt Musikerkollege Christian (Jens Albinus) Anna mit der Bitte, sie möchte in seinem Quintett mitspielen. 

Die Enge dieses Klassik-Milieus zeichnet Weisse gnadenlos mit einer Kamera, die keine Weite zulässt, die immer selbst wie fest eingefügt ins klassische Milieu wenig Spielraum, wenig Gestaltungsraum hat und umso mehr verblüfft, wenn sie mal Gassi gehen darf und ganz kurz großartige Bilder von einem Flüsslein, von Bäumen, von einer Brücke einfängt.

Auch die Penetranz der Klassik bringt Weisse kompromisslos zur Geltung mit ewigem Üben, Üben, Üben und nochmal und nochmal und nochmal, was Nina Hoss gnadenlos und unirritierbar fordert und verlangt. 

Zur Verstärkung dieses Effektes schreckt Cutter Hansjörg Weißbrich vor schmerzhaften Schnitten nicht zurück – Schnitte, die in Erinnerung bleiben – vom Geigenspiel auf die Töne scharfer Eishockeykanten auf Eis, von Yehudi Menuhin auf den schrillsten Ton, den eine Hobelbank produzieren kann. Solche Dinge konterkarieren aufs Schärfste die anfangs scheinbare Bravheit von Buch und Inszenierung, den TV-asthmatischen Rhythmus und einige typisch deutsche Subventionskinosätze, wie „Ich stinke“, „Was machst Du denn hier?“, „Ich guck mal, ob ich noch was anderes finde“, „Die Guten kannst ja hier reintun“ – und war dann doch nur täuschende Ouvertüre. 

Das geheime Leben der Bäume

Neues Kinogenre?

Es gibt ja im Kino schon die Opernlive-Übertragungen als Sonderveranstaltung. Diesen Film von Jörg Adolph mit den großartigen Bildern von Daniel Schönauer (plus Zeitraffer-Zutaten von Jan Haft) könnte man als innovative Sonderveranstaltung im Sinne einer filmischen Buchpräsentation sehen und durchaus mit Chancen auf Erfolg. Denn das Buch „Das Geheime Leben der Bäume“ des Ex-Försters Peter Wohlleben ist, so wie es hier präsentiert wird, höchst unterhaltsam. 

Die oberste Prämisse von Wohlleben ist die: ich bin kein Wissenschaftler. Er war Förster und entsetzt zu sehen, wie die Waldwirtschaft gegen das Leben des Waldes betrieben wird. Deshalb hat er seine Stelle gekündigt. Aber die Gemeinde hat ihn weiter beschäftigt, im Sinne eines Wald-Forschers oder eines Wald-Flüsterers. Jedenfalls hat er und tut es noch den Wald ganz genau studiert. Wie der Baum ein Sozialwesen ist, das höchst sensibel und kommunikationsreich mit den einzelnen Individuen umgeht. 

Jörg Adolph präsentiert gleich zu Beginn das Buch. Dann blättert er drin, nimmt sich einzelne Kapitel vor. Und immer wieder wird das Buch, Kapitel, das Umblättern eingeblendet. Sogar Textpassagen.

Ein weiterer Faden in der Montage der Erzählstränge sind Bilder von öffentlichen Auftritten von Wohlleben, von der Buchmesse, von Lesungen, von Interviews oder Führungen in den Wald. 

Oft ist Wohlleben im Wald, um für die sozialen Netzwerke kleine Filme mit dem Handy aufzunehmen und auf aufschlussreiche Details im Wald hinzuweisen, auf einen Splitterbaum, einem Baumsplitter, der sich, da der Rest des Stammes zu Boden gekracht ist, selbständig weiterentwickelt und bereits um über den halben Umfang eine funktionierende Rinde hat oder Details zur hochkomplizierten Symbiose zwischen Bäumen und Pilzen. 

Der Film ist eine kurzweilig, pragmatische Einführung in das Innenleben eines Waldes samt Seitenblick auf die Stiefkinder, jene Bäume, die zu Straßenkindern werden. Wohlleben ist ein humorvoller Erzähler und verheddert sich nicht in wissenschaftlichem Kauderwelsch. 

Die These des Filmes, dass wir Menschen uns nicht um den Wald kümmern brauchen, dass der das schon von sich aus tut (grad war in den Zeitungen zu lesen, dass Förster eine Milliarde zur Rettung des Waldes fordern), dass er halt sehr langsam sei dabei, die deckt sich mit der These aus dem Film Das Geheimnis der Bäume oder mit den Beobachtungen des Österreichers Erwin Thoma in But Beautiful – Nichts existiert unabhängig

Um den Wald braucht uns nicht bange werden – eher um den Menschen. 

Jo Jo Rabbit

Ratlos

macht mich dieser Film von Taika Waititi nach dem Roman von Christine Leunens. Das muss doch unendlich naiv sein, eine fast zweistündige Begeisterung für Nazisymbolik und Antisemitismusparolen – obzwar aus politischer Correctness im Modus der Verarsche – auf die Leinwand zu bringen. Die Attitüde der intendierten humoristischen Verfremdung impliziert: sie vor allem in Kindermund zu legen und mit beliebter, populärer Musik vom Strauß-Walzer bis zu den Beatles noch schmackhafter zu machen. Diese Begeisterung kann ich nicht teilen, Humor oder Witz kann ich darin nicht erkennen.

Plot: strammer Nazi-Bub hat ein Anne-Frank-Problem. 

Regisseur Taika Waititi nahm den Roman von Christine Leunens zur Drehbuchvorlage. Er selbst stammt vom anderen Ende der Welt, aus Neuseeland. Der Film ist eine neuseeländisch-tschechische Koproduktion. Das erklärt vielleicht einiges. 

Lebenslinien: Adele Neuhauser – Die Bibi vom Tatort und ich (BR, Montag, 20. Januar 2020, 22.00 Uhr)

Langer Vorlauf.

Kein Shooting Star. 

1980 Bablin in Andorra bei den Städtischen Bühnen Münster, 1996 Mephisto in Regensburg, seit 2011 Wiener-Tatort-Kommissarin und weitherum bekannt, das ist eine Karriere in Jahrzehnte-Schritten, wie sie selber früh erkannt hat, dass das Leben für sie ein Marathon sei, sie hat durchgehalten: Adele Neuhauser. 

Die ersten vier Kinderjahre ungetrübtes Familienglück in Athen. Bruch. Wien. Familie bröselt auseinander. Trennung der Eltern mit 10 Jahren. Ein extrem empfindliches Alter für ein Kind. Selbstmordversuche. 

Adele Neuhauser, die einerseits nah am Wasser gebaut ist (ihre Wiederbegehung der Räume ihrer Schauspielschule) andererseits immer wieder eine reizvolle Lache aus tiefer Seele hat, ist eine reflektierte und sich selbst gegenüber offene und kritische Schauspielerin wie vermutlich wenige, nie im Verdacht, eine Karrieristin zu sein, der Karriere zuliebe eigene Grundsätze zu verletzen. 

So kommt es zumindeset rüber in diesen Lebenslinien von ORF und BR in der Regie von Birgit Deiterding. 

Diese Offenheit zeigt sich auch in der Beziehung zu Zoltan Paul, ihrem früheren Ehemann und auch dem Sohn Julian, mit dem sie inzwischen Auftritte absolviert und dem der Papa einen eigenen Dokufiction Film gewidmet hat: Breakdown in Tokyo – Ein Vater dreht durch.

Klar, es sind Lebenslinien, die gleichzeitig auch PR für die Öffentlich-Rechtlichen sind, was aber bei einem Menschen, der das Leben offensiv angeht und den Glamour und Stargetue nicht interessiert, legitim scheint, und die paar Oma-Rührbilder am Schluss seien verziehen. 

Kommentar zu den Reviews vom 16. Januar 2019

Wahnsinnstrip zweier Soldaten, japanisch animiertes Coming-of-Age, zweimal Nahost, einmal als stummer Palästinenserprotest und einmal als Objekt einer wohltätigen Firmenstiftung, Porträt eines Schweizer Künstlers, irische Klavierstunden, ein fröhliches Dokutainment aus der Serengeti und ein Reencatmentversuch des Weges zum Durchbruch eines deutschen Künstlers und aus den USA kommt der Wunsch, mit 50 nochmal wie 20 zu sein. Auf DVD gab es lesbische Liebe vor Bienenhintergrund im Britannien der 50er.

Kino

1917

Eine Existenzreise im Niemandsland.

WEATHERING WITH YOU

Zwischenwelten des Coming-of-Age in Japan. 

VOM GIESSEN DES ZITRONENBAUMES – IT MUS BE HEAVEN

Ihr seid doch alle nicht weniger verrückt als wir Palästinenser. 

ALBRECHT SCHNIDER – WAS BLEIBT

Nicht Geschwätz, sondern das, was existiert.

CRESCENDO „makemusicnotwar

Stiftungswohltätigkeit, die sich am NahOst-Problem übernimmt.

KLAVIERSTUNDEN

Klimper, klimper bis hin zur Melodie, irisch. 

DER WEISSE MASSAI KRIEGER

Dafür dass das Projekt aus Albernheit heraus geboren wurde, ist es doch ganz ansehnlich.

LINDENBERG! MACH DEIN DING!

Subventionsgeburtiges Ding.

BAD BOYS FOR LIFE

Traurig, wenn sich in 20, 30 Jahren so wenig entwickelt.

DVD

Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen

Und das in einer drögen, britischen Industriestadt der 50er Jahre!

Go ahead, make my day.