Psychogramm eines Erfolgreichen, Zerrissenen.

Aus Statements und anderen lebenslinientypischen Dokuverfahren wie Ortsbegehungen und BR-Schnipsel sowie Democlips vom Protagonisten als Musiker montiert Birgit Eckelt unter der redaktionellen Obhut von Zwangsgebührentreuhänderin Christiane von Hahn das groteske Psychogramm eines Erfolgreichen und Zerrissenen zugleich, von BR-Tatortkommissar Miroslav Nemec.

Statements sondern ab: der Kommissar selber, Rita Russek, ehemalige Lebensgefährtin, Gerhard Hinz, Jugendfreund, Gerwin Eder, Jugendfreund, Branko Becejac, Cousin, Udo Wachveitl, Schauspielerkollege „Tatort“, Amelie Hartwig, Miroslavs Ziehtochter, Janina Hartwig, ehemalige Lebensgefährtin, Karin Nemec, Ehefrau.

Die notorischen Ortsbegehungen führen nach Ex-Jugoslawien, Zagreb, Istrien und nach Freilassing. Fotos aus den Familienalben und Musikerauftritte (einmal mit höflichem Publikumsapplaus, einmal mit kaugummikauender Ehefrau in der ersten Reihe) ergänzen dieses Psychogramm.

Die Psychogrammwirkung dieser besonderen Montage dürfte eher zufällig zustande gekommen sein und dem Umstand geschuldet, dass speziell Nemec seine Statements so abgibt, als sage er im Kriminalverhör aus oder als spreche er zu seinem Psychiater. Nie holt die Dokumentaristin auch nur einen ansatzweise persönlichen Ton aus ihm heraus. Hinzu kommt, dass des Protagonisten Drang, diese Dinge endlich öffentlich zu Protokoll zu geben, enorm stark sein muss, es scheint, ihm liege daran, dass alle Welt sein Schicksal erfährt.

So ergibt sich – durch einen Unfall quasi – für das doch arg abgelutschte und zum billigen Promi-PR-Vehikel verkommene Format „Lebenslinien“ unverhofft eine spannende Perspektive, wenn das, was hier zufällig passiert ist, zur Methode erhoben würde, so könnte die Verschnarchtheit Lebendigkeit weichen.

Vermutlich jedoch hat die Redaktion keinerlei Interesse, die ausgefahrenen Gleise, wie im Vorspann zu sehen, zu verlassen, weil bei solchen Sendungen um Menschen immer noch weniger Zuschauer wegzappen als bei anderen Formaten, wodurch der BR viel Legitimation sich zugute hält.

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Wiederholung einer Sendung von 2016. Empfehlenswert nicht nur wegen der Originalausschnitte aus dem Kultwerk des Münchner Regisseurs Helmut Dietl, sondern auch wegen dem Augenmerk auf seiner Drehbuch- und Dialogarbeit, geschult an Fritz Kortner. Woran sich viele heutige Regisseure ein Beispiel nehmen, Impulse holen könnten.

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Tendenz nach oben. Respektive von oben kommt ein Bad Guy. Humoristisch betrachtete Präsidentschaftskandidatur in Amerika. Bei der Medizinversorgung in Venezuela hilft nur noch der Blick nach oben. In München gibt es ebensolche Perspektiven. Mit dieser Lungenkrankheit verkürzt sich der Blick zum Himmel. Biopic eines berühmten Briten mit Augenmerk auf gut ausgeleuchte historische Ausstattung. In Frankreich aus der Banlieu an den Konzertflügel. Deutsche Jugend malt sich den Tod aus. In Schweden gibt’s perverse Medizinerpraktiken. Das Branding der Jamaica-Musik aus den Hütten. Das Branding von Kluge mit Footage. Auf DVD erlebt ein alter Mann krass absurde Träume, gibt’s einen subversiven Blick auf das Flüchtlingsthema und geht nach dem Kinoerfolg ein erfolgreicher Schwarz-Weiß-Rollentausch im Heimkino weiter.

Kino
BRIGHTBURN – SON OF DARKNESS
Genussvoll das Böse im braven Buben freigelegt.

LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH
Anstößiges und Anderes aus dem politischen Elitemilieu in familiärem Erzählambiente dargeboten.

ALLES IST GUT – ESTA TODO BIEN
Gegen Venezuela ist unsere Zweiklassenmedizin paradiesisch.

SUPER FRIEDE LIEBE LOVE
Aufmerksamkeit für von der Gesellschaft Übersehene.

DREI SCHRITTE ZU DIR
Romeo und Julia mit Mukoviszidose.

TOLKIEN
Der Autor wird erklärt aus der Bilderwelt seiner Filme.

DER KLAVIERSPIELER VOM GARE DU NORD
Genies Weg aus der Masse.

O BEAUTIFUL NIGHT
Jugendliche Todesphantasmagorien.

VERACHTUNG
Die Sozialdemokraten und die Schwachsinnigen.

INNA DE YARD – THE SOUL OF JAMAICA
Das Branding eher für lau.

HAPPY LAMENTO
Aus diesem Kluge-Film ist nicht klug zu werden.

DVD
THE MAN WHO KILLED HITLER – AND THEN BIG FOOT
Manche Träume sind präziser als das Leben.

ELDORADO
Wir sind ja so lieb zu den Flüchtlingen.

GREEN BOOK
Antirassimus-Lektion: wenn der Schwarze plötzlich der Promi und der Boss ist.

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Dieser Film von Alexander Kluge ist schlechthin nicht referierbar.

Man könnte versuchen, eine Liste des Footage, das er verwendet, aufzustellen, man müsste im Abspann nachschauen. Dieser beschränkt sich darauf, zu erwähnen, dass der Film „Das flüchtige Leben eines Funken“ von Khavn De La Cruz Aufnahme in dieses Mixed-Tape gefunden hat oder auch Alipato. Doch der kommt nur aufgesplittet unter viel anderem Footage vor, dessen Herkunft im Dunkeln bleibt.

Es gibt Themen die sich durchziehen, der Mond (Blue oder Blut), Elefanten (mit Elefanten Panzer bekämpfen?), das Thema Markt und Ware, Elektrizität, der Begriff Lamento, der im Titel vorkommt. Wobei dieser auf das Elend der Welt hinweist. Ob jetzt die Bilder ein Lamento sind oder die Elefanten, der Zirkus, resp. diese Bilder vielleicht den Begriff „Happy“ illustrieren sollen, bleibt interpretierbar. Es scheint so, als sei Kluge durch einen kulturellen Flohmarkt an Bildern und Texten gestreift und habe alles rausgezogen, was sich irgendwie zu diesen Themen und Begriffen in Verbindung bringen lässt.

Es gibt Schnipsel aus der neueren Zeitgeschichte. Der trumpöse Besuch des amerikanischen Präsidenten in Saudi Arabien, das durchaus mal einen Bürger in der eigenen Botschaft in Istanbul abmurksen lässt. Und Trumps Kniefall vor dem Saudikönig für das Umhängen einer Medaille. Die Bilder von diesem Besuch eskortiert Kluge mit Bildern von automatisch-mechanischem Spielzeug. Auch der eben gestürzte österreichische Kanzler Kurz kommt kurz vor.

Kluge setzt Footage aus dem eigenen Interview-Werk ein. Hier dürfte er das Problem mit den Rechten am Bild nicht haben. Es ist kein Unterhaltungsfilm, kein Abenteuerfilm, kein Feel-Good-Movie (oder eher ein Feel-Bad-Movie?) es ist ein Footage-Montage-Film reichlich mit Text-Zitaten versehen. Diese werden gerne in einem Schriftengemisch und teils in Farbe dazwischen geschnitten, so wie wir als Schüler manchmal Texte bunt machten.

Das Montage-Prinzip lässt an Godard denken. Wobei dieser mehr ein Bildliebhaber scheint, der aus großbürgerlicher Distanz faszinierendes neues Bildwerk schafft, während bei Kluge der moralische Impetus dominiert (und nicht die Freude an der Eleganz und Meisterhaftigkeit der Montage), zu zeigen wie schlecht die Welt doch ist, mit Waffen und Kriegen, menschlicher Verkommenheit und Katastrophen, mit der Hinrichtung eines Elefanten mittels Elektroden, mit der manilischen Drogen-Kinder-Freak-Welt. Godard, der Meister der Montage, Kluge, der Meister des Remixes? Godard, als der hellsichtige Hersteller von Zusammenhängen, Kluge als der Zusamensteller von Bildern, die auf einen üblen Zustand der Welt schließen lassen. Weder Godard noch Kluge haben die Welt verändert, sie haben sie nur verschieden dekoriert. Kluge fragt in seinem Film, was Kino sein soll, spricht über Film als selbständige Kunst – ist es Kunst-Trödler-Kunst?.

DADS LEBEN IST EIN ERLOSCHENES FEUER,
DER FUNKE WURDE GELÖSCHT.
DER LICHTSCHLANGENMENSCH.
Die Weltseele aus der Steckdose.
Sokrates und die toten Schweine von Manila.
Schön ist der Mond über Polen –
ein Genickschuss lang
LAMENTO DER LIEGENGEBLIEBENEN WARE (Containern?)

So etwas kann man gerne schauen, wenn man Zeit hat, nicht aber wenn einen Erkenntnis-, Erlebnis-, Story-, Unterhaltungs-, Abenteuer- oder Liebesgeschichtenhunger antreiben. Oder: für Leute, die gehobener, gelehrter Langeweile frönen wollen?

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Krankenhausliebe unter unheilbar Kranken, von Justin Baldoni nach dem Drehbuch von Mikki Daughtry und Tobias Iaconis, angerichtet als konsumentinnenfreundliches Mitfühlkino eingehüllt in eine daunenwohlige Glücksmusik.

Sollten sich nach der Kinovorstellung wildfremde Menschen berühren, sich gar umarmen, dann hat der Film mehr als sein Ziel erreicht, denn das ist seine explizite Botschaft, wie kostbar Berührungen zwischen Menschen sind. Das wird eingangs und am Schluss illustriert durch die Berührungen zwischen Mutter und Neugeborenem.

Berührungen sind ein Lebenselixir. Was sie wert sind, spürt man erst, wenn man sie nicht mehr hat. Die junge, lebens- und liebeshungrige Stella (Haley Lu Richardson) macht diese Erfahrung. Sie hat eine unheilbare Lungenkrankeit und darf sich Mitpatienten nur bis auf drei Schritte nähern, weil sonst Infektionsgefahr besteht.

Prompt verliebt sie sich in der Klinik, in der sie ein opulent eingerichtetes Zimmer mit großer Sauerstoffapparatur belegt, in den Mitpatienten Will (Cole Sprouse). Die erste Begegnung, die Entwicklung dieser Beziehung, die ablehnenden Momente, das wird Schritt für Schritt schön nachvollziehbar erzählt. Es wird eine Romeo- und Julia-Geschichte, nur dass statt eines Balkons und dem Veto der Eltern zwischen den Liebenden das medizinische Annäherungsverbot besteht.

Beide warten auf eine Spenderlunge, da ihren eigenen Lungen stark beschädigt sind.

Ein Mitfühlkino ist es, weil es immer nur eine Wahrheit gibt. Es gibt keine zweite Wahrheit hinter den Figuren, keine Lebenslügen, keine inneren Widersprüche, keine Konflikte. Die Schauspieler spielen ihre Figuren sozusagen eineindeutig. Alles fokussiert sich darauf, wie die beiden Liebenden zusammenkommen ohne zusammenkommen zu können in einer glaubwürdigen Gemengelage von sie umgebenden Figuren wie Ärzten, Schwestern, Freundinnen, Familie, anderen Mitpatienten und auch von Stellas Kontrollzwang und To-do-Listen.

Bis Stella zur Erkenntnis gelangt, dass sie ihr Leben nach der Behandlung richtet, statt die Behandlung nach ihrem Leben, da ist der Film schon fast aus. Das führt zu einem gefährlichen mitternächtlichen Ausflug an einen zugefrorenen See, zu dramatischen Szenen, die sie mit Will erlebt.

Die Krankheit heißt Mukoviszidose oder auch zystische Fibrose, bei der die Patienten viel Schleim absondern, das zu zeigen gehört auch zum Mitfühlkino.

Die Farbgebung im Film ist verhalten, leicht, keine krassen Kontraste, keine Härten, eher gedämpft. Mitfühlkino heißt auch, dass der Zuschauer, resp. vermutlich eher: die Zuschauerin, sich nicht den Kopf über die Handlung zerbrechen muss, dass linear erzählt wird. Und wohl dosiert sind dem Film einige Tropfen Humanismus, mitfühlender Menschlichkeit beigemengt.

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Dieser Film in Kinoschönschrift von Dome Karukoski nach dem Drehbuch von David Gleeson und Stephen Beresdorf macht es mit einer gefälligen Nachillustrierung des Lebens von J. R. Tolkien dem Zuschauer leicht.

Ja, er kommt dem Zuschauer so weit entgegen, dass vor allem die jungen Jahre von Tolkien aus der Perspektive der späteren Verfilmungen seiner Werke dargestellt werden. So dass der Zuschauer auf lauter Bekanntes stößt. Alles schon angelegt. Der Junge hat sein Bild von der Welt und den Geschichten. Jetzt muss er nur noch alt werden und es aufschreiben. Es ist ein sozusagen sich selbst befriedigendes Biopic.

Der Film kreist und blendet hin und her hauptsächlich um drei Orte: Birmingham, wo Tolkien mit seiner Mutter und einem Bruder aufwächst, Oxford, wo er Student ist, und dem Schützengraben an der Somme im ersten Weltkrieg in Frankreich.

Tolkien wird charakterisiert über sein Faible an Sprache, auch an Fantasiesprachen oder alten Sprachen, ja er erlaubt sich sogar, einen Professsor über die richtige Aussprache seines Familiennamens zu beleheren, kiiin, und was es für eine Bewandtnis damit habe.

Eine erstklassige Schauspielerriege leistet keinen Widerstand gegen die andere Attitüde dieses Filmes, historisch korrekt zu sein in Ausstattung und Kostüm. Diese Teile sind nicht nur immer makellos (außer nach einer Schlägerei oder im Krieg) wie frisch aus der Wäscherei oder aus der Restaurationswerkstatt, nein, sie werden auch lichtmäßig besonders herausgestellt.

Deshalb wirken viele Szenen stereotyp, museal und austauschbar, ob es um das Verhältnis zur Mutter geht, zum besten Freund, der an der Somme zu Tode kommt und Gedichte hinterlässt, zu den Studentenkumpels, zu den Professoren, dem Pastor, der Pflegefamilie. Damit dürfte der mit dem Namen Tolkien erhoffte oder kalkulierte Erfolg jedoch nicht unbedingt garantiert sein.

Der Musikscore hat diesen unangenehmen Touch, es dem Publikum mundgerecht machen zu wollen, als ob so eine Dichterkarriere von Anfang an beschlossene und gesicherte Sache sei.

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Gewissheiten genussvoll demontiert.

Amerikanisches Provinznest. Gerade so groß, wie für einen nahrhaften Horrorfilm nötig. Etwas abseits der Hof von Toni (Elizabeth Banks) und Kyle (David Denman). Sie hat auf der Farm ein Atelier, malt zum Beispiel eine Kuh. Das Ehepaar will ein Kind zeugen, es hat auch Ratgeberbücher zu diesem Thema im Schlafzimmer gestapelt. Etwas Außeriridisches hat ein Einsehen. Während ihrer Bemühung knallt aus dem Weltall eine Kapsel mit einem Kleinkind auf den Boden ihrer Farm. Sie verstehen den Wink des Himmels, nennen das Kind Brandon und adoptieren es. Mit 10 Jahren ist es ein normaler Schüler, vielleicht etwas bleich im Gesicht mit einem Blick, der Versonnenes erahnen lässt.

Dieser Einstieg in den Film von David Yarovesky deutet schon den besonders bibbernden Blick der beiden Drehbuchautoren Brian und Mark Gunn auf das Genre des Horrorfilmes an. Es soll ein Genuss sein, ein Hochgenuss. Spitzen-Horror-Köche am Werk.

In den Startlöchern zur Pubertät zeigt sich in Brandon nach und nach seine andere Seite. Diese blättern die Autoren bestens dosiert auf. Erst muss Mutter ihn oft suchen. Das gibt die Möglichkeit, erwartungsvoll leere Räume abzusuchen, denn wer sucht, bleibt auch mal stehen, ruft, horcht, schaut. Derweil zeigt uns die Kamera mögliche Orte für den erwartbaren Horror.

In der Schule tut Brandon Böses, bricht einer Klassenkameradin den Arm. Das soll Konsequenzen haben. Brandon warnt die Lehrerin davor, die Polizei zu rufen, wie er bei ihr nächtens auftaucht. Nach und nach kommen die ziemlich bösen Seiten von Brendan an den Tag.

Bis die Provinz merkt, was los ist, das dauert. Die Betreiberin eines Imbisses wird aufgefunden, übel zugerichtet. Später ist der Vater von Brandon dran. Die Polizei findet ein eigentümliches, mit Blut geschriebenes Zeichen.

Die Nunns verstehen sich bestens auf den sparsamen Umgang mit den Horroreffekten. Und auch wieder aufs Ausblenden, wenn genügend gezeigt ist. Hier wird nicht im Horror gesuhlt. Hier wird der Spaß am Skizzieren einer Horrorstory zelebriert, einer Story, die der Provinzrealität immer mehr den Boden entzieht, die eine Gewissheit nach der anderen Kräften opfert, die der Normalbürger sich so nicht vorstellen kann, wenn er den Kontrollverlust über die beherrscht geglaubte Physis hautnah erleben muss.

Das grenzt an Kunst, wenn der Vorbeitrash-Effekt des Bösen so schnell passiert, dass es scheint, als sei nur schnell ein künstlerischer Farbfleck zu sehen. Die Nunns gehen vor wie bei einer Vivisektion mit Ansage, da eine böse Tat, die Irritation der Menschen, dann wieder der brave Bub mit treuem Augenaufschlag, die nächste böse Tat und wieder ein überraschender Schock-Effekt.

Ein Skizzenheft des bösen Buben wird erst spät im Film Aufschluss über sein Weltbild geben, das von einer Sicht außerhalb unseres Erfahrungsraumes geprägt ist.

Yarovesky und die Gunns verstehen es außerdem, den ganzen, wohldosiert auch blutigen, Spaß in 90 Minuten über die Leinwand zu bringen. In Dolby Atmo besonders eindrücklich, da auch die Tonspur vor keiner Schandtat – ebenso wohldosiert – zurückschreckt.

Brandon ist halt kein normaler Junge, er ist anders, he is very special. Und nicht zu vergessen: wenn Böse Dinge passieren, so hat das sicher einen guten Grund. Schlusslied: I am a bad Guy.

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Am Rande der Gesellschaft.

Meditative Betrachtungen aus einem Männerwohnheim des katholischen Männerfürsorgevereins München. Hier wohnen gscheiterte Existenzen, solche, die „nie so richtig funktioniert“ haben.

Die Männer haben kleine Kammern mit Duschzelle, Kochecke, Toilette, Kühlschrank, Waschmaschine, Bett, Schrank, ein Tisch, Stuhl, Fernseher. Einige der Zimmer sind unterm Dach mit der entsprechenden Schräge. Am Hauseingang gibt es einen Pförtner.

Till Cöster hat sich hier ein Bild gemacht. Die Kamera ist statisch zurückhaltend in langen Einstellungen. Sie achtet darauf, dass es Rahmungen gibt, Türrahmen, Fensterrahmen, Kanten, Flure, als ob sie versuche, den seelisch Beschädigten einen Halt zu geben, sie nicht zusätzlich zu belasten.

Cöster verzichtet auf jeglichen informativen oder belehrenden Kommentar, es gibt kein Organigramm, keine Zahlen, keine Story, keine Statements von Außenstehenden. Er beobachtet die Männer beim Kochen, Waschen, Rauchen, Trinken, Fernsehschauen, beim Aus-dem-Fenster-Gucken.

Die Männer kommen selbst zu Wort kommen. Sie erzählen von ihren Schicksalen, ihrer Situation: kaputte Kindheit, Pech in der Liebe, Alkohol, Drogen, Job- und Wohnungsverlust, Suizidversuche, Depression, Polizeierfahrungen. Im Heim haben sie immerhin ein paar Quadratmeter Individualität. Darin kommen künstlerische, wissenschaftlich-erfinderische, musikalische, poetische Talente zum Vorschein.

Cöster hat, was für diese intime Dokumentation unerlässliche Voraussetzung ist, das Vertrauen seiner Protagonisten gewonnen. Er muss sie überzeugt haben, dass sie durch das Mitwirken in dieser Dokumentation auf ihre randständigen Leben aufmerksam machen können. So dürfte denn diese Dokumentation durchaus auf Interesse von Außen stoßen.

Es gibt Ausflüge aus dem Heim, zu einem landwirtschaftlichen Hof, nach Rom zum Papst oder zu einer großen Weihnachtsfeier in einem Traditionswirtshaus. Diese Ereignisse werden nebensächlich behandelt.

Zum Schluss dreht der Dokumentarist mit dem Poetenprotagonisten, dessen Texten auch der Titel des Filmes entnommen wurde (mit solchen Texten ist seine ganze Kammer bekritzelt, unter Tags murmelt er sie ununterbrochen), eine kleine Runde durch die Kyreinstrasse, dabei begrüsst er die Nachbarn und murmelt seine Texte weiter, „Friede, Liebe, Love …“.

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Der deutsche Zusatz zum englischen Originaltitel will angesichts der Hoffnungslosigkeit von politischem Machiavellismus und Interessendurchsetzung die Hoffnung doch nicht aufgeben und will sagen, dass der Film von Jonathan Levine nach dem Buch von Dan Sterlin und Liz Hannah nicht nur ein reines Märchen sei.

Als solches ist er schön und souverän, vereint alle Märchenelemente zu einer ordentlichen Geschichte. Statt um Königs geht es um Präsidentens. Und es geht auch nicht um Aschenputtel, die ins Köngisschloss zieht. Es geht um den Recherche-Journalisten Fred Flarsky (Seth Rogen), der mit der amerikanischen Präsidentschaftskandidatin ein Hinterzimmerverhältnis pflegt. Wie es dazu kommt ist schon märchenhaft genug.

Die erste Szene verspricht alles andere. Als Undercover-Journalist schmuggelt sich Fred in eine Gruppe Rechtsradikaler. Seine Aufnahmeprozedur gerät außer Kontrolle, weil die ihm gleich ein Hakenkreuz in den Oberarm tätowieren wollen. Selbstverständlich wird der Teil davon, der schon in die Haut gestochen ist, noch komödiantisch weiterverwendet werden.

Fred kommt grade so mit heiler Haut davon. Da erfährt er, dass seine Zeitung von einem schlecht beleumdeten Großverleger aufgekauft worden sei. Sein Ex-Chef Lance (O‘ Shea Jackson Jr.) nimmt Fred mit zu einem Auftritt zur Gruppe „Boyz II Men“. Dort kommt es zur Begegnung mit Charlotte Field (Charlize Theron). Die ist jetzt Außenministerin und war vor Jahren Kindermädchen von Fred. Der böse Verleger Parker Wembley (Andy Serkis), wegen dem Fred seinen Job aufgegeben hat, stößt auch dazu. Somit ist eine solide Exposition für aufregende Entwicklungen gegeben.

Fred ist ein prima Redenschreiber und erinnert Charlotte an die Jugendideale. Field ist inzwischen Außenministerin und denkt in Richtung Präsidentschaftskandidatur. Sie engagiert Fred. Als Team reisen sie um die Welt, um ein „Global Rehabilitation“-Abkommen zu erreichen, einen Klimavertrag, der von Fields Chef Chambers (Bob Odenkirk) boykottiert wird, der ihr aber das Terrain für die Präsidentschaftskandidatur ebnet.

Auf der Klimareise werden Field und Fred begleitet von Tom (Ravi Patel) und Maggie (June Diane Raphael). Sie sind ein Winning Team – wenn nicht ein Terroranschlag dazwischen käme, wenn nicht der Geheimdienst die Daten von Fred hacken würde, wenn da nicht die großkapitalistischen Interessen von Präsident Parker und dem schmierigen Wembley wären.

Ein Märchen findet immer eine wunderbare Lösung. Die Atmosphäre wird weitgehend von Seth Rogen als familiär und menschenfreundlich bestimmt, der nie vergisst, dass der Mensch ein Hose hat, in der sich Dinge rühren oder auch nicht, dass nicht nur Asoziale mal zu Drogen greifen; das kann zu urkomischen Situationen führen.

Der Nähkästchenbericht aus diesem Elitemilieu weiß natürlich auch, was ein Mikro-Napping ist oder was Fidel Castro 96 bedeutet; der Film ist gespickt mit solchen Details und Anspielungen unterschiedlicher Anspruchsebenen.

Bei der aktuellen verfahrenen politischen Lage in den USA mit einem chronischen Lügner als Präsidenten sind solche Träumereien überlebensnotwendig.

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Windschattten-Doku, die sich in wohliger Nähe älterer Berühmtheiten des Jamaica-Reggae suhlt.

Ganz spät im Film wird auch noch erklärt, was es mit dem Titel auf sich hat: der innere Hof, damit ist gemeint das Innere der bescheidenen Behausungen auf Jamaica, da, wo sich die Frauen aufhalten, auch jene, die im Film spät und sparsam vorkommen, die selber anfangen, Musik zu machen. Just zu dem Zeitpunkt im Film, wo man denkt, ist denn das alles schon wieder reine Männersache. Die besingen zwar die Emanzipation von der Sklaverei, nicht aber die der Frauen – genau da kommen sie auch ins Spiel.

Der Jamaica- und Reggae-Fan bekommt das zu sehen, was er kennt, auch wenn es nicht sonderlich aufregend montiert ist: schöne Drohnenaufnahmen, Armuts- und Elendsaufnahmen aus Kingston, die alten Musiker wie sie erzählen, proben, improvisieren, zurückblicken, wie sie angenehm leben; dazwischen gibt es Archivmaterial bis weit zurück in die Zeit der Sklaverei und zuletzt die Reggae-Senioren bei einem Konzert in Paris (hier wieder nur Männer auf der Bühne).

Niemand muss sich bei diesem Film vor neuen Erkenntnissen oder Einblicken ängstigen, hier kommt das Vertraute zum Tragen, fast schon das Klischee. Ihren Auftritt haben Ken Boothe, Cedric Myton, Kiddus I, Winston McAnuff, Var, Jah9, Kush McAnuff, Derajah, Bo Pee, Steve Newland und Lloyd Park.

Die Tonspur ist gefüllt mit bekannten und beliebten Gesangsnummern. Das ganze eher aus der Mikrowelle und weniger aus langem Garvorgang. Ein bisschen was ist über den Ursprung des Reggae zu erfahren. Eher nicht geeignet, Leuten, die den Reggae nicht kennen, dessen Faszination näher zu bringen.

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