Druckfrisch (ARD, Sonntag, 28. Februar 2021, 23.35 Uhr)

Kniefall vor einem ViP.

Wenn wir uns die wenig präzise differenzierenden Buchbeurteilungen von Denis Scheck, der diese Sendung in der Regie von Andreas Ammer vom Teleprompter abliest, zu eigen machen würden, dann müssten wir sagen: „In die Mülltonne damit“. 

Und sowieso die Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers zücken, der sich fragt, warum er für so ein krampfhaft um Originalität bemühtes öffentlich-rechtliches TV-Produkt, das nur so trieft von Banden- und Buchbazarwerbung, sich seine Zwangsgebühr vom bescheidenen Haushaltsbudget absparen soll. 

Das Setting ist ein virtuelles Eisstadion mit grob plakativ (un)animiertem Publikum. Auf der Eisfläche sitzt der mollige Moderator hinter einem Schreibtisch, es gibt Mikrogestänge, Absperrbänder, die sich über das Eis ziehen und ein Feuerlöscher sucht die Aufmerksamkeit. Attraktiv scheint vor allem die Bandenwerbung, aber die wechselt nicht mal; das ist doch nachlässig. 

Die wahren Augenfänge als spannende Bewegungen sind die behutsamen Pirschgänge eines Kameramannes mit Steadycam und zweier Kameramänner hinter Kameras auf Dreibeinrollstativen, die die Eisfläche auf eigenartig geometischen Mustern durchziehen. 

Wie eine Kaaba oder wie ein zentraler Katafalk sind auf dem Eis zwei riesige, rechtwinklig gegeneinander angeordnete Leinwände platziert. Von hier wird der Promigast sein professionelles Buchverkäuferlächeln schamlos runtersenden in die Wohnzimmer der vermutlich nicht allzu zahlreichen ARD-Zuseher kurz vor Mitternacht. 

Die Bildspielerei mit dem Promigast ist filmtechnisch kompliziert gedacht: zweimal ist er, der vermutlich irgendwo in Amerika sitzt und ein 20-Minuten-Interview nach dem anderen abspult, übergroß auf den Leinwänden zu sehen; dann hat der Moderator einen Laptop vor sich, der das Bild der Promigast-Dokukamera bringt, die auf den fernen Talkgast gerichtet ist, sozusagen die Außenkamera.

Die Montage – oder der Verschnitt – besteht aus einer irgendwie willkürlich erscheinenden Abfolge von Bildern der verschiedenen mobilen Kameras auf dem Eis, die Teilaspekte aus dem Stadion und dieser merkwürdigen Installation samt Talkgast bringen. Diese Spielereien verschleißen sich schnell, lenken maximal vom Gespräch mit dem Talkgast ab. 

Als Entrée hat der Moderator drei Minuten lang ein Buch von einer Autorin beworben. 

Der Talkgast ist der ehemalige amerikanische Präsident Barack Obama, der hier als Verkäufer seines eigenen Buches fungiert, der ein blendender Showman ist, immer schon war und untertänigst wird noch Archivfootage von Glanzmomenten aus seiner Amtszeit als Präsident mit Künstlern reingeschnitten. 

Man hätte auch, wenn die ARD auch nur einen Ansatz von Kritik in der Sendung beabsichtigte, etwas über die präventiven Tötungen durch (über Deutschland gesteuerte) Drohneneinsätze bringen können, die dieser Herr Obama als Präsident unter Inkaufnahme ziviler Kollateralschäden befohlen hat, während der Buchverkäufer sympathieheischend davon erzählt, wie er seinen Kindern aus Büchern vorgelesen hat. 

Die ARD bringt hier ein Beispiel von Promi-Schleim-Journalismus, den mittels Zwangsgebühr zu unterstützen es keinerlei Grund gibt, und die ARD verkauft das auch noch als „Exklusiv-Interview“; was an diesem reinen Routine-Bookseller-Interview exklusiv sein soll, diese Antwort bleibt das dünne TV-Produkt uns schuldig; es ist eines von x Interviews, die der Autor zur Zeit im Sinne der Werbetrommel weltweit gibt. Da ist nichts exklusiv daran. 

Hündischer (und unterwürfiger) geht’s nimmer: gleich zweimal bringt der Herr Moderator die Sprache auf die Hunde des Ex-Präsidenten; von eminenter Wichtigkeit für eine Sendung, die behauptet, eine Literatursendung zu sein; vielleicht geht es in dem Buch ja tatsächlich um Hunde (wollt Ihr ewig leben? …). 

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Nixen (VoD)

Der 29. 9. 95

ist der impressionistisch-harmonische Bezugspunkt dieses sensiblen Porträts zweier Schwestern. 

An diesem Tag haben sie, vielleicht etwa acht und neun oder zehn Jahre alt, gemeinsam eine Kassette aufgenommen, wovon Mädchen halt so träumen. 

In der initiierenden Szene sitzen Ava (Odine Johne) und Nene (Lucy Wirth) nebeneinander, man sieht sie von hinten, sie üben – heute – den Song mit einer gestischen Choreographie. 

Katinka Narjes, die Autorin und Regisseurin dieses Filmes, führt mit der Szene auch ihren Filmstil ein, der, was Ausstattung und Beleuchtung betrifft, in Richtung eines verträumt magischen Surrealismus weist. Jedes Bild ist gesetzt, inszeniert, die Farben, das Licht. Sie schafft es, eine heiter-gelassene Atmosphäre auf die Leinwand zu zaubern, in deren Zentrum ihre beiden wundervollen Protagonistinnen stehen. 

Und doch schweben Probleme mit im Raum, urmenschliche, Ur-Beziehungsprobleme. In dieser Phase wabert bei aller gezeigten Harmonie Ungeklärtes durch die Szenerie. Das zeigt sich an Kleinigkeiten, Scherben am Boden des ausladenden Bungalows, in welchem Ava mit Alex (Roland Bonjour) lebt, oder eine seltsam theatrale Begrüßung von Alex, wie er nach Hause kommt. 

Die Beziehung der beiden Schwestern ist innig wie anno 1995. Nene geht mit ihrem prächtigen Töchterchen Sabrina (Emelie Harbrecht) bei Ava und Alex ein und aus, dass momentweise im Unklaren bleibt, ob es sich gar um eine traumhafte Ménage à trois handelt. 

Die beiden Schwestern jobben gemeinsam in einem feinen Restaurant als adrette Bedienungen und treten offenbar in der Funktion von Unterhalten wie Barpianisten auf. Das ist vielleicht ungewöhnlich, dass eine Frau, die so vornehm wohnt, als Bedienung arbeitet. 

Die Story, die sich in dieser exquisiten Atmosphäre entwickelt, stellt Alex vor das Problem, dass Ava es nicht mehr mit ihm aushält und ausziehen will. Als dramaturgisches Movens schmeißt Alex Ava sofort raus, mit der Folge, dass bei ihr, aber auch bei Nene einiges durcheinander gerät, Gewissheiten, Gewohnheiten und Zuverlässigkeiten erschüttert werden. 

Katinka Narjes wetzt jedoch nicht das brutal analytische Messer zur Sezierung der Konflikte, dafür ist ihr der Porträtgedanke dieser Schwesterbeziehung zu wertvoll. Sie schafft es mittels ein, zwei Erfindungen, wofür ein Poolhaus neben einem Bungalow doch nützlich sein kann, das Verhältnis zwischen Alex und Ava wieder zu kitten und den Film zu einem Happy End mit Barmusik zu bringen; da ist der Kleinmädchentraum vom „little Bijoux“ dann doch zu verführerisch. 

On the Wilde Side – Gegen die weltweite Jagd (Stream)

Bis Löwen schreiben können, werden Jäger immer verherrlicht werden“

Ein Film, der Position bezieht, also ein Agit-Prop-Film, der einer Sache dienen will und der sich besonders an junge Menschen wenden dürfte, die Energien in sich spüren und etwas Gutes tun wollen im Interesse der Menschen und des Planeten und der damit bestimmt beim einen oder anderen auf fruchtbaren Boden fallen dürfte, dann sogar ein Erweckungsfilm. 

Giacomo Giorgi gibt mit seiner weltumspannenden und flüssig montierten Dokumentation einen Einblick in die vielfältigsten Initiativen von Aktivisten, die sich dem Thema Jagd als Sport, Jagd als Thrill, Jagd als Trophäenjägertum, Jagd als Statussymbol, Jagd als Wilderei und aus Geldgier, Jagd als Luxus widmen und dagegen die klare Haltung setzen, dass ein Jäger sein Opfer nie liebe, oder zumindest, dass das eine merkwürdige Art von Liebe sei. 

Ein Film, der im Abspann nicht schreiben kann „no animal was harmed or shot“, dafür ist zu viel Archivfootage von realen Jagden drin, schmerzhaft. 

Gegen den Schmerz gibt es genügend Material von Tieren in freier Wildbahn, von ihrer Schönheit, ihrer Würde. 

Es sind die Aktivisten zu beobachten, sie geben Statements ab, begründen ihre Position und warum die Jagd abzulehnen ist. Auch von ihren Aktionen ist viel zu sehen, wie sie sich britischen Treibjagden in den Weg stellen, wie sie die Spuren der Füchse verwischen, wie sie die Hunde irritieren oder wie sie australischen Entenjägern in ihrem Hobby in die Quere kommen, wie sie Vogelfängern ihre Fallen zerstören, wie die Black Mambas in Südafrika Nashörner schützen, wie die Aktivisten die Öffentlichkeit mit Demonstrationen und der Vermittlung von Info aufrütteln wollen, dass Jagd als Unterhaltung ein No-Go sei. 

Aus den Statements geht hervor, dass sie ihre Aktionen vor allem gewaltlos planen, dass die Aktivitäten vor Ort nur ein erster Schritt sein können, um das Medieninteresse zu wecken, dass die mühsamere und jahrelange Arbeit die mit den Gesetzgebern ist, die Aufklärung, der Kampf gegen mächtige Lobbies (dass in den Schaltzentralen der Macht allzu viele Jäger sitzen). Warum soll Jagd ein Sport sein, wenn der Verlierer zum vornherein schon fest steht?.

Was die Aufklärung über die politische Seite des Prozesses betrifft durchaus auch eine Lektion in Demokratie. 

Kommentar zu den Reviews vom 25. Februar 2021

Unverdrossen geht’s weiter in den Subregionen des Kinos, das nicht weiß, wann es aus seinem Schwarze-Loch-Zustand wieder befreit wird. Jetzt, wo die Impfungen im Gange sind, könnten die echt mit Lockerungen anfangen, speziell auch beim Kino, denn die Gefahr einer Überforderung der Krankenhauskapazitäten nimmt mit jedem Tag ab, selbst wenn durch die Lockerungen die Anzahl der Infektionen nochmal nach oben schnellen sollte.

Film

SHANE CROCK OF GOLD – A FEW ROUNDS WITH SHANE MACGOWAN

Heute im Rollstuhl – aber im Geist so fit und pro-irisch wie eh und je und mit Verve. Musik, die um die Welt ging, auch wenn das Gebiss nie idealtypisch war.

DIE LETZTE STADT – THE LAST CITY

Dialog-Dauerplätscher-Reigen rund um die Welt im Sinne eines essayistischen Peripatos.

DVD

THE BEACH HOUSE

In Dünen und Ferienhaus in die tieferen Geheimnisse von Liebe und Beziehung eindringen.

VoD

KLANG DER VERFÜHRUNG

Der Erotomane im Regisseur ist größer als sein Geschäftssinn.

DAWN OF THE FELINES – SÜNDIGES TOKIO

Menschliche Geschichten aus dem Tokioter Nuttenmilieu.

DIE WACHE

Zum Wachen der Wache gehört das Halbwache, gar die Abwesenheit, worauf Dinge sich verselbständigen, wie obrigkeitsseitlich nie vorgesehen.

EINE FRAU MIT BERAUSCHENDEN TALENTEN

Die Huppert ist an sich schon eine berauschende Frau, doch wehe, wenn sie an eine Lieferung Drogen gelangt.

DREIVIERTELBLUT – WELTRAUMTOURISTEN

Bayern und der Weltraum, das ist eine ganz eigene, ganz innige Beziehung.

BODY OF TRUTH

Allenfalls für Kultursklerotiker.

GIRAFFE

Die erhöhte Warte ermöglicht einen sensiblen Einblick in das menschliche Drumherum um ein Brückenprojekt.

STREAM

OOPS!2 – LAND IN SICHT

So unterhaltsam und dual wie im ersten Teil geht’s weiter und Zusammenhalten ist besser als gegeneinander zu sein; so wird die Arche wieder flott.

TV

LEBENSLINIEN – SUSHILA UND IHRE DREI MÜTTER

Immer sonderbar und verwirrend, wenn jemand das, was er eigentlich erzählen will, in der Geschichte so gut wie möglich versteckt; Unoffenheit. Insofern antidemokratisch und nicht geeignet für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die letzte Stadt – The last City

Dialog-Reigen.

Wie ein Dauerregen plätschern die Dialoge in diesem essayistischen Film von Heinz Emigholz und wie beim Reigen von Schnitzler als dramaturgischem Prinzip spielt ein Darsteller aus einer Szene eine neue Rolle in der nächsten Szene. 

Die Szenen selbst machen eine Reise um die Welt von Israel über Athen, Berlin, Hong Kong und Sao Paolo. Sie fächern inhaltlich vieles aus einem klassischen Bildungskatalog auf. Essayistisches Dialog-Kino, vielleicht auch Vieille Vague zu nennen, alt geworden in Ehren und vom Prinzip des Dialogkinos nicht abgekehrt, einem Kino, das die Welt erklären, erforschen, durchleuchten und begreifen oder gar nach dem Marxschen Satz verändern will, dass nämlich die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert aber nicht verändert hätten. 

Den Marx-Satz haben sogar zwei der Protagonisten auf den Arm tätowiert, was nur eine von mehreren erotisch-philosophischen Gemeinsamkeiten ist. Sowieso Athen, Polis, der Titel des Filmes heißt ja Die letzte Stadt, was wohl der letzten Erkenntnis gleichgesetzt werden sollte, in der Stadt fing das Denken an, Aristoteles – und in der Stadt hört es wieder auf? 

Peripathos: im antiken Säulengang ergingen sich die Philosophen mit ihren Jünglingen. Dazu ist unser Filmemacher, sind unsere Darsteller zu alt. Da sind sich liebende Männer schon gestandenere Semester oder sie behaupten in Berlin sogar, sie seien Brüder und Liebhaber zugleich, die Mutter freut sich drüber, der eine ist Polizist, der andere Pfarrer. Der nimmt seiner Familie die Beichte ab und entlastet sie von allfälligen Gewissensbissen mit dem Satz, dass einvernehmlicher Sex unter Erwachsenen ein Menschenrecht sei. 

Vorher in Athen ging es um philosophischen und Erkenntnisdiskurs, aber auch um Psychiatrie, Depression, künstlerische Aktivität, Schaffung der Stadt, aber auch Krieg, Rassismus, Waffenproduktion, Ideengewinnung aus den Slums und von Schulmädchenzeichnungen oder der Blick in Gruben und Zisternen. 

Der Ausflug nach Hong Kong bringt eine Aufzählung schauderhafter Kriegsgräuel, -verbrechen, -massacker. 

In Lateinamerika beschäftigt Emigholz seine beiden Protagonisten mit astronomischen Fragen, Weltall, Galaxie, Künstliche Intelligenz, den Bedingungen für das Leben, Aliens, lauter Dinge, die vornehmlich den erwachenden jugendlichen Geist umtreiben – wenn dieser in sternhellen Sommernächten den Himmel betrachtet – oder dann die Fachwissenschaftler und -forscher. Auch das Thema Zeitreise wird angetupft oder die Gschichte mit dem letzten und deshalb unsterblichen Pfannkuchen. 

Vielleicht ist Heinz Emigholz ja ein unverbesserlicher Alt-68er, der einfach noch keinen Frieden gefunden hat und der in einem ideologisch-historisch-philosophisch-politisch-literarischen Gemischtwarenladen immer wieder auf Fundstücke stößt, die er für reflektierens- und zitierenswert hält. Darin ist eine gewisse Verwandtschaft zu Roland Reber und seinem Werk zu sehen (zuletzt in Roland Rebers Todesrevue). 

Shane Crock of Gold – A few Rounds with Shane MacGowan

Mit 60 schon halbgelähmt im Rollstuhl, aber hellwach; die Folge eines exzessiven Lebens, das Stoff für eine über zweistündige, explosive Footage- und Interviewdoku hergibt, die einen wahren Leinwandrausch erzeugt, angereichert mit eigens hergestellten, brillanten Animationen und dazu noch einem Abriss der irischen Befreiungsgeschichte. 

Die Erzählbasis sind neuere Interviews oder auch eine Kneipenbegegnung mit Johnny Depp, einem Freund des berühmten irischen Songwriters und Sängers, und der den Film auch produziert hat. 

Das Narrativ, das mit diesem Footage-Feuerwerk entsteht, ist chronologisch, doppelt chronologisch, zum einen die irische Befreigunsgeschichte beginnend vor über 100 Jahren, dann individualchronologisch, beginnend mit den Eltern des Sängers Shane McGowan. Der Vater ein begnadeter Mathematiker, das ist möglicherweise grinsend gemeint, der sich auf Wetten spezialisiert hat, Mutter in den 50er Jahren in Irland ein Topmodel. Aber Irland war arm, wenig Verdienstmöglichkeiten, wie der Bub etwa Jahre alt ist, zieht die Familie nach London, ein herber Bruch für den Buben. 

Die Familie will in London zum Mittelstand aufsteigen. Bier zu trinken beginnt Shane im zarten Alter von 6 Jahren in Irland. 

In London lernt er mehrere Schulen kennen, nie lange. Dann stößt er auf die Literatur. Seine Begabung wird bemerkt. Doch die feine englische Schule ist nicht sein Ding. Iren wurden in London gemobbt. Auf die harte Tour, keine Angst vor körperliche Auseinandersetzung. Heranwachsen mit Alkohol, Drogen bis zum psychiatrischen Klinik (auch seine Schwester ist eine Interviewpartnerin, die davon erzählt). Paranoia mit 16 in London, keine Schule fertig, Jobs, Drogen, Paddys klatschen und zurück zur irischen Musik, aber den Traditionalisten in den Arsch treten. Sein Genie: der Äther ist voller Melodien, man muss sie sich nur greifen. 

In der Klinik in einem Einzelzimmer findet er eine Gitarre vor. Er schreibt und spielt. Der Weg von da zur ersten Band ist kurz. Ein treibendes Motiv ist Irland, das Irische, die irische Befreiungsbewegung. 

In wenigen Jahren vom Erfolg überrollt. Welttournee, fast jeden Abend Auftritt, Zerstörung der sozialen Netze, das Ziel der Musik aus den Augen verloren, nur noch Geld und Drogen. Es scheint so eine typische Punk-Karriere zu sein und er entschuldigt sich dafür, sich verloren zu haben, beim Rock gelandet zu sein. 

Julien Temple macht diesen schier endlosen Lebenshunger, der sich in der Drogensucht zeigt und der oft in der Nähe des Todeshungers angesiedelt scheint, durch eine dichte Footag-Montage nacherlebbar. Das Verstörende an dem Film ist die tiefe Zwiespältigkeit sowohl des Irland- als auch des Shane-Bildes: einerseits der kompromisslose Kampf für Unabhängigkeit bei gleichzeitiger Abhängigkeit von Drogen, was den Menschen schließlich als Ruine zurücklässt. 

Immerhin, am Schluss wird der Film zum Hochzeitsfilm – das kann manche Gegensätze kitten. Vielleicht erklärt dieser Zwiespalt, resp. die Verzweiflung an der Aussichtslosigket zur Versöhnung der Gegensätze, warum das häufigste Wort, das Shane als Kind gehört hat, „Fuck“ war und überhaupt das Fluchen, was im Rückblick auf die blutige Befreiungsgeschichte der Iren wiederum nicht von der Hand zu weisen ist. 

The Beach House (DVD)

Mystery-Horror in feinen Dünen vor Massachusettes. Abgeschiedenheit und unerwartete Seelenforschungshilfe. Was, wenn man als junges Paar seine Probleme diskutieren möchte und es stößt plötzlich ein älteres Paar dazu? Siehe die Review von stefe. 

Oops!2 – Land in Sicht (Stream)

Eine deutsch-luxemburgisch-irische Koproduktion, ein jahrmarktquietschbuntes Kindermovie in Plüschtierästhetik mit standard-eklektischem Storyfaden nach dem dualistischen Grundprinzip zweier Gattungen, die sich eigentlich nicht vertragen, die Nestrier, die Nester bauen, und die Grymps, die Fleisch fressen. Wegen der Unterschiedlichkeit der Wesen bietet sich die Toleranz-Moral an, dass man in der Not zusammenhalten soll und sowieso, dass das Zusammengehen mit anderen eine Bereicherung darstellt, wie die Schlusssequenz auf der aufgemöbelten Luxusarche zeigt.

Siehe die Review von stefe. 

Go ahead, make my day.