3100 Meilen: Laufen für die Seele (DVD)

Nicht ganz so verrückt, wie der Typ, der wegen Corona einen Marathon auf dem eigenen Balkon absolivert, aber 3100 Meilen um einen Block herum zu schaffen, das Ziel setzen sich nur wenige. Sie begründen es spirituell – und sind mit einem solchen Ziel auf der Welt nicht die einzigen.

Siehe die Review von stefe

Kommentar zu den Reviews vom 28. Mai 2020

Die Corona-Politik gibt dir den Rest – dagegen hilft nur Kino, wenn auch imaginär oder im Konjunktiv – oder, in einem Fall, immerhin im Autokino! (Eben ist ein Link zu einer satirischen Behandlung der Absurdität von Corona-Hygienevorschriften bei Dreharbeiten reingeschneit)

Kino

ANOTHER REALITY

Vom Wesen des Kanaken – ideal fürs Autokino!

KABUL KINDERHEIM

Der Afghanistan-Krieg, an dem sich auch Deutschland beteiligt, ohne dass es angegriffen worden wäre, dauert jetzt schon an die 20 Jahre – dabei hatte das Land vorher schon unter den Sowjets und den Taliban zu leiden. 

ENFANT TERRIBLE

Wenig terrible, wenig enfentine Nachzeichnung des Lebens eines aufsäßigen Regisseurs.

DER GEBURTSTAG

Menschliche Komödie über einen gestressten Mann.

LA PALMA

Ob La Palma oder Las Palmas, egal, wenn man überhaupt nur wieder hinfliegen könnte!

DVD

CATS

stefe hat sich bezirzen lassen. 

1917

Mehr Kammerspiel als Front.

Another Reality (in Autokinos)

Vom Wesen des Kanaken.

Dieses kommt dem Kino entgegen. Ganz oben am Sternenhimmel stehen Robert de Niro und – mehr noch, wie einer der Protagonisten meint – Al Pacino. Und auch sie, die Protagonisten, spielen eine andere Realität vor, sie sind keine Gangster, wird hinzugefügt. 

Es ist diese doppelte, andere Realität, die den Film von Noel Deernesch und Olli Waldhauer unter Drehbuchmitarbeit von Jörg Offer und Tanja Georgieva Waldhauer, fasziniert, die des Kinos als solchen, worauf auch die Kamera ihr besonderes Augenmerk wirft. 

Denn Kanakentum ist ja nicht einfach Ausländertum; das zeigt schon der Vergleich mit den Chinesen, auch die studieren hier, betreiben Geschäfte, nie aber sind sie so ein Bildfang wie die Einwanderer aus dem Mittelmeerraum, aus dem Nahen Osten, nie generieren sie so viel Aufmerksamkeit, nicht nur im Kino. 

Hier sind es mitteljunge Männer aus Palästina, aus dem Libanon, die den Dokumentaristen Red und Anwort stehen und die, siehe die amerikanischen Vorbilder, sehr wohl ein Gefühl für Leinwand und Leinwandpräsenz haben und die mit ihren perfekten Frisuren, mit der Bräune ihrer Haut, mit dem trainierten Muskeln, dem Schmuck, der Kleidung und den Sonnenbrillen einiges hergeben. Und ihre Geschichten auch. 

Sicher, es müssen geläuterte Gangster sein in einem Film, der weitherum von deutschen Filmförderern und Fernsehsendern aus Deutschland und der Schweiz finanziert wird. Und sie sind auch geläutert. Die Protagonisten wollen seriös ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie wollen „halal“ werden, das „Street-Ding“ hinter sich lassen. Sie wollen taff sein, um respektiert zu werden. 

Das geht allerdings bei ihren Ansprüchen an Wohnung und Auto nicht mit einem regelmäßigen 8-Stundenjob und mit 1200 oder 1300 Euro im Monat. Sie machen sich selbstständig. Sie haben im Knast gelernt, sich nicht mehr erwischen zu lassen. 

Der eine betreibt einen Kiosk, der andere eine Autovermietung und der dritte ist auf erfolgreichem Weg zum Rapper. Dieser nimmt seine Jungs, seine Brüder, seinen Clan mit. Er fühlt sich verantwortlich für die. Im Kiosk kommt die Steuerfahndung einem Geldkoffer mit sehr viel Bargeld auf die Spur. Der Betreiber kann es sich nicht richtig erklären. 

Sie haben, das erzählen sie, Karrieren hinter sich, die im Knast endeten. Immer wenn sie „Stress“ hatten, kam es zu Tätlichkeiten. Aber sie wissen um die Filmwirksamkeit solcher Erzählungen, sie wissen um die Filmwirksamkeit der Unterwelt und lassen den Zuschauer einen kleinen Blick rein werfen, auch darin, dass sie eben so viele Verwandte haben, so viele Cousins, Nichten, Onkel, Mütter. Auch ihre Sprache ist eine Bereicherung fürs deutsche Kino: das Kanaken-Deutsch ist weicher, musikalischer als das so oft anzutreffende, sterile Synchron- und TV-Deutsch. 

Der Film dürfte sich in den Autokinos, in denen er jetzt startet, Respekt verschaffen; hier dürfte er gut aufgehoben sein – als Coronakiller! 

Der Geburtstag

Der gestresste Mann. 

Carlos Andrés Morelli nimmt in seinem Film eine menschliche Eigenschaft auf die Schippe: diejenige des Gestresstseins. 

Der diese Eigenschaft vorführt und all die kuriosen, komischen bis absurden Ketten-Reaktionen, die diese Eigenart nach sich zieht, ist der in Trennung lebende Familienvater Matthias (Mark Waschke). 

Voll im Stress soll Matthias seinen Sohn Lukas (Kasimir Brause) von der Schule abholen und zu dessen Geburtstagsfeier bei seiner Ex Katharina (Anna Brüggemann) bringen. 

Dass es dem Regisseur und Drehbuchautor um pointierte Überzeichnung in Richtung eines Comics geht, schildert er schon mit dieser Geburtstagsfeier, die in heftigen Regen fällt. Was besonders schön wirkt, da der Film in Schwarz-Weiß gedreht ist, welches sich hervorragend nicht nur für Schlaglichtbeleuchtung, Dämpfe, Wolken und massiven Regen eignet, sondern auch für das Beleuchten von schrillen Situationen, die mit dem Horror und der Groteske liebäugeln. 

Auch die Zeichnung der Menschen als Figuren innerhalb eines Spieles oder einer Mechanik, die die Eigenschaft des Gestresstseins verstärkt und deren Folgen grotesker erscheinen lässt, wird damit unterstützt. 

Und wenn der Regen eine verhängnisvolle Kette von Umständen nicht gerade befördert, so ist die hervorragende Eigenschaft des Protagonisten dabei dynamikgebend; die Eigenschaft, die verhindert, dass er sich um seinen Sohn kümmern kann oder um dessen kaputtes Spielzeug-Polizeiauto. Die Eigenschaft, die macht, dass er kein Geschenk für den Sohn hat und die ihn dauernd falsche Versprechungen machen lässt. 

Weitere Katastrophen kündigen sich an, wie Leticia (Mélanie Fouché) vergisst, ihren Sohn Julius (Finnlay Berger) abzuholen. 

Matthias steht zudem unterm Stress, dass seine neue Freundin Anna (Anne Ratte-Polle) Schauspielerin ist und an diesem Abend Premiere hat, bei der er unbedingt anwesend sein soll als seelische Unterstützung. 

Stattdessen muss er nun diesen Julius nach Hause bringen, wobei niemand so recht weiß, wo der überhaupt wohnt. Das führt zu einer Nacht, in welcher der gestresste Mann nicht nur sein Jackett und seinen Geldbeutel verliert; der Stress und seine Folgen machen ihn regelrecht zum Gebeutelten, der mit einem fremden Buben nach Katzen sucht und ihn in eine Wohnung eindringen lässt, in der er nichts zu suchen hat. 

Morelli aber meint es gut mit seinem Protagonisten; er gibt ihm die Chance, über den Traum vom kleinen Elefanten im Zoo, der so schnell wachse, dass man ihn besser heute als morgen besuche, zu sich und zur Besinnung und dadurch auch zu seinem Sohn zu kommen. Da unterscheidet er sich dann doch von jenen Komödien Molières, die ebenfalls menschliche Eigenschaften spottend auf die Schippe nehmen wie Geiz (Der Geizige), Hypochondrie (Der eingebildete Kranke), Heuchelei (Tartuffe). 

Kabul Kinderheim

Veränderung.

Der politische Kern dieser wunderschön anekdotischen Nacherzählung nach dem Tagebuch von Anwar Hashimi, der selbst den Waisenhausvater spielt, kommt leise, unerwartet und brutal: Der Übergang von der Hadschibullah-Regierung zum religiösen Mudschahedin-Staat. An der Waisenhaus-Schule sind überall plötzlich nur noch Kopftuchfrauen tätig. Stärker könnte dieses Machtsymbol der islamischen Unterdrückung der Frau nicht gezeichnet werden. (Wie möglicherweise auf leisen Sohlen Corona unsere Gesellschaft verändert?). 

Die Kids im Zentrum des Tagesbuches und damit von Drehbuch und Inszenierung von Shahrabanoo Sadat sind 14, 15, 16 Jahre alt. Sie sind Waisen und Halbwaisen als Folge der sowjetischen Besatzung. 

Quadrat (Quadratollah Qadiri) lernen wir als erstes kennen. Er ist ein Straßenjunge. Schlägt sich durch mit dem Verkauf von Schlüsselanhängern oder mit überteuerten Kinokarten – Kino war damals, 1989, eine begehrte Sache; es gibt auch einen Blick in eine Filmvorstellung, ein Actionfilm mit Songeinlagen in Bollywood-Manier (über afghanisches Kino siehe Meister der Träume – Le Prince de Nothingwood).

So hält es auch Shahrbanoo Sadat, er unterbricht den Film ab und an, um in einem Song die Träume von Quadrat zu visualisieren, dieser sieht sich darin als Liebes- oder Kampfheld, letzteres als Karatekämpfer gegen die Mudschahedin. 

Quadrat wird von der Polizei aufgegriffen und ins Kinderheim bugsiert. Mit Fayaz (Ahmad Fayaz Osmani) und dessen jüngerem Onkel Masihullah (Masihullah Feraji) wird er befragt, erhält Pyjama, Bettwäsche und alle drei werden auf Zimmer verteilt. 

Es sind Zimmer mit mehreren Doppelstockbetten. Ehsan (Ehsanullah Kharoti) spielt sich als Boss der Kids auf, nimmt jüngeren Heiminsaßen Wertsachen ab, wenn sie etwas geschenkt bekommen. 

Die Jungs spielen Fußball, erhalten Schulunterricht, werden nach Russland zum Pionierlager eingeladen, besuchen das Lenin-Mausoleum in Moskau. In Afghanistan lernen sie Russisch, sammeln Patronenhülsen und schlachten sie aus. 

Einmal erleben die Kids, wie ein sowjetischer Panzer einen Abhang hinunterstürzt. Andererseits träumen die Jungs von ihrern Lehrerinnen. Einer, der in Moskau gegen einen Schachcomputer spielt und gewinnt, wird von Ehsan zum Schachkampf aufgefordert. Auch das ergibt eine der vielen eindrücklichen Szenen, wie die ganzen Waisenheim-Jungs dicht gedrängt um die beiden Schachspieler hochkonzentriert der Partie folgen. Wie die Regie nicht nur eine gute Auswahl an Darstellern getroffen hat, sondern auch hervorragend mit ihnen arbeitet, nie werden sie süßlich oder bemitleidenswert, immer sind sie ernsthaft mit der Bewältigung ihrer Probleme befasst. 

Enfant Terrible

Kino für Sachbearbeiter.

Oskar Röhler und sein Drehbuchautor Klaus Richter haben viel Fleiss und Einsatz und sicher auch die Absicht von Genauigkeit in dieses Biopic über Rainer Werner Fassbinder gesteckt und Oliver Masucci spielt sich einen Wolf, zieht über zwei Stunden eine enorme, bewunderungswürdige Fassbinder-Show ab und sieht in einzelnen Momenten dem Regiewunder des Jungen Deutschen Filmes verblüffend ähnlich. 

Aber Masucci ist nicht Fassbinder. Er hat nicht diesen Liebeshunger, der RWF so unwiderstehlich und auch unausstehlich machte. Er bleibt ein kopiegenaues Abziehbild, wozu auch Ausstattung und Maske das ihre beitragen. Aber Oliver Masucci muss zur Zeit im deutschen subventionierten Film alles spielen, was irgend geht, auch den berühmten, bissigen Theaterkritiker Alfred Kerr in Als Hitler das rosa Kaninchen stahl auch hier eine talentierte Fehlbesetzung. 

Das ist vielleicht mit ein Grund, warum dieser Film mehr über den Zustand des subventionierten deutschen Kinos aus den 2020ern erzählt als über Rainer Werner Fassbinder. Denn dieses aktuelle, subventionsüberdüngte, TV-redaktionsabhängige Kino ist nicht nur prüde (Fassbinder trägt noch in der größten Kokssause ordentlich eine Unterhose genau so wie sein Liebhaber), es erinnert an das erstarrte Hollywoodstudio-System, gegen welches sich ungefähr zur Fassbinder-Zeit das New Hollywood-Kino auflehnte; umso erfrischender wirkt dagegen Berlin Alexanderplatz von der Machart her.

Bei Röhler baggert sich die Geschichte statisch in nervtötendem Trott ohne Rhythmus, ohne Talent (Hansjörg Weißbrich ist um seinen Cutter-Job nicht zu beneiden) durch das Fassbinderleben, in einer Querelle-Klammer: mit einem Zitat von Jeanne Moreau zu Querelle, seinem letzten Film, fängt es an und Querelle war dann dieser letzte Film und bald darnach darf Masucci den Herztod dank Drogen mimen. 

Manche Figuren sind ins Grimassenhafte überzeichnet. Röhler doziert dieses Leben mehr lehrhaft als dass er dahinter zu schauen versuchte. 

Wer mit RWF und seinen Film befasst ist, der kann hier Beschäftigung finden darin, welche Filme vorkommen, welche Leute, was historisch korrekt ist und was vielleicht auch nicht; Aufgaben für einen eher beschränkten Kreis von Leuten. 

Es ist kein mitreißender Film. Es ist ein sehr, sehr ordentlicher Film geworden. Der Trott ist sogar so bleischwer und schwerblütig – und dabei gründlich bedacht gedacht, dass ich immer darauf gewartet habe, dass der Film in eine andere Ebene springt, auf der sich zB heutige Betrachter über dieses gezeigte Leben unterhalten, die versuchen, den RWF ins Heute zu holen. Findet nicht statt. 

Der Film scheint produziert für einen vorzeitigen Eingang ins Museum des hochsubventionierten deutschen Kinos der beginnenden 2020er und seiner Anomalien dank Mitwirkung des Fernsehens. Vielleicht sucht das deutsche Kino hier seine verlorene Seele – und findet sie nicht. Da helfen auch die vielen theatralen Ausbrüche der Darsteller und die damit verbundene Lautstärke nichts. 

Cats (DVD)

stefe war einer der wenigen Enthusiasmierten. Vielleicht weil er die Musicalverfilmung im Dolby-Cinema gesehen hat, in welchem er just vorher einen für ihn wenig erträglichen Megablockbuster verogeführt bekommen hat? Siehe die Review von stefe.

Kommentar zu den Reviews vom 21. Mai 2020

Kino, wo bleibst Du? (Es gibt Gerüchte, die von einer Wiederbelebung des Kinos handeln; hoffentlich bald Schluss mit dem Coronanotprogramm, diesem Konjunktivprogramm, was wäre, wenn Corona nicht wäre…!)

Heute vor allem: sehr, sehr persönlich. 

Kino

WER WIR SIND UND WER WIR WAREN – HOPE GAP

Eine falsche Entscheidung nach Jahrzehnten rückgängig machen – hart für die Partnerin. 

GIPSY QUEEN

Nach den Träumen des Vaters geformt.

ANTON BRUCKNER – DAS VERKANNTE GENIE

Groß – und doch kaum Anerkennung durch die Zeitgenossen. Das Einfache braucht wohl Distanz, bis dessen Größe erkannt werden kann. 

DVD

AQUARELA

Ein Tropfen nur… und noch einer … und plötzlich … gigantisch, gewaltig. 

DIE LIEBE FRISST DAS LEBEN – TOBIAS GRUBE, SEINE LIEDER UND DIE ERDE

Brechtisch inspiriert und doch sehr persönlich vor dem Hintergrund von Abgründen.

TV

LEBENSLINIEN: FÜR UNS ZÄHLT JEDER ATEMZUG

Mit einer Beatmungsmaschine dem Leben Jahre abgetrotzt. 

Wer wir sind und wer wir waren – Hope Gap

Im falschen Zug

So fing vor 29 Jahren die Ehe von Grace (Annette Bening) und Edward (Bill Nigh) an. Jetzt ist deren Sohn Jamie (Josh O‘ Connor) ausgezogen von zuhause. Behaglich hat sich das Ehepaar in einem Häuschen an der britischen Kanalküste eingerichtet. Bald schon zeigt Regisseur und Drehbuchautor William Nicholson, wie außerordentlich Unbehagliches sich da eingenistet hat. 

Grace arbeitet zuhause an einer Gedichtanthologie, Edward unterrichtet Geschichte; einprägsam erzählt er seinen Studenten, wie im Weltkrieg verletzte Soldaten auf Karren geladen wurden, die dann extra schnell über holprige Strassen gefahren wurden, wodurch einige der Verwundeten in den Straßengraben fielen und da man nur vorwärts geschaut habe, waren das quasi nur Materialverluste.

Wenn Edward nach Hause kommt, spielt sich ein Ritual ab. Grace hat noch einen erkalteten halben Tee neben sich stehen, Award kümmert sich darum, tischt die Tasse ab und bereitet ihr einen neuen. Derweil löchert sie ihn pausenlos mit Fragen, ob es ihm gut gehe, ob er glücklich sei. Von ihm kommen nur wortkarg mürrische Antworten. 

Kennengelernt hatten sie sich auf einem Bahnsteig, auf welchem Edward Bill-Nighy-mäßig weltverloren dastand. Er ließ sich widerstandslos in ihr Weltbild einbauen, und ist deshalb in den falschen Zug gestiegen. Diesen Waschlappen von Mann spielt Nighy überzeugend. 

Und ist es doch nicht. Bei der Besprechung mit der Mutter eines Schülers erlebt und erfährt er anderes und beschließt die Trennung. Die muss nun Grace, unterstützt von ihrem ebenfalls beziehungslosen Sohn, ausbaden. 

Grandios spielt Annette Benning den Kampf dieser Frau, deren umgekehrte norasche Puppenstube von einem Moment auf den anderen um die Hauptfigur, um die die Liebe ihres Lebens seit 29 Jahren kreiste, verzichten muss. Ihr Liebes- , genauer: Ehebegriff ist religiös fundiert: dass eine Trennung nicht möglich sei. 

William Nicholson schildert diesen Kampf der plötzlich allein gelassenen Frau wie einen Thriller mit allen psychologischen Raffinessen, auch mit dem komischen Einsprengsel, dass Grace sich als erstes einen Hund zutut und diesen Eward nennt oder mit dem ernsthaften Verweis auf tiefe Poesie. Und aus der Literatur die Erkenntnis: es gibt immer Menschen, die diesen vermeintlich einmaligen Schicksalsschlag schon durchgemacht und auch überlebt haben. 

Go ahead, make my day.