Zweimal Kämpferinnen, einmal real aus den USA, einmal fiktional aus Island, fiktional oder real ist eine religiöse Frage in Südfrankreich, um platonische oder reale Liebe geht es in Weimar und auf der Comiccom treten sich die Spidermänner auf die Füße – oder auf die Fäden und ein Film verweigerte sich schlicht der Reviewisierung. Auf DVD gab es Familiarität à l’Italianità, Horror um des Action-Nazi-Horror-Durcheinander-Willens und eine Glückslektion. Das Fernsehen brachte verschlimmert Aufgewärmtes und das Lebenslinien-Format legt seine Korrumpiertet direkt selber offen.

Kino
RBG – EIN LEBEN FÜR DIE GERECHTIGKEIT
Staranwältin, Richterin am Supreme-Court, Pop-Ikone und jetzt Leinwandgöttin. In den USA geht das.

GEGEN DEN STROM
Antiglobalisierungsfarce aus Island.

DIE ERSCHEINUNG
Ein Kriegsberichterstatter wird auf ein Medjugorje angesetzt.

MÄNNERFREUNDSCHAFTEN
Haben sie sich nur glühende Liebesbriefe geschrieben oder haben sie auch gefummelt und mehr – das ist hier die Frage, ob Goethe mit Schiller oder Kleist und Humboldt.

SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE
Die Grafik übertrumpft die Novel.

MORTAL ENGINES: KRIEG DER STÄDTE
Reviewverweigerung, weil nicht klar ist, ob hinter diesem Bilderverhau statt Menschen lediglich Bots und Algorithmen ihre Reusen durch die Files von Sternenkriegs-, Monster- und anderen Piratenfilmen gezogen und mit dem Bild- und Textfang in etwa das gemacht haben, was der Metzger tut, damit aus dem leeren Darm eine Wurst wird.

DVD
ZUHAUSE IST ES AM SCHÖNSTEN
Das Schöne an Familie ist ihre Lautstärke und ihre Widersprüchlichkeit.

RENEGADES – MISSION OF HONOUR
Mus aus Action, Nazis, Soldatentum.

GANS IM GLÜCK
Egoismus rechnet sich nicht.

TV
THE TASTE OF ISRAEL
Mikrowellenerhitzt.

LEBENSLINIEN: ROSI MITTERMAIER & CHRISTIAN NEUREUTHER – GOLD IN KOMBINATION
Ganz große Lebenslügenstars.

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Nö, also hier sträubt sich sogar mein Rechner, irgend einen Text über diesen eklektizistischen Mixed-Pickles Bilderschrotthaufen anzunehmen. Haben hier wild gewordene Bots und Algorithmen willkürlich das Buch geschrieben und die Regie geführt? Vorgabe: rollende Städte im Krieg gegeneinander.

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Spider-Festival.
Fröhliche Erleichterung von der Erdenschwere.

Die Comiccon Deutschland ist nur eine von vielen Comic-Messen, die es überall gibt. Auf denen werden Comcics und vieles drumherum angeboten.

Dieser neue Film aus dem Marvel-Universum fängt seine vielfältigen Grafic-Spielereien schelmisch in der Titelsequenz an, verspidert die seriöse Statue von Sony, dem Logo der Verleihfirma.

Und so geht es weiter, die Grafic Novel tobt über die Leinwand, es sind Designereien oft auf abstraktem Hintergrund, ab und an dröselt ein bisschen Story rein vom jungen Spiederman, der noch das College besucht. Sein Vater ist Polizist. Der Schüler muss die Schule wechseln. Er ist ein aufgeweckter Typ mit hoher Stirn.

Wie intelligent er ist, entlarvt seine Lehrerin, die es nicht glauben will, dass er in einer Prüfung alle 100 Fragen falsch beantwortet hat und ihn belehrt, wenn jemand keine Ahnung habe, dann seien durchschnittlich genau die Hälfte der Fragen falsch beantwortet und sie schließt daraus haarscharf, dass er das gezielt gemacht habe, um von der Schule zu fliegen.

Sein erster Auftritt vor der neuen Schule war auch zu peinlich, wie Vater vom Polizeiauto aus per Lautsprecher ihn auffordert, ihm seine Liebe zu erklären, ein Supermobbingvorwand für die Mitschüler.

Es zieht es ihn in das Spideruniversum hinein. Ständig wiederholen sich die Sätze vom Urspiderman Peter Parker, der mit 26 Jahren gestorben sei, der von einer radioaktiven Spinne gebissen worden sei und dann die Stadt gerettet habe, dass er zwischen der Menschenwelt und derem Untergang gestanden habe; ein Mantra, das hier noch viele Spidermänner wiederholen werden.

Es sind Heldentaten, die eigentlich jeder kann, wie im Abspann als Zitat von dem Marvel-Erfinder zu lesen ist.

So wimmelt es denn in diesem mit zwei Stunden eher zu langen Film von Spidermännern und -frauen bis hin zur Noir-Variante und die blicken selbst nicht mehr durch und sie sind alle dünn und irre beweglich und ihre Bewegungen an ornamenthaft drapierten Fäden und Schnüren sind leicht. Jugendleicht machen sie Sprünge und Saltos im Abstrakten oder an Hochhäusern von Städten, dann spielt wieder die Familiengeschichte hinein, der Vater, der Polizist ist oder der Onkel Aaron, der weniger polizeilich denkt.

Dann weiß man wieder nicht, ob man lediglich mit dem fröhlichen Durcheinander eine Comiccon konfrontiert ist. Zum Schauen ist das alleweil schön, teils als ob eine Kamera sich in eine opulente Comic-Ausstellung verirrt hat und dabei ihre Kapriolen schlägt, damit es nicht zu öd wird. Oft dominiert die Spiderartistik und die Spider-Show auf der Leinwand und weniger die Story. Um der Sache Glaubwürdigkeit zu verleihen, wird dazwischen Einstein und seine Relativitätstheorie zitiert. Auch ein Spiderman ist eben nur relativ.

Der Film spielt mit der Philosophie der Spiderman-Figur und mit verschiedenen Möglichkeiten des Spidermantums bis hin zu den diversen Verwertungen und eben zur Comiccon; diese um einen weiteren Spider-Artikel bereichernd.

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American Dream.

Während unsere Medien das Amerikabild von Tag zu Tag mehr versauen mit chronischer Publizierung von Bildern dieses Twitter-Präsidenten, erinnert der Film von Betsy West und Julie Cohen an das, was Amerika groß gemacht hat und auch groß halten kann, daran, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind, einer der wesentliche Grundsätze der amerikanischen Verfassung.

Verkörpert wird diese Haltung von der Protagonistin, von der „notorischen RGB“, von Ruth Bader Ginsburg. Sie ist 83, Richterin auf Lebenszeit am amerikanischen Supreme Court und, das muss man sich mal vorstellen, inzwischen eine richtige Popikone, von der es sogar Merchandising-Artikel gibt: Tassen, T-Shirts und Tattoos!

Gleichzeitig hat sie – und das macht den Film noch grandioser – eine wunderbare Leinwandpräsenz wie eine Leinwandgöttin, also noch eine weitere Ausformung des American Dream, der hier wahr wird.

Sie selbst hat mit ihrem Lebenswerk zu dessen Erhalt und Durchsetzung beigetragen. Nachdem in den 60ern die Black-Panther-Bewegung die Equal Rights einforderte, war sie in den 70ern eine der führenden Anwältinnen, die gleiche Rechte für Frauen einklagten. Denn die Gesetzeslage war ziemlich schief, dass die Frau dem Manne untergeordnet sei und anderer, anachronistischer Altmüll, der nicht zur Verfassung passte. Sie brachte mehrere Fälle bis vor den Supreme Court und gewann fünf von dem halben Dutzend.

Großes Kino ist auch die Liebesgeschichte zu Marty, den sie als Student kennengelernt hat. Eine Szene zum Abheben, wie er sie und im Gegenschnitt sie ihn in einem Super-8-Film, der die Beziehung in leichter Schwebe hält, anschaut. Marty und Ruth waren fast 60 Jahre zusammen. Er hat sie mit seinem Humor gestützt. Sie haben sich in den Karriereprioritäten abgewechselt.

Die Dokumentaristinnen machen aus dem Material, das sie haben, einen unterhaltsamen und gut konsumierbaren Film bei aller Ernsthaftigkeit der Problematik des Kampfes für die Gleichberechtigung der Frau.

Zur Erinnerung: in unserem Rückwärtsland Deutschland verdienen Frauen immer noch in erschreckend vielen Fällen weniger als Männer bei gleicher Tätigkeit!

Für dieses spannende Bild von RBG sorgen Ausschnitte aus Gerichtsverhandlungen, Hearings, Amtseid, Bilder der Schauplätze bei Archivaufnahmen von Argumentationen, Bekannten, Kindern und Kindeskindern, Fans, Bewunderern, Kollegen und Kolleginnen, Journalisten, Biographen, Präsidenten, Ausschnitte aus Talkshows inklusive einer arg überzeichneten Rollenparodie, von Opernbesuchen bis hin zu einer Sprechrolle in einer Oper.

RBG hat eine umfangreiche Kragensammlung für die Richterinnenauftritte, wobei sie zum Vortrag einer abweichenden Meinung einen ganz speziellen, dunklen Kragen trägt; den dürfte sie in Zukunft öfter brauchen nach der umstrittenen Ernennung von Kavanaugh.

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Goethe küsst Schiller auf den Mund.

Laut Aussage einer Mitwirkenden hat Rosa von Praunheim, der mit Valentina Schütz auch das Drehbuch geschrieben hat, zu einem Workshop nach Weimar eingeladen. Thema sind laut Titel dieses Filmes, der primär fürs Fernsehen gemacht sein dürfte, Männerfreundschaften.

Das Thema wird eingeengt auf das 18. Jahrhundert, auf die große Weimarer Zeit. Von Praunheim untersucht diese Freudschaften unterm besonderen Aspekt der Homosexualität.

Das Problem dabei ist, dass es den Begriff, auch den der Heterosexualität, noch gar nicht gab. Erst spät im Film zitiert er Heine, wie der mit sexueller Diskriminierung gegen August von Plathen begonnen habe.

Der Film ist die Dokumentation dieses Workshops. Es sind beteiligt Schauspieler, Experten, Autoren, Literaturwissenschaftler, Museumskuratoren.

Die Schauspieler steckt der Regisseur in klassich-höfische Kostüme mit Perücken des 19. Jahrhunderts. Wie in einem lockeren Sommercamp dreht sich die Unterhaltung, schon bei der Begrüssung der Akteure, wenn sie in Zivil eintreffen, um das Thema, auch was sie davon halten.

Mit den kostümierten Darstellern treibt er sich im hochsömmerlich kulturtouristischen Weimar herum, mitten im Touristenmassel oder auch abseits in höfischen Parks und Räumlichkeiten. Immer sind klassische Texte dabei, Hinweisstellen auf Männerfreundschaften („Knaben liebt ich wohl“, Goethe).

Es war die Zeit schwärmerischer Männerfreundschaften. Die schrieben sich Briefe und wie sehr sie sich vor Sehnsucht nach dem anderen verzehrten. Wobei oft die zentrale Frage von Praunheims unbeantwortet bleiben muss, haben sie es auch getrieben miteinander, denn niemand war dabei, der die Laterne gehalten hat.

Belegstellen in den Texten der Dichter gibt es reichlich und auch genügend Bücher zu dem Thema. Im Zentrum steht „Warm Brothers“ von Robert Tobin. Den größten Raum nehmen Goethe und Schiller ein.

Mitten im Film gibt es einen kurzen Exkurs zum Thema lesbische Liebe (Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens).

Der Hof von Weimar mit seinen kunstsinnigen Fürstinnen und Fürsten (auch die sind nicht frei von der Vermutung der Sehnsucht nach Männerfreundschaft). Die Freiheit der Menschen vom Hofe, auch die Freiheit zu reisen. Italien war das Sehnsuchtsparadies, das Land sexueller Freiheiten, wo die Adeligen tun und lassen konnten, was sie wollten, was zuhause wohl so nicht möglich gewesen wäre.

Es werden weitere bekannte Persönlichkeiten unter die Lupe genommen zum Thema, Kleist, der exzentrische Herzog August-Emil-Leopold, Carl August, Wilhelm Ludwig Gleim in Halberstadt, August von Platen, von den Humboldt-Brüdern vor allem Alexander, der sehr viel in der weiten Welt unterwegs war – immer mit seinem Sekretär zusammen, den er auch als Erbe eingesetzt hat (er sei lieber auf einen Vulkan als auf eine Frau gestiegen). Wobei der Unterschied zwischen schwärmerischer Liebe und vollzogenem schwulen Akt sicher noch viel Stoff hergäbe. Und da es historisch nicht bewiesen ist, lässt Rosa von Praunheim den Goethe den Schiller auf den Mund küssen.

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Benedikt Erlinsson, der mit Ólafur Egisson auch das Drehbuch geschrieben hat, ist mit dem Film Von Menschen und Pferden in bester Erinnerung geblieben, ein grandioser Skurrilfilm der Sonderklasse mit tieferer Bedeutung (oder ohne).

Jetzt versucht Erlingsson sich an einem Antiglobalisierungsthriller, will aber die strengen Regeln des Genres nicht bedingungslos befolgen, indem er auf das Skurrilelement, wofür Island eine traumhaft lakonische Kulisse bildet, nicht verzichtet.

Er fängt an mit einer Szene aus einem Zusammenschnitt umwerfender Bilder, die schildern, wie seine Protagonistin Halla (Halldóra Geirhardsdóttir) einen Anschlag auf eine Überland-Stromleitung verübt.

Erlinsson erzählt das so detailliert, dass man es direkt als Anleitung lesen könnte.

Hallas Flucht zurück in die bürgerliche Existenz ist abenteuerlich, sie muss sich vor einem Suchhelikopter und vor Straßensperren in Sicherheit bringen. Denn es war nicht ihr erster Anschlag.

Dabei unterstützt sie Sveinbjörn (Jóhann Sigurdarson), ein Schafzüchter, der ein „mutmaßlicher“ Cousin von ihr ist, wie sie herausfinden.

In ihrem Zivilleben leitet Halla einen Chor. Für ihre politischen Aktionen erhält sie Unterstützung von Baldvin (Jörundur Ragnarsson), der in einem Ministerium arbeitet und ihr bei den konspirativen Treffen wichtige Infos gibt. Bei diesen Treffen werden die Handys prinzipiell im Kühlschrank weggesperrt.

Als weiteres Skurrilelement führt Erlingsson Lifemusik zu den Szenen ein. Wenn Halla ihren Anschlag verübt hat und über die isländische Prärie enteilt, steht plötzlich am Straßenrand eine Band und spielt melancholische Musik. An anderer Stelle sind es drei Frauen in Trachten, die singen. Da er das als Gag und nicht als sinnstiftendes Prinzip einführt, ist es schnell als solcher erkennbar und verliert an Reiz.

Der Sinn der Anschläge ist der, den isländischen Strommarkt als riskant erscheinen zu lassen, denn Rio Tinto aus Lateinamerika und Investoren aus China interessieren sich dafür. Es handelt sich also um eine Art patriotischen Terrorismus‘, den Halla pflegt.

Die Nachrichten berichten jedes Mal ausführlicher über die Anschläge. Sie gibt sich als die „Bergfrau“ und Einzeltäterin zu erkennen.

Flankierend radelt – wie in einem eigenen Film – der Lateinamerikaner Juan Camillo (Juan Camillo Roman Estrada) durch Island und wird immer wieder als Täter verdächtigt.

Ein weiterer Handlungsstrang führt in die Ukraine. Halla hat sich vor drei Jahren für die Adoption eines Kindes aus der Ukraine beworben. Hier kommt auch ihre eineiige Zwillingsschwester ins Spiel (die spielt sie selbst). Denn es geht darum, die Adoption zu sichern, falls der Adoptionsmutter etwas zustößt, muss jemand als Vormund einspringen und das wäre ihre Schwester Asa, die sich für Yoga interessiert und plant, für zwei Jahre zu einem Meister nach Indien zu gehen.

Richtig nachvollziehbar ist dieser Ukraine-Strang nicht. Dient er (offenbar?) vor allem dazu, zu zeigen, wie gut sie es doch in Island haben mit ihrem Reichtum, der auch mit der Stromversorgung zusammenhängt, und wie beschissen die Verhältnisse in der Ukraine sind, wenn es regnet, steht das Wasser im Waisenhaus zentimeterhoch.

Allerdings geht die Schlagseite des Filmes doch mehr in Richtung Thriller, denn der Staat rüstet auf mit Drohnen, Helikoptern mit Wärmebildkameras, mit Kameras in der Stadt, mit Spürhunden und DNA-Proben am Flughafen. Und grätscht damit dem Skurrilmovie wenig erbaulich dazwischen.

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Vom rechten Weg abgekommen.

Xavier Giannoli, der mit Jacques Fieschi auch das Drehbuch geschrieben hat, nimmt sich mit großem cineastisch-narrativem Need Menschen und eine Kirche vor, die vom richtigen Weg abgekommen sind.

Irgendwie passt der Film als Anschluss ganz gut zu Giannolis Vorgängerfilm Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne. Schon hier hat er einen eigenen, bemerkenswerten Blick auf unsere Hochkultur geworfen hat, gerade auch, wie sie von den Medien rezipiert wird und welche Spiele da gespielt werden.

Diesmal darf es eine Nummer größer sein als nur eine reiche Lady, die sich und der Welt vormachen will, dass sie eine großartige Sängerin sei. Jetzt geht es um Staaten und um die Kirche, die vom rechten Weg abgekommen sind. Es geht, als Rahmenhandlung, um Kriegsschausplätze rund um die Welt, vor allem Nahost, Syrien, Irak.

Der Kriegsberichterstatter Jacques Mayano (Vincent Lindon) kehrt mit einem UN-Konvoi von der Front zurück. Er hat einen Freund zurückgelassen, einen Kriegsfotografen.

Zuhause erhält er einen Anruf aus dem Vatikan. Die Sache könne nur vor Ort in Rom besprochen werden. Alles sei bezahlt.

Jetzt wird zu sehen sein, wie der Kriegsberichterstatter von seinem Weg, von seiner Rolle abkommt. Er wird für den Vatikan – wobei offen bleibt, wieso er den Auftrag annimmt – im Süden Frankreichs eine Marienerscheinung recherchieren, ein Medugorje.

Es geht darum, ob die Kirche die Erscheinung, die längst einen riesigen Pilgerzirkus hervorgebracht hat, anerkennen werde. Im positiven Falle stellt sie es den Gläubigen frei, zu pilgern, daran zu glauben und womöglich durch eine Berührung mit Anna (Galatéa Bellugi) wieder gesund zu werden.

Wie sehr solche Aktivitäten die Menschen vom rechten Weg abbringen, das lässt Giannoli den Zuschauer schmerzlich spüren. Wie in einer TV-Reality-Sendung wird über die durch die Recherche nötigen Vorgänge berichtet, bis zum Buchstabieren von Eigennamen ins Telefon.

Der Kriegsreporter Jacques Mayano wirkt – und ich denke da macht sich Giannoli einen Spaß daraus – wie deplaziert in dieser kirchlichen Welt. Er wirkt wie ein hemdsärmeliger Kommissar aus einer TV-Serie. Wie überhaupt die Figuren in einer filmisch direkt raren Eindimensionalität durch den schmalen Pfad des Drehbuches lavieren. Es gibt kein Rechts und kein Links. So viel Energie verwenden die Menschen auf falsche Pfade. Fast wäre ich versucht, von bitterer Satire oder Ironie zu sprechen.

Den Cast hat sich Giannoli bösartigerweise so ausgeguckt, dass er diese Eindimensionalität ohne große Anstrengung darstellen kann. Die Recherche führt zurück zum rahmenden Schauplatz Naher Osten, zu einem Flüchtlingslager der UNHCR in Jordanien – um den Konflikt nicht zu vergessen.

Es ist ein Elend mit dieser Menschheit, womit die sich beschäftigt, während es deutlich größere Probleme zu lösen gäbe. Dies gilt erst recht für eine Institution wie die Kirche, die sich – oder haben wir hier etwas verwechselt? – dem Wohl der Menschen verschrieben hat.

Einen Dialoghinweis auf die Menschen, die vom rechten Weg abgekommen sind, gibt ein Statement des Klerikers Borrodine (Patrick d’Assumcao), der den Kriegsreporter einen „leeren Journalisten“ nennt; dieser kontert mit dem „gefährlichen Pfarrer“.

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The Taste of Mikrowelle.

Aufgewärmte Doku von 2015 aus Israel mit einigem „unpolitischem“ Beifang siehe Review von stefe aber nach Nablus darf der Moderator als israelischer Staatsbürger nicht – deshalb bleibt dem Zuschauer die andere Seite dieser israelischen Glanzmedaille (das Elend der Palästinenser) erspart. Bei der Erstausstrahlung im BR hieß der Film noch „So isst Israel“. Jetzt soll die Propaganda staatstragender werden.

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Verlogen durch und durch.

Dieser reine Marketingfilm von Daniela Agostini, die mit Kimmo Wiemann auch das Hochglanzdrehbuch geschrieben hat, ist nicht ganz so verlogen wie die Magdalena-Neuner-PR-Werbesendung von neulich.
Denn Christian Neureuther legt die Motivation, an so einer Sendung teilzunehmen, geradeheraus offen, „Die Öffentlichkeit ist wichtig, letztlich haben wir daraus unser Berufsmodell gemacht (also direkte PR, 45 Minuten lang, d. Red.) … Ich brauch‘ ja auch die Öffentlichkeit, um unseren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wir sind im Fernsehen, in den Medien, dadurch bekommen wir wieder Werbeverträge. Das gehört unweigerlich miteinander zusammen, das ist in allen Bereichen der Werbung und des Marketings eine der Grundregeln.“

Spätestens bei dieser Aussage hätten bei der zuständigen BR-Redakteurin Sonja Hachenberger alle Alarmglocken schrillen müssen – aber vielleicht leidet sie unter Perzeptionseinschränkungen; sie sollte sich mal durchchecken lassen, und der BR-Chef Ulrich Wilhelm, das ist derjenige mit dem hübschen Kanzlerinnengehalt auf Zwangsgebührenzahlerskosten, hätte einschreiten müssen: für private PR ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht zu haben. Das ist gegen seinen Grundauftrag.

Es wird gesagt, dass Neureuther und Mittermaier Koch- und Fitnessbücher schreiben. Die wollen verkauft werden. Die verkaufen sich besser, wenn die Autoren ab und an im Fernsehen sind. Insofern ist so eine Sendung eine direkte, geldwerte Werbemaßnahme.

Diese Doku der offenbar blind verehrenden und vollkommen unkritischen Daniela Agostini zeichnet ein makellos schönes und gleichzeitg selbstoffenbarend verlogenes Bild der angestaubten Werbeikonen Mittermaier und Neureuther.

Schöne Kindheitsbilder, die beiden Altgold-Senioren kramen in ihren intimsten Fotoalben und Super-8-Filmchen und gar in den Liebesbriefen und verschleudern diese für ihre 45-Minuten-PR-Sendung, die ihnen der BR gewährt. Gleichzeitig beteuern sie treuherzig, sie wollen die Privatsphäre schützen. So verlogen.

Sie lassen sich filmen, wie sie in ihrem Haus ganz privat Apfelstrudel essen und behaupten im selben Satz, sie wollen die Öffentlichkeit aus ihrem Privatleben raushalten. So verlogen.

Gleichzeitig vermarkten sie ihre vorgebliche Normalität. Wie abnormal viel sie damit verdienen, wie viel so eine 45-minütige PR-Sendung für sie Geldwert hat mit dem Verschreddern ihres Privatlebens, das sagen sie nicht. So verlogen.

Wie abnormal luxuriös sie für ihre PR-Auftritte reisen, wie abnormal luxuriös sie für ihre PR-Auftritte untergebracht und behandelt werden, das verschweigen sie. So verlogen.

Leute, die solche reinen (und noch dazu billigen) PR-Sendungen produzieren, haben am öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren, Tschüss also Frau Agostini, Tschüss also Frau Redakteurin Hechenberger, Tschüss also Herr Wilhelm. Wenn Ihr schon so gut in Vermarktung seid, dann findet Ihr in der Privatwirtschaft bestimmt lukrativere Jobs. Wenn Herr Wilhelm schon nicht fähig ist, solche chronisch werbeanfälligen Sendungen (wie zB auch Gernstl) aus dem Programm zu nehmen, sollte er wenigstens Anstand genug haben, seinen Hut zu nehmen; da er sich mit dem Verbleib der Sendungen als skrupelloser PR-Mensch erweist, dürften ihm in der Werbeindustrie einträgliche Jobs winken.

Dazu noch gezielt eingesetze, direkte Produktwerbung. Für die Skibrille uvex – beide Goldsenioren tragen sie und tun, als ob es ihnen nicht auffalle, so verlogen. Dazu wird extra eine Skifahrt mit anschließendem Interview inszeniert, damit dieser Markenname penetrant auf den öffentlich-rechtlichen Bildschirm kommt, zehntausende von Euros an Werbegeld spart und gleich in der folgenden Sommerszene trägt der kalt kalkulierende Neureuther dasselbe Logo nochmal, diesmal auf seinem Sommerkäppi, während seine holde Gattin ganz ungeniert ein Markenlogo auf dem weißen Sommerhemdchen vor der Kamera auffährt. Dass diese Szenen nicht rausgeschnitten worden sind, zeigt, dass Redakteurin Frau Hachenberger entweder perzeptionseingeschränkt ist oder hintenrum irgendwie profitiert von der Produktpräsentation, meines Erachtens ein schwerer Verstoß gegen das Werbeverbot in den Öffentlich-Rechtlichen. Denn es handelt sich ja um gezielt inszenierte Szenen.

Zur Erinnerung: für solche Sendungen müssen Hunderttausende von Haushalten Abstriche am knappen Haushaltsbudget machen, um die Zwangsgebühr zu entrichten. Ist das den abgehobenen – ach so normalen, wahrscheinlich ganz normale Spießer, die Neureuthers und Mittermaiers, die einem geschenkten Werbegaul nicht ins Maul schauen – noch nie in den Sinn gekommen? Ist deren Kopf auch schon so malträtiert von der ewigen Prostitution für Industrieprodukte? Und dann behaupten sie noch, die ganzen Goldmedaillen bedeuten ihnen nichts, ha ha, das ist der Gipfel der Verlogenheit, da kriegste einen Lachanfall, nicht mal den Zusammenhang zwischen ihrem wunderschönen Werbegeschäft und den Goldmedaillen scheinen die Naivlinge zu schnallen (sie noch eher) – oder sie sind auch nur ganz normal verlogen – wie so viele.

Ha ha, sie stellen sich ins Rampenlicht und behaupten, ganz normale Menschen zu sein. Sind sie eben längst nicht mehr. Nur verlogener. Staubfänger-Promis, die nichts Neues zu berichten haben, außer, dass sie ihre vorgebliche Normalität zum Geschäft gemacht haben. Und der BR bietet ihnen, vermutlich sogar gegen Aufwandsentschädigung, eine dreiviertel Stunde lang eine Gratiswerbefläche.

So hat das Format Lebenslinien keine Existenzberechtigung mehr im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Der Spagat zwischen Traum und Alptraum des Familienlebens ist auf einer italienischen Sonneninsel al dente bestens und vergnüglich zu ertragen. Siehe Review von stefe.

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