Eine Millionenerbschaft

    ist der Auslöser für eine Detektivgeschichte nicht ohne Unerhaltungswert vor dem grauenhaften Hintergrund des Holocaust.

    Die beglückte Erbin ist die Mutter des Filmers Yair Lev, der mit David Deri auch für die Regie zeichnet, beim Drehbuch wurden die beiden zusätzlich unterstützt von Yaniv Rize Sheffy.

    Wie es um die amtlichen Vorgänge zur Annahme des Erbes geht, stellt sich heraus, dass dieser Mann, Ernst Pechinsky, bereits einmal, 1987, in Innsbruck gestorben ist. Auf diesen Namen gibt es zwei unterschiedliche Sterbeurkunden bei identischen Geburtsurkunden.

    Die österreichische Variante des Namens war zehn Jahre lang Präsident der israelitischen Kultusgmeinde Innsbruck. Innsbruck war in der Nazizeit ein heftig braunes Nest. Offenbar hatte dieser Mann sich in der aufkeimenden Nazizeit eine Geburtsurkunde von Ernst Pechinsky beschafft und fortan unter diesem Namen gelebt. Wieso aber sich ausgerechnet in der Nazizeit als Jude tarnen, ergibt das Sinn?

    Noch merkwürdiger wird es, wie die Nachforscher herausfinden, dass der Innsbrucker Pechinsky mit einer Frau verheiratet war, die aus einer SS-Familie kam. Fragen über Fragen, Rätsel über Rätsel, wilde Spekulationen schaffen sich Raum, womöglich ein Nazi, der sich als Jude ausgab?

    Für die Recherche steht Niko Hofinger. Er dürfte sehr viel zu tun gehabt haben bei den Nachforschungen, die sich über drei Jahre hingezogen haben. Die vielen Archivnamen im Abspann lassen darauf schließen, dass diese Recherchen um vieles komplizierter und aufwändiger waren, als das zu einer möglichst bündigen Story zusammengeschnittene Material vermuten lässt.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob wirklich alles spontanes Material ist, oder ob nicht manche Szenen im Hinblick auf die ganze Geschichte erst im Nachhinein gedreht wurden. Ob der Filmemacher wirklich gleich mit der Information von der Erbschaft auch seinen Film zu drehen angefangen hat? Das war ja nicht absehbar, auf was für eine Geschichte mit welch ungeahnten Wendungen er sich einlässt.

    Diese storyförderliche Montage, die von Anfang an mehr weiß als der Zuschauer, und der Wille zur Verknappung der Geschichte, führt zu manchen nicht so ganz nachvollziehbaren, wie aus der Luft gegriffenen, nächsten Schritten, wo und wieso sie jetzt da oder dort weitersuchen wollen in dieser Detektivstory, die immer wieder wie vor dem Nichts steht.

    Der Film liefert ein weiteres Mosaiksteinchen in der nicht enden wollenden Holocaustaufarbeitung, wobei die Enkelgeneration doch bedeutend lockerer mit dem Thema umgeht als noch die Täter/Opfer- und die Kindergeneration, so dass der Unterhaltungswert und hier der Detektivstorywert größer ist als der Bedröppelungswert – bei all dem Unfassbaren des Holocaustes.

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    www.das-leben-geht-weiter.com

    Trouvaille im Netz

    oder wie das heiße Eisen des Nazi-Propaganda-Filmes spannend und ohne Berührungsangst und ohne falsche Ehrfurcht behandelt werden kann.

    Irre, grotesk, absurd, aberwitzig, wie Goebbels noch im letzten Kriegsjahr und unter Einbezug des erschwerten Lebens im bereits teilbombardierten Deutschland noch den ultimativen Propaganadfilm Das Leben geht weiter machen wollte, der eine filmische Wunderwaffe werden sollte.

    Das erzählt Dieter Moor (auch konzeptionelle Mitarbeit) als Sprecher und Moderator in einer aufregenden Mischung aus fragmentarisch-illustrativem Reenactment von Szenen rund um die Produktion des Filmes, aus Archivmaterialien vom Krieg, Storyboard und Treatment, Ausschnitten von Hollywoodfilmen, die Goebbels heimlich zeigte und als Vorbilder nahm, aus Interviews von Beteiligten lange nach dem Krieg und aus der für Nazi-Propagandfilme nach wie vor gültigen Vorschrift, dass sie nur kommentiert gezeigt werden dürfen. So verlieren diese Filme schnell das Dämonische. Und Infektionsgefahr besteht schon gar nicht.

    Carl Schmitt hat mit Mark Alan Cairns das Drehbuch nach dem Buch von Hans-Christoph Blumenberg verfasst. Mark Cairns hat die Regie geführt und der Film stammt aus dem Jahr 2002, wurde koproduziert von Arte (Redaktion Philippe Muller) und HR (Redaktion Wolfgang Vogel).

    Er ist bei YouTube abrufbar, allerdings nicht in bester Bildqualität, aber die wache und zupackende Behandlung des Themas ist bestens erkenn- und genießbar, ein Dokumentarfilm der seltenen Art, der so ein schwieriges Thema so plastisch behandelt. Weil er den Fokus auf die Herstellung dieses letzten Propagandafilmes des Dritten Reiches konsequent beibehält, nebenbei die Kriegsgeschichte und den Wahnwitz ablaufen lässt.

    Während der vorletzte Propagandafilm, der berüchtigte „Kolberg“, der in opulenten Farben und Bildern noch heute verblüfft, fertiggestellt worden ist und seine Premiere noch während der letzten Atemzüge des Dritten Reiches in Berlin erlebte (das Kino wurde wenig Tage später von Bomben zerstört, dem titelgebenden Kolberg ging es ähnlich unter den Panzern der Russen), mussten die Dreharbeiten zu Das Leben geht weiter unterbrochen werden, später wurden sie zu einem Fliegerhorst nach Lüneburg verlegt und kurz vor Schluss sind sie abgebrochen worden.

    Was aus dem Filmmaterial passiert ist, das ist eine eigene abenteuerliche Geschichte und noch nicht gelöst. Es gab schon vorher den Versuch des Herstellungsleiters Ritter, das Material nach Garmisch-Partenkirchen zu retten (oder seine eigene Haut).

    Zwei Größen des Deutschen Kinos spielen eine zentrale Rolle unter den Filmmenschen, die nicht geflohen sind und im Filmland weiter arbeiten konnten, weil sie sich mit den Nazis arrangiert hatten. Das waren Veit Harlan und sein Konkurrent Wolfgang Liebeneiner. Harlan hatte Kolberg gedreht – und hier wird erzählt, in einer Drehpause von Das Leben geht weiter habe Liebeneiner den Film gekürzt.

    Beide haben den Krieg überlebt, beide haben keine ganz reine Weste (Liebeneiner: Ich klage an), sind aber entnazifiziert worden. Harlan kam in der jungen Bundesrepublik nicht wieder richtig auf die Füße. Liebeneiner dagegen konnte nach einer Phase von etwa 10 Jahren mit der Trapp-Familie als einem der größten deutschen Kinoerfolge nahtlos an seine Dritte-Reich-Karriere anknüpfen. Ihn hört man in einem Interview von 1979.

    Das Prinzip der Moderation in nachgestellten Ruinenbildern, Kulissen und Ruinenkulissen von damals oder in ordentlichen Büros und der Moderator steht am Rande dieser Settings oder betritt sie sogar – es sind auch Darsteller stellvertretend für die damals Agierenden da, zuständig fürs Reenactment – , schafft auf eine exzellente Weise Nähe und Distanz zugleich zu den ominösen, unglaublichen Vorgängen und lässt diese lebendiger werden – ohne jeder Bedröppeltheit – als ein reiner Kathedervortrag, nimmt der Berührungsangst ihre hemmende Kraft, lässt keinen falschen Respekt oder falsche Bewunderung aufkommen.

    Das hätten sich spätere Dritt-Reichs-Dokumentaristen durchaus zum Vorbild nehmen können, wenn man Prodoukte wie Hitler und die Kinder vom Obersalzberg vom BR oder Rüdiger Suchslands Hitlers Hollywood vergleicht, die beide lange nach diesem Film gemacht worden sind, aber offenbar davon wenig mitgekriegt haben.

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    Gewaltige Kräfte gehen aufeinander los. Entfesseltes Gentech gegen die Hochhäuser von Chicago. Die Zentrifugalkräfte von Kino und Liebe. Die Großstadtpolitik gegen die Hunde. Die Geldherrschaft gegen das Buch. Der kleine Mikis gegen das Universum. Die Wachstumsideologie wie ein Fels gegen alles Nachbohren. Der Mensch als ein Teilchen im Kreislauf von All und Natur. Die Körperfülle gegen das modische Schönheitsideal. Kinder gegen Tierdiebe. Horror gegen die Idiotie hinter der Blendfassade der Jugend. Behörden und Naturschützer gegen die Jäger. Taxifahrer gegen einen schwachen Staat. Die erstarrten Genderbilder in Pakistan gegen das moderne skandinavische Frauenbild. Im Fernsehen beeindruckte Natalie Portmann mit ihrem Film über den jungen Amos Oz und eine Wühltischsendung kommt zum Schluss, dass es um den Grant schlecht bestellt ist.

    Kino
    RAMPAGE – BIG MEETS BIGGER
    Endlich wieder über zerlegte Hochhäuser lachen.

    MEIN LEBEN MIT JAMES DEAN
    Ein Filmemacher am Rande der Falaises.

    ATARIS REISE – ISLE OF DOGS
    Der Bürgermeister der Megacity verbannt die Hunde wegen der Seuche und will sie ausrotten (er ist Katzenliebehaber) und das Serum gegen die Hundekrankheit muss auch verschwinden.

    DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN
    Das Buch als Störfaktor des kapitalistischen Interesses.

    DANCE FIGHT LOVE DIE
    Miki Theodorakis zwischen Universum und Menschenzerstörung.

    SYSTEM ERROR
    Unbelehrbares Wachstumsdogma.

    DIE AUGEN DES WEGES
    Naturmystik lange vor IT.

    I FEEL PRETTY
    Die überwiegende Zahl der Konsumentinnen von Schönheitsprodukten sind keine Models.

    LILIANE SUSEWIND – EIN TIERISCHES ABENTEUER
    Sprechen mit Tieren kann ein Verhängnis sein, aber auch von Nutzen. Ein Kinderkrimi.

    BLUMHOUSE PRÄSENTIERT: WAHRHEIT ODER PFLICHT
    Aufkleberqualitäten zum Widerspruch zwischen Fassade und Idiotie der Jugend.

    AUF DER JAGD – WEM GEHÖRT DIE NATUR
    Naturschützer im Clinch mit den Jägern (den Hegern).

    DIRECTIONS – GESCHICHTEN EINER NACHT
    Aufkommende Selbstjustiz in Bulgarien.

    WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN
    Als Frau aus dem heutigen Norwegen ins pakistanisch, muslimische Mittelalter.

    TV
    EINE GESCHICHTE VON LIEBE UND FINSTERNIS
    Das Unglück, das der Staat Israel mit seiner Gründung in Gang setzte.

    ZEFIX HALLELUJA! – DIE KUNST DES GRANTS
    Das Grant-Pulver ist aus.

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    Fassade der Jugend.

    Die Protagonisten sind alles blendend ausschauende und sogar mit Ansätzen von Charakter versehene jüngere Schauspieltalente: Lucy Hale, Violet Beane, Tyler Posey, Hayden Szeto, Sophia Ali, Nolan Gerard Funk, Landon Liboiron, Sam Lerner. Lebendig, frisch, wach, agil und vor allem gut aussehend, das typisch Verführerische paarungsbereiter Jugend portierend.

    Regisseur Jeff Wadlow, der mit Jillian Jacobs, Michael Reisz und Christopher Roach auch das Drehbuch geschrieben hat, reißt mit seinem halbwegs amüsanten, vor allem aber rasanten Streifen (Rasanz im Sinne der Unruhe und des seelischen Aufruhrs und der Idiotie der Jugend: schnelle Schnitte, leicht bewegliche Kamera, und fett im Soundrepertoire auch verfremdenden Horrors gewühlt), der Jugend die verführerische Maske in Aufklebermanier weg.

    Zum Vorschein kommt der reine Horror, ich schwöre, nichts als der Horror und der reine Horror. Denn charakterlich haben diese Studenten schon alle Eigenschaften, die später Romane und Kriminalgeschichte füllen werden: sie lügen und betrügen, sie haben alle ein Problem mit der Wahrheit und der Opportunismus ist auch nicht fern.

    Zum Behufe der Stoffwerdung seines Ansinnens ersinnt Wadlow eine letzte „Spring-Break“-Reise der Clique aus dem Studentenwohnheim Serra Appartments nach Mexiko. Dort schickt er ihnen Carter auf die Fährte, der sie in eine abgelegene Behausung mitschleppt, man möchte doch den letzten Abend noch feiern, und sie ins Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ hineinzieht, aus dem es kein Entrinnen gibt.

    Denn es verfolgt die Clique bis in die USA hinein, den Rest des Semsters, es wird brutale Realität. Wenn einer nicht die Wahrheit sagt oder die Pflicht nicht erfüllt (generell eine grausame, wie mit der Dienstpistole auf den Vater zielen, mal aber auch nur betrunken an der Dachrinne entlang wanken), so muss sie oder er sterben.

    Als Plot ist das ungefähr so ergiebig, wie „Zehn Kleine Negerlein“ oder die „Reise nach Jerusalem“. Aber durch die prima Auswahl der Jungakteure wird der Gegensatz zwischen Fassade und Innerei bemerkenswert deutlich, eben, wie es im Film selber heißt, die Idiotie der Jugend oder der Wahn oder die Halluzination von Jugend als eines ganz besonderen Zustandes, der leichtsinnig im Gefühl von Kraft und Stärke und Erwachsensein so tun kann, als bräuchte es weder Charakter noch Pflichterfüllung dazu. Die deutsche Nachsynchronisation passt deckungsgleich zu diesem Jugendbild.

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    Have some class, dude!

    Wir verstehen uns bestens, aber anzügliche Gesten, bei aller Freundschaft, das gehört sich nicht; selbst wenn wir eine treffliche Gebärdensprache zur Verständigung entwickelt haben. So könnte treffend das Verhältnis von Davis (Dwayne Johnson) zu George (Jason Liles) charakterisiert werden. Davis ist der George-Flüsterer, denn George ist ein Gorilla und Davis der Primus inter Pares.

    Davis hat ein bewegtes Leben als Primatenforscher hinter sich und greift im Film erst so richtig ein, nachdem ausführlich exponiert worden ist, was zu den Katastrophen führt, die er mit Hilfe des wild und riesig gewordenen George beenden soll.

    Der Film nach dem Buch von Ryan Engle + 3 in der Regie von Brad Peyton greift dazu weit aus, fängt mit einer Katastrophe im Weltall an. Dort in einer Raumstation laboriert die Firma „Energyne“, die genetisches Engineering am Rande der Legalität und drüber hinaus im Weltall betreibt, gentechnisch mit CRISPR an Tieren rum. Etwas geht schief, die Raumstation gerät außer Kontrolle, das Raumschiff stürzt ab.

    Die Forscher haben ein Gen isoliert, was bei Versuchstieren zu rasantem Wachstum führt und zu ernormer Aggressivität. Ein Kästchen mit diesem gefährlichen Material landet mit dem Absturz auf der Erde. Unverglüht. Und infiziert George.

    Mit Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris), die vor zwei Jahren von Energyne rausgeschmissen worden ist, wird – und muss – Davis versuchen, die Katastrophe zu verhindern. Das werden sie nicht können. Denn nicht nur George fängt an, zerstörerisch zu wirken, es sind noch zwei Katastrophenfilm-Drachenwesen los. Sie machen aus Chicago Kleinholz. Bestes King-Kong-Kino, unterhaltsames Jahrmarktvergnügen. So lustvoll dürften Hochhäuser seit 9/11 in den USA nicht mehr auseinandergenommen worden sein.

    Mitten in der sich schnell steigernden Katastrophe bewahrt Dwayne Johnson als Harris die Ruhe und läuft zu Bestform auf. Dazu gehört diese Coolness, im härtesten Stress noch einen kessen Spruch auf der Lippe zu haben, das Menschliche nie aus dem Auge zu verlieren, kumpelhaft, allenfalls mit gut merkbarer, einfacher Gestik untermalt, die Zuschauer zum Nachahmen ermuntern dürfte.

    Gegen das Amerika Trumps ist das Auseinandernehmen von Hochhäusern nun wirklich ein Kinderspiel und ganz gut erträglich – dieser hat ja mit Hochhäusern sein Vermögen gemacht.

    Nicht allzu diskret im Hintergrund werden die Haupthelden nach waghalsiger Flugzeugabsturzrettung unterstützt von Russell (Jeffrey Dean Morgen), der nur grinsen kann über die unbeholfene Welt um ihn herum. Gar nicht so realitätsfern, die Figur. Well, that sucks. I like you.

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    Wie eine Vulkaneruption

    schleudert Asteris Kutulas, der mit Ina Kutulas auch das Drehbuch geschrieben hat, 40 Jahre aus dem Wirken und Werk von Mikis Theodorakis auf die Leinwand.

    Kutulus orientiert sich am Chaos, dem Theodorakis sich selbst nahe fühlt, kurz davor, kurz darnach, mittendrin, er der schwer kategorisierbare Musiker, Sänger, Dirigent, Komponist, der mit Musik zu Alexis Zorbas 1964 weltberühmt wurde.

    1980 begann die Zusammenarbeit von Asteris Kutulus mit Mikis Theodorakis; er hat Griechisch studiert, als Übersetzer gearbeitet, über 30 CDs mit Theodorakis produziert und über 150 Konzerte organisiert. Dabei hat er wohl immer selbst auch gefilmt.

    Aus diesem Material und vielem Archivfootage zwischen 1987 und 2017 hat er diesen Film montiert, mit kurzem Schwarzbild wie beim Seitenumblättern zwischen einzelnen Episoden. Ein System ist kaum zu erkennen, es herrscht die Anarchie der Bilder aus historischem Archivfootage aus dem Krieg, von Ausnahmezuständen, Kunstfilmen mit Opernmusik von Theodorakis, Hinter-der-Bühne-Aufnahmen, Footage von Konzerten als Sänger, als Dirigent, Experimentelle Filmelemente, Ballettproben, Studioaufnahmen und auch wie Theodorakis griechisch feiert und singt und zecht und raucht.

    Es gibt Ausschnitte aus Filmen zu Opernmusik von ihm. Wie bei einem Feuerwerk schießt eine Aufnahme nach der anderen auf die Leinwand, erzählt vom unergründlichen Fundus an Musikideen, die vor künstlerischen Experimenten nicht zurückschrecken (Air Brush), die immer auch Krieg und Holocaust und Militärdiktatur und die griechisch-türkische Versöhnung, den Kalten Krieg thematisieren. Es sind wie Eruptionen aus dem Zusammenprall des Universums mit der Destruktivität des Menschen.

    Es gibt keine Statements von zugewandten Orten, kein Blabla, keine Erklärungen nur die Titel der Werke, die Musik immer von Theodorakis, und die Orte, den Rest kann man bei Wikipedia nachlesen.

    Einzig ein Interview führt der Filmemacher mit ihm, aus welchem einige Philosopheme stammen. Wie Theodorakis als kleines Kind es als eine Anomalie der Natur betrachtete, dass er nicht fliegen konnte, es trotzdem tun wollte und sich dabei die Arme brach. Wie er sich mit dem Universum einig fühlt und sich doch im Stich vorgelassen vorkommt. Wie er sich immer am Rande des Chaos sieht. Dass er sich weder dem Wasser noch der Erde verbunden fühlt, sondern der Luft. Wie er die Welt schön findet, wenn nur der Mensch nicht da wäre, der alles zerstört und zunichte macht.

    Die Ausschnitte, die dieser Leinwandvulkan aussprüht, stammen aus vielen Teilen der Welt und einmal tanzt Theodorakis Jahrzehnte nach Zorbas mit Anthony Quinn auf dem Königsplatz in München Sirtaki. Ein andermal schwärmt er von sowjetischer Alpenschockolade, die er aus einem ‚tollen‘ Schrank hervorholt. Und wenn seine Hände nicht gerade Schockolade aus dem Schrank zaubern, dann sind sie gerne am dirigieren und komponieren. Er ist eine Wucht, dieser Mann.

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    Wie schon in Judgment – Grenze der Hoffnung offeriert Stephan Komandarev, der mit Simeon Ventsislavov auch das Drehbuch geschrieben hat, eine Häufelung von bulgarischen Problemen.

    Für sein Erzählmuster dürfte er sich von zwei Filmen inspiriert haben lassen. Als Grundstruktur, nämlich die sozialen und gesellschaftlichen Problemes eines Landes, eines Orts zu zeigen, die Fahrt in einem Tax wie in Taxi Teheran von Jafar Panahi.

    Allerdings hat Komandarev das Verfahren aufgelockert. Es kommen bei ihm eine ganze Anzahl Taxifahrer vor und die Kamera verlässt auch das Innere des Autos.

    Der zweite Film dürfte der ebenfalls bulgarische Film Sofias last Ambulance von Ilian Metev sein, der eine Nacht lang mit einem Sanitatäswagen und seiner Mannschaft unterwegs ist, eine atemberaubende Dokumentation. Auch Komandarevs Film spielt in einer Nacht in Sofia.

    Hier handelt es sich allerdings um einen Spielfilm, der das Prinzip der Nachtfahrt übernimmt, aber ein Episodenfilm ist, wobei die Episoden von unterschiedlicher Qualität, Brisanz und Realitätsnähe sind.

    Bemerkenswert, dass einige darunter sind, die das Prinzip der Selbstjustiz, offenbar zunehmender Selbstjustiz in Bulgarien, thematisieren. Die erste Episode, die vor den Titeln, ist gleich die aufregendste. Ein knalliger Überlebenskämpfer, der in seiner Taxe heftige Auseinandersetzungen führt, wenn er über die holprigen Hauptstraßen von Sofia donnert und sich weigert eine 17-jährige Schülerin in ein Hotel zu fahren, damit sie sich dort prostituieren kann. Er selbst hat eine erblühende 13-jährige Tochter.

    Gleich die erste Szene ist dramatisch. Es geht darum, dass sein bulgarischer Kreditgeber Popov Geld von ihm fordert, was er ihm seiner Ansicht nach nicht schuldet. Denn sein kleiner Kabelladen, den er neben dem Taxifahren betreibt, musste dichtmachen. Er kann einen europäischen Kredit bekommen, wenn ein bulgarischer Geldgeber ihm auch einen Kredit gibt. Das ist der unbescholtene Popov, der jetzt seine Forderung plötzlich verdoppelt. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und ein Grund für Selbstjustiz. Ein Thema: Korruption, Erpressung, Umgang mit europäischen Geldern, was sicher vertieft werden könnten, hier aber muss es für die Szene vor dem Titel reichen.

    Thema Selbstjustiz wird akut bei einer Taxifahrerin, die am Flughafen einen ehemaligen Funktionär aus der Zeit des Kommunismus mitnimmt, der ihr das Leben vesaut hat, Knast damals. Offnbar haben bulgarische Taxifahrer immer eine Knarre dabei. Ohne Knarre will sich ein Anwalt bei einem Taxifahrer Gerechtigkeit verschaffen, der heimlich die Taxiuhr manipuliert und für die Routinestrecke 13 Ley statt der üblichen 5 verlangt.

    Manche Gespräche wirken erfundener, manche Szenen auch. Die Anfangsstory spielt immer wieder hinein über Radiosendungen, die in Taxen gehört werden. Auch wird wegen der erste Szene ein Herz zur Transplantation frei.

    Der Film wirkt allerdings auch so, als wolle er vor allem auf Missstände und die Kaputtheit im Lande hinweisen, dass keine Sanitätswagen verfügbar sind, wenn einer dringend ein Herz erhalten soll, der Dreck überall, die Korruption, der Brain Drain, dass die besten Leute auswandern, die Prostitution von Schulmädchen – verdammt hübsch sind sie allerdings. Dass der Staat keinen Zugriff auf die Ordnung im Lande habe.

    Allerdings belässt es Komandarev beim Negativbefund zu Bulgarien. Außer hübschen Frauen hat das Land offenbar nichts zu bieten. Und über das Kino beklagt er sich auch.

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    Kino-Liebes-Clique.

    Irgendwo in der Normandie liegt Le Treport am Ärmelkanal. Wie von Gott vergessen. Es gibt sogar ein Kino. Und das Hotel Le Calais.

    Hier wird Géraud Champreux (Johnny Rasse) untergebracht. Er will im örtlichen Kino seinen Film „Mein Leben mit James Dean“ zeigen. Über den Film sagt er, er sei ein bisschen anders, etwas Besonderes, also nicht ein üblicher Liebes- oder Actionfilm. Es ist ein Kinoträumerfilm. Ein James-Dean-Träumer-Film. Vielleicht sogar eine LiebesDiebesFilm.

    Es geht um die Liebesbeziehung von Géraud zu Ludwig (Tancredi Volpert), einem verheirateten Schauspieler, seinem Protagonisten. It’s a bit different. Die Ausschnitte, die zu sehen sind, sind – wie dieser Film von Dominique Choisy auch – überaus artifiziell, Liebesverhältnisse, Sehnsüchte, Zueinanderkommen, Auseinandergehen, einander Nachstehlen und Nachstellen sind die Elemente zwischen den Menschen. Immer die Liebe. Die richtige Liebe. Die passende Liebe.

    Film und Fiction, Liebe, Kinotraum und Leben werden kunstfertig ineinander verquirlt. Wie Motten ums Licht tanzen ein paar Figuren im Ort umeinander auf der Suche nach der Liebe ums Kino.

    Die Kino-Veranstalterin Sylvia van den Rood (Nathalie Richard) kämpft um ihre Freundin Louise (Marie Vernalde), die mit einem Immobilienhai unterwegs ist. Balthazar (Michael Pelissier), der Filmvorführer, der von Männern träumt und noch keinen gehabt hat, verfällt dem Regisseur Géraud. Die junge Frau von der Hotelrezeption Gladys (Juliette Damiens) übt die Nina aus Tschechows Möwe; wie sie erfährt, dass Géraud Filme macht, ist sie hin und weg von ihm.

    Es ist eine kleine Traube von Menschen, die nicht loskommen voneinander, das geht momentweise an die Grenze eines zarten Slapsticks. Bald sind sie vercliquet, bald stalken sie einander. Das sind amüsante Bilder im leeren Städtchen, alle 30 Meter einer oder einer, die den anderen oder die andere verfolgt, geheimnisvoll, um nicht aufzufallen, auf leisen Zehen. Liebesreigen. Was treiben die anderen, was treibt der andere, was treibt die andere, auf den oder die die Sehnsüchte projiziert werden?

    Die Kamera ist seelenruhig, kann sich vermutlich ab und an ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn die Handlung aufflackernd Schelmenhaftes (Diebe der Liebe?) annimmt; die Settings sind wundervoll ausgeleuchtet und geschmackvoll eingerichtet, viel Monochromes in warmen Farben oder ausgewählte Blumentapetenmusterungen.

    Im Zentrum dieser Anziehungs-Kräfte steht der Regisseur, der mit einer gewissen James-Dean-Näher gecastet wurde. Er ist vielfältigen Wünschen und Begehren ausgesetzt mit seinem Film, den freiwillig kaum jemand sehen will oder dann nur aus persönlichen Gründen oder weil Tony (Julien Graux) vom Altenheim ein Nachsehen hat und eine Busladung älterer Menschen zum Kino begleitet. Mit seiner Position und mit dem Thema seines Filmes löst Géraud Wünsche aus. Ständig macht er sich Notizen für seinen nächsten Film, er träumt von einer Mischung aus Bollywood und Möwe; auch sie ist Ausdruck dieses Hauches von fabellhafter Possenhaftigkeit in der Haltung von Dominique Choisy zum Thema Liebe und Kino und den Mühen des Autors.

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    Culture Trash.

    Dieser Film von Iram Haq, und auch deutsche Förderer unterstützen das, zeigt ausgewalzt das Leiden, der in Norwegen aufgewachsenen Pakistanerin Nisha (Maria Mozhdah) unter der Kuratel überbrachter islamischer Familienehre.

    Trash, weil gar nicht erst versucht wird, wie in VOLL VERSCHLEIERT beispielsweise, Differenzierungen herzustellen und auch gar nicht, eine spannende Geschichte zu erzählen.

    Der Film behandelt moralthematisch den gnadenlosen Zugriff der Familie auf das Liebesleben, resp. auf die Bräutigamauswahl und sowieso das Eheleben der jungen, im Westen sozialisierten jungen Frau. Unterdrückung durchs Band.

    Nisha wird vom Vater erwischt, wie ein Grünhorn von norwegischem Rotschopfjungen, der sich über die Fassade in ihr Zimmer gehangelt hat, und wie sie unschlüssig dabei sind, einen Kuss zu tauschen. Zu einem Geschlechtsverkehr zwischen den beiden kommt es nicht. Sie sind nicht einmal nackt. Der Vater stürzt ins Zimmer, verprügelt heftig den Jungen (später erzählt das kleine Pflaster auf der Wange eine harmlosere Geschichte). Der Rest der Strafe durch die Familie läuft mechanisch ab.

    Der Vater verfrachtet seine Tochter persönlich und gegen ihren Willen, sie glotzt bloß mit großen Augen, wie ihr geschieht, zur Verwandtschaft im hintersten Pakistan – und keine pakistanische Filmförderung im Abspann.

    Dort lebt sie, muss sie leben, ein pakistanisches Frauenleben bei Verwandten. Allerdings bahnt sich eine wilde Liebe zwischen Nisha und Amir, einem filmstarhübschen Pakistani (Rohlt Saraf) an. Die beiden sind dumm genug, sich in einer Gasse nachts eng umschlungen zu küssen.

    Polizei kommt dazu, macht sich eine schweinische Gaudi daraus, kassiert bei der Familie Bestechungsgeld. Die Ehre der Familie ist befleckt. Der Vater aus Norwegen reist an, will die Tochter erst dazubringen, sich von einem Felsen zu stürzen, traut sich aber nicht, den nötigen Schubs zu geben. Deshalb nimmt er sie als Retoure mit nach Norwegen.

    Dort will die Familie die Tochter vor der Öffentlichkeit praktisch ausschließen. Aber es gibt Jugendschutz und Sozialämter, denen so etwas nicht verborgen bleibt. Die Tochter soll zur Wiederherstellung der Ehre mit einem Arzt in Kanada verheiratet werden. Jetzt steht Nisha vor einer einsamen Entscheidung. Und dann ist der Film nach 107 Minuten aus. Die Protagonistin hat ihre Leidens- und Opfermiene schön durchgezogen.

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    Der Kapitalismus und die Finanzwirtschaft mit ihrer Wachstumsgläubigkeit sind hochkkomplexe Systeme, die in einem anderthalbstündigen Kinofilm weder gründlich zu analysieren, zu erklären oder gar fundamental zu kritisieren sind.

    Umso anregender wirken die Nachfragen von Florian Opitz, der uns intelligente, gebildete Kapitalismus- und Finanzwirtschaftsakteure vorstellt und befragt im Hinblick auf das Wachstumsdogma, das sich als unerschütterlich herausstellt.

    Zwischendrin blendet er Zitate von Karl Marx ein, der hellsichtig die Mechanismen und Folgen der kapitalistischen Geld- und Reichtumsvermehrung gesehen und beschrieben hat mit hochaktueller Gültigkeit.

    Opitz geht es nicht um billiges Kapitalismusbashing; er fragt nur immer wieder, verhalten und vorsichtig nach. Ob denn dieser Wachstumsglaube, der sogar mit dem physikalischen Gesetz der Schwerkraft gleichgesetzt wird, gerechtfertigt sei und wozu das irgendwann führe, allein im Hinblick auf die Umweltzerstörung, die der Kapitalismus nach sich zieht.

    Es ist eine leise, skeptische Stimme. Denn vorläufig geben die Resultate dem Kapitalismus recht. Einer meint gar, dass ihm enorme Selbstheilungskräfte innewohnen würden. Ohne den Kapitalismus, denkt sich hier der Zuschauer, wäre wohl unsere aktuelle Lebens- und Wohlstandsweise undenkbar, wären wir wohl ohne Autos, Flugzeuge, Kühlschränke, Lebensmittel aus aller Welt, Computer und Internet – hm, vielleicht auch ohne Kino.

    Opitz begegnet kultivierten, ernsthaften Menschen, meist in weißen Hemden, die begeistert sind vom Umbau einer Autofertigungslinie zu Robotern, in der die schweren körperlichen Arbeiten von Maschinen übernommen werden, dem Börsenjournalist, der die Börse genau beobachtet, der nach einem geglückten Börsengang eines indischen Solaranbieters von Emotionen gepackt wird, dem Rinderzüchter in Mato Grosso in Brasilien, dem größten Rinderzuchtgebiet der Welt, auch er muss wirtschaftlich denken und Wachstum ist selbstverständlich und Brandrodungen gibt es nicht in seinem Weltbild. Oder der Geldverwalter eines großen Versicherungskonzerns, der eine bestimmte Rendite für seine Kunden sicherstellen muss und deshalb Geldströme in die Schwellenländer lenkt, der Airbus-Manager in China, der angesichts der immensen Wachstumsmöglichkeiten in einen Taumel gerät, der Börsen-Hochfrequenzhändler, der trotz Algorithmen und künstlicher Intelligenz die Bildschirme seines Büros ständig im Blick hat.

    Der jetzige amerikanische Präsident als junger Immobilienhai, dessen Begeisterung darüber, an Orten mit zerfallenen Häusern neue Türme hochzuziehen und alles sofort zu verkaufen, keine Grenzen kennt.

    Opitz arbeitet viel mit Archivmaterialien. Die gehen zurück bis zur Ölkrise, zu Reagan, der Liberalisierung der Finanzmärkte und dem darauf folgenden Casino eines entfesselten Finanzkapitalismus. Der aber Krisen wie die Lehmann-Pleite oder den Flash-Crash in diesem Jahrtausend spielend weggesteckt zu haben scheint, ja daraus direkt Antrieb für noch mehr Casino genommen hat.

    Der Film vereinnahmt, weil keiner schlecht gemacht wird, keiner sich moralisch über den anderen erhebt: lauter ehrenwerte Mitglieder unserer kapitalistischen Welt erzählen recht persönlich aus ihrem Nähkästchen und Opitz bringt sie dazu, sich ganz unverfälscht zu geben.

    Wobei es ausschließlich Männer sind, die an wichtigen Positionen in diesem Bereich agieren oder zumindest sich überhaupt vor die Kamera getrauen. Das steht auf einem anderen Blatt, ob Männer und Frauen unterschiedlich zum Finanzkapitalismus stehen.

    Ganz aktuell wird Opitz nicht. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, sich Gedanken zu machen dazu, was in Europa gerade vor sich geht mit der endlosen Gelddruckerei eines Herrn Draghi und den Billionen an faulen Krediten. Andererseits sind Schulden der Grundantrieb des Kapitalismus.

    Faszinierend sind die Einblicke in Büros der Finanzwirtschaft, die hockonzentrierten, ordentlichen, gepflegten Mitarbeiter und ihre Hingabe an die Bildschirme. Die können doch bestimmt nichts Böses tun. Untermalt wird der Film von einem Musikscore, der immer wieder ein paar diskret alarmierend warnende Takte einfließen lässt.

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