Hier ist Faintville in Ontario, Kanada. To faint heißt auf Englisch, in Ohnmacht fallen, la ville heißt auf Französisch die Stadt, die Stadt also, die englisch-französisch in Ohnmacht fällt, in der Schule steht an der Wand geschrieben „Ici on parle francais“.

    Dieser deutsche Film wurde in Kanada auf Englisch gedreht. Faintville heißt die Stadt, der Ort, weil die Einwohner wegziehen. Eine Kamerafahrt zeigt vor allem stehengelassene, liegen gebliebene Autos. Wenige Schüler nur besuchen die Schule. Zur Gymnastikgruppe im Gemeindezentrum trifft sich ein halbes Dutzend Aufrechter.

    Aber nicht genug, dass die Stadt am Dahinschwinden ist. Unser Protagonist Mike, in Alex Ozerov haben die Filmemacher ein begabtes Bürschchen gefunden, ist 16 und will mit seinem Leben abschließen. Er bereitet sein Ende und auch die Todesnachricht, die im lokalen Blättchen erscheint, minutiös vor, selbst den Zimmerboden legt er mit Plastik aus, damit die Blutspritzer, die er hinterlässt, wenn er das Gewehr auf sich richtet, nicht den Boden oder die Möbel beschmutzen, zu viel Arbeit möchte er seiner alleinerziehenden Mutter, die Krista Bridges als eine Nervöse spielt, nicht hinterlassen.

    Mike ist ein Pechvogel, der überlebt. Ihn zu schildern, in einer Aneinanderreihung von Szenen wie Miniaturen, das unternimmt dieser Film von Florian Cossen nach dem Drehbuch von Elena von Saucken. Das Wort Faintville haben sie auch für die Farbgebung der Bilder konsequent übernommen, alles, was irgendwie an Blut und Rot erinnert, ist so gut wie raus, alles Lebendige, Pulsierende; ein Bilderbogen in kanadischem Pastell.

    Mike ist ein mehrfacher Pechvogel. Denn wie er überlebt, stellt der Arzt einen walnussgroßen Gehirntumor fest. Das reicht noch nicht, nachdem er im sich anbahnenden Verhältnis zur Gymnastiklehererin Bea Santos als Miranda wieder einen Sinn für das Leben zu entdecken dabei ist, wird sie von einem Auto überfahren.

    Obwohl Kanada den deutschen Filmemachern sicher gut tut, sie freier zu machen scheint, kommen sie nicht ganz von der Lehrhaftigkeit, dem Erklärmodus los. Sie interessieren sich nur wenig für kinematographisch ergiebige Vorgänge, sie bringen die Szenen mehr illustrativ, modellhaft.

    Die Todessehnsucht von Mike wird illustriert mit Besuchen beim Beerdigungsinstitut, beim Probeliegen in einem Sarg, schließlich mit der eigenen Herstellung eines Sarges, aber das wird nur impressionistisch angedeutet, da ist kaum Interesse, Vorgänge konkret nachvollziehbar zu machen, oder dann wird Slapstick versucht, immerhin indiziert das wiederum Humorabsicht, wenn Mike die langen Bretter für den Sarg, die er irgendwo besorgt, wobei auch nicht klar ist, ob geklauft oder nur mitgenommen, auf sein Fahrrad zu hieven versucht. Das macht aus dem Kino so etwas, wie ein Gang durch eine Bilderausstellung.

    Durch die Todesanzeige taucht plötzlich Mikes Vater auf, ein Deutscher, der umtriebige Sebastian Schipper als Frank, der versucht ein akzentfreies Englisch zu sprechen.

    Einmal machen die beiden zusammen Schießübungen in einem Steinbruch – bei der Szene fiel mir völlige Abwesenheit von Psychologie auf; erinnerte mich in seiner Machart an Marjane Satrapis The Voices, in seiner Bilderstickerei. Die Szene wirkt mehr wie ein Vorwand, um einem Gespräch zwischen den beiden einen Rahmen zu geben.

    In vielen Szenen wird die Absicht deutlich, dass diese Pechvogelgeschichte durchaus aus dem Aspekt des Humors erzählt werden sollte, zumindest ohne Verzicht darauf; aber vielleicht ist es just der Verzicht auf einen konkreten Handlungs- und Spannungsfaden, der diese Bemühung allzu leicht ins Leere laufen lässt. Insofern wirkt das Portrait der Todessehnsucht eines Teens auch mehr absichtsvoll, als dass es auf den Punkt trifft, mehr theoretisch als zu Herzen gehend. Eine anpsrechende, etwas breit geratene, theoretische Erörterung.

    Humorabsicht: wie der Arzt dem Jungen sagt, er werde definitiv sterben, da reagiert der Film mit Walzermusik. Mutter hat einen Frisiersalon. Einmal soll der Sohn aushelfen und ausgerechnet seiner Gymnastiklehrerin die Haare waschen, das wird auch nur verwuselt gezeigt, irgendwann platzt der Wasserschlauch, aber selbst das bleibt blutleer theoretisch, als ob der Boden der Realität nicht berührt werden dürfe. Oder Logikproblem mit dem Hausarrest. Da ist die Tür verriegelt. Aber der Vater, der unverhofft auftaucht, kann problemlos einsteigen. Also hätte Mike auch problemlos abhauen können. Vielleicht typisch für das Malerhafte ist die Beerdigung eines überfahrenen Rehes. Geschichte eines Pechvogels, der nicht sterben kann.

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    Der Jugend ein bestimmtes Feeling unterstellen, um sich dann mit einem Film, der vorgibt, dieses Feeling zu bedienen, an sie ranschzumeißen, das scheint mir das zu sein, was hier vorgeht.

    Dieses Feeling ist beschreibbar mit Nervosität, mit Dauerbeschallung wie in einer Disco, pausenlos Bässe und Rhythmen, mit einer Kamera, die am liebsten wackelt und schräge Perspektiven bevorzugt, als ob sie uns erzählen wolle, wisst, genau so sehen Eure Bilder mit Euren Handys aus.

    Als Stoff wählen wir einen Roman, der Erfolg hat bei Euch und der von Mirjam Mou stammt. Wir wollen Euer Lebensgefühl schildern, den Kampf um Freiheit und gegen Manipulation und bevormundende Hierarchien so wie sie in geschlossenen Anstalten, wie in guten alten Penne-Filmen, praktiziert werden.

    Und wenn wir diese Jugend-Atmosphäre schaffen, dann ist eine sorgfältige Umsetzung des Romans in ein filmtaugliches Drehbuch gar nicht mehr nötig, auch wenn wir dafür 3 Autoren auffahren müsssen, Philipp Delmaar, Marco van Geffen und Özgür Yildirim (Blutzbrüdaz), welch letzterer ganz nebenbei auch noch die Regie führen kann. Auch das kann nonchalent erledigt werden; genaues Figurstudium durch das Buch ist eh nicht nötig, so dass es reicht, wenn die Darsteller, wie Lehrer Isaac, sich auf eine schmierige Masche mit nöligem Ton reduzieren.

    Uns interessiert nicht Story, uns interessiert Atmosphäre, dystopisch soll sie sein. Dystopisch heißt, in der Resozialisierungsanstalt „Institut für Kooperation X“ laufen alle mit einer Art Uniform herum, die aussieht wie ein grauer Ganzkörpertrainingsanzug, alle müssen andauernd in Reih und Glied antreten. Kadettenschule. Das macht schon mega dystopisch. Gerade auch durch das Herrschafts- und Autoritätssystem mit dem stereotypen Personal, den Mentorenernennungen als Hierarchieleiterchenbonbons, wobei die Location für das Institut eindrücklich ist, ein Schloss wie aus der Zeit der Sonnenkönige.

    Und dann die eingepflanzten Chips und die Toxinpfeile, die die Erinnerung ausfallen lassen. Es reicht, wenn wir einige Versatzstücke aus dem Roman rauspuhlen und dann schnell schnell und billig filmisch umsetzen. Auch Dorm-Szenen müssen her, zwei Buddies die da schlafen, eine nächtliche Wichsszene zu einem Video auf dem Handy, das ist trendy und stellt unsere heutige Jugend trefflich dar.

    Gut, ein bisschen Herleitung muss schon sein. Wir entscheiden uns für einen Protagonisten, Sam heißt er im Film, ist Boy 7 und wird dargestellt von David Kross, der, wie die meisten anderen Darsteller für die Jugend, die meines Erachtens mit dieser Filmmachart angepeilt wird, viel zu alt ist.

    Sam fängt den Film an. Der Einfachheit halber schnallen wir ihm die Kamera um, drücken ihm eine Taschenlampe in die Hand, das spart Personal und Aufwand und signalisiert, dass er in einem U-Bahn-Schacht aufgewacht ist und das Gedächtnis verloren hat. Immerhin ist er so präsent, dass er einen Hinweis auf eine Kneipe so interpretieren kann, dass er dort den Schlüssel zu seiner Identität findet; und sein Gedächtnis ist auch so weit noch intakt, dass er weiß, dass er in einer der Sitztoiletten im Spülkasten ein Tagebuch versteckt hat. Diese Requisit wird nun dem Film den Ersatzhalt für die Geschichte geben, indem anhand von diesem Buch ein Stück von Sams Geschichte rekonstruiert wird. Wobei vieles in der Luft hängt, und deshalb entsteht der Eindruck, dass es den Filmemachern nicht primär um die Geschichte ging, sondern um ein Jugendfeeling. Dieser Vorgang dauert leider fast zwei Stunden lang und beinhaltet ferner jede Menge Unterwasseraufnahmen im Pool, Angstträume, Panikträume, Ertrinkträume und wirkt hingerotzt, was genau den Eindruck des sich Anbiederns an einen imaginierten Jugendmodus/Jugendslang verstärkt.

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    Nicht unsympathisch, was sich die Mannschaft um den Regisseur Frieder Wittich vorgenommen hat, den Roman gleichen Titels von Benedict Wells zu verfilmen, Drehbuch von Frieder Wittich und Oliver Ziegenbalg. Es geht um einen Lehrer in der Krise. Er stand am Anfang einer verheißungsvollen Musikerkarriere, die jedoch zerbrochen ist; so hat er denn das Los eines Schullehrers gezogen. Bis er einen Schüler mit Talenten entdeckt und für den die Karriere schmieden will. Auf jeden Fall der Stoff für einen Kinofilm.

    Budapest und Bukarest sind gefährliche Städte, Istanbul hat gepflegte Krankenhäuser, Schwarze tendieren zum Drogenhandel, ein Drogenrausch kann zu Erkenntnissen führen und die Musikindustrie ist nicht fair, der Lehrerjob frustrierend, Songs schreiben und in einer Band spielen macht glücklich. So könnte man das Fazit aus diesem Film auch beschreiben und der pädagogische Eros muss auch kein Glück bringen.

    Das alles und noch mehr, wie die irrsinnig schnell passierende Liebe zu einer Frau bei gleichzeitiger Abwehr gegen die Anmache einer Schülerin, das muss Christian Ulmen als Titelfigur Robert Beck spielen, der doch viel lieber Robert genannt würde als Herr Beck.

    Es kann durchaus als Gewinn für den Film betrachtet werden, dass Ulmen als Lösung für die Anfangsphase des Filmes die Ruhe, das unbewegte Gesicht wählt. So sitzt er oft da, spielt vielleicht mit einem Finger mit einem Kugelschreiber, signalisiert eine gewisse Nervosität, was aber gar nicht nötig wäre. So weckt er jedenfalls gleich das Zuschauerinteresse, was ist los mit dieser Figur, der hinten in der Klasse sitzt, sich ab und an eine Notiz zu einem Schüler macht.

    Für seine Struktur greift der Film auf das Bild einer Schallplatte zurück, Seite A und Seite B sind die beiden Kapitel, das wird in der Zwischentitelung graphisch eindeutig verdeutlicht.

    So könnte man von zwei Filmen sprechen. Im ersten entdeckt Beck den Schüler Rauli Kantas; der Este Nahuel Pérez Biscayart hat ein markantes Filmgesicht und auch eine mindestens passable Gesangsstimme. An ihn knüpft der Lehrer seine Hoffnung, will mit ihm eine Schallplatte heausbringen, er selber will die Songs dazu schreiben und bei Universal rauskommen, denn er kennt den Manager Holger Gersch (Fabian Hinrichs verzichtet darauf, diese Figur mit darstellerisch ergiebigen Schikanen auszustatten) von früher her. Doch der will nur das Talent und nicht den Lehrer. Becks große Pläne sind gefährdet. Auf Seite B erzählt der Film von einer Türkeireise, wandelt sich zum Road-Movie. Denn der dritte im Bunde der Hauptfiguren, Eugene Boateng als Charlie Aguobe, möchte nach Istanbul. Er ist auch so ein Schützling von Beck und bringt super darstellerischen Power und Leben in die sonst eher behagliche Film-Bude.

    Romanadaption fü einen Film hat den Vorteil, dass der Stoff schon vorgeknetet ist, verführt aber zu der Bequemlichkeit, diesen nicht radikal genug unterm Gesichtspunkt des Funktionierens im Kino weiterzukneten. Sich gründlich zu fragen, wie der Zuschauer, der anfangs als leeres Blatt anzuznehmen ist, mit Informationen gefüttert wird, die geeignet sind, einen Spannungsobgen zu erzeugen. Was hier anfangs durchaus gegeben ist.

    Aber dann schneit Rauli rein und entwickelt, das ist ja prima, Eigenleben. Und dann Charlie. Und auch der verdient Subjekt-Interesse. Und wie er dann im zweiten Teil den Gang der Dinge bestimmt, da droht dem Zuschauer der Faden verloren zu gehen. Beck ist unterwegs plötzlich zum alten Christian Ulmen geworden. Es ist auch nicht ganz klar, wieso er diese Null-Komma-plötzlich-Reise überhaupt mitmacht und wieso Rauli auch mitfährt. Charlie hat ja nur erzählt, seiner Mutter würde es schlecht gehen. Der Film wechselt jetzt ständig den Hauptrollenprimat, was den Genuss merklich erschwert, trotz cooler Professionalität und Enthusiasmus auf den überwiegenden Zahl der Positionen der Gewerke. Das führt zu Rucklichkeiten im Erzählverlauf, kaum ist der Plan mit dem Konzert besprochen, schon findet es statt. Liebesgeschichten, die kaum anskizziert werden. Für den großen Erfolg im Kino müsste die Beckfigur deutlich gründlicher studiert werden, sowohl vom Drehbuch als auch vom Darsteller her.

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    Rauschhaft zieht einen diese Dokumentation von Asif Kapadia über die grandiose Sängerin Amy Winehouse in ihren kometenhaften Aufstieg hinein mit viel privatem Videomaterial, das sie immer im Mittelpunkt und ganz nah hat. Wie sie als Teen singt, weil sie gerne singt, weil sei eine Begabung ist. Wie sie gar nicht von einer Karriere träumt. Wie diese plötzlich anfängt und rasend schnell an Fahrt gewinnt. Wie der Moloch Medien und Öffentlichkeit sich wie eine Krake auf sie stürzt und letztendlich wohl mit kaputt gemacht hat; wobei schwer auszumachen ist, was nun der Grund für den Absturz gewesen ist, die Liebe, die Heirat, die Drogen, die Verfolgung durch die Papparazzi, die hier besonders aufgemotzt nachbearbeitet worden sein dürfte.

    Der musikalische Höhepunkt im Film sind die Aufnahmen aus dem Studio, wie Amy mit der Jazzlegende Tony Bennett singt.

    Sympathisch an ihr, dass sie sich so gab, wie sie war, dass sie ihren Dialekt bis zuletzt beibehalten hat. Allerdings kippt der Film nach dem Absturz und mit dem Auspacken ihres langjährigen Bodyguards doch mächtig ins Klatschhaft-Sentimentale auch mit dem Hinausziehen des Schlusses. Das ist schade, weil der Film gerade durch das Persönliche, das private Material, vor allem in den Zeiten, als sie noch ein Teen war, ein eindringliches Portrait zeichnet.

    Aber dass der Bodyguard einen Anruf von ihr auf seinem Anrufbeantworter für den Film freigibt und dass Asif Kapadia den auch im Film belässt, das verleiht der Sache ein Geschmäckle.

    Beeindruckend an Amy sind ihr Feeling für Rhythmus, Tempo, Pausen, Diktion bei ihren Songs, die sie meist selbst geschrieben hat, nicht um Kunst zu machen, sondern weil sie so ihre Gefühle ausdrücken wollte. Das hat sie immer schon gemacht. Die Auswertung in Songform kam erst auf Anraten von Freunden.

    Positiv an dieser Dokumentation kommt auch rüber, dass die Interviewpartner, die sich zu Amy äußern, Produzenten, Weggefährten, Musiker, Verwandte, Freunde, überwiegend im Voiceover-Modus zu hören sind, während Bilder von Amy gezeigt werden.

    Es entsteht der Eindruck, dass Amy eine ganz seltene, einmalige und außergewöhnliche Gesangsbegabung war. Schon als Teen hatte sie viel Musik gehört und kannte sich aus. Die Begegnung mit Tony Bennett war für sie immer noch mit Hemmungen belastet, da sie es kaum fassen konnte, obwohl sie längst weltberühmt war, mit dieser Legende zu singen.

    Die Queen of Soul. Und wie das Geschäft sie fertig gemacht hat. Mit vielen Ausschnitten von Konzerten, Talk-Show-Auftritten, Preisverleihungen, aber wohldosiert. Eine elektrisierende Sängerin: Love is killing me. Der verpatzte Auftritt in Belgrad, wo sie einfach nicht gesungen hat. Eine subjektive Doku, ansteckend durch ihre Faszination von Amy.

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    Konsequent abseitig – und doch mittendrin.
    Eine dänische grotesk-sukurrile Verhunzerei des humanistischen Menschenbildes.

    Eine Familie aus lauter Mutanten. Kein Wunder: der Vater ist Stammzellenforscher. Er lebt mit dreien seiner Söhne in einem Sanatorium auf einer einsamen Insel. Die Fähre fährt nur zweimal wöchentlich und die Ortschaft bangt, von der Landkarte zu verschwinden, wenn ihre Einwohnerzahl unter 40 sinkt; jetzt ist sie noch knapp drüber.

    Die Experimente sind deutlich am Rande des ethisch Verantwortbaren zu verorten. Alle seine Söhne, die von verschiedenen Frauen stammen, haben die Hasenscharte gemeinsam; die sich den Luxus von drei kosmetischen Rekonstruktionen leisten konnten, sehen deutlich besser aus.

    Zwei der Söhne kommen von auswärts. Sie haben erst durch das mit ungeschickter Kameraeinstellung in den Schritt hinein aufgenommene, kopflose Video-Selfie ihres nichtleibhaftigen Vaters nach dessen Tod von ihrem genetischen Vater gehört; dieser wird später als „Schwanz des Todes“ charakterisiert. Sie machen sich auf den Weg zu ihrem Vater.

    Im Haus des Stammzellenforschers läuft allerlei Getier herum. Nichts ist „normal“, die ganze Ausstattung nicht, die ganze Verkommenheit nicht; konsequent abstrus, abseitig, nicht comme-il-faut; ein Film, kompromisslos wieder den Strich gebürstet und gekonnt montiert. Versaut bis in den letzten Zipfel. Nichts ist zufällig.

    Die ersten Begegnungen der Brüder verlaufen nicht freundlich, sondern unzivilisiert und grob. Die Kampfwaffen sind ausgestopfte Tiere und Wallhölzer. Irgendwann verbindet das gemeinsame Blut doch und die Frage wird drängender, was denn der gemeinsame Vater, der auf den 100sten Geburtstag zugeht, im tabuisierten ersten Stock, so treibt und warum sie nicht zu ihm dürfen. Auch zum Keller gibt es eine verriegelte Tür und die Neuankömmlinge zeigen Interesse. Ein Haus der gruseligen Geheimnisse.

    Die eigene Existenz wird thematisiert, die Verwandtschaft, die Zeugungsunfähigkeit, die Frage nach Vater- und Mutterschaft und überhaupt nach dem Mix genetischer Anteile in einem Menschen. Da wird es noch merkwürdige Antworten geben.

    Die Söhne des Forschers werden anfangs des Films als Brüder ohne Gaben vorgestellt. Die deutsche Synchro ist ebenfalls behindert; sozusagen routinemutiert; das ist witzlos. Während das Drehbuch viel Witzhackerei absorbiert. Ein Lob der Degeneration und der Unvollkommenheit. Es dürfte sich hier nicht um indigene, naive Skurrilität handeln, sondern um eine programmatisch hergestellte, beabsichtigte, der die Demontage des klassisch-humanistischen Menschenideals sichtlich Spaß macht.

    Ungehobelte Trottel. Kleines, entzückendes Intermezzo, ein Traumbild fast, wenn die hasenschartigen Mutanten in weißen Kleidchen mitten im Verhau Federball spielen – spleenig schön. Aber auch die Einführung zivilisatorischer Regeln wird diskutiert und ansatzweise versucht.

    Auch ein Setting-, ein Ausstattungs-, ein Locationfilm. Die Suche nach eierlegenden Wirbeltieren. Und Adipositas. Humorlage: hasenschartig (oder eine Illustration davon). Und alles todernst gespielt – wie es sich für so ein Dekonstrukt gehört und nur konsequent ist.

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    In diesem merkwürdig kompliziert geförderten, europäischen Animations-Film versucht Toby Genkel neue Tierfiguren auf der Leinwand einzuführen, könnte heißen, introducing on screen: die Nestrier und die Grymps, in ihrer künstlerischen Gestaltung erinnern sie an eine Mischung aus Badezimmervorlegern und Klobürsten; jedenfalls ist es schwer, eine Beziehung zu ihnen herzustellen, denn das Drehbuch vergisst, sie so vorzustellen, dass eine Empathie zu ihnen möglich wäre; am ehesten noch Mitleid; es sind Figuren aus dem Bereich einer Gartenzwergästhetik und auch ihre Bewegungsabläufe sind sonderbar identitätslos.

    Der Film fängt nüchtern protokollarisch wie ein amtlicher Vorgang an und will ein Kinderfilm sein. Die Sintflut ist angekündigt. Also müssen sich die Tiere paarweise zur Arche begeben. Einlassverfahren sind nicht gerade ein Garant dafür, Schwung in einen Film zu bringen. Die Tiere müssen auf einer Liste stehen. Liste und Kinderfilm. Check-in und Kinderfilm. Anstehen in Reihen und Kinderfilm.

    Die Nestrier stehen nicht auf der Liste. Sie müssen sich mit den Grymps reinschmuggeln. Je ein Junges der beiden vom Filmemacher erfundene Spezies verpassen die Abfahrt der Arche, die mehr wie ein gewaltiger, geflochtener Nachttopf denn wie ein Schiff aussieht. So lässt sich immerhin ein Storyfaden nach bewährtem Rezept entwickeln. Die beiden, die sich nicht grün sind, müssen sich gemeinsam, gegen das steigende Wasser und gegen hungrige Raubvögel zu Wehr setzen.

    Zu ihnen gesellt sich eine Schnecke, die in Wahrheit ein Wal ist, Gott bewahre Kinder vor solchen Fantasien, somit ist dem Film immerhin ein Stück Abenteuer- und Roadmovie einkonstruiert. Wobei die Abenteuer sich im Bereich des Katastrophenfilmes bewegen mit Schussfahrten durch ewig lange rohrhafte Gänge oder über riesige, steil abfallende Felswände und Wasserfontänen. Was unklar macht, für welches Kindesalter dieser Film überhaupt gedacht ist. Insofern ist auch nicht nachvollziehbar, wieso der Film in 3D angeboten wird, denn das Format bringt in Relation zum Bildmaterial gar nichts, außer dass es die linkische Bildgestaltung eindunkelt.

    Wenig erfreulich und garantiert nicht im Sinne der Entwicklung von Sprachgefühl für die Kinder ist die Tonspur. Es scheint, als ob deren Herstellung nichts kosten durfte, das Studio nur kurz zur Verfügung stand und die Aufnahmen so schnell und unvorbereitet wie möglich in den Kasten gepresst werden sollten. Es fehlt den teils renommierten Sprechern an einer einprägsamen – und auch die Figuren charakterisierenden – Sprechkultur, wobei die Regie zum verschwommenen Eindruck noch das ihre beigetragen haben dürfte. Christian Ulmen eiert in seiner Rolle, behilft sich ab und an mit Druck auf ein anlautendes H oder M, hm, denkt man da.

    Was für eine rundum gelungene und kindgerechte Geschichte ist dagegen Der Rabe Socke 2 – Das große Rennen.

    Vielleicht können uns die vielfältigen Förderer darüber aufklären, was an diesem Film so besonders sein soll.

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    Die Kraft einer Liebe zwischen zwei Menschen kann sich auch daran ermessen, welchen Schmerz zu lindern sie imstande ist.

    In diesem Film von Jonathan Teplitzky nach dem Drehbuch von Frank Cotrell Boyce und Andy Paterson hilft die Liebe, einen der diffizilsten Gräben, der sich zwischen Menschen auftun kann, zu überbrücken: den zwischen Folterer und Gefoltertem.

    Die Grundlage zum Drehbuch sind die autobiographischen Aufzeichnungen der Hauptfigur Eric Lomax. Der war Ingenieuer und ein Eisenbahnfan. Er ist mit seiner britischen Truppe im Zweiten Weltkrieg nach dem Fall von Singapur den Japanern in die Hände gefallen und wurde als Zwangsarbeiter zum Bau einer ambitionierten Eisenbahnlinie im mörderisch tropischen Dschungel von Thailand eingesetzt, der sogenannten „Todeseisenbahn“.

    Weil Eric ein Eisenbahnfan ist, macht er sich aus purem Interesse eine Skizze des Verlaufes dieser Linie nach Burma. Dies, und dass er sich heimlich am Bau eines Kurzwellenempfängers beteiligt, wird ihm zum Verhängnis. Er wird der Spionage verdächtigt, isoliert und vom japanischen Dolmetscher Nagase grausam und brutalst gefoltert. Über die Torturen hat er, wie andere auch, nie gesprochen.

    Die Erinnerung daran hat ihn immer wieder mit Alpträumen aufwachen lassen. Er hat aber den Krieg überlebt. Jahrzehnte später lernt er im Zug Patti kennen. Sein Faible für Züge und Fahrpläne bringt die beiden ins Gespräch – bald schon heiraten sie. In der Hochzeitsnacht erlebt sie ihn das erste Mal als von den Erinnerungen gemartert am Boden liegend.

    Statt ihn zu schelten oder ihm Vorwürfe zu machen, interessiert sich Patti für die Hintergründe. Vorsichtig setzt sie einen Prozess der Annäherung an das Unausprechbare in Gang, der dazu führt, dass Eric den Täter Nagase, von dem er in Erfahrung bringen kann, dass er noch lebt und als Fremdenführer arbeitet, aufsucht und ihn zum Gespräch herausfordert. Eine extrem diffizile Situation, immer am Rande der nur schwer im Zaum zu haltenden Rachegefühle. Aber die Versöhnung gelingt.

    Die Filmemacher verpacken diese vielleicht größte Herausforderung, vor der ein Mensch je stehen kann, und vor der er meistens kapituliert (siehe den Film Beyond Punishment) ganz weich in einen wunderschön inszenierten Film, weiche, erdige Farben, schwitzende gebräunte Gesichter, tropische Militärcamps, die bei aller Grausamkeit im Film eine morbid-poetische Schönheit entwickeln, wie die Männer zum Appell abzählen müssen und statt der Zahlen plötzlich mit den Kartenbegriffen Bube, König, Dame, Ass weitermachen, wie sie den Radioempfänger basteln, um Nachrichten von BBC zu hören, um zu erfahren, dass ihre Gegner auf dem Rückzug sind und die Alliierten auf dem Vormarsch, wie sie sich die News zustecken, die Käfighaltung von Gefangenen im Freien in Käfigen aus Bambusrohren, wo sie nicht mal aufrecht sitzen können, Folter mit Wasserschlauch in den Mund, die brutalen Bauarbeiten an der Strecke.

    Die Versöhnung, ein großer Akt, die braucht diesen Vorlauf, die braucht die Distanz zu den Vorgängen, braucht die Liebe Jahrzehnte später im grauen England.

    Nicole Kidman spielt Patti, die Frau mit diesem weiten Herzen und dem duldsamen Verständnis. Colin Firth spielt den alten Lomax, der seelisch angeschlagen ist, der sich in seinem Veteranenclub tummelt, der miterleben muss, wie sein bester Freund aus dieser Zeit sich an einer Bahnbrücke erhängt. Wie denn die Brücken in diesem Film somit zum zweideutigen Symbol werden.

    Jeremy Irvine spielt den jungen Eric Lomax, den Soldaten in den Tropen. Es ist eine geniale Regie- und Schauspielerleistung, die hier zu besichtigen ist, dass man sich gelegentlich fragt, ob Colin Firth mit Maske und Bewegungsablauf auf so viel Jahre jünger präpariert worden ist, nein, das ist er nicht. Wer hier wen mehr befruchtet hat, das ist nicht mehr zu unterscheiden, der Junge den Alten oder umgekehrt. Er scheint eine einheitliche Figur, was in Filmen mit Figuren, die in verschiedenen Lebensaltern auftauchen, kaum je so überzeugend gelungen ist.

    Am Schluss, wenn die Originalfotos von Eric und Patti Lomax im hohen Alter eingeblendet werden (beide sind inzwischen gestorben), wird deutlich, wie herausgearbeitet Filmcharaktere im Hinblick auf die Konzentration der Erzählung doch sind.

    In sanfter Erzählung wird der Boden für diesen delikaten Akt der Wiederbegegnung bereitet. Das ist wie im Ballettunterricht: 40 oder 50 Minuten werden die Muskeln aufgewärmt, damit sie dann ein paar gewagte Sprünge bewältigen können. Warmup für einen Gewaltsakt, der höchste Anspannung verlangt.

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    Ein Film, der hält, was das Presseheft in seiner Longline-Beschreibung verspricht: „Nachdem er jahrelang europäische Touristen kommen und gehen sah, macht sich Fettah mit seinem Surfbrett auf eine epische Reise über den Ozean entlang der marokkanischen Atlantikküste in Richtung Europa.“ Diese Reise und die Rückblenden zu deren Begründung werden von Jan Willem van Ewijk, der mit Abdelhadi Samih auch das Buch geschrieben hat, mit Unterwasserkameras, Nah-am-Wasser-Kameras, Über-dem-Wasser-Kameras und auch aus der Luft erzählt.

    Fettah Lamara als der Protagonist „Fettah“ ist ein gutsaussehender Schauspieler mit charaktervollem Gesicht, das Weisheit vermuten lässt, Ruhe und gelassene Weltsicht. Er hat genügend Kontakt zu alten Männern gehabt, ist mit seinem Vater fischen gegangen oder trifft unterwegs einen alten Fischer. Alle leiden unter der modernen (europäischen) Industriefischerei, die die Küsten vor Afrika leerfischen und der dortigen Bevölkerung eine Lebensgrundlage entziehen oder drastisch schmälern. Aber dieses Problem kommt nur tangential, fatalistisch vor; einmal taucht so ein Fischkutter am Horizont auf.

    Es ist ein leiser Film, ein Träumer-Film, ein Film für Träumer. Er erinnert ein Stück weit an All is Lost, einem beispielhaften Film zum Thema „der alte Mann und das Meer“, während es hier heißen müsste „der junge Mann, sein Surfbrett und das Meer“.

    Der junge Mann hat noch ein Ziel und einen Traum. Er möchte nach Europa, möchte die Touristin Alexandra wiedersehen. Der Weg ist gefährlich. In der Nähe zur europäischen Grenze wird streng kontrolliert. Ein Film, der so auch das Flüchtlingsproblem tangential ventiliert. Fettah aber will außenrum surfen.

    Ein sanft-meditativer Film, der Grundfragen der Existenz an sich vorübergleiten lässt. Der sich angenehm abhebt vom Trend der modernen Surffilme, die immer noch höhere, noch gefährlichere Wellen suchen und Weltrekorde dazu, diese glatten Abenteuertypen, oft skrupel- und verantwortungslos auf der Jagd nach dem Big Business der Vermarktung der tollen eigenen Taten, vor denen der Zuschauer ganz klein und bedeutungslos wird.

    Ein Seelenfilm und kein Rekordfilm. Hier wird der Zuschauer auf Augenhöhe behandelt, ernst genommen mit einer Regie der intuitiven Art, dem eine Lebensphilosophie zugrunde liegt, eine Sichtweise zwischen Zuneigung zu Menschen und seinen irdischen Bedürfnissen und gleichzeitig einer skeptischen Distanz dazu. Die Frage nach der menschlichen Existenz, symbolhaft wie auf einem Surfbrett im Ozean den Stürmen ausgesetzt, der Erschöpfung. Ansprechpartner für den inneren Monolog in der Eisamkeit ist das kleine Schwesterchen Wisal. Und: das Kino und das Meer, die haben doch eine innige Sehnsuchts-Verwandtschaft.

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    Das argumentative Fundament dieses Filmes von Seth McFarlane, der mit Alec Sulkin und Wellesley Wild auch das Drehbuch geschrieben hat, die Definition des Menschen als Abgrenzung von einer Sache mittels Selbstbewusstsein und der Fähigkeit zu Empathie und komplexen Gefühlslagen dürfte näherer Nachfrage wenig standhalten, ist sie doch schnell ausweitbar auf Pflanzen, Tiere und womöglich Wesen von künstlicher Intelligenz.

    Über diesem fragwürdigen philosophischen Unterbau spielen sich allerdings ganz lustige und bis auf einige Action-Szenen an der Comic Con nicht turbulent zu nennende Szenen in ordentlicher, leicht nachvollziehbarer Handlungsentwicklung ab, wie sie für den Aufbau einer Beweiskette bei einem Gerichtsprozess hilfreich sein würde.

    Nicht ganz so nüchtern, ja dieser Sachlichkeit diametral entgegengesetzt sind einige Verhaltenseigenschaften und Texte der Protagonisten (oft auch bildungs- und filmreferentiell), allen voran der Hauptfigur Ted, eines belebten Teddybären, der sich schon allein mit seinen Knopfaugen angnehmst abhebt von Disney-Rehaugen-Erleuchtet-Püppchen.

    Ted kennt keinen Maulkorb und sein Vokabular spiegelt gerne die Gassensprache; er liebt es, dem Pot zu frönen so wie sein Freund John, Mark Wahlberg, dessen Computer vor Pornos überquillt, und die junge Anwältin Samantha, Amanda Seyfried.

    Mit dem Schmiss einer Hollywood-Musicals wird unter den Titeln die Hochzeit von Ted mit Tami Lynn, Jessica Barth, zelebriert. Der Kinderwunsch der beiden weckt die Behörden, die bisher diese Heirat zwischen Teddy und Menschin übersehen haben, lässt sie die Ehe annullieren.

    Die Voraussetzungen für den Fortgang des Filmes als eines gut und traditionell amerikanischen Gerichtsfilmes sind somit gegeben, denn mit der künstlichen Befruchtung von Tami mittels einer Samenspende (welch Thema wiederum gut ist für eine Kaskade von wenig dezenten Scherzen und Slapsticks) wird nichts, so dass der Wunsch nach einer Adoption entsteht. Diese ist aber nur möglich, wenn die beiden verheiratet sind. Sie wollen vor Gericht durchsetzen, dass Ted als Mensch anerkannt wird und somit heiraten darf.

    Durch die Charakterisierungen der Hauptfiguren auf dem Weg zum Gericht, durch ihre Charaktereigenschaften und Vorlieben ist allerdings dafür gesorgt, dass die Story sich gezielt vom Comme-il-faut des ernsthaften Gerichtsfilmes unterscheidet, sprengen die Drei doch ständig den Rahmen konventionellen Verhaltens bis zu Unflätigkeiten im Gerichtssaal.

    Freund John ist außerdem mit seiner eigenen Trennung beschäftigt und steht in latenter Flirtsituation zur Anwältin, die sich mit diesem Prozess die ersten Sporen verdienen will. Da sie in New York gegen einen aalglatten, geleckten Staranwalt verlieren, schickt das Drehbuch das Trio auf einen kleinen Roadmovietrip nach Washington, wo sie von einem berühmten Menschenrechtsanwalt Unterstützung sich erhoffen, denn er hat versprochen, er werde sich die Angelegenheit zumindest anschauen. Diese Reise im Auto ermöglicht ein nächtliches, fast besinnliches Intermezzo mit Lagerfeuer am Rande einer Rauschgiftplantage.

    Da der Spielehersteller Hasbro offenbar ein wichtiger Sponsor des Filmes ist, muss dessen Name oft und groß genug vorkommen, müssen Szenen, die der Firma und ihren Produkten Publicity verleihen, eingesponnen werden in die Geschichte, beispielsweise mittels eines Monopoloy-Hinweises, wie es um das Honorar geht, das John und Ted dem Anwalt zahlen müssen, und sie allen Ernstes das Geld über den Verkauf von Liegenschaften aus dem Spiel beschaffen wollen.

    Auch an der Comic Con, die aus diesem Grund in das Drehbuch hineingewirkt werden muss, hat Hasbro einen Stand, zusätzlich spielt die Firma eine Art Antagonistenrolle, das ist immerhin beachtlich, da die doch diejenige des Bösewichtes ist, der Ted den Prozess verlieren sehen und sich anschließend seiner bemächtigen will, um in dessen Inneres zu schauen und herauszufinden, was ihn so menschlich macht, um daraus einen Verkaufsschlager zu entwickeln, das war der Vorschlag des schrägen Toilettenmannes bei dem Spielzeughersteller.

    Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, heißt es an einer Stelle, kann jeder Idiot sich ein Maschinengewehr kaufen, aber ein Teddy darf kein Mensch sein. Die deutsche Synchro ist hochanständig.

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    Das größte Verdienst des Autors und Regisseurs dieses Dokumentarfilmes, Frédéric Tcheng, dürfte es gewesen sein, das Vertrauen der portraitierten Person, des öffentlichkeitsscheuen Raf Simons, gewonnen zu haben.

    Der Modedesigner Raf Simons wechselt im Frühjahr 2012 vom Prêt-à-Porter Label „Jil Sanders“ zur Haute-Couture nach Paris, zu Dior. Innert acht Wochen muss er die erste Kollektion stemmen.

    Der Dokumentarist hatte offenbar freie Hand in dieser Zeit, darf nah an Raf ran; der scheint sich nie an der Kamera zu stören. Volles Vertrauen ist da Voraussetzung.

    Was macht Tcheng aus diesem Privileg? Leider verschenkt er die Chance, einen faszinierenden Einblick in die Vorgänge hinter den Kulissen einer solchen Firma als spannendes Kino zu geben. Was er aus Originalmaterial aus den Zeiten des Gründers des Hauses, Christian Dior, und aus der Vorbereitung inklusive selbstverständlich der Premiere der Kollektion zusammenschneidet, ist mehr Guckloch-TV denn ein Kino, was einer Dior-Kollektion würdig wäre.

    Richtig anrührend ist allerdings der große Moment der Show, wie Raf die Tränen nicht mehr zurückhalten kann hinter der Bühne. Da beweist er nochmal, was für ein emotionaler Mensch er ist, wie er ein Träumer ist, der überwältigt ist, wenn seine Vorstellungen Modenschau-Wirklichkeit werden.

    Sie werden in einem durch und durch mit Wandverkleidungen aus frischen Schnittblumen ausstaffierten alten Pariser Stadtpalais realisiert. Die Models selber stecken wie kostbare Blumen in den Kostümen, die eine Mischung aus Original-Dior und zeitgemäßer Jugendlichkeit sind, teils mit Stoffen und Stickereien, zu denen sich Raf von Gemälden inspirieren lässt oder die er gleich kopiert, ich nehme an das mit den Rechten wird er geregelt haben. Die Stoffproduzenten hat er damit vor ungeahnte Probleme gestellt.

    Es gibt genügend Einblicke in die Ateliers des Modelabels. Dior hat noch zwei davon; vor allem deren Chefinnen gewinnen Kontur im Film. Auch Rafs rechte Hand Pieter aus Belgien.

    Das alte Lied, ein hochspannendes Objekt, das recht beliebig, immerhin in der Reihenfolge der Entwicklung der Kollektion und der sich steigernden Nervosität auf den Zeitpunkt der Präsentation hin gestrickt ist.

    Ein Frederick Wiseman (National Gallery) hätte sich vielleicht auf ein, zwei Kostüm-Entwürfe konzentriert, den Weg vom Entwurf bis zum Gang über den Laufsteg dafür haargenau dokumentiert und so ein greifbares Gesamtbild eines solchen Betriebes entworfen.

    Während hier doch der Klatschblattstellenwert dominiert. Bemerkenswert: es scheint dass der Vater von Raf eine gewisse Ähnlichkeit mit Christian Dior hat.

    Einmal ist Raf ärgerlich, wie 10 Probekostüme erstmals gezeigt werden sollen, sind die nicht da. Die Chefin des Ateliers musste dringend zu einer Kundin nach New York. Dafür hat Raf nun grad gar kein Verständnis. Aber die Geschäftsführerin sagt, nicht in seiner Gegenwart, dass eine Kundin, die im Jahr für 330 000 Euro Kleider kauft, eben auch gewisse Ansprüche habe. Da wird Raf ganz trotzig. Er sei auch wichtig. Finden wir auch.

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