Dann ist’s doch ein Krebsfilm geworden.
    Bernard Bellefroid, der mit Carine Zimmerlin auch das Drehbuch geschrieben hat, wollte, so machen es uns die einführenden Szenen glauben, einen Film zum Thema Leihmutter machen; ein aktuelles Thema. Er wollte es in der Manier der Gebrüder Dardennes versuchen. Immer nah dran an der Protagonistin Lucie Debay als Melody, einer jungen, ledigen Coiffeuse, die davon träumt, einen eigenen Frisörsalon aufzumachen. Ein wirtschaftliches Ziel soll der Geschichte Drive verleihen. Denn für den Salon braucht sie Geld.

    Im Gegensatz zu den Gebrüdern Dardennes setzt Bellefroid den Zuschauer allerdings nicht gleich mitten in die Problematik, ob die Hauptfigur ihr Ziel erreicht, weil das Ziel nicht klar definiert ist. Das stellt sich nämlich erst allmählich heraus.

    Auch in der Szene mit dem Vermieter. So wird auf viel dramaturgiche Spannung schon mal verzichtet. Dann hat Melody die Idee mit der Leihmutterschaft. Auch das wird geschildert, wie sie sich im Internet informiert und sich in entsprechenden, geschlossenen Foren anbietet. Es läuft wie selbstvertändlich ab, als ob sie das jeden Tag mache.

    Der Fimemacher setzt nicht auf Spannung, stellt gar nicht erst die Frage, ob es überhaupt funktionieren kann. Schon ist Melody in Kontakt mit Emily, Rachael Blake. Die ist CEO einer Frachterfirma, die ihre Schiffe auf den Weltmeeren hat.

    Mit dem Auftritt von Emily verliert der Film schnell seine bisherige Erzählperspektive; er interessiert sich jetzt genau so für Emily. Denn die hat auch ein existentielles Problem: sie hat Krebs, hat eine Chemo hinter sich und trägt Perücke. Das irritiert den Erzählfaden gewaltig. Jetzt wird das Interesse des Filmemachers zusehends diffus, lässt eine Beziehung zwischen den beiden Frauen entstehen, was just nicht passieren sollte, bringt also noch ein weiteres Thema ins Spiel.

    Es folgen Bauchunteruchungen bei beiden Frauen, Ultraschall bei Melody, es ist ein Bub und ebenso bei Emily, es ist die Bauchspeicheldrüse, unheilbar, das Ableben in Sichtweite. So verschwiemelt denn auch der sich abzeichnende Konflikt der Leihmutter, der nach der Geburt auf sie zu kommen könnte, der Konflikt mit dem Hergeben des ausgetragenen Kindes. Denn jetzt ist es ihr Kind. Probleme der Adoption haben sich krebsseidank wie von selbst gelöst, auch das Thema Kaiserschnitt in der Ukraine.

    So wartet man denn noch lange, weil immer wieder Aufnahmen vom Meer dazwischen geschnitten sind und emotionale Aufnahmen von beiden Frauen und ein Zusammenbruch im Meer von Emily, bis endlich das Babygeschrei ertönt. Das erste ist eher Unheil verheißend, wie ein Röhren. Dann tut einem nur noch das reale Darsteller-Baby leid, das die ganze Traurigkeits- und Weinszene der Filmmutter und ihren Satz, dass sie beide jetzt das Muttsersein lernen müssen, unter realen Drehbedingungen aushalten musste.

    Unentschiedenes Krebs-Leihmutter-Melo, bei dem die eierliefernde Mamma zur Oma wird, was die diffuse Beziehung zwischen beiden Frauen nicht verständlicher macht.

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    Diese Dokumentation von Jens Schanze zeigt nebst dem schmerzhaften Zusammenhang zwischen dem Gewinnstreben der Aktionäre von Glencore, der dadurch bedingten Zwangsumsiedlung und Lebensverschlechterung eines indianischen Dorfes aus Kolumbien und unserer gedankenlosen Licht-Ein-Schalterbetätigung, also unserem Stromverbrauch, ganz nebenbei auch, dass solche Filme von enormer Wichtigkeit sind und es wohl noch lange bleiben werden und dass sie durchaus Dinge bewirken können: vor Jahren wäre so ein Film, so subtil auf so präzisem Kritikgrad kaum denkbar gewesen.

    Michael Moore konnte sorglos Bashing der Multis betreiben. Dass es heute für die Firmen verstärkt Governance-Richtlinien gibt, ist solchen Aktivisten zu verdanken. Und dass es die Richtlinien gibt, das wird im Film auch deutlich sichtbar bei der Zeremonie vor Verlassen des alten Dorfes und dem Umzug ins neue, da verliest eine Funktionärin einen Text, aus dem hervorgeht, dass diese Richtlinien eingehalten worden seien, ein Protokoll.

    Jens Schanzes Ausgangspunkt ist der Stromverbrauch in Deutschland und dass hier ständig neue Kohlekraftwerke gebaut werden, dass immer mehr Kohle verbrannt wird. Ein beachtlicher Teil davon wird von der Firma Glencore in einem der größten Tagbaugebieten der Welt, die Mine „El Cerrejón“ in Kolumbien abgebaut, nach Deutschland verschifft und hier verbrannt, denn die letzte Kohlezeche in Deutschland wird 2018 schließen. Glencore ist stolz, seinen Aktionären mitteilen zu können, dass sie an der ganzen Wertschöpfungskette der Kohle verdienen und dass hervorragende Geschäftsergebnisse vorliegen.

    In Kolumbien im Gespräch mit den Indios, die dem gefräßigen Bergbau weichen sollen, hört sich das anders an: der Konzern sei, gut, nicht ganz bankrott, aber die Aktionäre, die pochen auf Gewinn und so könne der Konzern für die Umsiedlung nicht so viel bieten. Aktionärsinteresse gegen Entschädigungsinteresse der Umsiedler.

    Immerhin gibt es Verhandlungen und mit Jairo Fuentes hat die Dorfgemeinschaft Tamaquito einen denkenden Menschen, der sich nicht alles bieten lässt, der aber auch keine Lust auf Terrorismus hat, wie die FARC ihn nach wie vor mit Anschlägen praktiziert, er will einen angemessen entschädigten Umzug des Dorfes auf dem Verhandlungswege erreichen.

    Das ist die konkrete Geschichte in diesem Film. So gibt es viele, kinoschöne Aufnahmen aus dem fruchtbaren, grünen Gebiet, wo Tamaquito liegt. Umso schmerzlicher sind die Aufnahmen vom neuen Ort, zwar Häuser aus Mauern und mit sanitären Anlagen versehen, mit Gaskochherden und eine Straßenbeleuchtung gibt es auch. Aber die Gegend ist arid, kaum Wasser und der Konzern hält seine Zusage, für genügend Wasser zu sorgen, nicht ein. Da kämpft die Gemeinde nach wie vor darum. Dieses Problem spricht Fuentes als Teilnehmer der Aktionärsversammlung von Glencore im schweizerischen Zug an. Er wird vom Versammlungsleiter allerdings darauf hingewiesen, dass er nur eine Frage stellen dürfe und nicht ein Plädoyer halten. Da hätte man Fuentes vorher vielleicht briefen sollen, dass er sein Plädoyer in Frageform formuliert, vielleicht, „Sind Sie damit einverstanden, dass wir im Interesse Ihrer Aktionäre auf ein menschenwürdiges Leben verzichten sollen?“.

    Immerhin war der Konzern damit einverstanden, diese Sequenz im Film zu belassen. Sie dient nicht zu seiner Zierde. Die Grenze des Erfolges dieses Filmes im normalen Kinoprogramm dürfte in der Kurzatmigkeit des Schnittes begründet liegen, die wohl den koproduzierenden Fernsehanstalten geschuldet ist. Auch auf die Zwischentitel hätte ich gerne verzichten könne. Aber es gilt: für jeden deutschen Stromverbraucher sollte es Pflicht sein, diesen Film anzuschauen! Denn die Kausalkette, was wir mit dem Betätigen des Stromschalters in Deutschland im fernen Kolumbien bewirken, die wird in diesem Film erzählt. Jemand muss etwas ändern: Glencore muss fairer werden oder wir sollten beim Stromverbrauch sparen; bei letzterem kann jeder selber ansetzen, denn die Verbrennung der Kohle ist nach heutigen Erkenntnissen nicht im Interesse des Klimaschutzes.

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    Ein großartiger Artikel über all die digitalen Effekte, die in den letzten zwei Jahrzehnten immer leichter verfügbar wurden, technisch immer besser – und letztlich immer unglaubwürdiger. Warum? Hier lesen.

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    Selbestbespiegelung einer kulturellen Haute-Volée, die noch von New York als ihrem kulturell-intellektuellen Mekka träumt.

    Diese Selbstbespiegelung einer wächsern gewordenen (früher war die Zeit bleiern), elitären Gesellschaftsschicht ist von erlesenster Art. Sie wird sich jedoch wundern, dass ihr das Publikum nicht die Bude einrennt. So ging es eben Wim Wenders mit seinem ähnlich gelagerten Selbstbespiegelungsfilm Everything will be fine. Wenders kann, so war es in Presse zu lesen, überhaupt nicht begreifen kann, dass die Welt mit anderen Problemen beschäftigt scheint als mit dem seiner eigenen Befindlichkeit.

    So ist es hier bei Margarete von Trotta. Sie schildert eine exklusive Gesellschaftsschicht in exklusivem Setting und Kostüm, besetzt mit dem Besten was das deutsche Wachsfigurenkabinett an Stars herzugeben hat und inszeniert staatstheaterlich tragend, wogegen die Protagonistin, Katja Riemann ab und an etwa Flachs in die Sprache spinnt.

    Als Vorwand für diese Schilderung ihrer Gesellschaftsklasse, ihres intellektuell-künstlerischen Milieus erfindet von Trotta die Geschichte einer Familienerkundung und -zusammenführung, die über den Ozean bis New York reicht. Erzähltechnisch hat sie sich für eine wenig spannende Variante entschieden, die einen Konflikt erst am Ende findet, statt diesen als Motor zur Spannungserzeugung einzusetzen. Das zu monieren trauten sich die fördernden Gremien offenbar nicht, falls es ihnen überhaupt aufgefallen ist.

    Somit wirkt der Film wie eine Pfadfinderübung, eine Schnitzeljagd. An deren Beginn steht das Portraitfoto einer Frau. Aufgabe der Scouts ist es nun, herauszufinden, was es mit dieser Frau auf sich hat. Das wird aufklären darüber, dass es zwischen zwei Brüdern, von denen der zweite überhaupt erst sehr spät im Film als existent erwähnt wird, einen Konflikt gegeben hat und offenbar immer noch gibt. Wie zu guter Letzt ein Konfliktchen zwischen den beiden ausbricht, entwickelt dieses beim Publikum Kicherpotential.

    Die dramaturgische Entscheidung für die Schnitzeljagd und gegen den Konflikt als Motor, hat allerdings zur Folge, dass die Theaterei der Stars oft an die Grenze der Kindertheaterei geht. Oder Frau von Trotta hält ihr Publikum a priori für schwer von Begriff und meint, sie müsse in einer gewissen Überdeutlichkeit, bei aller dankenswerten Klarheit der Erzählung, inszenieren. Wobei erschwerend die Kamera von Axel Block hinzukommt (Frage eines Bekannten: Hat sie wieder einen so schlechten Kameramann, bei dem man immer die Bilder aus den Bildern herausschälen muss?).

    Matthias Habich, hier der Vater von Katja Riemann – da es sich um explizites, altmodisches Startheater handelt, brauchen uns die Rollennamen nicht weiter interessieren – hat im Internet (das ist einer der wenigen kurzen Einbrüche der Heutezeit in diesen Film, sonst werden wie im klassischen Drama Briefe aus Schatzkästchen und Schatullen hervorgekramt und anschließend wie bei ABC-Schützens vorgelesen) ein Foto von Barbara Sukowa entdeckt, die ihm sehr bekannt vorkommt.

    Die Schnitzeljagd geht jetzt so: Riemann wird von Habich nach New York geschickt, um dem Geheimnis dieser vertraut erscheinenden Person auf die Spur zu kommen. Da Sukowa eine Operndiva spielt, gibt es Anlass für phänomenale Opernstarfotos von ihr und auch einen Auftritt an der Met – hier darf Katja Riemann dann in Kindertheatermanier zu spät kommen und sich durch die erste Balkonreihe quetschend schleichend drängen und damit ein beliebtes Ärgernis des Kulturmenschen illustrieren; insofern auch ein kleiner Benimmfilm.

    Zu so einem wächsernen Selbstbespiegelungsfilm dieser gewissen Eliteschicht gehört im Zeitalter der Vergreisung auch mindestens eine Szene in einem feinen Altenheim. Hier handelt es sich um die „Magnolia Residence“ in New York, in der das Personal problemlos deutsch spricht und Karin Dor als Referenz an älteres, deutsches Starkino als Mutter von Barbara Sukowa in einem Rollstuhl Diva sein darf. Es gilt, verwandtschaftliche Bande zu erkunden.

    Da Katja Riemann offenbar Ambitionen als Sängerin hat, werden ihr mehrere Möglichkeit zu Gesangsauftritten gegeben. Wobei einer auch des Künstlers Scheitern thematisiert, aber selbstverständlich darf sie in New York bei einer Jazzband einsteigen. Mich persönlich erbaut dieser Gesang nun nicht gerade, mir scheint ihre Gesangsstimme entweder zu klein oder nicht frei genug. Aber das passt hervorragend zum Thema Selbstbespiegelung.

    Frau von Trotta ist auch überzeugt, dass ihr Publikum nach einer Liebesgeschichte schreit. So lässt sie Katja Riemann gleich am Anfang des Filmes den Freund verlieren, so dass sie in New York mit dem Opernagenten der Sukowa anbandeln kann; für die Sahne auf der schweren Torte ist somit gesorgt.

    Als eine Art Rahmenhandlung, offenbar um der Godardschen Forderung nach einem Beruf von Hauptfiguren zu genügen, verdient Frau Riemann nebst den bescheidenen Gesangseinkünften noch ein Geld als nichtreligiöse Hochzeitszeremonienmeisterin. Das schafft die Möglichkeit von Improszenen á la Schauspielworkshop.

    In der Welt, im Lifestyle der von Trotta fliegt man/frau einfach mal so mir nichts dir nichts nach New York. Diesem Lebensstilideal ist selbstverständlich auch der Doorman in New York Szene wert, als ob es sich um ein Tier im Zoo handle.

    Wachsfigurenkabinettveranstaltung. Erzählung, die auf viel zu breiten Füßen daher kommt. Das Startum, die Garderobenbesuche nach dem Konzert, haben ihren Auftritt. Eine Gesellschaftsschicht, in der eine Erkenntnis auch mal zu dem Satz führen kann: Ich glaub, wir brauchen einen Scotch.

    Ein Selfie der kulturellen High-Society, ulkig bis verwackelt.

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    „Get Hard“ heißt der Originaltitel dieses Filmes von Etan Cohen, der mit Jay Martel und Ian Roberts auch das Drehbuch geschrieben hat, was in etwa bedeutet, bekomme einen Steifen, im weiteren Sinne: Ficken (statt Geficktwerden).

    Ficken oder Geficktwerden, das ist das Thema, um das es geht. Die Guten, Braven, die werden gefickt. Das Prinzip sehr wörtlich im Knast. Und der droht Will Farrel als James. Er schwebt als etwas naiver, aber erfolgreicher Geschäftsmann ganz oben im „Wealth Drop Fund“. Er ist gerade dabei die Tochter seines Chefes, ein schlimmes Weibsstück, das ganz große Häuser braucht, zu heiraten. Den Chef Martin, gespielt von Craig T. Nelson, darf er jetzt Papa nennen, was James zu Tränen rührt, hat er doch nie so einen gehabt. Das ist ein Detail. Später wird man sehen, dass für das Ficken oder Geficktwerden familiäre Nähe eine förderliche Voraussetzung ist.

    Zur Verlobung erhält James eine fantasievoll gemusterte Gitarre, will mit einem Gitarristen, der extra engagiert worden ist, vor der feinen Gesellschaft spielen. In dem Moment taucht Polizei auf, verhaftet ihn. Ihm wird Untreue und Betrug an den Kunden vorgeworfen. Es geht um große Geldgeschäfte. Urteil folgt auf dem Fuße.

    Der Film arbeitet sich nur in perfekter Komödien- und Sitcommanier durch sein Thema anhand eines Zeitplanes. James verbleiben noch 30 Tage bis zum Antritt des Knastaufenthalts, der schlimmste überhaupt denkbare, St. Quentin. Er, der offensichtlich gefickt worden ist, denn er ist sich keines Unrechtes bewusst und er spürt, dass er reingelegt worden ist, von wem auch immer, will im Knast nicht der Gefickte sein.

    Wie es im Knast zu und her geht, schildert ihm drastisch sein schwarzer Angestellter, Kevin Hart als Darnell. Er malt das so plastisch aus, dass James sich entscheidet, ihn als Knastcoach zu engagieren für gutes Geld, um präpariert zu sein für das Gefängnisleben und um es unbeschadet zu überstehen.

    Durch dieses Trainingsprogramm werden die beiden zu ungleichen, schier unzertrennlichen Buddies, jeder mit klaren Schwächen gezeichnet, aber mit dem unbändigen Willen versehen, nicht mehr die Gelackeimerten zu spielen.

    James’ Oberschicht-Villa „Bel Air“ wird zum Übungsknast umfunktioniert mit Sicherheitszonen, Gittern, ärmlicher Liege zum Schlafen und mit vielen Hinweisschildern. Die beiden machen auch Feldforschung und queren dabei glaubwürdig dargestellte Regionen amerikanischer Vorurteilshafitgkeit, weiße Rassisten und nicht weniger rassistische Schwarze und auch das Schwulenmilieu, denn James soll auch das Cocksucken lernen, fehlt nicht. Allein diese Übungsszene in einem Clo… ein Fisch kann nicht komischer nach Luft schnappen…

    Ein harte Schule für die Akteure, bei der sie viel Dussel haben, fürs Publikum umso amüsanter, wenn ein Mensch lernen will, wenn er seinen Charakter verändern will, wenn er die Methoden der Übeltäter erlernen will und dabei fortwährend strauchelt.

    Wie nur noch 24 Stunden bis zum Antritt der Haftstrafe bleiben, nimmt der Film turbulente Wendungen, die zwar auch zum Knast, jedoch unter geänderten Voraussetzungen führen. James überlebt ihn, und wenn er „hard“ werden sollte, so half ihm schon, an seinen Knastcoach zu denken, gesteht er ihm später; was wiederum für manche Rassisten ein recht harter Brocken sein dürfte, dass ein Schwarzer einen Weißen stark macht. Die Buddies nennen sich nun Mayo und Chocolate.

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    Wer die Zukunft vorhersagen kann, der hat den anderen Menschen etwas voraus und kann damit ein Geschäft machen als Kartenleger oder Meteorologe, erst recht aber als Börsenguru.

    Wer als Börsenguru reüssiert, der kann reich werden und sogar zu einer Gefahr für große Finanzkonglomerate, die undurchsichtige Geschäfte tätigen, und die hinterlistig zurückschlagen.

    Von so einem beklemmenden Schicksal, von Martin Armstrong, berichtet diese Dokumentation von Karin Steinberger, die mit Marcus Vetter (Cinema Jenin, The International Criminal Court) auch das Drehbuch geschrieben hat.

    Martin Armstrong hat schon als Bub sein Faible fürs Geld entdeckt. Nach jedem Einkauf musste die Mutter ihm die Münzen zur Begutachtung überlassen und viele wurden in seine Sammlung gesteckt. Mit dem Sammeln fing das Geschäften an und das Interesse für die Geschichte des Geldes, die Zyklen von Geldentwertung und Staatspleiten, das Interesse dafür, dass Staaten zwar immer Geld leihen, es aber nie zurückzahlen.

    Von den Münzen stieg er aufs Börsengeschäft um und betrieb es mit wissenschaftlicher Akribie, mit genauem Studium der Zyklen. Er hatte riesigen Erfolg damit. Seine Firma Princeton Economics war weltweit tätig mit 240 Beschäftigten. Armstrong war ein großzügiger Chef, das erzählt sein ehemaliger Münzhändler, was Armstrong kurz vor Festtagen für seine Leute noch gepostet habe.

    Die Firma war so mächtig und erfolgreich, dass ein dubioses Finanzkonglomerat um die Republic Bank in New York und den später unter ungeklärten Umständen in Monaco in seinem Appartment verbrannten Banker Safra sich für Armstrongs Datenbank interessierte, was dieser ablehnte. Das ist ihm nicht gut bekommen.

    Auch FBI und CIA interessieren sich für ihn. Plötzlich steht er unter Anklage wegen eines Ponzi-Schemas (Schneeballschuldensystem), was er nie betrieben hat, es gibt Hausdurchsuchungen und weil er seinen Laptop mit den unknackbaren Daten nicht herausrückt, kommt er in Beugehaft, die immer wieder erneuert wird, bis er einen Deal mit Schuldgeständnis eingeht. Und endlich freikommt.

    Heute ist er zwar deutlich gezeichnet, aber ungebrochen, hat seine Firma wieder gegründet, füllt die Sääle mit seinen Vorträgen und hat 2014 vorausgesagt, dass der Schweizer Franken seine Bindung an den Euro über kurz oder lang aufgeben werden. Was er Mitte Januar 2015 auch prompt getan hat.

    Das Problem der selfulfilling Prophecy wird auch angesprochen. Bei einem von ihm vorausgesagten Kursrutsch stellte sich heraus, dass dieser durch einen seiner Anhänger ganz allein aus dem Glauben auf die Vorhersage herbeigführt worden ist.

    Die Zukunft ist das Reich der Spekulation. Insofern bringt der Film auch Einblicke in eine riesige, weltumspannende Gerüchteküche, er bringt Vermutungen neben Statistiken und Zeichnungen, Statements von Wegbegleitern und Juristen, News und privates Homevideomaterial und rührt damit brisante Themen anregend an.

    Ob Armstongs düstere Vorhersage des Kollapses des gesamten Finanzsystems am 1. 10. 15 eintrifft, da können wir gespannt sein – und vielleicht schon mal Vorkehrungen treffen. Die gigantische Gelddruckerei nicht nur im Euroraum, ohne dass die Volkswirtschaften entsprechenden Mehrwert schaffen, wird nicht ohne Folgen bleiben. Die Crashwarnungen mehren sich.

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    Die polnischen Filmemacher Joanna Kos-Krauze und Krzystof Krauze muten dem heutigen Zuschauer mit ihrem extensiven Bilderbogen über das Leben der Roma-Dichterin Bronislawa Wajs einiges zu. Sie versetzen sich in ihrer Erzählweise ganz in die Roma-Mentalität, die sich mit dem Thema literarische Berühmtheit, lieterarischer Durchbruch schwer tut.

    Die sind nicht so naiv westlich und gehen gleich in die Knie, wenn einer in die Zeitung kommt. Sie fühlen sich sogar verraten. Sie verstoßen die Dichterin, die plötzlich öffentliches Ansehen bekommt. Sie wird wahnsinnig. Sie will die Bücher nur noch verbrennen. Denn für sie sind die Gedichte nicht anderes als Handlesen, eine der Brotkünste ihrer Sippe.

    Die Roma haben andere Werte als wir Sesshaften. Schon das Lesenlernen von Bronislawa war ihnen suspekt. Aber weil sie es getan hat, hat sie sich von einem bürgerlichen Flüchtling, der für zwei Jahre bei ihrer Familie untergekommen ist, überreden lassen, ihre Gedichte aufzuschreiben und sie ihm anzuvertrauen. Er hat für die Veröffentlichung gesorgt. Auch hat er selber ein Buch über die Roma in Polen geschrieben.

    Der Film ist ein harter Brocken insofern, als er nicht in westlicher Abhakmanier Punkt für Punkt im Leben der Autorin erledigt. Er ist in exzellenter schwarz-weiß Fotografie, von der man jedes einzelne Bild für eine Ausstellung verwenden könnte, gemacht, springt ungeniert hin und her zwischen dem Geburtsjahr der Dichterin, 1910, und 1925, 1939, 1945, 1949 und 1971, wo sie aus dem Gefängnis entlassen wird, weil sie ein Huhn gestohlen hat. Denn ihrem Mann schmecken nur die gestohlenen Hühner. Eine Philosophie (Klauen und Wahrsagen), die dem sesshaften westlichen Kulturkonsumenten wenig schmecken dürfte.

    Der Film berichtet wie in Echt-Zeit ausgiebige Szenen. Dabei sind die biographischen Informationen über die Dichterin spärlich gestreut.

    Es ist eine breite, penible Schilderung des Lebens der Roma, wie sie immer wieder unterwegs sind mit ihren Wagen, wie verschiedene Sippen zusammenkommen und sich wieder trennen, wie sie anfangs des letzten Jahrhunderts angesehen waren als Musiker, die in feinen Gesellschaften zum Tanz aufspielen durften, wie sie in der Nazizeit verfolgt wurden, wie es Versuche gab, sie sesshaft zu machen (was ihnen nicht bekommen ist; gegen Krankheiten, die durch feuchtes Gemäuer verursacht werden, versagt selbst das Allerweltsheilmittel „Himbeere“), wie nichts ihre unbändige Lebensfreude, ihr Freiheitsgefühlt und das Musizieren bremsen kann.

    Eine schöne Szene zeigt, wie die Familie Wajs eine Harfe per Boot angeliefert bekommt. Der Film ist ein eindrückliches Sittengemälde der polnischen Roma. Er wirkt authentisch. Die Darsteller mit Sprechrollen mussten, so das Pressematerial, in einer langen Vorbereitungszeit, Romes sprechen lernen.

    Wie ein Stück für ein Museum – das man unbedingt besuchen sollte.

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    Eine richtig schöne, traditionelle Seeräuberstory. Die Abenteuer- und Selbstbeweisgeschichte von Pinky. Der ist ein wundervoller Junge, so kurz vorm Explodieren der Pubertät, in diesem großartigen ephebenhaft Schwebezustand vor der geschlechtlichen Differenzierung. Sein Vater sei tot, wurde ihm erzählt. Jetzt möchte er der Schiffsjunge beim richtigen Seeräuber Säbelzahn und seiner Mannschaft werden. Dazu müsste er die Feuerprobe bestehen. Aber er kann nicht mal schwimmen. Seine Freundin Ravn will es ihm beibringen, so wie sie es von ihrem Vater beigebracht bekommen hat, sie wirft ihn einfach ins Wasser.

    Zur Feuerprobe kommt es allerdings gar nicht erst. Denn während der Vorbereitungen zum Auslaufen der „Dark Lady“, wie das stattliche Piratenschiff heißt, wird dieses von mickrigen, ungepflegten Kerlen um den Barschen Björn geklaut, von runtergekommenen Seeräubern ohne Stolz. Pinky wird von ihnen gefangengenommen.

    Ein nettes Äffchen, dem Pinky vorher die Freiheit geschenkt hat, kann sich somit revanchieren, ihn befreien und damit den Weg frei machen für seine erste Heldentat. Er kappt die Segel der gestohlenen „Dark Lady“ und ermöglicht so den Verfolgern, die den Jammerkahn des Barschen Björn für die Verfolgung nehmen müssen, Björn und seine Spießgesellen von der „Dark Lady“ zu entfernen.

    Jetzt können sie Kurs nehmen auf Lama Rama, das exotische Reich von König Rufus mit seinen sagenhaften Reichtümern. Hier kommt es zu herrlichen Mantel- und Degenkämpfen, zu verschiedenen Gefangennahmen, nicht zu vergessen die Hofintrigen des schwer festzunagelnden Bruders von König Rufus, Prinz Badal.

    Bald schon mischen in dem Kampf um den Schatz auch die langhaarigen Kerle um den Barschen Björn mit. Die Kämpfe sind zwar heftig, auch die Kanone wird ab und an eingesetzt, nie aber realistisch blutig. Es ist immer ein Spiel. Jeder Mitspieler versucht, seiner Rolle einen Charakter zu geben, damit sie erkennbar und unterscheidbar bleibt und so ihren Teil zur Entwicklung der Dinge beitragen kann.

    Am Schluss dürfen die Piraten mit dem Wohlwollen von König Rufus, den Pinky aus den Fängen seines verbrecherischen Bruders gerettet hat, mit der Königsperle glücklich nach Hause segeln.

    Das Geheimnis der Königsperle, das ist vielleicht das Humorgeheimnis dieser erfrischend unvoreingenommenen Filmproduktion aus Norwegen, die allerdings mit fetter Filmmusik nicht spart und auch nicht vesteckt, dass sie sich hat von „Pirates of the Caribbean“ konventionell und doch individuell inspirieren lassen. Sicher als Vorstufe für den Johnny Depp Film zu empfehlen. Denn die Erzählweise geht behutsam Schritt für Schritt und gut nachvollziehbar gerade für die Jüngeren voran.

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    Wer hat das jetzt wieder zu verantworten? Dass einmal mehr Zwangsgebührengelder (arte und ZDF Kleines Fernsehspiel), jede Menge Filmfördergelder, viel Humankapital und Künstlerpotential, Zeit und Energie für einen Film aufgewendet worden ist, der im Kino kaum Papp machen wird, der irgendwann im Spätprogramm des Fernsehens versendet wird und der allenfalls auf einige Festivalteilnahmen unter „ferner liefen“ kommen dürfte, über den sich niemand groß unterhalten, der keine Diskussionen auslösen, noch von der Kritik wirklich beachtet wird.

    Ein Produkt und Aufwand für nichts und wieder nichts. Heiß gekocht und kalt gegesssen schmeckt dieser Film von Sonja Heiss nicht besonders. Das alte Lied: ein Themenfilm. Wobei das Thema schwammig bleibt. Mit einem narrativen Faden, der so brüchig gesponnen ist, dass er nicht die leiseste Spannung erzeugen kann, so dass einem die gut 90 Minuten wie eine Ewigkeit vorkommen.

    Was die Regisseurin, die auch das Drehbuch geschrieben hat, einzig zu interessieren scheint, das ist die improvisatorische Arbeit mit den Schauspielern. Der Film wird somit zu einer Aneinanderreihung improvisierter Szenen von Schauspielern in durchgehenden Rollen. Familie spielen. Eine Frau spielen, Laura Tonke als Heidi Schneider, die unter einem Realitätsverlust leidet und diesen medikamentös behandelt und die sich am Ende des Filmes eine Minute Glück mit ihrem Mann, Hans Löw als Uli, in einem Waldstück an einem finnischen See wünscht. Das wird dann auch noch dargestellt; das ist nicht ohne Reiz, eine Arte Schweigeminute im Kino zum Schluss.

    Aber es kommt überraschend, denn richtig unglücklich schien das Paar nicht. Das hat diese Schwierigkeit mit Heidi. Sie ist mit Alltagsproblemen absorbiert. Den Alltag glaubwürdig zu schildern, das versucht der Film merklich. Schon von Beginn an, mindestens von der zweiten Szene an, nachdem Heidi ellenlang durch eine nicht näher identifizierbare deutsche Großstadt mit nicht näher identifizierbarer Haltung geradelt ist und in einem Hochhaus in einen Lift steigt, in dem sie dann stecken bleibt, real, als fettes, fingerzeigdickes Symbol für ihre Lebenssituation.

    Das ist wie ins kalte Wasser gesprungen. Auch schauspielerisch. Das wirkt wie eine Übung. Wie aus einem Workshop. So geht es einen langen Film lang weiter. Es gibt Szenen mit ihrem Nachbarn im Büro, Herrn Schild. Sie benutzt seine Kaffeetasse. Daraufhin stellt er sich, das erfahren wir aus Erzählungen, eine Stunde aufs Fensterbrett und droht sich zu suizidieren.

    Ihr Mann Uli, der fabelhafte Hans Löw, arbeitet als Berater von Schwerhörigen und gestikuliert glaubwürdig in Gebärdensprache. Später wird er mit einer Frau, der er hilft, eine Affäre haben.

    Einmal gibt es eine Auseinandersetzung zwischen Heidi und ihrer recht klotzigen Mutter (ein Hinweis auf den Charakter von Heidi?). Es gibt Gespräche mit dem Psychologen. Es gibt ein Anti-Angsttraining im Sperrengeschoß einer U-Bahn, dabei Mehrfachverwendung von Komparsen. Es gibt eine Szene mit einem Bratkartoffelsong.

    Heidi nimmt viel zu viele Medikamente. Heidi geht in eine Tierhandlung und kauft einen Hasen. Uli soll wegen dem Job nach Norwegen umziehen, weil das ein Koproduktionsland ist.

    Ach, das ist alles so hirnig, so kopfig, so wenig kinowirksam. Haben denn Christian Cloos /ZDF- Das kleine Fernsehspiel), Doris Hepp (ZDF/ARTe) und Georg Steinert (arte) das Drehbuch überhaupt nicht gelesen? Dito die verschiedenen Förderer? Oder wären sie wenigstens in der Lage, uns, den Zwangsgebührenzahlern, zu schildern, was daran so förderungswürdig schien, und wieso das Endprodukt so wenig funktioniert?

    Schön ist die Frage des Buben, „wann sterbt ihr eigentlich?“.

    Ich frage mich, warum mich der Film Still Alice so fasziniert hat. Vielleicht weil hier konsequent und absehbar ein Krankheitsverlauf geschildert wird. Während bei Heidi Heiss die Krankheit weitgehend dubios bleibt. Auch weiß man bei Heidi nicht so recht, ob sie möglicherweise einen Schaden hat, zumindest was die Auswahl ihrer Kleidung betrifft, immer so was von geschmäcklerisch daneben, aber dieser Charakterzug wird dann doch nicht in die Rolle eingearbeitet, manchmal erscheint sie ein bisschen wie eine Trutsche, ein Dummchen.

    Dann wirkt der Film wieder wie ein Produkt aus einer geschützten Werkstätte – und die geben sich alle so Mühe. Nur ist das Produkt nicht markttauglich.

    Frage: wie kann man ein Feststecken kinematographisch spannend gestalten, die Frage hat sich Sonja Heiss nicht gestellt.

    Zuschauerwohlwollen vermag der Film am ehesten durch den hingebungsvollen Einsatz der Darsteller zu generieren, sie sind voll bei der Sache, geben ihr Bestes, versuchen zu verstehen zu geben, dass sie vom Projekt überzeugt sind. Der Film mag aber nicht zu faszinieren durch allfällige Konflikte, die die Figuren bewegen. Die Frage ist immer: wie lösen sie die Aufgabe, diese und jene Szene zu spielen und nicht, wie reagiert eine so und so charakterisierte Figur auf eine neue Situation, die Konflikte in ihr auslöst; also das, was dramatische Spannung erzeugt, mittels welcher der Film eine Position, ein Message verbreiten kann.

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    Vielleicht war das nur so eine spleenige Idee von Alan Rickman, wie es einem britischen Adligen einfallen könnte, ach, jetzt machen wir mal so eine richtig schöne Schnulze, eine träumerisch-traumhafte Schäfergeschichte, eine Liebesgeschichte an einem Königshofe, keine Schäferliebe sondern die Liebe zwischen einer Gärtnerin und dem französischen Sonnenkönig.

    Das macht doch einfach Spaß, den König zu spielen, anno 1682 Louis XIV, den Sonnenkönig. Und wenn ich Kate Winslet als die einfache Gärtnerin, die eine hochkomplexe Kaskade in den Gärten von Versailles bauen soll, dazu nehme, dann ist ein Schauspielerfest unausweichlich programmiert.

    Um uns herum sortieren wir noch Leute nach und mit Gusto: Helen McCory als Madame Le Notre, die intrigante Gattin von André, Jennifer Ehle als Madame De Montespan, Stanley Tucci, Matthias Schoenaerts als André Le Notre, den Obergärtner und viele, viele andere.

    Wir inszenieren und filmen schöne Kutschenfahrten, bauen ein Reduit für den König, wo er unter anderer Identität in der Natur und zwischen seinem Obst meditieren kann, wo es zu einer ersten, geheimnisvollen Begegnung mit der Gärtnerin kommen soll.

    Wir stellen der Geschichte eine ausgiebige Bewerbungsszene für die Stelle eines Gärtners voran; es ist reine Wonne zu zeigen, wie bescheiden Kate Winselt als die Gärtnerin Sabine de Barra wohnt. Nicht weniger als die Aufzüge am Hofe, die Arbeiten an der Kaskade mit viel Dreck und einem Sabotageakt, der für Sabine sehr gefährlich wird, wie einige hochdramatische Szenen zeigen, als Resultat der Intrige eines missgünstigen Kollegen; zum Glück gibt es nicht nur solche.

    Das macht Spaß pur und wenn es nur Spleen ist, dann umso mehr, Höfisches zu spielen und höfisch zu artikulieren, speziell Alan Rickman, welch königliche Pausen er sich erlaubt, welche leise, zögerliche Artikulation.

    Und – Pikanterie höchstkultiviert – die Andeutung von Liebesaffären; aber auch die gepflegte, weltfremde Langeweile zu zeigen ist reizvoll; diese künstliche, diese abgehobene Welt.

    Es ist wie eine Aschenputtelgeschichte, ein Märchen im milden Glanze des Lichtes des Sonnenkönigs, so eine Geschichte zu erzählen, heute zu erzählen, wirkt vielleicht snobistisch, fast muss man angesichts des Elendes auf der Welt ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man so etwas genießt, wie ein Diabetiker, der sich ein Tortenstück leistet, sündigen – ein bisschen. Denn der Hunger nach Liebe erlischt nie, auch nicht in Versailles.

    In der Geschichte von Sabine de Barra gibt es durchaus dunkle Momente, wie Rückblenden zeigen. Klar ist auch, dass so eine Romanze mit schönen Bildern glücklich enden muss. Wie hinreißend Alan Rickman und sein Team die Geschichte erzählen, wird einem vielleicht erst bewusst, wenn man aus dieser Traumwelt im Kino wieder hinaus in das hektisch verbiesterte Leben einer deutschen Stadt von anno 2015 tritt.

    So wars doch wenigstens ein lässlicher, schöner Eskapismus. Die Spleenhaftigkeit des Unternehmens wird noch unterstrichen dadurch, dass konsequent britisches Englisch gesprochen wird an diesem französischen Hofe. Allein das.

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