Spaß am Design und der Interaktion von Mechanik, High-Tech und Comic auf urmenschlichem Substrat.

    Die Hybris der Macht und der Traum vom Heldentum im Zeitalter hochtechnisierter Möglichkeiten als greller, fröhlicher Comic mit cross gezeichneten Karikaturen von Figuren – und sehr, sehr menschlich, für s Popcorn-Kino zubereitet ohne anbiedernde Gefühsduselei.

    Das einzige Anrührelement ist ein Teil der Gesichtspartie unseres Protagonisten Ratchet, der ein kleiner Raumfahrzeugmechaniker ist und auch ein solches Teil fährt im Design einer schönen amerikanischen Limousine der 60er, romantisch angehaucht. Ratchet erinnert mit seinen Hasenohren und dem pfiffigen Blick nur leicht an süßliche Animationsfiguren, aber wirklich nur als Zuckerguss, bestens dosiert; dagen wirkt sein kleiner Roboterfreund Clank, der ihm eines Tages zufliegt, wie ein Knallbonbon.

    Clank verhilft Ratchet, den Traum zu erfüllen, ein Ranger im Team des im Vergleich zu ihm monstergroßen Qwark zu werden. Das Casting für die Neubesetzung ist zeitgemäß im Trend solcher Shows mit den entsprechenden Jokes.

    Die Mannschaft von Qwark ist gerade gefordert, weil in ihrer Galaxie Drek und seine Firma Drek Inustries pausenlos Planeten zerstören, man weiß nicht wieso, bisher gottlob nur unbewohnte. Drek muss in seine Grenzen gewiesen werden. So ist die Ausgangsbasis für die Story gut gelegt.

    Nicht dass sie sich überraschend anders entwickelte als vergleichbare Geschichten, die Hindernisse, die sich auftürmen, gar der Verrat von Qwark; sind aber alle überwindbar.

    Was sie trotzdem schauenswert macht, sind die zeichnerischen Mittel, die Figurcharakterisierung nach dem Buch von T.J. Fixman, Kevin Munroe und Gerry Swallow und in der Regie von Kevin Munroe und Jerrica Cleland, die begeistern. Die lustvolle Gestaltung macht sogar in 3D Spaß macht, krasse Bildwelt. Dabei sind die Figuren und deren Interaktion solide geerdet im anthropogenen Bereich und das durchaus humorvoll. Es überträgt sich der Spaß der Zeichner am Entwurf der Figuren, der Fahrzeuge, der technischen Möglichkeiten von Waffen aller Art, am Design der Planeten, der Städte, die teils an Luc Bessons „Das fünfte Element“ erinnern, wenn in mehreren Etagen übereinander die Verkehrsmittel durch die Luft kurven, die den Zuschauer unterhaltsam mit eintauchen lassen in diese Spielzeugwelt, die leichter beweglich und fantasievoller ist als jede reale Welt, aber doch mit ihr verbunden bleibt.

    Qwarks Vorname lautet: Kopernikus. Roboter- und Industriewelt, mechanische und Computerwelt bis zur Täuschung mittels Hologramm oder kleinlicher Hickhack wegen Autogrammneiderei.

    Eine Welt, in der es Magnetfeldgeneratoren gibt, Kampfanzüge in Trendfarben, Schubdrüsen, den Schafinator, aber auch Gartenzwergroboter und Deplanetisationsschub genau so wie Comicfiguren mit Stimmungsschwankungen oder einen Job mit Heldentumsschwerstarbeit aber auch das Problem mit dem Selbstmitleid.

    Die deutsche Synchro hat sich vom Spaß an der Sach und der Leichtigkeit anstecken lassen und den ganzen Frotzeleien. Gut feierabendverdaulich auch, weil zwar voller Leben und Gags und Jokes und Action, und Listen, aber keinesfalls überladen oder overeffected, nicht gesteuert von der Panik vor der Lücke sondern vom Spaß am Comic. Die Ballereien, die trotzdem vorkommen, wirken nicht bedrohlich, sie sind klar als Lust am Spiel erkennbar, als Gedankenspiele, Gedankenwunsch- und machtspiele und des Austricksens des tierischen Ernstes dabei.

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    Der dritte Schweizer Bergfilm in kurzer Zeit, der in die deutschen Kinos findet, nach den Kinderfilmen Heidi, die auf den schnellen Massenkonsum spekuliert hat und Schellen-Ursli, der großen, individuellen Berg- und Gerechtigkeitsgeschichte, legt jetzt Simon Jaquement mit einer Pubertätsstory nach.

    Jaquement interessiert nicht die Großartigkeit und Schönheit der Berglandschaft, er hält unseren Geist auf Trab mit pausenlosem Hämmern von Thesen zum Thema Erwachsenwerden, Widerstand, Weltverachtung, Wertlosigkeit, Ziellosigkeit. Es gibt viele Fragen zu stellen, ist dieser Befund heutiger Jugend typisch Schweizerisch, Einzelfall oder Symptom?

    Die Eingangsszene deutet auf den Symptomcharakter hin: gelecktes Mittelstandsmilieu, ein Esszimmer, das nur so strotzt vor gesichtslosem Design, ein Vater und ein Sohn, die appetitlos einander gegenübersitzen, ohne sich was zu sagen zu haben. Der Vater weiß nicht weiter mit dem Sohn, der voll in der pubertären Sinn- und Identitätskrise steckt, der dealt und sich mit seinen 16 Jahren Nutten aufs Zimmer holt, die sich als seine Freundinnen ausgeben müssen.

    Matteo, so heißt der Protagonist, wird fabelhaft dargestellt von Benjamin Lutzke, einem Straßencast, einer Entdeckung, der voll diese Verzweiflung und Sprachunfähigkeit und auch dass er schon einiges hinter sich hat, zum Ausdruck bringt, ein Blickfang mit seiner blonden Mähne mit den blauen Strähnen drin.

    Matteo ist beschenkt mit einem Berg von Frau als Mutter, die gerade noch einen Buben zur Welt gebracht hat. Just wegen ihr stellt sich gegen Schluss die Frage, ob es sich doch eher um einen psychologischen Einzelfall von Elternpaar handelt.

    Die überforderten Eltern schicken ihren Buben, den Mutter liebevoll „Füchslein“ nennt, in ein Bootcamp auf eine Alp. Erneut stellt sich die Frage, Einzelfall oder Symptom, denn Hanspeter, Ernst Sigrist, der die Jungs Anton (Ste) und Dion (Sascha Gisler) und das Mädchen Ali (Ella Rumpf), das sich wie ein Mann benimmt, betreuen und beschäftigen, die Kids durch harte Arbeit bessern soll, ist Alkoholiker, hat die Sache nicht im Griff. Die Kids aber ihn und den Neuankömmling Matteo auch.

    Es entwickelt sich eine aggressive Herrschaft der Kids. Das Aufnahmeritual für Matteo in die Gang ist grausam. Erst muss er den Hund spielen und dann in einer Aktion, die den Atem stocken lässt, auf dem Mast einer Seilbahn freihändig den Schlüssel holen, mit dem sich die Hundekette lösen lässt. Jetzt ist er aufgenommen und der Film kann sich wilden Ausflügen der Bande ins Tal zu Räubereien, Abfackeleien und Ausleben zügelloser Zerstörungswut widmen, Bootcamp auf Schweizerisch, Einzelfall oder Symptom?

    In den ungelösten Vaterkonflikt von Matteo greift die Bande auf dessen Vorschlag mit brutalen und wenig diskursiven Mitteln und blutigen Folgen ein.

    Es gibt rare Momente von Gesprächen unter den jungen Menschen, wo einer herkommt, über Muschi und schwul, Perspektivlosigkeit, und ein Hauch von Vertrauen, welcher sich im Bezug zu einem jungen Zicklein ergibt, fast zu süß um wahr zu sein. Nach der Rückkehr in die Stadt haut Matteo wieder von zuhause ab begibt sich wieder auf die Alp. Die ist verlassen, er ist allein, schaut sich die mickrigen Gebäulichkeiten an und wir fragen uns, ob er jetzt eine Entwicklung durchgemacht hat oder nicht.

    Subtil ist der Film nicht. Das will er auch nicht sein, er will krass sein, denn Pubertät ist eine heftige Angelegenheit.

    Jugend ohne Werte. Trotzdem, bei aller Gesetzlosigkeit, dem Sich-wie-von-Sinnen-Ausleben: die Angst vor der Polizei, die ist noch da; innerhalb dieses Rahmens befinden sich die Jugendlichen im „Chrieg“, im Krieg, womit demTrash noch Grenzen gesetzt sind; ein Rest an Autoritätsglauben scheint in der Schweiz bei den wildesten Exzessen gewahrt – Symptom oder Einzelfall?

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    Sanft beschwingter Saudi-Arabien Trip mit Tom Hanks in der Regie von Tom Tykwer, der einen Roman von Dave Eggers zum Drehbuch umgeschrieben hat und mit Frank Griebe an der Kamera.

    Für die Firma Reyland soll Hanks als Alan Clay und mit kleiner Mannschaft ein holographisches IT-System für eine in der Wüste aus dem Boden zu stampfende Traumstadt dem König präsentieren und womöglich den Zuschlag erhalten, für die Kings Metropolis of Economy and Trade, kurz KMET.

    Über Alan erfahren wir, dass seine Ehe auseinander ist, dass er Probleme hat, die Uni für seine Tochter Kitty zu finanzieren, dass er mit seiner Firma Schwinn der chinesischen Konkurrenz erlegen ist und Hunderte von Angestellten entlassen musste. Schließlich entdeckt Alan in Saudi Arabien, dass sich bei ihm am Rücken eine große Geschwulst gebildet hat.

    Nicht dass Hanks auch nur ansatzweise unter all dem leiden würde. Er hängt sich rein wie eh und je in Rolle und Job, leicht knautschgesichtig, voller Elan selbst, wenn er Antriebslosigkeit, Jet-Lag, Kater und Übernächtigung mimen muss.

    Die Rücken-Geschwulst, eine Wucherung, ein Lipom, entwickelt einen erotischen Charme insofern, als sie von einer saudischen Ärztin behandelt wird; womit sich eine pikante Beziehung anbahnt, die unserer Vorstellung von den Sitten in dem streng reaktionär religiösen Land akkurat entgegenläuft, die gar droht, in westlich gepflegte Langeweile auszuarten.

    Alan und die Ärztin trinken, sie schnorcheln gemeinsam, sie nur mit einer Shorts bekleidet, damit die Nachbarn in der großzügigen Umgebung aus der Ferne von den beiden ähnlichen Rücken auf zwei Männer schließen.

    En passant werden die täglich passierenden, öffentlichen Hinrichtungen erwähnt.

    Die Baustelle in der Wüste bietet kafkaesk-absurde Situtionen. Keiner ist zuständig, keiner weiß was, ständig wird Alan vertröstet, seine Mitarbeiter sitzen in einem klimatisierten Wüstenzelt hinter ihren Computern, arbeitsunfähig, da kein WLAN-Anschluss da ist.

    In einem Hochhaus, in das Alan einmal beordert wird, entdeckt er eine Illustration des Satzes, den ihm sein Fahrer vorher zitiert hat, dass es in Saudi-Arabien keine Gewerkschaften gebe, man habe Filippinos.

    Die Lage scheint aussichtlos, der Firmenboss in Amerika wird immer nervöser, nichts tut sich, träger Fatalismus macht sich breit, die Geschwulst muss wegoperiert werden – und dann, siehe da, auf einmal ist wie durch ein orientalisches Wunder alles organisiert und die holographische Präsentation kann stattfinden und erntet das Wohlwollen des Königs.

    Der Film bietet eine schöne Plattform und starke Wüstenbilder für eine Audi-Präsentation.

    Viel Geld kommt aus deutschen Fördertöpfen und im Abspann finden sich jede Menge deutscher Namen, vor allem aus der Postproduktion; gedreht worden ist nicht nur in Saudi-Arabien sondern auch in Marokko, in Berlin und in Boston.

    Es lassen sich viele schöne Details genüsslich nacherzählen. Der Film wirkt wie eine Erkundung, wie sieht es aus in diesem Land, das von dem Spagat zwischen religiöser Rigidität und Scharia einerseits und dem Reichtum, den westlichen Sitten und technischen Errungenschaften andererseits schier zerrissen und aufgerieben wird.

    Keine Bange, der Blick von Tykwer, und so ist es eben doch ein typischer Tykwerfilm bei all der Internationalität der Produktion, ist liebevoll, neugierig, nicht selten schalkhaft unter Ausschluss jeglicher Verbiestertheit, wozu ein Tom Hanks seinen angemessenen Anteil beiträgt. Insofern bleibt der Westen unter sich.

    Allein die Vorstellung, dass Alan als gescheiterter amerikanischer Unternehmer sein Lebens- und Liebesglück in Saudi Arabien findet, darauf muss man erst mal kommen. Und wenn das kein Symbol ist: kein Stuhl, keine Bank, auf die Hanks sich setzt, ist gegen den sofortigen Zusammenbruch gefeit.

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    Einen schönen Bären binden uns die Gebrüder Guillaume und Stéphane Malandrin in feinstem, belgisch-skurril-philosophischem Stil auf.

    Dabei erzählen sie unterhaltsam über ein Leben mit Verlusten, mit entgangenem Gewinn und Erfolg und überhaupt, dass das Leben eine Reise sei, die nicht unbedingt den geplanten Verlauf nimmt, da gerne etwas dazwischen kommt und der Weg mit teils wechselnder Besetzung den Sinn ausmacht, auch wenn man nicht im Zug nach Montreal sitzt, obwohl man dorthin möchte; es gibt auch andere, lohnende Destinationen, die schönere Locations zum Verstreuen der Asche bieten als das eigentliche Konzertreiseziel L.A.

    Nach L. A. will die Altrockband „Grand Ours“ (Großer Bär) zum Auftakt ihrer internationale Tournee von Brüssel aus aufbrechen.

    Pläne sind eines, das Leben ist ein anderes. Der Tod lauert überall und kann ganz unerwartet und unspektakulär eintreten. Den Sänger der Gruppe hat es kurz vor der Abreise erwischt. Spektakulärer allerdings und bedrohlicher als der Tod von Jipé war, dass er nach dem letzten Konzert keine Stimme mehr hatte – mit tragischen Folgen.

    Die Gebrüder Malandrin entwickeln ihre Geschichte step by step, ganz konkret. So öffnen sich ständig Fallen des Alltags. Wenn einer tot ist, braucht es eine Beerdigung. Wobei sie nicht nach realistischem Muster einen Handlungsablauf erklärenderweise aufbauen, aber die Szenen entstehen aus konsequentem Denken heraus. Wo eine Beerdigung stattfindet, kann etwas schief gehen, denn auch so eine Veranstaltung liegt in den Händen von Menschen. Und die machen Fehler. Es können Särge vertauscht oder Abdankungstermine durcheinander gebracht werden. Ist ganz logisch. Und selbstverständlich. Und glaubwürdig.

    Und logisch ist das Chaos, was die vergeblich angereiste Trauergesellschaft auslöst. Denn die ist zwingend durch deren Charakterisierung mit all diesen alten, bärigen Typen, die joviale Souveränität ausstrahlen, die besagt, dass man nicht daran denke, sich gewisse Dinge gefallen zu lassen.

    Schon gar nicht eine Urne, die schon weg ist. Und dass eine Rockband trotzdem würdig Abschied nehmen möchte, den Kollegen in Aschenform mitnehmen möchte auf die Tournee. Ganz verständliche Wünsche. Aber dazu muss man die Urne erst mal haben.

    Die Wiederbeschaffung verbinden die Gebrüder Malandrin mit einem Motorradausflug zum eleganten Haus eines erfolgreichen Schlagersängers. Bei dem steht die Urne auf dem Flügel. Nebenbei sehen wir, was für ein tolles Haus der sich leisten kann mit seiner von den Rockmusikern verachteten Süßmusik, riesige Glasfront, der Rest des Hauses mit Grünzeug überwachsen. Der Sänger sitzt am weißen Flügel, auf welchem die Urne steht, und spielt und singt. Es folgt Urnenwiederbeschaffungs-Action, die muss solche Architektur aushalten, ist ja nur eine zerborstene Glasscheibe.

    Dass es beim Zoll Schwierigkeiten geben würde, ist abzusehen.

    In so einer verschworenen Männergesellschaft, die durch die Musik intensiv ist, wie die Eingangsszene zeigt, hat der eine oder andere durchaus seine Geheimnisse. Und wenn einer stirbt und es taucht plötzlich ein Nato-Soldat namens Dany auf, den ein solches mit dem Verstorbenen verband, so geraten die anderen ins Grübeln ob des posthum gelüfteten Geheimnisses.

    So wird es ein wundervoller, überraschungsreicher Weg werden, bis sich das Rätel der Eingangsszene löst: die Erzählung eines alten Innuit von seiner Beeindrucktheit über Pete Best, der der erste Schlagzeuger der Beatles gewesen ist, aber kurz vor deren Durchbruch ausgetauscht wurde und der den Rest des Lebens als Bäcker gearbeitet habe, die Weltkarriere verschenkt.

    Dieses Statement war der Anlass für die vorliegende Gründelei, Tüftelei der beiden belgischen Brüder, für den nahrhaften Bären, den sie uns mit dieser Story wohlgelaunt und pfiffig aufbinden.

    Faszinierend an diesem Film ist, dass er einerseits den Eindruck erweckt, er komme kaum vom Fleck und dass just das es ausmacht, dass man nachher unendlich viel darüber erzählen möchte; weil einem kaum etwas vorenthalten wird.

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    Der Plot ist lebenskompatibel.
    Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass Kontrollmechanismen eingeführt werden zur Vermeidung von Kollateralschäden, die sich bei Aktionen zum Wohle der Menschen ergeben. Die Gruppe um Iron Man Tony Stark soll in diesem Sinne die Einsätze der Avengers kontrollieren. Und ebenso verständlich, dass sich daraus Komplikationen entwickeln, die kämpferisch in heldenhaftem Kräftemessen nur gelöst werden können.

    Der Plot ist jedoch nicht primär das, was mich an diesem Film von Anthony und Joe Russo nach dem Drehbuch von Christopher Markus und Stephen McFeely nach dem Comic von Mark Millar fasziniert. Es ist die frische, sorglos jungenhafte Umsetzung des Comics, die aus ernster Vehrung für diesen und dem von ihm illustrierten Menschen-, insondere Männerbild genährt scheint: reine, unverstellte Superheldenträumerei, recht naiv auch.

    Große, ernste Bubenspiele sind es, die von einem edlen Mannsein träumen, das sich für die Menschheit einsetzt, dabei Fehler macht und so in die Bredouille kommt; hier sind die Männer keine Machos, keine Karrieristen, keine Lover, keine Sozialfälle, keine Krankheitsfälle, keine Schmachtfritzen, sind nicht Kreatur, hier wird das Mannsein in der Verwirklichung des Kämpferseins als wahr und als bei sich seiend gezeichnet, der sich fantastisch technischer Hilfsmittel bedient, der insofern ein Fantasiemensch ist und über Kräfte verfügt, die die Natur ihm so nicht zur Verfügung stellt. Es ist ein überdimensioniertes Selbstbild, was die Anfälligkeiten und Schwächen der Natur des Menschseins kompensieren zu können glaubt.

    Es stellt sich das Problem des Konfliktes zwischen Individualkämpfer und der Kontrollinstanz, die die Avengers überwachen und eingrenzen soll, denn das präsentierte Bild kann Kontrolle durch andere nicht vertragen; Autonomie, selbständiges Handeln prägen diese Superhelden; wobei es merkwürdig ist, dass ebensolche sich zu kleinlichem Kontrollverhalten hergeben; das widerspricht dem Ideal.

    Ein Auftrag von 1991, Überfall auf einen Personenwagen mit Zivilisten und einer Gefahrgutladung im Kofferraum, Killerauftrag, ist das immer wieder aufscheinende Beispiel für das, was die Avengers in den letzten Jahren weltweit an Kollateralschäden verursacht haben, weshalb der „Civil War“ mit der Kontrollinstanz auf den Weg gebracht wird.

    Die Gebrüder Russo scheinen zwei große, träumerische Buben, die diesen Marvel Comic andachtsvoll, hingebungsvoll, in nicht arg reflektierter Begeisterung, umsetzen; trotzdem ist auch mal Platz für Humor, wenn zum Beispiel der junge Spiderman ins Spiel gebracht wird .

    Für dieses Männerbild haben die Macher den passenden Cast: Robert Downey Jr. als Tony Stark, der Iron Man, Chris Evans als Steve Rogers/Captain America, Sebastian Stan als Bucky Barnes/Winter Sodier, Anthona Macie als Sam Wilson /Falcon, Don Cheadle als Lieutenant James Rhodes /War Machine, Pauls Rudd als Scott Lang /Ant-Man, Daniel Brühl als Zemo.

    Damit das Männerbouquet nicht fad und einseitig wird, sind zwischen ihnen Scarlett Johansson als Natasha Romanoff /Black Widow, Elizabeth Olsen als Wanda Maximoff / Scarlet Witch, Emily VanCamp als Sharon Carter als feine Schmuckstücke wohlassortiert.

    Die Freude an Muskelspielen fehlt nicht: einen Helikopter mit Muskelkraft am Abheben von einem Dach zu hindern versuchen, so geht die Kamera eher grinsend auf das schier platzende Oberarmmuskelpaket zwischen Helikopter und Dach zu. Anabolika-Ernst ist nicht gegeben.

    Zur knabenhaft-reinen Freude gehört der Stolz des fine handicrafted Produktes, nicht es mit Computereffekten überladen, wenn auch sich ihrer kräftig bedienen, nicht den Zuschauer zudonnern, es soll so aussehen wie echt, wenn Stunts passieren, auch wenn dabei die Kamera gerne mit fahrigem Ruckeln nachhilft; es soll der Ernst des Superhelden auch im Film zu dessen Ehren gepflegt werden.

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    4 x 25 Minuten thematisch hochkonzentriert fokussierter, geballter Input an Informationen, Erläuterungen, Bildern, Konzepten, Skizzen, Theorien und Beispielen modernen Umganges mit den Problemen des Bauens in asiatischen Megacities an ausgewählten, exzellenten architektonischen Beispielen, vorgestellt von Stararchitekten. Diese architektonischen Perlen werden ansprechend designt präsentiert von Michael Trabitzsch, Flaire Floquet und Jörg-Daniel Hissen. Manch ein Planungsreferat in unsere Städten könnte mittels gründlicher Beschäftigung mit dieser DVD teure Reisekosten in ferne Länder sparen und bei den Themen Neubau von Stadtteilen und Verdichtung sich inspirieren lassen. Erhältlich über absolutmedien.

    Die Eroberung des Zwischenraums

    Im ersten Film geht es um die pulsierende, disziplinierte, kaum ruhende, hocheffiziente Megacity Tokyo mit den überbordenden Boden- und Immobilienpreisen. Es gibt Lösungen mit verschiedenen Entwicklungen von Mikroappartment-Häusern, die versuchen, den Bewohnern das Gefühl von Individualität und Privatheit einerseits und menschlicher Gemeinschaft andererseits zu vermitteln.

    Osama Nishida stellt seine Yokohama Appartments vor, die zur Straße offene Gemeinschaftsräume haben, die über kleine Stiegen zu den individuellen Einzelräumen führen, gekocht wird gemeinsam, die Einzelräume sind winzig. Hitoshi Wakamatsu hat das Sakura Appartmenthaus gebaut, das gedacht ist, klug Lücken zu füllen und welches mit variablen Wohnungskombinationen arbeitet, die sich den Dorf- oder Kleinstadtcharakter zu eigen machen. Sou Fujimotu präsentiert seine Tokyo-Appartments; die sehen lustig aus, wie ineinander verschachtelte und übereinander gestapelte Giebelhäuschen, die über kleine Pfade zu erreichen sind. Mitsuhiko Sato hat ein Genossenschaftshaus entwickelt, ein Terrassenhaus, das Komatsuagi Terrace; die Bewohner wussten, wer einzieht und waren in die Planung mit einbezogen.

    Landschaft und Tradition

    Im zweiten Film geht es um die Besinnung der Architektur auf die Natur und auf die Tradition, um eine Alternative zu entwickeln zu den Auswüchsen der amerikanischen Großstädte, wo planlos Wolkenkratzer an Wolkenkratzer in die Höhe ragt, ohne Beziehung zu einander und naturvergessen; es geht darum, der Architektur Natur zurückzugeben oder sie in die Natur einzubetten.

    Das Yokosaka Art Museum von Riken Yamamoto, 70 Kilometer von Tokyo entfernt ist ganz unscheinbar in einen Naturpark am Meer eingebettet. Yamamotos Grundidee ist die, dass das Haus vom Meer aus gesehen praktisch unsichtbar bleiben soll; es ist zu großen Teilen in die Erde abgesenkt und von einer ausladenden Terrasse überdeckt. Die Vertikale als Imperativ des Bauens, Integration der Architektur in die Natur, sie fast zu verstecken in der Natur, das sind seine Ideen; entsprechend leicht ist die doppelte Haut des Gebäudes aus Glas und Metall.

    In China, in Shan Shui City, stellt uns Ma Yansong, ein Architekt aus der Gruppe der MAD-Architekten, die stark von der kürzlich verstorbenen Zaha Hadid beeinflusst sind, ein Hochhaus mit Garten als lebendigem Organismus vor, das nicht den Eindruck erwecken soll, hier gehe es nur darum, möglichst effizient Menschen zu stapeln. In Beihai, dem ursprünglichen Ausgangspunkt der Seidenstraße, hat Yansong die Fake Hills gebaut, eine szenische Architekturlandschaft, die Ausblicke wie von einem Bergpanorama ermöglicht und in Zentralchina gibt er mit dem Huanshan Mountain Village das Beispiel eines Dorfes aus Luxusappartments, das sich in die Landschaft einschmiegt, Hochhäuser, die gar nicht als solche wahrgenommen werden und die die Geschichten der Großeltern erinnern sollen, eine spirituelle Landschaft.

    In Peking folgt ein Einblick in Zaha Hadids Galaxy Soho, das wie eine Insel in der Smog-Großtadt wirkt, einer Oase gleich im pausenlosen Lärm dieser Stadt ohne Kern. Weiter geht es zu den Hofhäusern, die den Mikrokosmos einer Familie umfangen; daran orientiert ist die Hutong Bubble. Pei Zhu hat ein chinesisches Hofhaus renoviert, um dem Verlust des Historischen und des lange Entwickelten entgegenzuarbeiten.

    Schwenk zurück nach Japan zum Z 58 von Kengo Kuma, einem renovierten Fabrikgebäude, das heute ein pflanzenloser Bürokomplex ist mit einer mehrstöckigen, pausenlos prickelnden Dauerbewässerung an den Wänden über Lamellen, die nicht nur hilfreich für die Luftbefeuchtung sind, sondern auch raffiniert mit dem Licht arbeiten, so dass die Atmosphäre eines botanischen Gartens entsteht, ein Naturgefühl.

    Spektakuläre Kulturbauten

    In der Sonderwirtschaftszone Shenzhen bei Hongkong mit ihren 10 Millionen Einwohnern hat Pei Zhu ein Design Museum entworfen und gebaut, es sieht aus wie ein „vom Meer geschliffener Stein“, ein archtiektonisches Faszinosum, das das immer über dem Megacitybau schwebende Dauerthema von Balance und Ordnung hochkonzentriert realisiert, ein Bau mit einem sich endlos fortsetzenden Innenraum; hier scheint alles zu schweben, das ausgestellte Auto ebenso wie der Besucher, ein Konzept, was sich auf die chinesische Kulur beruft und durch Irritation eine Erweiterung der Wahrnehmung anstrebt.

    In Dalian im Norden Chinas hat der Wiener Architekt Wolfgang D. Prix von der Coop Himmelb(l)au, die auch die Münchner BMW-Welt entworfen hat, eine Oper als Wahrzeichen in die Sonderwirtschaftszone gestellt, die gleichzeitig auch Konferenzzentrum ist, die wie eine mittelalterliche Stadt funktioniert und nicht hierarchisch organisiert ist, somit eine ungewohnte Raufmerfahrung vermittelt: alles ist in Bewegung; immer muss der Archtiekt entscheiden, ob er eine Aussicht blockiert oder freigibt. Gemeinsinn statt Macht und Repräsentation ist die Philosophie bei diesem Entwurf, der in einer Achse zentraler Straßen mit Meersicht liegt. Ein Gebäude was durch Identitfikationsmomente zu emotionaler Besitzergreifung führen und auch auf die Entwicklung der Umgebung ausstrahlen soll.

    In Ningbo hat Wang Shu sich auf die chinesische Geschichte besinnend und im Gegensatz zu den wild hochschießenden Wolkenkratzern ein Geschichtsmuseum hingewuchtet, das mit seinen alten, dunklen, erdigen Materialien an eine mittelalterliche Burg erinnert und dem Betrachter zuruft: „Denk an die Tradition!“ Dahinter steckt Wang Shus bittere Erkenntnis, dass unsere Städte ihr Gedächtnis verloren haben. Es gibt noch weitere Beispiele aus Ningbo, in denen Wang Shu seinem Ruf als einem Vertreter der Horizontalen und der Einfachheit alle Ehre macht, zB ein Kunstmuseum, das aussieht wie ein Lagerhaus.

    Neue Stadtmodelle

    Hier geht es um architektonische Meilensteine, die teils in Brachen erst geplanter Städte, Maßstäbe setzend gebaut werden.

    In Ordos in der Steppenlandschaft in der Nähe der Mongolei hat die Architektin Xu Tian Tian eine Oper gebaut mitten im Niemandsland. Daran sollen sich die Planungen für die Umgebung orientieren. Die Oper liegt wie in einer Senke verborgen da. Das Gebäude ist von den Sanddünen inspiriert.

    Ebenso baut Ma Yansong das Ordos Museum, eine raumschiffartige Blase, als ob sie nirgendwo hingehöre. Auch ihr fehlt noch die Umgebung. Aber vielleicht lässt sich die um sie herum zu bauende Stadt wie von einem Kreativimpuls davon beeinflussen.

    Zurück in Ningbo: jetzt geht es um die Konzeption neuer Stadtteile, über die Jane Zhang, MADA-Mitbegründerin, erzählt, dass sie keinerlei Planungsvorgaben habe und der Fantasie freien Lauf lassen könne in der Gestaltung von CDDs, neuen Geschäftszentren, die bieten müssen, was die Städte in ihren chaotischen Entwicklungen nicht mehr leisten: menschlichen Bezug.

    Ebenfalls in Ningbo hat Wang Shu die berühmten Hochhäuser gebaut, die aus übereinandergestapelten, traditionellen Hofhäusern bestehen und so Nachbarschaftsleben selbst in Hochhäusern ermöglichen: sehen und gesehen werden wie im traditionell gewachsenen Dorf oder Stadtteil; der Mensch und der nächste Mensch als Maßstab.

    Dann noch ein Schwenk nach Shanghai zum Internationalen Yacht- und Kreuzfahrthafen; hier wird eine Stadt in der Stadt nach Masterplan wie die Docks in London neu entwickelt.

    Zum Abschluss dieses nahrhaft kompakten, architektonischen Asientrips erklärt der Deutsche Meinhard von Gerkan die Millionenstadt, die er als Trabantenstadt Lingang 60 Kilometer von Shanghai entfernt aus dem Boden stampfen darf, die ihr Zentrum bereits hat und die vor allem von einem Offshore-Hafen, der 35 Kilometer im Meer draußen liegt und durch Brücken erreichbar ist, belebt werden soll. Auch er philosophiert über Ordnung und den sichtbaren Mittelpunkt, den bei ihm das Maritim Museum bildet und über die Balance von Vielfalt und Einheit. Er will die Mitte der Stadt, die nur zu gerne verstopft ist, für Aktivitäten freischaufeln und die Wohngebiete und Verwaltungsbezirke konzentrisch anordnen mit genügend grüner Natur dazwischen.

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    Ein Cohiuano geworden nach über zwei Stunden Dschungeltrip.

    Der Dschungel ist alles, kann alles, verschlingt alles, gibt alles, vereint die Zeit und die Natur und die Weisheit und auch die Verrücktheit, die Folklore, den Forschergeist. Spätestens nach 800 Jahren ist er wieder da, falls böse Menschen ihn brandroden oder den Kautschuk abzapfen, das hat uns Das Geheimnis der Bäume gelehrt.
    Ob allerdings die indigenen Völker wieder nachwachsen, das ist nicht so sicher. Darum ist es gut, wenn Forscher Material über sie sammeln und bewahren.

    Der Kolumbianer Ciro Guerra nimmt uns mit Drehbuchhilfe von Jacques Toulemonde und nach dem Tagebuch des deutschen Amazonasforschers Theodor Koch-Grünberg von 1907 auf eine exotisch-abenteuerliche Tour durch den Dschungel von Vaupés in Kolumbien.

    Guerra lässt den kranken Forscher von einem Schauspieler nachspielen und schickt einen weiteren Schauspieler als heutigen Forscher auf den Spuren von Koch-Grünberg nachpaddeln. Spielt keine Rolle, Zeit gibt es nicht im Urwald, hier gibt es Geister, Jaguare, Anacondas, verrückte Christen, Misstrauen und viel zu viel Gepäck von Forschungsreisenden; kein Wunder, wenn einer als wichtigstes Stück ein Grammophon mitschleppt, vor allem wenn eine Schellack-Platte mit großer Orchestermusik dabei ist. Fitzcarraldo von Werner Herzog lässt grüßen.

    Man ist misstrauisch in diesem endlosen Waldgebiet. Wenn Fremde mit dem Paddelboot sich nähern, ist schnell mal, guter Wildwest, eine Flinte zur Hand. Und die eine Christenpartition hat nach Meinung eines eingeborenen Führers unseres Forschers das Negative des Amazonas und das Negative der Moderne zusammen; ein wüster Spuk mit Dornenkrone, Kapuzenmännern und Selbstpeitschern empfängt unseren Forscher und seinen Begleiter Karamakate. Dieser ist in jung als auch in alt als Amazonas-Folklore-Beitrag immer schön geschmückt, trägt lediglich Lendenschurz.

    Es gibt kurze Flashs zu Untaten von Kautschuk-Baronen; überwucherte Gedenktafeln an tapfere Eroberer; es gibt ein Opfer mit abgehauenem Arm, das armselig neben einem Friedhof mit einfachen, überwucherten Holzkreuzen Kautschuk von Hand zapft.

    Kino als Extremerlebnis, das war schon ähnlich bei The Revenant, wobei es dort ums Überleben gegen Natur- und Menschengewalt geht; hier haben wir es mit einer Forschungsreise zu tun auf der Suche nach einer Weißen Blume, die aussieht wie Baumwolle, die Heilpflanze Yakruna; denn auch Koch-Grünberg kämpft ums Überleben. Die findet sich, das sind befreiende Bilder nach der klaustrophischen Urwaldenge auf einem flach gerundeten Berg inmitten wenig freundlicher Zuckerhüte gegen Ende des Filmes.

    Gegen Urwaldkrankheit helfen Caapi oder Coca-Schlucken oder ein Pulver vom Schamanen fachgerecht in die Nasenlöcher geblasen. Auf der Anhöhe findet sich die Blume und der Zuschauer erhält von Karamakate einen Blow in die Nase verpasst. Daraufhin setzt die Kamera zu einem wilden Flug über den Dschungel an bis zu Halluzinationen und Sternenhimmel.

    Anfänglich erweckt der Film den Eindruck eines Beitrages fürs anthropologische Museum. Was noch lange nicht beduetet, dass unsere Forschungsreisenden die Weisen Drei Könige sind. Und dann wieder Schüttelfrost und ekstatischer Fischkampf im Wasser.

    Unsere Reisenden könnten sich genau so gut im Kreise bewegen. Immer fahren sie Amazonas-aufwärts, er wird aber immer breiter oder sie driften in Nebenarme ab.

    Ein extraordinärer Trip. In dem immer wieder die Stimmen der Vorfahren zu hören sind. Der Urwald kann zerstören, in ihn kann man hineinhorchen.

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    Unzimperlicher Mix aus kahlschlägerischer Kapitalismus-Karrierismuskritik und derber Weiberklamotte, die von der deutschen Routinesynchro nicht verfeinert wird.

    Melissa McCarthy ist auf Liz Taylor gestylt und mit Kragen am Hals gewärmt, der offenbar eine Halskrause verdecken soll. Sie spielt die erfolgreiche Geschäftsfrau Michelle Darnell, eine der reichsten Ellenbogenfrauen des Landes, Milliardärin und sieht sich keineswegs als Verbrecherin bloss wegen eines kleinen Insiderhandels, das ist nun wirklich kein Verbrechen.

    Ihr Widersacher und früherer Liebhaber Renault, Peter Dinklage, bringt die Angelegenheit an den Tag und vor Gericht und Michelle in den Knast. Sie hatte ein schweres Schicksal als Waisenmädchen, das ist der Prolog, wie sie von immer neuen Pflegeeltern immer wieder in das Waisenhaus zurückgebracht wird, nicht zu gebrauchen. Das wird sie innerlich hart gemacht haben, zu einem richtigen Aas, das nur sich und den eigenen Erfolg sieht, die wie eine Dampfwalze über alle menschlichen Gefühle hinwegrollt. Dass sie dadurch keine Freunde gewonnen hat, merkt sie nach der Entlassung aus dem Knast, wie sie mittellos dasteht.

    Es folgt das Kapitel der vorgeblichen Resozialisierung. Ihre ehemalige Assistentin Claire, Kristen Bell, ist gut genug dazu, die Obdachlose aufzunehmen; hier wird Michelle dem Ferment „Familie“ ausgesetzt, gegen welches sie sich als resistent erweist. Sie fährt ihre Ausnutzer- und Leutebenutzerschiene unbeirrt fort. Baut an einem neuen Imperium, das auf Produktion und Verkauf der unwiderstehlichen Brownies von Claire gründet.

    Der Weg dazu ist gepflastert mit einem knalligen, unverblümten, mit Beschimpfungen und Flüchen nicht sparenden Zickenkrieg gegen die ehrenamtliche und freiwillige Aktion der „Pusteblumen“, eine „stinkende Humus essende Schlampe“ ätzt Michelle ihre Gegnerin an; sie baut eine militante Verkaufsorganisation aus braven Mädchen auf, rote Berets und überdimensioniertes Stalin/Che Guevarra-Abzeichen, und verarscht Claire, der sie Teilhaberschaft versprochen hat.

    In Spy – Susan Cooper Undercover war Melissa McCarthy das umwerfende Mauerblümchen von Büromamsell beim Geheimdienst, das plötzlich mit den Fährnissen eines wilden Außendienstes konfrontiert wurde; das war umwerfend; umwerfend ist sie auch jetzt noch insofern, als sie sich oft umwerfen lässt, sei es vom Klappbettt an die Wand oder dass sie die Treppe runter oder vom Hochhaus fällt, immer findet sich ein Grund, sie durch die Luft zu schleudern. Immer wieder lustig. Vielleicht ist in solch wilder Action das Geheimnis ihrer Halskrause zu finden.

    Stark ist die erste Szene, wo sie mit typisch amerikanischem Jubel in großer Halle ihren Erfolg feiert; dieser konzentrierte, ernste Blick, dieses stählerne Siegesbewusstsein, diese Ruppigkeit, die frei von Selbstzweifeln ist, kommen lebensecht rüber.

    Erst spät fängt das Element Familie an, positiv zu wirken, was zu ein paar bewährt klamaukigen Reparaturhandlungen und dann endlich zum glücklichen Ende führt.

    Faktisch steckt auch hinterm Film die Familie. Melissa McCarthy ist die Chefin, denn sie ist mit ihrem Mann Ben Falcone nicht nur Produzentin, sondern hat mit ihm, der die Regie führt, und mit Stefe Mallory auch das Drehbuch geschrieben.

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    Thomas Vinterberg, der mit Tobias Lindhom auch das Drehbuch geschrieben hat, gibt im Presseheft ein Statement zu diesem Film ab, das so anfängt: „Im Alter von sieben bis neunzehn Jahren lebte ich in einer Kommune. Das war eine verrückte, herzlich, tolle Zeit für mich inmitten von Nackten, Bier, hochgestochenen Diskussionen, Liebe und persönlichen Tagödien …“

    Selbstverständlich kommen zu diesen Eindrücken die entsprechenden Bilder im Film vor. Er schreibt auch weiter, dass die Mitglieder der Kommune eine Art Chor wie im traditionellen Drama spielten. Dieser Satz erklärt schnell auch ein Problem, was ich mit diesem Film habe: dass die meisten Figuren wenig Kontur gewinnen, sehr oft nur in den feucht-fröhlichen Tischszenen aufgedreht oder bei den Hausversammlungen zugegen sind. Das beantwortet vielleicht die Frage, die ich mir während dem Schauen gestellt habe, wozu sind diese Leute überhaupt alle da, wenn es einzig um eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung im klassischen Sinne geht.

    Ein Architekturprofessor, Erik, gespielt von Ulrich Thomsen, ist verheiratet mit der Fernsehansagerin Anna, Trine Dyrholm; sie haben ein Kind, Freija, die im Film ihren ersten Freund haben wird.

    An Erik, den Professor ran macht sich die Studentin Emma, Helene Reingaard Neumann; sie kann den Professor pflücken wie einen reifen Apfel. Erik hat die Millionenvilla seines Vaters geerbt. Mehr aus Laune heraus findet seine Frau Anna, man könnte ja – es sind die 70er Jahre – eine Kommune gründen, Platz sei genügend da und sie habe Bedürfnis nach anderen Gesichtern und nach Leben in der Bude.

    Schnell sind Leute gefunden, zuerst Bekannte, Steffen (Magnus Millang) mit seiner Frau Ditte (Anne Gry Henningsen), sie sind charakterisiert durch ihren todkranken Buben, der nur noch beschränkt zu leben hat, Ole, Lars Ranthe, er fällt damit auf, dass er gerne Gegenstände verbrennt, der Ausländer Allon, der nah am Wasser gebaut ist und oft für französische Filmstarbemerkungen herhalten muss. Sie wirken rückblickend wie Füllmaterial für das eigentliche Drama, das sich zwischen Anna, Erik und der dazwischendrängenden Emma abspielt, skandinavisches Seelendrama.

    Vinterberg präsentiert die Szenen in gelockertem Dogma-Stil: das Spiel soll so lebendig und so natürlich wie möglich sein und die Kamera muss schauen, wie sie das Wesentliche erfasst, wobei hier ganz klar Szenenwiederholungen mit verschiedenen Kamerapositionen stattgefunden haben; mit großer Bewegungsfreiheit für die Kamera, die somit oft wackelig ist am Rande des Nervens, andererseits aber den Zuschauer mitten ins Drama und den es umgebenden Chor nebst der 70er Jahre Musik hineinzieht, ein dokumentarisches Odeur versprühend und etwas von der Atmosphäre in so einer Kommune erzeugend. Illustriert wird dieses Lebensgefühl durch den Song, der mehr als einmal vorkommt: wir haben nur einen Tag zu leben.

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    Hier kann man zuschauen, wie Millionen und Abermillionen eines dreistelligen Produktionsbudgets sich in wenig inspirierenden, wenig inspirierten, ja direkt abgelutschten Computereffekten auflösen, außerdem in Billig-3D, da kann man getrost über weite Strecken die lästige Brille absetzen und verpasst doch nichts, es wird nur deutlicher, dass die Figuren sich meist in einem trostlosen Studio befinden statt in den um sie herum computergenerierten Räumen.

    Die Story von Matt Szama und Burk Sharpless in der Inszenierung von Alex Proyas beginnt mit einem Drama Shakespearschen Ausmaßes, mit einem Königsmord vor versammelter Öffentlichkeit – nur wird sich der Shakespeare-Anspruch so schnell in Luft auflösen wie der nächste Computereffekt.

    Der Bastard Set, Gerard Butler, platzt in die in der Postproduktion gigantomanisch aufbereitetee Krönungsfeier seines privilegierten Bruders und echten Königsnachfolgers, drückt dem Bruder die Augen aus und verbannt ihn.

    Der Rest des Filmes dreht sich um die Wiederbeschaffung dieser Augen, die in antiken Hochsicherheitstrakten als Schätze aufbewahrt werden, ferner um die Rehabilitierung des echten Königs.

    Das Vehikel dazu ist ein kleiner Straßendieb, nicht der Dieb von Bagdad, sondern aus den Gassen von Kairo, der sich in die Tochter des schrulligen Hofarchitekten verliebt. Hervorstechendes Merkmal dieses Darstellerpaares sowie sämtlicher Frauen, die ab und an vorm Blue- oder White- oder Greenscreen des Studios in üblichen Funduskostümen rumstehen und vorgelernte Text deutlich verständlich aufsagen, sind die klassisch schönen Nasenformen, wie nur harmoniesüchtige Gesichtschirurgen sie heute zu modellieren imstande sind.

    Viel Tüftelei haben Bühnenbau und Innenaustattung und auch die Postproduktion auf die Entwicklung, Darstellung und Aktivierung raffinierter Hochsicherheitssysteme verwendet – kein Problem für einen gemeinen Straßendieb, der Zugang zum Hofarchitekten und sowieso den Support von anderen Wesen hat, verwandlungsfähigen Göttern und Halbgöttern, die sich vor allem durch ihre Körpergrößen unterscheiden.

    Bis zum Ende, in welchem Ägypten, welch Glück, wieder in zuverlässigen Händen ist nach den Machtexzessen des Bastards, gibt es viel schauspielerische Stehparty mit ordentlicher Textablieferung in ordentlichen Kostüme, viel Hit- and Run, viel Verwandlung von übergroßen Menschengöttern in fliegende Ungeheuer, viel Trommeldonner zu den Kampfszenen, viel Gebäudeerosion, viel Feuer- und Staubspuk und ebenso viele Farbauflösungen, Farbgeriesel in statischen, althergebrachten Machtgebäudeanimationen.

    Viellicht liegt der mangelnde Drive aber auch nur an den allzu simplen Geschichte, an einem allzu reduziertem Menschen- und -götterbild, an den Kamerapositionen, am abrupten Wechsel von Nahaufnahmen zu Totalen und dem entsprechend statisch wirkenden Zusammenschnitt. Man fragt sich, was die Produzenten dazu bewogen haben mag, geschätzte 140 Millionnen $ laut IMDb so zu verpulvern.

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