Antiautoritäre Schüler im Comic, Verheimlichte Geschwister in Bulgarien, Menschenfresser in Südkorea, Politsatire in der DDR, untergetaucht in Köln wegen Todesfatwa, bürgerliche Exerziermoral bei Haneke, alleinerziehende Gepardin in der Savanne und Charles Schuhmann in einer Rolle, in der er sich nicht wohlfühlt. Das Fernsehen kümmerte sich um US-Army-Opfer in der Karibik, ließ in der DDR statt Kalk Zuckersand rieseln und begab sich mit erhobenem Zeigefinger in das Gruppensexmilieu.

    CAPTAIN UNDERPANTS: THE FIRST EPIC MOVIE
    Gegen falsche Autoritäten mit Comics, doch diese verselbständigen sich.

    WHAT HAPPENED TO MONDAY?
    Was tun mit sieben Töchtern, wenn der Staat rigorose Einkindpolitik verordnet?

    THE WAILING – DIE BESESSENEN
    Kontrast von dörflich-christlicher Korea-Idylle und grausamer Horrorfantasie.

    VORWÄRTS IMMER
    Nicht der Hauptmann von Köpenick, aber der doppelte Honecker.

    WENN GOTT SCHLÄFT
    Nicht ohne Risiko, einen von Terror-Mullahs mit einer Fatwa belegten Musiker zu filmen.

    HAPPY END
    Haneke konstruiert das gutbürgerlich Milieu so verlogen, dass er beweisen kann, wie verlogen es ist.

    MALEIKA
    Das Bildmaterial von der alleinerziehenden Gepardin ist exquisit; die Tonspur sollte man einem Krokodil zum Fraß vorwerfen.

    SCHUMANNS BARGESPRÄCHE
    Ach lieber Charles, hättest Du doch geschwiegen!

    TV
    KRIEG IM PARADIES – DER FALL VIEQUES
    Die Bundeswehr scheint unbeteiligt an den Kontaminationen der Einwohner von Vieques.

    ZUCKERSAND
    Wenn man lang genug in der Erde bohrt, kommt man in Australien raus.

    TATORT: HARDCORE
    Gruppensex ist schlecht – meint der Staatsfunk.

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    Tommy Wirkola dreht auf.

    Sein Hänsel & Gretel: Hexenjäger war eine amerikanische Produktion mit stupid German Money.

    Diesmal hat er nicht selber das Drehbuch geschrieben, dieses stammt von Max Botkin und Kerry Williamson. Und diesmal ist die Produktion mit einem starken europäischen Gewicht aus England, Frankreich, Belgien versehen und gedreht wurde in Bulgarien.

    So viel Kalt-Kriegs-Thrill gepaart mit High-Tech-Überwachungs-Techniken lässt sich vielleicht nur dort so bedrohlich filmen. Die Idee ist smart, ist verrückt. Zuerst schildert der Film sämtliche von Menschen gemachten Bedrohungen für die Erde und dass diese mit der rasanten Vermehrung der Menschen noch viel dramatischer werden.

    So ist der Boden für das Argument der Einkindpolitik bereitet. Die ist auch bereits durchgesetzt und wird streng kontrolliert. Es kann einen schaudern. Die Vernetzung der Menschheit und des Individuums schreitet in Meilenschritten voran. Andererseits sind dieses Sicherheitsdispositiv und dessen brutale Überwachung bereits gut in unserer Gegenwart verwurzelt.

    Nicolette Cayman (Glenn Close) ist die grand old Lady, die diesen Kurs politisch verficht und öffentlich vertritt und hintenrum grausam umsetzt: zu viel geborene Kinder werden in den Cryschlaf versetzt, ein typisch politisches Schlagwort, ein Euphemismus wie das Wort „Euthanasie“.

    In der Familie Sattmann hat das Vielkindschicksal zugeschlagen: Siebenlinge, alles Mädchen. Opa Terrence Settman (Willem Dafoe) zieht sie listenreich groß in einer Wohnung in einem ehemals prunkigen Bürgerhaus, das Ostblockscharme ausstrahlt. Portier Eddie (Tomiwa Edun) beobachtet, wer wann ein- und ausgeht.

    Das Juwel dieses Filmes jedoch ist Noomi Rapace.
    Sie spielt alles sieben Töchter Settman, die in der Öffentlichkeit nur als eine erscheinen dürfen, als Karen; es ist ihre verbindende Rolle, obwohl sie zuhause durchaus verschiedene Charaktere zeigt, die durch Kleidung und Frisur, Haltung und Stimme prima differenziert sind.

    Um nicht aufzufliegen hat jedes der Mädchen einen Wochentag als unterscheidenden Vornamen, das ist der Tag, an dem es in die Öffentlichkeit geht, an welchem es einem Job nachgeht. Am Abend findet die Schulung statt. Durch die Hightech-Armbänder, die kleine Computer, Aufnahme- und Wiedergabegeräte sind, können die anderen sechs den Tag der siebten nachvollziehen, sich Gänge und Personen merken, Vorgänge.

    Ein sophistische Element schimmert immer wieder durch, eines, was sich einen bitteren Spaß aus den Konsequenzen aus der Grundkonstruktion macht. In einer der Rückblenden, die die Mädchen noch im Kindesalter zeigt, macht eines einen unerlaubten Ausflug zum Skateboarden und verliert dabei eine Fingerkuppe. Die Gelegenheit, die grausamen Folgen für die anderen Mädchen zu zeigen, lässt sich ein Tommy Wirkola nicht entgehen.

    Und wie ist es, wenn sich jemand, wie der gutherzige Adrian (Marwan Kenzari) in eine Variante von Karen verliebt? Auch in den Folgen davon stochert Wirkola genüsslich rum.

    Bis die siebenfachen Geschwister auffliegen und die Securidade, hätte man früher in Rumänien gesagt, hier „das Büro“, Stasi oder was auch immer, anfängt sie zu verfolgen.

    Dabei kann Noomi Rapace ihr sportliche und Kampffitness überzeugend zur Schau stellen. Action ist angesagt, geballert wird auch; aber auch die Situation lässt sich Wirkola nicht entgehen, den Zuschauer am Schadenfreudestachel zu löken, wenn Karen den schwer bewaffneten Sicherheitsapparat austrickst.

    Das Muster für so einen Film, einen totalitären Apparat zu knacken, hier geht es noch darum, die Kandidatur von Cayman zu verhindern und ihre brutalen Maßnahmen auffliegen zu lassen, ist bewährt und bewährt sich auch hier: nur die Liebe ist stärker als der Totalitarismus.

    Und das ist neben den Science-Fiction-Einträgen, die gar nicht mehr so Fiction sind, die doch substantiellere Aussage, die eine Allgmeingültigkeit hat und die auf jede Zeit und jedes System, wenn es auch noch nicht so ausgeklügelt totalitär ist, gilt.

    Bannend ist auch der Zwangszusammenhalt der Geschwister, dass sie auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen sind, sich aufeinander verlassen können müssen wie Bergsteiger in einer Steilwand, ein Fehlgriff und die ganz Mannschaft kann abstürzen. Das Schöne an einer Schauspielerin, wenn man sie denn mag, die Siebenlinge spielt, ist, dass wenn ein Exemplar sterben sollte, sie in immer noch genügend Varianten überlebt.

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    Freiheit und Einschüchterung.

    Shahin Najafi ist ein Vollblutmusiker, Rapper, Sänger, Gitarrist; ein Mann mit Starqualitäten und Millionen von Fans im Iran und unter Exiliranern.

    Er selbst lebt im nicht ganz freiwilligen Exil in Deutschland. Als Kind war er gläubiger Moslem, er sollte sogar, aus einfachen Verhältnissen stammend, Mullah werden. Mit 13 fingen seine Zweifel an der praktizierten Religion an, im Militärdienst sah er, wie das Regime gegen Andersenkende vorging.

    So weit wären die Voraussetzungen für einen üblichen Musikfilm, ein Musikerbiopic gegeben. Wenn da nicht die Fatwa der terroristischen Mullas aus Teheran wäre. Mit einem Song hat Shahin den Zorn von diesen so erregt, dass sie ihn wie einsten Salman Rushdie mit einer Todesfatwa belegt haben, ihn zum Abschuss nicht nur freigegeben, sondern sogar empfohlen haben.

    Aus diesem Grund lebt Shahin untergetaucht, seine starke Türschließvorrichtung von innen ist mehrfach im Film zu sehen. So wird aus dieser Dokumentation von Till Schauder ein Undercover-Film, begibt sich der Film selbst in unserem freiheitlichen Land in das Fadenkreuz der Todesdrohung, denn die Mullahs wünschen ausdrücklich, dass Shahin sich an keinem Ort der Welt mehr sicher fühlen solle.

    Das hat Konsequenzen für seine Mitmusiker. Die leiden unter den immer wieder konspirativen Umständen, fühlen sich selbst nicht mehr sicher. Und solche die abspringen, die verhelfen den Mullahs dazu, dass sie erfolgreich sind mit ihrem Ziel, das Sicherheitsgefühl auch in unserem Lande zu erschüttern.

    Für so einen Film kommt nur eine leicht bedienbare, schnelle Handkamera in Frage, die weitgehend auf establishing Shots verzichtet. Die Silhouette von Köln findet aber trotzdem immer wieder schön den Weg in den Film.

    Es gibt auch öffentliche, hoch gesicherte Auftritte von Shahin in kleineren Veranstaltungsräumen aber auch in der Philharmonie von Amsterdam. Zwischendrin kommen terroristische Anschläge in Frankreich als News auf den Computerschirm, Charlie Hebdo und der Rockkonzertanschlag.

    Die Möglichkeit wird erwogen, anlässlich der offenen Grenzen für Flüchtlinge 2015, dass damals unkontrolliert auch Terroristen und mögliche Attentäter einreisen konnten, was die Lage für Shahin nicht gemütlicher macht.

    Der Zuschauer wird konfrontiert mit der Frage, wie weit er selbst sich von einem ausländischen Regime erpressen lassen würde, wie schnell lassen wir uns einschüchtern, wie schnell ziehen wir den Schwanz ein, wenn jemand mit Gewalt droht? Wie wichtig und bewusst ist uns die offizielle Freiheit in unserem Lande, die das Resultat eines jahrhundertelangen Prozesses ist?

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    Können deutsche Komödien lustig und entspannt sein?

    Der inszenatorische Drive, treffliche Besetzungen und überzeugende schauspielerische Leistungen, das Offenlegen der theatralen Mittel und der dramaturgische Rückgriff auch das Prinzip der Köpenickiade lassen in diesem Film von Franziska Meletzky nach dem Drehbuch von Markus Thebe ein Fünkchen Hoffnung gedeihen.

    Und das trotz Mitmischen von Degeto und dem heiklen, noch längst nicht erledigten DDR-Thema.

    Aber der doppelte Honecker (Jörg Schüttauf in einer kabarettistischen Glanzrolle), die Theatersituation, die Montagsdemos in Leipzig, der Ausreisewunsch von Otto Wolf, dem Honecker-Parodisten, Töchterchen Anna (Josefine Preuß), ein angedachter und bereits angeordneter Panzeraufmarsch gegen die Demos in Leipzig, machen das offenbar möglich.

    Die anfangs irritierende Grundsituation einer Theaterszene unter Regisseur Harry Stein (Devid Striesow, der hier innert kürzesters Zeit in der dritten Rolle zu sehen, ist, eine wie die andere, wie ausgeleiert) will politische Aufmüpfigkeit der Theaterleute dem DDR-System gegenüber demonstrieren mit einem nicht angekündigten politischen Stück, in dem Honecker und Konsorten verhohnepiepelt werden.

    Gleichzeitig will Anna mit einem gefälschten Pass rübermachen. Ihr Freund, ein ambitionierter Nachwuchsschauspieler und Sohn des vom Wolf gehassten Stein, Matti (Marc Benjamin), soll das nicht erfahren, denn er will in der DDR Karriere machen.

    Parallel laufen die Demos in Leipzig und es geht das Gerücht im Politbüro, dass Honecker dem Spuk mit Panzern ein Ende machen wolle.

    Beim Versuch, die Story nachzuerzählen, fällt dann doch auf, dass das gar nicht so leicht ist und auch zu eruieren, wieso der Honecker-Darsteller plötzlich den echten Honecker spielen soll und wie die Informationen da gelaufen sind, dass er mit dem falschen Auftritt im echten Politbüro und mit Vorfahrt einer Staatslimousine und Uniformen aus Theaterbeständen, den Panzerbefehl mit dem roten Telefon, das in Wahrheit ein schwarzes ist – oder das graue? – zurücknehmen soll.

    Die Verwicklungen gehen so, dass Vater Wolf das Töchterchen erwischt, wie es abreisen will, ganz unvorsichtig führen die beiden eine lautstarke Auseinandersetzung und der Vater zerreißt den falschen Pass. Alles wird getreulich von der schlecht getarnten Stasi verfolgt und von den Mundbewegungen lesen die den Text ab. Mehr theatral denn real.

    So kommt der Nexus zu Leipzig zustande, denn der Untergrundmensch, der Anna den falschen Pass verschafft hat, August (Jacob Mattschenz) kann ihr auf die Schnelle nur in einer Kirche in Leipzig einen neuen Pass beschaffen.

    Komödienimmanent laufen diese verschiedenen Unternehmungen auf jede Menge Pannen hinaus, es gibt bewährte Fassadenfluchtsituationen und andere Artistik genauso sie wie weniger bekannte Momente aus dem Eheleben der Honeckers.

    Margot (Hedi Kriegeskotte) findet im Ehezimmer den falschen Honecker. Das Potential solcher Situationen von Doppelgängern und falscher Autorität schöpft der Film mit Laune aus. Dabei wird er unterstützt durch die Kamera von Bella Halben, die sich über die Komödienmöglichkeit freut und ebenso durch die Musik die das nicht weniger geil findet.

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    Die Ambition, den Film zu erklären, die schmink ich mir gleich ab.

    Stattdessen sei der Versuch gewagt, zu ergründen, warum ich diesem Film von Hong-jin Na aus Südkorea so gerne zugeschaut habe.

    Das ist nicht nur die reizvoll milde und sattgrüne Landschaft Südkoreas, die lauschigen Häuschen, die wie Gartenhäuschen oder Wochenenddatschen wirken oder der weiche Sound des Südkoreanischen, das viel weicher klingt als das Japanische, was in einer Figur und im Dialog mit einem Diakon auch vorkommt.

    Vertraut ist uns ebenfalls alles Christliche, was in so einem Horrorfilm, der von Besessenen handelt, eine wichtige Kontrastfunktion ausübt, als Kreuz, als Kirche, mit Kerzen.

    Besonders vertraut ist uns Westlern auch die Hauptfigur des rundlichen, behäbigen Polizisten Jong Goo (Do-won Kwak), etwas langsam im Geist, bei aller unser Rezeptions- und Perzeptionsschwierigkeit asiatischer Gesichtsunterscheidungen. Er ist die Figur, um den sich der ganze Hokuspokus dreht. Er ist verheiratet, hat ein kleines Töchterchten und, wie er am Schluss noch vor sich hinmurmelt, sein Töchterchen muss keine Angst haben, er sei Polizist. Der Polizist steht dafür, dass die Menschenwelt in Ordnung ist, dass die Dinge im Lot sind.

    Ein Film mit dem Ttiel The Wailing (nach Wörterbuch: das Wehklagen) und zu Deutsch als Die Besessenen, spielt damit, dass dem vielleicht doch nicht ganz so sei, dass sich Ängste von Menschen zu Ungeheuerlichkeiten auswachsen können in einer Bildwelt, die Horrorbildwelt genannt werden muss und die eine besondere Wirksamkeit entfaltet, wenn sie in dieser lieblichen Gegend bei diesen stinknormalen Menschen passiert.

    Es scheint erst ein ganz gewöhnlicher Mordfall, zu dem der Polizist Jong Goo gerufen wird. Das ist es aber nicht. Bald schon kommt es zu Begegnungen mit einem zombiehaften Typen, einem Menschenfresser, der nur mit einer Windel bekleidet sei, wie eine Zeugin meint und der irgendwo im Wald hause.

    Bald schon gibt es fürchterlich zugerichtete Leichen. Und dann wieder einen Routineeinsatz der Dorfpolizei, die diesen Menschen in einer kleinen Einsiedelei aufsuchen will, einen Japaner, der nur japanisch spricht, deshalb kommt der christliche Diakon mit. Der kann übersetzen. Der Einsiedler ist nicht da. Aber sein Hund ist bissig. Das führt zu heftigen Actionszenen.

    Immer mehr scheint auch das Töchterchen von Jong Goo in Gefahr. Ein Schamane wird beigezogen. Eins kommt zum anderen. Eine Aktion führt zur nächst schlimmeren, nächst blutigeren. Das Unglück, der Wahnsinn und der Horror fressen sich unaufhaltsam in die liebliche Gegend.

    Es gibt verwirrende Infos über eine vergiftete Tinktur, die die Leute in den Wahnsinn treibt. Oder handelt es sich gar um einen Fluch wegen eines menschlichen Verbrechens? Der geistige Boden des Zusammenhalts der Menschen im Dorfe wird zusehends gefährdet. Vielleicht bloß, weil ein Schamane einen Fehler gemacht hat? Und was hat es nochmal in christlicher Diktion mit dem Hahn zu tun, der drei Mal kräht?

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    „Ich finde Menschen furchtbar“.

    Mit dem Kino verhält es sich wie mit einem Cocktail: gut ausgewogene Zutaten werden zu einem neuen, hoffentlich mundenden Ganzen zusammengemischt.

    Wenn allerdings der berühmte Münchner Barmann Charles Schumann einen Cocktail aus so unsäglich unpassenden Einzelteilen zusammenmixte, wie hier Marieke Schroeder zu diesem Film, so bräuchte er seinen Laden gar nicht erst aufmachen.

    Verwunderlich ist, dass es dieselbe Marieke Schröder ist, die die Lebenslinien über ihn zu verantworten hatte, ein überraschend sympathisches und persönliches Porträt.

    Jetzt war sie vielleicht überfordert durch das beachtliche Reisepensum nach New York, Paris, Havanna, Tokio, war schlecht unterstützt von einer ahnungslosen Kamera oder von der Unklarheit der eigenen Projektvorgabe, von einer Musik, die versucht den geistigen Stillstand des Bildmaterials, das oft in nicht aussagekräftiger Zeitlupe zu verenden droht, mit Rhythmusansätzen, Electronic wie Trommeln anzukämpfen, von einem nicht sonderlich guten O-Ton, von einem Kommentarsprecher, dem wohl die Gage nicht groß genug war, als dass er den Mund beim Sprechen aufzumachen für nötig befunden hätte, so dass es sich anhört, als spreche er mit zusammengebissenen Zähnen, das passt so gar nicht zum direktherzigen Schumann, der ja gleichzeitig die Menschen nicht mag, aber bei ihm geht es über Offenheit oder Knappheit des Kontaktes.

    Aus dem Material, was sie sich wohl selbst in aller Welt zusammengeschustert hat, lässt sich vermutlich in keiner Weise ein gscheiter Film montieren. Er wirkt so, als hänge sich das Team rein in die Promidunstwolke und parfümiere sich damit.

    So läuft die Kamera oft hinter Schumann in fremden Städten her. Filmt die Bars frontal von außen und die Bartheken ebenfalls frontal. Die „Gespräche“: das heißt, Schumann sitzt an Bars oder auf Stühlen, lächelt linkisch zum Filmteam und zeigt, dass ihm die Rolle des Moderators nicht liegt und die des reinen Zuhörers auch nicht, gibt mal einen Kommentar ab, wenn Autoren oder Barkeeper Drinks erklären oder mixen.

    Nach 50 Minuten blitzt kurz Esprit auf bei einem auf spanisch vorgelesenen Bunuel-Zitat. Unvermeidlich bleibt es, Hemingway zu bemühen. Aber was wirklich das Ziel dieses öffentlich-rechtlich geförderten Filmes ist, bleibt verschwommen, Barbesuche in aller Welt, Einfangen von Promi-Statements.

    Der Film hängt in der Luft. In den Lebenslinien wirkten Schumanns Barmixer noch spontan. Jetzt wirken sie verkrampft, bemüht um lobende Statements für ihren Chef.

    Und dass Schumann das mit sich machen lässt, sich dafür hergibt, verwundert dann doch und konterkariert krass das glaubwürdig bescheidene Image, was er in den Lebenslinien von sich entworfen hat. Dann lassen wir halt mal wieder einen Lieferwagen durchs Bild fahren – am besten in Zeitlupe. Dösige Kamera.

    Oder Marieke Schröder hat sich thematisch überfordert, da es offenbar doch um Fachspezifisches und Kulturphilosophisches zum Thema Cocktail geht, während es in den Lebenslinien um die Person gegangen ist, ein Porträt also, jetzt wäre der filmische Essay gefragt.

    Rote Karte des zwangsgebührenzahlers!

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    Ich möchte nicht Max Moor mit in die Savanne zum Beobachten von Geparden mitnehmen, weil der ständig seinen dämlichen Kommentar-Senf dazu abgeben zu müssen glaubt, vor allem, weil ich nicht so sicher bin, dass die Kommunikation unter diesen hochentwickelten Raubkatzen so dumpf-anthropogen abläuft, wie Max Moor uns glauben machen will.

    Ich möchte auch kein ganzes Filmorchester mit in die Savanne nehmen zum Beobachten von Geparden, das würde sie und all das andere Getier eher vertreiben und vor allem donnert es uns die faszinierenden Geräusche der Natur zu.

    Weder Sprecher noch Orchester bräuchte es bei dem erstklassigen Bildmaterial, das Matto Barfuss in Monaten der Nahbeobachtung des Gepardenweibchens, das er Maleika tauft, geschossen hat und das den Zuschauer im Kino ganz nah an diesem Überlebenskampf teilhaben lässt.

    Es ist eine aufregende Story, die keiner langweiligen Erzählerstimme bedarf. Maleika hatte 6 Junge zur Welt gebracht. Das ist eine ungewöhnlich große Zahl. Sie muss sie allein aufziehen und durchbringen auf freier Wildbahn. Die Gepardenmännchen machen sich nach dem Zeugungsakt aus dem Staub. Muttererziehung.

    Bald schon macht sich Matto Barfuss, der in einem früheren Film als Gepardenmann selbst auf allen Vieren mit Geparden gelebt hat, auf den Weg, die Geschichte dieser Familie zu dokumentieren.

    Die eine und andere sachliche Information, die könnte man ja über Sprecher einsagen lassen oder auch als Untertitel einblenden, das würde weniger stören.

    Beispielsweise die Geschichte mit der Wunde. Bei einer Verfolgungsjagd hat die Gepardin sich bei einem Sprung über einen Ast eine große Wunde am Bauch zugezogen. Kurzinfos über die jeweilige Zeit, die sie die Wunde schon hat und die sie nicht jagen kann, allenfalls noch über die besondere Methode, die sie zur Schnellheilung einsetzt, die könnten auch gut als Untertexte eingefügt werden oder auch Infos über das jeweilige Alter des Nachwuchses.

    Denn das Spiel gerade in der Savanne mit den riesigen Massen an Gnus, die ihrer Wege ziehen, mit den um sie herum lauernden Löwen, Geparden, Tigern, Schakalen und Geiern, den Krokodilen im Fluss, ist ein den Menschen immer faszinierendes Ding, er der doch mit seiner Rechtsordnung dem Faustrecht des Stärkeren Einhalt gebieten will, der der Vernunft und der Demokratie das Sagen geben will, er kommt nicht los von der Faszination durch diese aussondernden Überlebenspraktiken des Fressens und Gefressenwerdens, des Jagens und Gejagtwerdens, der Macht des Stärkeren.

    Sprechtertexte weg, Orchestermusik und alles, was nicht O-Ton ist, weg, Beifang von anderen Geparden, von Löwenfamilien reduzieren, die Filmemacher hätten das fabelhafte Fotomaterial, um daraus einen großen, überlebensfähigen Tierfilm in dem Massenanfall von Tierdokumentationen zu erhalten, einen Solitär, der auf verkaufsfördernden Kitsch und Verbraten und Verherrlichung von Mutterideologie verzichtet.

    Aber die Kommerzleute hinter so einem Projekt, was zweifellos sein Geld kostet, sind zu ängstlich – die würden keinen Tag in der Savanne überleben – vertrauen ihrem wertvollen Material nicht und meinen, wenn sie den Zuschauer nicht für blöd verkaufen, weil der womöglich nichts anderes gewohnt ist und sie ihm was zutrauen, er würde fernbleiben. Dabei betreiben sie mutwillige Verstümmelung des hochkarätigen Bildmaterials, verschandeln und verscherbeln es als Tand.

    Sollte der Film an den Kinokassen nicht den Erwartungen entsprechen, so können die Produzenten ja immer noch eine deutlich kürzere Fasssung mit Weglassen von Musik, Sprecher und Beifang herstellen und dann als „Maleika – das Konzentrat“ auf den Markt werfen und meiner Meinung nach einen Klassiker moderne Tierfilmerei ihr eigen nennen.

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    „Rundherum die Welt und wir mittendrin, blind“ – Die Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie.“

    Das bürgerlich europäische Kino des Michael Haneke möchte uns bürgerlich europäischem Kinopublikum die Augen öffnen für die extra zu diesem Behufe erfundene und inszenierte Kaputtheit einer bürgerlichen europäischen Familie.

    Das ist die Interpretation der zu dieser Review als Titel zitierten Synopsis des Filmes aus dem Presseheft. Falls diese, meine Lesart der Synopsis zutrifft, so kann das Unternehmen nur schiefgehen, da die Erfundenheit dieser großbürgerlichen Familie allzu sehr nach zweckdienlicher Erfindung riecht und somit einzig geignet ist, exquisite Langeweile zu verbreiten.

    Diese bürgerlich-europäische Bauunternehmerfamilie mit Opa Georges (Jean-Louis Trintignan), der zwischen Demenz, Rollstuhl und Selbstmordabsichten gezeichnet wird, mit der Teflonmutter Anne (Isabelle Huppert) als aktiver Krisenmanagerin, dem nicht geratenen Sohn Pierre (Franz Rogowski) und vielen weiteren Verzweigungen über vier Generationen bis hin zur knusprigen 13-jährigen Enkelin Eve (Fantine Harduin) inklusive Hauspersonal hat akut Probleme mit dem Teileinsturz einer Baugrube.

    Den Baugrubeneinsturz zeigen die wirklich schön aus einer Elfenbeinturmperspektive, also von weit weg und von hoch oben, damit auf die Position des Filmemachers referierend, und nichts markiert deutlicher Filmemachers Sehnsucht, ein Stück realen Lebens zu erhaschen – und doch zu abgehoben davon zu sein.

    Wobei es doch ziemlich unwahrscheinlich scheint, dass bei einem wohl eingesessenen und angsehenen Bauunternehmen so ein kapitaler Fehler wie das mangelhafte Errichten von Spundwänden passiert. Haarscharf am Leben vorbei. Wie manch andere Szenen auch.

    Dieses aber wird von Haneke mit einem handverlsenen Ensemble, das den Modus performativer Glaubwürdigkeit beherrscht, in Szene gesetzt.

    Am besten hat mir der Anwalt der Familie gefallen mit seinem dünnen Strich von Mund, der es schafft, selbst wenn er spricht, so auszusehen, als öffne er den Mund nicht. Vielleicht verhält es sich mit diesem Film ebenso?

    Mit diesem performativen Realismus versucht Haneke zu vertuschen, dasss er die Distanz zur realen Welt just nicht überwindet, dass er mit seiner Kunst außen vor bleibt.

    Weitere Elemente des Versuches zur Glaubwürdigkeit sind der Liebeschat der Huppert, der Videochat der Youngsters über Frisuren, erst recht und raffiniert der Einsatz des allgemeinen Vorurteils gegen großbürgerliche Clans, dass sie dazu neigen, unangenehme Wahrheiten zu vertuschen wie die gezielte Fahrt des Opas gegen einen Baum.

    Dadurch kommt allerdings die Modellhaftigkeit von Familienkaputtheit als erfundenem Anlass für Hanekes Moralpredigt noch krasser zur Geltung. Genauso wie durch das Hauskonzert einer Cellistin. Auch damit will er Glaubwürdigkeit für seine Modellfamilie erzeugen, denn das ist Allgemeinwissen: solche kaputten Familien organisieren klassische Konzerte für einen kleinen Familienkreis oder einen kleinen Kreis Eingeladener. Und wenn sie das in einem Film tun, dann ist der Beweis für den Wahrheitsgehalt ihrer Filmexistenz erbracht.

    Wahrheits- oder Realitätsbelegsszenen, die einen Moralanspruch untermauern. Mit dieser Versuchanordnung, die ausschließlich auf bekannte Vorurteile Unternehmerfamilien gegenüber basiert, will uns Haneke die Augen öffnen, für etwas, was er vor unseren Augen um der Öffnung dieser Augen willen künstlerisch herstellt; will uns mit dem, was wir immer schon wussten, beweisen, dass wir blind sind. Damit befriedigt die Kunst wohl in erster Linie sich selbst mit diesem Genre des geschmackvollen moralischen Filmes.

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    Wie angenagelt sassen die paar Buben hinter mir in der Pressevorführung, so hat sie der Film von David Soren (Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum) nach dem Drehbuch von Nicholas Stoller nach dem epischen Roman von Dav Pilkey gefesselt.

    Die Simpsons für Grundschüler, die schon das eine oder andere groß geschriebene Wort im Film schnell lesen und in Zusammenhang mit der Handlung verknüpfen können (ZENSIERT, DISZIPLIN, AUTORITÄT, DIE HOFFNUNG STIRBT HIER).

    Die deutsche Synchro ist lustvoll 1a und hat den Pfiff des Filmes kapiert.

    George und Harold sind Schulfreunde durch dick und dünn. Die Leiden von Ordnung, Disziplin und übriger Unterdrückung an der Jerome Horwitz Grundschule, die besser Haftanstalt genannt werden sollte, machen sie sich gemeinsam erträglich durch Comics, die sie in ihrem Baumhaus erfinden.

    Allerdings geraten Fantasie und Realität schnell mal durcheinander. Wodurch sie dem Lehrkörper und dem Direktor Krupp mit Streichen unangenehm auffallen. Das geht so weit, dass Krupp in seiner Verweiflung sie in separate Klassen versetzen will. Sie ahnen, dass das das Ende ihrer Freundschaft bedeuten würde.

    Derweil passieren Dinge, die der Geschichte immer wieder einen anderen Verlauf geben können. Der von ihnen entwickelte Held Captain Underpants, ein Held, dessen Charakterstikum ist, dass er nur mit Unterhosen bekleidet ist, macht sich selbständig und wird zum Double des Schuldirektors.

    Gleichzeitig bewirbt sich eine dubiose Figur namens Professor P. (wie Pipipups) für eine Stelle an der Schule. Es stellt sich heraus, dass er Übles im Sinne hat und den Menschen das Lachen nehmen will. Da ist er bei George und Harold an die Richtigen geraten. Die werden ihr Lachen bis auf die Knochen verteidigen.

    Das ist mit turbulenten Handlungen verbunden. Ein Nebenkapitel ist die Verselbständigung der Pistole des Professors, deren Zielobjekte geschrumpft oder vergrößert werden können.

    Angereichert werden die Handlungen gerne mit lautmalerischen Wörtern, auch Wortverdreher werden eingesetzt, alles was dem Bierernst einer Schule zuwider läuft. Und warum das überhaupt alles passieren konnte, auch das ist ein Streich der beiden Lausbuben: die Vorzimmerdame des Direktors wird am Telefon in einer Warteschlaufe gefangen gehalten.

    Der Film transportiert ein witziges Modell, wie Menschen sich gegen Zwangssituationen und Autoritätssysteme wehren und Selbstbewusstsein behaupten können, wie sie nicht zu Anpassern und Nachplapperern werden.

    Krupp ist bei den Schülern auch deshalb verhaßt, weil ihm selbst für den schulfreien Samstag noch ein (totlangweiliger) Erfinderwettbwerb einfällt. Die Erfindung einer überautomatisierten Toilette des Strebermitschülers und Schleimers Melvin nutzen George und Harald, um die Veranstaltung aufzumischen. Eine kleine (rührend-witzige) Liebesgeschichte wird auch noch eingeflochten, die zwischen Krupp und der etwas einfältigen, blauäugig-schwarzhaarigen Edith.

    Schildkrötenpetze, ein magischer Plastikring und ein Pupskissenkonzert bilden weiteren Unterhaltungszubehör.

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    Militärs sind Schweine,

    das ist vielleicht die allgemeine Erkenntnis, die aus diesem Magazinmampf, den der BR wohl auf irgendeiner TV-Ramschmesse eingekauft hat und nun mit Placebo-Sprecherstimmen entschärft seinen Zuschauern verabreicht, das ist vielleicht der Gehalt, der den Beitrag im Rahmen des Grundauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes für den Zwangsbeitragszahler irgendwie interessant machen könnte, dass Militärs Schweine sind.

    Denn was interessiert den Zuschauer in Deutschland Unrecht, was die US-Armee Bewohnern einer kleinen Karibik-Insel angetan hat – und das vor über 20 Jahren?

    Doch halt, der Beitrag hat auch für Deutschland Brisanz: denn auf Vieques hat die Deutsche Marine laut Wikipedia „im Rahmen der Ausbildungsunterstützung durch die US-Marine regelmäßig Landzielschießübungen auf der Schießbahn auf Vieques durchgeführt.“

    Insofern betrifft dieser Beitrag auch den deutschen Fernsehzuschauer – allerdings wird das in diesem Film von Max M. Mönch nur so nebenbei erwähnt. Was haben die Deutschen da geübt? Haben die auch Experimente mit Giftgas veranstaltet, haben die auch zur Verseuchung mit Schwermetallen beigetragen? Haben deutsche Soldaten selbst womöglich solche Teile in sich aufgenommen und sind später an Krebs erkrankt? Das sind Fragen, die dieser Beitrag umschifft. Warum wurde nicht die mediengeile deutsche Verteidigungsministerin befragt?

    Dann fragt sich allerdings, was so ein Beitag auf Zwangsgebührenzahlerskosten hier soll; gibt es nicht genügend Unrecht im eigenen Land, was hier ständig geschieht, wo Behörden sich mies aufführen? Was muten sie den Bewohnern allein an Feinstaub und Dieselemmissionen zu, was die erlaubten Richtwerke weit überschreitet.

    Wozu also so einen Mischmaschbeitrag, der noch dazu ständig mit bedeutungsvoller Klassikmusik aus dem Regal unterfüttert wird, über ein Unrecht, was zwar ein halbes Jahrhundert lang begangen, aber seit 20 Jahren vorbei ist, wo allerdings die juristische Aufarbeitung noch im Gange ist?

    Der Jurist John Arthur Eaves, Jr. setzt sich für die Belange der Inselbewohner ein, für Entschädigungen für die Inselbewohner im Milliardenbereich als Kompensation für die Gesundheitsschäden als Folge der skrupellosen Verhaltens des Militärs und der ebensolchen Skrupellosigkeit der staatlichen Gesundheitsbehörde, die den Experimenten die gesundheitliche Schadlosigkeit bescheinigt hat.

    Die Rede ist von der US-Armee, von der Navy, von Experimenten mit Giftgasen und chemischer Kriegsführung. Bis 2003 hat sie die Sau rausgelassen auf der paradiesischen Karibikinsel Vieques – ohne Rücksicht auf Verluste. Militärs sind Schweine.

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