Der wichtigste Film diese Woche ist zweifellos TONI ERDMANN. Als Eröffnungsfilm des Münchner Filmfestes hatte er zur Folge, dass in einer Klatschspalte zu lesen war, dass nach diesem Film die Honoratioren ihre Reden besser nicht gehalten hätten. Das lässt aufhorchen. Wobei sich die anderen Neustarts nicht verstecken brauchen, bis auf eine wie gewaltsam erzwungen wirkende Komödie.

    GHOSTBUSTERS
    Hier schon mal einen Vorgeschmack auf den Film, der bei uns am 4. August startet, anhand eines Blickes in die verheerenden Reviews bei IMDb.

    INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR
    Roland Emmerichs versiertes Spiel mit der Kleinheit der Menschen angesichts übermächtiger Aliens und wie sie sich wie Insekten doch ganz lustig zurechtbuddeln.

    MIT BESTEN ABSICHTEN
    Das Helfersyndrom von Susan Sarandon, mit der Absicht, Lebenssinn aus der Organisation von Glück für andere zu ziehen, verläuft sich im Laufe der vielfältigen, lebensnahen Handlung glücklich.

    MULLEWAPP 2 – EINE SCHÖNE SCHWEINEREI
    Hütet Euch in Eurer bequemen Idylle vor Herrn Horst: seine Freundlichkeit ist nur Fassade!

    STREET DANCE NEW YORK
    Ein fühliger New York Film, der die Trauer um 9/11 mit dem Traum von Musik und Tanz kombiniert.

    UNTERWEGS MIT JACQUELINE
    Eine Kuh, die mit einem kernigen, naturkomischen, algerischen Bauern zu Fuß unterwegs nach Paris ist, wird zum Medienbuzz.

    ATOMIC FALAFEL
    In der angespannt wirkenden „Komödie“ bleibt zwischen Realität und prätendierter Fiktion kein Platz für Witz und Humor.

    Zum Schluss noch ein Lesetipp.
    In artechock schimpfen Edelmann und Willman auf dem Filmfest 2016 auf die Jugend von heute.
    Ein geistreicher, kenntnisreicher, witziger Rückblick auf das Filmfest München 2016.

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    Ghostbusters, von „Totgeburt“ bis „überflüssig“

    Verheerende Reviews erntet der Film von Paul Feig, der bei uns am 4. August startet, bei IMDb, von „Totgeburt“ bis „überflüssig“, hier einige Auszüge:

    Heralded by the most disliked trailer in YouTube history, and an embargo on reviews until pretty much the day of release by a panicked Sony Studios, the „Heaven’s Gate“ of supernatural horror comedies is finally here, and what a terrible, unfunny, man-hating mess it is. (Gizmo)

    …The pace of the film is like molasses, the editing is amateur choppy, the acting is slapstick and the comedy is extra soft-porn SNL (Saturday Night Live). Yes I went in with considerable apprehension, but came out with a severe case of stomach cramps …(keithbeniceck)

    Stephan Lancaster titelt: Dead on arrival ….As far as the end result… …the film completely fell flat across the board. …

    Girlycard meint: Now, keep in mind that I’m going to try to make this as least-hostile as possible. But when a movie is this hypocritical, bigoted, and ignorant, there is nothing good that can be said about it. Except for the people who were literally bribed into writing positive reviews…

    StoryIsEverything fängt so an: I went into this movie with an open mind hoping that it would not be as bad as the trailers and TV spots suggest. It is. …

    Instead of getting a 3rd film with the original actors before Harold Ramis passed away we get a horrible i say horrible reboot and don’t start with this whole sexist thing we saw the trailers and both the cgi and the laughs were awful. (adonis98-743-186503)

    Mr_Piggles vermutet: I reckon this film will have a fairly average take when it opens in the US this weekend and then disappear in to the bad remake/reboot garbage pile.

    ccannigevans kommt zum Schluss: that’s it’s best to not see this movie.

    Jerry-Sprinkle folgert: Not only did they attempt to reboot a comedy (tell the same joke twice in a row and see how well it works the second time – comedy is a very very delicate thing and you need to respect the audience) but they went for a movie that originally caught lightning in a bottle. I don’t even think Ghostbusters II did enough to justify existing.

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    Von Kerala in Südindien über den Subkontinent und das Himalaya-Massiv bis Ulan Batoor sind es etwa 5000 Kilometer und von Teheran bis Shaanxi in China ebenso. 5000 Kilometer Durchmesser habe die Raumfähre, die jetzt die Welt angreift. Da kann es zwischen der Erdoberfläche und der Raumfährenunterfläche verdammt eng werden für fliehende Raumhopper, die inzwischen alltägliche Dienste zwischen Erde und Mond leisten, sie schauen dagegen aus wie Mücken, müssen in hohem Tempo artistische Kustflüge vollbringen, um nicht zerquetscht zu werden.

    Solche Details handelt Roland Emmerich in seinem Sequel, zu dem er mit vier anderen Autoren auch das Drehbuch geschrieben hat, in Sekundenschnelle ab. Es ist ein menschenfreundliches Werk. Die Erzählposition ist die aus der Sicht der Menschheit, der Verteidiger gegen die Aliens. Die Menschen müssen also nicht sich selbst oder Superhelden bekämpfen oder zu solchen werden, sie haben es nicht mit dem Bösen, sondern nur mit Übergrößen zu tun. Das Menschliche unter sich bleibt überschaubar.

    Gegen die erdrückende Übermacht der Aliens hat Emmerich eine Erfindung getätigt in diesem sonst nicht unbedingt erneuerungsfreudigen Film. Es ist eine Art Überraschungsei oder ein Ei des Kolumbus, was den Menschen den entscheidenden Beitrag zur Rettung vor den Angreifern leistet. Es kann auch sprechen und hat Eigenschaften, die das materiell Beschreibbare überschreiten.

    Von den Menschen selbst pickt Emmerich verschiedene Cluster heraus, menschliche Miniaturen, Personen, die durch familäre oder berufliche Umstände verbandelt sind.

    Ein Gruppe von Menschen um den amerikanischen Präsidenten, welcher eine Sie ist. Sie ziehen sich, wie die Katastrophe sich wie ein Tsunami nähert, ins Krisenzentrum in den Chayenne Bergen zurück. Aber nichts ist mehr sicher bei so einem gewaltigen Angriff.

    Es gibt eine Leitzentrale für die Übersicht über und die Kommunikation mit den Kampfverbänden und den Raumstationen.

    Es gibt eine Gruppe von Personal, das auf dem Mond stationiert ist und das die Raumfahrzeuge fahren kann, auch die bewaffneten.

    Es gibt einen Piratenkutter auf hoher See, das ist das gröbere, ordinärere Humansegment (zu welchem später bei den Kämpfern noch eine Art wilder Sölnertruppe stößt), aber selbst die sind solidarisch nützlich.

    Es gibt einen einsamen Fischer, der aber der Vater einer hohen Figur aus Washington ist. Er wird vom Tsunami in die Trümmer am Strand gespült. Diese Bilder erinnern an jene der letzten Tsunamikatastrophe in Asien. Dort greift ihn eine weitere Gruppe auf, das sind die ganz Jungen, die Teens, die in einem alten Amischlitten durch die Trümmer gondeln. Zu dieser Reisegruppe wird sich später noch eine banal kostümierte Schülergruppe samt ihrem gelben Schulbus gesellen, den der Alte steuern wird.

    Die Relation macht den Reiz von vielen Bildern aus: hier der Schulbus in der Wüste, der aussieht wie ein Spielzeugauto, wenn die Riesenkrake sich nähert.

    Emmerich inszeniert die Menschen greifbar, die Szenen nachvollziehbar, manchmal wirken sie fast ein bisschen gemütlich gegenüber den Massivauftritten anderer aktueller Blockbuster.

    Emmerich überfordert den Zuschauer nicht, ermöglicht ihm, sich entspannt an den Katastrophen zu weiden, sich daran zu freuen, wie er sich freut, Spaß dabei zu haben, diese auf der Leinwand möglich zu machen. Spiel mit der mückenhaften Kleinheit der Menschen, und wie sie sich doch irgendwie zurechtbuddeln mit Cleverness. Dabei hat Emmerich immer die relative Kleinheit und Machtlosigkeit der Menschen im Auge angesichts eines undenkbar großen Weltalls und möglicher Lebewesen und Innvasoren von dorten, am gefährlichsten scheint die Königin. Und die deutsche Synchro ist recht akzeptabel.

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    Fröhliche, bunte, übersichtliche Kinder-Bilderbuchwelt: ein Hof umraint von gelben Feldern, worin ein grüner Traktor feststeckt, ein Vorratshäuschen, eine Scheune und Schwein und Maus und Hahn und und.

    Mullewapp heißt der Hof. Alle freuen sich auf den Geburtstag von Schwein Waldemar, er am meisten auf die Torte. Die wird mit viel Geheimnis versteckt. Ein Fremder wird auf den Hof gebracht, er gibt dem Hauptfigurentrio und ihrem Fahrrad die Schuld an einer Fußverletzung. Es ist das Stachelschwein Horst, will majestätisch behandelt werden und hat diverse Eigenschaften eines, hm, Magiers oder vielleicht auch Scharlatans. Auch er ist scharf auf die Geburtstagstorte. Außerhalb des Hofes hat er noch drei Grobiane von Kumpanen, die aussehen wie die Panzerknacker aus den Micky Maus-Heften. Horst ist überaus dreist, wird sich zeigen.

    Die sesshaften Hofbewohner sind gutmütig und brauchen ihre Zeit, bis sie die Gefahr überhaupt erkennen. Ähnlich wie beim Biedermann und den Brandstiftern.

    Horst hat einen Spion, die Fledermaus, die Geheimnisse herausfinden und weitergeben kann. Gefahr für die Torte. Auf dem Weg zu deren Rettung erlebt unser Trio wilde Abenteuer, wird mit Ballons in ferne Sphären entführt, fährt Wasserrad einen reißenden Fluss mit Wasserfällen hinunter oder auf den Radfelgen über Schienen, die extremere Krümmungen haben als eine Achterbahn und viel, viel länger sind.

    Hinzu kommt, dass unsere liebenswürdigen Figuren gerne Malheurs passieren, so wie den kleinen Zuschauern, die aufstehen und hinfallen und vieles lernen müssen über den Weg der Pannen, trial and error, die hier locker eingestreut werden.

    Die Krimistory von Jesper Moller und Armin Völckers findet in der Regie von Theresa Strozyk dank der List im Sinne von Kinderstreichen zu einem Countdown mit gutem Ende.

    Für dieses Kinderalter aber ist 3-D vollkommen überflüssig und heller leuchten würden die Korn- oder Rapsfelder auch.

    Mein großes Problem ist die Sprecherspur. Hier überzeugt mich einzig der Biber, der nicht schwimmen kann und der auf einer Insel lebt (es gibt ja noch Surfbretter); er spricht einen glaubwürdigen Prolo-Dialekt (und dem lustigen Satz, das Trio könne nur an Land, wenn der See austrockne, „so globalwarmingmäßig“), während alle anderen Figuren leider ungepflegt chargieren, was das Zeugs hält, was für Erziehung und Entwicklung des Sprachgefühls der Kinder keinesfalls förderlich ist.

    Eine qualitätsvollere Tonspur mit Sprechern mit einem gewachsenen Sprachgefühl und gepflegter Sprachkultur würde dem Film zu haltbarerer Qualität verhelfen. Das müsste sich machen lassen. Während die Musikspur Spaß macht mit ihren Referenzen an Folk und Wildwest oder auch mit Gaunerkomödiensound.

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    Mit kalkulierter Naivität entwaffend wider den tierischen Ernst und mittenmang ins Herz mit einem großartigen Naturkomiker, Fatsah Bouyahmed als Fatah, der sich mit seiner Kuh Jacqueline von Algerien über das Meer aufmacht nach Marseille und von dort zu Fuß nach Paris zur Landwirtschaftsmesse und der seine Komik aus einem wachen, klaren Geist in einer Durcheinanderwelt bezieht, wenn ihm nicht gerade der „Willi“, der Alkohol, einen üblen Streich spielt, dessen Folgen er aber genauso mit seinem klaren Kopf wieder ausbügelt. Fatah hat einen unverkrampften Zugang zur Kreatur, wie sein selbstverständlicher Umgang mit der Kuh (hoffentlich hat sie nicht allzu sehr gelitten unter den strapaziösen Dreharbeiten!) zeigt.

    Mohamed Haimid, der Autor und Regisseur des Filmes, beginnt die Geschichte in einem abgelegenen Lehmhäuserdorf am Rande der Wüste in Algerien. Fatah wird eingeladen, mit seiner Kuh Jacqueline am Wettbewerb der Landwirtschaftsmesse in Paris teilzunehmen.

    Die bescheidenen Lebensverhältnisse zwingen ihn, von Marseille aus zu Fuß zu gehen; das Dorf unterstützt ihn und wird über Telefon, Skype, Twitter und Facebook lebhaft Anteil nehmen an seiner abenteuerlichen Reise.

    Unfreundlich empfangen wird er von Schwager Hassan, Jamel Debbouze, dem Besuch aus der Heimat nicht passt, weil das Dorf nicht wissen soll, dass er mit einer blonden Französin verheiratet ist und mit ihr zwei Kinder hat.

    Auf seiner Reise wird Fatah Erlebnisse mit einer netten Bäuerin, die ebenfalls Jacqueline heißt, haben, er wird einem Magier begegnen und der Alkohol trägt ihm eine peinliche Fotostrecke ein, die zuhause für Aufruhr sorgt und den Zusammenhalt seiner Familie gefährdet.

    Zu seinem ständigen Begleiter wird bald der hochverschuldete Gutsbesitzer Monsieur Philippe, Lambert Wilson, der in seiner Einsamkeit die Menschlichkeit an Fatah entdeckt und von ihr fasziniert ist.

    Fatah gerät in Bauernproteste hinein. Hier wird der Kern gelegt für einen sich stetig steigernden Medienhype, einen Buzz, der sich zum eigenen Akteur im Erreichen des Zieles von Hassan entwickelt und ihm zu einem guten Ende verhelfen wird.

    Was Fatah an Frankreich verblüfft, dass hier offenbar jeder eine Depression hat, während er sich über das Fernsehen in Algerien aufregt, dass hier nur Männer mit Schnauzbärten zu sehen seien, sogar in Kinderanimationsfilmen. Aber eine Depression hätte er schon auch gern. Das ist der Ernst der Klamotte.

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    Musikfilm mit den Zutaten: klassisches Ballet, klassische Geige und Hip Hop, britischer Straßengeiger ohne Aufenthaltsgenehmigung in New York (Nichoals Galitzine als der zum Schmachten süßliche Johnnie), höhere Tochter als Ballettstudentin an der feinen Ballettschule (Keenan Kampa als Ruby); der Verlust einer Geige, der Kampf um Stipendien beim berühmten Wettbewerb, harter Besserwisskonkurrent (Richard Southgate als Kyle), gehbehinderter Ballettlehrer, dem im KZ die Knochen gebrochen worden sind (Paul Freeman als Kramrovsky, der Weisheiten zum Thema Freiheit der Kunst von sich gibt, über das Loslassen und die Defizite von Perfektion, wie soll es weitergehen, wenn diese erreicht ist?), die harte Ballettschulleiterin (Maia Morgenstern als „Madame“ Markova), die eis- und beinharte Tänzerin (Anabel Kutay als April), die hochbegabte Ballettschülerin, die auf den Motorradtrip mit dem potenten Macher nicht verzichten will und Pünktlichkeits- und somit Disziplinprobleme hat (Sonoya Mizuno als Jazzy) und schließlich die Hip-Hop-Gruppe Switchstepcrew, die direkt unterm Logis des britischen Straßengeigers wohnt und übt.

    Der Film von Michael Damian, der mit Janeen Damian auch das Drehbuch geschrieben hat, führt diese Figuren und ihre beachtlichen Künste zusammen und lässt die Auseinandersetzung bei einem String- und Tanzwettbewerb um ein Hochbegabten-Stipendium kulminieren.

    Damian versucht, dem Trend moderner Tanzfilme, die sich einen Überbietungswettbewerb an Hochschaukeln mit immer extravaganteren Nummern und Choregraphien bieten, zu umschiffen, indem er sich Zeit lässt für die kleinen Geschichten dazwischen, Rubys Ankunft in New York, Straßenmusikauftritte von Johnnie, wie er die Bekanntschaft mit den HipHopern macht, die mit Ruby.

    Wilder geht es zu bei einem Sponsorenevent, feine Gala, feine Gesellschaft in der Oper, der Geiger Kyle spielt. Krasse Klassenunterschiede: Johnnie und die HipHoper arbeiten im Catering und bringen mit einer energiegeladenen Tanzeinlage die Tangogesellschaft durcheinander. Erst kommt es zu einem Geiger-Hahnenkampf, dann zu einem Hip-Hop-Auftritt. Durch diesen Versuch, der Musik und der Kunst einen menschlichen Humus zu geben, wirkt der Film allerdings gelegentlich etwas betulich mit einer Schlagseite zum Kitschig-Süßlichen.

    Es scheint auch ein sentimentaler New York Film zu sein; offensichtlich und mehrfach in der farbunifizierten Skyline von New York ist der Nachfolgebau für die Twintowers auffällig herausgehoben und Johnnie erzählt in einer Liebesszene, dass er seinen Vater verloren hat; das Todesdatum hat er auf seinem rechten Oberarm eintätowiert, es ist das Jahr 2001, es kann sich nur um 9/11 handeln.

    Sentimental sind nicht nur Johnnies Styling mit der schmalzigen Locke, dem versonnenen Hundeblick, dem reinen, feinen, blassen Teint, sentimental ist auch seine künstlerische Definition, mit der er vorgestellt wird, der Drang, Musik zu machen, Geige zu spielen, würde ihn innerlich verzehren, wenn er ihm nicht nachgeben könnte. Idolisierend.

    Es scheint, Damian hängt einem Ideal von Kunst und Leben hinterher, das so nicht so richtig zusammenzubringen ist; und die Trauer darüber fließt mit ein in diese ernst gemeinte Kunstbetrachtung.

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    Wie eine Geschichte, die das Potential für spannende Konflikte hätte, in allumschlingender, amerikanischer Herzlichkeit sich auflöst, zeigt uns hier Lorene Scafaria, die Autorin und Regisseurin dieses Filmes.

    Das Thema, das sie uns eingangs bannend präsentiert, ist eine Mutter-Tochter-Beziehung. Die Mutter, Susan Sarandon als Marnie, ist nach dem Tod ihres Mannes allein, verfügt über genügend Geld. Sie entscheidet sich, von New Jersey nach Kalifornien in die Nähe ihrer Tochter Lori, Rose Byrne, zu ziehen. Die ist Drehbuchautorin und lebt allein mit zwei Hunden.

    Wie nun die Mutter Lebenssinn aus dem Versuch, das Leben der Tochter zu organisieren, ziehen will, das inszeniert Scafaria lebensnah und wird von den beiden Darstellerinnen großartig gespielt. Hier bahnen sich handfeste Konflikte an, die vom Storytelling her Spannung versprechen.

    Aber das reicht der Mutter nicht. Sie versucht, einen Verkäufer von Apple, Freddy / Fredo, Jerrod Carmichael, der mit seinem Charme gewiss nicht nur Kunden zu gewinnen versteht, in ihr Tentakel-Sponsoren-Netz einzubauen. Sie fährt ihn öfter nach Hause, ermuntert ihn zum Weiterstudieren, will ihn unterstützen; ein Opfer ihres Helfersyndroms. Dieses kleine Kapitel des Filmes ist gut auch als pure Apple- und i-Pad-Werbung zu lesen.

    Ferner will Marnie Jillian, Cecily Strong, unter ihre Fittiche nehmen und ihr die Hochzeit mit ihrer Freundin finanzieren. Insofern ein rein amerikanisch süßer Hochzeitsfilm mit allem Drum und Dran und Yacht.

    Dazwischen lässt Marnie sich überreden, als Komparsin bei einem Dreh mitzuwirken. Das ist nicht unkomisch, wenn ein großer Star wie die Sarandon, sich an so etwas versucht, was da se nie und nimmer gelingen kann, ihr und dem Film aber auf die Alters-Rom-Com-Schiene verhilft, indem Zipper, ein Ex-Polizist, J. K. Simmons, sie deswegen als vermeintliche Schauspielerin anspricht und mit seiner Harley Davidson in den Bereich der Altersliebesgeschichten, in denen Hühner und Eier und das Stöpseln von Kabeln eine Rolle spielen, entführt.

    Es kommt noch ein Ehrenamts-Job im Spital dazu, Betreuung einer bettlägrigen, alten Frau, die nicht mehr sprechen kann, eine Geschichte, die mit einem kleinen Wunder zu Ende geführt wird.

    Bei all diesen Einsamkeitsbewältigungsversuchen – die Tochter, die von der Mutter sichtlich genervt war, hat sich längst nach New York zu Dreharbeiten abgesetzt -, hat sich der sich anbahnende Konflikt zwischen Mutter und Tochter wie verflüchtigt, verliert sich in Mutters netten Zerstreuungen der mannigfachsten Art, denn auch in all den kleinen Geschichten verschwindet das ursprüngliche Motiv, mit Geld sich Freunde zu verschaffen, zusehends.

    Konflikte lösen sich auf wie nichts, falls sie sich überhaupt noch anbahnen, was vermuten lässt, dass es sich bei diesem Film eher um eine Anekdotensammlung nach Erlebtem, denn um den Versuch das Thema Einsamkeit und Alleinsein als ältere, wirtschaftlich gut ausgestattete Frau zu ergründen, wobei auch eine Psychiatrin ab und an vorkommt, aber auch sie verliert sich in den anderen Erzählsträngen.

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    Die witzloseste Komödie ever. Lediglich schlecht gespielte Realität und was dazu erfunden ist, ist auch nicht besonders originell. Pech dazu, dass der Boden, auf dem sie leben sollte, der Atomkonflikt zwischen Iran und Israel, inzwischen durch das Abkommen mit Iran weggebrochen ist.

    Die Absicht von Dror Shaul, Drehbuch und Regie, prätendiert, komisches Potential aus diesem Atomkonflikt zu ziehen, dass beide Mächte behaupten, sie hätten keines, aber eines haben und dass sie kurz davor stehen, die Raketen loszuschießen und dass beide versuchen, nach Kanten die internationale Kommission zu täuschen.

    Das ist nun so real, dass kein Blatt mehr zwischen die Realität und eine beabsichtigte Komödie passt, also Null Humorpotential.

    Die einzigen Komiker hier sind, oder vielleicht sollte man von Rittern der Traurigen Gestalt sprechen, die Förderer und Finanzierer, die offenbar Humor im Drehbuch gewittert zu haben glaubten und das Projekt bezuschussten: Israel Film Fund, the Ministry of Culture and Sport, the Israel Film Council, Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Medienboard Berlin-Brandenburg, Deutscher Filmförderfonds DFFF, Norddeutscher Rundfunk (rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!!!), ARTE (rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!!!), New Zealand Film Commission, Images & Sound Limited, YES. Das sind die traurigen Komiker bei dieser traurigen Produktion.

    Es ist auch ein Schauspieler dabei, ein Deutscher, Alexander Fehling, der überzeugend den deutschen Atominspektor gibt und dafür aus dem deutschen Zwangsgebührentopf naschen durfte, und bei dem komisch sein soll, dass er immer hochrot im Kopf anläuft, wenn er in die Nähe von Uran kommt, und dann wohl Watte in den Mund steckt, damit er nicht mehr richtig sprechen kann.

    Dann gibt es noch eine kleine, jugendliche Hackergeschichte, die wiederum die Tricksereien des Militärs austricksen soll. Auch das ist nicht einen Millimeter lustig.

    Eine weitere Katastrophe ist die miserable deutsche Synchronisation.

    Der israelische Verteidigungsminister macht immer wieder einen merkwürdigen Schniefversuch. Es gibt einen Militär mit Augenklappe. Und es gibt einen Israeli, der einer Altmetallsammelstelle gleicht, vor lauter Eisen, was ihm in den Körper eingedrungen sei und zwei auf der Stirn deutlich angeklebte Schraubenmuttern sollen belegen, dass da Schrauben drin stecken.

    Ein Militärcomputernerd, der frisst ständig Hamburger, wie sowieso alle, die etwas essen, das immer übertrieben unanständig machen und ein iranischer Mullah isst eine Banane.

    Ein Count-Down über 6 Tage versucht darüber hinwegzutäuschen, dass hier der Erzählwitz stehengeblieben und verdorrt ist schon vorm ersten Drehtag.

    Der Film tut keinem weh, weil er zu stumpf ist. Geschnitten ist er im preussischen Stechschrittrhythmus. Zwischendrin schweift der Geist ab und fragt sich, wie viele syrische Flüchtlinge hat Israel eigentlich aufgenommen? Und wer sollte sich für so eine „Komödie“, die keine ist, interessieren? Und dann gibt’s noch den Folterer vom Baumarkt.

    Komödie tut normalerweise so, als mache sie etwas, was so nicht passiert, aber eine Logik hat; hier ist das, was die Komödie tut, real: Israel und Iran liebäugeln mit den Atomwaffen, sie leugnen sie beide ab und sie versuchen, Inspektoren mit allen Tricks zu hintergehen und auszubooten und sie bedrohen sich gegenseitig mit Ausradierung durch Atomangriffe. Was soll daran komisch sein?

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    Kino als erlesener Kulturevent, als erstklassige Kunstveranstaltung, als extraordinäres Kulturprogramm, als exzellente Einführung zum Thema Argentinien, seine Musik, sein Tanz, sein Gesang, seine Folklore.

    Eingerichtet von der Meisterhand des Carlos Saura. Er formt seinen Bericht in der Art einer Bühnenshow. Erst richtet er die Bühne ein, sie wird nach und nach sichtbar, Kabel, Scheinwerfer gehen an. Ein Pianist spielt die Ouvertüre.

    Zur Präsentation arbeitet Saura neben einem Bühnenpodest mit variablen Wänden, von der Blackbox über Spiegel, Unifarben oder Screens, die mal einen historischen Hinweis einblenden oder die durch Beleuchtung von hinten für Schattenspiel genutzt werden oder die die Darsteller wie bei einem Popkonzert in Großaufnahme zeigen oder Archivaufnahmen in der Hommage an die große argentinische Sängerin Mercedes Sosa, vor ihr lümmeln sich auf alten Schulbänken in Weiß gekleidete ABC-Schützen.

    Der Film wirkt wie ein Galaabend zu Ehren der argentinischen Kultur, alles vom Feinsten und großartig präsentiert, die Nummern ausgiebig wie bei einem Konzert, keine Schnittkurzatmigkeit, wie das Fernsehen sie diktiert, ungeschmälerter Genuss für Aug und Ohr und Sinnlichkeit und Herz.

    Carlos Saura als schmeichelnder Kulturvermittler, Kulturgenuss pur in kunstinniger Präsentation, erstklassig, frisch wie live von der Bühne.

    Gesangstexte von der Liebe zu Argentinien, dem Heimweh, der Begründung warum der Mond besungen wird, die Verletzung der Erde und des Klimas, vom Kampf mit dem Schatten und dem Tod als Begleiter, und dass sich alles immer ändert und nur die Liebe bleibe oder es geht um verschütteten Wein. Es gibt die Ode an das geliebte Tucamán oder es geht um ein einsames Gebirge und salzige Tränen oder dass der Vater unter Tage starb. Es geht um den Gesang auf Wanderwegen und im Gefängnis und um die Gerechtigkeit. Gato, den Gesang der Katzen inszeniert Saura ausgehend vom Schminken der Tänzerinnen als Katzen.

    Die zweite eindrückliche Hommage gilt Atahulpa Yupanqui.

    Themen sind: Copla (Genre der Volksmusik), Zamba (argentinische Musik und Tanz, nicht mit dem Samba zu verwechseln), Vidala (poetische, von der Gitarre begleitete Komposition), Zamba Allegre (traditioneller argentinischer Folkloretanz), Chacarera Doble (traditionell argentinischer Folkloretanz), Chamamé, Cueca (Paartanz, der wie ein Balztanz wirkt), Malambo (ein Volkstanz), Steptänze und Carnavalito (kanrevalseker Tanz).

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    Dima-Leaks

    Genussthriller nach John le Carré (A most wanted man, Dame, König, Ass, Spion, „Der ewige Gärtner“, „Der Schneider von Panama“ etc.) von ihm produziert, das Drehbuch ist von Hosseini Amini (Die zwei Gesichter des Januar, 47 Ronin, Drive, die Regie führte Susanna White.

    Eine handfeste Illustration zum T’hema Verrat, die den Thrill im Gegensatz zu früheren Werken von John le Carré als der Kalte Krieg enorme Spannung ermöglichte, daraus bezieht, dass ein arglos unbescholtenes Paar, Ewan McGregor als Poetikprofessor Perry und Naomi Harris als Anwältin Gail, die gerade eine erotische Liebeskrise durchleben, vom russischen Whistleblower Dima, Stellan Skarsgard, der wie ein Urrusse aussieht und tönt und dieses nicht zu bändigende Leben und Wesen ausstrahlt, Hilfsdienste bei seinem Geheimnisverrat an den britischen Geheimdienst M16 leisten soll.

    Durch einen dummen Zufall geraten sie in die Sache hinein. Sie wollen in Marrakesch in einem Luxushotel eine Renaissance ihres Intimleben anstoßen. Die russische Mafia feiert hier Party. Dima ist der Finanzchef, sieht sich bedroht und will sich und seine Familie in Sicherheit bringen.

    Den Kontakt zum M16 glaubt Dima nur durch unverdächtige Briten herstellen zu können. Perry sitzt dummerweise im falschen Moment am falschen Ort, wodurch er – Angebote russischer Gastfreundschaft sind unmöglich auszuschlagen – ins Visier der Geheimdienst- und der russischen Mafiawelt gerät; so wie ein Mensch, der mit Sommerschuhen eine Bergwanderung durchführt; oder wie die Tänzerin, die in der Eingangssequenz in Russland im Tutu in den Schnee flüchtet.

    Die Vertrauen erweckende und durch das Chaos führende Figur ist Hector, Damian Levis, ein Mitglied des M16, der, das kommt thrillerhöhend hinzu, sich mit seinen Aktionen zur Erlangung des Wissens über die russische Mafia Vory, es geht um Geldverschiebungen und Geldwäsche im großen Stil, bei seinen Chefs verdächtig macht und sich selbst in Gefahr bringt.

    Hector könnte mit seiner dickrandigen Brille und seinem coolen Blick ein Enkel der berühmten Carré-Figur Smiley sein, mit der sich Alec Guiness einsten ein Denkmal gesetzt hat.

    Zum erlesenen Genuss tragen ferner bei die Musik von Marcelo Zarvos, die requiemhaft in Moskau anfängt, die Kamera von Anthony Dod Mantle, die gerne mit Unschärfen, Spiegelungen, Schatten arbeitet mit einem leichten Drall ins Designhafte und die Stadtsilhouetten oder auch die Berge mehr wie erzählerisch notwendig-markierende Prospekte einsetzt, ihnen somit jegliches von der Story ablenkende Eigenleben nimmt; aber man weiß immer, wo man ist, mehr braucht es nicht.

    Das Verrückte an dem Film ist, wie aus einer kleinen, freundlichen Geste für einen fremden Menschen eine lebensbedrohliche Verquickung entsteht. Menschenfreundlichkeit und die Folgen. Der Film spielt in Moskau, Marrakesch, London, Paris und Bern – hier tanzt der Bär auf dem Seil.

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