Amat Escalante, der mit Gabriel Reyes auch das Buch geschrieben hat, beschreibt einen Ausschnitt aus der Geschichte des Lebens von Heli im Spannungsfeld des mexikanischen Dorgenkrieges. Ein heftiges, grandioses Stück Kino vom Buch über die Besetzung, die Inszenierung, die Fotorafie, den Schnitt und den Sound.

    Heli ist ein junger Mann. Er wohnt mit seiner Frau, die er vor einem Jahr geheiratet hat, und einem Baby und auch noch mit seinem Vater in einem einfachen Haus in einer steppenhaften Gegend in Mexiko, filmergiebigen Gegend, in der Nähe einer Autofabrik.

    Über eine Volkszählerin, die an seine Tür kommt, erfahren wir einiges über seine Lebensumstände. Er arbeitet wie sein Vater in der Autofabrik, ein ganzes Stück Weges zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Es ist eine hochmoderene Fabrik mit viel Roboterarbeit, aber die Menschen müssen immer noch einige Handgriffe machen, wenn zum Beispiel die Autodächer angepasst werden.

    Auch die kleinere Schwester Estela wohnt bei Heli. Sie büffelt für die Schule, Sozial- oder Kommunikationswissenschaft, etwas ganz Neues auf jeden Fall.

    In der Gegend ist auch Militär zugange. Der Drogenhandel spielt eine Rolle. Die Verbindung von der Familie zum Militär ist gegeben durch den Freund von Estela. Sie ist 15, er 17. Er wird dort gedrillt. Es wird vom Militär eine große Menge Rauschgift entdeckt und in einer steifen Zeremonie verbrannt.

    Selbstverständlich haben einige Soldaten einige Päckchen Kokain abgezweigt. Der Freund von Estela versteckt sie im Wasserbehälter über dem Haus ihrer Familie. Heli kommt dahinter und vernichtet das Pulver in einer malerischen Senke, in der sich trübes Wasser und eine Kuh befinden. Somit hat er die Drogenmenschen auf sich aufmerksam gemacht, die schnell dahinter kommen. Ihre Rache wird furchtbar sein.

    Escalante erzählt die Geschichte spannend mit subtil grandioser Schauspielerführung und in einem überraschenden Bogen.

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    Drama um eine unzuverlässige, liebessehnsüchtige, alkoholabhängige Mutter.
    Ihren Mann hatte sie bei einem Autounfall verloren. Die Tochter muss sich für Prüfungen an der Schule vorbereiten. Sie ist überall gut außer in Mathe. Und genau da sollte sie büffeln. Aber Mutter veranstaltet Partys zuhause. Keine Konzentration möglich. Oder sie geht in die Disco zum Anbandeln. Tochter holt die Post aus dem Briefkasten. Mahnungen und Rechnungen. Mutter vernachlässigt alles. Geht auch nicht zum Elternabend, zu dem sie dringend gebeten wird.

    Trotzdem scheint Mutter ihren Job zu erfüllen. Sie ist aber ständig pleite und muss eine Freundin anpumpen. Einen Job scheint sie in einer Klinik zu haben (Ärztin oder Krankenschwester?), sie habe viele OPs, sagt sie einmal. Ein ander Mal sieht man sie als Verkäuferin in einem Warenhaus in der Textilabteilung.

    Tochter leidet unter der Mutter. Will sie vom Alkohol wegbringen. Endlich findet Mutter einen netten, anständigen Typen mit zwei Kindern. Ludwig. Ein höflicher, zuvorkommender und gebildeter Mensch, zudem Redakteur. Vor ihm spielt sie ihrer Tochter gegenüber die perfekte Mutter. Ludwig scheint darauf reinzufallen. Aber wie er sie im Alkohol erlebt, will er nichts mehr von ihr wissen. Inzwischen hat es gefunkt zwischen ihm und der Tochter Elise, Jasna Fritzi Bauer, eine wirklich hoffnungsvolle Nachwuchsschauspielerin, die mir bereits in Scherbenpark aufgefallen ist; sie lässt durch die Situation mit dem toten Vater und der unfähigen Mutter ihr großes Pianistinnentalent verkümmern.

    Weihnachten, das Fest der Liebe naht. Das wird die Beziehung der drei neu würfeln. Der Film will den Zuschauer aber nicht ganz hoffnungslos entlassen. Er endet vor einem Sanatorium, in das die Mutter gegangen ist. Und da ist auch noch der halbwüchsige Sohn von Ludwig, der bisher wenig Funktion hatte. Dem gefällt die junge Pianistin ausnehmend. Der wirkt etwas schematisch hinzugefügt.

    Wolfgang Dinslage hatte ein Buch von Erzsébet Rácz zur Vorlage für seine Inszenierung, die versucht nah an der Realität zu bleiben. Er führt sein Ensemble aus gestandenen Berufsmimen recht natürlich und garantiert dadurch eine gewisse Grundglaubwürdigkeit und auch Spannung, wie denn Elise mit dieser schwierigen Konfliktsituation zurecht kommen wird. Tauglicher TV-Realismus in gehobenem Milieu angesiedelt (Piano, klassische Musik, Beethoven oder die Bedeutung der Oper „Die Perlenfischer” von Georges Bizet). Trotzdem wirkt der Film mehr wie eine theoretische Erörterung, der man aber gerne folgt. Allerdings wirkt wenig plausibel, dass Ludwig ein Junggesellenleben mit Weggehen führt, obwohl er doch einen Haushalt mit zwei Kindern und seinen Beruf zu bewältigen hat.

    Wenn jetzt die beiden entzückenden Tanten noch Tango getanzt hätten, dann wäre vielleicht der perlende Schuss Leben in die Geschichte gekommen, die sie über die reine Etüde hinaus erhoben hätte.

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    Hier feiert die ungehobelte Provinz, deren Gesicht nicht für Anpassung und Bürgerlichkeit steht, Urständ, teils gewollt, teils urwüchsig. Auf der einen Seite der Aktion steht der Bub Quinquin, Kindkind, mit seinem schiefen Mund, seinen nicht anbiedernden Blicken, vielleicht einem Hauch von Inzucht, seiner Rebellion gegen alles Gefällige und Geordnete, seiner skeptischen Haltung gegen Leben und Familie (dann aber doch artig Kind, lehnt er sich an die Schulter der Mutter) aber auch seiner Neugier dem Leben, der Provinz und den Mädchen gegenüber, einer Zukunft, die wenn man die Erwachsenen und ihr Tun beobachtet, nicht gerade verheißungsvoll ist. Ein idealer Junge für das Genre des Schlingelfilms.

    Auf der anderen Seite ist der Kommissar mit seinem zahnlückigen Assistenten Carpentier. Der Kommissar selbst, eine unruhige Ebene von Gesicht mit einem Zucken in jedem Moment, mit buschigen Augenbrauen und schlohweiß-lockigem Künstlerhaar. Er weist die Kinder eher gutmütig zurecht.

    Auf dem Bauernhof wirft Quinquin Knaller in den Hauseingang oder erschreckt damit Radtouristen bei ihrem Picknick in den Dünen. Objekt des Interesses sowohl von Kommissar als auch vom Kid: eine Kuh, eine tote Kuh, die in einer Screen-ergiebigen Aktion mit einem Heli aus der Ruine eines Weltkriegsbunkers gehoben wird. In ihrem Inneren findet der Tiermediziner die Rückstände einer Frau, lauter kleine Teile bis auf den Kopf. Der fehlt. Es wird sich ergeben, dass es Frau LeBleu ist, ihr Mann ist mit ähnlichen Ticks im Gesicht gesegnet wie der Kommssar, aber der Kommissar, der hat auch noch erhebliche Probleme beim Gehen, er hat einen richtig wackeligen O-Bein-Gang.

    Das Geheimnis von Kommissars O-Beinen wird in Folge eins nicht gelüftet, genauso wenig wie das Geheimnis der Toten in der Kuh. Ja es scheint sogar, dass das das Spannungsmittel für die Fortstetzung dieser 4-teiligen, skurrilen französischen Fernseserie ist, denn der letzte Anruf in Folge 1 ist, dass eine tote Kuh gefunden worden sei.

    Bei der Beerdigungsszene von Frau Lebleu allerdings haut es die bisher wie naturbelassene Provinz aus den Angeln, da wird mutwillig geblödelt mit einem Mikro, das an einer nicht fixen Angel hängt und grässliche Rückkoppelungen verursacht und einem Organisten, der auf seinem Harmonium nicht aufhören kann und einer Sängerin, die sich wohl am liebsten selber hört und mit Gelächter und weit übertriebenem Spiel: der Komik Zunder geben.

    Die deutsche Synchronisation ist plump, vor allem die Stimme des Buben schlecht ausgewählt. Das nimmt der Angelegenheit merklich von ihrem provinziell beabsichtigten Reiz, von Menschen die in einem prägnant reduzierten Bewusstsein leben, deren Gesichter sich den Furchen der Erde oder der Meeresoberfläche anpassen.

    Aber auch: Das Fernsehen kauft hier die Marke „Bruno Dumont“ als Autor und Regisseur, bei uns am ehesten bekannt mit „Das Leben Jesus“ von 1997. Da ist er als eigenbrödlerischer Provinzkopf aufgefallen. Und hier hat er sich das Business mit dem Fernsehen teils etwas leicht gemacht, minutenlang einen Gesangswettbewerb zu zeigen oder Majorettennummern und überhaupt der ausgiebige Fahnengruß der Blaskapelle vor dem Kriegerdenkmal zum 14. Juli.

    Nach der breiten Islamismus-Amokschützen Szene gibt es einen großartigen Moment des Kommissars, ein Spiel seiner Ticks, die schwanken, ob sie weinen oder lachen sollen. Diese Gesichtspantomime dürfte recht einmalig sein im Fernsehen.

    Und gegen das Klischeebild der Provinz am Rande des Zombitums und der vorherrschenden Asymmetrie. Nach einiger Zeit zeigt Dumont, dass der Film in einem modernen Dorf mit Neubauten spielt und auch modernem Restaurant mit Pianomusik; Provinz nicht nur billig hinterwäldlerisch; wie denn sowieso keine der Entwicklungen in den Serienteilen vorhersehbar sind, immer wieder lässt sich Dumont auf Äste hinaus, nimmt Abzweigungen, die man nicht erwartet oder freut sich über einen Behinderten, der tanzt, als ob er ein Kreisel sei oder am Organisten, der nur mit Tastenklimpern an seinem Harmonium übt ohne die Luftpedale zu bewegen. Oder seine Inszenierung gerät in den Bereich moderner Kunstperformance bei der Schweigeminute vor der Nixe. Dann aber wieder die Behauptung, die Provinz, das sei die Hölle. Ein bisschen Achternbusch, nicht primär auf Storytelling konzipiert, sondern sich die Narrenfreiheit nehmend, umso mehr als ihm hier das Fernsehen blanco 200 Minuten Film gespendet hat.

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    So fängt die Review von stefe anlässlich des Kinostartes an:
    Dieser Film von Andreas Nickel, ein mit nachgespielten Szenen angereichertes Biopic über den Extrembergsteiger Reinhold Messner, hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: einerseits ist er mitreißend durch einen Flow von Bildern, der so konzentriert ineinandergreift, wie Messner nach seiner Selbstbeschreibung beim Klettern in einen Flow kommt, die totale Konzentration auf den nächsten Halt, den nächsten Griff – alles andere: Gefahr und Liebe und Geschwätz und Verwandtschaft muss ausgeblendet sein, sonst stürzt er sofort ab – einerseits also ein Flow von Bildern, in der überwiegenden Mehrzahl Flugaufnahmen von Berggipfeln und Kletterwänden und Steilhängen und Schneeflächen, so dass man beim Verlassen des Kinos erst unwillkürlich Tritt zu fassen versucht und bass erstaunt ist, in einer stinknormalen europäischen City zu stehen, andererseits trieft diese Bildwerk auf seiner Textseite so was von Moral und von Rechtfertigungsversuchen, warum Messner nach dem skandalumwitterten und breit und immer wieder durch die Medien getretenen Tod seiner Bruders auf dem Nanga Parbat weiter gemacht habe mit der Extremkletterei, dass man so gar kein gutes Gefühl noch eine Sympathie für Messner erhalten will. Ganze Review.

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    Inspired by Saif al-Arab al-Gaddafi selig.

    Der sechste Sohn des inzwischen getöteten libyischen Diktator Muammar al-Gaddafi, Saif al-Arab al-Gaddafi hatte in München gelebt und ist daselbst oft aufgefallen wie er mit seinem Ferrari dröhnend durch die Straßen bretterte, illegale Waffen besass und den Münchner Polizeipräsidenten in die Bredouille brachte. Besagter Polizeipräsident sei inzwischen von seinem Posten nach oben wegbefördert worden.

    Gemeinsam ist diesem Tatort mit dieser Gaddafi-Geschichte lediglich, dass ein arabischer Prinz in München einen teuren Sportwagen fährt und dass der Polizeiarbeit wegen mehrere Delikte in den Gefilden der diplomatischen Immunität enge Grenzen gesetzt sind. Der Rest wirkt wie ein miserabel recherchiertes Ammenmärchen, das nur von den gängigen Vorurteilen und Klischees und Schlagzeilen über die reichen Araber geprägt ist („dann hackens Dir die Hände ab und wer tippt dann die Berichte?“), zusammengestoppelt aus anrüchigen Schlagzeilen und überladen mit einem unverdaulichen Mix an Themen: Verkehrsdelikte, nicht erlaubter Leichentransport, arabische Selbstjustiz, Kokainsucht- und -handel, Mord, Auftragsmord, Schießübungen im Münchner Vorgarten, Pornos auf Computer, Teppichhandel, Mauscheleien zwischen außenwirtschaftlichen Interessen und diplomatischen Verwicklungen, Sex mit Minderjährigen („Sexfalle von Staatssekretär, wegen Beziehung mit Minderjähriger“) und illegalem Rüstungsgüterhandel („Umgehung des Waffenkontrollgesetzes“). Diesen wüsten Themenmix haben Alex Buresch und Matthias Pacht zu einem Buch verwurstet und Rainer Kaufmann hat diese Münchner Wüstenwurst geschmeidig gezuzelt, damit 90 Minuten Fantasieorient den sonntagabendlichen, deutschen Zwangsgebührenbildschirm einlullen können.

    Zwar ist nicht auszuschließen, dass die beiden Autoren, und die verdienen sicher nicht schlecht für so ein Drehbuch aus den öffentlichen Zwangsgeldtöpfen (besonders bei Wiederholungen), akribisch genau recherchiert haben im arabischen Diplomaten- und Geschäftsleutemilieu, was das für Figuren sind, die derlei Dinge treiben, und wie sie sich benehmen und verhalten.

    Allerdings kommt die Angelegenheit gänzlich unglaubwürdig rüber, teils wie Kindertheater, wie die beiden Kommissare eine nächtliche Verladung von dubiosen Gütern aus einem Luxusteppichladen in der Maximilianstraße in einen Kleintransporter beobachten und wie der eine Kommissar sich daraus ein Teil schnappt, während der andere die zwei tumben Transportarbeiter anrempelt und nach dem Hofbräuhaus fragt; erstaunlich, dass bei so einem delikatem Transport kein Geschäftsführer, kein Aufpasser in der Nähe ist. Glaubwürdigkeit gleich Null. Dafür darf ich mir von meinem bescheidenen Einkommen noch die Rundfunkzwangsgebühr absparen. Rote Karte für diese billig oberflächliche Fernsehproduktion.
    Dass die Kommissare das Angebot aus dem Fantasieemirat Kumar zum Aufbau von Polizeikräften nicht annehmen, versteht sich, ihre Gage aus deutschen Zwangsgebühren und vor allem die winkenden, fetten Pensionen dürften dagegen fürstlich sein. Hier wird das Zwangsfernsehen zu mehr Emirat, als der Film sich je zu zeigen traute.

    Die Kamera liebt Tänze um ihre Objekte herum, zum Schwindligwerden, weil sie ganz offensichtlich mit dem Stoff auch nichts anfangen konnte.

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    Den Rundfunkauftrag ernst genommen. Im Sinne der Demokratie zu wirken. Demokratie heißt Toleranz, Akzeptanz und Verständnis Andersenkenden, Andersgläubigen und auch Behinderten gegenüber. Ein großes Problem ist die Dyslexie, Behinderung in der Fähigkeit des Lesens. Über 7 Millionen Mitbürger sollen darunter leiden und werden dadurch aus dem gesellschaftlichen Leben teilweise ausgeschlossen.

    Verständnis dafür schaffen will der BR unter redaktioneller Führung von Ulrike Lovett. Zum einem mit einem kürzeren dokumentarischen Beitrag und zum anderen mit diesem Spielfilm, der einen exemplarischen Fall von Legasthenie und dessen Folgen für das Leben des Betroffenen schildert. Gut gemeint, korrekt gedacht.

    Was aber bekommen wir zu sehen in diesem fiktionalen Film von Marc-Andreas Bochert, der die Regie geführt und mit Hans-Ullrich Krause auch das Drehbuch geschrieben hat?

    Einen typischen Auftrags-Fernseh-Themenfilm leider, in welchem der Anspruch an einen spannenden Spielfilm zugunsten einer deutlichen Fingerzeighaltung und einer expliziten Moral abgetreten wird: wenn Du Analphabet bist, erhältst Du das Sorgerecht für Deine Tochter nicht! Ein Film, den die üblichen Verdächtigen Kultur-, Politik- und Rundfunkfunktionäre problemlos gut finden werden; der aber vermutlich zur Toleranz nichts beiträgt, zur Aktivierung des Geistes in einer Demokratie, weil die entsprechenden Kreise garantiert schnell wegzappen werden. Bestätigungsfernsehen für eh schon Korrekte.

    Gründe. Zuerst das Buch, das Buch, das Buch. Viel zu wenig durchdacht ist es geschrieben. Viel zu wenig ernst genommen wurde das Thema der Kompensationsmechanismen, die ein Analphabet entwickelt. Bereits mit der Namensgebenung „Halbe“ wird die Hauptfigur denunziert. Warum wurde nicht stattdessen ein besonders attraktiver, klangvoller Name genommen, dssen Omen es ist, dass man ihm nie den Analaphabeten zutrauen würde? Warum wurde sowohl von Buch als auch von Besetzung und Inszenierung her auf einen wenig attraktiven Durchschnittstypen gesetzt? Das Thema soll doch appetitlich unters Fernsehvolk gebracht werden. Die Leute sollen doch einschalten und dabei bleiben oder etwa nicht? Warum nicht sich für einen aufregenden Typen entscheiden, der die verrücktesten, fantasievollsten Kompensationsmechanismen zur Vertuschung seines Analphabetentums entwickelt hat? Warum muss alles so langweilig sein, so öd an einem öden Alltag orientiert sein, wie ihn intellektuelle und pseudointellektuelle Filmemacher viel öder sehen als er ist, so abstoßend, warum muss der Protagonist schon in den Anfangsszenen so deutlich zeigen, dass er unter etwas leidet, dass er sich nur als „Halbe“ fühlt?

    Warum wird gerade so ein Film, wenn denn die Redaktionen schon an die Einschaltqualität von Stars glauben, nicht mit Stars besetzt, um den Film attraktiv zu machen? Warum wurde ein Cast gewählt, der den Eindruck erweckt, der Sender wolle diesen Schauspielern gnädigerweise ein paar Groschen vom Tisch des reichen Zwangsgebührengeldes zukommen lassen? Warum riecht das so nach Sozialcasting?

    In diesem Fernsehfilm geht es darum, dass Halbe das Sorgerecht für seine plötzlich auftauchende, uneheliche Tochter beantragt und dass er dieses wegen Analphabetismus und weil er nicht deutlich genug zeigt, dass er diesen bekämpfen möchte, von der Richterin nicht zugesprochen bekommt. Stattdessen wird das Mädchen seinen norddeutschen, unsympathischen Großeltern zugesprochen („Ich will nicht zu meinem Opa, Mama hat immer gesagt, da kriegt man keine Luft“, sagt das Kind).

    Der Fall ist akut geworden, weil die Mutter des Mädchens gestorben ist. Auf der Suche nach einer Bleibe ist das Jugendamt auf den leiblichen Vater gestoßen, der jedoch keinen Kontakt zu seinem Kind hatte. Das alles wird hier in überdeutlicher Thematisierung als Fall mit null Spielfilmcharme aufgedröselt. Verlangweilung langweiliger Realität mittels langweilig nacherfundener Berufs- und Familienszenen, worunter die Schauspielerei leidet.

    Schön ist die Szene bei den Eltern von Halbe in ihrem Familienbetonbunker, wenn es zum Streit kommt und Mutter heulend sich ans Klavier setzt und klimpert. Das hat etwas von realitätsnaher Komik. Und auch die Richterin, die sich in ihrem Büro herausnimmt zu rauchen. Das idyllische Zückerchen am Bühnenbild ist der Friedhof am See. Irgendwie doch ein Lichtblickfilm, „wenn man durch diese Tür ging“.

    Schlusswort, Markus 4.25: Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, von dem wird man nehmen, auch was er hat.

    Für wie unmündig wird hier der Fernsehzuschauer verkauft?

    Zwangsgebührengeld versenkt.

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    Verwirrend an diesem Horrorstreifen von John Erick Dowdle, der mit seinem Bruder Drew Dowdle auch das Drehbuch geschrieben hat, ist einerseits die elaboriert gepflegte schwarz-weiße Bildfolge mit grafischen Einschlüssen über dem Abspann und andererseits, das ist wirklich verblüffend, wohin die kleine Gruppe von Schatzsuchern gelangt, nachdem sie immer tiefer und immer tiefer in den Untergrund von Paris vorgestoßen ist.

    Der Schluss wirkt direkt witzig. Vielleicht haben sich die Gebrüder Dowdle einfach einen Horrorspaß machen wollen. Allerdings droht die ganze Aktion der kleinen Gruppe, die sich von der Idee einer jungen Archäologin hat vereinnahmen und überzeugen lassen, dass tief unter Paris ein ganz besonderer Schatz verborgen liege, im Unscharf der chronischen Wackelkamera und flackernden Lichtes unterzugehen.

    Die Herleitung zur Begründung des Vorhandenseins des Schatzes wird obskur vorgetragen mit einem Vorspiel einer Untertageforschung in Teheran. Bildtafeln und Inschriften und selbstverständlich Aramäisch sind Wegbereiter und Hinweisgeber, denn in Paris soll es einen Stein geben, der jedes Metall in reines Gold verwandeln könne.

    Wobei die Gruppe keinerlei wirtschaftliche Interessen an ihrem Fund zu haben scheint. Sie macht die Expedition offenbar doch vor allem, um die Gebrüder Dowdle bis zum Umkippen unscharfe Wackelkameraufnahmen aus Stollen und Höhlen und Kavernen und Kanälen und Gängen und Totengebeinen und dann noch wie auf der Gespensterbahn auf dem Rummel mit unverhofften ängstigen sollenden Geisterscheinungen schießen und aneinanderreihen zu lassen. Logik des Fortgganges der Handlung ist ebensowenig gefragt, wie Logik des Weges. Immer weiß irgendwer, wie es weiter geht, so ist das halt in unterirdischen Spielereien.

    Damit der Horror wirklich glaubwürdig wird, müssen die Akteure viel Hysterie spielen und Verzweiflung. Und zwischendrin, der Gag ist nicht neu, in der größten Gefahr, darf George, der gar nicht mit wollte, Scarlett daran erinnern, dass die zwei Wochen mit ihr in der Türkei das schönste gewesen sei, was er erlebt habe.

    Chaos plus Wackelunscharf plus unscharfe Begründung gleich Horror.

    Schön, der Typ, der in alte Gebäude einbricht, um Dinge zu reparieren, eben ist er auf dem Glockenturm und da schlägt die Glocke seit ewig zum ersten Mal, den Sound hauen die einem fast wie original um die Ohren.
    Die Leute wissen immer im richtigen Moment: halt Stop, das ist eine Falle.
    Und ein paar Bewusstseinsirritationen mit Versatzstücken aus der Oben-Welt bauen die Filmemacher unter Paris schon ein.
    Dabei ist deutsche Synchro direkt passabel.

    Gute Frage: Sind wir tot?
    Zum nie vorher erwähnten und plötzlich als Gehängtem auftauchenden toten Dad: Dad, es tut mir so leid, dasss ich an dem Abend nicht ans Telefon bin. Es kann sich nur um einen Versuch von Horrorparodie handeln. Verstärkt mit wasserdichter Gruselsounddecke darüber.

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    Hier erzählt oder enthüllt uns David Cronenberg nach einem Drehbuch von Bruce Wagner, dass Hollywood eine einzige Inzest-Scheiße ist. Das ist zwar nicht neu. Aber Cronenberg verpackt uns diese Scheiße, als sei sie feinste, erlesenste Confiserie. Scheiße, die schmeckt. Das Sujet mit der verpackten und begehrten, verehrten Scheiße kommt im Film auch vor. Die Jungstars aus der Baby-Serie lästern im kleinen Kreise über Hollywood und die Kollegen und entwickeln dabei diese dufte Idee – und wenn man sie mittels einer Diarrhoe herstellte, wäre man für den Devotionalien-Handel im Franchise-Geschäft noch produktiver.

    Einer von diesen Youngsters ist Benje Weiß. Den lernen wir kennen bei den Strategiebesprechungen und Vorbereitungen zur zweiten Staffel der Baby-Serie. Für welche Wohltätigkeit sich einsetzen. Aids wäre gut. Aber eine seltene, kaum bekannte Krankheit, mit einem Namen, den man sich gar nicht merken kann, das wäre nicht so gut.

    Wir kennen das aus x Filmen, diese Blicke in die Branche, auf die Besetzungscouch, die Neidereien, die Gier nach Rollen, die privaten Avancen und allerlei Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen, um an die Regisseure heranzukommen.

    Was Cronberg besonders macht, dass er das nicht so inszeniert, als belustige er sich darüber, sondern er betreibt es todernst. Todernst wird der größte Shit besprochen, in ganz ruhigem Ton, in einer Sachlichkeit die krass konträr zu den bescheuerten Inhalten steht.

    Benji ist nicht allein. Er hat eine Schwester, Agatha, Mia Wasikowska, die von der Familie vestoßen worden ist, weil sie ist hinter das Geheimnis der Inzucht ihrer Eltern gekommen ist und in einem Anfall von Drogenwut das Haus angezündet hat. Brandmale sind die Folge. Familie Weiß ist seither eine Gezeichnete. Eine Hollywoodgezeichnete. Und Weiß heißt sie obendrein. Reiner geht nimmer. Nicht White. Sondern Weiß. Hollywood hat deutsche Wurzeln.

    Und der Vorname Agatha: die Gute: Reiner und besser geht nimmer. Auch der Vater von Agatha und Benjie arbeitet in Hollywood. Er ist Masseur-Psychotherapeut und Autor, Trainer. Eine seiner Kundinnen, die ein Riesenmutterproblem mit sich herumschleppt, ist Julianne Moore als Havana Segrand (Nicht Le Grand), die nie an ihre eigene Mutter heranreichen wird. Die war eine Übergröße von Kultfigur; sie erscheint ihr immer in Jung. In den Schwarz-Weiß-Streifen hat sie eine Nase von einer klassischen Schönheit, wie selbst Gesichtschirurgen sie kaum je zu schneidern vermögen. Havana wird ständig auf ihre Mutter angesprochen. Bei Havana landet Agatha als Assistentin, nachdem ihre Vorgängerin wegen Kleptomanie geschasst worden ist. Aber eine gute Schauspieleragentin kann auch bei einer solchen Besetzung hilfreich sein.

    Auch in Havana pflanzt sich ein Stück Hollywood genetisch und alptraumhaft fort. All diese Alpträume, auch Benjie hat welche und Agatha hat welche, werden noch furchtbare Folgen haben. Eine Goldstatue wie der Oscar ist ja nicht nur als Staubfänger gut. Auch diese Prise Horror ist nicht neu, die wird schon fast, auch wieder als Hinweis auf die Gewohnheit, als Gewohnheit dargestellt.

    Die Rolle des Benjie ist mit Evan Bird besetzt, einem, wie er hier aufgenommen wird und wie es scheint, leicht verwachsenen Pykniker; Resultat der Inzucht und prädestiniert für weitere Inzüchteleien. Er entwickelt bereits grauenhafte Starallüren, wie kleine Szenen zeigen; er ist ein gnadenloser Rechthaber und eine Prima-Donna sondergleichen, schon so jung und schon so abgehoben. Das zeigt sich deutlich in einer Szene mit einem kleinen, sommersproßigen Buben, der auf Anhieb die Herzen des Teams und der Zuschauer gewinnt. Allein wenn der den Satz sagt, dass man durch ein Loch in der Wand die Vagina sehen könne und er spricht das „Vabina“ aus, so hat er die Lacher auf seiner Seite; ist von nun an für Benjie nur noch Mr. Vabina, den er am liebsten umbringen würde.

    Cronenberg zeigt einmal mehr ein prima Händchen bei der Schauspielerführung; die wirken immer glaubwürdig; das ist hier vielleicht die größere Qualität als das Buch von Bruce Wagner, das uns außer dass Hollywood eben Scheiße und Inzucht sei, nicht viel zu bieten hat. Dieses Wenige aber macht Cronenberg mit seinem wunderbar geführten Cast sehenswert.

    Vielleicht sollte man beachten, dass einer der ersten Schriftzüge, die im Film zu sehen sind, auch das genial unauffällig inszeniert, der Begriff „Bad Babysitter“ ist, den Agatha bei ihrer Busfahrt nach Hollywood auf ihrem T-Shirt trägt. Hollywood ist kein guter Babysitter.

    Oder: Cronenberg suhlt sich im Mehltau, der über Hollywood liegt, ein nicht ganz unperversers Unternehmen. Aber er macht es so schön; er kompensiert den Dreck von Hollywood, indem er ihn mit den Mitteln von Hollywood schön verpackt, die Scheiße franchisehaftschön verpackt; die Leiche aufmotzt mit ihren eigenen Mitteln.

    Diese Hollywood-Welt ist eine enge Welt ohne Ausweg, ohne Übersicht, eine Welt ohne Distanz, die größte Totale ist ein kleiner Ausschnitt vom Fuß des Abhanges, auf welchem die Hollywoodlettern prangen, sonst spielt sich der Hollywood-Inzest überwiegend in Innenräumen ab, eventuell auf dem engen Raum vor einem Haus oder einem Inzucht-Filmgelände oder in einem Inzucht-Trailer, der die Garderobe von Benjie ist.

    In Klein kann man das auf Deutschland übertragen. Die möchten ja auch alle Hollywood. Und inzüchtlerisch geht es hier auch ganz schön zu und her. Der Sohn von. Die Tochter von. Diese Liaisons reichen auch bei uns weit zurück in die Film- und Politgeschichte.

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    Ein Dokumentarfilm, der mehr Fragen hinterlässt als er stellt oder beantwortet. Ein Film mit viel Ungesagtem, der tiefen Stimmen in unserer Zivilisation nachzuhorchen versucht, der das aufgeregte New York der rapide zerfallenden Urwald-Kultur des zentralafrikanischen Pygmäenstammes der Bayaka gegenüberstellt.

    Das Bindeglied ist Louis Sarno, ein amerikanischer Musikologe, der im Rahmen seiner Forschung und Sammlerarbeit vor über 30 Jahren bei den Bayako hängen geblieben ist. Er hat über 1000 Stunden Gesänge und Instrumentalmusik aufgenommen und archiviert. Die Instrumente, zum Beispiel Flöte, spielt längst keiner mehr, da die Spieler inzwischen gestorben sind und die neue Generation kein Interesse mehr daran hat. Inzwischen haben Zivilisationsmüll, Radkappen beispielsweise, Einzug in ihr Musikleben gehalten.

    Der Dokumentrist Michael Obert ist über Jim Jarmush mit Louis in Kontakt gekommen. Der ist bei den Bayaka integriert, hat mit einer Frau einen Sohn, Samedi (nicht Freitag, wie bei Robinson Crusoe). Und Jim Jarmusch hat auch eine Erklärung für diese Lebensentscheidung von Luis bereit. Denn sie beide, dicke Jugendfreunde, haben immer schon eine gewisse Entfremdung unserer Zivlisation, dem gängigen Rassismus gegenüber empfunden, haben sich als Außenseiter gesehen. Im Dschungel empfindet Louis noch Einklang mit der Natur.

    Das Filmprojekt bestand nun darin, Louis auf einer Reise nach New York zu begleiten (seine Frau wollte er aus Angst vor der Berührung mit der amerikanischen Zivilisation nicht mitnehmen; sie würde die allerdings gerne kennenlernen), aber seinen Sohn schon. Der ist mit seinen 9 oder zehn oder elf Jahren noch nie aus dem Dschungeldorf herausgekommen. Jetzt wird er seine Großmutter väterlicherseits und seinen Onkel, den jüngeren Bruder des Vaters, kennenlernen.

    Er wird nicht viel sagen auf der Reise, er wird vor allem mit offenen Augen und Sinnen wie ein trockener Schwamm die Eindrücke aufsaugen, kommt nicht los mit seinen Augen von den Straßen, den Autos, den hohen Häusern. Da legt der Filmemacher alte Musik seines Stammes darüber. Ein eigenartiger melancholischer Effekt, der eine sonderbare Gemeinsamkeit zwischen den beiden herstellt, dem Urwalddschungel und dem Großstadtdschungel.

    Vom dem Wenigen was Samedi sagt, dass er ein Gewehr möchte, das kennen die inzwischen im Dschungel auch, dass die Treibjagad nichts mehr bringt, haben wir vorher gesehen, das führt zu einem Disput, weil der Vater immer wieder Ausreden hat, warum sie jetzt nicht in so einen Laden gehen können; ein anderer Disput geht darum, dass der Sohn nicht am Verspeisen von Hamburgern interessiert ist; da wird der Vater hartnäckig, er habe als er in den Dschungel kam auch die Gewohnheiten der Bayako angenommen. Drittens versteht der Sohn nicht, warum der Vater so viel Spielzeug für ihn und die anderen Kinder kauft, er solle doch lieber nützliche Sachen besorgen wie T-Shirts, Hemden, Hosen.

    Bis die Reise los geht, sehen wir viel vom Leben im Dschungel oder wie Louis einfach in seiner Holzhütte hockt, sinniert, hantiert oder erzählt, wie er seinen Sohn auf die Reise nach New York mental vorbereitet. Wir sehen auch, wie Urwaldriesen abgeholzt werden. Wie sich die Lebensbedingungen der Pygmäen verschlechtern. Das Materielle ist durchaus ein Problem, denn ohne Waren kommen sie nicht mehr aus, sie brauchen Messer, Akkus fürs Internet oder Radio, Kleidung, Regendächer, Töpfe. Das Geld hat bis jetzt oft Louis mit kleinen Jobs als Touristenführer beschaffen können.

    Dazwischen Schnitte nach New York. Es ist dieser Film keine abgeschlossene Geschichte. Als nächstes Projekt von Michael Obert steht bei IMDb bereits „Samedi“, da darf man gespannt sein. Denn der Vater hat dem Sohn erklärt, nur wenn er Lesen und Schreiben lerne, könne er sich eine Weiße zur Frau nehmen und diese auch ernähren. Das haben ihm schon Leute in Afrika empfohlen, studieren zu gehen.

    Louis kritisiert die guten Absichten des WWF, der viel falsch mache.
    Die Musik zwischen traditioneller Musik der Bayaka und Renaissancegesängen ist ein wesentlicher Bestandteil, eine wesentliche Anleitung zum Schauen dieses Filmes, von dem man nicht zu viel Erklärungen, keinen rationalen Faden erwarten sollte, nicht zu viel Rationalismus, der Film ist eher eine experimentelles Dokument.

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    Und noch so ein unentschiedenes Produkt aus dem Pfründenland mit diesem und jenem guten Moment, kann ja vorkommen, mit viel zu wenig Ahnung vom Drehbuchschreiben, aber die haben eben die fördernden Gremien auch nicht, hier wieder jede Menge Förderer, die unbegreiflicherweise von diesem Drehbuchentwurf begeistert gewesen sein müssen. Und die auch der vorgesehene Cast nicht abschrecken konnte.

    Nichts gegen Meret Becker, die hat was, die hat auch was drauf, aber in ihrem Spielalter, was hier zum Ausdruck kommt, da plant man garantiert nicht mehr eine Hochzeit in Weiß (noch dazu mit weißer Kutsche); sorry, so wie das Buch geschrieben ist, sollte es eine deutlich jüngere Actrice sein. Aber dann käme das Buch wieder mit anderen Dingen in die Bredouille, dann könnte sie nicht eine Zahnärztin mit eigener, etablierter Praxis sein. Allein da krachts schon mega vom Fundament des Buches her.

    Der Meret Beckers Bräutigam spielt, Thomas Heinze als Carlos, bringt immerhin nicht nur den Alkoholikerblick, sondern auch den gefühlten Chaoten überzeugend rüber. Und wie eine Bereicherung in einem bunten People-Magazin passt auch die durchgeknallte Cindy, Lilith Stangenberg, ganz wunderbar in Vanessa Jopps (Regie und Drehbuch, letzteres zusammen mit Stefan Schneider) kleines Modebestiarium, welches zwischendrin immer wieder glaubwürdige Szenen zustande bringt.

    Allein diese Dinge machen noch keine Geschichte. Die gibt es so auch nicht. Es ist mehr Anekdotisches, welches aufzeigen will, so auch der moralische Titel, dass Menschen lügen, notlügen, zwangslügen, immer wieder lügen und so das Vertrauen ihrer Mitmenschen erschüttern. Hätten wir so nicht erwartet.

    Es gibt Zahnarztszenen, es gibt Kneipenszenen, es gibt eine junge russische Assistentin der Zahnärztin, auch sie lügt und wird belogen und betrogen. Es gibt einen Jaguar (Auto). Es gibt Polizeiszenen. Es gibt Szenen mit dem Bruder der Russin, der schon ein paar Schimpfwörter auf Deutsch drauf hat.

    Die Regisseurin versucht mehr auf die Schauspieler einzugehen, als in ihrem Vorgängerfilm Der fast perfekt Mann. Aber das macht den Braten nicht fett.

    Warum sollte man diesen Film anschauen? Weil er in Bremen spielt? Weil Meret Becker eine interessante Figur ist? Weil Elisabeth Trissenaar ein abschreckendes Muttertier spielt? Weil die Freundin der Zahnärztin Muschi-Bilder malt? Weil der Satz vorkommt, Einsamkeit sei eine Illusion? Weil der Film wie ein Puzzlefilm, ein Episodenfilm wirkt? Weil ein Yoga-Lehrer vorkommt, der ein Geheimnis hat, warum er nicht richtig ficken kann oder will? Weil Meret Becker als Coco kurz vor der Hochzeit ihren Bräutigam zu einem Wahrheitstest bei einem Dr. Eigenmann zwingt? Weil das alles so nach Kuddelmuddel aus einem bunten Magazin aber nicht nach Kino ausschaut?

    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers: dafür bin ich nicht bereit, auch nur einen Tausendstel eines Bruchteils eines Cents herzugeben; werde aber vom Staat dazu gezwungen. Macht keine gute Laune.

    Pfründenheinibezirzprodukt.
    Bezirzen lassen haben sich:
    Radio Bremen, Intendant Jan Metzger
    WDR, Intendant Tom Buhrow
    arte, Intendantin Véronique Cayla
    Die Intendanten Jan Metzger, Tom Buhrow und Véronique Cayla, die von Rundfunkzwangsgebührenzahler sicher stattliche Gehälter finanziert bekommen inkluisve Aussicht auf ebensolche Pensionen, sollten vielleicht mal nachschauen, was für ein Personal sie da eingestellt haben, welches das Geld an solch ungaren Projekte verschreddert.

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