Die Umgebung macht’s, die Typen in Landshut und Umgebung, in Niederkaltenkirchen, die die Preziosen dieser erneuten Rita-Falk-Verfilmung von Ed Herzog nach dem Drehbuch von Stefan Betz verständlich, zwingend, begreifbar machen: einige der Kommentare, die wie Trockenfutter wirken, von der Hauptfigur, Dorfpolizist Franz Eberhofer, Sebstian Bezzel, wenn sein Chef moniert, dass er das mit der Flucht des Gefangenen Küstner, erst jetzt erfahre, meint Franz, dass das etwas gedauert habe oder sein „super“, wenn er sich auf ein geschenktes Wellness-Wochenende auf dem Bauernhof mit seiner Susi freut, Lisa Maria Pothoff.

    Mit Susi verbindet ihn die Sehnsuchts- und Liebesgeschichte, die ihm wegen seiner Schüchternheit zu misslingen droht, denn der Chef der Pizzeria Potenza in Italien ist draufgängerischer bei dem unentschiedenen Mädel.

    Mit einer schüchternen Szene im Büro, die eine Aussprache mit Susi werden soll, fängt der Film an; vor der Tür lauert die ganze Belegschaft; das ist deutlich und bauerntheatralisch inszeniert.

    Seine Umgebung scheint Franz zu diesem unergründlichen, eingschüchterten Typen gemacht zu haben, der in seiner eigenen Welt lebt und nur deren Gesetzen zu gehorchen scheint, wobei sein Job als Dorfpolizist doch das Hüten und Durchsetzen der Gesetze der realen Welt wäre.

    Die Oma, Enzi Fuchs, lässt sich, bloß weil es ein Sonderangebot beim Frisör gibt, die Haare blau dauerwellen; das und auch die Sonderangebotsszene im Baumarkt macht sie leider zu eine Sonderangebotsoma und lässt schmerzhaft an die Oma von Ilse Neubauer aus der ersten Falkverfilmung von Ed Herzog, Dampfnudelblues, zurückdenken.

    Franz‘ Vater, der Althippie Ebershofer, Eisi Gulp, ist ein freakiger, stimmiger Charakter und erst recht eine Dauererniedrigung für den braven Franz, der nirgendwo nichts ausleben kann, da steht der Sohn blaß da.

    Auch das Opfer im Kriminalfall des Filmes muss allein durch seine Existenz auf Franz verstörend wirken. Es handelt sich um dessen Chef, Dienststellenleiter Moratschek, den der Sigi Zimmerschied gibt mit dem leicht verfetteten Überlebens- und Verzweiflungsmut eines Louis de Funès und Äuglein die von einer tiefen Angst, übersehen zu werden, erzählen. In dessen Bett findet sich der titelgebende Schweinskopf. Das führt dazu, dass Moratschek im Pyjama woanders Obdach sucht und beim Vater von Franz findet. Dass diese beiden in der Ménage des Wirtshauses Wolfinger zusammenstecken und wie Kids Fez machen, gemeinsam rauchen, saufen, Musik aus alt-68-er-Kassetten hören; das muss wie ein doppelter Hammer auf das Gemüt von Franz wirken.

    Solche Figuren, deren pure Existenz, sind eine Dauerniederlage für Franz, dessen Kommentare dadurch zusehends trockener, introvertierter und knapper ausfallen müssten, worauf die Inszenierung allerdings keinen Wert legt.

    Eine weitere Unterhaltungstype ist der gejagte Bösewicht, Gregor Bloeb als Küstner, der Moratschek bedroht, eine Farce-Figur, die dem armen, geistig-emotional dehydrierten Franz noch den letzten Tropfen Wasser entziehen dürfte.

    So weit haben allerdings weder Regie noch Darsteller ihre Beschäftigung mit dem Stoff und den Rollen getreiben. Mir scheint, sie haben sich gemütlich und ohne gedankliche Anstrengung in der Bauerntheaterschiene eingerichtet und der Rest des Teams ebenfalls. Sie scheinen auf der Erfolgsschiene das Geheimnis des ersten Filmes vergessen zu haben, jene existentielle Dimension, die das Dialekttheater so abgründig machen und dessen Wirkungskreis so ausweiten kann.

    Gegen diese Richtung arbeitet auch Einsatz und Inszenierung der Flötzinger-Figur von Daniel Christensen, die hier als Karat-schwächende Soft-Power aus dem Softpornomilieu à la Alois Brummer eingesetzt wird, so lustig wie wenig ein Gewinn.

    Ein kleines Performance-Highlight gibt gleich zu Beginn der heftig aufspielende Verkäufer im Baumarkt mit der Elektro-Sanitär-Artikel-Nummer. Auffallen um jeden Preis, was aus der Gesamtsicht von den Filmemachern allerdings nicht im Sinne von Hinterfotzigkeit und als Punch gegen die Psyche von Franz eingesetzt wird, sondern lediglich zur erhofften Unterhaltung eines anspruchslosen Publikums zu Illustrierung des Themas Sonderangebots-Oma. Sonderangebots-Bauerntheater.

    Da die Filmemacher offenbar vor allem nach dem Erfolg schielen, scheint ihnen der Drive für die Story und deren Doppelbödigkeit abhanden gekommen zu sein; sie glaubten schnell zufrieden sein zu können mit der teilweisen Charakterisierung der Figuren in Richtung „nicht ganz dicht“ oder „provinzgeschädigt“ und glauben mit dem Rekurs auf solides Bauerntheater der Rita Falk Genüge getan zu haben. Womit die Bemühung denn eher fürs TV (durchaus abwertend gemeint) geeignet erscheint denn fürs Kino; es fehlt das Verwegene; die russisch-Roulette-Nummer kommt ermüdend und spannungslos daher.

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    Spannend, informativ, unprätentiös ist dieses Roadmovie nach Chile und zu seiner Musik, seinen Städten, seiner Landschaft, seiner Geschichte von Nahuel Lopez, begleitet von der hellwachen Kamera von Florian Kirchler und unter Konzeptmitwirkung von Oliver Keidel.

    Das Konzept ist folgendes: der chilebürtige, deutsche Musiker Rod Gonzalez von der Band „Die Ärzte“ fährt in seine Heimat zurück, um dort die Musikszene kennenzulernen. Er selbst musste mit 6 Jahren mit seinen Eltern vor der Pinochetdiktatur fliehen. Die Familie ist zufälligerweise in Hamburg gelandet.

    Anknüpfungspunkt für die Reise ist ein chilenischer Musiker, Macha, den Rod in Berlin kennengelernt hat und den er nun in Chile aufsucht. Macha gibt ihm den Tipp mit Camila Morena, einer der zur Zeit bekanntesten Sängerinnen Lateinamerikas. Sie gibt ihm den nächsten Tipp.

    Die Kapitel des Filmes sind nach den Namen der Künstler dieser Begegnungen benannt, kurzer graphischer Stopp, eine graphisches Künstlerportrait und dessen Name.

    Bei den Begegnungen nimmt sich Rod Zeit für Gespräche bei einem Glas Wein, bei einem Spaziergang und von jedem Künstler und jeder Künstlerin will er ein Musik- oder Gesangsstück aufnehmen.

    Durch diese Gespräche und die Geschichte der Künstler unterschiedlichsten Alters oszilliert auch die Geschichte Chiles, die nach wie vor nur partiell aufgearbeitete Diktatur Chiles und der diskriminierende Umgang mit den Mapuche, den Nachfahren der Ureinwohner Chiles. So lernen wir den Lleu-Lleu-See kennen, dessen bewaldete Umgebung nur noch aus Kiefernplantagen bestehen, die die Lebensgrundlage der Mapuche gewaltsam zerstören oder wir erfahren von Protesten in Patagonien gegen eine rücksichtlose, heutige Neokolonialisierung oder begehen ein Fußballstadion, in welchem Pinochet die Gefangen zusammentreiben, verhören, foltern ließ.

    Gleichzeitig erhalten wir Ansichten von Santiago zu sehen, von Valparaiso, San Antonio und Patagonien. Der Film bringt Begegnungen mit Macha, Camila Morena, Claudio Araya „Pajaro“, JM, Eduardo Carasco, Gaston Avila, Eduardo Yanez, Mauricio Castillo und vielen anderen und genügend lange Musikausschnitte, teils unterlegt mit weiteren Chileimpressionen.

    Ein Statement aus demFilm: „jetzt haben wir jedenfalls einen nützlichen Film gemacht“. De acuerdo!

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    Die „wahre Geschichte“, wie im Vorspann steht, der Beziehung des amerikanischen Dichters Thomas Wolfe, expressiv unter Einsatz aller Extremitäten und Gesichtsmuskeln und gut geschulter Stimme dargestellt von Jude Law, zu seinem ersten und Entdecker-Verleger Mark Perkins, von Colin Firth mit wacher Übersicht auf die Leinwand gebracht und praktisch immer mit Hut auf dem Kopf.

    Die Geschichte beginnt zur Zeit der großen Depression, 1929. Perkins ist bereits erfolgreich, hat Hemingway und F. Scott Fitzgerald verlegt und wohnt luxuriös in einem Landhaus mit vielköpfiger Familie.

    Wolfe ist anfangs des Filmes erfolglos, hat nur Absagen kassiert. Das können die Amerikaner wunderbar, so eine Situation plausibel schildern und wie der No-Name beim berühmten Verleger sich meldet mit seinem Manuskript, einer von vielen, wie der Verleger anfängt Interesse zu zeigen und wie der Autor seine Gefühlsausbrüche zeigt, erst beim Verleger, dann bei seiner Frau, die selbst künstlerische Ambitionen hat, Nicole Kidman als Aline Bernstein.

    Der Film von Michael Grandage nach dem Buch von John Logan (Skyfall) nach dem Roman von A. Scott Berg bringt die Entwicklung der beiden im besessenen Kampf um Text und Streichungen als gut nachvollziehbare, einfache Bildergeschichte, nicht allzu weit von der Seifenoper entfernt, fast eine Art Fotoromanze, die natürlich nicht nur romantisch ist, aber die die beiden so in Anspruch nimmt, dass es im Privatleben zu gären anfängt, Kinder und Frauen fühlen sich vernachlässigt.

    Die Szenen werden in einer einfachen Theaterart gespielt, bühnenhaft nachbuchstabiert und können so auch für den Literaturfremden und nicht Topgebildeten nachvollzogen werden zum allfälligen, unangestrengten Ausfüllen einer Wissenslücke.

    Einen Eindruck vom Werk geben zum einen Zitate, die Jude Law als Voice-Over attraktiv angenehm spricht, die die Schönheit von Wolfes Literatur erahnen lassen; die Musikalität in seiner Sprach; Wolfes Rhyhtmusgefühl wird andererseits filmisch herausgestellt, mehrfach beobachtet an Akzenten, die sein Fuß auf den Boden skandiert.

    Ein berühmtes Werk, was Wolfe in diesem Film zustande bringt: „Zeit und Flug“.

    Die Inszenierung wirkt besonders von der Beleuchtung her leicht altmodisch und etwas düster oder vielleicht ist bewusst intendiert, den Film historisch erscheinen zu lassen.

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    Die Geschichte ist die von gesellschaftlichen Außenseitern, die durch heldenhaften Einsatz, der für sie ganz normal ist, sich in die New Yorker Gesellschaft integrieren und somit echte, anerkannte New Yorker werden und damit auch ebensolche Amerikaner; das wird im Schlusspathos des Filmes unter und auf der Freiheitsstatue besiegelt.

    Sie sind Außenseiter, weil sie animierte Schildkröten sind. Ihr Päckchen tragen sie auf ihrem Rücken. Sie praktizieren ein Ethos von Brüderlichkeit und Kameradschaft. Sie sehen aus wie Stadtguerillas und unterscheiden sich durch die Farbe der Stoffbänder, die sie um Stirn und Augen und den Kopf gelegt haben, was ihnen einen verwegen, jugendlichen Look verpasst, dazu der Schild auf dem Rücken, der aussieht wie ein Survival-Paket, die militärische Tarnfarbe und einer trägt darüber sogar zwei gekreuzte Schwerter, den Ninjas im Titel geschuldet. Sie sind irre beweglich, kraxeln auf Hochhäuser, durch Lüftungsschächte, auf Fassaden.

    In den ersten Szenen erwecken sie den Eindruck, sie seien Bestandtteil einer Pizzawerbung, so wichtig ist das im flachen Karton gelieferte Fastfood. Sie hängen in den Beleuchtungsgestängen einer Sportarena herum, gucken aus schwindelerregender Höhe nach unten, machen Spielchen mit dem Blasrohr und lassen dummerweise ein Stück Pizza aufs Spielfeld fallen. Mit absehbaren Ausrutschfolgen, großer Spieler wird da ganz klein.

    Für den, der nicht bewandert ist in den Comic-Vorlagen wird es bald schwieriger zu referieren, wer hier gegen wen kämpft und um was es genau geht, sind doch alle Parteien mit den modernsten Computerknacker- und Holographieinstrumenten ausgerüstet.

    Es geht banal gesagt um die Rettung der Welt, mindestens New Yorks. Die Storyelemente kommen mir allzu bekannt vor und vor dem Sieg kommt immer noch was dazwischen und gibt es noch eine Aufgabe zu lösen.

    Die Figuren, selbst wirken, erst recht durch 3D, kaum mehr wie Menschen aus Fleisch und Blut, mehr wie animierte Puppen, wie Elemente eines Videospieles, austauschabar wie die dramaturgischen Elemente. Und der rührende Wunsch der Schildkröteriche, ein „normales“ Leben zu führen, wobei gleich einschränkend und richtigerweise hinzugefügt wird, ob das denn wirklich so attraktiv wäre.

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    Symptom und nicht Einzelfall.

    Erkundung eines prekären Bewusstseins zu den Themen Nationalsozialismus, KZ und Schwule im familiären Bereich; dass es sich dabei nicht um einen privaten Einzelfall, sondern um ein nach wie vor latent gesellschaftliches Phänomen in Deutschland handelt, zeigt der Umgang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit diesem Film von Klaus Stanjek. Der WDR habe lange gezögert, bis er ihn überhaupt gesendet habe, war zu erfahren, dadurch seien dem Filmemacher die Hände lange Zeit für eine weitere TV-Verwertung gebunden gewesen, dann sei der Film um 01.45 Uhr nachts ausgestrahlt und anschließend nicht wie üblich in die Mediathek gestellt worden. Deutschland soll offenbar nichts über sich erfahren; soll nicht in den Spiegel schauen.

    Das wäre sicher eine spannende Rechercheaufgabe, zu erkunden, warum genau der WDR und andere fördernde Gremien diesen Film so stiefmütterlich behandelt bis abgewiesen haben, denn fachliche Einwände dürfte es kaum geben, handelt es sich doch um eine erstklassige Dokumentation. Dieses Verhalten bestätigt geradezu die Wichtigkeit des Filmes. Vor allem wenn man bedenkt, was uns sonst aus dem Bereich der Zwangsgebührenkunst alles an Belanglosigkeit vorgesetzt und zugemutet wird.

    Es muss sich also um ein ganz heißes Eisen handeln, was Klaus Stanjek hier behandelt. Außerdem ist die Dokumentation auch noch spannend, denn der Filmemacher schreibt nicht einfach die Biographie seines Onkels, des Musikers Willi Heckmann, der schwul und deshalb im KZ war. Stanjek geht von seiner eigenen Wahrnehmung und Neugier aus. Er begibt sich auf einer Erkundungsreise dem Gefühl nach, was denn so besonders an diesem Onkel war.

    Wie Stanjek Filmemacher geworden ist und ein paar Dinge vom Onkel erfahren hat und einen Film über dessen Leben machen wollte, lehnte dieser ab. Erst nach dessen Ableben entschied sich Stanjek für dieses Projekt, diese Spurensuche nach einer verschwiegenen, verdrängten Vergangenheit, mit welcher ihm ein schmerzhaftes Bild eben nicht nur über seine Familie, sondern generell über die Mechanismen von Verdrängung, Nicht-Wahrhaben-Wollen und von Sprachlosigkeit in einer deutschen Familie gelingt (da läuft es einem kalt den Rücken runter, wenn man erfährt, dass die Familie des Amokläufers in München auch nicht die geringste Ahnung von den Aktivitäten ihres Sohnes, der bei ihnen in der kleinen Wohnung gelebt hat, hatten).

    Stanjek kommt damit nah an eine gesellschaftliche Realität, die sich der Schilderung geschickt immer wieder entzieht. Er dokumentiert nicht primär die Biographie seines Onkels, sondern die Unfähigkeit oder Schwierigkeit seiner Umgebung, über ihn und die mit ihm verbundenen Themen zu sprechen. Wobei heute zwar sowohl Nazizeit-Aufarbeitung als auch Schwulität öffentliche und förderungswürdige Themen sind, solange sie als Themen auf der öffentlichen Bühne ausgestellt werden; aber eben nicht, wenn es um die Rezeption und Behandlung in der privaten Stube geht. Im Film von Stanjek offenbart sich eine erheblich Divergenz zwischen öffentlicher und privater Aufarbeitung.

    Indirekt wirft Stanjek somit die Frage auf, ob diese ganze Aufarbeiterei und Thematisiererei nicht viel mehr Etikett und Pseudogeplappere als ernsthafte Auseinandersetzung sei. Es ist eben ein Unterschied, ob etwas den privaten Bereich berührt oder ob es sich bloss um ein öffentliches Verhandlungsthema handelt.

    Willi Heckmann, der Onkel des Filmemachers, war ein Mann mit Geheimnis, ein unterhaltsamer, famoser Musiker und Sänger. Der kleine Bub Klaus Stanjek bewunderte ihn und spürte, dass er etwas Besonderes sei. Dieses Besondere war vielleicht dadurch noch interessanter, als nicht darüber gesprochen wurde.

    Selbst nach Artikulation der beiden Themen der Besonderheit, nämlich der Homosexualität und der durch sie begründeten 8-jährigen KZ-Haft ohne Prozess, bleibt noch das Geheimnis, wie konnte der Onkel Dachau und Mauthausen so lange aushalten? Die durchschnittliche Überlebensdauer der Gefangenen war anfänglich 6 Monate, später nur noch drei. Und der Onkel sei kein Schläger gewesen in dem brutalen Kampf ums Überleben, sagt ein Schicksalsgenosse und Zeitzeuge.

    Dieses Geheimnis kann der Filmemacher Klaus Stanjek auch nicht lüften. Die Arbeiten im Steinbruch waren mörderisch, er fragt sich, wie Willy das mit seinen zarten Musikerhänden überstanden haben kann.

    Es gibt Hinweise. Stanjek ist auf Fotos gestoßen, auf Augenzeugen im Rahmen seiner weiterführenden Recherche. Willy war als Musiker im KZ bevorzugt, konnte der SS bei speziellen Anlässen vorspielen. Die Musiker mussten auftreten beim Besuch von Göring und anderen SS-Chargen, bei Galaabenden im Speisesaal. Die Musiker sollten den Eindruck von Kultur aufrecht erhalten, von Menschlichkeit, wobei die Entmenschlichung der Gefangenen in kürzester Zeit vonstatten ging, wie ein Überlebender erzählt.

    Ein grausame Kerngeschichte dieses KZ-Lebens rankt sich um ein Bild von einem Umzug mit dem Gefangenen-Orchester, der Onkel mit der Harmonika und im Sträflingsanzug vorne mit dabei. Hinter ihnen wurde auf einem Wagen ein geflohener und wieder eingefangener Häftling stehend zur Hinrichtung gezogen. Der Weg wurde von Spottliedern begleitet.

    Stanjek spielt filmtechnisch gerne mit den Archivfotos, animiert sie, wodurch ihnen die grauenhafte Tristesse etwas genommen wird.

    Bei seinen Nachfragen in der Familie stößt Stanjek auf ein typisches und immer noch weit verbreitetes Problem, wie eine „normale“ Famillie sich auch heute noch schwer tun kann mit dem Thema Homosexualität, und dass das in der eigenen Familie vorkommen kann und wie es am liebsten als Nicht-Thema behandelt wird.

    Eine Verwandte will überhaupt erst auf der Rückfahrt von der Beerdigung des Onkels davon erfahren haben. Andere tendieren dazu, Homosexualität mit Kinderschänderei gleichzusetzen, weil Heckmann, das entnimmt Stanjek einem Archiv-Hinweis, mit einem „Hitlerjungen“ etwas gehabt habe; wobei diese just keine Kinder mehr waren.

    Auch das Geheimnis kann Stanjek nicht lüften, warum die bürgerliche Welt, wobei hier vor allem Frauen aus seiner Verwandtschaft und frühere Nachbarinnen interviewt werden, sich mit dem Thema so schwer tun.

    Eindrücklich sind die Berichte ehemaliger Häftlinge. Aus den Interviews gibt’s auf der DVD, zum Memorieren sozusagen, nochmal Kurzausschnitte als Bonusmaterial gekennzeichnet, auch aus den Besuchen in Archiven und dem Besuch im schwulen Museum in Berlin.

    Das Booklet zur DVD enthält angenehm knappe und informative Texte zur Geschichte der Homosexuellenverfolgung, ein Gespräch über das berühmte Harmonika-Bild, Infos über das Leben im KZ, Lagerorchester, Schlagerschreibstube, die Privilegien der Musiker, über den Steinbruch in Mauthausen, das Familientabu, Denunziation in Wuppertal, Wuppertal und Göbbels.

    Sprachlosigkeit in der Familie, filmisch aktuell in Pedro Almodovars Julieta, tagespolitisch höchst akut im Falle eines jungen Attentäters von München, der unaufällig im Schoß seiner Familie lebte, die von den Aktivitäten des Sohnes nichts mitbekommen haben will.

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    Großes Indianerehrenwort.

    Johnny Depp lässt sich als Indianer Raphael von Marlon Brando als McCarthy in einer seiner letzten Rollen die höheren Weihen erteilen, kassiert einen Vorschuss von 50’000 Dollar, verkauft seine Seele und bietet sich mit seinem Indianerkopftuch und den langen schwarzen Haaren für die Karibikpiratenfilme an.

    Der Film wurde 1997 gedreht. Johnny Depp hat mit Paul McCudden und D.P. Depp nach dem Roman von Gregory McDonald auch das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt. Er lässt sich ausgiebig Zeit für Stimmungsbilder, für Kinobilder aus dem Fundus der Wild-West-Filme: die Melancholie der Prärie inklusive Gitarrensong dazu, Eisenbahnstrecke, staubige Piste, Rauch, Wind, Sand und irgendwo ein aufgelassenes Fabrikgebäude, einsame Figuren auf einsamen Wegen, sparsame Dialoge und dazwischendrin herzerweichende Vater-Sohn-Szenen.

    Die Musik hat Iggy Popp zusammengestellt. Die Stimmung trägt durchgehend, auf dem Schrottplatz, an dessen Fuß die armselige Indiossiedlung steht, in der Siedlung selber, im Campingwagen von Raffael, den er mit seiner Frau und zwei süßen Kindern bewohnt, in der Kneipe oder auf dem Dorfplatz, der zum Rummelplatz wird. Denn über allem schwebt ein Deal, der Schaudern macht: Raffael hat seine Seele, er behauptet zwar: nur seinen Körper, verkauft und hat bereits eine für Indioverhältnisse gigantische Anzahlung kassiert.

    Raffael hält mit seinem neuen Reichtum nicht hinterm Berg. Er kauft einen neuen Fernseher, schmückt den Rummelplatz mit Lichtern. Er gibt Geld aus für die Familie. Er behauptet, einen neuen Job zu haben. Das stößt auf Misstrauen, besonders am Stammtisch, denn den Leuten geht es beschissen.

    Raffael selbst hat eine Karriere mit Knast hinter sich: Trunkenheit, Randalieren, Einbruch, Körperverletzung. Den Deal, der ihn sein Leben kosten wird, schlägt ihm Marlon Brando vor in einem Echo auf die Rolle des Paten, im Rollstuhl bewegt er sich, spielt Mundharmonika, philosophiert platonisch vom Leben als einem Schattenspiel, ein Ohr wird gut von den Haaren zugedeckt, da könnte ein Knopf für den Text drin stecken und Johnny wirkt wie kniend und anbetend vor dieser schauspielerischen Übergröße, vor diesem Schauspielergott, ganz der aufmerksam gelehrige Schüler.

    Und stimmt, so will es das Drehbuch, dem Handel zu, der ein selbstmörderischer mit dem Teufel ist und den er, da er sich zur Aufgabe seines Lebens verpflichtet, nicht mehr wird kontrollieren können. Insgeheim wünscht man ihm, er möge doch auf so ein verflixtes Wort pfeifen.

    Vielleicht ist es auch der Handel, den ein Schauspieler, wenn er ein Star, ein großer Star werden will, eingehen muss, er muss die Seele verkaufen. Das scheint mir die zweite Ebene dieses Filmes zu erzählen. Dazu muss er stehen. Mit seinem Indianerehrenwort.

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    Auf solche Kinder dürfen wir stolz sein. Eine Pferderanch in einer mildgrünen Landschaft in Hancock County, Mississippi. Eine rechtschaffene Familie, die Rhodes. Vater (Luke Perry), Mutter (Candice Michele Barley), Coming-of-Age-Tochter Hannah mit schönem Schmollmund (Danielle Campbell), aufrechter Charakter und der kleine Bruder Rudy, vorpubertär.

    Glück rundum. Vater und Tochter reiten aus. Vater schwärmt vom Glück. Dass er hart gekämpft hat, bis es soweit war, erfahren wir später.

    Für eine Rührgeschichte ist pures Glück zu wenig. Also lassen die Autoren Sean Huze und Gianna Montelaro den Vater in der Regie von Teddy Smith einen tödlichen Herzinfarkt erleiden. Den spielt er im Pferdestall.

    Für die reduzierte Familie heißt es jetzt kämpfen. Mutter ist verzweifelt, Schulden drücken, die sie nie wird bezahlen können. Doch den Drehbuchautoren, die sicher schon andere Pferde- und Coming-of-Age-Filme von Mädchen gesehen haben, kommt der rettende Einfall vom baldigen Pferderennen, bei welchem viel Geld zu gewinnen ist.

    Das Pferd als Mittel zum Erwachsenwerden für eine junge Frau. Das läuft nicht ohne innere Kämpfe ab. Das Böse ist nicht weit. In einer Spelunke, in der Billard um Geld gespielt wird, hängen düstere Gestalten herum, verführbare Gesellen. Der Gläubiger mit dem verlebten Gesicht eines alternden Bonvivant und schmierigen Schurken zugleich, Darden (Thomas Francis Murphy), findet hier den gutmütigen, verschuldeten Jeffrey, im Inneren eine reine Seele auch er, der weiß, dass die Rhodes gute Leute sind, ausgerechnet er soll vor dem Rennen dem Pferd heimlich eine Droge verabreichen (Hannah wird nach dem Rennen sagen, sie habe das Gefühl gehabt, ein anderes Pferd zu reiten).

    Genau so gehört es sich für eine Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau. Damit ist die Schiene gelegt für eine heldenhafte, mutige, von inneren Kämpfen und Gewissensdiskussionen begleitete Geschichte, in die auch immer wieder der verblichene Vater ermunternd eingreift, an den Stolz und die Ehre und das Selbstbewusstsein seines Nachwuchses appellierend.

    Und der Druck, den die Mutter auf die Tochter ausübt. Die Geschichte hält noch einen weiteren Twist bereit, so dass das überaus glückliche Ende der Protagonistin einen der treuherzig und ehrlich mit Dackelblicken strahlenden jungen, muskulösen Männer für einen unbeschwerten Rummelbesuch an die Seite spült.

    Musikalisch wird die Geschichte mit sanften, zarten Gitarrenklängen und Songs dezent unterlegt.

    Aber auch das: eine Rührgeschichte schön zu erzählen, das will gekonnt sein. Und schön und beruhigend sind die Bilder. Sie verströmen Geborgenheit, denn der Regisseur hat bislang überwiegend als Kameramann gearbeitet. Um der angenehm kurzen Angelegenheit tiefere Bedeutung zu verleihen, hat er seinem Film dieses Zitat vorangestellt: “God forbid that I should go to any heaven where there are no horses.“ R.B. Cunningham-Graham, 1917 in einem Brief an Theodore Roosevelt. – Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd.

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    Heute eine etwas sparsame Auswahl, darunter ein Meisterwerk von Pedro Almodovar: Julieta.

    JULIETA
    Pedro Almodovar zeigt hier Altmeisterqualitäten in der Beobachtung eines Mutter-Tochter-Verhältnisses, das zu einer unangekündigten, jahrelangen Kontaktlosigkeit führt.

    MAGGIES PLAN
    Dass der Planbarkeit des Lebens mittels künstlicher Besamung enge Grenzen gesetzt sind, haben wir schon immer vermutet.

    COLLIDE
    Hier geht die Liebe nicht durch den Magen sondern über eine Spenderniere, das fehlende Tempolimit auf deutschen Autobahnen und durch die engen Gassen von Fachwerstädtchen in Anlehnung an Luc Besson.

    GHOSTBUSTERS
    Der Film ist bei den Diskutierern in Amerika nicht gut weggekommen; statt einer Review gibt’s Zitate.

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    12 Jahre Funkstille

    zwischen Mutter und Tochter. Und niemand, der wenigstens informell den Kontakt halten könnte, dass die Mutter wenigstens weiß, ob die Tochter überhaupt noch am Leben ist und wenn ja, wo und wie; da ist das soziale Netz dieser Familie zu dünn gewoben.

    Wie kann es zu einer so aberwitzig schmerzhaften und in keiner Weise angekündigten Trennung kommen? Rationale Erklärungen müssen notgedrungen hinken, können nicht befriedigen. Vielleicht findet das Kino Mittel dazu, das Kino des Pedro Almodovar, der hier eine Kurzgeschichte von Alice Munro zum Drehbuch umgearbeitet hat, das ganz nah am Menschen bleibt. Das Kino des Pedro Almodovar, das früher mehr mit aufsehenerregenden, schrillen Figuren und ihren schmerzhaften Beziehungen berührte und heute mit einem schmerzhafteren Sachverhalt in normativeren Bildern sogar stärker fasziniert.

    Wobei Julieta, als jung von der Leinwand plautzend von Adriana Uguarte und in der älteren Version von Emma Suárez, aus einer frappierenden Mischung besteht: ihr Beruf ist Altphilologin, aber besonders in der jungen Variante schaut sie aus wie ein Pinup-Girl. Sie unterrichtet Griechisch und Latein.

    Die Griechen kennen drei Begriffe für das Meer (hier wird pontos relevant werden) und sie haben uns die Geschichte des Meeresabenteurers Odysseus und die von Kalypso geschenkt.

    Almodovar schenkt der Altphilologin die Begegnung mit einem Spanier, so wie man sich den Odysseus vorstellen könnte, der selbst am Meer wohnt und Fischer ist, Xoan, Daniel Grao.

    Sie lernen sich unterwegs in einem dieser filmaffinen, alten Eisenbahnabteile kennen, in denen man noch die Sitze ausziehen, die Vorhänge zuziehen und es allenfalls auch treiben konnte miteinander.

    Eines ergibt in diesem Film das nächste, speziell für den Lebensweg von Julieta, den sie als Text an ihre verschwundene Tochter Antía verfasst. Antía entstammt der Beziehung mit Xoan, zu dem sie ans Meer zieht.

    Dunkle Akkorde in seinem Schicksal. Seine Frau liegt sein 5 Jahren im Koma. Aber ein Mann braucht eine Frau, meint die strenge, alles Seelisch-Erotische eiskalt im Blick habende Haushälterin Marian, Rossy de Palma, und plaudert dabei aus, dass Ava, Inma Cuesta, für gewisse Momente diese Frau sei, eine alte Freundin von Xoan, die bevorzugt kleine Männerskulpturen mit großem, phallischem Zentralteil herstellt.

    Eines kommt zum anderen. Xoan gerät in Konflikt ob dieser Enthüllung, ist jedoch nicht als konfliktfreudig charakterisiert. Er fährt bei Sturm aufs Meer hinaus.

    Beider Tochter Antía ist inzwischen eine junge Frau. In den Sommerferien lernt sie ihre Busenfreundin fürs Leben, Beatriz, kennen. Mutter und Tochter ziehen nach Madrid. Und wieder ergibt eines das nächste, wie in einer Odysse schlägt das Schicksal bei Julieta zu, wie ein Schifflein wird sie auf den Wogen der Fährnisse und Unglückfälle des Lebens auf und ab geworfen. Eine ungeklärte Schuldfrage treibt sie in die Depression.

    Die Tochter fühlt sich ebenfalls schuldig und zusätzlich belastet durch die Depression der Mutter. Die Tochter will ihr eigenes Leben führen, sie war nie weg von der Mutter.

    Mit charaktervollen und großartig geführten Schauspielern exerziert so gar nicht exerzitienhaft Almodovar diese Schicksalsverläufe zweier Frauen durch, weit entfernt von jeglicher schauspielerischen Allüre, so das kaum fassbare und vermutlich unlösbare Problem faszinierend einkreisend; da in solchen Fällen die gute Mitmenschenwelt allzu leichtfertig zu Schuldzuweisungen neigt, der Tochter wohl Undankbarkeit und mangelnde Verehrung der Mutter vorwerfen würde, voller Unverständnis für die Schwere der Lage, überhaupt ernsthaft erklärend, dass es so etwas durchaus geben kann, eine radikale Trennung von Mutter und Tochter auf Jahre hinaus, und dass es keinesfalls aus Niedertracht geschehe, aus fehlendem Anstand, fehlendem Respekt vor der Mutter, die zu so einer unermesslich schmerzhaften Situation führen kann, dass es sich um die Macht einer Tragödie handelt.

    Nach seinem allzu leichten Fliegende Liebe-Intermezzo schlägt Almodovar als gereifter Meister unerbittlich, aber auch unerbittlich sanft, wieder zu.

    Ein Thema, was sicher Verwandtschaft hat zum Thema der Sprachlosigkeit in ordentlichen Familien, aus denen, ohne dass einer es mitbekommt, Attentäter werden oder auch Sprachlosigkeit wie in der Dokumentation Klänge des Verschweigens von KLaus Stanjek.

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    Vielleicht interessiert mich die Frage nicht besonders, die Rebecca Miller hier nach einer Geschichte von Karen Rinaldi werweißend abzuhandeln versucht, ob Leben und Fortpflanzung planbar seien.

    Vielleicht bin ich schlicht kein Freund von Filmen, in denen es um künstliche Insemination geht (Der Lieferheld, Vaterfreuden, Die feinen Unterschiede; meine Erfahrungen damit waren jedenfalls nicht berauschend.

    Der Plot ist einfach. Maggies, Greta Gerwigs, Plan ist es, nach der Erfahrung wenig haltbarer Beziehungen mit Männern, sich mit künstlicher Befruchtung fortzupflanzen und so eine Familie ohne Vater zu gründen.

    Maggie hat sich für einen Saure-Gurken-Produzenten (in dieser Adjektivierung scheint der gewollte Intellektualismus des Filmes auf und präzisiert die Gurken auch noch als „bayerisch“) als Samenspender entschieden.

    Ganz unpersönlich per Samenbank will sie es doch nicht haben. Den Gurken-Typen kennt sie. Er erscheint in ihrer Wohnung, würde den Samen auch auf natürlichem Wege einpflanzen, sie will aber nicht. So überreicht er ihr die Spende in einem sterilen Becherchen, das er nach der großzügigen Befüllung wie ein schonenswert zu behandelndes Kleinod (wie ein Baby) sorgfältig warmhaltend in ein Küchentuch wickelt.

    Maggie kann somit selbst mit der Insemination beginnen. Dieser Vorgang wird fragmentarisch in Details berichtet, einfach ist es nicht. Vor allem wird, da der Titel des Filmes ja Konzept ist, der Plan eh durchkreuzt, wird der Weg für andere Entwicklungen frei gemacht, werden mehrere Pläne durcheinandergewirbelt.

    Ein Ex taucht auf, John, Ethan Hawke, Autor einer fiktokritischen Anthropologie und verheiratet mit Georgette, Julianne Moore, einer harten Karrierewissenschaftlerin. Die beiden haben zwei Kinder. John braucht eine Aus-Zeit, für die er bei Maggie anlandet. Anlass, Familypatchworking zu praktizieren mit Bonmots und leicht intellektualistischem Pingpong.

    Die Story selbst schwankt ab und an in ihrem erzählerischen Fokus, ist vielleicht selbst irritiert durch ihr lediglich akademisches Thema, das sie von einer Riege erstklassiger Schauspieler erstklassig eingeübt performt sieht und fragt sich, wo bleibt bloß der Mensch vor lauter Thema und besinnt sich zuallerallerletzt, noch einen magischen Moment für Great Gerwig zu ermöglichen; die ist uns aber längst entglitten in ihrem klobigen Kostümstyling, das aus dem Fundus einer amerikanischen Freikirche stammen dürfte, welch letztere es garantiert nicht mit künstlicher Insemination hat.

    Eine Komödie über den Zusammenbau eines Ikea-Schrankes könnte nicht inspirierter daherkommen, auch der Rhythmus ist allzu gleichmäßig bis hackelig.

    Ein Film, mit dem sich anzufreunden, mir nicht leicht fällt. Oder handelt es sich um das Portrait einer einsamen Frau? Immerhin gibt es als Extempore einen Ausflug nach Quebec mit Schneeschuhen.

    Vielleicht erhoffen sich die Filmemacher den Erfolg, den sie ihrem Autor John in den Mund legen: „Der Saal war voll, es gab ein paar Lacher“. Oder vielleicht den anderen Ratschlag, es gebe zu viele Allegorien im Buch; darauf versucht der Film radikal zu verzichten; was übrig bleibt, ist die Frage, ob Leben planbar sei oder nicht. Und da die Antwort sowieso klar ist, hm, wozu das Ganze?

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