Wer nix kann, der kann immer noch Kindertheater oder Kinderfilm, das ist ein Satz, der sich einem bei diesem Film, der sich tatsächlich ins Kino traut, förmlich aufdrängt.

    Das kann doch ein jeder, eine Story zusammenstiefen, es müssen Kinder vorkommen, am besten ein dicker Bub und ein dünner, schauspielerisch begabt müssen sie nicht sein. Dann eine Geschichte, die etwas mit Indianern und den Karl-May-Festspielen zu tun hat, und sofort fließen unbesehen die Gelder von ZDF und Kinderkanal und von wem sonst noch immer, wo vertrocknete, verhirnte Funktionäre sitzen, die sich wie die Maden im Speck vom Filmsubventionsland breit machen.

    Denn wichtiger als der Film selber sind die Begleitschreiben, die Exposés, die dem Drehbuch beiliegen, wie pädagogisch wertvoll der Quatsch doch sei, den man hier verbrate, wie förderlich für die Kinder und wie fantasieanregend und wie Indianer zur hiesigen Kinderkultur gehören. Dazu kann man André Erkau als Regisseur verpflichten (der hat schon mit Das Leben ist nichts für Feiglinge Pech gehabt).

    Hier entsteht der Eindruck, dass zum einen das Buch mit wenig Ahnung vom Kinoerzählen angefertigt ist (Thomas Brix, Anja Kömmerling), ebenso die Besetzung zusammengestellt und dass aus diesen schlechten Voraussetzungen auch Erkau die Darsteller mehr zu als auf, mehr steif als glaubwürdig macht. Sprechen tun die Darsteller immerhin versuchsweise wenig übertrieben.

    Mit einem Kaltstart steigt der Film bei einer Probe der Indianerspiele ein. Es passiert ein Unfall. Der Bub, der den jungen Winnetou spielt, muss ersetzt werden. Die unorganische Figur des Generals und Regisseurs versucht Uwe Ochsenknecht zu spielen, bös und humorlos bringt er die Moral in den Film, dass das Ergattern der Rolle den Buben in eine andere Welt katapultieren würde, „der Tag, der Euer Leben für immer verändern wird“. Aus den Niederungen der Alltäglichkeit hinaus in eine bessere Sphäre, die laut Moral von ZDF und Kinderkanal erstrebenswert ist.

    Der Film fängt nicht mit seinen Protagonisten an, sondern mit der konfusen Probenszene mit Unfall. Dann erst wird der dicke Bub von Mama zu Elvis Ranch gebracht, einem Sommercamp im Indianerambiente. Langweiliger kann man eine Hauptfigur wohl kaum einführen unter unverzeihlichem Verzicht auf eine Charakterisierung.

    Später kommt der dünne Bub dazu. Es gibt eine böse Bemerkung. Dafür wird der dünne Bub sich mit Verzögerung entschuldigen und den dicken Bub für das Casting für die Kinderrolle trainieren. Auch davon wird es einige Szenen geben.

    Ab und an haben die Autoren Indianerweisheiten in den Kindermund gelegt. Das kann man aus Nachschlagewerken abkupfern. Pädagogisch wertvoll fanden die fördernden Redakteure sicher auch, dass die Eltern des dicken Buben nicht zusammenleben. Scheidungskinder, ein Zeitproblem. Kinderkino am Puls der Zeit.

    Es kommen ad hoc Heldentaten vor. Der dicke Junge wird die Pferde, die ausbrechen, schlecht inszeniert aufhalten. Das wird ihm beim Vorsprechen zugute kommen.

    Der Film soll den Kindern zeigen, dass sie Mut brauchen. Dick aufgetragene Moral. Dass sie gscheite, moralinfreie, nicht-didaktisch-aufbereitete Filme schauen sollen, das sagt ihnen niemand. Denn dann wäre das bequeme Geschäftsmodell dieser Macher im Eimer.

    Schmerz führt zur Weisheit, heißt es an einer Stelle. Ob der Schmerz über einen so unbedarften Film bei den Machern und Förderern zu Erkenntnis führt, dass sie so ihren öffentlichen Auftrag nur unbefriedigend erfüllen, darf bezweifelt werden. Das Dauergitarrengeklimpere kann nicht darüber hinwegtäuschen. Krackelige Kinoschrift ohne jede Schnittgeschmeidigkeit oder Ahnung von Montage. Der Film verführt zu dem Satz: Wer nix wird, wird Wirt – oder ZDF- und Kinderkanal-Kinderfilmemacher.

    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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    Deutsche Komödie, die unter ihrer unerträglichen Plotlast zusammenbricht.

    Nach den gefühlt zwei Stunden Spieldauer und nachdem man sich endlich etwas für den Film erwärmt, tut es einem unendlich leid, dass die Darsteller und Regisseur Christian Alvart so ein kompliziertes Drehbuch von Doron Wisotzky (Schlussmacher, What a Man) und Michael Ostrowski als Basis ihrer Filmarbeit hatten.

    So übel sind die Typen ja nicht, abgesehen von den Besetzungen der Frauen, die unter Schauspielerei zu vestehen scheinen, Weibchen mimen. Die drei halben Brüder könnten ein unterhaltsames Trio abgeben, könnten einen auf einen Road-Movie Trip auf der Suche nach dem gemeinsamen Vater wunderbar unterhalten. Aber das war dem Autoren-Duo zu wenig. Sie wollten mehr.

    Wie schon bei 3 Türken und 1 Baby ist der Plot heillos überladen, wird dadurch verwirrend, schwierig zu spielen. Zuerst wird Yasin vorgestellt, der ein Familienvater und ein Spieler dazu ist. Das wäre schon ausreichend Stoff für einen ganzen Film, siehe amerikanische Spielerfilme wie The Gambler oder Wild Card. (Die Deutschen wollen doch immer mit dem Amis gleichziehen. Warum kommen sie nicht endlich auf die Idee, einmal ein paar Drehbücher der Amis ganz genau zu studieren?).

    Ein spielfilmfüllender Spieler allein reicht bei uns nicht aus. Der muss nicht nur klischeehaft Schulden haben bei einem Untergrundganoven, ebenfalls klischeehaft im U-Bahnbereich untergründig untergebracht, ok, solche Imitationen mögen angehen, nein, der muss auch noch zum Notar bestellt werden, um zu erfahren, dass er zwei Halbbrüder hat und dass ihre Mutter, das hats wirklich gebraucht für die deutsche Belustigung, eine Nonne war und dass sie ein Erbe hinterlassen hat. Allein das wäre schon Stoff für einen weiteren abendfüllenden Spielfilm.

    Dann kommt der zweite der Brüder, der ist der Sohn von einem Geschäftsmann – Michael Mendl versucht einen Patriarchen zu karikieren, weil ja Komödie angesagt ist -, lässt sich enterben und ist dazu noch nierenkrank, braucht also die Dialyse; nur ist bei so viel Stoff keine Zeit, so ein Thema glaubwürdig und verbindlich darzustellen; so ist der der Input dieser Dialyse in den Film einzig der, dass der Darsteller am Schluss endlich im Bett liegt, aber was er da macht und was eine Dialyse ist, darauf wird kein Wert gelegt. Die Dialyse dient einzig dem dritten der Brüder, der als der Rapper Sido himself gut für einen weiteren abendfüllenden Musicvideoclip wäre, dazu, sich ständig im Wort Dialyse zu verheddern – wat haben wir jelacht.

    Bei so enormer Plotüberfrachtung wundert es weiter nicht, dass die Handlung nur schwer in Gang kommt; weil eben nichts sorgfältig – dabei ist egal, ob Comedy, Drama, Lustspiel, RomCom – exponiert und in den Film eingebracht wird.

    Erschwerend kommen hinzu die erbärmlich schwachen Dialoge mit einem Humorniveau auf dünnstem Eis, sowie die Fernsehinszenierung von Christian Alvart, die auf das Kinospezifische an Komödie, was hier Kino könnte, verzichtet.

    Auch hier wäre das Umsonst dieses ganzen Aufwandes mit beachtlichem Talenteinsatz zu vermeiden gewesen, wenn die Geldgeber, das sind vor allem Förderer und TV-Redakteure, Ahnung vom Drehbuchlesen hätten. Haben sie offenbar nicht. So kommt eine weitere Verschwendung öffentlicher Gelder und von Rundfunkzwangsgeldern zustande. Schade. Schade. Schade. Wir gerne hätten wir gelacht; stattdessen: rote Karte des Zwangsgebührenentrichters.

    Weil das alles nicht genug ist, muss auch noch eine unausgegorene Referenz an den französischen Film Paulette her. Der Musikscore versucht die eklatanten Drehbuch- und Inszenierungsschwächen zu übertönen.

    Ein Beispiel für den Pfusch am Kino, der hier betreiben wird, ist die Szene mit der Statue auf freiem Feld auf Fehrman. Die halben Brüder vermuten, dass darunter das Erbe vergraben sei. Allein darauf muss man erst mal kommen. Das muss hergeleitet werden. Die vermuten das, weil es im Drehbuch steht. Es ergibt sich also das Problem, wie an den Schatz gelangen. Dazu muss die Statue entfernt werden. Wie dieses Problem lösen? Das sind Vorgänge, die ganz genau erarbeitet werden müssen, wenn sie im Kino wirkungsvoll entfaltet werden sollen. Eine große Chance fürs Kino sogar, die Wechselwirkung des praktischen Problems und der verschiedenen Charaktere mit ihren Lösungsvorschlägen. Da kann viel über die Menschen sichtbar werden. Ein jeder handelt in so einer Situation anders. Daraus ergeben sich Konflikte und Spannung und auch Situationskomik. Hier aber wird über die Widerborstigkeit der Realität hinweggeflunkert, so dass das Wort Kino beleidigt sein müsste. In „irgend“ einem Fernseh-Realismus-Gehabe, wo keiner sich was denkt dabei und also nicht als handelnde Person erkennbar wird, kippen sie die Statue; Hauptsache Drehpensum erreicht. Pfusch am Kino. So ein Film verdient kein Kinogeld. Spricht dafür; dass auch dieser Film ein typisches Pfründenprodukt ist; ein Subventionsnuckelprodukt. Jeder drückt ein Auge zu, weil es eh nur ums Geld geht. So wird das Produkt halbblind. Und die blinde Kuh, die will im Kino keiner sehen.

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    Survival of the Fittest, Wildnis, ist das titelgebende Thema dieses Filmes des Holländers Mark Verkerk.

    Das Neue an dieser Wildnis ist, dass sie noch sehr jung ist und mitten in Europa im zivilisierten und kultivierten Holland in den letzten Jahrzehnten entstanden ist. Sie heißt Oostvaardersplassen und entstand auf einem Stück Landgewinnung. Hier wollten die Holländer Industrien ansiedeln. Stattdessen entstand diese neue Wildnis, die in 93 Minuten über alle vier Jahreszeiten eindrücklich und spannend potraitiert wird.

    Am härtesten ist der Überlebenskampf im Winter. Es gibt Tiere, die nicht mithalten können, die sondern sich von ihrer Herde ab und legen sich in eine Kuhle zum Sterben. Die Landschaft besteht aus Wasser, Sümpfen, Grasland, Buschland. Sie beherbergt die größte Herde von wilden Konikpferden, die für aufregende Filmaufnahmen und auch Einblicke in ihre Sozialstruktur gut sind. Mit diesen Pferden unabdingbervunden ist der kleine Kreislauf an Lebenssymbiosen, der sich um deren Dung bildet, wie dieser sowieso für die soziale Kommunikation unter den Pferden von enormer Bedeutung ist.

    Survival of the fittest auch unter den Pferden. Eine kleine Story ist die Geschichte des schwarzen Stutenfohlens, das von Anfang an schwächer ist als sein Bruder, das sich im Sommer nicht genügend Fett anfrisst und im Winter mit dem Leben dafür bezahlt. Aber das vielfältige Biotop dieser Wildnis deckt mit solchem Aas wieder den Tisch von anderem Getier, von Füchsen, Raben und Gewürm.

    Die Kamera sieht im Flachland auch die großartigen Gelände- und Himmelsbilder, lässt das Wetter gelegentlich im Zeitraffer ablaufen. Vor einem Gewitter sind alle Tiere irritiert. Die Kamera geht, das ist technisch kein Problem mehr, sehr nah an die Tiere ran, dass man meint, ihren Atem zu verspüren.

    Es kommen Vogelschwärme vor, die grandiose Zeichnungen am Himmel ausführen. Es gibt riesige Hirschherden. Ein einziges Mal sieht man zwei Menschen, die über Eis laufen als Schatten, sonst nicht ein Zeichen von Zivilisation, nicht mal Flugzeuge sind zu hören, die doch 30 Kilometer von Amsterdam entfernt bestimmt vernehmlich donnern. Vielleicht will uns der Film in dieser Beziehung mehr Zivilisationsenfremde glauben machen als wirklich da ist.

    Es gibt Eisvögel, Graugänse, Frühlingsseidenbienen, Erdhummeln, Biber, die Nachtigall, Rohrdrommeln, Schilfrohrsinger, Silberreiher, Dungfliegen, Stieglitze, Fliegen, Kormorane, Kaulquappen, Wasserratten, Ameisen, Graugänse, Stabschwänze, Kohlweißlinge und undendlich viel anderes Getier, was da kreucht und fleucht.

    Wohltuend an diesem Naturfilm ist, dass er sich auf ein einziges Biotop beschränkt und nicht dieses sensationsheischende Event-Hopping quer über den Globus betreibt. Ferner ist aufregend, dass diese Wildnis in unserer Zeit vor unseren Augen entstanden ist. Wobei mich schon interessieren würde, wie die Wildpferde dahin gekommen sind, und ob der Mensch da nicht mitgeholfen hat.

    Die deutschen Texte von Hannes Jaenicke sind zumindest nicht allzu störend, wiewohl er sie mit recht spitzer Zunge serviert.

    Eine Sinfonie der Natur, den Eindruck erweckt die musikalische Untermalung.

    Ein Film ohne Krebs, ohne Alzheimer, ohne deutsche Förderung. Dafür mit trauernden Pferden.

    Naturfilme trauen den Zuschauern immer zu wenig zu. Dieser allerdings unerscheidet sich von einer ganzen Reihe neuerer Naturfilme (zuletzt Afrika, das magische Königreich) dadurch, dass er erzählt, was Wildnis ist, was Überleben in der Wildnis bedeutet – und das mitten im hochzivlisierten, hochsubventionierten Europa. Es bedeutet: dass die Schwächeren nicht subventioniert werden, dass sie eine Weile mitgezogen werden, wie das schwarze Fohlen, aber dass sie dann würdig zugrunde gehen dürfen.

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    Ein Defafilm von Kurz Maetzig nach dem Drehbuch von Manfred Bieler, der über die Seitensprunggeschichte eines Richters raffiniert die schleichende Veränderung des Sozialismus von der idealistischen Utopie zum sozialistischen Unrechtsstaat mit seismographischer Empfindlichkeit registriert („Gibt es ein Recht für 1960 und eines für 1970?“, fragt sich Maria).

    Maria, die sich selber in den Voice-Over-Texten als das Kaninchen apostrophiert, ist Kellnerin. Sie ist jung, attraktiv, bei den Männern begehrt. Jeden Abend könnte sie mehrere von ihnen abschleppen. Die Anmache findet ganz direkt statt.

    Aber das ist nicht das, was Maria aus ihrem Leben machen will. Denn sie ist begabt und hätte das Zeugs zum Studieren. Aus Sippenhaftgründen geht das nicht, da ihr Bruder als Staatsverräter in einem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu drei Jahren Knast verurteilt worden ist.

    Maria weiß nicht, was sich ihr Bruder hat zuschulden kommen lassen, sie fragt sich, ob denn die Funktionäre Alleininhaber der sozialistischen Idee seien („Der denkt auch, er macht seinen Sozialismus ganz alleene“). Sie kann ihren Bruder lediglich ab und an im Knast in Brandburg besuchen.

    Ein Mann, der besonders hinter ihr her ist, das ein Herr Deister. Schnell checkt sie, dass das ausgerechnet der Richter ist, der ihren Bruder so hart verurteilt hat. Mit ihm fängt sie ein Verhältnis an, wohnt einen Sommer lang in dessen Datsche. Im Dorfkrug kann sie servieren. Am Wochenende kommt ihr Liebhaber aus Berlin.

    Der Fall eines Randalierers und dessen milde Verurteilung ermöglichen nun intensive Diskussionen über das Rechtssystem und dessen subtile Wandlung in den letzten zehn Jahren. Das wiederum bringt Maria in ihrem endlosen Versuch, ein Gnadengesuch für ihren Bruder an Deister, den Richter und Liebhaber zu schreiben, vorwärts und spitzt die Dynamik zwischen Liebe und ideologischer Diskussion zu. Maria entwickelt Selbständigkeit auch in der heftigen Auseinandersetzung mit der Gattin von Deister. So dass sie am Ende des Filmes sich nicht mehr als das von einer hungrigen Schlange bedrohte oder das eingesperrte Kaninchen sieht sondern als alter Hase.

    Der Film ist mit großer Dringlichkeit und Präzision hochspannend und auch heute noch ungemein präsent wirkend gemacht und herrlich angereichert mit Berliner Humorwürze; ein exzellentes Beispiel für die engagierte DDR-Filmkultur.

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    Christian Springer und Christoph Süß, begünstigt von den BR-Redakteurinnen Bettina Hausler und Sabine Scharnagl, führen uns mit dieser Sendung ein Modell des Geldverdienens vor, das es dank des reziproken Einflusses von Geld- und gesellschaftlicher Entwicklung, so wie sie es uns hier historisch zu vermitteln versuchen, in absehbarer Zeit wohl kaum mehr praktizierbar sein dürfte: mit einer gemütlichen, internationalen Dienstreise, einer netten Seniorenreise, angereichert mit matten Witzchen sich ein Stück vom 8-Milliarden-Zwangsgebührenhaufen des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes auf das eigene Konto abzuleiten.

    Zwar thematisieren Springer und Süß das sogar vor der Würstelbude am Stephansdom zu Wien insofern, als sie direkt darauf referieren, dass sie hier auf Gebührenzahlerkosten Würstel vertilgen, wobei der Zusammenhang zum allzu pauschalen Thema durchaus diffus bleibt. Gleichzeitig verschweigen sie, und das macht die Angelegenheit richtig schofel, wie viel sie sonst noch aus diesem Haufen für sich abschöpfen mit diesem netten Geschäftsausflug. Wenn sie das wenigstens Cent für Cent offen gelegt hätten. Dann könnte man von Transparenz sprechen und der Verdacht aus dem ersten Abschnitt könnte allenfalls erschüttert werden.

    Was ist das Thema? Es geht um die Entwicklung des Geldes, seine gesellschaftliche Funktion, die Veränderungen, die einerseits die gesellschaftlichen Entwicklungen auf die Entwicklung des Geldes bewirken und umgekehrt.

    Zu diesem nicht sehr präzise gefassten und gleichzeitg ausufernden, also zu Geschwätz verführenden Thema, haben die beiden Moderatoren zweifellos redegewandte Gesprächspartner gefunden. Aber wenn es dem Sender um die Sache gegangen wäre, dann hätte das auch viel billiger in den Studios produziert werden können, ohne die Reisen und die entsprechenden Kosten. Die Interviews beispielsweise über Skype. Und der Zeichner hätte statt Eins-zu-Eins-Bebilderung des bereits gelieferten Textes ergänzend die Atmosphäre von den Orten der Interviewpartner hervorzaubern können. Das hätte eine Menge Reisekosten nach Wien, Rom und in ein nicht näher definiertes Wüstenland erspart und dem Zuschauer den billigen Sktech mit den prähistorischen Wandmalereien im Wadi Ram und dem Einkaufszettel dazu. Ein Witz – dafür mit Esprit – im Studio hätte dem Zuschauer mehr gebracht.

    Denn die öffentlich-rechtlichen Sender müssen mit ihren Ressourcen sparsamer umgehen als bisher. Angesichts der Tatsache, dass die einkommensschwachen Haushalte zu deren Finanzierung nach dem neuen Zwangsgebührenmodell weit überproportional zur Kasse gebeten werden, wirkt es bescheuert, wenn die beiden Moderatoren in Rom auf Kosten der Zwangsgebührenzahler Eis schlecken und den besonders bemühten Witz dazu liefern, es habe Weihrauchgeschmack, während in Deutschland viele Zwangsgebührenzahler auf mehrere Eisschleckereiem verzichten müssen, um überhaupt die Zwangsgebühr aus dem bescheidenen Haushaltsgeld bestreiten zu können. So wirkt diese Eisschleckerei in Rom zynisch.

    Wenn die Macher, statt wie es hier offenbar praktiziert wurde, sich mit der Frage beschäftigen, wie Rundfunkgeld angenehm ausgeben, um eine Sendung zu produzieren, sich mit der Frage beschäftigt hätten, wie das Thema Geld mit bescheidensten Mittel kreativ zu präsentieren, dann würde dieser Fernsehbeitrag garantiert nicht so behäbig daher kommen, könnte deutlich spritziger und für ein breites Publikum verständlicher sein, dann bräuchten wir Christian Springer gar nicht, der hauptsächlich mehr oder weniger dekorativ dabei steht. So wirkt die Sendung jedenfalls nicht richtig gerade pfiffig, was doch wohl die Absicht war, ein ernstes Thema unterhaltsam zu bringen.

    Immerhin, den ausgewählten Gesprächspartnern fehlt es nicht an Wissen aus ihren Fachbereichen, wovon sie häppchenweise etwas preisgeben dürfen. Frau von Braun referiert in Rom auf Hobbes, auf die Gesellschaft als Körper, durch den das Geld hindurchfließt und dass die Unabhängigkeit Amerikas erst durch das Geld möglich geworden sei, dass eine neue Form des Geldes neue soziale Strukturen hervorbringt. In Regensburg ist der Historiker Dr. Richard Loibl kaum zu bremsen in seinem Mitteilungsbedürfnis historischer Kenntnisse von der Vermehrung der Bevölkerung und dadurch der Entwicklung des Handels, damit des Münzgeldes (dazu billiger Regen-Papiergeldwitz von Springer), das eine Revolution ausgelöst habe, Handelsemporien, Bildungsbedarf und dadurch Zerstörung des Bildungsmonopols der Kirche; Aufstieg des Bürgertums.

    Dem folgt ein merkwürdig unlustiger, das Thema in keiner Weise erhellender Soldaten-Sketch der beiden Moderatoren in der Wüste. Wie die Affen.

    Gut gemeint geht es weiter, wenn die beiden in Mönchskutten („Geile Kutte, Alter, übrigens, Deine Schuhe sind geil“) das Interview mit dem „Bruder“ Professor Karlheinz Geißler machen. Der Zeitforscher und Wirtschaftspädagoge, ebenfalls in Mönchskutte, darf über die Zeit plaudern, von der Sonnenuhr, der Kerzenuhr (weswegen die meisten Klöster irgendwann abgebrannt seien), zur Blumenuhr bis hin zur mechanischen Uhr, der Uhr als Unterdrückungsinstrument, um den Menschen zu takten, also zum Untertanen zu machen. Dazu ein Philosophem übers Zeitsparen.

    In Wien strampeln die beiden Moderatoren im Fitnessstudio, um daraufhin Zigaretten rauchend, auf einem Balkon sich mit dem Philosophen Prof. Dr. Robert Pfaller über den katastrophalen Einfluss der Bürokratie auf die Medizin oder die Wissenschaften zu unterhalten. Wenn dieser in zwei Sätzen über sinnvolles Leben reden soll (Christoph Süß versucht beharrlich, die Geschichte immer wieder zu erden), so wird daraus ein Bandwurm von einem Monolg, der haarscharf dabei vorbei schrammt, zur Revolution aufzurufen. Das wäre immerhin was. Dann lassen sich Springer und Süß in Wien im Fiaker herumkutschieren, denken nicht an die Qualen, die die Pferde dabei erleiden, dass das Tierquälerei ist. Sie hätten auch ein Fahrradtaxi nehmen können. Würde auch Geld kosten, falls es wirklich um eine Illustration des Geldhinauswerfens gegangen sein sollte.

    Dann beamen sie sich nach Eigenfeststellung in einer Nanosekunde zurück nach München. Hier erörtert Reinhard Karger, künstlicher Intelligenzforscher im Deutschen Museum, den Hochfrequenz-Börsenhandel und seine Risiken, weswegen er reguliert gehöre. Das dürfte ein Thema sein, das dem durchschnittlichen BR-Zuschauer so ziemlich am A… vorbeirauscht; wobei die Gestaltung der Sendung offensichtlich auf genau einen imaginären Durchschnittszuschauer zu zielen scheint, denn ein Fachpublikum oder ein mündiger Bürger kann auf diese Weise kaum angepeilt sein.

    Zu Recht fragt sich Süß auf die Frage von Springer, ob er gewusst habe, dass Ustinov Rom angezündet hat, „was mach ich hier?“. Das fragen wir uns auch. Zuschauen beim Verbraten von Zwangsgebührengeldern.

    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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    Was stellt dieser Film, dieses in Rückblenden fragmentierte Biopic über den Hitlerattentäter Georg Elser nach einem Drehbuch von Léonie-Claire Breinersdorfer und Fred Breinersdorfer in der Regie von Oliver Hirschbiegel mit mir an?

    Merkwürdigerweise eine Sache nicht. Das Thema Tyrannenmord, um das es doch Elser bei seinem Attentatsversuch auf Hitler im November 1939 im Münchner Löwenbräukeller gegangen ist, beschäftigt mich überhaupt nicht. Und den Film auch nicht.

    Dieser Film scheint mehr fürs schwere, deutsche Sentiment denn fürs lichte Argument geschaffen. Hier wird geliebt, gelitten, gefoltert, eine Bombe mit Zeitzünder gelegt, verhört, verhaftet, getötet und Menschlichkeit demonstriert im barabarischen System.

    Der Film klammert das essentielle Thema der Legitimation eines Tyrannenmordes radikal aus. Er möchte, so scheint es, vielmehr – aus schlechtem Gewissen der Geschichte gegenüber? – Mitgefühl und Sympathie für den Attentäter, den Einzeltäter, den Bürger, der etwas unternimmt, wecken. Das gelingt dem Film auch wunderbar, denn Christian Friedel, der ihn spielt, hat Empathiequalität. Aber was macht der Film mit ihm?

    Von Oliver Hirschbiegel war zuletzt zu sehen Diana. Hier wurde ein exklusiver Klatschspalteneinblick in das Leben dieses royalen Weltstars geboten. Das floppte. Bei Hitler „Der Untergang“ war es wohl nicht anders; aber der Film war ein großer Erfolg.

    Bei Elser wirkt es, als sollen Details, teils erfundene, teils dokumentierte, aus seinem Leben auf die Leinwand gebracht werden. Seine zerrütteten Liebesverhältnisse zu verheirateten Frauen, dass er eine Frau mit Kind verlassen hat, dass er musikalisch war; auch das wird kitschhaft schön gerundet, wie er im Gefängnis Zither spielt und offenbar einen Bewacher im KZ für die Kunst begeistern kann. Die Szene mit Michael Kranz hat Hirschbiegel zu einer barocken Verklärungsszene erhöht. Ein schönes Beispiel, dass der Film ans Gefühl appellieren will und nicht ans Hirn.

    Der Film will keine demokratischen Grundsätze, will nicht die Denkwelt von Elser diskutieren oder zur Diskussion stellen. Sonst könnte er wie ein klassisches Drama mit einem Argumentensatz anfangen, „Der Tyrann muss weg“. Das interessiert Breinsdorfer/Hirschbiegel nicht. Die illustrieren lieber detailverliebt das Montieren der Bombe mit dem Zeitzünder in einer Säulenverschalung hinter dem Rednerpodest, auf dem Hitler auftreten wird. Und viele weitere, unpolitische Einzelheiten zur Vorbereitung des Explosionsvorganges, die in sich dann doch wieder nicht bis zur Schlüssigkeit genau gezeigt werden.

    Oder die Begründung, wie Elser an den Sprengstoff kommen konnte. In seinem Heimatort in Schwaben, in Königsbronn, wird an einem Hang gesprengt. Hier beweist der Film Sorgfalt im Hinblick auf Plausibilität. Nur um das Entscheidende, die Frage der Legitimität des Tyrannenmordes, macht er einen weiten Bogen. Als dürfte das in Deutschland von 2015 nicht laut und öffentlich verhandelt werden. Und dass nicht alle Nazis ganz böse waren, zeigen die Figuren von Eberle und Nebe. Wobei Burghardt Klaußner dadurch, dass er als Verhörer keine Hintermänner des Anschlages ausmachen kann und Verständnis für Elser zeigt, noch eine saumäßig schwierige Szene zu spielen hat, nämlich Tod durch Erhängen an einer Drahtschlinge. Das wirkt gruselig, denn ständig stellt sich einem die Frage, wie oft wird der Darsteller noch zappeln bis zum Exitus?

    Generell inszeniert Hirschbiegel pointiert, er weiß, was ihn an einer Szene interessiert, er liebt harte Schnitte und Akzente, wirkt dadurch eher wie ein Mann fürs Grobe, was einen merkwürdigen Kontrast zur Sentimentsabsicht des Filmes bildet.

    Von der ausgelutschten Nazi-Erinnerungs-Industrie-Bildsprache versucht er sich durch leichtes Übertreiben der Farbfiltrierung in Braun und Grau abzuheben. Das kommt extrem zur Geltung bei der Rede Hitlers im Löwenbräukeller; die Szene wirkt wie eine Stilisierung im Sinne der Nazizeit.

    Die Land- und Ortschaften strahlen die Computerkorrekturen aus, die aus heutigen Gebäuden 30er-Jahre-Touch herbeizaubern, wie ein befremdendes Kunstmittel. Viel kolorierte Nacherfindung von Nazidorfleben inklusive öffentlicher Bloßstellung einer Frau, die ein Verhältnis zu einem Juden hatte; plakativ gestaltet. Und Folterszenen von Elser unter Anwendung von Pervitin.

    Dass so ein Thema wieder nicht als eine spannende Geschichte und argumentative Auseinandersetzung gebracht wird, ist einmal mehr auch den Förderen anzukreiden. Elsers Rehabilitierung gerät schleimig, denn sie setzt keine Argumente im Kopf des Zuschauer in Gang, räuchert das Denken mit schöner, historisierender Ablenkung ein. Das ist nicht im Sinne des Grundauftrages der öffentlich-rechtlichen Sender, das ist gehobener Kitsch, dafür gebührt den beteiligten Sendern die rote Karte:
    SWR (Manfred Hattendorf, Michael Schmidt)
    ARD Degeto (Christine Strobl)
    BR (Claudia Simionescu)
    WDR (Götz Bolten)
    ARTE (Andreas Schreitmüller)
    und den versammelten, deutschen Filmförderanstalten eine Rüge:
    FFF FilmFernsehFonds Bayern
    MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg
    Medienboard Berlin-Brandenburg
    DFFF Deutscher Filmförderfonds
    FFA Filmförderanstalt.

    Man vergleiche dagegen die argumentative Drehbucharbeit bei Selma oder bei Das Mädchen Hirut; wobei es bei diesen Filmen allerdings um die Durchsetzung gültigen Rechtes geht, während Elser gültiges Recht mit der Absicht des Tyrannenmords konterkariert.

    Ein Film für die Kategorie des gehobenen Heimatfilms; denn diese Heimat hat eine Geschichte und darin kommt Gutes vor und das Braun darin, das ist erkennbar chromatographisch hervorgehoben – und somit mit Photoshop leicht wieder behebbar.

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    Dieser Film von Tommy Krappweiss nach seinem eigenen Roman (Drehbuchmitarbeit Sebastian B. Voss) überzeugt mit einigen Qualitäten, die ihn von der Masse deutscher Kinderfilme erfreulich abheben.

    Die Hauptfigur ist Mara Lorbeer, ein 15 jähriges Mädchen. Mit der Besetzung von Lilian Prent hat die Produktion einen hervorragenden Griff getan, Lilian ist so natürlich, so wach, so lebendig aber auch gefühlig, sie traut sich was und steckt ihre Kollegen (und die Regie und wohl auch vice-versa) an.

    Die Sache mit den Visionen, die sie hat, die wird zwar ernst genommen, aber nicht todernst. Es bleibt genügend Platz für Brechungen und für Humor. Allein die Welt in der Mara aufwächst, in München in der Au (da wo auch Carl Valentin gelebt hat) mit einer esoterischen Mutter (Esther Schweins bringt das ohne Firlefanz rüber), die die Tochter dauernd an Workshops mitschleift, mit Bäumen reden oder Rückführungsworkshops (nie billig von oben herab gezeigt), und auch die Kleidung, die sie der Tochter verpasst, ist genau ökologisch-esoterisch reflektiert und richtet sich nicht nach der Mode. Was Mara in der Schule noch weiter zur Außenseiterin macht.

    Maras Visionen gründen in der Zeit altgermanischer Sagen, die seit der Hitlerzeit in Verruf gekommen sind (auch das reflektiert der Film mit einer kleinen Bemerkung); die zu erforschen sich ein Professor an der Universität München vorgenommen hat. Es ist Jan Josef Liefers, der diesen Professor Weissinger schnurrig gibt und der von den Visionen von Mara hochgradig elektrisiert ist.

    Wie denn die Pubertät eine elektroaffine Zeit ist. Zusammen begeben Mara und der Professor sich in die alten Zeiten, erleben Begegnungen mit Siegfried und dem Drachen, was zu erheblichen Störungen auf einem Münchner Mittelaltermarkt führt. Gottseidank gibt es ein Mittel, peinliche Bilder vom Professor hoch zu Ross mit knackigem Siegfried, wieder vergessen zu machen, Vorgriff oder Parallele zu den neuesten Möglichkeiten bei Google.

    Die modernen Kommunikationsmedien spielen eine entscheidende Rollen auch fürs Geschichtliche und sind ein Mittel auf dem Weg zum Professor. Dabei spielt allerdings auch der Brunnen vor der Universität eine „zufällige“ Rolle.

    Es wird fröhlich unterrichtet in diesem Film. Der Professor zeigt Beispiele missverstandenen Germanentums, Gegenstände kommerzieller Natur, historisch unrichtig. Es wird viel geredet und erklärt in diesem Film, der uns mit einem schier unlösbaren Problem einer Pubertierenden konfrontiert. Denn sie ist ausersehen, die Menschheit zu retten, das erzählt ihr ein Zweig. Dabei spielt Loki aus der eddischen Dichtung eine Rolle, der im Gedärm seines Sohnes auf einen Steinblock gefesselt liegt – in der alten Germanenzeit.

    Manche Details der Story sind vielleicht für den, der die Romanvorlage nicht kennt, nicht ganz schlüssig nachzuvollziehen, spielt aber keine Rolle bei dem Charme der Inszenierung, bei der Frische, wie selten in einem deutschen Film, und auch Schauspieler, die einem sonst eher als routiniert auffallen, wie Heino Ferch, tauchen in sympathischen Kleinauftritten auf, an denen sie sichtlich Spaß haben und die sich prima einfügen ins Need der Story; ebenso das schräge Polizistenpaar.

    Der Film spielt durchaus auch mit der Unwissenheit über die Sagenwelt. Aber Krappweis lässt uns spüren, dass er ganz genau weiß, was er erzählen will. Allein das ist schon viel. Der mangelnde Bierernst überträgt sich positiv als Vergnügen an der Sache. Und mit den Computereffekten geht das Team auch nicht schlecht um. Der Film hat mir jedenfalls mehr Vergnügen gemacht als das letzte Hobbit-Teil. Unverkrampfter Lindwurm.

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    Das Aufregendste an diesem Kinderfilm dürfte sein Zustandekommen sein: ein Riesenwirbel an Koproduktionsaktivitäten und -kompromissen. Wer aber seinen Kindern Kino-, Geschmacks- und Fantasiebildung, Sprach- und Sprechkultur vermitteln möchte, der dürfte sich hier auf der falschen Baustelle befinden.

    Hier knallt ein lieb-, farb- und geruchsloses Synchronhochdeutsch aus den Tonboxen (sehr oft äußerst schlecht lippensynchronisiert), dass einem die Ohren wackeln, inhaltlich derb dazu, das Arschwort eines der beliebtesten, Grobkultur zum Weghören.

    Für diesen hochkompliziert koproduzierten Film haben Tobi Baumann, Murmel Clausen, Martin Ritzenhoff, Christian Tramitz, Roland Slawik und Mike O’Leary, gegen gutes Fördergeld vermutlich, eine Romanvorlage von Cornelia Funke verhackstückt.

    Immerhin hat der Film eine Hauptfigur, was schon viel ist im Filmland, den elfjährigen Buben Tom, der zum Gespensterkämpfer wird mit Hilfe einer Gespensterjägerin. Dazu kommt noch das Glibbergespenst Hugo, ein nicht besonders witzig oder charmant gezeichneter, etwas aus der Form geratener, grüner Ballon.

    Diese drei müssen sich nun durchkämpfen durch einen willkürlichen Riesenverhau an Bühnenbild, Computeranimation und weiteren Darstellern, die kaum nach Rollenfitting oder Schauspielerqualität ausgewählt worden sein können, sondern lediglich nach Namen und Positionen im Pfründenstadel; das Trio hat ein einsames Eisgespenst zu bekämpfen, das die Welt zu vereisen droht (Vorbild Die Eiskönigin ist Kinohimmel pur dagegen).

    Als oberste Instanz hat diesen Zirkus zu verantworten Lucky Bird Pictures. Die Koproduzenten waren Warner Bros. Film Productions Germany, Immer Wieder Gerne Film, Lotus-Film, Ripple World Pictures, Arri Film & TV Services und Satel Film.

    Gefördert wurde das lieblose Produkt von
    FFF Bayern (Geschäftsführer Dr. Klaus Schaefer, Vorsitzende des Aufsichtsrates, Staatsministerin Ilse Aigner)
    Film- und Medienstiftung NRW (Geschäftsführerin Petra Müller, Vorsitzender Aufsichtsrat Prof. Dr. Werner Schwaderlapp)
    Filmförderungsanstalt FFA (Vorstand Peter Dinges)
    Deutschen Filmförderfonds DFFF (Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters)
    Österreichisches Filminstitut ÖFI
    Filmfonds Wien FFW
    Filmstandort Austria FISA
    Irish Film Board
    und unterstützt durch
    Bayerischen Bankenfond
    Section 481 (Irland)
    Media Programm der Europäischen Union.

    Deprimierend: hier scheint es allen Beteiligten nur ums Geld und nicht um die Sache zu gehen; ein Subventionsmelkprodukt.

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    Wim Wenders nimmt ein Wohlfühl-Verwöhnbad in leicht selbstironischer (?) Egobetrachtung und ganz überflüßigerweise in 3D.

    Als Vorwand dient ihm ein Drehbuch von Björn Olaf Joahnnessen. Es geht um einen Künstler, einen Autor, um seine Mimosen, Schreibhemmungen und Erfolge, und natürlich: der Künstler und die Frauen. Drei davon spielen im Leben von Tomas Eldan, gespielt von James Franco, eine Rolle. Keine kann es ihm so richtig recht machen, noch kann er es ihnen so richtig recht machen.

    Der Film zieht sich über Jahre hinweg. Der Künstler braucht Freiraum, kann sich nicht von menschlichen Regungen aus seiner Konzentration herausreißen lassen. Aber auch ein Künstler und mag er sich noch so sehr in Einsamkeit vom Leben abschirmen, kommt ab und an mit menschlichem Schicksal in Kontakt oder ist selber schuld daran, selbst wenn er sich in ein entlegenes Schneegebiet in eine einfache Hütte auf einem zugefrorenen See zurückzieht, nur von Eisfischern umgeben, die sich einzig für ihr Fische interessieren und von ihm nur wissen, dass er am Schreiben ist, und dass er seinen Fortschritt nach Seiten zählt, zwei am Tag ist nicht gerade viel. Das bescheidene Schreibheft hat Wenders gleich zu Beginn mit themenbestimmender Deutlichkeit ins Bild gerückt.

    Per Handy ist der Autor mit seiner Freundin verbunden, die was von ihm haben möchte, die sich nach ihm sehnt, die sich schwer tut, ihn mit der Litertur teilen zu müssen.

    Kurz nach dem Telefonat sitzt er im Auto und überfährt einen Buben. Er ist nicht schuld, kann nichts dafür. Das bringt ihn in Kontakt mit dem Bruder des Buben, mit Christoph, der Jahre später eine wichtige Rolle spielen wird. Auch die Mutter des Buben, Charlotte Gainsbourg als Kate, wird als Frau eine Rolle spielen.

    Von seiner ersten Freundin, Sara, Rachel McAdams, wird er sich trennen; sie ist nicht die Richtige für ihn, er ist nicht bereit. Der Künstler ist eine Mimose, hochsensibel und mehr. Frauen verstehen es nicht, wie er mit menschlichen Schicksalsfällen gefühllos umgeht, dass er emotionslos wirkt.

    Das zeigt sich bei geschmackvollen Aufnahmen von einem Rummelplatz. Inzwischen ist der Autor mit Ann, Marie-Josée Croze, zusammen ist. Diese hat eine wache Göre von einem anderen Mann. Auf dem Rummel passiert ein Unglück. Ein Frau gerät unter nicht näher definiertes, schweres Gerät. Wie gefühllos organisiert der Autor, der inzwischen berühmt geworden ist, die Rettung und Ann macht ihm Vorwürfe. Ob er denn zittern solle an den Händen, fragt er sie. Gefühlsbeweisschuld des Autors den Frauen gegenüber.

    Er hat das Leben erlebt, respektive den Tod, den Tod des Buben, und das habe ihn jahrelang verfolgt. Mit dem nächsten Buch ist er berühmt geworden, so dass Wenders sich bemüßigt fühlt, seinen Film mit Geschichten aus dem Prominenten-Nähkästchen anzureichern.

    Tomas’ nicht leibliche Tochter sieht bei einem Spaziergang eine Frau das Buch „Winter“ von ihrem falschen Papa lesen, rennt auf die Frau zu und erklärt ihr, dass der Autor vor ihre stehe, und ob sie nicht ein Autogramm haben wolle, was die Frau gerne bejaht. Darauf erklärt der „ Papa“, nur freiwillig erbetene Autogramme zählten. Tja, leicht scheint es Herr Wenders mit seiner Berühmtheit nicht zu haben. Künstler müssen leiden, entweder darunter, dass sie es nicht schaffen oder darunter, dass sie berühmt sind.

    Später gibt es eine weitere Szene, die mit der Berühmtheit zu tun hat. Inzwischen scheinen Thomas und Ann ein wohlbestalltes Ehepaar zu sein. Eldan und Gattin kommen von einer Preisverleihung ins elegante Nachhause zurück. Sie wollen sich in erlesenen Schlafanzügen schlafen legen. Etwas riecht hier stark. Eine nähere Untersuchung ergibt, dass die Kopfkissen mit frischem, fremdem Urin getränkt sind. Somit erklärt sich auch das Fenster, das sie bei der Rückkehr offen vorgefunden haben. Stalking als weiteres Phänomen für Künstlers Leiden.

    Bei diesem Film, der es ruhig angeht, der sich auf das Portraithafte der Zeichnung der Künstlerfigur konzentriert und sich nicht um die narrative Spannung bemüht, bleibt genug Zeit, sich das Team hinter der Kamera vorzustellen, sich vorzustellen, wie Wim Wenders versucht, den Protagonisten (bewusst oder unbewusst?), nach seinem Bilde zu formen.

    Filmische Selbstportraits von Filmemachern sind sicher nicht leicht zu lesen, nicht so direkt wie die Selbstportraits von Malern. Beim Film wird das Ich auf einen Darsteller projiziert.

    Anfangs erinnert der Film mit seiner kargen, kanadischen Winterlandschaft, der trockenen Erzählweise und dem Unfall an „Das süße Jenseits“ von Atom Egoyan. Bald aber wird klar, dass es hier nicht um einen Gerichtsfall geht, dass der Unfall nur der Vorwand für die Annäherung an die Sensibilitäten eines Künstlers sein soll.

    In einem solchen Kunst- und Künstler-Selbstbespiegelungsfilm dürfen die ewigen Zigaretten nicht fehlen. Ein Hinweis darauf, dass sich dieses Künstlerverständnis im Qualm des Herkömmlichen bewegt.

    Christopher, der ohne Vater aufwächst und vom Künstlertum sowohl seiner Mutter, die nicht erfolgreich ist, und jenem von Tomas infiziert scheint, ist auf dem besten Weg, genau ins Fahrwasser dieses Narzissmus und Egoismus zu schlittern, das belegt seine Erzählung einer Beobachtung an der Bushaltestelle. Eine Bö hat einen Mann umgeworfen, das fand Christopher lustig. Mitleid hat er mit dem Hund gehabt.

    Wir werden mit dem gehobeneren Matinéepublikum, auf welches der Film schielen dürfte, auch kein Mitleid haben.

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    Die Vorteile einer Affäre eines verheirateten Mannes mit einer Frau, deren Mann ein schwer kranker Apotheker ist, liegen auf der Hand: Gift ist leicht zu beschaffen.

    Da der Autor des Romans, der dem Drehbuch dieses Filmes von Mathieu Amalric zugrunde liegt, Georges Simenon heißt, dürfte die Affäre in der Kleinstadt St. Justin in der Nähe von Paris bald in einen Kriminalfall münden. Und da die Franzosen eine lange kulturhandwerkliche Tradition der Bearbeitung des Themas Liebe und Affären haben, so wird sich Mathieu Amalric gedacht haben, werde auch er seine kleine Fingerübung zu dem Thema beisteuern, wobei er seine Hauptfigur des fremdgängerischen Ehemannes Julien nicht wie einen über all diesen Dingen stehenden Franzosen spielt, der das als Kunst betreibt, sondern eher wie einen verlorenen Hund, wie ein Terrier, so wie er ihn einmal von seinem Betonhaus, das er für seine Familie gebaut hat, weglaufen lässt. Das dürfte sich allerdings nicht mit den Figurvorstellungen von Georges Simenon decken.

    Amalric ist ein erfolgreicher Unternehmer in der Provinz, hat Frau, Léa Ducker als Delphine, und Töchterchen Susanne. Er hat einer heiße, 11 Monate dauernde Affäre mit der Apothekerin Esther, Steéphanie Cléau, die ihn noch dazu regelmäßig in den Mund beißt. Seine Lügen zu Hause warum es wieder so spät wurde und warum er einen aufgequollenen Mund habe, die sind plump.

    Offenbar keimt jedoch in seiner Frau nicht der leiseste Verdacht. Das ist auch nicht das Interesse der Autoren des Filmes. Dieses geht eher um die Verwicklungen zwischen Liebe und Verbrechen, wozu so ein Seitensprung mit einer Apothekerin führen kann, denn bald schon gibt’s die erste Leiche und später noch eine zweite. Diese Vorgänge interessieren Amalric aber nicht besonders.

    Ihn interessiert die Affäre mit ihren juristischen Folgen als skizzenhafte Spielerei ineinanderzuschneiden. Noch steht er splitternackt bei seiner Geliebten am Fenster und sieht deren Ehemann kommen und gleichzeitig wird er bereits über den Tod von diesem Ehemann amtlich befragt.

    Den Machern dieses Filmes scheint es weniger darum zu gehen, das Publikum mit einer großen Liebes- und Seitensprunggeschichte als Melodram oder RomCom oder gar Liebestragödie zu fesseln, sondern mehr um die Spielerei mit dem Gedanken, was für krasse Folgen so eine Affäre auf das bürgerliche Familien- und Berufsleben haben kann, und die Faszination durch diesen Tatbestand. Wie in so eine fleischliche Sache wie Liebesakte plötzlich Staatsanwalt und Polizei und der ganze Apparat eingreifen und dazu noch alle Details wissen wollen, bei gleichzeitig konsequentem Verzicht auf Pikanterie.

    Was lernt der Zuschauer dabei? Dass bei Lieferungen von Pflaumenconfitüre aus Apotheken Vorsicht geboten ist. Ein bisschen ist es vermutlich humoristisch gemeint: jedenfalls bleibt die Kamera kurz vor Schluss deutlich lange an zwei gezeichneten Fliegen auf einer gemusterten Tapete an der dem Gericht gegegnüberliegenden Innenwand des Saales hängen. Die zwei Fliegen überlegen sich vielleicht gerade, was die Vor- und Nachteile von Liebesaffären mit Apothekerinnen sein könnten.

    Schnell skizzierte Versuchsanordnung eines Liebes-Justiz-Mixes nach den Vorgaben des Romans von Georges Simenon, vielleicht, um schnell und unkompliziert Produktionsgelder von Sendern und Filmförderern abzurufen.

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