In diesem Film von Mark Pellington nach dem Drehbuch von Stuart Ross Fin mag es sich um eine Doppelung von Plot und Intention der mitproduzierenden Schauspielerin Shirley MacLaine handeln: vorsichtshalber schon mal die endgültige Hommage an sich selber inszenieren. Alles im Griff haben über das Leben hinaus.

    Das ist die Charakterisierung von Harriet Lauler (Shirley MacLaine), der Protagonistin. Sie hat eine erfolgreiche Werbeagentur betrieben, weil sie immer alles unter Kontrolle hatte, bis auf die menschlichen Beziehungen. Das hatte zur Folge, dass sie zwar reich ist, aber in einem herrschaftlichen Haus mit Personal unterschiedlichster Herkunft einsam da hockt. Leeres, sinnloses Leben einer alten Frau.

    Als Hilferuf kippt sie einen Tablettenmix zu Alkohol und wird ins Spital eingeliefert. Ihr fallen Nachrufe von Verstorbenen in die Hände. Sie regt sich auf, wie doch alles gelogen sei. Die sterben, sind offenbar alles nur brave, liebe, unersetzliche, altruistische Menschen gewesen.

    Sie sucht das Mädel bei der Lokalzeitung Bristol Gazette auf, das für die Nachrufe zuständig ist, Anne Shermann (Amanda Seyfried). Damit hat sie auch für den Film eine schauspielerisch ebenbürtige Partnerin und somit das Hauptpfund, warum sich der Film anzuschauen lohnt, das ist die Schauspielerei. Mich faszinieren besonders altgewordene Stars, die eine einmalige Souveränität an den Tag legen.

    Um aus dem Duo ein Trio Infernal zu machen, wird ein Ausbund an sozialer Vernachlässigung, ein schwarzes Mädel, hinzuengagiert, Brenda (Ann Jewel Lee Dixon). Die drei können sich aufmachen, die Welt zu verbessern, vor allem die Voraussetzungen für einen ehrlichen Nachruf für Harriet zu schaffen: zu all den Menschen, die zu ihr nichts Gutes sagen können, wieder einen Draht aufzubauen: Ex-Ehemann, Tochter, Firma und mit dem Kümmern um das Mädel noch eine gute Tat getan zu haben, die positive Nachrufqualitäten aufweist.

    Beim Lokalradio KOXA heuert die Alte als DJ mit ihrer Plattensammlung an, ein altersorigineller Einfall. Im Kino ‚Highland‘ laufen gerade die Filme Gods of Egypt, „Deadpool“ und ein Kung-Fu-Film, was im Zusammenhang mit dem Nachrufthema oder der moralischen Aufforderung „Lebe Dein Leben“ und dass der Mensch Fehler mache und daraus lernen soll, interpretationsbedürftig bleibt.

    KitKat und MacDonalds tragen mit prägnanten Auftritten zum Budget des Filmes bei. Das ist sinnig, denn nicht anders als wie Fast-Food oder Schockolade geht die Versöhnung innerhalb der Familie schnell und unproblematisch vor sich, als sei nie was gewesen. Man könnte vermuten: geschönt. Just so, wie Harriet die Nachrufe nicht haben will.

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    It s a cultures duty to take care of its elderly.

    Eine Kultur muss sich um die Alten kümmern, das ist die zentrale Aussage dieses Hollywood-Repertoire-Streifens, und wenn sie das nicht tut, dann nehmen es die Alten selbst in die Hand, egal, ob sie dabei kriminell werden, was haben sie noch zu verlieren, im Gefängnis sind sie alleweil besser versorgt als wenn sie obdachlos sind.

    Es passiert auch immer wieder, dass Alte Banken überfallen. Und nicht nur im Film. So besehen hat der Film Brisanz auch für Deutschland. Es gibt eine Schichg von Alten, die von einer bescheidenen gestzlichen Rente leben muss, deren Erhöhungen weit hinter den Steigerungen der Lebenshaltungskosten inklusive Miete und Bankgebühren hinterher hinkt, denen der Lebenssaft mithin nach Recht und Gestz immer mehr abgedreht wird. Zu schweigen von der demütigenden Grundsicherung, die ein menschwürdiges Leben und kulturelle Teilnahme faktisch ausschließt.

    Hier im Film von Zach Braff (Wish I was here) nach dem Drehbuch von Theodore Melfi nach der Geschichte von Edward Cannon von 1979 geht es um Banken und Hypotheken. Die schichten die frech um, so dass der Zins steigt, so dass Joe (Michael Caine) diese nicht mehr bezahlen kann und erst den gelben, dann den roten Brief erhält: das bedeutet: Räumungsklage.

    Ein fachgerecht inszeniertes Beratungsgespräch in seiner WSB macht das deutlich: der günstige Zins war nur eine „teaser rate and mortgage jumped up“. Bei dem Gespräch wird die Bank im bewährten Stil von drei Männern in Masken in Minutenschnelle überfallen.

    Auch die Kunden werden ausgeraubt. Joe steckt dem Räuber den gelben Brief entgegen, darauf hin fällt vom Räuber zum ersten Mal der Motto-Satz von der Verantwortung der Gesellschaft für die Alten und Joe wird verschont.

    Und Joe geht ein Licht auf, wie er seine Geldprobleme in wenigen Minuten lösen kann. Nach genügend Erwägungen mit seinen zwei Kumpels Willie (Morgan Freeman) und Albert (Alan Arkin) machen die mit.

    Im zweiten Akt werden die Vorbereitungen und der Überfall geschildert inklusive menschlicher Stolperfalle, die das Projekt gefährdet.

    Den Ausklag dieses viel-gut-Senioren-Movies bildet die Nachbearbeitung durch das FBI und das Happy End in letzter gut überlegter Sekunde.

    Den Stars Morgan Freeman (erste Erwähnung bei IMDb anno 1964), Michael Caine (erste Erwähnung 1956) und Alan Arkin (seit 1963) ist schön zuzuschauen, diese immensem jahrzehntelange Schauspielererfahrung.

    Für die Schmissigkeit sorgt die muscialhafte Schwungmusik, die Inszenierung zeichnet sich mehr durch den Ernst auf dem Motto-Thema denn durch Ehrgeiz in Witz, Brillanz und Rhythmus aus, legt einen zuverlässigen, sauberen Trott hin; wodurch der Film immer noch für viel Gekichere gut ist.

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    Eine irrwitzige Story hat Stephen Gaghan hier nach dem Drehbuch von Patrick Massett und John Zinman „nach einer wahren Begebenheit“ aufgedreht und gleichzeitig im Passgang eines langen Weges kunterbunt verfilmt.

    Die Hauptfigur ist Kenny Wells (Matthew McConaughey), Abkömmling einer Bodenschatzsucherfamilie, die als Einwanderer in Nevada mit der Suche von Bodenschätzen angefangen hat, noch ganz einfach sein Großvater, als Großindustrieller sein Vater und Kenny ist der ungeratene Sohn. Ihn interessiert kein Benimm, kein Macho-Getue, kein Schönheitsfimmel, kein Eindruck von Seriosität (“Fool or Mastermind?“), ihn interessiert allenfalls Spieler- oder Abenteurerglück und seine Stammspelunke mit den Stammtischbrüdern, die allesamt Spieler sind, die Begeisterung für die Begeisterung der Goldsuche, diese Fingerspitzengefühl für die ganz große Sache, jedenfalls nicht das geplante Weiterführen des Abbaus seines Vaters.

    Das Erbe ist bald runiert. Sonst interessiert ihn die nicht allzu komplizierte, Sexbombe von Frau, Kay (Bryce Dallas Howard). Mit der hat er ein Verhältnis, nun ja, das ist aufs Vögeln aus, nach was Tieferem sieht es nicht aus; aber das kann genügend Zusammenhalt verschaffen.

    Kenny hat von einem sagenhaften Goldprospekteur in Indonesiern gehört, dem Flussläufer Mike, mit der überzeugenden Feuerring-Theorie, dem ist er auch einmal begegnet, Michael Acosta (Edgar Ramirez).

    Schon sitzt Kenny mit seinem letzten Geld im Flugzeug nach Indonesien, hinter ihm die Sintflut. Er macht sich an Acosta ran, zieht ihm so lange die Würmer aus der Nase, bis der sich darauf einlässt, in einer noch unerforschten Ecke im tiefgrünen Regenwald nach Gold zu suchen.

    Die ersten Expeditionsgelder kann er bei seinem Stammtischbrüdern und Spielergenossen locker machen, denen schwafelt er Reichtum und Perspektiven vor.

    Nach einem unverhoffen Goldfund, ein wahrhaftig schönes Nugget, verselbständigt sich die Geschichte lauffeuerhaft. Es dauert nicht lange, bis die Wallstreet infiziert ist vom Goldfieber und Kenny mit seiner immer frischen Frau das schönste Luxusleben führt mit Heli-Flügen und Waldorf-Astoria.

    Andererseits haben Wall Street und Investorenwelt ihre eigenen Gesetze und so ein klein bisschen sollte man sich schon anpassen und nicht leichtfertig und aus gekränkter Eitelkeit über eine Abfindung von über 300 Millionen Dollar hinwegsehen (von wegen Namen „Wasko-Mining“).

    Wie der Film dem Ende entgegengeht, überschlagen sich die Ereignisse. Er spielt in den frühen 80ern, sogar die Clique um Präsident Suharto wird involviert und einer der verwöhnten Söhne mit einem wahnwitzigen Muttest aktiviert („no balls, no deal“), und ganz am Ende, das darf man sicher verraten, lässt unser Filmemacher die Sache für den Protagonisten gut ausgehen. Ich glaub ich muss mal wieder zum Briefkasten. Jedenfalls gibt es hier nichts hinter der Leinwand suchen, hier ist alles drauf.

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    Die zähen Beine der Lüge.

    Irgendwas muss den vorgeblichen Historiker David Irving in den 90ern geritten haben, den Holocaust zu leugnen. Die Bücher verkauften sich gut.

    Eine irrwitzige Lüge, die einen momentweise am eigenen Verstand zweifeln lässt. Diese Lüge ist glatt wie ein Aal, noch mehr, wenn derjenige, der Irving als Lügner bezeichnet, vor Gericht beweisen soll, dass es den Holocaust gegeben hat. Da bleibt einem erst mal die Spucke weg.

    Die amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) von der Emoy Universität hat den vorgeblichen britischen Historiker David Irving als Holocaustleugner bezeichnet, in einem Buch, das bei Penguin erschienen ist. Daraufhin hat Irving (Timothy Spall) Lipstadt vor einem britischen Gericht angeklagt. Dort muss sie beweisen, dass der Holocaust stattgefunden hat, dass es ihn gegeben hat. Aus diesem Grund hat Irving sich für ein britisches Gericht entschieden. Das Drehbuch von David Hare richtet sich nach Deborah Lipstadts Buch „History on trial: My Day in Court with a Holocaust Denier“. Mike Jackson hat den Film inszeniert Wobei die Texte von Irving aus dem Prozess original übernommen werden konnten: ein besseres Drehbuch ist schwer vorstellbar.

    Man rät Deborah vom Prozess ab, das sei aussichtslos, sie solle sich auf einen Vergleich einlassen, wie andere es schon getan hätten. Deborah ist eigensinnig, sieht nicht ein, sich verbiegen zu lassen. Sie kommt in Kontakt mit der Kanzlei des berühmten Anthony Julius, der schon Prinzessin Diana bei ihrer Scheidung zur Seite gestanden hat.

    Julius entscheidet sich für den mit allen Wassern gewaschenen und mit Feuer in der Seele souveränen Anwalt Richard Rampton (Tom Wilkinson), ein „Kampfhund“ (und privat ein Fliegenfischer und Weinliebahber), um vor Gericht für Deborah zu plädieren.

    Die Verteidigungsstrategie („atomare Verteidigungsstrategie“) ist ausgeklügelt. In einem raffinierten Akt der Schmeichelei schafft sie es erst, den Richter Sir Charles Gray (Alex Jennings) davon zu überzeugen, den Fall nicht einem Geschworenen-Gericht zu überlassen, denn sie schätzen die demagogischen Fähigkeit von Irving richtig ein genauso wie seine Eitelkeit, seine Anfälligkeit für Schmeichelei, mit der sie ihn dazu bringen können, ihren Vorschlag anzunehmen.

    Damit ist die Sache nicht gewonnen. Sie müssen sich durch Berge Materials wie Maulwürfe durchwühlen, durch die textreichen Tagebücher von Irving, sie müssen verschiedene Auflagen eines Buches vergleichen, müssen Ausschwitz inspizieren.

    Deborah, die immer wieder beim Joggen gezeigt wird, fällt es schwer, bei all dem ruhig zu bleiben, nicht selber ihn beschuldigen zu können, denn ihre Verteidigung legt es darauf an, Irving als das darzustellen was er ist, kein Historiker sondern ein Lügner und ein Rassist dazu.

    Der Prozess selbst dauert 8 Monate, kostet 3 Millionen Pfund und bis zur Urteilsverkündigung am 11. April 2000 vergeht nochmal eine Zeit. Er erregt weltweit Aufsehen.

    Der Film nutzt die Chance, nachdrücklich auf den Holocaust hinzuweisen mit Details von Auschwitz und mit der KZ-Überlebenden, die gehört werden möchte. Doch die Anwälte haben Beispiele, wie der gewiefte Rhethoriker und Lügner Iriving solche Leute, die unter ihrer Geschichte leiden, in aller Öffentlichkeit zynisch auseinandernimmt.

    Sowohl spannendes Gerichtsdrama als auch spannende Aufarbeitung eine Stückes Geschichte und auch Gerichtsgeschichte im Umgang mit einem heiklen Thema: der Leugnung des für uns nach menschlichem Ermessen Evidenten und Unleugbaren.

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    Als vielschichtigen, schweren Emotionskuchen, der direkt auf Magen und Gemüt und Gerechtigkeitssinn zielt, reicht uns Nate Parker, Jean McGianni Celestin hat am Buch mitgearbeitet, diese Nacherzählung eines Geburtsmomentes der amerikanischen Nation dar. Sie stimmt nicht optimistisch.

    Parker interessiert nicht protokollhaft die Beiziehung belastbarer Fakten. Er baut seinen Kinokuchen aus verschiedenen Lagen unterschiedlichster Gefühlsstimmungen. Er schildert erst breit episch über eine Stunde lang das Leben im Süden der Vereinigten Staaten im frühen 19. Jahrhundert.

    Die menschliche Gesellschaft ist geteilt in weiße Herrenschicht und schwarze Sklavenschicht. Es gibt grimmig-böse, zynische Weiße und barmherzige Weiße, gute Herren und schlechte Herren und bei den Sklaven gibt es die dumpfen, die ihre Leben akzteptiert haben und es gibt den Strahlemann (und Filmhelden) Nat Turner (Nate Parker, auch Regie und Drehbuch), der auch seine Makelseite hat.

    Es gibt schöne Seiten auch des Sklavenlebens. Nat ist gebildet und Prediger und beschlagen mit Bibelworten. Die Sklaven singen und tanzen. Mal sind sie fröhlich bei der Baumwollernte, mal niedergeschlagen. Sie haben menschliche Beziehungen untereinander. Mutter, Kinder, Liebe. Davon wird mehr berichtet als von den Verhältnissen unter den Weißen.

    Von den Weißen wird von den Turners erzählt. Samuel (Arnie Hammer) ist ein guter Weißer. Die noch bessere Weiße ist seine Frau Elizabeth (Penelope Ann Miller). Seine Schwarzenfreundlichkeit und Menschlichkeit bringt Samuel in die Zwickmühle. Der rassistische Grundtenor der anderen Weißen nimmt ihm das übel. Er will bei diesen den Namen Turner wieder salonfähig machen.

    So lässt er es zu, dass eine Sklavin bei einer festlichen Einladung einem seiner Gäste zur Verfügung gestellt wird. Das dürfte mit ein Erlebnis sein, was in Nat die Idee eines bewaffneten Aufstandes befördert. Andererseits auch, dass er Grausamkeiten der Herren gegen Sklaven regungslos zuschauen muss.

    Turner selbst verliert die Loyalität seines Herren, wie er einen weißen Außenseiter, einen Penner wie wir sagen würden, tauft. Da wird er in den Block gesperrt. Das dürfte der endgültige Anlass für Planung und Durchführung des Aufstandes gewesen sein. Denn mit Bibelworten allein ist schwer zukämpfen: zu jeder Bibelstelle die für Freiheit und gegen Knechtschaft spricht, lässt sich eine konträre finden, das ist seine Erkenntnis.

    Zwischen vielen Wohlfühlszenen eines ruhigen, geregelten Landlebens im angenehmen Süden der USA, die mit der entsprechenden Musik unterlegt sind, schichtet Parker immer wieder Grausamkeitsszenen, die ebenso in epischer Breite ablaufen: ausführlich werden einem unbotmäßigen Sklaven, der im Hungerstreik ist, von seinem Besitzer mit einem Hammer die Zähne ausgeschlagen und mit einem Trichter wird ihm Essen eingeflößt oder es werden auf einem Rücken die Details der Folgen einer Auspeitschung deutlich gezeigt. Das schürt Hass und Wut, das frisst sich in die Gemüter der Schwarzen. So sind sie bei ihrem Aufstand wenig zimperlich. Da wird ein Kopf abgehauen.

    Kinematographischer Schichtkuchen aus Grausamkeit und Lieblichkeit, der einem schwer im Magen liegen kann. Eine Nation, deren Geburt so verläuft, dürfte es schwer haben, auf die Beine zu kommen. Der Frieden unter den Rassen ist bis heute nicht hergestellt.

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    Zufallsbekanntschaft.

    Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Zug der Schweizer Bundesbahn und fahren dem Genfer See entlang in Richtung Lausanne. In Nyon legt der Zug einen außerplanmäßigen Halt ein, weil ein Mensch sich vor den Zug geworfen hat. Ihnen gegenüber sitzt eine aparte junge Frau, dunkle Haare, direkter, offener Blick, vielleicht ein Hauch von Traurigkeit darin. Es ist Februar, Winter, vor dem Zugfenster ein schneebedeckter leichter Abhang, mitten drin ein trauriger, blattloser Baum, leicht gebeugt wie eine Traurerweide. Die junge Frau fängt an zu sprechen, auch Beethoven habe an Selbstmord gedacht, wie er das Gehör verloren hat. Sie plaudert und plaudert ungefragt und schon sind Sie mitten drin im Film von Arantxa Aguirre.

    Sie ist auf dem Weg zum Béjart Ballett in Lausanne. Die berühmte Tanzkompanie will Moritz Béjarts Choreographie zu Beethovens Neunter aufführen. Neun Monate lang wird die junge Frau den Probenprozess verfolgen.

    Einzige Systematik im sehr persönlichen Film werden die Jahreszeiten sein. Das erste Kapitel ist der Winter. Der Frühling findet in Tokyo statt, denn die Schweizer Kompanie wird für das große Werk verstärkt mit einer japanischen Tanztruppe. Sommer wird wieder in der Schweiz sein und die Endproben und die Premiere finden in Tokyo statt mit großem Orchester, Chor und Tanzkomparsen und mit dem Höhepunkt eines wilden, ekstatischen Ringelreihens, der von oben aussieht wie die Steinchen in einem bunten, außer Rand und Band geratenen Kaleidoskop-Effekt.

    Oft sehen wir Arantxa Aguirre, die sagt sie sei Schauspielerin, den Proben zuschauen, so wie das Corps de Ballet oft den Solisten zuschauen muss, wie sie ihre Pirouetten und Sprünge und Hebungen vollbringen.

    Nach und nach erfahren wir, dass das Filmprojekt kein reiner Zufall ist, dass Arantxa Aguirre tief verwurzelt ist in dieser berühmten Balletttruppe, deren Gründer Béjart 2007 starb. Dass sie ein Kind dieser Truppe ist, selbst aber nie Tänzerin werden wollte. So schaut sie denn mit einem gewohnten wie verwunderten Blick auf die Arbeit. Sie setzt sich ab und an mit einem Tänzer, mit dem Choreographen, mit anderen Beteiligten zusammen, befragt sie zu ihrer Haltung, was diese Neunte Symphonie für sie bedeute.

    Das Thema der Brüderlichkeit kommt auf, alle Menschen sind Brüder. Irak, Syrien werden erwähnt. Die Diversität sei wichtig. Sie spiegelt sich in der Zusammensetzung der Truppe.

    Ab und an schneidet Arantxa Aguirre verspielte Impressionen aus der Natur oder einer Stadt dazwischen. Sie schaut auf Details, wie ein Balletschuh gebunden wird. Sie beobachtet die Choreographen bei der Arbeit. Sie verfolgt aufmerksam eine schwangere Tänzerin, die Produktion aus diesem Grund nicht mitmachen kann. Sie unterhält sich mit einer älteren Tänzerin darüber, die das auch erlebt hat. Sie zeichnet auch einen Unfall kurz vor der Premiere in Tokyo auf, wie eine Tänzerin einen Knöchel verstaucht und somit nicht tanzen kann.

    Es ist ein merkwürdig verhalten distanzierter und doch faszinierter Blick, den sie auf den Probenprozess und die Kunst als solche wirft – als schaue sie in einen Spiegel, so musternd wie introspektiv. Wie intuitiv zusammengewürfelt wirken die Bilder. Es ist ein persönlicher, privater Erzählfluss, der vom Thema bestimmt ist, von ihrer Verwobenheit mit Thema und Truppe; womit der Film die Qualität eines privatistischen Unikates erhält und vielleicht am ehesten geeignet ist für jenen Kinogänger, dem so eine Zufallsbekanntschaft, über die er im Laufe des Filmes doch einiges erfährt, genießen kann.

    Als geistige Klammer fungiert Heinrich von Lausanne und seine Ansicht, dass Gut und Böse unterschiedliche Welten seien; dem will der Film widersprechen mit der Rosette der Kathedrale von Lausanne und der getanzten Rosette des Schlussbildes der Tanzaufführung.

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    Ein Literturnobelpreisträger als Vater, das wirft lange Schatten, aus denen ein Sohn kaum heraustreten kann. Das Übervaterproblem.

    Rodrigo Garcia ist der Sohn von Literaturnobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez. Er versucht sich dem Thema Vater-Sohn hochkünstlerisch und mit Rückgriff auf die in der Bibel nur wenig Platz einnehmende Wüstenphase von Jesus vorsichtig und verquirlt anzunähern.

    Von einer intensiven, inhaltlichen Vater-Sohn-Beziehung kann keine Rede sein. Garcia tupft Situationen an, unentschieden, von denen eine in kopflose Action ausartet.

    Sein Protagonist, das ist Ewan McGregor als Jesus und gleichzeitig dessen Innerer- Monolog-Partner Teufel, geht zu Fuß, angenehm modernisierte Tradition von der Ausstattung her, in die Wüste.

    Ein Garcia hat wohl beste Beziehungen durch sein Vaterhaus. Er kann sich einen Topkameramann leisten, Emmanuel Lubezki (The Revenant) und einen Topschauspieler wie Ewan McGregor. So sind faszinierende Wüstenbilder garantiert zu allen Tag- und Nachtzeiten, mit Wind und ohne und mit oder ohne Wolken und eisern disziplinierte Schauspielerei dazu.

    McGegor spricht seine beiden Figuren sachlich beflissen, dass jeder abtörnende Hauch von Pseudoheiligkeit wegfällt. Er tut so, als verhandle er ernste Themen. Wobei das just der Punkt ist, den qualitätsvoll wiederzugeben, mir schwerfällt, denn was ist überhaupt verhandelt worden?

    Jesus trifft nach einiger Zeit auf eine kleine Familie, die in der Wüste in einem Zelt wohnt auf einem Bergrücken, der gegen eine weite Hügellandschaft hin schroff abfällt. Auf einer kleinen Anhöhe ist eine primitive Steinmetzwerkstatt aufgebaut. Baumstämme und Äste bilden das Gerüst für ein mögliches Dach.

    Der Vater (Ciaran Hinds) ist durch und durch Wüstenmensch, er erzählt das dem Jesus, auch warum es ihm hier gefällt und er nie weg möchte und auch, dass er keinen Zugang zu seinem Sohn habe. Über dieser Wüste fliegen keine Flugzeuge.

    Der Sohn (Tye Sheridan), der möchte weg aus der Einöde in die Stadt. Er traut sich nicht, das dem Vater zu sagen. Der Mutter geht es schlecht. Sie wird einmal versuchen, Jesus zu verführen – oder ist es nur eine Fantasie von ihm?

    Es gibt kurze Phasen von Gesprächen. Und die große Action. Der Vater hat einen roten Stein, Jaspis, im Steilabhang entdeckt. Den möchte er raushauen und schauen, ob das Vorkommen abbaubar sei. Er möchte damit einen Handel beginnen. Aber wie in den Abhang kommen? Das wird ein Akt gewaltigen Leichtsinns und bedenklicher Unvorsichtigkeit und voll alpinen Dilettantismus‘. Der wird unangenehme Folgen haben. Der Unfall kann aber das Vaterproblem des Sohnes nur scheinbar lösen und das von Jesus schon gar nicht.

    Die musikalische Untermalung ist hochkünstlerisch und diskret, ganz selten nur, dass der eine Streicher mit anderen Instrumenten ergänzt wird, was eine Anschwellmusik möglich macht. Der erste Satz, den Jesus spricht, er kauert da in düsterem Wüstensetting wie ein verlassener Sohn, Vater, wo bist du? und Vater, sprich mit mir.

    Andererseits ist, diese Bilder zu schauen ohne Fluglärm, ohne Jeeps, ohne Radio, ohne Handy entspannend, eine kleine Wüstenreise, die einem kein Kopfzerbrechen macht; die Landschaft und die ruhigen, gekonnten Bilder können einen meditieren lassen. Es ist angenehm, einem Jesus ohne alle Wunderkräfte zu begegnen, der lediglich versucht, sein Vaterproblem (hat ja auch einen Übervater) ungelenk zu artikulieren.

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    Fleddern am Nimbus verruchter Macht.

    Der Titel scheint mehr aus Gründen des Fishings for Interest denn aus Gründen intensiver Recherche benutzt worden zu sein.

    Diese Dokumentation von Robert Altenburger wirkt wie ein Spätnachzügler des gleich nach der Bombardierung des Obersalzbergs einsetzenden Touristenansturms.

    Wie hat der Führer gelebt, Klatsch und Tratsch und Nähkästchenfotos, Hitler privat. Wobei selbstverständlich Wissenschafts- und Kommentarsprech auf die Brutalitäten und Grausamkeiten der Naziideologie hinweisen müssen, alibihalber. History-Sightseeing aus Archivfootage und kursorischem, geschichtlichem Kommentar.

    Gezeigt wird auch das „Kampf-Häusle“, in welchem Hitler einen Teil von „Mein Kampf“ geschrieben haben soll. Viel Klatschstoff bietet der Umzug der Regierung von Berlin zum Obersalzberg, die Vertreibung der Bewohner und auch die Besuchermassen, die an Hitler vorbeidefiliert sind. Glamour und Hitlerschauen. Ratsch und Tratsch von einem Regierungssitz. Regierungssitz verlegt in die Berge; ein Rattenschwanz von Folgen, Bauten.

    Das Thema Politiker und Kinder ist nicht neu. Zuletzt hat Sigmar Gabriel sein Töchterchen für die Zeremonie zur Entgegennahme der Ernennungsurkunde zum Außenminister missbraucht und die Bundeskanzlerin hat sich für ein Foto zu dem Mädel runtergebeugt. Das Bild ist nicht unähnlich den Bildern vom Führer mit Kindern des Hitlerfotografen Heinrich Hoffmann.

    Hier im Film erzählen Kinder von damals, wie sie am Arm von Hitler schreiten durften, wie er nicht mit ihnen gesprochen, sondern nur sich mit ihnen habe ablichten lassen. Nachher gab es von Bediensteten Beeren und Schlagsahne – paradiesisch für die Kinder. Kein Wunder, dass es den Kindern gefallen hat. Ihnen hat es an nichts gefehlt. Für sie war es eine heile Welt. Du schönes deutsches arisches Kind, soll der Führer zu einem gesagt haben.

    Dass Massenmörder, Drogendealer und jegliche Art von Diktatoren und anderen Verbrechern einen Hang zu einem exclusiven Privatleben haben, ist nicht neu, da gibt es Dokumaterial über afrikanische Potentaten oder über Escobar.

    Altenburger hat den Filmtitel offenbar aus werbetechnischen Gründen gewählt, quotenschielend (wie die Potentaten mit Kinderbildern selber um Aufmerksamkeit buhlen). Thematisch hat er lediglich ein schnell und billig zusammengekleistertes Naziploitation-Movie mit einem kruden Mix aus Archivmaterial, Wissenschaftssprech und Zeitzeugenaussagen (Kinder und Zwangsarbeiter) produziert. Geht kaum über Neugier- und Sensationsjournalismus hinaus. Das Thema „Kinder vom Obersalzberg“ wirkt wie eine ablenkende Falschetikettierung.

    Am 25. April 45 wurde der Obersalzberg von der britischen Luftwaffe bombardiert. Die Briten bombardieren, die Amerikaner erobern. 300 Bomber. Das Ende der heilen Welt im Berghof. Dazu mixt Altenburger getragene Musik und der Satz Ein apokalyptischer Untergang. Und Redakteur Andreas Bönte muss das gefallen haben.

    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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    Diesen Tatort aus Franken habe ich nicht zu Ende geschaut. Nach knapp einer halben Stunde hat es mir gereicht. So ein abgegriffener Zugriff auf das Flüchtlingsthema, so unspannend gebracht nach dem notleidenden Drehbuch von Holger Karsten Schmidt (Polizeiruf 110 Sumpfgebiete und Nebel im August)
    Bei Nebel im August hat er bereits seine Unfähigkeit als Drehbuchautor bewiesen. Der Film ist gefloppt. Das Kino ist gnadenlos (was nicht heißt, dass auch ein gutes Buch floppen kann). Am Fernsehen kann ein Autor offenbar eher über seine Unfähigkeit hinwegtäuschen, wenn Wörter halbwegs zu Sätzen zusammengesetzt werden und alle paar Sekunden eine neue Szene kommt und dem Stammpersonal Sätze zugeschrieben werden.

    Die Drehbuchanalphabetin in der Redaktion: Stephanie Heckner.

    Musste Regisseur Markus Imboden (Tatort Klingelingeling und Tatort Einmal wirklich sterben) sich das antun?

    Hier wirkt das Drehbuch oberflächlich und leichtfertig zusammengestiefelt. Damit versinkt auch der möglicherweise anständig gedachte Rest. Es fängt mit Medienbashing, Bürokratismusbashing und Neugierigenbashing vom hohen moralinischen Ross herab an. Die Flüchtlinge kommen kaum über Komparseriestatus hinaus. Und wenn einer breit Fränkisch spricht, so wirkt das wie ein sprachlicher Geisterbahnspuk.

    Katastrophales Drehbuch. Mit Felix, der mit dem Flugzeug und mit Fahrrad aus Tschetschenien ankommt, da wird viel erklärt, gibt es eine überflüssige Taxiszene; er übergibt das Gepäck dem Taxifahrer und einen Zettel mit einer Adresse. Er selbst fahre mit dem Rad, er brauche Bewegung. Aha, gesunheitsrelevanter Drehbuchinput, gesponsert von einer Krankenkasse. Hat das etwas mit der Story zu tun? Erklärfernsehen, das Dinge erklärt, die nichts mit der Geschichte zu tun haben.

    Felix bringt dann in viel zu ausführlichen Szenen Wurst aus Tschetschenien mit, verlorene TV-Zeit, ob da Esel drin ist – im Drehbuch sicher mehr als ausgewiesen. Das ist doch schrecklich. Er ist zu Fuß quer durch Afrika. Guten Morgen, Guten Morgen, Guten Appetit aus … statt Bamberger Hirn … das liegt in Tschetschenien, ist da Esel drin – nein, Esel ist im Drehbuch … der Stand ist der, wir haben eine Tote … Schatz beschäftigt sich gerade mit dem Schließmechanismus – und wir meinen: der des Drehbuchs ist defekt – und wieder Erklärungen über Erklärungen, man könnte auch Akten vorlesen, das wäre spannender –

    Brandanschlag oder Fingerabdrücke – wir suchen zwei Täter … Erklär-TV. Dann Gespräch über Status, er könnte reingehen, er kann tschetschenisch … Erklärung über verdeckte Ermittlung, ich fahr nicht nach Uganda, was soll schon passieren, das muss wasserdicht sein … sag mal Deutsch was mit tschetschenischem Akzent, lustig, lustig, wenn man schon nicht über die Franken lachen kann … nicht dass du mir da drin verloren gehst … das geht aber einfach, sich als Asylbewerber reinzuschmuggeln …. herzlich willkommen … wir hatten hier einen Brand … und jetzt spielt er den motzigen Asylbewerber – es ist so unglaubwürdig … wo ist Tschetschenien. …. sag mal woher kannst du Deutsch, mein Vater war in Damaskus Deutschlehrer … anfreunden mit Mazud und wieder tschetschenische Wurst … probier mal

    das hat alles weder Hand noch Fuß – falls die tschetschenische Wurst nicht noch eine Schlüsselrolle bei der Aufklärung des Verbrechens oder der Verbrechen übernimmt … hast du was von dem Brand gehört … gleich fängt der verdeckte Ermittler ganz offensichtlich zu ermitteln an … jetzt zeigt der Film, wie unbequem das Bett ist … Das ist kein Sicherheitsabstand mehr Frau Ringelhahn …. konfus, konfus Drehbuch —- das ist ein Ding, wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen … Frau Vogt und ich haben zeitweise zusammen studiert … bla, bla, bla … mir rennen die Pressevertreter schon die Tür ein … ich habe Ravioli gekocht mit eine Gaskocher

    sorry, sorry, von so einem undurchdachten, schwafeligen Drehbuch — mehr pack ich nicht. Schade um die Lebenszeit. Sichtung nach knapp einer halben Stunde abgebrochen. Nichts, was Interesse erwecken würde oder könnte, nichts was glaubwürdig ist. Kein Mensch mit einem Konflikt. Kein Vorgang ist präzise. Es wird nur erklärt und gequasselt. Abgelutschteste Fahrbahnen – ohne dass die Figuren damit Kontur gewinnen würden. Keine Mühe gegeben für das Drehbuch. Das Drehbuch von Anfang an hingehudelt. Und wir müssen für so eine schmierige Schnell-Schnell-Pfusch noch blechen.

    ROTE KARTE DES ZWANGSGEBÜHRENZAHLERS!

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    Im Hinblick auf die Bundestagswahl.

    Ein immer drängenderes, brisantes Thema, was die regierenden Parteien, die sich bei der Bundestagswahl um die besten Plätze am Pool der Regierung kabbeln und versuchen, sich gegenseitig Marktanteile streitig zu machen, mutlos liegen lassen: das bedingungslose Grundeinkommen als ein mögliches Mittel gegen die grassierende Armut, die in ihrem Schlepp auch die Mittelklasse erodieren lassen wird.

    Es wäre ein probates Mittel, die steigende Armut an den zwei Rändern der ausfransenden Gesellschaft, bei Hartz IV und bei der Grundsicherung sowie bei den Schichten mit niedrigem Einkommen auszubremsen. Denn die Mittelklasse erwischt es als nächstes.

    An diese Schichten denken die Wahlprogramme der regierenden Parteien nicht. Sie sind kurzsichtig, visionslos. Sie haben die sich rapide beschleunigende Roboterisierung, die immer mehr Arbeitslpätze vernichtet, die immer mehr Einkommen auf die Kapitalbesitzer umleitet, nicht genügend auf dem Radar. Gerade in den letzten zehn Jahren sei die Beschleunigung ernorm gewesen, sind Dinge passiert, die man sich vorher kaum hätte vorstellen können. Hier im Film von Christian Tod kommt Watson vor, die künstliche Intelligenz von IBM (deren zentrale Entwicklung jetzt in München sitzt) und die in Ratespielen Menschen bereits um Längen schlägt. Das sei erst der Anfang.

    Die Grundfrage, die immer wieder auftaucht, ist die, ob der Mensch die Sicherheit haben soll, dass er etwas arbeiten kann, was ihm gefällt oder ob er gezwungen ist zu arbeiten, um zu überleben. Der Film geht in die Geschichte dieser Idee zurück weit ins letzte Jahrhundert. To be paid for just beeing alive schafft den Freiheitsraum.

    Der Film befragt den Direktor einer Lotterie. Es geht darum, wie ein Lotteriegewinn sich auf das Leben der Gewinner auswirkt. Der überwiegende Teil macht weiter wie bisher, fühlt sich aber wohler dabei. Und nur wenige legen sich in die Hängematte oder gehen surfen. Die Hängemattentypen haben wir auch heute. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich dieses Problem mit dem BGE verschärfe.

    Tod schaut in die Ideengeschichte des bedingungslosen Grundeinkommens zurück:
    San Francisco, 1976, Peter Bond, Entrepreneur und Enviromentalist. If we receive wealth from nature, that belongs to everybody equally, common wealth, that belongs to everybody. Labour Union, das American Enterprise Institut, Milton Friedman sind dafür, Charles Murray als konservativer Vordenker wiegelt die Negativeffekte ab, Lyndon B. Johnson 1976 mit einer Kommission für das BGE. Martin Luther King. Nixon 1969, zwei Wochen nach der Mondlandung: Family Assistence Plan (Donald Rumsfeld!) geht durch den Kongress, wird von Reagan im Senat gekillt. Bernie Sanders ist dafür, Emmanuel Saez untersucht die Armeneinkommen weltweit, stellt die Ausdünnung der Mittelklase fest und die Zunahme der Geldflüsse zu den Reichen. Warren Buffett. Erich Fromm.

    Tod führt Experimente und Beispiele von Versuchen mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen an. Von Alaska (wegen Geldboom durch Arktik-Pipeline oder ‚Geld gegen Alaskas Beauty‘) über New Jersey in den 60ern, Winnipeg Manitoba in den 70ern (ohne Schlussreport), Seattle, Denver, Namibia und dann bis hin zur Schweizer Volksabstimmung oder zur Verlosung von einem Jahr Grundeinkommen über Crowdfunding in Berlin.

    Immer wieder lässt er den Ökonomen und Philosophen Götz Werner, den Gründer und Chef einer Drogeriemarktkette, zu Wort kommen. Dieser votiert dafür, Einkommen und Arbeit zu entkoppeln. Die Frage ist allerdings, ob Menschen aus dem Inneren heraus Veränderung als etwas Sinnstiftendes sehen. Wobei die Gesellschaft erst mal denken muss.

    Stichwörter und Merksätze
    Aufstiegsgedanke der Mittelklasse abgewürgt. Cabdriver: everybody is working for the rich people, for the strongest and the rest will have to follow. Big Business hijacked the idea of democracy. Citizen replaced by consumer.
    Die Ziele der Aufklärungszeit: Freiheit und Gleichheit haben wir auch noch nicht verwirklicht.
    Arbeit ist unbezahlbar. Arbeit und Einkommen trennen.
    BGE um bescheiden, aber menschenwürdig leben zu können.
    Die Leistungsgesellschaft mit ihren Bewertungen sorgt erst dafür, dass Menschen faul werden; schaut Euch die Kinder an, die sind ständig in Bewegung, am Rumtollen.
    Die reiche Walton-Family erhält am meisten Walfare in America über die Arbeitnehmer. Walmart-Skandal.
    Das BGE ist nicht etwas, was man bestellt, das gestalten wir zusammen.
    Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?
    Die Politiker sind unsere Angestellten und nicht unsere Chefs.
    BGE ist eine Machtumverteilung, mehr Macht beim Einzelnen und in diesem Sinne eine Weiterentwicklung der Demokratie.
    2 Fragen: Wem gehören die Ressourcen, wem gehören die Roboter?
    Machines should work, people should think.
    Taxifahrer werden bald überflüssig. The car is ready.
    Frage, ob genügend Güter da sind, und nicht, ob genügend Geld da ist für eine altruistische Gesellschaft. Wieso leisten wir uns Armut, wenn wir eine Überproduktion von Gütern haben?
    Let’s legalize Common Wealth.
    Hier geht’s zur Website.

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