Ein Abhakfilm. Nicht die schlechteste Lösung für ein Biopic, das viel private Ichausbreitung betreibt, wenn auch vor europäisch-historischem Hintergrund, um es dennoch spannend und temporeich zu gestalten.

    Die Autorin (Roman: Titos Brille) und Schauspielerin Adriana Altaras (68 Credits bei IMDb leidet unter den Dibbuks ihrer Vorfahren, das sind die Gespenster der Toten, die die Überlebenden nachts nicht schlafen lassen und sie leidet als Jüdin sowieso an einer Überdosis an Geschichte. Sie möchte sich von diesen Geistern befreien. Eine befreundete Wahrsagerin rät ihr zu einer Reise in die Vergangenheit, an die Orte ihrer Geschichte.

    Wie auf einem Einkaufszettel werden die Namen und Orte nun aufgeschrieben und abgehakt. Das ergibt vorerst einen spannenden und interessanten Einblick durchs Schlüsselloch ihrer Geschichte, bringt uns gleichzeitig ein Stück heutiges jüdisches Leben in Deutschland näher; das ist vielleicht das Wichtigste an diesem Film, der just aus diesem Grund mir eher fürs Fernsehen mit seiner Mission geeignet scheint denn fürs Kino; dafür kommt die Geschichte zu privat rüber oder wurde von der Filmemacherin Regina Schilling nicht genug auf Kinotauglichkeit überprüft. Das Tragegerüst für einen Kinofilm fehlt, nur Abhaken eines Einkaufszettels ist dafür zu wenig.

    Die Geschichte von Adriana Altaras ist hochkomplex und mit der europäischen Geschichte verwoben. Ihre beiden Elternteile waren anerkannte Bürger in Deutschland und mit Verdienstkreuzen ausgezeichnet, der Vater als Radiologe, die Mutter als Wiederaufbauerin einer Synagoge in Gießen.

    Der Krieg hatte sie aus Jugoslawien nach Deutschland fliehen lassen. Der Vater, ein Frauenheld, Opernliebhaber, Bonvivant und Espressoconnoisseur hatte 6 Brüder. Deren Vater wiederum war ein Spieler und sei erschossen worden, weil er sich, als es brenzlig wurde, nicht vom Spieltisch lösen konnte. Das war in Kroatien.

    Ruckzuck erledigt Adriana den Weg durch ihre Herkunft mit dem alten Mercedes ihres Vaters und mit viel Humor. Ausgangspunkt ist Gießen, wo sie eine Zeit lang aufgewachsen ist. Die Eltern haben sie in die Waldorfschule geschickt. Aus Gießen holt sie die Koffer ihres Erbes mit Zwischenbemerkungen über ihren westfälischen Gatten und ihre beiden Söhne, die kurz vor der Barmizwa stehen, der Ältere, Aaron, ein überzeugter Jude, dem die Auserwähltheit dieser Religion durchaus behagt.

    Zwischendrin gibt’s Super-8-Filmausschnitte aus der Familiengeschichte (auch Selfie von Papa mit langweiliger Blondine), Fotos und Dias. Dann geht’s zack, zack, auf den Spuren des hochgebildeten Elternhauses nach Kroatien zur Villa Bled, in der Tito sommers zu residieren pflegte. Dieser Name war bei ihren Eltern hochangesehen, denn sie verband das Partisanentum, bis der Vater eines Tages kaltgestellt wurde und nach Deutschland floh (schön der Super-8-Ausschnitt einer Flugformation, die den Namen TITO formt).

    Überall trifft sie auf Zeitgenossen, Verwandte, die noch ein paar Informationen bereit halten. Es geht weiter nach Italien an den Garadsee zur 94 jährigen Schwester ihrer Mutter. Die Tante erzählt von ihrem Vater, also dem Großvater von Adriana, einem großen Zampano und sie erzählt auch, wie sie 40 Jahre ihre Schwiegermutter im Hause ertragen musste (hier wird es wirklich sehr privatistisch). Dann ein Spruch eingefügt: was ist schon eine Pubertät gegen den Holocaust, wenn ihr Sohn zu rebellieren wagt.

    Es folgen Split, wo eine enorme religiöse Toleranz geherrscht habe. Allerdings verwischen die Eindrücke schnell, wenn man sich nicht so auskennt in diesen Dingen, ob der Menge und der Eile, in der sie dargeboten werden. Was war jetzt in Split, was in Zagreb, was in Vis? Der Zuschauer beginnt zu spüren, was es heißt, an einer Überdosis Vergangenheit zu leiden.

    Heute will Adriana in Zagreb Restitutionsverfahren anstrengen. Denn ihre Vorfahren hatten viel verloren dort. Ein paar heftige Bemerkungen zum Grab ihres Großvaters, dem einsamen Juden, der auf dem Friedhof von lauter Christen umzingelt sei. Rab. Die Konzentrationslager.

    Hat die Reise Adriana befreit, wohl kaum, aber bei der Bar Mizwa ihrer Söhne amüsiert sie sich prächtig. Und uns hat sie einen hochinteressanten Einblick in das Leben und die Geschichte eines von über 80 Millionen Einwohnern unseres Landes geboten. Das Land ist voller Geschichten. Die meisten haben mit der Geschichte zu tun. Letztlich sind es die privaten Geschichten, die den Nährboden für ein Land und seine Geschichte bilden.

    Comments Keine Kommentare »

    Das Coming-of-Age in unserer vernetzten Welt (daher der oberflächliche, deutsche Titel „Zeitgeist“) und die sie auslösenden Katastrophen bei den Eltern an vier Fällen, die ineinander verzopft werden.

    Nicht unbedingt mein Lieblingsformat, es bleibt so für jede Geschichte nur ein Kurzfilm und da die elterlichen Qualen auch noch beschrieben werden, können die einzelnen Geschichten nur kursorisch als Fälle abgehandelt werden.

    Anbandeln ist leicht im Netz. Überall finden sich Porno- und Kontaktseiten, überall kann man chatten. Emma Thomson spannt als Erzählerin den Bogen von der Raumexpedition Voyager, die 1977 gestartet ist, bis zum Heute und was für ein kleines Pünktchen im All doch die Erde sei, bis zu den konkreten Fällen vom Jungen, da übernehmen die Actors unter der Regie von Jason Reitman, der einen Roman von Chad Kultgen als Drehbuchvorlage hatte, und können weiterphilsophieren von kosmologischen Ideen über die Unwichtigkeit von einem selbst und damit der eigenen Probleme, wenn sie drohen, einen zu erdrücken.

    Die Probleme finden vor allem statt im Rahmen von Football, das beherrschen die Amerikaner malerisch, dem Studierzimmer zuhause, dem Familien- und Schulleben und immer wieder Chat und Chat.

    Der Befund des Filmes ist gnadenlos ungeschönt: die Pubertät ist keine zuckersüße Zeit, sie ist geprägt von Unsicherheit, die sich auf die Eltern überträgt. Die Angst vor Verunreinigung der Kinder, obwohl der Papa selbst sich erinnert, wie er bei seinem Vater in der Schublade die Pornozeitschriften gefunden hat. Ein anderes Elternpaar übt sich im Fremdgehen in Blind Dates. Eine Mutter will ihre Tochter im Griff haben, lässt sich die ganzen Chats ausdrucken, wie die Eltern sowieso ihre Kinder über die Handys ständig orten wollen. Die böse Mutter treibt den Freund ihrer Tochter durch einen falschen Chat in den Selbstmord mit Pillen.

    Die Pubertät ist keine lustige Zeit, weder für die Eltern noch für die Kinder. Und ob sie in unserer Internetzeit einfacher ist, wo die Menschen so informiert sind? Da kann der Versuch einer ersten Nacht, einer Entjungferung ganz schön daneben gehen. Hauptsache, die Blondine verbreitet, sie hätten geschlafen miteinander. Das scheint offenbar von gesellschaftlicher Relevanz und Wichtigkeit zu sein, dass die glauben, man habe es getan, man tue es, man sei so weit erwachsen. Als ob nicht das Entscheidende sei, dass man die Dinge, die man tut, gern tut und glücklich tut. Außenorientierung.

    Immer wieder der Orbit. Auch das mehr als geschmackvolle Bilddekoration und Ablenkung denn als inhaltliche Ausweitung oder Vertiefung.

    Das Mädel, das von einer Hollywoodkarriere träumt und schon nach dem ersten Casting abgesägt wird, obwohl sie die Beste gewesen sein muss, aber ihre private Website, die von Muttern ehrgeizig betrieben wird, zeigt zu viel Offenheit.

    Die Eltern so hilflos wie die Kids – vielleicht weil sie es genau so außenorientiert betrieben haben, wie ihre Kinder jetzt dabei sind, es zu tun?

    Gute Sprachregie, nie sprechen die zu laut, immer sehr leise, so dass man versteht, ohne überflüssigen Druck. Desillusionierend.

    Comments Keine Kommentare »

    Kino als direkte Reflexion zu hochaktuellen politischen Entwicklungen.
    Hier als eine vertiefte Illustration zu den News über die Eroberung von Timbuktu durch die Islamisten. Worüber die Welt immer noch ungläubig den Kopf schüttelt – oder sich bereits daran gewöhnt hat.

    Mit leichten Federstrichen und schönsten Wüstenbildimpressionen, mit dem Jagen einer Gazelle durch Militante von einem Jeep aus fängt Abderrahmane Sissako, der mit Kessen Tall auch das Drehbuch geschrieben hat, seinen Film an.

    Eine Szene da, eine Szene dort. In der Stadt, in der Wüste, beim Fischer, beim Bauern und seinem Zeltlager. Und schon ist die Geschichte nebst der Illustration, wie die Islamisten mit ihren schwarzen Fahnen, ihren sonderbar verwahrlosten Kleidungen, die offenbar ganz genaue Bedingungen erfüllen, und ihren umgehängten Gewehren von Haus zu Haus gehen, im Ton grad gar nicht blustrünstig, eher im Stimmmodus der Aufklärung, dass die Fischverkäuferin bittschön Handschuhe für ihre Arbeit anziehen soll, dass die Männer die Hosen raufkrempeln müssen und der Imam, der gerade beim Gebet ist, der sagt ihnen, dass sie hier nichts zu suchen hätten.

    Der angenommene Bub vom Bauern Kitane hütet dessen Kühe. Es passiert ein Unglück am Wasser. Eine Kuhe zerreißt dem Fischer die Netze – allein, was so ein Fischer fotografisch an Beifang für den Film hergibt, ist traumhaft. Der Fischer tötet die Kuh mit einem geworfenen Stock. Kidane kann das nicht ertragen. Begibt sich zum Fischer. Sie rangeln miteinander fußtief im Wasser. Ein Schuss fällt. Der Fischer liegt leblos. Er berappelt sich nochmal. Kidane hat sich entfernt.

    Kidane wird von der islamischen Polizei verhaftet und kommt vor ein Schariagericht. Je haarsträubender für unserein die Begründungen und Texte bei so einer Verhandlung sind, desto natürlicher und leiser inszeniert sie Abderrahmane Sissako, dass man Gänsehaut kriegt. Überhaupt kommen dabei einige Eigenschaften dieser Dschihadisten schön zu Tag: allein das sprachliche Chaos, dass kaum einer den anderen versteht, verschiedene Arabisch, Französisch, Englisch, Tamschek und andere Wüstensprachen. Wie sie alle mit Handys hantieren. Wie die Dschihadisten überhaupt ein zusammengewürfelter und ungebildeter Haufen dazu sind.

    Der Film zeigt auch, wie sie Strafen durchführen, Steinigung und Auspeitschung bleiben dem Zuschauer nicht erspart. Als Gegengewicht tanzt einer, der sich bei der bunten, immer mit einem Huhn dekorierten Zabou befindet, eine merkwürdig traumhaft, weltverlorene Pantomine. Schönes Detail: die Kuhe, die getötet wird, heißt GPS. Islamisierung durchs Megaphon. Der schwebend leichte Luftfußball, den die Kids spielen, weil Fußballspielen verboten ist. Überhaupt wie die Leute zuerst unerschrocken reagieren auf die Islamisten. Aber auch die betörende Musiksession wird brutal beendet und landet vor Gericht. Wie die Islamisten wie kleine Kinder mit dem Jeep umgehen und das Fahren lernen wollen.

    Comments Keine Kommentare »

    Ein kurzer Kommentar nur, da ich eine längere Betrachtung der ganzen Tolkien-Angelegenheit für später plane.

    Im dritten und letzten Teil der Hobbit-Trilogie kommt vor allem auf seine Kosten, wer die bisherigen Teile richtig gut fand. Es mangelt nicht an Action, von Smaugs Angriff auf die Stadt Dale bis zum Einfall verschiedener Armeen, die alle an das Gold unter dem Berg kommen wollen.

    Gekonnt verwebt Regisseur Peter Jackson die Handlungsfäden aus den letzten beiden Filmen zu einem stimmigen Finale, das natürlich den Boden bereitet für den Herrn der Ringe, der ja einige Jahrzehnte später angesiedelt ist.

    Musik und Ausstattung sind sehr gelungen, ebenso die Bauten und Kostüme. Die Effekte sind weitestgehend makellos, nur Puristen (wie ich) stören sich an den hinzugeschriebenen Figuren und aus dramaturgischen Gründen bevorzugten Handlungssträngen.

    Natürlich muss man diesen Film gesehen haben, wenn man die anderen gesehen hat, daher braucht man gar keine Empfehlung aussprechen.

    Comments Keine Kommentare »

    Eine feminin-britische Befreiungsträumerei in glaubwürdig realitätsnaher Formulierung am Beispiel eines langjährigen Künstlerehepaares, das in einem architektonischen Bijou in London wohnt.

    Die Filmemacherin Joanna Hogg geht ungewohnte Wege beim Casting und findet so Schauspieler, die ihre Intention adäquat rüberbringen. Das ist die Schilderung des Lebens eines Künstlerehepaares und dessen Machtkonflikten in geschmackvoll-großzügiger Behausung, Individualarchitektur. Das Paar ist seit 17 Jahren zusammen, kinderlos, ihr kommt es vor wie vierzig Jahre. Sie verkriecht sich in ihr Büro, wurstelt an einer Performance und an Zeichnungen rum, die mit dem weiblichen Körper, gerne raupenhaft, uterushaft, auch mit Tendenzen zur Befreiung, Selbstbeschäftigung, sich befassen.

    Das Paar kommuniziert über die Etagen per Telefon. Ihr Mann ist der klare, selbstbewusste, stringente Erfolgstyp. Er möchte ihr helfen. Sie will sich nicht helfen lassen. Er will Sex mit ihr. Sie liegt bloss lahm da. Zur Illustration, dass es sich hier um eine Baustelle handelt, gibt es ironisch kurze Zwischenblicke durch die vielen Jalousien auf eine Baustelle auf der anderen Straßenseite.

    Wie sie (Viviane Albertine spielt die Künstlerin) sich schließlich befreit, scheint mir ein bisschen ein Wunder, eines Nachts jedenfalls entdeckt sie die Lust am eigenen Körper wieder. Vorarbeiten dazu waren in mühsamen Stunden in ihrem Büro angestrengte, steife Sitzpositionen auf einem mehrstufigen Schemel. Von da an geht es aufwärts mit ihr. Es kommt zu einem gemeinsamen öffentlichen Auftritt des Ehepaares, in welchem er moderiert und sie nicht viel sagt.

    Das Damoklesschwert über dem ganzen Film ist der geplante Verkauf des Hauses. Was bleibt ihr noch? Sie möchte weiter über das Haus herrschen, keine Familien drin wissen. Allein hat sie Angst im Haus. Schaut in die Schränke. Schließt die Türen mehrfach ab. Im ganzen Film gibt es erst im Abspann Musik. Sonst dominiert der Klang der stählernen Wendeltreppe, über die vor allem ihr Mann im Off rauf und runter geht.

    Sound of Wendeltreppe. Ihr etwas verwahrlostes Büro. Seine intellektuell hochtrabenden, souverän vorgetragenen Texte. Der intellektuelle Hirsch, der sich seiner Frau weit überlegen fühlt. Wie sie allein im Haus ist und seinen eh schon peinlich sauberen Schreibtisch nochmal zu arrangieren versucht.

    Ein kunstvoller Film. Mischung aus lebendiger Architektur und intimem Einblick in das exklusive Leben eines Londoner Künstlerehepaares mit schmerzhaft subtilem Machtkampf.

    Auch prima die Auftritte der Nachbarn, er ist ein richtiger Anwalt und agiert deswegen wohl besonders glaubwürdig. Diese Nachbarn wiederum haben nur ihre Kinder im Kopf. So dass die eingeladene Ehefrau und kinderlose Künstlerin bald umkippt.

    Dagegen setzt die Filmemacherin die Aggressivität des Ehemannes. Wie ein Handwerker das Auto auf seinem Parkplatz abgestellt hat, verliert er schnell die Nerven.

    Die Inszenierung von Joanna Hogg ist so, als ob man dem richtigen Leben zuschaue.
    Und genau so prima wirken die beiden Immobilienmakler.
    Die häufigen Spiele mit den Jalousien, auch ihr Exhibitionismus, den er einmal von der Straße aus beobachtet, irritiert oder neugierig.

    Resultat ihrer Entwicklung: exakt beim Auszug aus dem verkauften Haus, hat sie eine Einzelausstellung in Aussicht. Das gibt dem so starken Ehemann deutlich zu knabbern. Es ist so ein Ding, wenn Machos ihre Stärke aus der Schwäche ihrer Partnerin beziehen.

    Comments Keine Kommentare »

    Das neue GoPro-Kino für jedermann, will heißen, das Kino, was jeder machen kann, die GoPro auf die Stirn, den Helm, oder auf die Skier montiert und losmarschieren auf den gefährlichen, schneebedeckten 8-Tausender über Schneespalten, Gletscherspalten, Leitern, an Seilen und Lawinen vorbei durch Sturm und Sonnenschein und die immer dünner werdende Luft, das ist der GoPro egal, über Leichen oder das frische Lawinenunglück, was ein ganzes Camp mit Dutzenden Bergsteigern und Sherpas mitgerissen hat, elf Tote, die Gesichter der Toten in der Postproduktion unkenntlich gemacht, die Kamera kann laufen bei den Rettungsarbeiten, in dem Verhau aus Zelten und Körpern, Körperteilen und Schuhen. Schneideprogramme gibt’s auch für jedermann. Dann noch Interview-Palaver des Protagonisten wie Schneegestöber dazwischen und drüber geschnitten und fertig ist ein weiterer Kinofilm, hier allerdings ein Topos, was tatsächlich nicht jedermann kann, die Besteigung des wie ein Minimatterhorn in die Höhe ragenden schneebedeckten Manaslu in Nepal und das als Speed-Bergsteiger mit minimem Gepäck in 15 Stunden auf 8000 Meter und wieder runter.

    Unser Protagonist heißt Benedikt Böhm, ist in München gut bürgerlich verheiratet. Sein kleiner Sohn hat also einen Vater, der Dinge tut, die immer mit dem Todesrisiko behaftet sind. Im Jahre 2012, von welchem September dieser Film von Karsten Scheuren, der mehr wie ein Private-Home-Movie anmutet, handelt, herrscht besonders großer Andrang auf diesen Gipfel, weil China in Tibet Berge gesperrt hat, so sind Massen von Bergsteigern zum Manaslu ausgewichen, haben die Wege und Camps überfüllt.

    Böhm und seine Begleiter waren klüger als die Massen, sie haben für ihr Camp eine Tasche abseits einer bekannten Lawinenniedergangsstrecke ausgewählt. Die Lawine, die nachts vor ihrem Aufstieg niedergeht, ist so heftig, dass es Schuhe von Bergsteigern aus dem großen Camp im Lawinenhang Hunderte von Metern bis zu ihnen hinüberschleudert.

    Leichen hin oder her. Unser Protagonist ist ein Einzelkämpfer, er meint, jede Bergbesteigung sei ein Weg über Leichen und ob die nun ganz frisch oder Jahre alt seien, das sei ihm egal. Ihm ist es auch egal, wenn seine Begleiter nicht so schnell sind, so lässt er sie hinter sich, Gemeinschaft kann nicht immer wichtig sein, er will auf den Gipfel, er will vor seiner GoPro posieren mit seinen beiden Skiern werbewirksam für den Sponsor als Bogen um ihn arrangiert, will ehrlich und mit wenig Sauerstoff sagen, dass er das jetzt gar nicht so genießen kann, weil doch das Unglück irgendwie noch im Magen liege. Aber Geschäft ist alles. Immerhin verbuddelt er einen Karabiner mit einer Stoffschleife, die an das Unglück erinnert, auf dem Gipfel. Die ewige, leidige, ethische Extrembergsteigerdiskussion, die wir schon von Reinhold Messner her kennen, erklärt er damit für erledigt.

    Zwei Tage nach so einer unglücklichen Expedition kann nur noch ein Besäufnis auf dem Oktoberfest in München die Gewissenbisse ertränken und das Seelenheil retten.

    Jetzt im September 2014 ist auch sein Begleiter Sebastian, der es nicht bis zum Gipfel geschafft hat, in einer Lawine umgekommen. Aber, the show must go on – unter den Lebenden. Wer weiß, wie lange der Sohn von Benedikt einen Vater haben wird, wie lange seine Frau einen Mann?
    Die Katastrophe im Gepäck.
    Er kann nicht lange zehren vom Erfolg. Er braucht das nächste Ziel. Süchtig?

    Comments Keine Kommentare »

    Der deutsche Zwangsgebührenbezahler darf sich hier wundern, wie ein Italiener mit seinen zwei Kumpels sich auf dessen Geld einen lustigen Lenz macht und das mit einfachsten Mitteln filmt und zusammenschneidet. Jetzt muss ich nur noch einen sexhungrigen Behinderten auftreiben, um mir meinen nächsten Urlaub vom ZDF mitfinanzieren zu lassen.

    Der Film scheint ein rein privatistisches Vergnügen von Carlo Zoratti, seinen Kumpeln Alex Nazzi, der auch mitspielt, mit Cosimo Bizzarri, der am Buch mitgeschrieben hat und Enea Gabino, der die Hauptfigur ist, 29, autistisch veranlagt ist, einen Job in der Textilindustrie hat und von hübschen Frauen träumt, wie sie in Hochglanzzeitschriften retouchiert abgebildet werden.

    Enea hat noch nie Geschlechtsverkehr gehabt. Das nimmt das Trio zum Anlass einer Reise nach Udine, aber das mit den Nutten geht daneben. Man fährt weiter nach Graz, aber auch hier funktioniert es nicht. Schließlich geht die Reise in den Norden Deutschlands, ja überall winken Filmförderungen, zu einer esoterisch angehauchten Kommune, die von einem Lothar im Rollstuhl und einer Ute geleitet wird, wo Menschen mit Behinderungen und bei Kerzenlicht gegenseitige Berührungen üben dürfen.

    Wie es zwischen Enea und Ute intim wird, zwar ohne Reinstecken, weil das will er sich für die große Liebe vorbehalten, da wendet sich die Kamera mit großer Geste ab und schaut hinten zum Haus raus.

    Vielleicht ist den Machern dieses Filmes die Idee gekommen, wie sie Hasta la Vista gesehen haben. Das war ein professionelles Produkt, es war ein Spielfilm und eine Komödie dazu. Zorattis Bildzusammenschnitt ist weder das eine noch das andere; er erweckt lediglich den Eindruck, der Schlaumeier habe sich überlegt, wie er sich am geschicktesten einen lustigen Urlaub vom Fernsehen und Filmförderern finanzieren lassen könne.

    Weil sie so wenig zu erzählen haben, denn dass sie sich selbst belustigen erschöpft sich schnell, werden willkürlich ein paar Impressionen von einer Theateraufführung dazwischen geschnitten oder lange Autofahrten mit der GoPro aufgenommen. Das kann nun wirklich ein jeder. Es fehlt, auch wenn es sich um eine Dokumentation handelt, an einer klaren Exposition, an einer Analyse der Konflikte, denn wenn einer nur ständig von schönen Frauen träumt und sie auch anquasselt und Ablehnung erfährt, so ist das noch lange kein Konflikt, der böse Folgen haben kann oder der Spannung erzeugt.

    Die deutsche Titelgebung ist bereits eine schlechte Voraussetzung: „ (k)ein besonderes Bedürfnis“ als Übersetzung von „The Special Need“ lässt das Produkt bereits hackelig erscheinen.

    Comments Keine Kommentare »

    Schwarze, finnische Komödie (Roman von Arto Paasilinna) auf Französich mit abtörnender deutscher Routinesynchro, da dürften ein paar Diskrepanzen, Missverständnisse oder Kulturklüfte dazwischen liegen, so dass letzlich nur eine höchst einfach gestrickte, holprige, teils kindertheaterhafte Filmaufführung zustande kommt. Die kauzige Absicht dagegen, die kommt dicke daher.

    Harry ist ein nicht ganz gelungener Charakter, ein Rumtreiber, der mal Poetenambitionen hatte, wobei es ihm am Poetischen fehlte, regelmäßig taucht er bei seiner Omama, seiner nicht ganz echten Oma, einer Chefarztwitwe auf, um die 1800 Euro Rente abzukassieren, brutal und herzlos. Sie wohnt in einem schönen Landhaus.

    Omama hat jedes Mal Bammel vor seinem Auftauchen. Diesmal kommt er mit zwei runtergekommenen Kumpels, der eine behauptet, zu studieren, der kassiert aber nur die Stipendien ab und der andere ist ein erfolgloser Schauspieler, überproportioniert und ist aktuell in einem TV-Werbespot für einem Diätmittel zu sehen.

    Die drei machen es sich gemütlich bei der alten Dame. Sie haben ein Ferkel geschlachtet und braten es im Garten, sie benutzen die Sauna, tanzen nackt davor herum, saufen. Die alte Dame ist entsetzt. Sie haut ab, nimmt dem falschen Enkel das Geld wieder ab, hetzt den Lausbuben die Polizei auf die Fersen, die aber gibt sich damit zufrieden, sie in den Busch gejagt zu haben. Die alte Dame hat Zuflucht bei einem früheren Freund in einer vornehmen Stadtwohnung gefunden. Das übelgesinnte Trio macht sie ausfindig.

    Die Dame hat bei ihrem Freund ein Giftlabor entdeckt und mixt ein „süßes“ Gemisch. Jetzt ist die Frage, wer wird überleben und an das Erbe der Dame gelangen. Denn inzwischen ist die schrille, überrissene Freundin des angeblichen Studenten aufgetaucht, dem eine Begegnung mit der alten Dame nicht wohl bekommen ist.

    Bernard Stora, der diese Möchte-Gern-Schwarzhumor-Story fürs Fernsehen zubereitet hat, konnte sich nicht richtig entscheiden zwischen Klamotte, plumpem Kindertheater, Anbiedertheater, Boulevardkomödie, Kriminaltheater, zwischen Übertreibung im Spiel und Zurückhaltung, massvoller die alte Dame, Line Renaud, die ist entzückend, wie es sich gehört, auch ihr alter Freund, Jacquot, Pierre Vernier, kennt das richtige Maß an Charme, während die drei jungen Männer sich eher an einer Comedy-Tradition, die zu Übertreibungen neigt, orientieren, hey, wir machen hier einen auf Deppert, wodurch der Film zum schlichten Vergnügen mutiert, das man vielleicht anschauen würde, falls es so eine Situaiton noch gäbe, in der man einen öden Abend im Niemandsland verbringen muss mit nur einem Fernsehkanal, der gerade nur diesen einen Film bringt.

    Comments Keine Kommentare »

    Das Ziel dieses Filmes von Beate Langmaack in der Regie von Vivian Naefe ist die Geschichte der Anmassung einer nicht gegebenen Vaterrolle. Ein Mann, der sich nach einem Sohn sehnt, nimmt allzu gerne die Position des unbekannten Vaters ein, den sich der Sohn sehnlich wünscht. Das Buch von Beate Langmaack ist brav, brav und allzu zielbewusst. Es geht nicht von den Figuren aus, sondern vom Ziel dieser erfundenen Beziehung.

    Der Titel selbst weist auf eine zwanghaft eingefügte Nebengeschichte. Dieser sohnlose Mann angelt sich nämlich auch noch eine Frau. Diese arbeitet ausgerechnet bei der Feuerwehr als Telefonistin und läuft dem Mann durch einen plumpen dramaturgischen Einfall über den Weg. Sie nimmt auch Anrufe mit Infos über Zimmerbrände entgegen.

    Uwe Ochsenknecht, Sporttrainer Harry, wurde in Vancouver abgesägt und hängt in Freiburg im Breisgau herum. Er trifft – Zufall – auf Ben, geht aber gleich zielbewusst auf ihn ein (als ob er das Drehbuch gelesen hätte). Zum Behufe der Glaubwürdigkeit müsste da allerdings ein dramaturgisches Handlungsgerüst mit mehr zwingenden Situationen gebaut werden, so dass die Begegnungen überraschend kommen. Die Macht des Zufalls tritt hier nicht in Aktion. Hier sehen die Begegnungen geplant aus, denn das Drehbuch hat nicht das Spannende im Sinn, das Schicksalshafte, es scheint Scheuklappen aufzuhaben und will umstandlos auf die beabsichtige falsche Beziehung und den damit einhergehenden Wahrheitskonflikt zusteuern.

    Willkürlich schwenkt/schwankt jetzt die Geschichte zwischen Ochesenknecht allein in seinem Hotelzimmer, wo er Seifenblasen pustet, und Ben allein zuhause mit Eiskochkeyzeitschrift von 98 hin und her.

    Viel zu schnell und zu absurd wird die Behauptung aufgestellt, Harry sei Bens Vater, da muss er mit dem Kabriolet doch gleich Slalom fahren, wo wir noch gar nicht wissen, dass er darunter leidet, kein Vater zu sein.

    Das schönste an diesem Film sind die Bächle von Freiburg mit dem Papierschiffchen und der Satz: passen Sie auf, dass sie nicht reintreten, sonst müssen sie eine Freiburgerin heiraten. Hier wird immerhin eine Erwartung geschürt.

    So wie Ochsenknecht vorm Spiegel das Geständnis übt, „Benni, ich bin nicht dein Vater“, ist das weder in seiner Figur angelegt, einem eher verlotterten Habitus, noch hat sie Plausibilität für einen Mann in seinem Alter.

    Problem: der Zuschauer erlebt nicht den Leidensdruck, kann empirisch nicht nachvollziehen, dass Ochsenknecht darunter leidet, dass er keinen Sohn hat und dass Ben drunter leidet, dass er nicht weiß, wer sein Vater ist. Ein rein theoretischer Input, der uns erzählerisch vorenthalten wird.

    Bei der falschen Info schauspielert Ochsenknecht noch dazu schlecht „schlecht“. Er stottert rum wie ein Teen.

    Thema Frau, Thema Anna. Die intendierte Love-Story wird so zielgerichtet „zufällig“ entwickelt, dass man an einen schlechten Witz glaubt, dass sie einem vorkommt, wie eine missglückte Schauspielerübung.

    Dramaturgisches Hauptproblem: das Fehlen eines Handlungsgerüstes, das die Begegnungen erzwingt und die Story fortentwickelt. Die Figuren kommen jeweils zusammen, um diese Vater-Sohn-Geschichte vorzuführen, die mit ebenso an den Haaren herbeigezogenen Szenen mit Anna vermischt werden, zum Beispiel der Besuch an Weinachten; sie mit der Weihnachtesallergie. Für sie ist Weihnachten die Zeit der Zimmerbrände und der Selbstmorde.

    Fistelstimmen-Ehefrau schlägt vor, Ben und Harry sollen allein zusammen Weihnachten feiern.
    Nach weiterer Kussszene ist bereits Sylvester und der vermeintlicher Vater und sein Sohn sitzen um Mitternacht betrunken in einem Strandkorb vor Sohns Villa. Man nimmt dem Sohn den Geschäftsmann nicht ab.

    Und schon wieder Kussszene vor Feuerwehr: ich wollte nur mal kontrollieren, ob deine Person Schaden genommen hat. Etwa alle halbe Stunde liegen Ochsenknecht und Anna im Bett. Im Hotel Bären rennt er ihr halbnackt im Flur nach, weil seine Aussagen über den Sohn widersprüchlich waren. Deswegen rennt die weg? Sie ist nicht als Wahrheitsfanatikerin vorgestellt worden. Dann wäre das plausibel.

    Wie ein begossener Pudel steht Ochsenknecht vor der Feuerwehr und stiehlt Anna nach, der man ihren Job nicht in einer Faser abnimmt.

    Campen von Vater und Sohn im Schwarzwald.
    Gespräche der beiden Männer.
    Jetzt hab ich einen Vater. Motel statt Zelt. Weichei. Du hast mir nie gezeigt, wie man sich rasiert. Was wir verpasst haben. Wie eine Drehbuchautorin sich so eine Männerbeziehung halt ausmalt, wie Lieschen Müller, hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Menschenbeobachtung zu tun. Selfie auf dem Eisfeld. Jetzt kommt die Polizei überproportional hart und praktiziert Behandlung wie bei Schwerverbrechers. Absurde Erfindung der Autorin. Mein Vater und ich sind nicht illegal im Land. Wohl als politisches Statement gedacht.

    Feuerwehr, Frühling, Harry steht wieder wie ein mondsüchtiger Hund vor dem Feuerwehrgebäude. Wie viele Monate willst du ihn noch schmoren lassen, fragt ein Kollege die Feuerwehrtelefonistin. “Ich finde, ihr Frauen seid das Grausamste, was es gibt”.

    Ochsenknecht mit Hirschgeweih. Lächerliches Requisit. Er hat keinen Bezug dazu und ganz offensichtlich auch keine Lust auf den fett symbolischen Hinweis.

    Schuldbewusster Ochsenknecht fängt Anna ab, gesteht und gesteht, dass er immer noch lügt. „Ich kann nicht glauben, was ich hier tue“. Beide auf dem Eis.
    Ben schmeißt Job hin (auch das kommt aus heiterem Himmel, Handlung ohne Vorlauf).

    Drehbuch pendelt konturlos zwischen Eisbahn, Feuerwehr, Firma, Privathaus Benny und Hotel hin und her. Außerdem eine Besetzung, die hinten und vorne nicht passt.

    Nach einer Stunde äußert die Mutter von Britta erstmals Zweifel an der Vaterschaft, weil er die Mutter auf dem Foto nicht erkannt hat.

    Ben möchte ein halbes Jahr aussteigen (merkwürdig für einen jungen, aufstrebenden Firmeninhaber). Nicht nachvollziehbar, warum Ben nur noch rumhängt, warum er das Haus verkaufen und mit Britta auf Tour gehen will.

    Zelten mit Anna und Wandern. Ochsenknecht stottert rum beim Hochzeitsantrag. Man nimmt den beiden die Liebe nicht ab. “Ich hab die beste Frau der Welt kennengelernt und sie hat noch nicht nein gesagt”. Öde, seelenlose Routineschauspielerei.

    Die ganzen Verdächtigungen wegen Schwindelei, die sind so aus der Luft heraus erfunden, die sind nicht richtig entwickelt, nur theoretisch.

    Annas Auftritt vor dem Fenster mit der Feuerwehr bei der Verkaufsverhandlung mit den Japanern fünf Minuten vor Schluss. Jetzt muss es anfangen auf ein versöhnliches Happy-End hinauszulaufen. Ben besucht Harry in Eishalle. Wenigstens die Japaner haben Verständnis. Aber auch die Szene war schlecht gearbeitet.

    Redaktionelle Verantwortung für diese Kopfgeburt, die nicht zu fesseln vermag, tragen Michael Schmidl, Manfred Hattendorf. Empfehlung an die arte-Direktion: die beiden Herren in einen Kurs zum Drehbuchlesenlernen zu stecken.

    Statt Charaktere zu entwickeln, die durch ihre Eigenschaften Konflikte erzeugen und lösen müssen (die sind das Substrat für Demokratie), erfindet die Autorin lächerliche Figuren, die sie in ihr Puppenstubenweltbild einpasst (was dem diktatorischen Prinzip entspricht), eine Kunst, exakt konträr zum Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

    Comments Keine Kommentare »

    Was tut der Mensch nicht alles für Geld. Der früher gefürchtete Kämpfer und Killer der Shogun Elitekräfte Jubee Kamata, eindrücklich dargestellt von Ken Watanabe, hat eine Frau von den Ainu, den Ureinwohnern Japans geheiratet, hat seinem Töthandwerk auf ihren Wunsch abgeschworen und lebt in einer einsamen Gegend mit den beiden Kindern allein, da seine Frau vor drei Jahren gestorben ist. Sie liegt in der Nähe der einfachen Behausung begraben.

    Eines Tages taucht sein früherer Kriegs-Freund Kingo Babata auf, Akira Emoto, ein nicht minder eindrücklicher ältere Darsteller. Er möchte Jubee für einen besonderen Auftrag gewinnen. In einem Bordell wurde einer Frau von zwei Übeltätern das Gesicht mit Narben entstellt. Die Huren haben enorm viel Geld zusammengelegt, um Killer anzuheuern, die die beiden miesen Typen umbringen sollen. Dafür will Kingo Jubee nun gewinnen. Der lehnt erst ab. Er fühlt sich an das Versprechen gebunden, das er seiner Frau gegeben hatte. Wie aber eines der Kinder ungenießbare Wurzeln aus der Erde zieht, wie Jubee sich die wirtschaftliche Not, in der er steckt, bewusst macht, versucht er in elegisch breiter Zwiesprache am Grab seiner Frau die Sache mit seinem Gewissen zu vereinbaren.

    Schließlich holt er seine Kampfausrüstung hervor und begibt sich mit Kingo auf den Weg. Zu den beiden gesellt sich bald noch ein Ainu, der etwas undurchsichtig, aber auch veinnahmbar erscheint.

    All das erzählt San Il-Lee, der sich auf das Drehbuch des Filmes von David Webb Peoples von 1992 mit Clint Eastwood als Regisseur und Hauptdarsteller beruft und es für Japan abgewandelt hat, in episch-elegischer Breite mit wunderschönen, kargen weiten Landschaften und die Reiter wirken darin wie aus einer Ewigkeit, wie aus einer vergangenen Zeit, einer vergangenen Kinozeit.

    Es ist, als wolle Sang Il-Lee mit einer kopierten Antiquität ein Museum bestücken. So besehen, ist ihm das großartig gelungen. Der Film spielt anfangs 1869 im 2. Jahre der Meiji-Dynastie und dann 1880 im 13. Jahr der Meiji-Dynastie.

    Es gibt Hinweise auf die Behandlung der Ainu durch das Militär. Das war nicht minder brutal als die Amis es mit den Indianern hielten. Als großes Leinwandwerk versteht und realisiert Sang Il-Lee dieses Remake, das er auf Japan übertragen hat, ohne Spezialeffekte und mit harten Kämpfen; den Helden geht’s heftig rein.

    Mit großem musikalischem Pathos wird die Endabrechnung zelebriert. Und der Dokumentarist dieser Geschichte, die doch bittschön nicht vergessen werden soll, der kommt darin auch vor. Er ist beim Militär und rettet sein Leben dadurch, dass er sagt, er schreibe. Der Held fordert ihn auf, eben diese Geschichte für die Nachwelt zu überliefern.

    Comments Keine Kommentare »