Wie ein stolzer Vater sich die Welt nach seiner Vorstellung auf Kosten seiner Tochter, die ein Sohn sein sollte, zurechtbiegt. Eine indische Geschichte mit deutsch-holländischer Förderung. Stefes Review anlässlich des Filmfestes München

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    Eine wunderhübsche Aneinanderreihung höchst exquisiter Bilder in View-Master-Manier zum Thema: genialer Junge in wenig genialer Umgebung und seine Reise durch das wenig geniale Amerika bis zum wenig genialen Smithonian-Institut in Washington, wo er für seine Erfindung eines Beinah-Perpetuum-Mobiles nebst einer anrührenden Rede, die er hält, noch ein wenig Medien-Bashing betreibt.
    Fast so süß wie Fotostrecken junger Eisbären. Stefes Review anlässlich des Filmfestes München.

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    Eine gut buchstabierte, gut verständliche, leicht verdauliche Geschichte über die menschlichen Eigenschaften des Manipulierens und Falsche-Tatsachen-Vorspielens, angesiedelt in einem überschaubaren kleinen Hafen mit entsprechendem menschlichem Milieu und fernab der modernen Kommunikations- und Verifikationsmedien. Stefes Review anlässlich des Filmfestes München.

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    Kleine Staatsbürgerkunde im Hinblick auf die konstruktive Nutzbarmachung von Gefühlswelten hinsichtlich der Demokratie präsentiert in Form einer Art Tele-Booklet in einem gut rezipierbaren Mix aus animierten Zeichnungen, Forscher- und Expertenstatements mit konkreten Gegenwartshinweisen sowie sorgältig ausgewählten, sachdienlichen Bildillustrationen. Eine ansprechende Reihe von Ralph Glander, Redaktion Eva Maria Steimle, garantiert im Sinne des Rundfunkauftrages.

    Keine Angst vor der Angst
    Von der Angst als evolutionär angelegter Basisemotion und als Überlebensgarant. Die Angst vor der Gefahr hatten, überlebten. Unsere Ahnen waren Angsthasen. Angst steht dem Menschen genetisch zur Verfügung. Differenziert sich mit der Entwicklung des menschlichen Lebens.
    Es gibt übertriebene, unrealistische Ängst vor Spinnen und Schlangen. So kann Angst auch zur Bedrohung werden, den Menschen krank machen; Angst spielt bei einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen eine Rolle, Phobien. Allerdings helfen die alten Angstmuster bei vielen neuen, durch die technologischen und politischen Entwicklungen bedingten Ängste nicht mehr; so wird das Leben immer weniger planbar; was sich wiederum negativ auf das Sicherheitsgefühl auswirkt: daher die Zunahme der Angsterkrankungen; je mehr der Mensch über die Medienerfahrung lebt, desto mehr glaubt er, die Welt sei wirklich so und kann in verstärkte Angstsituationen geraten. Politiker und Medien stoßen regelmäßig in die Angstposaune, instrumentalisieren die Angst der Menschen, Epidemien, Schweinegrippe, SARS, Kampfhunde, Killerbienen, Internet-Alarmismus; Extrembeispiel 9/11, der Terrorist als der Boogie-Man: Resultat: die Angstgesellschaft; die USA haben mit den Alarmstufenfarbgebungen eine Zeichengebung geschaffen wie für den pawlowschen Hund: Angstdressur. Politiker- und Medienfrage: wie viel Angst kann ich in der Bevölkerung erzeugen, um sie damit zu manipulieren?

    Angst im Sinne der britisch-sensualistischen Tradition: Angst im Sinne der Köstlichkeit des Essens. Angst als Thrill in modernen Extremsportarten, Bungee-Jumping, Mountain-Biking oder lsutvolle Angstverarbeitung mittels Gruselgenre in der Litertur, im Film, Thrill durch Horrorfilm.

    Fazit: Keine Angst vor der Angst, es ist nur die Angst.

    Zorn und Kreativität
    Differenzierung von Zorn als bewusstem Verhalten, als moralischem Gefühl (Ghandi über den gerechten, den heilsamen Zorn von Befreiungsbewegungen, der Zorn der arabischen Revolution, der Angst nimmt und kreativ eine Langzeitperspektive entwickelt, Zorn als ein Instrument im Kampf um Gerechtigkeit, und der dafür auch kurzfristig Nachteile in Kauf nimmt), einem Gefühl also das zu Veränderungen führt und Wut eher über Kleinigkeiten, Stau, Schlange am Supermarkt, Lifestyleprobleme, Stuttgart 21, Stromtrassen, die Wutbürger (die aus Empörung agieren: große Auftritte des Zorns).
    Von der Ambivalenz des Zorns bei Aristoteles zum Mittelalter, wo Zorn als Todsünde gesehen wird, bis hin zur Neuzeit und dem Zorn als Motor von Befreiungsbewegungen. Hindernisse machen zornig und kreativ. Voraussetzung zur Zivilgesellschaft. Zorn macht langweilige Menschen geistreich (Bacon)

    Allerdings fehlt mir hier der Begriff der Aggrssion und der Aggressivität, die wegen Kleinigkeiten urplötzlich bei einem Menschen ausbrechen kann. Uraggressivität? Aber vielleicht kommt das Thema noch, das sind ja nur die ersten beiden Folgen dieser anregenden TV-Miniserie.

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    Ethik, die in der Luft hängt.
    Kein leichtes Unterfangen, so ein allgemein ethisch-moralisches, entwicklungspsychologisches Thema in einer halben Stunde fernsehtechnisch abzudecken.

    Die Regisseurin Hanni Weller, die mit Anna Zwenger-Mathavan auch das Buch geschrieben hat, hat sich alle Mühe gegeben, obwohl das Thema absolut in der Luft hängt, obwohl nicht ein aktueller Anlass genommen wurde, zum Beispiel die Verwandtenaffäre im bayerischen Landtag oder, was sicher eine hochspannende Recherche wäre, Mitglieder des Bundestages zu befragen, die für den Afghanistaneinsatz gestimmt hatten und sie mit den verheerenden Folgen konfrontieren, den enormen Kosten für den Steuerzahler, den Tausenden von Toten, Waisen, Krüppeln, Vertriebenen, dem Desaster, das der Einsatz im Lande hinterlässt, wofür sie auch ein Quäntchen Mitverantwortung tragen durch ihr Abstimmungsverhalten: war das Altruismus oder Egoismus? Oder fehlt im Beitrag noch die Kategorie des Opportunismus?

    So konkret will aber Hanni Weller nicht werden.
    Sie referiert erst im Schnelldurchlauf Positionen von Platon, Aristoteles, Kant, Hobbes, Rousseau bis zu Darwin.

    Dann gibt es einen Interviewteil: ein Erziehungswissenschaftler und Anthropologe, ein Entwicklungspsychologe, ein Psychologe und Neurowissenschaftler und ein Hirnforscher und Arzt geben wild ineinander geschnitten Statements ab, das haben sie ja drauf. Die Bildregie unterlegt diese mit einem Riesenkuddelmuddel an Bildmaterial von der Akropolis über Kinderarbeit, Ölförderung, Boxen, Wölfe, Kinder bei Experimenten, Bettler, öffentlicher Verkehr, U-Bahn, Rolltreppen, Chinagymnastik, Hochwasser und Münchner Tafel. Allein diese Bilder den Texten zuzuordnen dürfte eine rechte Hirnarbeit erfordern.

    Zwischendrin nicht näher spezifizierte Antworten auf nicht näher spezifizierte Testfragen, wie Menschen sich verhalten, wenn sie Geld finden, wenn sie jemanden sehen, der in Not ist, Frage nach dem Mitgefühl angesichts eines Spritzeneinstiches und nach den Glückshormonen bei einer guten Tat.

    Ein Wust von Begriffen taucht in den Statements der Experten auf vom Glückshormon über den Reputationseffekt, DOHA, unbewusste Programme und Inszenierung sozialen Verhaltens, gegenseitige Abhängigkeit, Mitgefühl, Erwartungskonformität, gegenseitige Abhängigkeiten, Normen für reibungsloses Verhalten, In-Group und Out-Group, Zuwendung, Liebe, auf Reziprozität ausgelegtes Handeln, Globale Erwärmung und Marsmenschen.

    Im Sinne der Wissenschaft dürfte die Sendung nicht wissenschaftlich genug sein, im Sinne eines allgemeinen Zuschauerinteresses hängt sie zu sehr in der Luft, wirkt doch als recht beliebiges Bla-Bla und Kauderwelsch. Und dass, wer beobachtet wird, nicht stiehlt, dazu brauche ich keine wissenschaftliche Erläuterung, das gehört doch mit zur Definition des Begriffes, dafür bin ich nicht bereit, Zwangsgebührengeld zu bezahlen.

    Die Quintessenz aus der Sendung scheint mir die zu sein: wenn der Mensch kapiert, dass ihm kooperatives Handeln nützt, dann tut er es auch. Aber nicht mal diese Erkenntnis ist so formuliert worden.

    Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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    Für ihr Modell weiblicher, non-aggressiver, ansatzweise gewaltfreier Konfliktbewältigung wählt Melissa McCarthy, Produzentin, Drehbuch-Ko-Autorin (nebst Ben Falcone, der auch die Regie besorgt hat) und Protagonistin Tammy dieses Filmes als Location eine kleine Stadt, Littleville, mitten in Amerika, wo es nicht mal Fuchs und Hase gibt, die sich Gute Nacht sagen können, und als Genre entscheidet sie sich für eine Art eskapistisches Road-Movie von drahtiger Oma, Susan Sarandon, mit molliger Enkelin Tammy. Für energiegeladene Situationen ist somit gesorgt.

    Mit Konflikten geht es für Tammy gleich knüppeldick los: ein Hirsch rennt ihr auf dem Arbeitsweg ins Auto. Das Auto ist schrott. Dadurch kommt sie zu spät zur Arbeit. Den Job ist sie los. Deshalb kommt sie zu früh nach Hause, trifft ihren Mann mit einer fremden Frau beim Frühstücken. Sie verlässt ihren Mann. Wie sie mit einem Bündel schnell zusammengegriffener Habseligkeiten zum Haus ihrer Mutter rübergeht, ist herzzerreissend, es ist nicht genug zum Leben, nicht genug zum Sterben, wie ein Sinnbild für den schmalen Grat, der der Protagonistin bleibt. Aber wie sie ihn nutzt!

    Wenn die Situation sie zu Fluchtgedanken verleite, schaffe es Tammy nie weiter als zehn Meilen weg aus ihrem Kaff, wirft ihr die Mutter jetzt vor. Melissa ist korpulent, sie ist eine Welt für sich, in der sich vieles um sich selber dreht. Eine Welt aber auch, die sich nicht unterbuttern lässt, die voller Gefühl und Sehnsucht ist, vielleicht auch etwas liederlich gelegentlich, nicht grad penibel, wie es im Burgershop egalisierende Vorschrift ist, ein Wunder überhaupt, dass sie dort den Job bekommen hat.

    Sie scheint öfter zu spät gekommen zu sein. Dass ihr ein Hirsch vors Auto gelaufen ist und das Auto Schrott, das nimmt ihr keiner ab. Dabei waren wir, die Zuschauer Zeuge. Allein wie sie sich dem überfahrenen Wild zubeugt, das vor ihr in den letzten Zügen auf der Straße liegt, bringt ihre jede kreatürliche Sympathie ein. Eine Welt voller Direktheit, ohne Verschlagenheit, ohne Verdrängunsmechanismen, ohne Kalkül, wie es scheint, vielleicht etwas kindlich noch.

    Da Tammy kein Auto mehr hat, die Mutter ihres nicht leihen will und die Oma ihres leiht nur unter der Bedingung, dass sie mitkommen darf, machen sich die beiden auf den Weg. Die Oma ist zwar alkoholsüchtig und medikamentenabhängig, aber sie entdeckt zusehends das Lausemädel und die Aufreißerin in sich, sie ist sich für nichts zu schade und für einen Spontantrip mit Tammy zu haben. Der Traum von Oma ist, die Niagara-Fälle zu besuchen.

    Einmal sitzen die beiden auf ihrem Trip, sie wissen gerade nicht wie weiter, auf einer Bank vor einem scheußlichen, holzgeschnitzten Adlermonument und versuchen, ein Lied zu singen. Die improvisieren das so frisch von der Leber weg und erzählen damit von einem seltenen Glück, das mit nichts in der Welt zu kaufen ist. Und haben doch kaum eine Sicherheit und die Geldvorräte sind begrenzt.

    Die Locations sind bei so einem Film naturgemäß beschränkt, Wohnung, Auto, Burgerladen, einfache Tanzkneipe, Tankstelle, Motel, Polizei, Knast, eine Sehenswürdigkeit, den Mark Twain National Forest, und als einzige Sensation etwas Fun-Action mit einem Motorboot, mehr hat der Landstrich nicht zu bieten (eine Art armes Theater). Umso stärker kommt das Menschliche darin zur Geltung gegen die bescheidene Ausstattung.

    Ganz gewaltfrei ist die Konfliktbewältigungstratgie von Tammy allerdings nicht: gegen den Chef lässt sie Burger fliegen und zur Vernichtung von Spuren lässt sie sich auch zu einem Wurf mit einem Molotowcocktail auf ein Auto verführen, wobei keine Personen zu Schaden kommen. Ihre direkte Reaktion auf die Kündigung beschränkt sich auf die Verhunzung der Hamburger und auf deren Denunziation vor allen Gästen, das aber mit großer Imbrunst.

    Die Geschichte selbst ist momentweise vielleicht an einem etwas dünnen Faden gesponnen und die Überfallsstory mit den Tüten auf dem Kopf dehnt sich; aber was solls, den beiden Damen zuzuschauen und all den anderen Akteuren ist ein Vergnügen, man kann einen regnerischen Sommerabend schlechter verbringen. Und: ein amerikanischer Film, in dem nicht geschossen wird!

    Das Herzerwärmende an Melissa McCarthy.
    Vielleicht fasziniert uns an Melissa McCarthy einfach das Leben als Fülle, als unerschöpfliche Fülle, als schier unerschöpfliche Energie, als eines, das sich immer wieder aufrappelt – und immer wieder auf die Schnauze fällt. Es dürfte dieses Bild des Lebens sein, das auch ganz unaggressiv ist, eine Form von Glück vielleicht, was so ganz ohne Glanz und Brillanz ist. Dick als Ereignis. Es ist auch ein Frauenfilm. Viel Frauenpower bis hin zur Lesbenpower, Power der vor Ordinärem und Derbem nicht zurückschreckt. Diese Weltbewältigung wirkt nie angelernt, sondern kommt vom Bauch aus, ein Leben, das sich dagegen wehrt, in Mustern abzulaufen. Es behauptet, tätige Natur zu sein. Eine Welt auch, in der es wohl keine Armeen bräuchte.

    Schöne Eigenschaft von Oma: Cash aufzubewahren und nicht Kreditkarten zu vertrauen. Das ermöglicht schließlich auch den Start ins Vergnügen, zu diesem Häppchen Glück unter erschwerten Bedingungen.

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    Diese französische Komödie erzählt uns unaufgeregt und gänzlich unangestrengt entspannt von Männern, die lieber große Jungs wären oder von männlichen Einwänden gegen ein Eheleben, ob es, wie bei Gilbert schon Jahrzehnte dauert oder wie bei Thomas, bei dem die Ehe mit der Tochter von Gilbert kurz bevorsteht.
    Der Film gibt den beiden die Chance, ihre Große-Jungs-Leben nochmal zu testen und zu prüfen und es wird sich zeigen, dass sie ohne Frauen doch nicht sein können, ohne Ehefrauen wohlverstanden.

    Die Geschichte wird von Anthony Marcian, der mit Max Boublil auch das Drehbuch geschrieben hat, in einer weich und flott inszenierten Reihe von nur alleralltäglichsten Szenen erzählt. Einkaufen im Supermarkt, Rumhängen auf dem Sofa (das tut Gilbert, nachdem er, 50, seine Firma verkauft hat), während seine Frau sich in NGOs für Afrika engagiert. Party, Disco, Üben, kleiner Auftritt bei Feier von Thomas, der davon träumt ein großer Sänger zu werden. Gilbert hat sein Leben satt, schmeißt alles hin, überredet Thomas, mitzumachen, die Hochzeit abzusagen, verschafft ihm eine Verbindung zu einem Musikproduzenten, der wegen der Sängerin Mimi sein anrührend naives Lied, das die Worte, ich lieb’ dich mit Apostroph buchstabiert, produzieren will. Das gibt Anlass für ein Extempore nach Marokko. Dann die Enttäuschung des Träumers über die Eingriffe, die der Produzent in seinen Song vornimmt.

    Große-Jungs-Leben bis die beiden Herren abgebrannt sind. Ihrer Freiheit überdrüßig. Dummerweise hat Lola inzwischen den One-Night-Stand Romain kennengelerntt. Er wird als Langweiler charakterisiert. Langweiler scheinen zäh und anhänglich zu sein. Während Suzanne, die Frau von Gilbert, mit dem noch größeren Langweiler von Nachbarn anbandelt, der so ordentlich ist, dass er sogar das Auto von Gilbert putzt und immer sein Schoßhündchen auf dem Arm trägt, putzig, aber nicht für Gilbert, welcher vermutet, er treibe ganz andere Ding mit dem Hund.

    Diesen Monsieur Claude lernt Suzanne ausgerechnet im Supermarkt kennen: ist das nicht schön, wie er vor Höflichkeit und Menschenliebe schier platzt: dem Bettler gibt er einen 50-Euro-Schein und entschuldigt sich noch, er hab es leider nicht passend; er hilft einer alten Frau über die Straße, erklärt einem Taubstummen in Gebärdensprache den Weg, kickt ganz nebenbei noch einen Fussball spielenden Buben zurück und ersteigert an einer Auktion für Suzannes NGO für Burkina Faso nicht nur ein Trommlerset sondern auch noch eine Wohnung dazu – in wenigen Filmschnitten. All das passiert bei Anthony Marciano wie beiläufig, nie mit dem verbissenen Need, das uns unterjubeln möchte, es wolle die Welt verändern; nein, wir wollen uns doch nur amüsant unterhalten, die Welt höchstens fortzelnderweise und kurzzeitig aus den Angeln heben, rigoler, wie der Franzose sagt, flachsen würde vielleicht der Deutsche sagen, aber das ist kein Rigoler, das kann der Deutsche vermutlich gar nicht, so unverbissen die Welt zeichnen, sie zu mögen und sie trotzdem genau zu sehen. Das noch mit wenig technischem Aufwand, sogar mit recht wenig Licht. Das ist vielleicht der Mangel, dass dieser Film sich gar nicht so richtig ins Licht setzt, seine Originalität lichtmäßig wie wegschmummelt.

    Wie originell und verträumt unser Thomas ist, was für ein großer Junge, zeigt schon die Szene am Anfang mit dem ungewöhnlich inszenierten Heiratsantrag. Dass der Verlobungsring dabei erst mal für etwas Verbotenes gehalten wird, für Shit oder Schlimmeres und dass die Braut das verstecken soll, das lässt doch tief blicken – in den Zwiespalt eines großen Jungen im Hinblick auf eine Vermählung, auf eine Bindung. Wird ihm die Ehe diese Flausen austreiben?

    Eine andere Träumer-Figur ist der Dealer, der die Ware für 25 Euro einkauft und für 20 weiterdealt.

    Die Welt als eine Wundermenagerie unserer Zeit: auch die kleine Partybegegnung mit einer jungen Frau, die pausenlos Tweets absetzt und überzeugt erzählt, dass ein bestimmter B-Promi diese veröffentlichen würde. Der Film schwimmt in genau dieser Oberfläche des Alltags mit, tut so als gehöre er dazu, beobachtet aber das Mitschwimmende und berichtet davon. Und reflektiert dabei doch einen Begriff von Erwachsenenwelt, der begreiflich macht, dass die Jungs Jungs bleiben wollen; nur dumm, dass sie ohne Frauen nicht sein können (und das ist hier weit über den Sex hinaus gesehen, eher in den Bereich des Nicht-Alleinsein-Könnens).

    Iggy Popp mit einem wichtigen Cameoauftritt.
    Kleiner Impro bei der Bladenaight: wie Gilbert die Blicke der Schwulen anzieht mit seinem Mini-Höschen.

    Und ein fröhlicher Benimm-Song im Abspann, so und so haben wir uns zu benehmen, wir können nicht immer große Jungs bleiben.
    Auf die Pauke hauen: Champagner mit eingebautem Feuerwerk.
    Zwischendrin die wichtige Frage, wie man die Einwohner von Burkino Faso nennt, also das wird gar nicht als Frage gestellt, Thomas spricht nach kurzem Stocken nur verschiedene Varianten durch, Burkiner, Burkinesen, Burkinier.

    Der Superclou am Schluss, auch wenn er politisch inzwischen nicht mehr akut sein dürfte, der Auftritt eines Iraners, der genau nach Ahmadinedschad kommt und die Nachsynchronisation durch Thomas – Hammer.

    Das Leben besteht aus lauter Apercus und ist doch sonst gar nicht so wichtig.
    Und genau so normal und alltäglich, weil glaubwürdig, kommt die Erklärung des Musikproduzenten daher, wie man einen Hit mache. Abstrus, aber so selbstverständlich, so alltäglich abstrus.

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    Mit geschmeidiger Kinohandschrift und mit der entsprechend leichten Kinomusik unterlegt inszeniert Frédéric Berthe diese französische Komödie. Gleich vier Autoren stehen für das Drehbuch: Laurent Abitbol, Martin Guyot, Atmen Kelif, der auch die Originalidee hatte, und Jean-Pierre Sinapi.

    Vielleicht zu viele Drehbuchköche, die zwar en detail gut darauf geachtet haben, dass genügend kritisch hingeschaut wird auf das Objekt des Interesses. Dies ist formal das Boule-Spiel Pétanque, das auf einem Plakat im Film als „Petank“ geschrieben ist, dies ist eine Weltmeisterschaft mit allem Drum und Dran an Vorbereitung, mit Funktionären und Managern und bösen Intrigen bis zur Diskriminierung und rassistischem Vorurteil (der arabische Scheich, der sich darüber aufregt, dass ein Araber, also ein Algerier, in der von ihm gesponserten französischen Nationalmannschaft mitspielen soll!).

    Anfangs ist der Film ein lässiger Gaunerfilm. Gérard Depardieu als Jack Camboulaze bildet mit Momo, Atmen Kelif, und Zézé, Bruno Lochet, ein kleines Gaunertrio. Sie fahren von Ort zu Ort in Südfrankreich, wo überall Pétanque gespielt wird. Sie spielen um Geld. Sie haben eine Art Trickdiebmethode entwickelt, wie sie als Deppen, die auch gar nicht zusammengehören, anfangen um Geld zu spielen gegen die lokalen Spieler. Die Einheimischen glauben die Show und werden leichtsinnig mit ihren scheinbar sicheren Einsätzen. Schließlich kommt Momo dazu, der den völligen Idioten spielt, dem man zuerst überhaupt das Spiel erklären muss. Gegen den ist spielend zu gewinnen, glauben die Dorftrottel, erhöhen die Spielsumme horrend. Dann stellt sich heraus, dass Momo ein Pétanque-Genie ist.

    Nach der exponierenden Grundinfo treten zwei Ereignisse ein, die die Geschichte in Gang setzen. Jacky hat enorme Schulden und die Eintreiber sind keine Sensibelchen. Und übers Fernsehen kommt die Info von der Pétanque-Meisterschaft, bei der viel Geld zu gewinnen ist, wodurch Jacky seine Schulden bezahlen könnte. Er muss nur Momo noch überzeugen, sich von ihm trainieren zu lassen.

    Es gibt ein Zwischenspiel im Handlungsfaden. Die Geldeintreiber verlangen, dass Momo für Jacky zu einem nächtlichen Pétanque-Duell gegen einen eben aus dem Knast entlassenen Gegner antritt. Wenn Momo gewinnt, ist Jacky alle Schulden los. Dann könnte eigentlich Schluss sein mit dem Film. Aber inzwischen ist der Faden zur Meisterschaft schon angesponnen.

    Momo kommt in die französische Mannschaft und damit in elitäre Kreise, denen es nur ums Geld geht. Hier dominieren arrogante, eingefahrene Funktionäre, die sich ihrer Sache sicher sind und Momo nicht leiden können. Sie werden alles dransetzen, Momo zu verhindern. Er selbst hat sich von Jacky getrennt. Was vorerst auch gut geht. Ab hier wird die Beschreibung reines Spoilern.

    Da kommt allerdings Jacky wieder ins Spiel für einen Exkurs nach Algerien, der auch mit einer überraschenden Szene aufwartet, wie Jacky sich in Algerien einbürgern will: allgemeines Erstaunen bei den zahlreichen Menschen, die lieber aus Algerien ausreisen wollen. Gérard Depardieu verarbeitet hier bestimmt und mit galliger Laune die Medienschelte, die er für sein Russland-Auswanderabenteuer kassiert hat. Er wird Algerier wie sein Schützling und logisch, was im großen Finale mit der algerischen Mannschaft bei der WM passieren dürfte.

    Ein Frankreich- Sportfunktionärs- und Angebertum-Bashing mit einigen guten Pointen. Wobei die Spannung der Geschichte darunter leidet, dass die Autoren ihren wachen Geist mehr auf die Defizite der Funktionäre, deren Rassimsu, deren Tricks und Verträge, das Mobbing im Sportteam und das Großgetue lenken, statt dass sie mit der Konzentration auf eine Hauptfigur eine Empathie ermöglichen.

    Depardieu, und man mag ihn noch so schelten, ist in seiner ganzen Altersmassigkeit nach wie vor eine Wucht, ein Leinwandereignis. Allein wenn er spät im Film selber zur Kugel greift. Seine mentale Vorbereitung für den Schuss. Das ist fast so, als ermögliche das Kino einen Blick in sein Hirn. Und nie ist Kino so gut, als wenn es Unsichtbares sichtbar macht.

    … nicht zu vergessen, der helfende Engel, Viriginie Efira als bildhübsche Caroline Fernet, das Gute im Menschen schlechthin in geschäftsgeiler, mieser Männerumgebung.

    Die deutsche Synchro ist reine Routine und nicht als ein Pluspunkt zu betrachten.

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    „Grober Unfug“ fasst das Stadtmagazin in münchen seine Kurzreview zusammen; dass dieser Film das Niveau des Filmfestes München hebt, darf bezweifelt werden; ob die Ehre dieser Teilnahme dem Film zu mehr Zuschauern verhilft, ebenfalls; stefe war keineswegs angetan.

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    In letzter Zeit kommt viel Gefühlskino aus Grossbritannien zu uns, vor kurzem erst One Chance, die anrührende Geschichte der Gesangskarriere des Pechvogels Paul Pott und wenig davor Good Vibrations, die Lebensgeschichte von Terry Hooley, der geschäftlichen Niete, der Musik gegen den Glaubenskrieg in Nordirland setzte. Jetzt kommt was Gefühl und Pathos betrifft noch zwei Dimensionen höher eine weitere, anrührende und den Tanz als Kulturmittel (auch gegen Repression) verehrende Geschichte aus dem Iran made in Britain zu uns.

    Es ist die Geschichte des Tänzers Afshin Ghaffarian, der mit Leib und Seele Tänzer ist, der diese Passion im Iran, wo er lebt, nicht ausüben kann. Denn es ist die Zeit der grünen Revolution um 2009, die blutig niedergeschlagen wird. Revolutions- und Sittenwächter allerorten. Tanz ist nicht erlaubt und schon gar nicht seine öffentliche Aufführung. Aber Afshin findet Kontakt zu einer Gruppe junger Leute, die heimlich und nur für sich dem Tanz frönen. Und nicht nur dem Tanz. Eine Liebesgeschichte wird sich von Afshin zu einer Tänzerin entwickeln. Afshin findet es allerdings unbefriedigend, nur unter sich zu bleiben. Er möchte, dass eine Aufführung zustande kommt. Die muss geheim bleiben. Sonst sind sie dem brutalen, gnadenlosen Sittenwächtern ausgeliefert.

    Nach einigen Diskussionen in der Gruppe findet die Idee, weit außerhalb von Teheran in der Wüste eine Aufführung steigen zu lassen, Zustimmung, eine Aufführung, zu der vielleicht zwanzig eingeweihte und vertrauenswürdige Zuschauer hingefahren werden. Auch in dieser Aufführung suhlt sich der Film von Richard Raymond nach dem Drehbuch von Jon Croker mächtig und gefühlsvoll. Wie der Mann und die Frau sich um, gegen und zu einander bewegen, wie die dritte Figur, das könnte die zerstörerische Staatskraft sein, mächtig auftrumpft, wie die Frau unter einem Schleier liegt, alles feinsandig, wüstenhaft schön.

    Derweil nähert sich beängstigend ein schwarzer SUV mit Schlägern. Der Verräter sitzt nicht im Publikum, sondern stammt aus der Gruppe. Schickt aber die Prügler in letzter Sekunde per SMS in einer andere Richtung.

    Die Darbietung ist gut gegangen, aber später bei einer Demo wird Afshin verschleppt, die Schläger haben jetzt seinen Namen und sie finden einen Hinweis auf die Tanzaktivitäten. Der Tänzer ist seines Lebens nicht mehr sicher. Lässt sich darauf ein, mit dem Pass eines Toten mit einer Studententheatergruppe nach Paris zu fliegen. Die wollen dort den Sturm von Shakespeare aufführen. Das Drehbuch wird die Chance der Theateraufführung nutzen für ein dramatisches, politisches Statement von Afshin, der sich coram Publico zu erkennen gibt.

    Im Abspann erfahren wir, dass er sich in Frankreich um Asyl beworben habe, dass ihm dieses gewährt worden sei, dass er inzwischen seine eigene Tanztruppe habe und damit weltweit unterwegs sei. Dass er gerne wieder in sein Heimatland zurückkehren würde.

    Die Musik des Filmes verstärkt den Eindruck, dass großes Gefühlskino intendiert ist. Dieses gibt sich gerne Stimmungen und Atmosphären hin, die auch in Rückblenden nicht weniger stimmungsvoll sind, auch eine Liebeserklärung und teils Meditation fast bis zum Glaubensbekenntnis (believe in something) an den Tanz.
    Dem Zuschauer dürfte es nicht anders ergehen als dem Tänzer: es ist nicht zu verstehen, dass man so eine Kunst verbieten und unterdrücken kann. Irgendwie ist sie doch auch recht harmlos, nicht?

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