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		<title>Berberian Sound Studio</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 12:30:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aneinandergereiht hat Regisseur und Autor Peter Strickland seine Bilder süffig. Er beschäftigt die Augen des Betrachters mit ausgesuchten Settings (Nostalgie 70er Jahre, Italien, Tonstudio, Vertonung eines Horrorstreifens über eine Reiterin, die nicht mehr reitet), mit schön ruhiger Personenführung und auch immer wieder geschmackvollen Nahaufnahmen von Tonbandgeräten oder von für den Ton zermampftem Obst und Gemüse. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Aneinandergereiht hat Regisseur und Autor Peter Strickland seine Bilder süffig. Er beschäftigt die Augen des Betrachters mit ausgesuchten Settings (Nostalgie 70er Jahre, Italien, Tonstudio, Vertonung eines Horrorstreifens über eine Reiterin, die nicht mehr reitet), mit schön ruhiger Personenführung und auch immer wieder geschmackvollen Nahaufnahmen von Tonbandgeräten oder von für den Ton zermampftem Obst und Gemüse. Wer zudem einen Bezug, ein Wissen oder Erlebnisse mit den „Giallo“-Filmen Italiens der 70er-Jahre hat, wird bestimmt zusätzlichen Reiz in diesem Film entdecken. (Giallo-Filme sind laut Wikipedia: Der Giallo (von ital. ‚gelb‘, Mehrzahl: gialli) ist ein spezifisches italienisches Subgenre des Thrillers, das von Mario Bava in den 1960ern begründet wurde und in den 1970ern seinen Höhepunkt hatte. Die Handlung dreht sich zumeist um die Aufdeckung einer Mordserie. In der Inszenierung werden vor allem detaillierte Mordszenen und Spannungsszenen durch stilvolle Kameraführung, Ausstattung und Musik betont.)</p>
<p>Allerdings entsteht bei diesem Film für den „Giallo“-Unbedarften doch eher der Eindruck eines studentischen Experimentes, eines akademischen Versuches einer Hommage an jene Zeit und an das Tonstudio. Während der Geschichte, die erzählt wird, die Dramatik praktisch fehlt. Die Story ist nämlich lediglich die, dass ein berühmter Ton- und Geräuschtechniker aus England, Gilderoy, von Produzenten Santini als Spezialist für die Vertonung eines Horrorstreifens gebucht wurde. Denn das soll eine ganz spezielle Tonmischung werden, neu, aufregend, so dass die Welt die Wahrheit suchen und erfahren müsse (O-Ton Santini).</p>
<p>Gilderoy ist nun ein Mensch, der für die Sache da ist und nicht zur Selbstpräsentation, zur Wichtigtuerei. Der eher lakaienhaft immer wieder fragt, wo er denn die ausgelegten Spesen ersetzt kriege – und immer nur Abfuhren erleidet. Der gerne wieder abreisen würde, weil ihm das nicht behagt, ständig Geräusche zu machen, die glühendes Eisen, das in eine Vagina eindringt, plausibel darstellen. Oder den Effekt der Kettensäge auf das Zersägen von Gliedmaßen. Oder das Abreißen von Kükenköpfen. Oder das Ertränken von Hexen in einem Fass mit siedend-heißem Wasser.</p>
<p>Es gibt immer wieder malerische Bilder von der Arbeit in den Studios, fotografisch ehrgeizig aufgenommen, Sprecher, die man nicht hört, die Techniker hinter ihren Reglerpulten, in diesem Studio gibt es keine Außenwelt.</p>
<p>Allerdings taucht immer wieder ein Brief auf, der mit Mum unterzeichnet ist und den Gilderoy vor sich liegen hat. Die Mama bittet ihn, zurückzukehren und dass die Küken bald schlüpfen mögen. Später wird eine italienische Sprecherin genau diesen Text nach ihrem Manuskript sprechen. Die Welt der Technik und die des Horrors scheinen in dem sensiblen, nicht wehrhaften Gast aus England zusehends zu verschwimmen. So ist das jedenfalls würzig gedacht vom Filmemacher.</p>
<p>Faktisch aber reduziert sich der Film doch mehr auf ein ansprechende Sammlung von Fotos und der Erläuterung der Herstellung von akustischen Horroreffekten; ein positiver Hau von Liebhaberei; die Figuren bleiben recht abstrakt. Charakteranalyse und dramatische oder realistische menschliche Beziehungen haben den Autoren nicht interessiert. Insofern ein sachbezogener Film, eine liebevolle Hommage an die Horror-Tontechnik. Ein Ausweis filmischer Begabung, aber mit wenig Interesse an der Geschichte. Vielleicht war es die Elster, die dieses Interesse geklaut hat. Oder es waren die untoten Hexen. Andererseits zeigt der Film: auch Tonmeister können über schmerzhafte, sadistische Instrumente verfügen.</p>
 <p><a href="http://www.filmjournalisten.de/?flattrss_redirect&amp;id=8817&amp;md5=af7f5ce5a7f88b830b37253208343b89" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.filmjournalisten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Fuck for Forest &#8211; Ficken für den Regenwald</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 12:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jugendlicher Idealismus betreibt aktiv Pornographie, um damit den Urwald zu retten. Privatistisches Kino in der Art von „Deutschland Privat“; besprochen anlässlich DOK.fest.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Jugendlicher Idealismus betreibt aktiv Pornographie, um damit den Urwald zu retten. Privatistisches Kino in der Art von „Deutschland Privat“; besprochen anlässlich <a href="http://www.filmjournalisten.de/2013/05/08/fucking-for-forest-dok-fest/">DOK.fest</a>.</p>
 <p><a href="http://www.filmjournalisten.de/?flattrss_redirect&amp;id=8843&amp;md5=75df19ce912c985006937a9468bb831d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.filmjournalisten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Oben ist es still</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 11:30:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hochsensibles holländisches Gemälde in der Art flämischer Vedutenmalerei über männliche Einsamkeit, über die Sehnsucht nach Liebe. Das Portrait eines nach außen vierschrötigen Bauern, Helmer, der seinen Vater pflegt. Erst schafft er seinen Vater wie ein Möbelstück oder wie ein totes Tier mit viel Mühe aus seinem Schlafzimmer in ein Zimmer einen Stock höher. Nach da [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Hochsensibles holländisches Gemälde in der Art flämischer Vedutenmalerei über männliche Einsamkeit, über die Sehnsucht nach Liebe. Das Portrait eines nach außen vierschrötigen Bauern, Helmer, der seinen Vater pflegt. Erst schafft er seinen Vater wie ein Möbelstück oder wie ein totes Tier mit viel Mühe aus seinem Schlafzimmer in ein Zimmer einen Stock höher. Nach da oben, wo es still ist. Richtige Anstrengung. Die Hände dieses Vaters, die dieser jetzt kaum mehr spürt, dienten vor allem dazu, den Sohn zu schlagen.</p>
<p>Obwohl wenig los ist auf dem Hof, ist es doch sehr viel. Ein Schaf wird geholt. Ein Nachbar ist gestorben. Es gibt die Beerdigung. Alles nur in impressionistischen Szenen. Die Kamera oft ganz leicht bewegt, ganz leicht suchend. Der Milchmann kommt mit seinem Milchtankwagen, um die Milch der Kühe abzuholen. Immer ein kurzes Gespräch zwischen den zwei ungefähr gleichaltrigen Männern. Der Milchmann der eher rundliche und auch offenere Typ, der Helmer schon fast anmacht. Aber Helmer büchst aus.</p>
<p>Wir sehen ihn nach dem Duschen, nackt vor einem Spiegel. Er betrachtet sich, studiert sich. Sein Hand an seinem Geschlecht. Ganz diskret. Oft ist Helmer in Gedanken versunken. Unklare Sehnsucht. Unklare Ziele.</p>
<p>Eines Tages engagiert er einen Knecht. Für den ist es ungewöhnlich, dass der Mist von Hand zusammengeholt und mit der Karre aus dem Stall geschafft werden muss. Helmer studiert in manchen Momenten den jungen Mann. Sein Blick gleitet nach unten. Beiläufig. Der junge Mann hat durchaus Ähnlichkeit mit Helmer. Er heißt Henk.</p>
<p>Dann ist Helmer wieder oben bei seinem Vater. Der erkundigt sich nach dem Knecht. Zuerst will er dessen Hände sehen. Die Innenseite.</p>
<p>Helmer stopft Wäsche in die Maschine. Henk kommt mit einem Handtuch um die Lenden aus der Dusche, fragt, ob das auch gewaschen werden muss. Er verlässt nackt den Raum. Auch hier liegt Erotik pur, Liebessehnsucht unartikulierbar in der Luft. Kurze Erinnerung an Brokeback Mountain.</p>
<p>Es gibt eine Nachbarin mit zwei Buben. Einmal kommt nur der eine, der andere findet, es sei auf diesem Hof zu schmutzig. Henk repariert das Fahrrad. Der Milchmann kommt wieder. Die Männer schauen sich an. Spannung liegt in der Luft. Eines Tages sagt der Milchmann, er werde wegziehen, zu seiner Schwester nach Mechelen. Auch der Viehhändler zieht weg mit Frau und Kindern nach Neuseeland. Erosion der menschlichen Beziehungen.</p>
<p>Auch der Knecht geht. Er weiß nicht wohin. Vorher ist er nachts zu Helmer ins Bett gekrochen. Nach anfänglicher Abwehr tauschen die beiden Männer Gefühle aus, liegen eng umschlungen, Henk weint.</p>
<p>Helmer ist allein auf dem Hof. Der Vater stirbt. Hin und wieder blickt die Kamera aus der Position des Vaters durch die schönen Gardinen nach draußen. Henk steht mit dem Gewehr unter einem Baum mit einem Vogel drauf. Schießt aber nicht. Auch er verlässt den Hof. Der Vater stirbt. Beerdigung. Da ist der Milchmann zurückgekehrt.</p>
<p>Am Schluss liegt Helmer allein, gedankenversunken, im Schilf, das einen zarten, durchsichtigen Vorhang vor ihm bildet, wie dieser Film einen zarten, poetischen Vorhang vor die menschliche Einsamkeit schiebt, sie erotisch, nah und fern zugleich macht.</p>
<p>Nach dem Gefühlsaustausch mit Henk kommt es zum vielleicht einzigen Beziehungsgespräch zwischen Vater und Sohn oben in der Kammer. Der Sohn nennt sich den verkehrten Sohn. Der Vater gibt zu, dass die Eltern auch so gedacht hätten.</p>
<p>Nach dem Tod berührt und knetet Helmer die Hand des Vaters, die ihm so viel Leid angetan hat. Ein Zuschaufilm. In dem die Menschen ganz bei sich sind. In ihre inneren Monologe und Gefängnisse verhaftet.</p>
<p>Vaters wohlwollendes Abschiedswort: Du bist ein seltsamer Kauz. Dann legt sich Helmer neben seinen schlafenden Vater, horcht auf die Atemgeräusche. Das Gemälde über dem Bett, holländische Landschaft mit Baum im Dunkeln und rechts etwas hellerer Himmel, darunter Ruinen.</p>
<p>Ein Film von Nanouk Leopold nach einer Geschichte von Gerbrand Bakker.</p>
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		<title>Olympus Has Fallen &#8211; Die Welt in Gefahr</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2013/06/13/olympus-has-fallen-die-welt-in-gefahr/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 11:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Story: koreanischer Terrorist bemächtigt sich der Herrschaft des Weißen Hauses in Washington, nimmt den Präsidenten und einige enge Mitarbeiter als Geiseln und droht damit, das Programm Cerberus zu starten, was der atomaren Vernichtung der Welt gleich käme. Dieser Film versucht mit der zur Hysterie gesteigerten Angst und der Verletztheit der Amerikaner durch 9/1 ein Schockgeschäft [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Story: koreanischer Terrorist bemächtigt sich der Herrschaft des Weißen Hauses in Washington, nimmt den Präsidenten und einige enge Mitarbeiter als Geiseln und droht damit, das Programm Cerberus zu starten, was der atomaren Vernichtung der Welt gleich käme.</p>
<p>Dieser Film versucht mit der zur Hysterie gesteigerten Angst und der Verletztheit der Amerikaner durch 9/1 ein Schockgeschäft zu machen, indem er auf die Zerstörung der Twin-Towers in New York mächtig eins drauf setzt &#8211; am Rande der Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Der Film pokert mit einer grobkörnig und mit wenig Licht inszenierten Geschichte, deren Hauptfraternisierungspunkt (oder dumbe Einverständisforderung) mit dem Publikum der sein dürfte, dass es ein verehrendes Verhältnis zum amerikanischen Präsidenten habe und schon weich in den Knien wird, wenn es ins Allerheiligste des Weißen Hauses eingelassen wird.</p>
<p>Die Macher des Filmes, Antoine Fuqua als Regisseur sowie Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt als Drehbuchautoren dürften davon ausgegangen sein, dass das Anknüpfungspunkt genug für jedwedes Publikum sei und haben in dieser patriotischen Selbstüberschätzung es glatt unterlassen, die Figur des Präsidenten mit einem Schauspieler zu besetzen, der erstens Empathie mit dem Publikum herstellen kann (was aber auch am Drehbuch liegt, das dem Darsteller keine Chance dazu gibt) und der zweitens auch glaubwürdig einen Präsidenten spielen kann, diesen Habitus, dass eben die Entourage ihn spielen muss. Darauf ist nicht geachtet worden. Es ist irgend ein ordentlicher Männerdarsteller, der sogenannt gut aussieht, ausgewählt worden. Damit fehlt dem Politthriller aber schon mal die Basis, mit der ein nicht unbedingt amerikanisch-patriotisch gesinntes Publikum gewonnen werden könnte.</p>
<p>Für diesen unparteiischen Zuschauer wirkt es später fast wie eine Erlösung, wenn der Vertrauen erweckende Morgan Freeman die Präsidenten-Position interimistisch übernimmt. Er dürfte auch beim Publikum weit bekannter und beliebter sein als der Darsteller des Präsidenten Asher (ein Name, der sich anhört wie Usher, was Saaldiener bedeutet). Und der Zuschauer möchte beinah den Terroristen danken dafür.</p>
<p>Überhaupt geht in diesem Film so viel in Washington kaputt, dass einem bald alles egal ist, und auch der Gedanke aufkommt, dass das sowieso keine Rolle spielt, wer Präsident ist, dass jeder ersetzbar ist und man fragt sich, wozu der ganze Aufwand, wozu diese austauschbare Figur so martialisch beschützen, wozu die Hysterie darum herum.</p>
<p>Die Handlung verläuft überraschungsfrei; dass der etwas aus der Zeit gefallene amerikanische Held den Präsidenten aus dem ganzen Chaos heraus retten wird mit vielen Tötungen, teils von Hand mit Knochenknacken, das ist absehbar. Die Einführung der Heldenfigur ist an den Haaren herbeigezogen. Dass eine Präsidentenlimousine auf vereister Straße auf einer Brücke noch dazu an Weihnachten einen Dreher absolviert und kopfüber über den Abgrund zu hängen kommt – eher nimmt ein koreanischer Terrorist das Weiße Haus im Handstreich – dass dann der absehbare Held und Personenschützer den Präsidenten gegen seinen Wunsch, der der Rettung seiner Frau den Vorzug gäbe, pflichtbewusst rettet, und folglich, da die Frau mit der Limousine abstürzt und in eisigen Fluten zu Tode kommt, das wird alles so knallig schnoddrig, lieblos inszeniert, als hätten die Macher keine Lust auf Exposition, als ginge es ihnen doch vor allem drum, möglichst bald zu den großen Ballereien zu kommen, zu den Abschießereien, Explosionen und Feuerbällen, Mann-zu-Mann-Kämpfen und Helikopterabstürzen, zum Vordringen einen feindlichen Flugzeuges bis zum Weißen Haus, Krieg, Krieg, Krieg zu bebildern, das Weiße Haus als Schlachtfeld.</p>
<p>Dabei geht vollkommen unter, dass die Motivation für den Terroristen eine ganz hausbackene ist: dessen Mutter ist auf einer amerikanischen Mine zu Tode gekommen. Beschädigung und Demütigung durch den amerikanischen Imperialismus als vermutlich eine der häufigsten Terrorursachen weltweit. Aber auch für den Helden entsteht wenig Empathie, auch bei ihm wurde auf eine sympathieerweckende Vorstellung verzichtet. Gelegentlich sollen billige Jokes zeigen, dass es sich nicht um künstliche Figuren handelt.</p>
<p>Wenn der Held einen Koreaner fertig macht, „I guess, I am all rusty“ (Wiehern im Publikum beabsichtigt mit der Witzkeule, weil man ihn vorher einen Bürojob verrichten sah).<br />
In der härtesten Kampfsituation im Weißen Haus mit seiner Frau am Handy, fragt sie: Dave, how has your day been? Und er, ganz taffer Kerl, meint leicht untertreibend: busy.<br />
Held: er tut ständig abschlachten auf Leben und Tod und rettet dabei die Nation.</p>
<p>Kino als vor den Latz geknallte Kaltplatte. Sterilkino. Oder billiges B-Movie als von pathetischem Patriotismus genährter Sensationsstreifen, die Hysterieexzesse nach 9/11 noch zu toppen versuchend. Und donnernde B-Movie Böller-Musik. Für die Länge von praktisch zwei Stunden erzählt der Film erstaunlich wenig und bietet auch wenig nennenswertes Bildmaterial.</p>
<p>Ein ganz starker Typ soll der Held auch dadurch sein, dass er sich traut, in großer Gefahrensituation vor Ort den „Commander in Chief“ im sicheren Bunker ein „Asshole“ zu nennen. Das dürfte unterdrückten Gefühlen in manch erniedrigtem Zuschauer Auftrieb geben.</p>
<p>Eine etwas stehen gebliebene Geistes-Welt, verstaubt, aber mit großem Knall kaltschnäuzig auf die Leinwand geklotzt. Wobei auch Präsident Asher schon eine Art Holzklotz ist. Insofern passt er.</p>
<p>Pathos in seiner Dankesrede: dass er allen dankt, die nicht im Rampenlicht stehen und dem Land dienen. Das Ende ertrinkt in schier unerträglichem, amerikanischem Patriotismus. Verwunderlich, dass die Produzenten sich ein lohnendes Geschäft auf dem deutschen, auf dem europäischen Markt versprechen. In einem anderen, ähnlich gelagerten Film, haben sie wenigstens für den deutschen Markt das Ende geändert.</p>
 <p><a href="http://www.filmjournalisten.de/?flattrss_redirect&amp;id=8845&amp;md5=52c9645f29187987184a15bae72b330b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.filmjournalisten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Seelen</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 10:30:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Review]]></category>

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		<description><![CDATA[Merkwürdig amerikanisch-mystische Bebilderung von Andrew Niccol nach einem Roman von Stephenie Meyer zum Thema „Identität“, wer bin ich, bin ich ein Mensch, bin ich ich, sind die Anderen Menschen. In Amerika kann eine solche Fragestellung offenbar nicht ohne Schießereien abgehen, auch wenn das Thema nun wirklich sehr abstrakt ist. Die Hauptfigur mit dem Identitätsproblem ist [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Merkwürdig amerikanisch-mystische Bebilderung von Andrew Niccol nach einem Roman von Stephenie Meyer zum Thema „Identität“, wer bin ich, bin ich ein Mensch, bin ich ich, sind die Anderen Menschen.</p>
<p>In Amerika kann eine solche Fragestellung offenbar nicht ohne Schießereien abgehen, auch wenn das Thema nun wirklich sehr abstrakt ist.</p>
<p>Die Hauptfigur mit dem Identitätsproblem ist Melanie in der Ausprägung von Wanda oder umgekehrt. Eine junge Frau, die ständig Gewissensstimmen hört, etwas zu tun oder es zu lassen. Das kann mitten in einer Kussszene mit einem jungen Mann passieren, von denen es gleich mehrere gibt, wobei die Männer eher wie Tänzer in den Film eingebracht werden, im übertragenen Sinne für die Hebungen zuständig.</p>
<p>Sie trauen sich auch nie mit direkter, lauter Stimme zu sprechen. Immer mit dieser unterdrückten Heiserkeit, die als bedeutungsvoll wahrgenommen werden möchte, als zurückgehaltene Virilität.</p>
<p>Problematisch an so einem theoretischen Erörterungsfilm ist, dass er nur eine dünn skizzierte Story hat, dass er mehr eine Zustandsbeschreibung versucht. Dazu greift er einerseits auf Bild- und Ausstattungsmaterial wie top eleganter Lotus-Sportwagen, silbern mit Metallic-Blau, was wunderbar funkeln kann in Wüstenlandschaften, in biblischen Wüstenlandschaften, denn diese Menschen haben sich im bildlichen Bereich des Alttestamentarischen oder der amerikanischen Siedlerikonographie zurückgezogen in einen erloschenen Vulkan mit biblischen Getreidefeldern. Ein Dach kann über den riesigen Krater geschoben werden, was die Siedler vor den Unmenschen, die die Welt regieren, schützen soll, sie unauffindbar machen soll.</p>
<p>Ohne Nachschub ist im Krater jedoch trotz Getreidefeldern nicht zu leben, autark ist man dort nicht. Darum gibt es den groß und extra angeschriebenen „store“. Die Siedler müssen hin und wieder die Höhle, die menschliche Urgeborgenheit verlassen. Sie tun es mit stabilen paramilitärischen Fahrzeugen. Dabei werden sie angreifbar.</p>
<p>Die Höhlenmenschen können mit einer uralten, handbetriebenen Radmechanik das Dach über dem Krater zu ziehen und sich so vor unbefugten Einblicken schützen. Denn die neue Welt, die jetzt die Erde beherrscht, ist inhuman, sie will den Menschen die Seelen heraussaugen. Alle sind weißgewandet, wie mit Togen. Sie haben merkwürdige Instrumente, um Menschen zu heilen. Aber sie müssen ganz irdische Cop- und Thrillerfilmmittel anwenden, wenn die Menschen sie jagen.</p>
<p>Der gute Onkel in der Höhle hat eine Knarre wie einsten Old Shatterhand. Es ist eine Bilderwelt, die von unsereins weiter entfernt ist als die biblische Bilder-Welt im Schlafzimmer unserer Urgroßeltern. Der Musikvorhang, der über alles gelegt wird, der soll Ritual, Liturgie und Nicht-Nachdenken suggerieren.</p>
<p>Es geht hier vielleicht um die Deskription einer tiefen, menschlichen / fraulichen Gespaltenheit, einer Schizophrenie in einer altmodisch-statischen Bildersprache und einer zum Teil theatralischen Inszenierung, deutlich prononcierte Sätze, viel Stehpartie, bedeutungsvolles Rumstehen der Mitspieler. Viel Geheimnis-Brimborium in mystisch-mystifizierender Absicht beim Übergang von der einen Welt in die andere. Vielleicht sogar heilsgeschichtlicher Impetus, to get out of here; biblisches Bild: der Baum in der Wüste. Bild für Einsamkeit, Verlassenheit. Jesus war 40 Tage in der Wüste. Eleutherische Bildgestaltung. Sehnsucht nach archaischer Reinheit. Höhlenexistenz. Lange vor Platons Höhlengleichnis. Aber ohne Schießerei scheint im amerikanischen Kino eine Wahrheitsfindung nicht möglich.</p>
<p>Westernelemente. We have to make sacrificion, this is a war. Viel Bildmystizismus. This is very complicated. No, you are not even from the same planet. In der Höhle der Arzt: ein guter, etwas gealterter Obama. I can take a soul from a body. Seelenextraktionsvorgang. Was wird hier beim Zuschauer extrahiert?</p>
<p>Erleichterung: Finally something to die for. Einen Lebenssinn gefunden, eine Identität. You are you. To see yourself (im Spiegel). Erlösungsbild: Liebe, Umarmung, Regen auf die Wüste.</p>
<p>Bekommt der Zuschauer, der seine Identität nicht findet, das Eintrittsgeld zurück?</p>
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		<title>Tango Libre</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 10:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein solche Knast-Innenaufnahme, wie hier über dem Abspann läuft, dürfte eher selten sein in der Filmgeschichte: in einem leergeräumten Aufenthaltsraum gegen das Licht und weit von der Kamera entfernt bewegt sich ein Haufen Knastis, eine amorphe Masse aus vornehmlich amorphen Männern, merkwürdig unamorph, als ob der Tango, nach dem sie sich bewegen, immer kleine Blitze [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein solche Knast-Innenaufnahme, wie hier über dem Abspann läuft, dürfte eher selten sein in der Filmgeschichte: in einem leergeräumten Aufenthaltsraum gegen das Licht und weit von der Kamera entfernt bewegt sich ein Haufen Knastis, eine amorphe Masse aus vornehmlich amorphen Männern, merkwürdig unamorph, als ob der Tango, nach dem sie sich bewegen, immer kleine Blitze aufkommen lässt im Ungeformten. Poetisch-surrealistisch &#8211; francisbaconhaft. Zu verdanken haben wir dieses traumhafte Bild wie den ganzen Film der Regie von Frédéric Fonteyne, der ein Buch von Philippe Blasband und Anne Paulicevich als Arbeitsgrundlage hatte.</p>
<p>Während der Film doch eher in belgisch-wallonisch-surrealistischer Manier vom Tango als einem Blitz erzählt, der eine Gruppe mitteleuropäischer Menschen, die das Schicksal verbindet, aus ihrer Alltagsroutine aufschreckt und teils schier durchdrehen lässt, weil unterdrückte oder unbekannte Gefühle plötzlich nach Formung verlangen.</p>
<p>Diese Gruppe Menschen, das ist eine Familie bestehend aus Mama, Alice, und ihren drei Männern. Alice, die alles andere als eine Mama ist, arbeitet als Krankenschwester, raucht und besucht einen Tangokurs. Bei ihr lebt Sohn Antonio, blonde 15, der mit gebannter Miene und hochalert die Veränderungen der Adoleszenz geradewegs aus seinem Gesicht plautzen lässt. Die beiden anderen Männer, ihr Ehegatte und ihr Freund, befinden sich beide im Knast.</p>
<p>Alice ist mit der Führung des Haushaltes überfordert. Das belegt eine Szene, in der sie Berge von Wäsche bügeln möchte, allein das Bügelbrett aufbauen, während sie mit einer Hand raucht und mit der anderen noch Fleisch braten möchte; derweil der Sohn in seinem Zimmer die Musik auf Stadionlautsprecher einstellt. Er hat eben im Knast bei einer Besuchsstunde erfahren, dass Dominic, der Freund der Mutter, sein leiblicher Vater sei und nicht Fernand, der offizielle Ehemann.</p>
<p>Aber Antonio weiß, wo der Vater seine Pistole aufbewahrt hat. Die muss jetzt dazu dienen, der ausgiebig vorgestellten Konstellation und mit dem Tango-Input, der viele Gefühlsverwirrungen an den Tag bringt, zu einem heftigen Höhepunkt im Sinne des Begriffe „libre“ zu verhelfen.</p>
<p>Denn ein weiterer Mann ist für die dramatischen Entwicklungen entscheidend von Belang (die beiden Männer von Alice sind wegen eines Geldtransporter-Überfalles im Knast, bei dem es einen Toten gegeben hat. Dort auf der Landstraße ist jetzt ein kleines Holzkreuz aufgestellt mit Blumen davor und einer eigens installierten Ampel, vor der jedes Auto zu einem Gedenkhalt gezwungen wird, schöne Erfindung, sollte man öfter machen); dieser weitere Mann also ist Jean-Christophe, gerne J.C. genannt, er ist eine weitere von ihren Gefühlen her als problematisch und undefiniert zu beschreibende Männerfigur, erweckt den Eindruck von Unsicherheit, Ängstlichkeit, Minderwertigkeitsgefühl; er wirkt schwerblütig, absolut non-aggressiv, eher der Opfertyp, er wirkt, als könne er sich nicht für sich wehren, schaut aus matschigen Augen wie ein Kaninchen in lichtloser Käfighaltung, er wirkt irritierbar; er wirkt als habe er permanent ein schlechtes Gewissen; mit solchen Leuten leidet vom ersten Moment an mit, wer sich eine Grundsensibilität erhalten hat; wenn nicht, will man wohl vom ersten Moment an mit so einem Menschen brutale Spielchen treiben; er lebt allein, besucht auch den Tango-Kurs, was ihm sehr zu taugen scheint. Er ist Knastwärter.</p>
<p>Der nächste Angehörigen-Besuchstag offenbart die brisante dramaturgische Konstellation. Eine Besucherin ist Alice, die er eben beim Tango-Kurs kennen gelernt hat. Schnell checken die Männer von Alice, was es mit J.C. auf sich hat; da flammt im Knast plötzlich die Tangomanie auf, phänomenal. Die führt aber auch zu Schlägereien; nicht verwunderlich, dass Christian bald drauf mit Halskrause rumläuft. Tango ist Erde und Blut, Herz und Schmerz, auch in Belgien. Und symbolisiert, das wird am Ende brachial zu sehen sein, unwiderstehlichen Freiheitsdrang. Gegengift gegen den Knast.</p>
<p>Vielleicht könnte man das Ganze auch mehr als eine zwar hochgefühlvoll dargebrachte, gerade durch die vielen Momente inneren Monologes, der die Aufgewühltheit der Figuren, dass sie mit ihren Erlebnissen gar nicht umgehen können, nur noch deutlicher zum Ausdruck bringt, als eine schier durchgeknallte, surrealistische, akademisch-filmische Erwägung betrachten. Die ein schroffes Schlaglicht auf die Gefühlskondition dieser mitteleuropäischen Menschen wirft, die aber jeden Realismus vermeidet. Ein krasser Existenzialismus tritt zutage, ein absurder Existenzialismus. Figuren, die sich in ihren Gefühlen nicht entscheiden können, denn Liebe hieße, sich entscheiden können, erfahren wir. Aber es gibt, das zeigt dieser Film auch, Situationen, in denen Entscheide nicht leicht fallen. Wenn da nicht die Freiheit als gemeinsames Ziel wäre. Und der Tango.</p>
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		<title>The Place beyond the Pines</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 09:30:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schwere Schicksalskeule und schwere Moralkeule singen hier im Duett. Das fällt deshalb so deutlich auf, weil Derek Clanfrance das, was er uns mit diesem Film erzählen will, mit äußerster Klarheit und Präzision Schritt für Schritt vorführt, Bildlogik fast wie in einem Comic-Bilderheft oder in einer Fotoromanze. Wobei einzelne Sequenzen viel zu ausführlich geraten, so dass [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Schwere Schicksalskeule und schwere Moralkeule singen hier im Duett. Das fällt deshalb so deutlich auf, weil Derek Clanfrance das, was er uns mit diesem Film erzählen will, mit äußerster Klarheit und Präzision Schritt für Schritt vorführt, Bildlogik fast wie in einem Comic-Bilderheft oder in einer Fotoromanze. Wobei einzelne Sequenzen viel zu ausführlich geraten, so dass der Film eine Länge von deutlich über zwei Stunden erhält.</p>
<p>Die Schicksalskeule ist im Konstrukt angelegt, und zeitigt einen dreiteiligen Film. Die eine Hauptfigur, die erste Stunde etwa, ist Luke, gespielt von Ryan Gosling, ganz blond, Motorradheld, fährt in einer Jahrmarktshow in der Todeskugel. Nach der Show steht ihm plötzlich Eva Mendes als Romina mit vorwurfsvollem Blick gegenüber. Da war wohl mal was. Bald zeigt Romina ihm ein Kind. Es ist seines. Sie ist aber bürgerlich mit Kofi verheiratet, einem Schwarzen, was insofern wichtig ist, als das Kind garantiert nicht von einem schwarzen Vater sein kann. Es ist der Sohn von Luke. Luke will nun für sein Kind sorgen. Steigt aus der Show, die weiterzieht, aus. Er lernt einen Bastler von Mechaniker kennen, der keinen Job für ihn hat. Als Geldverdienst schlägt er Banküberfälle vor, da Luke schnell auf dem Motorrad fliehen könne. Ein paar Ecken weiter wird er in einen Lieferwagen einfahren und somit von der Oberfläche verschwinden. Die Beute in Sicherheit.</p>
<p>Nebst vielen rasanten Motorradfahrten und Banküberfällen, gibt’s noch die Taufe von Jason, dem Sohn von Luke, und Streit mit Romina und deren Mann, wie Luke das Zimmer seines Sohnes einrichten will. Schließlich misslingt ein Überfall. Nach einer Stunde Film ist Luke tot und Ryan Gosling abgespielt und man fragt sich, wieso er diese Rolle angenommen hat, wenn man an „Drive“ von Nicolas Winding Refn zurückdenkt, wo Gosling einen Stuntfahrer gespielt hat, der sich auch für Überfälle einsetzen ließ, wie oszillierte dort immer eine andere Ebene mit. Hier geht das nicht über die Oberfläche einer Fotoromanze hinaus. Er sieht zwar gut aus. Aber das wars denn auch.</p>
<p>Nachdem der Luke von Gosling tot ist, schlägt die Stunde von Avery, Bradley Cooper, der gut ins Schema eines Bürolisten passt. Er ist der Verfolger-Polizist, der Luke vorher gestellt und so angeschossen hat, dass er aus dem Fenster gefallen und tot in seiner Blutlache liegen geblieben ist. Das dauert jetzt schätzungsweise auch gegen eine Stunde, bis Cooper die Moralkeule schwingend den polizeiinternen Korruptionssumpf austrocknet und sich trotz Knieverletzung und seiner Intelligenz, die für einen gewöhnlichen Polizisten zu viel sei, nach oben gearbeitet hat und wie es in der deutschen Untertitelung heißt, Wahlkampf um die Position des Justizministers erfolgreich betrieben hat.</p>
<p>Dafür sind 15 Jahre vergangen. Jetzt kommt wieder die Schicksalskeule ins Spiel. Das ist nicht zuviel verraten. Die Söhne von Luke und von Avery sind 16 oder 17. Sie begegnen sich auf der Highschool. Die Heranführung dazu wird breit und wenig ergiebig erzählt. Nachts werden die Jungs von der Polizei angehalten und durchsucht. Wegen Besitzes illegaler Rauschmittel kommen sie in den Knast. Der honorable Korruptionsbekämpfer Avery lässt seinen Sohn, genannt AJ, auf dem kleinen Dienstweg wieder raus. Nach einer Nacht folgt auch Jason. Das Schicksal – auf den Begriff komme ich wegen der schweren Musik, die unterlegt wird, wie überhaupt mit Musik hier immer die volle Dröhnung gegeben wird, als ob der Film Angst habe, in sich hineinzuhorchen, ob er überhaupt etwas und wenn ja, was zu erzählen habe – das Schicksal also will es, und das ist auf Meilen abzusehen, dass die beiden Kids ihre Herkunft erfahren. Und die Moral von der Geschicht: dem Schicksal entrinnst Du nicht, aber der Mann hat ein Recht auf eigene Frau und Kind.</p>
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		<title>The Purge</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 09:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Nach-Obama-Amerika muss sich sehr geändert haben. Konnte Obama noch kaum eine Gesetzgebung zur Erschwerung von Waffenbesitz durchsetzen und sind also die Zahlen der Tötungsdelikte in den USA weiterhin hoch geblieben, so muss es nach Obama eine Gruppe von &#8220;neuen Gründungsvätern&#8221; geschafft haben, Amerika neu zu erfinden, so radikal, dass die Zahl der Kapitalverbrechen gegen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Nach-Obama-Amerika muss sich sehr geändert haben. Konnte Obama noch kaum eine Gesetzgebung zur Erschwerung von Waffenbesitz durchsetzen und sind also die Zahlen der Tötungsdelikte in den USA weiterhin hoch geblieben, so muss es nach Obama eine Gruppe von &#8220;neuen Gründungsvätern&#8221; geschafft haben, Amerika neu zu erfinden, so radikal, dass die Zahl der Kapitalverbrechen gegen Null tendierte. Aber das hat seinen Preis: the Purge, Ramadama der Kapitalverbrechen.</p>
<p>Wir schreiben das Jahr 2022, also nicht allzu ferne Zukunft. In diese hinein verlegt unser Autor und Regisseur James DeMonaco seine Geschichte. Einmal im Jahr gibt es jetzt in diesem neuen Amerika eine Nacht, es ist der 21. März, genau zwölf Stunden lang, die wird der Purge genannt. Dieses Wort hört sich nicht zufällig ähnlich wie Purgatorium an; denn der Begriff weist auf ein reinigendes Fegefeuer hin. Und nach dieser Nacht darf Amerika wieder ein Jahr lang in einem verbrechensfreies Paradies leben.</p>
<p>In dieser Nacht nun, das erinnert an archaische Gebräuche von rituellen Menschenopfern, aber da wir in Amerika sind, wird es nicht sehr rituell zu und her gehen, im Purge also dürfen die Menschen ungestraft all jene Menschen umbringen, egal wie, ob mit Machete oder mit Feuerwaffe, die sie gerne umbringen würden. Ein reinigendes Töten gewissermassen, dem die Gründungsväter dieses modernen Amerika die Absolution erteilt erhalten haben; Morde, die alle nicht gesühnt werden.</p>
<p>Unser Hauptinteresse gilt der Familie Sandin, Mutter, Vater, eine fast erwachsene Tochter und ein etwas jüngerer Sohn. Wir erleben die 62 Minuten vor Beginn des Purges und den Purge selber. Das sind also 12 Stunden und 62 Minuten, die James DeMonaco zu einem Sperrfeuer an dicht inszenierten und montierten Bildern von 85 Minuten Film zusammengedampft hat, die wie im Fluge vergehen, als ob sie bloss eine Viertelstunde dauerten. Raffinierte Close-ups, Unschärfen, Halbdunkel, schnelle Dialoge, wo keiner wartet, bis der andere ausgeredet hat, und dazu ein fantastischer Thriller-Aufguss an Musik-Score machen den Film so heftig. Dabei kann die Figurzeichnung ruhig sehr glatt bleiben, muss es wohl sogar, bis hin zu lachenden Larvengesichtern. Es geht hier nicht um Individualität. Darum geht es bei Archaischem nie.</p>
<p>James, der Vater, Ethan Hawke, ist erfolgreicher Verkäufer von Sicherheitsanlagen, ist damit so reich geworden, dass er für seine vierköpfige Familie ein Einfamilienhaus mehr Palazzo als Villa erbauen konnte, was eine Nachbarin anfangs auch anmerkt. Denn alle Leute wollen für den Purge bestmöglich vor Angreifern gesichert sein und investieren in aufwändige Überwachungs- und Sicherheitssysteme. Bei Sandins sieht es so aus, dass eine automatische Anlage stahlharte Platten vor Fenstern und Türen runterlässt. Im Inneren des Hauses gibt es einen nüchternen Kommandosalon mit großflächigen Bildschirmen, die die Umgebung des Anwesens im Videoauge behalten und ihr spezielles Bildmaterial zur Erhöhung von Spannung und Horrorspaß beitragen.</p>
<p>Aber wie es so ist mit Sicherheitsanlagen, ihr größter Schwachpunkt ist und bleibt der Mensch. Und wo sich ein Knopf zum Drücken findet, da findet sich auch ein Mensch, der einen Grund findet, diesen Knopf zur Unzeit zu drücken, die ganze Sicherheit löchrig machend. Das hat hier zur Folge, dass sich zur Zeit des hochgefährlichen Purges plötzlich mehr als nur die vier Köpfe der Familie im Haus befinden.</p>
<p>Ein weiteres nettes Apercu der Ausstattung ist ein kleiner Roboter, ein Halbmensch, der auf einem Panzerwägelchen aufgebaut ist mit einer Kamera statt Augen und der vom Sohnemann Charlie ferngesteuert werden kann.</p>
<p>Allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz wird es zu vielen, heftigen Horrorszenen in und ums Haus und selbstverständlich mit Verlusten, soviel darf verraten werden, kommen, aber nach 12 Stunden ist alles aus. Es gibt ein starkes Signalhorn, auch recht archaisch, das die blutige Übung abbläst und wer überlebt hat, der darf dem kommen Jahr gelassen entgegensehen bis zum nächsten Frühjahrsputz.</p>
<p>Dem Zuschauer dürfte das Gefühl vermittelt worden sein, zu den Überlebenden zu gehören. Er wird das Kino befreit und erleichtert und teils amüsiert über diese archaisch-kathartische Idee, die James DeMonaco so fabelhaft auf die Leinwand gefetzt hat, verlassen. Frage, was wäre, und wäre es nicht vielleicht der noch dramatischere Thriller, wenn statt des Purges, es in Amerika 12 Stunden gäbe, in denen kein Mensch eine Waffe berühren darf? Würde da nicht der totale Psychozusammenbruch Amerikas stattfinden? Was täte Hollywood, wenn es künftig keine Filme mehr mit Schießereien machen dürfte?</p>
<p>Lassen Sie Ihre innere Bestie frei, befreien Sie sich von Hass und Aggression, hinterlassen sie eine Spur von Leichen und genießen Sie die nächsten 364 Tage.</p>
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		<title>Figaro Pho (DVD)</title>
		<link>http://www.filmjournalisten.de/2013/06/12/figaro-pho-dvd/</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Jun 2013 09:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Figaro Pho ist ein Junge und das Geschöpf des australischen Animationskünstlers Luke Jurevicius. Er hat einen rundlichen Kopf mit einem schwarzen, aufstehenden Haarbüschel mitten drauf. Die Filme sind je etwa 7 Minuten lang. 39 Stück gibt es davon. Und die sind jetzt auf DVD erschienen. In jedem dieser kurzen Filme verselbständigt sich eine Angst von [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Figaro Pho ist ein Junge und das Geschöpf des australischen Animationskünstlers Luke Jurevicius. Er hat einen rundlichen Kopf mit einem schwarzen, aufstehenden Haarbüschel mitten drauf. Die Filme sind je etwa 7 Minuten lang. 39 Stück gibt es davon. Und die sind jetzt auf DVD erschienen. </p>
<p>In jedem dieser kurzen Filme verselbständigt sich eine Angst von Figaro. Treibt ihn aus dem Haus oder lässt ihn sich in eine Ecke verkriechen oder jagt ihn durch die Luft. Löst die wahnwitzigsten und verrücktesten Abenteuer aus. Aber nie lässt er sich unterkriegen, obgleich er noch so sehr in jedem der Filme aus einer Maus von Angst einen Elefanten macht. Das ist schließlich auch seine Fantasie. Die lässt die Ängste schier explodieren. Die gibt ihm aber auch die Mittel an die Hand, sie zu meistern. Und der Pechvogel ist sowieso meistens der Briefträger, der bis auf wenige Ausnahmen und erst am Ende des Abspannes den materialisierten Rest der Angst mittemang auf den Kopf kriegt. </p>
<p>Das Universum von Pho ist überschaubar. Pho selbst wohnt mit seinem Hund „Ravet“ (?) in einem Fantasiegebäude, einem Gebirge von Schloss. Die wichtigsten Innenräume sind eine in langem Bogen geschwungene Gemäldegalerie und ein Wohnraum mit einem Bett, einem gemütlichen Sofa und einem Sessel vor dem Kamin. Hier trinkt Figaro am liebsten Tee oder liest Bücher. Auf den hohen Zinnen seines Gebäudes befindet sich ein Ausguck. Da kann er mit dem Fernrohr beobachten, was sich in der Umgebung tut. Das Schloss befindet sich in einer einsamen, hügelig gewellten Gegend, in der in genügend Distanz sich noch eine Tankstelle befindet, ein Laden, einige Kakteen und in einem Wohnturm wohnt ein Mädchen. Besonders sie beobachtet Figaro gerne mit dem Fernrohr. Sie sitzt am liebsten in einer Schalenschaukel und liest oder kümmert sich um eine Blume auf ihrer Dachterrasse hoch über dem Boden. In vielen der kurzen Filme wird das Mädchen in Figaros Angstprojekte eingespannt und verhilft damit zu herrlich absurder Liebes- und Angst-Dynamik. </p>
<p>Ferner spielt gelegentlich der Gärtner eine Rolle, ein grober, klotziger Muskelmann, nicht allzu helle, ideal als Projektionsfläche, wenn die Angstdisposition von Figaro nach so einer verlangt. Dann ist da noch die skurrile Alte, die einen kleinen Laden betreibt. Auch die kann in einem Angsttraum plötzlich eine andere Rolle übernehmen. </p>
<p>Das Wundermittel von Figaro ist allerdings sein Roboterhund, den er selbst erfunden und konstruiert hat und der je nach Bedarf mit technischen Raffinessen, Greif- und Fangarmen oder Kugelschreiberarmen und mit einer Glühbirne statt eines Haarbüschels auf dem Kopf ausgestattet ist. Überhaupt ist Figaro ein großer Erfinder und Tüftler. Denn seine Ängste zwingen ihn zur Erfindung der verschiedensten Angst-Bekämpfungs-Automaten. Wenn er Angst vor Berührung mit der Außenwelt hat, so muss ein hochkomplizierter Türspions her, der über ein gebogenes Rohr erst in die Höhe und von außen hinunter gefahren werden kann und die Klingelnden beäugt. Oder er verfügt über einen mechanischen Greifarm, der in ähnlichen Situationen die Pakete, von denen oft welche und oft sogar überdimensionierte angeliefert werden, packen und ins Haus hieven kann. Denn die Pakete sind meist von ihm bestellte Geräte, die er selbst gegen die aktuelle Angst auf Papier entworfen und per Rohrpost bestellt hat. </p>
<p>Die einzelnen Filme funktionieren generell so, dass ein Bild, sei es über ein Buch, ein Gemälde, ein Dia, einen Film oder ein Bild, was ihm das Fernrohr näher bringt, eine Angst in Figaro auslöst, die sich bald verselbständigt, und die er dann auch überall hin projiziert. Wenn es um die Angst vor Enten geht, so ist seine ausgedehnte Gemäldegalerie plötzlich voller Bilder mit Enten und wenn es um die Angst vorm Altern geht, so sind da nur noch Gemälde von ganz alten Menschen. Wenn es um die Angst vor Clowns geht, so ist die Galerie voller furchteinflößender Clownsfratzen. Oder die Angstbilder beleben die Bücher, die er liest.  </p>
<p>Kreative Lösungen, Querdenkerei und Nonkonventionalismus sind die Mittel, zu denen  Figaro greift bei all den Ängsten, die ihn quälen und die in seinem Schloss genügend Raum finden, ins Unermessliche zu wachsen, denn Phos Welt ist voller eingebildeter Schrecken, seine irrationalen Ängste bekommt er kaum in Griff oder eben nur mit den unkonventionellsten Methoden, wie gleich beim ersten Film „Die Angst vorm Fisch“ zu sehen ist. Kontakt mit fremden Personen wird so weit wie möglich gemieden. Selbst mit dem Postboten. Erst recht wenn der ein Paket abzuliefern hat. Über einen komplizierten Mechanismus kann Pho den Erhalt quittieren, ohne persönlichen Kontakt ohne Berührungs- oder Augen-, gar Atemkontakt zu riskieren. Wenn nun in dem Paket ein Fisch drin ist, ein niedlicher Nemo, der auf den Boden fällt und zu sterben droht, so wird er nicht etwa aufgehoben und in ein Wasserglas gegeben, solch körperlichen Kontakt vermeidet Pho tunlichst. Was tut er? Er flutet statt dessen die ganze Wohnung, damit der Fisch schwimmen kann. Nur leider entwickelt sich der kleine Nemo zu einem bösen, angsteinflößenden Monster-Fisch. Wie sich seiner entledigen, nachdem die aus einem Mixer konstruierte Harpune nicht funktioniert, nachdem der Fisch Figaro und seinen Roboterhund verschluckt hat, wie kann man sein Halszäpfchen kitzeln, damit er die beiden wieder ausspuckt, und wie können sich die beiden des Monsters entledigen, nachdem auch die Verlockung mit den Kostbarkeiten des Kühlschrankes nicht funktioniert hat? Die Klospülung ist die letzte Rettung, sie saugt alles Wasser samt Fisch ab, spukt es aus dem Haus heraus, so dass der Fisch just auf dem Kopf des Postboten zu sitzen kommt, diesen zum Monster machend. Ein einziger dieser Filme, und so viel Geschichte und so viel Verrücktheit.</p>
<p>Es spielen weiter eine Rolle: die Angst davor, zurückgewiesen zu werden, die kristallisiert sich um einen kleinen Schreihals herum – und Furzen kann sehr verbindend sein, wie denn sowieso die Flatulentien immer wieder eine verrückte Rolle spielen können. Auch Magengeräusche, sowieso Geräusche, denn in den ganzen Filmen wird kein Wort gesprochen. Da wird nur witzig musikalisch und eben mit menschlichen Tönen untermalt. </p>
<p>Die Angst vor Moskitos kann einen zum Wahnsinn treiben und die entsprechenden filmischen Mittel herbeizaubern. Großangriff der Moskitos, Blutsaugorgie, rote Flecken, Kratzen, Dampfbad als Rettung, Arie gegen einen neuen Angriff, Trick: jetzt wird den saugenden Insekten übel. Und diesmal kriegt es der Lieferwagen ab. Verständlich, dass wenn der Postbote eine Kiste voller Gold und Perlenketten anliefert, die Angst vor Dieben ins Gigantische wächst und die Erfindung von Sicherheitssystemen dazu, die aber auch wieder mit Raffinesse auszutricksen sind. Und das alles ausgelöst durch einen Werbegag auf einer Cornflakes-Packung. Schlechte Gerüche zu fangen und die Angst vor ihnen, sie zu bekämpfen, erfordert wiederum besonders ausgebuffte, technische Tricks. Gurgelgeräusche aus dem Badeabfluss können panische Angst vor Bädern hervorrufen, inklusive Blitz und Donner und Geier auf Müllberg und Müllabfuhr und Knochen, der sich in der Luft zur Badebürste verwandelt. Und dann Friede, Freude, Badewanne mit Entlein! </p>
<p>Da Figaro eh nur dieses eine Haarbüschel auf dem Kopf hat, ist seine Angst vor einer Glatze bestens verständlich, das werden viele Männer nachvollziehen können, aber was sich Figaro alles einfallen lässt, das dürfte den Rahmen des Üblichen weit sprengen und das Mooshammer-Toupet, das er sich aufsetzt ist nur eines der Mittel, denn man kann sich auch an Elvis orientieren, doch solche Haarteile haben ihre Macken und können sich schnell in eine Rasta-Frisur verwandeln, die hier jedoch mehr den Tentakeln eines Tintenfisches ähnelt. Und wie soll sich nur das Mädel dazu verhalten? </p>
<p>Es gibt die Angst vorm Hunger, hier gibt’s eine Erinnerung an die Chaplin-Nummer mit dem Schuh auf dem Teller. Angst vor Clowns. Die Angst zu schrumpfen entsteht aus einem Gift-Warn-Etikett mit einem Schrumpfkopf. Angst vor dem Lift. Man kann drin gefangen bleiben. Gerade der Lift zum Mädchen gegenüber hat so Macken. </p>
<p>Angst vor der Haut. Angst vor Akne und dergleichen. Kleiner Pickel auf der Stirn. Oh, Schmerz. Haut von Hand abgezogen. Schattenspiel, zieht ganze Haut ab. Hund schaut, Haut erhebt sich als zweites Ego. Ab jetzt gibt es zwei Figaros, der eine ist seine Haut, der andere ist er ohne Haut. Hautlos rennt raus. Briefbote fällt vor Irritation vom Rad. Haut schaut weinend Bücher mit Bildern noch mit Haut. Die Haut zuhause. Hautlos liegt in der Sonne. Großer, böser Hund schnuppert. Es klingelt im Haus. Schönheitsgurken fallen runter. Hautlos verlangt Einlass. Wird wieder rausgeschmissen. Bittet und bettelt. Keine Gnade. Hund bellt. Hautlos klettert lange Leiter an Haus hoch. Und können doch zusammen nicht kommen. Haut schubst  Leiter. Vor der Tür Hautlos mit Blumenstrauß. Rosen. Haut dankt. Haut haut Strauß um Ohren von Spender. Tür zu. Hautlos mit Ballon und Herz vor Tür. Stich in Ballon. Als Sänger mit Banjo. Haut macht es kaputt. Hund stimmt mit Portrait von Haut versöhnlich. Hautlos traurig weg. Haut lehnt an Haus. Winkt. Treffen auf Felsplatte. Umarmung. Hund hetzt die beiden ins Haus. Hinter Paravant als Schattenspiel zieht Hautlos, wieder seine Haut an, kommt hervor, als sei nichts gewesen. Schaut in Spiegel. Kratzt sich an Wange. Gibt sich Ohrfeige. </p>
<p>Die Projektion eines schwarz-weiß-Filmes löst Vampirpanikanfälle aus. Pho ist ein Hypersensibelchen mit einer heißen Fantasie. Und mit jedem Film mag man ihn mehr. Ihn und seinen Hund. Und seine wenigen Kontaktpersonen zur Umwelt. Jetzt ist die Bildergalerie voller Vampirbilder. Die Alte kommt am Rollator. Figaro flüchtet auf den Kronleuchter. Überall sieht er Bilder. Überall sieht er in den Bildern seine Ängste, seine jeweilige Angst. Ihm wachsen Vampirzähne und so will er seine Angebetete bezirzen? Und wie er glaubt sein Abenteuer hinter sich zu haben und es sich auf seinem Sessel gemütlich einrichtet, kommt ein blaues Vögelchen, das auch immer wieder mitspielt, geflogen: jetzt ist es ein Vampir. Böser, böser, Filmemacher. </p>
<p>Was ein Schluckauf oder die Angst vor ihm alles kaputt machen kann, erlebt Figaro am Versuch, ein Abbild von sich selber auf einer Säule zu meisseln. Und die Angst vor bösen Hunden, die ruft förmlich nach solchen. Aber dank Phos Initiativen und seinem hartnäckigen Nicht-locker-Lassen, wird es hier ein Happy End geben, er wird seinen Mechanik-Hund und den bösen Hund gleichermaßen kraulen. Mit der Angst davor, hässlich zu sein, exerziert uns Figaro auf die groteskeste Weise vor, wozu Menschen in ihrem Schönheitswahn alles fähig sind. Die Nacht ist der ideale Ort, um die Angst vor Aliens aus dem Weltall zu unterfüttern, ein Blick unters Bett und die dort versammelten Spielsachen genügen um die grellsten Angstfantasien zu entzünden und auf die Tücke von Fernbedienungen hinzuweisen. Auch Kakteen können die sonderbarsten Ängste und noch skurrilere Abwehrmassnahmen dagegen erzeugen. Und im Moment der Niederlage (auf die bald wieder ein Sieg folgt) legt der Macher des Filmes auch herzerweichende Trauermusik drunter. Und trotzdem scheint ein Kaktus ein ewiges Leben zu haben. Die Angst vor dem Niesen aber münzt Figaro raketenenergetisch wirkungsvoll um, da kann er ganz gewöhnliche Flugpassagiere zur Verwirrung bringen. Der Versuch, ein Ei zu kochen oder ein Spiegelei zu machen, lässt Figaro die alleralbernsten und ernstesten Huhn-, Ei- und Gockelgeschichten entwickeln. Das führt so weit, dass Figaro, um aus der Fantasiefalle wieder rauszukommen, sich zu Boden beugt, um einen Wurm zu fressen. </p>
<p>Und statt Film Nummer 40 gibt es ein Interview mit dem urigen  Luke Jurevicius, der das in Australien alles erfindet und zeichnet und vertont und uns ein einmaliges Vergnügen bereitet. </p>
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		<title>Before Midnight</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jun 2013 13:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Review]]></category>

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				<content:encoded><![CDATA[<p>Hier geht es hart auf hart. Sind die Kompromisse, die ein Mensch für eine Beziehung eingehen muss, damit diese eventuell 70 und mehr Jahre lang hält, überhaupt erträglich? Das ist der Kern der Auseinandersetzung zwischen Julie Delpy als Celine und Ethan Hawke als Jesse, einer Beziehung, die vor fast 20 Jahren in „Before Sunrise“ in Wien begonnen hat, die 10 Jahre später in „Before Sunset“ wieder besichtigt werden konnte und jetzt nochmal 10 Jahre später prüft Richard Linklater diese Beziehung erneut; er hat wieder die Regie geführt und mit Kim Krizan, Julie Delpy und Ethan Hawke auch das Buch entwickelt. Bestimmt kein Franchise-Produkt.</p>
<p>In diesem Film wird es Zeit, Beziehungs-Tacheles zu reden. An sich ist das gar nicht beabsichtigt, denn Julie und Jesse machen mit ihren zwei Töchterchen aus ihrer Beziehung und dem Sohn von Jesse aus anderer Beziehung auf dem Peloponnes Traumferien als Gäste eine berühmten griechischen Schriftstellers.</p>
<p>Jesse bringt seinen Sohn zum Flughafen von Kalamata. Er soll zurück zu seiner Mutter in den USA fliegen. Schon die Eingangsszene vor der Verabschiedung zum Check-In, wie Vater und Sohn vor einem Kiosk sich zu unterhalten versuchen, der Papa irgendwie nicht loslassen kann, irgendwie Gutes für seinen Sohn tun will, ihm was Gescheites kaufen, ihm versprechen, er werde ihn bei seinem Konzert besuchen, was der Sohn ablehnt mit der Begründung, das sei für seine Mutter zu viel Stress, ist atemberaubend nah an empirischer Wirklichkeit, ein Ereignis. Eine Szene, die einen mit ihrer Glaubwürdigkeit und Dialektik der Positionen bereits voll in Bann zieht.</p>
<p>Dann fahren Jesse und Celine mit dem Auto an ihren Ferienort zurück. Im Fond schlummern die beiden süßen Zwillingsmädchen aus ihrer Beziehung. Ein weiteres inszenatorisches, schauspielerisches Glanzstück, wie der Dialog plätschert und andeutet; wie sie sich entscheiden, an den Ruinen, die zu besuchen sie den Mädchen versprochen hatten, vorbeizufahren, weil diese gerade schlafen. Wie den Papa plötzlich ein Hungergefühl überkommt und er Celine bittet, ihm den angekauten Apfel des einen der beiden Mädchen zu reichen und wie er herzhaft hineinbeißt und etwas vom Teilen lernen sagt.</p>
<p>Die Geschichte einer Täuschung, die Geschichte von den Kätzchen, die Celine erzählt, wie sie zu Hause immer getäuscht worden sind, wie sie glaubten, die Katze habe jedes Jahr zwei Junge gekriegt und nicht 7 oder 8, dass nämlich alle anderen getötet worden seien.</p>
<p>Die Gastgeber organisieren ein Abschiedsessen für die Gäste aus Frankreich. Dabei kommt auch zur Sprache, dass Jesse ein erfolgreicher Autor ist und Celine das Vorbild für eine seiner literarischen Figuren abgegeben hat. Es wird über das Kennenlernen geredet, die Dauerhaftigkeit von Beziehungen, über Déja-Vus und sowieso über Wahrnehmung und Zeitsprünge. Gepflegte Konversation oszillierend an der Oberfläche der Abgründe zwischenmenschlicher Realitäten. Und natürlich über Männlichkeit und Weiblichkeit im Allgemeinen.</p>
<p>Das ist Einstimmung und Vorgeplänkel für den Kampf der Geschlechtertitanen, als welche sich Jesse und Celine alsbald entpuppen werden, für eine Szene, von der in keiner Sekunde sicher ist, ob es sie nicht zerbröseln wird, ob die beiden Menschen sich je wieder zusammenraufen werden (zu hoffen wäre es aus dem eigennützig cineastischen Wunsch heraus, weil uns dann vielleicht in weiteren zehn Jahren wieder ein so mitnehmender, vereinnahmender Streifen ins Haus stünde, mit einmaligen Situationen und Gesprächshattricks, wie sie im Kino nicht allzu oft vorkommen dürften); wie sie tief in die Probleme einer Zweierbeziehung hineinleuchten, das Problem, wie weit ein Mensch Kompromisse machen muss und ob das überhaupt möglich ist, um so eine Beziehung am Leben zu erhalten.</p>
<p>Der Ort für diese wahnwitzige Auseinandersetzung ist ein Hotelzimmer, das die Gastgeber dem nicht mehr ganz jungen Paar, sie sind beide um die 40, für eine Nacht spendieren, damit sie ohne die Kinder die Zweisamkeit genießen können. Das Warmup für dieses harte Ringen werden die Gespräche auf einem langen Spaziergang dorthin sein.</p>
<p>Linklater geht an die Substanz seiner Darsteller, vertraut auf ihre Bereitschaft aus dem vollen eigener Weltanschauung und Erfahrung zu schöpfen, gibt ihnen den dazu nötigen Raum und Schutz mit langen, langen Einstellungen, in denen sich die Konflikte des Paares wie von sich aus entwickeln können, fast so, als ob der Zuschauer unfreiwilliger Zeuge dieser Krise würde. Dabei stand doch Ferienglück auf dem Programm stand.</p>
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