Archiv für die Kategorie: “TV”

Erinnerung ganz ohne Biss.

Staatsfunkordentliches Videoalbum über die Proteste und Staatsaktionen, die letztendlich den Bau der hochriskanten Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf, der Plutoniumfabrik in einem der größten zusammenhängenden Wasserschutzgebiete Bayerns, verhindert haben. Wackersdorf (hier ist auch der Tod einer Hausfrau am Bauzaun erwähnt, auf den diese Doku verzichtet; wie sich die Geschichte bei Wikipedia allein durch die vielen nackten Zahlen deutlich ungemütlicher liest).

Und staatsfunkordentlich wird diese doch sehr milde Rückschau, die vor allem keinen Zuschauer zu irgend einem Widerstand anstacheln, noch die zynische Reaktion des Staates präzise herausfilettieren will, sehr, sehr spät, wenn schon kein wacher Bürger mehr wach ist, um 23. 45 Uhr versendet. Es ist an der Zeit, einen Widerstand gegen den Staatsfunk mit seiner Zwangsgebühren- und Staatshofierkultur zu bilden.

Die Archivvideos von damals, die einige Widerständler in den Mittelpunkt stellen (die bis dorthin unpolitische Irmgard Gietl, den Polizisten Michael Hinrichsen und das prominenteste Gesicht des Widerstandes, den Landrat von Schwandorf, Hans Schuirer), die von den verschiedenen Phasen und Gewaltstufen des Widerstandes berichten, die auch vehemente Franz-Josef-Strauß Rhethorik-Footage enthält oder vom damaligen Innenminister, ist unterschnitten mit heute gedrehten Interviews mit Aktivisten von damals vor allem von der Widerstandsseite.

Und der längst gereifte Peter Gauweiler, der damals das personifizierte Feindbild und ein Scharfmacher der Sonderklasse war, erinnert an die vielen verletzten Polizisten, wie um abzulenken von einer selbstkritischen Hinterfragung seines damaligen Handelns; der Dokumentarclipzusammensteller wollte ihn offenbar auf keinen Fall mit unbequemen Fragen behelligen. Wobei das spannend zu sehen wäre, wie Gauweiler sein damaliges Handeln heute beurteilt.

Aber wir sind beim Staatsfunk, Franz Josef Strauß ist längst tot und beerdigt, und Kohl hat dann das Problem mit französischer Unterstützung und Eleganz nach La Hague verlagert.

Es geht ordentlich und phänomenologisch der Reihe nach in dieser Doku von Klaus Uhrig unter der redaktionellen Obhut von Susanne Poelchau.

Wobei gerade die bayerische Polizei, wenn man die letzten Sicherheitskonferenzen in München oder den Gipfel in Elmau betrachtet, offenbar gelernt hat; aber vielleicht hat sich auch der Widerstand verändert; das sind jedoch auch andere Baustellen.

Andererseits der Gipfel in Hamburg dieses Jahr, da hat sich die staatsherrische Denke offenbar kaum verändert (oder bei Stuttgart 21, 2010); da scheint die Gewalt von der Polizei ausgegangen zu sein.

Uhrig geht nicht der Frage nach, wer in Wackersdorf die CS-Gas-Angriffe der Polizei befohlen und zu verantworten hatte und ob da je irgendjemand, wenn auch nur intern, zur Rechenschaft gezogen worden ist. Doku verstanden als „Schwamm drüber!“.

Korrekter gegenüber dem anmassenden und unangebrachten Titel „Geschichte im Ersten“ wäre allerdings der Titel: „Video-TV-Geschichten im Ersten“.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Miserabel nacherfundene Realität als Legitimation für einen demokratiefördernden öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Wieder die Erfindung eines Sendeformates, das unendlich schlecht gearbeitet ist, das reale Vorbilder hat, hinter denen es weit herhinkt, und das Sendezeit füllen soll im Sinne der Begründung einer Existenznotwendigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes mit genau der gegenteiligen Wirkung: wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk die gesellschaftliche Realität so pfuschig und schlecht nachbildet, so hat er seine Aufgabe verloren.

Wobei zu vermuten ist, dass diese ordentlichen, karrierefokussierten jungen Schauspieler, die hier versuchen aus der Bahn geworfene Jugendliche zu spielen, das avisierte Zielpublikum auf dem Kinderkanal eher nicht erreichen dürften.

Da ist die Jugend selbst, ob ordentlich oder unordentlich, doch viel quirliger, ist in ständigem Austausch, oder wenn schon, dann richtig in sich gekehrt und garantiert nicht an viel zu steif und fantasielos inszenierten Biedertexten interssiert wie:
Ich lass dich nie allein“, „Wie heißt die Betreuerin nochmal?“ (eine überforderte Mutter)
So das ist jetzt der Bus
Wir sind gleich da
Habt ihr eure Verträge gelesen, dann werd ich die gleich einsammeln
Jungs, alles aussteigen, vergesst die Sachen nicht
Ansonsten fährst du nach Hause und wirst deine Haftstrafe antreten

Die Ankunft, heißt der Titel der ersten von 24 geplanten Folgen, und glaubt, Zeit schinden zu müssen mit langen, nichtssagende Anfahrten ohne dass auch nur eine der Figuren so von der Kamera aufgenommen würde, dass sie Interesse erwecken könnte; auch nicht mit den Texten oder mit dem Kostüm. Verhuschter, erzählarmer Einstieg.

Die Führerin kennt die Jugendlichen nach einem erste Blabla noch auf dem S-Bahn-Steig alle schon persönlich mit Namen und scheint doch nicht an den Jungs interessiert, scheint nicht interessiert, eine Beziehung aufzubauen, sie wahrzunehmen. Sie interessiert wie eine verdorrte Büromamsell nur die Namen und der Papierkram, der in vergleichbaren Situationen wohl erst im Bus erledigt würde.

Auch ist komisch, dass die Jungs offenbar überhaupt nicht wissen, worauf sie sich einlassen, dass sie erst im Bus erfahren, dass sie 6 Wochen ohne Handy sein werden. Der Sinn dieser Maßnahme ist doch, dass sie eine bewusste Entscheidung treffen, dass sie sich diesen Regeln aussetzen, um nicht in den Knast zu müssen.

Hier im Film aber sieht es so aus, als fehlte ihnen jegliche Information. Damit wird ihre Ausgangslage nicht ernst genommen weder vom Autor Tilman Roth noch vom Regisseur Niklas Weise. Die ganze Übung ist somit von Anbeginn an für die Katz. Da es ja just darum geht, dass sie selber mündige, verantwortliche Entscheidungen treffen sollen im Bewusstsein der harten Folgen, um nicht in den Knast zu müssen.

Denn ihre Lage ist ernst. Sie sind alle zu rechtsgültigen Haftstrafen verurteilt. Das Programm auf der Alp will ihnen eine Chance geben, sich in einem Team und unter harten Bedingungen zu bewähren. Wenn sie das Camp durchziehen, bleibt ihnen der Knast erspart.

Über eine reale solche Massnahme gabe es bereits eine exzellente Dokumentation: Der Zorn der jungen Männer von Uli Kick. Die war atemberaubend. Die Jungs vibrierten vor Leinwandpräsenz.

Dieser fiktionale Film dagegen ist pfuschig gemacht und anödend, unglaubwürdig von der ersten Sekunde an, eine reine Verschwendung von Zwangsgebührengeldern, die immer mehr Leute sich von einem schrumpfenden Haushaltsbudget absparen müssen. Vorschlag: Die Redakteure in so ein Camp zu schicken, damit sie das Leben kennenlernen unter harten Bedingungen und nicht nur das im wohltemperierten Subventionstümpel.

Nach 10 Minuten, also fast der Hälfte der ersten Folge ist noch nichts passiert, was ein Fundament für weitere 23 Folgen legen könnte, ist nichts, absolut rein gar nichts passiert, was Interesse wecken könnte. Nur auswendig gelernte und steif inszenierte Texte – bemüht.

„Wenn wir sowieso nichts mitnehmen, was machen wir dort denn die ganze Zeit
Alexander, das muss es nicht gewesen sein…. und wir versuchens nochmal….. dann alles Gute“.

Und wieder werden mühsam zusammengesparte und abgeknapste Zwangsgebührengelder für ein viel zu schlecht gearbeitetes Format in den Gulli geschmissen.

Runterratter-Monika, herrisch, offenbar keine pädagogische Bildung und mit penetrant schneidender Stimme. Sie versucht offenbar, die Rolle industrieschauspielerisch bewältigen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Dieser Film berieselt einen mit einem Statement-Mischmasch und wichtigen Ortkennzeichnungen: Paris, Dortmund, Skopje, Veles, Wien, New York, aber ohne Klarheit im schwammigen Umfeld des Begriffes ‚Verschwörungstheorie‘, ist generell von einer gewissen geistigen Konfusion geprägt, wobei die titelgebende ‚Weltherrschaft‘ nur einmal ganz kurz angetippt wird.

Dieser Film setzt selber auf sensationelle Ereignisse (Charlie Hebdo, Fakenews um die Wahl Trumps, Veles, 9/11, AIDS), um Klicks und Zuschauer zu generieren?

Will der Hersteller diese Filmes, Fritz Ofner, der mit Michael Lenzinger und nach einem Expose von Siegfried Steinlechner das öffentlich-rechtliche Geld zur Realisierung von mehreren Fernsehanstalten locker machen konnte, vielleicht sich selber mit dem Thema Fake-News und Verschwörungstheorien interessant machen, um Quote und Klicks zu generieren? Es kommen genügend Reizwörter in seinem Mischmaschwerk vor und absurde Verschwörungstheorien ebenfalls (zu 9/11, Freimauerer, AIDS etc.), wenn auch ‚zitiert‘.

So wie der Stoff präsentiert wird, wirkt er selber wie ein Produkt von Fake-News oder Verschwörungstheorie, ist ein Kuddelmuddel-Statement-Verhau wie ein Wühltisch im Sommerschlussverkauf, der dem Kunden den Verstand betäuben und ihn zu unsinnigen Käufen animieren will (resp. womöglich zum Rückgriff auf Verschwörungstheorien).

Zuschauer sagt sich nach dieser Sendung: ok, dass es zu jedem großen Attentat und Terroranschlag und Unglück anschließend Verschwörungstheorien gibt, das ist nicht neu, dass es Fake-News gibt, ist auch nicht neu und dass sich mit Sensationsmache Geld verdienen lässt, ebensowenig, das praktizieren selbst seriöse Tageszeitungen und das Staatsfernsehen so sicher wie das Amen in der Kirche nach jedem Terroranschlag. Dass man kritisch zu sein habe den News generell gegenüber ist ebenfalls nicht neu.

Mit dieser Sendung präsentiert sich der BR selber als einer, der den Zuschauer verwirren, ihn im Statement-Regen stehen lassen will, statt ihm Klarheit zu verschaffen.

Das wäre vielleicht anders, wenn ein einzelner Fake-News-Vorgang aus einem herausgepickten Unglück ganz exakt und gedanklich klar nachvollziehbar recherchiert würde, wenn der Weg von News und Fakenews und wer damit sein Geschäft macht mit „solchen“ Websites exakt in ihrem Funktionszusammenhang herauskristallisiert würde.

Dem ist aber nicht so. Nach 40 Minuten landet Ofner bei einem Statement zu Foltergeständnissen, der Zuschauer hat keine Ahnung mehr, wo er sich gerade befindet. Nach der Rumhupferei durch eine Reihe beliebig wirkender Fälle landet er bei einem Autor, der sich als Outcast selbst bemitleidet und an einem Bartresen mit starken Alkoholika im Hintergrund sitzt – will Ofner diesen Interviewpartner mit Alkohol assoziieren?

Es ist wie in einem Puppentheater, ständig zaubert Ofner und man weiß nicht woher, neue Experten und Autoren und Spezialisten und Medienwissenschaftler aus dem Hut, die ganz wichtig ihre Meinung absondern – woher wissen wir, dass die echt und keine Fakes sind? So macht man schlechtes Fernsehen.

Nun folgt die bedeutende Frage: was macht Verschwörungstheorien so verführerisch?
Anders gefragt: was macht dieses magazinhaft Durcheinandergewürfele so langweilig und abtörnend wie ein Antiaphrodisiakum? Es dürfte der Mangel an geistiger Klarheit sein, der Mangel an konsequentem Denken und an ebensolcher Begrifflichkeit.

Dann noch ein konfuser Sprung zu den Freimaurern, um sie vor Verschwörungstheorien in Schutz zu nehmen und auf deren Museum aufmerksam zu machen. Anschließend darf ein Musiker, Pianist und Komponist Werbung für sich als Musiker, Pianist, Komponist und Autor machen. Jetzt noch kurz am Thema AIDS genuckelt und bevor wir es uns versehen, sind wir bei den dschihadistischen Verschwörungstheorien gelandet. Das nennt man Gschaftlhuberei. Der Dokugschaftlhuber tut sich an unserem Zwangsgebührengeld gütlich und wir erhalten im Gegenzug geistigen Quark.

Die einfältige, präfaktische Auffassung von Dokumentation: in der Welt herumreisen und Blabla fischen. Geistig darf das durcheinander sein wie Kompott, Hauptsache man liest schöne Städtenamen: Paris, Dortmund, Skopje, Wien, New York und die Interviewpartner haben schöne Etiketts von Berufsbezeichnungen.

Vielleicht haben zu viele Redaktionsköche den Brei verdorben: Sharon Nuni (ORF), Siegfried Steinlechner (ORF), Claudia Bucher (arte), Beatrice Meier (arte) Thomas Sessner (BR), Christiane Methge (BR), Gesamtleitung: Martin Traxl (ORF). Oder keiner wollte sich die Blöße geben, nicht mehr durchzusteigen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Wer ist Heike Fink?

Beim BR darf sich offenbar jeder dahergelaufene Dorfdepp Autor schimpfen, wenn er Dorfdeppen erfindet, die deppert versuchen, an Geld zu kommen, darf von uns Zwangsgebührenzahlern ein nettes Autorenhonorar (mit Wiederholungshonorar!) kassieren, darf außerdem den Schmarren inszenieren und dafür eine Regiegage kassieren (und hier der Koautor noch als Darsteller eine Schauspielergage). Zitat aus dem Film: wenn einer an Depp ist, so deaf man des sagen und wenn der Depp der eigene Vater ist – oder der Drehbuchautor.

Das war schon in der unsäglich schwachbrüstigen Hindafing-Reihe so. Und so ist es hier, ausgehend vom Klischee des nicht nachvollziehbar überschuldeten Dorfbewohners, der in die Hände von Klischeeuntergrundtypen gerät, der also dringend Geld braucht, erfindet Matthias Kiefersauer dumme Menschen und inszenieren darf er auch noch. Alexander Liegl durfte miterfinden und als Schauspieler noch was dazu verdienen, das Ganze nach einer „Idee“, wie es heißt, von Heike Fink, – wer ist Heike Fink und was kassiert sie?

Hier sind es Dorfdeppen, die ihre Geldprobleme dadurch lösen, dass sie Tote nicht beerdigen, sondern in einem Versteck zwischenlagern und somit offiziell am Leben lassen, sie von angeheuerten Darstellern doublen lassen, um an deren Renten zu kommen, die in Niederbayern komfortabel hoch scheinen. Genaueres hinterdenke man bitte nicht.

Von solchen Fällen ist immer wieder zu hören, dass Tode von Rentnern verheimlicht werden, damit die Renten weiter fließen.

Dass allerdings – und das in einem Weiler, in welchem jeder jeden kennt, – die Toten auch noch von Darstellern gedoublet werden sollen, das ist an den Haaren herbeigezogen, erst recht, wie es erzählt wird, und dass es gleich dreifach passiert. Das ist schon an Hirnrissigkeit nicht mehr zu überbieten.

Dann die Tode selbst. Der erste Fall mag noch plausibel sein, dass jemand seine tote Mutter klammheimlich versteckt wegen dem Rentenfluss, das mag noch angehen. Jetzt müssen aber vom Autor erzwungen zwei weitere Tote her. Das muss irgendwie herbeigewürgt werden.

Unsere „Autoren“ lassen also die beiden zum Sterben Ausersehenen über eine Landstraße spazieren, lassen ein Auto sie fast überfahren, aber nicht ganz, lassen das Auto in einen elektrischen Leitungsmasten crashen. Die beiden Verschonten haben sich vor Schreck ganz ordentlich auf die Leitplanke gehockt, auch das bei der Situation, der schmalen Oberkante, dem Alter der Darsteller ohne jeden Realismus und Plausibilität. Eine Stromleitung löst sich vom Leitungsmasten funkensprühend. Sie touchiert mit der Leitplanke und setzt diese unter Strom, so dass die beiden Alten tot hintenrunterfallen, aber noch Akrobaten genug sind, die Beine von hinten über die Leitplanke schauen zu lassen.

So eine Szene könnte man als Furz eines schnöseligen Filmhochschülers, dem nichts einfällt für seine Kameraübung, durchgehen lassen. Aber wir sind beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit seiner Zwangsfinanzierung und seinem demokratischen Grundauftrag. Hier ist solches läppischer Kinderkram. Wird aber bezahlt und behandelt wie ernsthafte Erwachsenenware. Etwas stimmt hier nicht. Das ist haarsträubend und in keiner Weise lustig.

Die beiden BR-Redakteurinnen Claudia Simionescu und Birgit Metz müssen bekifft gewesen sein, wie sie die Gelder für dieses inakzeptable Drehbuch und für den Dreh freigegeben haben. Und unsere Zwangsgebührengelder müssen deren Dope wohl noch mitfinanzieren.

Wie anders abgründig und menschelnd sind doch die Falkkrimis, wie sind hier die Figuren in menschlichen Beziehungen, Abhängigkeiten und Hoffnungen und nicht nur in Geldbeschaffungszwangszusammenhängen verhaftet.

Der Hinweis, der mehr ist als ein Verweis, kommt gelegen, denn der Protagonist aus der Falk-Krimi-Reihe, Sebastian Bezzel, spielt hier auch mit. Er versucht krampfhaft, sich von seiner dortigen Glanz- und Paraderolle (zuletzt in der Grießnockerlaffäre) zu unterscheiden. Das gelingt ihm nur mit massiv überschminkter Augenverletzung, sonst gibt er das Bild eines widerlich charmlosen, überforderten Charakters ab, unattraktiv, weil ihm die menschliche Beziehung fehlt.

Er hat zwar einen Sohn, Daniel (Markus Krojer) aber der ist vermutlich nur besetzt, um die Finanzlage des Vaters noch zu verschlimmern und drastischer darzustellen sowie als Quotenjugendlicher, der noch dazu überhaupt nicht zu diesem Vater passt.

In diesem reinen Geldgierzusammenhang wirkt Bezzel nur noch unangenehm. Ein Wunder passiert allerdings mit ihm: seine massiv geschlägerten Veilchen am Auge verschwinden innert kürzester Zeit, es muss eine Wunderheilung sein, erstaunlich, dass das keinem der Dorfbewohner auffällt – kein Wunder, sind ja alles nur geldversessene Niederbayerndeppen. Auch Kamera, Regie, Script, Continuity und vor allem der abnehmenden Redaktion scheint das nicht aufgefallen zu sein, voll verschnarcht die Baggage, mals das linke, mal das rechte Auge verschminkt… und Augenklappe links, rechts…

Wobei auch hier ein Phänomen zu beobachten ist, wie schon in der Hindafing-Reihe mit dem Maximilian Brückner: gute Schauspieler wahren selbst in so einem Schmarren ihre Würde, Ilse Neubauer, Fred Stillkrauth, Gundi Ellert.

Wobei der Pfarrer ein besonderes Problem ist, das dürfte aber das Problem mehr von Drehbuch und Regie sein: faktisch verändert der von einem Moment auf den anderen seinen Rollencharakter. Es ist nicht nachvollziehbar, dass er alles auf Anhieb durchschaut und dann so einen peinlich dämlichen Test macht, um seinen eigenen Berufsstand zu desavouieren, das ist ein bescheuertes Konstrukt von Figur, das offenbar nur dazu gedacht ist, antiklerikal-sexistische Pikanterie ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zu bringen, sich billig auf Kosten der Kirche lustig zu machen (die mit ihren Skandalen, wenn schon, dann doch bittschön bissige Kritik verlangt), eine Figur, die jeglicher Lebenserfahrung widerspricht (und der Film gibt sich ja nicht als Bayern-Trash) und damit der BR uns sowas auftischen kann, müssen wir die Rundfunkzwangsgebühr aufbringen. Das grenzt an Demokratiedemontage, solche Deppen zu erfinden und uns auf unsere Kosten vorzuführen.

Hier sind keine ‚Autoren‘ am Werk, es sind vielleicht Szenenbrunzer und Sprücheklopfer (Katholisch is für a Waschmaschine, drei Vaterunser und dann ist wieder gut). Sie verdienen weder Titel noch Entlöhnung von Autoren.

Untertext der Musik: wir machen hier einen penetrant-geilen Film.

Zwang zu Niederniveauanbiederungsbilliglustigkeit: die Tätowierung am Po, der Zusammenhang zum Grundauftrag, der demokratische Grundauftrag des öffentlichen Rundfunks nur zu erahnen als Verwechslung: Grundauftrag heißt, den Unterhosen auf den Grund gehen, gell Frau Siminonescu und Frau Metz, des hams sicher tscheggt.

Oder was für Deppen müssen die neuen Nachbarn sein, die für eine kleine Topfpflanze, die sie im Garten einsetzen wollen, gleich ein ganzes Massengrab ausheben? Was ist das für ein Menschenbild? Geht es hier wirklich einzig und allein um Unglaubwürdigkeit? Das sollte die Redaktion uns Zwangsgebührenzahlern bittschön mal erklären, was das mit dem demokratischen Grundauftrag zu tun hat.

Und wo ist überhaupt der Herr Intendant, dem wir so ein schönes Gehalt bezahlen, wo ist der abgeblieben? Hallo Herr Wilhelm, wo sind Sie? Wir sparen uns das Geld für die Rundfunk-Zwangsgebühr vom Essen ab und werden mit solcher Einfaltskost abgespeist; fällt Ihnen nicht auf, was für katastrophal-depperter Mist hier gebaut wird? Haben Sie überhaupt eine Ahnung, was für Personal Sie beschäftigen? Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit würden wir von Ihnen schon erwarten, da wir Sie ja so generös entlohnen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Ponykacke.

Hier wird vorgeblich dokumentiert, wie eine Julia mit Hilfe ihrer Freundin Christine zwei Mitbewohner für eine frisch renovierte 220-m2-Wohnung in einem Bauernholzhaus in Feldkirchen bei München sucht. Es ist das Haus ihres Vaters, der ihr diese Wohnung zur Verfügung stellt.

Eine Sendung von ätzender Langeweile. So eine Sendung hat nichts im undemokratisch zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu suchen. So einen Bericht kann heute jeder selber aufnehmen und auf youtube oder vimeo oder jeder Menge sozialer Netzwerke posten. Und käme bestimmt spontaner, ehrlicher und unterhaltsamer rüber.

Hier erfährt der Rundfunkzwangsfinanzierer, der sich die Zwangsgebühr womöglich von einem kargen Haushaltsbudget abknapsen muss, einmal mehr gar nichts über die Rahmenbeindungen der Sendung, darüber, ob diese Szenen im Nachhinein nachgestellt worden sind, ob die Kandidaten ein Geld dafür bekommen, ob wirklich alle Kandidaten, die sich gemeldet haben, hier vorkommen, überhaupt, wie Kandidaten und Vermieter ausgesucht wurden. Das Publikum mal wieder für dumm verkauft, Fernsehen nach einer Ideologie aus den 50er Jahren.

Fernsehen, das überhaupt nur in einem Pfründenstadel zustande kommen kann. Das an den Haaren herbeigezogene Sendeformat wird von den Produzenten redaktionsmundgerecht formuliert, um an die begehrten Pfründengelder zu kommen. Es geht hier nur um das Abschöpfen von Geld aus dem 8-Milliarden-Zwangsgebührenpot. Mit dem demokratischen Grundauftrag des Fernsehens – und auch nicht mit einem allfälligen Unterhaltungsauftrag – hat dieses Format nichts am Hut.

Das Stroh der dummen Kommentare würde besser dem Pony unterlegt, das auf den für die Fernsehaufnahmen sauber gewischten Hof kackt, statt es den eh erwartbar wenigen Zuschauern vorzudreschen.

Drehbuch und Kommentare lassen nicht auf einen Ansatz kritisch-geistiger Durchdringung der Materie schließen, dieser Subventionsauswuchs bewegt sich in einer Region geistiger Kalmen – für die Demokratie fatal.

Die Pfründenconnection besteht hier aus dem Namen Gernstl (Jonas), bestens implantiert im BR, die redaktionelle Verantwortung für diese überflüssige Investition von Zwangsgebührengeldern trägt ein Redakteur namens Ulrich Gambke (der kürzlich schon bei Bayern erleben als verschnarcht aufgefallen ist), für dessen Lohn und üppige Altersversorgung wir auch noch aufkommen müssen.

Die Redaktion sollte offen Auskunft geben über das Zustandekommen dieses Sendeformates und warum der Auftrag an Jonas Gernstl vergeben worden ist; ob das Format vorher ausgeschrieben worden ist bei interessierten Produzenten, ob es einen Wettbewerb gegeben hat, um dem Zuschauer, wenn schon, die bestmögliche Sendung zu bieten.

Abgesehen davon, dass WG-Zimmer für 370 und 350 Euro dem Münchner Mietmarkt Hohn sprechen, das ist eine Zuschauerverarsche sondergleichen. Hallo, wo bleibt da unser von uns super bezahlter Herr BR-Intendant, fällt ihm sowas nicht auf?

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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Der Wolf und die Frauenleiche im Bergwald.

Aus einer italienischen Serie mit vielen Autoren (Mario Ruggeri, Francesca de Michelis, Enrico Oldoini, Salvatore Basile, Andreas Valagussa), einem Regisseur (Enrico Oldoini) und Terence Hill als reitendem Bergewaldförster und Zugpferd.

Die Kamera versucht krampfhaft ab und an Bilder zu schießen, in denen Terence Hill den Kopf ruhig hält und ins Leere starrt, damit seine berühmten, kristallklar-blauen Augen zur Geltung kommen – sonst rast sie gerne an einer Drohne übers Gebirge.

Als deutsche Synchronstimme haben sie dem ehemaligen Bud-Spencer-Buddy eine angekränkelte Apothekerwerbestimme unterlegt. Der Hairstylist versucht Hills Resthaar sorgfältig und gerecht über den leeren Scheitel zu verteilen.

Die Serie spielt aus Gründen der Tourismus-Werbung in Innichen in Südtirol. Dafür gibt’s auch mal einen Satz im Tiroler Dialekt.

Die Gemeinde ist besiedelt von mickrigen Figuren und Schicksalen, die nicht gerade gelaufen sind. Die Polizei ist im Gebäude der Forstwächter einquartiert, damit Konflikte angedeutet werden können.

Ein neuer Polizeikommisar, der die Raumspanne nach Süditalien ausdehnt, ist aus Neapel eingetroffen, wohin er mit seiner Marcella skypt.

Die Autoren haben sich außerdem eine diffuse Gemengelage zwischen Tier- und Menschenmedizin ausgedacht, indem es im Dorf offenbar nur eine Veterinärin gibt.

Die Inszenierung ist holterdiepolter; nicht lange grübeln, in die Szene marschieren, Text abliefern und die schönen Frauen vorher perfekt schminken – und den Terence Hill sauber bräunen … und Fels und Pferd und Wolf, Förster hoch zu Pferd und zweifelhafte Menschenfiguren, Natur, Bergsee, Hütte und illegale Hund-Wolf-Kämpfe dazu der neue Kommissar mit Heuschnupfen und roten Flecken.

Hill ist nur noch ein Schatten seiner selbst, im Vergleich zu den Bud-Spencer-Filmen; er sieht frustriert aus, in sein Gesicht haben sich wenig glückliche Furchen eingegraben. Die deutsche Synchro dieser Wildererschmonzette mit dem einschläfernden Musikscore (zähflüssige Sauce) ist billig und lieblos, die Figuren nach ungenauen Schablonen flüchtig gestanzt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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Noch in der Routine entwickelt dieser Wien-Krimi einen morbiden Charme.

Um eine Wasserleiche aus dem Donaukanal herum schreibt Verena Kurth eine ordentliche, nicht verhirnte Geschichte, die Andreas Kopriva mit Leichtigkeit inszeniert.

Über die Aufklärung gibt es Einblicke in die Leben verschiedener Menschen, ihrer Beziehungen, ihres vorgeblichen Glücks in der Ehe, ihrer Unruhe bei der Partnersuche.

Angelika Schnell (Ursula Strauss), die titelgebende Chefermittlerin, hat die Fährnisse eines Kommissarlebens kennengelernt, sie hat einen Bauchschuss zu verarbeiten und zu heilen, sie geht leicht traumatisiert durch die Aufklärung des Falles, der als eine wichtige Informationsfundgrube einen Dating-Club einsetzt; nicht ohne Wonne stürzen sich die Ermittlerinnen in das Dating-Leben – und werden dort zu Stimmungskillerinnen.

Auch die Umgebung des Opfers muss näher untersucht werden; keine Happy-Verhältnisse, in denen die ermordete Fluglotsin lebte, die ein Kind hinterlässt und einen Ex-Mann, der sie stalkt. Aber auch Dr. Stefan Schnell (Andreas Lust) hat einen Trauerfall zu verarbeiten; hier schwebt die Beziehungsfrage zur Schnell in der Luft, denn er kann erstmal bei ihr unterkommen. So sind alle menschlichen Verhältnisse nah am Wasser gebaut und können leicht auch dort enden.

Sommerkost, bei der als Garnitur Weisheitssätze abfallen wie, Ein paar Jahre noch, dann ist das große Glück auch vorbei. Oder: Dann auf einmal wird das alles Alltag, merkst du, dass du nicht nur den Menschen an deiner Seite verloren hast, sondern vor allem dich selber.

Die Kommissarin kämpft psychisch mit den Folgen des Bauchschusses, hat momentweise Absenzen, lächelt sich drüber hinweg, versprüht wie frisch getankt gnadenlos ihren Charme als sei sie nicht von dieser Welt, was ihren Skeptizismus den Aussagen von Befragten gegenüber nicht mindert.

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Planet Mül.

Ein Traumort im Windschatten der Zeit mit einem wunderbaren Zusammenhalt. Ein Ort, von dem keiner weg will, Aufbaustimmung und Boom, nachdem aus dem Kohlebergbau ein See gemacht worden ist, der sich vom verächtlich verspotteten Weiher zur Touristenattraktion entwickelt hat.

Alles ist hier Friede, Freude, Eierkuchen. Für alle fällt etwas ab. Ein Flüchtlingsproblem gibt es hier nicht, Minderheitenprobleme gibt es hier nicht, Außenseiterprobleme gibt es hier nicht. Es gibt kein Integrationsproblem, kein Drogenproblem, kein Alkoholproblem, keine Beziehungsprobleme, keinen Neid und kein Mobbing und keine Mordanschläge. Ein Ort, aus dem es keine Geschichten zu erzählen gibt, außer Erfolgsgeschichten, wobei dieser Erfolg eine Geschichte hat: das Ende des Bergbaus. Geschichte auch ist die Nachbarsgemeinde Wackersdorf. Das ist lange her.

Alles, was an hässlicher Politik die Nachrichten füllt und die Gemüter beschäftig, der Euro, die Immobilienblase, die Flüchtlinge, eine Schicht, die aus der sozialen Teilhabe rausfällt, Armut, alles das gibt es in Steinberg am See nicht, hier gibt es nur glückliche Familien, erfüllte Jugendlieben, glückliche Heimkehr nach Weltreise, Aufbau eines Alpakahofes, es gibt einen Ponyhof, glückliche Pensionsbesitzer, einen prima ehemaligen Bürgermeister, der Kinderfußballtrainer ist. Es gibt Burschenschaften, die allfällige Energieschübe ungarer Jugend prima zügeln. Kurz: ein Musterbeispiel von Demokratie, das reibungslos funktioniert.

Diese Ortschaft in der Oberpfalz scheint der real gewordene Traum des Planeten Mül aus Luc Bessons neuestem Film Valerian (die Wasserskianlage und der Alpakahof, das Gasthaus Fenzel, die Pension Pfeffer und die Segelschule, das sind die Transmutatoren, die Perlenscheißerchen).

Steinberg am See ist eine ideale Ortschaft, angepriesen von der Dokumentaristin Dominique Klughammer. Unter den schläfrigen Augen von BR-Redakteur Ulrich Gambke wird hier wie in einem Propagandafilm aus DDR-Zeiten das Bild einer Ortschaft schön geschrieben.

Leider vergessen Filmemacherin und Fernsehredakteur den Grundauftrag des öffentlicht-rechtlichen Rundfunkes: Wahrerin der Demokratie zu sein. Die Propagandistin vergisst ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass es sich hier – so wie sie den Ort schildert – um ein Musterbeispiel von Demokratie handelt, einen Modellfall von einem gleichberechtigten Zusammenleben aller, davon, dass keiner unter die Räder kommt, keiner diskriminiert wird, keiner zur Seite gedrängt wird in Steinberg am See. So wirkt dieses Fernsehprodukt wie eine staatliche Berichterstattung aus der Geisteshaltung eines diktatorischen Systems, das sich für unfehlbar hält.

Man kann sich leicht vorstellen, wie diese Dokumentaristin hofiert worden ist vor Ort, damit der ja gut dasteht im Fernsehen.

Verwunderlich ist schon, dass Dominique Klughammer diesem unermesslichen Glück nicht näher auf den Grund geht, da die Region ja offenbar einen Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben der Menschen gefunden hat, dass die Dokumentaristin sich mit den Ansprüchen eines Hochglanzwerbeprospektes für die Regionalwerbung zufrieden gibt oder ist sie etwa vom Tourismusverband engagiert worden? Das sollte dann allerdings kenntlich gemacht werden.

Hier gibt es nur Menschen, die den Zusammenhalt am Ort bewundern, echt ein Demokratiemodell, einzig die Familie mit dem Polizisten, der unter der Woche in München arbeitet, die habens ein bisschen schwer, aber nicht so, dass es das Glücksbild dieser einmaligen Ortschaft trüben könnte.

Über dem von Glück und Erfolg überquellenden Werbeprospekt lullt eine Routinemusiksauce und eine Sterilsprecherstimme mit Placebowirkung den Restverstand des Zuschauers ein.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers für unzulängliche Dokumentation.

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Lustig und keck ist das Lied, das die Tochter Louisa unserer Protagonistin, der preisgekrönten Autorin Ariela Bogenberger, zum Ausklang zur Gitarre singt. Das ist Problem- und Existenzbewältigung über das Medium der Kunst.

Die Mutter macht etwas anderes in den ausführlichen Interviews mit Petra K. Wagner (Redaktion: Claudia Simionescu, Petra Felber, Fatima Abdollahyan). Sie breitet ihren seelischen Müll vor uns aus. Das ist zwiespältig.

Da ist einerseits die Info über die Sekte des Schweizer Psychiaters Samuel Widmer und dessen Psycholyse (Behandlung mit Drogen), in deren Hände Frau Bogenberger geraten ist. Nach eigenem Bekunden hat sie da fast 20 Jahre versucht, etwas zu reparieren, was gar nie kaputt war und dafür hat sie auch noch 100’000 Euro auf den Tisch geblättert. Dazu gehörten tantrische Übungen, über die sich hier zu unterhalten sie nun nicht gerade der Hit findet. Der Guru, der ist nur an Kohle interessiert.

Es ist spannend zu hören, wie sie erzählt, wie sie da reingerutscht ist in den Zustand der Indoktrination, der ein Hinterfragen desselben hermetisch ausschließt. Wie sie ihr Leben normal weiterführte, denn es handelte sich ja immer nur um Seminare, Wochenenden, Workshops etc, sie sei in so einer Gruppe. Nie hätte sie sagen könnnen, Leute, ich bin in einer Sekte gelandet. Oder man sagt, man macht eine Reise, man meditiert, nie aber hätten sie gesagt, sie nehmen Drogen.

Interessant ist sicher auch, wie die Erkenntnis, dass was faul sei im Staate Samuel Widmer allmählich an Boden gewinnt, wie raffiniert aber die Mechanismen in der Sekte sind, zu verhindern, dass ein Sektenmitglied so etwas formuliert oder gar Außenstehenden gegenüber äußert.

Andererseits macht Frau Bogenberger, deren Öffnung der Öffentlichkeit gegenüber zu respektieren ist, den Eindruck eines tief verunsicherten Menschen. Von dem aussgehend, dass sie nicht mehr wisse, selbst zu entscheiden, was gut und was nicht gut für sie sei, denn das hat immer die Sekte übernommen. Dann erzählt sie doch schweren Herzens über ihre Familie, Künstlerbackground und auch schlimme Erlebnisse ihrer Tochter, Unfälle mit Todesnähe, unendlich viele Pflegleistungen; zu schweigen vom selbst erlebten Missbrauch.

Das ist das, was einen vielleicht wahnsinnig machen kann an so einer Übung, dass sie einerseits ja loskommen will von dieser Dauervivisektion der Seele, die die Sekte betreibt, dass sie aber auch durch das Reden darüber, das Problem möglicherweise irgendwie bewältigt, andererseits aber just in der Interviewsituation weiterbetreibt, was den unangenehmen Eindruck erweckt, die Chose sei noch lange nicht ausgestanden. Auch mit den Kärtchen und den Begriffen drauf, mit denen sie an einem Tisch hantiert, erweckt sie den Eindruck, sie wühle noch in dieser kaputten Seelenhistorie.

Da scheint die Tochter mit dem Griff zu künstlerischen Mitteln einen geschickteren Umgang mit den Problemen gefunden zu haben. Denn das ist in der Psychologie wohl anerkannt, dass Kinder die unverarbeiteten Traumata der Eltern übernehmen. Spezielle Untersuchungen zu dem Thema gibt es auch im Hinblick auf holocaustgeschädigte Familien. Wie das noch in der zweiten und dritten Nachfolgegeneration fortwirkt, das als Nebenbemerkung.

Erfreulich sind solche seelischen Mülleimerausschüttsituationen nicht. Die Frage ist, ob das Thema mit derselben Protatogonistin fruchtbarer und erfreulicher zu transportieren wäre, als sie just in die Interviewsituation zu stecken; wobei sie selber sagt, sie wolle auf gar keinen Fall beim Kochen gefilmt werden. Irgendwie scheint es, als führe sie die Sektensituation eins zu eins öffentlich-rechtlich fort, als könne sie nicht loslassen.

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Spät-Spätlese.

Die letzten Zeitzeugen aus der Nazidiktatur sterben aus, Täter, Opfer, Widerständler.

Katrin Sybold hatte aus dem Kreis um die Weiße Rose Menschen ausfindig gemacht und befragt. Sie hatten nach der Ermordung der Geschwister Scholl weitergemacht. Sie hatten Texte aus Reden von Thomas Mann, die sie über BBC empfangen konnten, mitgeschrieben, sie hatten Flugblätter getippt und abgeschrieben und verdeckt weitergegeben. Es waren höchst riskante, lebensgefährliche Aktionen.

Das Naziregime schien panische Angst vor solchen Texten zu haben. Um Hans Leipelt sammelten sich vor allem Studenten und Uni-Professor Wieland, Nobelpreisträger, deckte sie. Hans Leipelt wurde Ende 1944 in Donauwörth, damit es kein Aufsehen erregt, zum Tode verurteilt.

Andere Flugblattverteiler/innen kamen ins Gefängnis. Leipelt wurde Ende Januar 45, also nur wenige Monate vor Kriegsende enthauptet. Die Filmemacherin Katrin Seybold verstarb 2012. Ula Stöckl hat aus deren Material nun diesen Film gemacht, eine Art Spät-Spätlese letzter Zeugen.

Es sind Ausschnitte aus den Interviews, die Seybold über Jahre geführt hat. Es gibt schon einen Vorgängerfilm von 2008 (Die Widerständigen). Die Frauen und Männer erzählen von den Umständen, unter denen sie diese Flugblätter hergestellt (auf Reiseschreibmaschine und mit gerade mal zwei Durchschlägen) und weiterverbreitet haben (persönlich oder per Brief), von ihren Verhaftungen, Gefangenschaft, Gerichtsurteilen und vom Chaos des Kriegsendes.

Wenn man etwas die Nachrichten aus der Welt verfolgt, so ist schockierend, wie weit verbreitet staatlicher Meinungsterror auch heute noch ist: Russland, Türkei, Syrien, Saudi-Arabien, China, die Liste ist beliebig fortzusetzen der Länder, in denen allein Journalisten im Gefängnis sitzen – wegen Angsthasen von Staatschefs wie Putin, Erdogan, Assad, Al-Sisi …

Allerdings ist es heute wohl einfacher, Texte in die Welt zu setzen und zu verbreiten. Viel ist über die sozialen Medien zu lesen gewesen im Zusammenhang mit dem Aufruhr in den arabischen Ländern. Aber all diese Bewegungen scheinen noch nicht stark genug. Und auf, dass es bei uns nie wieder so weit kommt, sind solche Erlebnis- und Handlungsberichte aus dem eigenen Lande unverzichtbar und müssen immer wieder gezeigt werden. Das ist im Sinne eines demokratisch verantwortungsbewussten öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

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