Archiv für die Kategorie: “TV”

Ach, was sind die beim Bayerischen Fernsehen unflexibel, in diesem Fall Autorin und Regisseurin Birgit Eckelt unter der redaktionellen Aegide vom Christiane von Hahn.

Sie planen Lebenslinien zu einer der sicher besten bayerischen Schauspielerinnen mit dem Wenigsten an Stargetue, zu Ilse Neubauer. Denken sich aus, was sie dabei machen und zeigen und recherchieren können, denken sich aus, dass sie einen Sprecher brauchen, der kommentierende Texte spricht, denken sich aus, dass sie zu dem Haus in den Bergen fahren, in welchem Ilse als Kind mit ihrer strengen Mutter, der bösen, älteren Schwester und dem kaum vorhandenen Vater eine Zeit lang gewohnt hat.

Sie fahren in ein Internat in die Schweiz, in welchem Ilse einen Teil der Schulzeit verlebte, suchen die Freundin Petra Perle in ihrem kuscheligen Wollladen auf, ist ja nicht unsympathisch, lassen den Kollegen Gert Anthoff über sie reden, den BR-Regisseur vom misslungenen falschen Siebziger, ihren eigenen Sohn auch, der soll doch seine Fotokunst präsentieren können.

Sie hecken aus, dass sie Ilse im Garten ihres Hauses in der Ludwigsvorstadt zeigen, beim Radeln durch die Stadt, am Bahnhof, in einem Kiosk, wühlen in Fotoalben von Ilse, picken sich, wohl nicht mit allzuviel Arbeit verbunden, einige Szenen aus Filmen heraus, sind bei ihrer Geburtstagsfeier im Hinterhof-Pflanzenasyl dabei, so glauben sie, ordentliche und typische „Lebenslinien“ herzustellen.

Dann interviewen sie sie noch direkt in die Kamera. Lassen sie erzählen. Da stellt sich heraus, was für ein direkter Mensch Ilse Neubauer ist, wie sprudelnd sie erzählen kann, wie gerade heraus sie über die Zustände in ihrer Familie berichtet, über ihre eigene Entwicklung, wie spannend sie schildern kann; da müssten doch die Filmemacher und die Redaktion aufgehorcht haben, müssten gecheckt haben, dass all der brave, öde Beifang drum herum verblasst, den sie schulisch gedankenlos produziert haben, und dass dieser den Eindruck der Lebenslinien verwässert, dass es vollauf genügt hätte, Ilse erzählen zu lassen, ohne jeden Kommentar drüber, Fotos einblenden, zwischendrin einige markante Filmausschnitte; aber nee!, die Fernsehleute in ihrer bornierten Dusseligkeit bemerken nicht, was für ein Goldstück sie vor sich haben, arrondieren es mit Blech, schieben Dienst nach Vorschrift, peinlich und unverzeihlich, versauen sich ihr Juwel.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Hat der alte Gernstl vor Jahrzehnten mit einer originellen Idee das Fernsehen belebt, indem er mit einem Ton- und einem Kameramann in einem VW-Bus einfach über Land losgefahren ist, um Entdeckungen zu machen, ein System, das sich inzwischen korrumpiert hat und zu netten Rentnerreisen in schöne Gefilde (Kalifornien) mit alle Viertel Stunde Essens- und Getränkdegustationen verkommen ist, startet Sohn Jonas statt durch die reale Geographie durch seine virtuelle Facebook-Landschaft.

Da sind Überraschungen zum Vornehrein auszuschließen, denn die Menschen präsentieren sich ja selbst schon dauernd. Er wird auch gar nicht alle seine 665 Freunde vorstellen. Das Prinzip ist ähnlich wie bei seinem Papa. Es wird überwiegend ein PR-Streifen für jüngere Mittelständler oder Kleinunternehmer, es geht um die Generation kurz über 30, die alle Erfolg haben.

Diese Geschichten dominieren den Film und werden in trendiger Manier ineinander verzopft. So wird der Streifen zum Marketinginstrument – und hat damit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren – für einen Szene-Koreaner und einen Caterer aus Berlin, zwei Naturerlebnis-Anbieter, eine Möbelladenbetreiberin, den Schöpfer eines Modelabels, einen DJ und Betreiber mehrerer Discos, eine Bildbandautorin und Kriegsberichterstatterin – sie alle gewinnen gegen ihre Mitbewerber durch ihren Fernsehauftritt einen Wettbewerbsvorteil.

Die Frage liegt in der Luft, wie lange dauert es, bis dem Filmemacher das erste Essen kredenzt wird. Kaum gestellt, da ward es nach wenigen Minuten schon so weit. Hielt sich dann aber in Grenzen bis zum Szene-Koreaner.

So wirken die Fragen nach dem Glück und der Life-Balance alibihaft, um der PR-Dominanz im Film einen humanen Touch zu geben. Und ebenso alibihalber wird ein einziger Arbeiter ausführlicher befragt. Zum Schluss gibt es einen knappen Roundup mit weiteren Freunden: einer, der den Feinkostladen seines Vaters übernehmen will, eine Frau, die Kinder erziehen will, jemand mit einem Reisebüro für Gehörlose, ein Spielerberater, eine Künstlerin, ein Performerin, ein Filmemacher. Und ein Cutter, der unfallweise Vater geworden ist und einer seiner Jungs stellt kecke Fragen.

Selbsterkenntnissatz aus dem Film: Das wird gesendet und nachher ist es nichts mehr wert.

Der junge Gerstl hat vom alten Gerstl durchaus sympathische Elemente geerbt, diesen grüblerisch-skeptischen Blick auf die Welt, auch dieses ausgestellte Außenseitertum; der junge will immer vergleichen und kommt sich minderwertig vor, wird aber gleichzeitig vom Vater auf seine privilegierte Situation hingewiesen, damit meint er wohl die Verpfründung mit dem BR (Guerillaköche), hat durchaus etwas Anrührendes. Aber immer weniger wird ersichtlich, wieso so ein Streifen noch ins öffentlich-rechtliche Fernsehen gehört, was er da zu suchen hat und ob es außer den Mitwirkenden und deren Freunden überhaupt jemanden interessiert.

Der Titel ist irreführend, die Zahl mag für seine Facebookfreund stimmen, aber er stellt hier nur eine ganz kleine, einseitige Auswahl vor.

Der BR selbst preist den Beitrag in seiner täglichen Zeitungsannonce an als „ein selbstironisches Generationenporträt der 30-Jährigen“ – und die Erde ist eine Scheibe; von Ironie keine Spur (und die SZ säuselt deshalb einen, ebenfalls ironiefreien, lieblichen PR-Vorbericht auf der Medienseite – immerhin scheinen sich die professionellen SZ-Filmkritiker geweigert zu haben). Für diese verzerrende Werbung werden wir vom Staat gezwungen, Zwangsgebühr vom bescheidenen Haushaltsbudget abzuknapsen, damit uns die Zeitungen auch noch suggerieren, das sei was für uns. So wird der Bürger doppelt beschissen. Die Relationen stimmen längst nicht mehr. Hier läuft gerade einiges gravierend aus dem Ruder.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Bescheidenheit

ist eine Devise von Daniel Barenboim. Aber nicht im Anspruch an die Kunst.

Dieser Fersehfilm von Sabine Scharnagl (Redaktion Bettina Häusler) über den berühmten Dirigenten und Pianisten hat eine prima Gewichtung mit einem gut genießbaren Verlauf.

Zuerst geht es um das politische Denken Barenboims. Die verfahrene Situation im Nahen Osten treibt ihn, den Israeli, der auch die palästinensische Staatbürgerschaft (nebst der argentinischen und der spanischen) hat, um. Er weiß, mit klassischer Musik kann er den Frieden nicht herstellen. Aber mit seinem Orchester des west-östlichen Diwans, das Musiker aus aller Herren Länder, vor allem des Nahen Ostens vereint, hat er es immerhin bis zu einem Konzert in Ramalla geschafft; das war 2005.

Ein weiterer Einstieg in den Film ist der ovale Konzertsaal von Frank Gehry der Akademie in Berlin, der Barenboim eine Herzensangelegenheit ist. Durchaus auch politisch gedacht.

Nur über menschliche Brücken, die in einem Orchester automatisch entstehen, kann Verständnis geschaffen werden. Aber die politische Situation in Israel/Palästina hat sich drastisch verschlechtert. Jetzt kann Barenboim gerade einen Workshop im kleinen Kreis in Ramallah geben. Heute dominiert dort die Verzweiflung.

Barenboim hält nicht mit Kritik an der israelischen oder palästinensischen Regierung zurück; er versteht nicht, wieso kaum einer in Israel auf die Idee kommt, dass die palästinensische Gewalt etwas mit der Besetzung zu tun haben könnte; aber er schürt keine Feindbilder. Da könnten sich viele ein Beispiel nehmen. Wenn mehr Menschen so dächten wir er, auch wenn nicht jeder ein grenzüberschreitendes Orchester gründen kann, aber wenn jeder in seinem Bereich auch nur ansatzweise so über den Tellerrand seines Berufes hinaus denken würde wie er, könnte sich vielleicht doch mehr bewegen auf der Welt.

Nach der nahrhaften politischen Message wendet sich der Film der Biographie zu. Barenboims Anfänge in Buenos Aires (die ersten 9 Jahre), das er als eine tolerante Stadt lobt. Seine Zeit als Wunderkind – sowohl als Dirigent als auch als Pianist – die ihn schnell nach Europa und dann nach Israel führt, wo er zehn Jahre lebt.

Dann die Weltkarriere. Um endlich in Buenos Aires vierhändig mit der anderen weltberühmten argentinischen Pianistin Martha Argerich zu spielen. Und auch den Tango spielt er.

Seit 25 Jahren ist er in Berlin als Dirigent der Staatskapelle. Jetzt am 3. Oktober war Wiedereröffnung der Staatsoper unter den Linden mit dem Perlenfischer von Bizet in der Regie von Wim Wenders.

Sabine Scharnagl nutzt viele Gelegenheiten, um Barenboim direkt in die Kamera erzählen zu lassen und seine Gedanken mit dem Zuschauer zu teilen; sie fügt wohldosiert nur wenige Statements von anderen Musikern, Sängern, Funktionären ein und auch Archivausschnitte aus Film und Foto setzt sie sparsam ein.

Scharnagl schafft es, ein spannendes und plastisches Porträt dieses Menschen zu schaffen, der selbst hinter der Kunst zurücktritt, der aber auch sagt, dass er Glück gehabt hat, der dieses Glück unermüdlich packt und vor nichts mehr Angst hat als vor Routine – dann würde er sofort aufhören. Einen Satz, der in Biopics oder Lebenslinien nicht allzu oft vorkommt. Aber Barenboim ist ein ganz Großer, hors classe. Weil er selbst so bescheiden ist.

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Lebenslinien als Klatschpostille.

Hera Lind war und ist offenbar heute noch eine Figur der Klatschwelt. Sie ist es gegen Ende des letzten Jahrtausends geworden wegen ihres Erfolges als Autorin, sie galt als das Superweib, wie auch einer ihrer Bestseller-Romane hieß. Auf den Höhenflug folgten Absturz und Shitstorm. So wie die Klatschwelt sie hochgejubelt und hofiert hat, so goß sie nun Dreck über sie (weil sie den Vater ihrer vier Kinder, mit dem sie nicht verheiratet war, für einen Traumschiffkapitän verlassen hat). Das trieb sie an den Rand des Selbstmordes.

Diese Lebenslinien von Beatrice Sohnhüter (Buch) und Stefanie Illinger (Regie) und Christian Baudissin (Redaktion) gehen offenbar davon aus, dass ihr Zielpublikum das weiß und versuchen diese Klatschstory fortzuschreiben, zu zeigen, wie Herlind Wartenberg, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, das Tief überwunden hat und sich heute als noch superer Superweib präsentiert, sie hat jetzt alles erreicht, ist sowohl erfolgreiche Sachromanschriftstellerin (Spiegelbestsellerliste) als auch erfolgreiche Altistin als auch glückliche Ehefrau und Mutter von vier glücklichen Kindern. Und sie hat sich für ihre und ihres Gatten Urne bereits eine Grabstelle mit Aussicht über Salzburg gesichert. Wenn das keine Aussichten sind, nicht auszumalen, wenn das nicht auf Zwangsgebührenzahlers Kosten verbreitet und breitgetreten würde – die Folgen für die Demokratie sind nicht auszudenken.

Mit diesen Lebenslinien hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine weitere Chance vertan, sich Legitimität durch Besinnung auf den Grundauftrag zu verschaffen. Es hätte sich hier trauen können, genau zu eruieren, wie diese Klatschgeschichten zustande gekommen sind, ihren Mechanismus und das Zutun des Promis selber. Wer die Öffentlichkeit in die Privatgemächer einlässt, der darf sich nicht wundern, wenn die sich darüber das Maul zerreißt. Das Öffentlich-Rechtliche macht solch ätzendes Tun mit inklusive Wühlen in den Fotoalben der Kindheit und Begehen von Stätten, an denen das Promilein mal Pups oder Pieps gemacht hat, das ist ein Tun, was auf enormes Einsparpotential hinweist. Niemand braucht dieses „Wissen“ für die Demokratie.

Hier geht es nur um Geschäft, um das Branding eines literarischen Namens im Interesse aller, die damit Geld verdienen. Denn auf eine inhaltliche Evaluation des Werkes der Autorin verzichten die Lebenslinien; warum die Bücher eventuell wichtig sein könnten im Hinblick auf demokratierelevante Schnittmengen.

Stattdessen gibt sich der BR her als treudoofer Handlanger von Verlagsinteressen.

Rote Karte des Zwangegbührenzahlers!

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Wer ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt, sagt der Talmud.

Mit diesem Zitat endet diese Dokumentation von Dominik Wessely zum 85. Geburtstag der Shoa-Überlebenden Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Müchen und Oberbayern.

Mit diesem Zitat könnte mitten in alle aktuellen Kriege hineingegangen werden, könnte Kritik geübt werden an allen Staaten, die Aggression verüben, die kollateral Zivilisten töten, wie die Israelis Palästinenser, wobei der Satz genauso auf den palästinensischen Terror anzuwenden wäre.

Ein Satz, der zum Frieden aufruft. Er findet seinen Anlass im Gedenken an Kreszentia Hummel, eine fränkische Bäuern, bei der Charlotte Knobloch als Kind den Holocaust überlebt hat.

Sonst kommt der Satz eher unvermittelt, ist so nicht aus der 90-Minuten-Sendung abzuleiten, die sich vielleicht zuviel vorgenommen hat (Redaktion: Matthias Eggert und Werner Reuß): sowohl einen Kurzabriss der Scheußlichkeiten und Ungeheuerlichkeiten des Dritten Reiches, der systematischen Judenverfolgung mit Archivfootage und etwas merkwürdigen, teils unbeholfenen Animationen inklusive Nachkriegsentwicklungen zu bieten als andererseits auch das Leben von Frau Knobloch zu skizzieren.

Sie erzählt direkt in die Kamera. wie sie diskriminiert wurde in der Schule, wie sie plötzlich nicht mehr zur Schule durfte, wie in München in aller Öffentlichkeit das jüdische Leben, das hier eine jahrhundertealte Tradition hat, elminiert, zerstört, deportiert, ausgelöscht wurde.

Die Skizze aus ihrem Privatleben springt über die Rückkehr nach München nach dem Krieg über Auswanderungspläne zur Liebe und Gründung einer Familie, kommt schnell zur ersten Euphorie über den 6-Tagekrieg in Israel, das jetzt als Siegerstaat dasteht und die Studentenbewegung auf die andere Seite treibt, springt zu Benno Ohnesorg und die verhängnisvolle Vermischung von Israelkritik und Antisemitismus, auf die aber auch nicht präziser eingegangen wird.

Gleich geht es um die Entwicklung der israelitischen Kultusgemeinde in München, der Schock des Anschlages auf das Gebäude in der Reichenbachstrasse 1970. Und schon fällt die Mauer, damit ergibt sich eine neue, jüdische Fluchtbewegung von hinterm ehemaligen Eisernen Vorhang aus nach Deutschland.

Auf die Probleme, die das für die jüdischen Gemeinden bringt, wird kaum eingegangen. Aber das habe den Bau der Synagoge in München verzögert, der schließlich gelang. Kurzanskizziert ist auch Knoblochs Weg an die Position der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde.

Eine Hommage im Sinne der Porträtierten und ohne Stolpersteine.

Die Sprecher sind ganz offensichtlich bemüht, nichs falsch zu machen und geben damit zu verstehen, dass eben immer noch nicht viel Selbstverständlichkeit darin besteht, so ein Porträt zu machen. Der späte Sendetermin widerspricht diesem Eindruck nicht.

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Militärs sind Schweine,

das ist vielleicht die allgemeine Erkenntnis, die aus diesem Magazinmampf, den der BR wohl auf irgendeiner TV-Ramschmesse eingekauft hat und nun mit Placebo-Sprecherstimmen entschärft seinen Zuschauern verabreicht, das ist vielleicht der Gehalt, der den Beitrag im Rahmen des Grundauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes für den Zwangsbeitragszahler irgendwie interessant machen könnte, dass Militärs Schweine sind.

Denn was interessiert den Zuschauer in Deutschland Unrecht, was die US-Armee Bewohnern einer kleinen Karibik-Insel angetan hat – und das vor über 20 Jahren?

Doch halt, der Beitrag hat auch für Deutschland Brisanz: denn auf Vieques hat die Deutsche Marine laut Wikipedia „im Rahmen der Ausbildungsunterstützung durch die US-Marine regelmäßig Landzielschießübungen auf der Schießbahn auf Vieques durchgeführt.“

Insofern betrifft dieser Beitrag auch den deutschen Fernsehzuschauer – allerdings wird das in diesem Film von Max M. Mönch nur so nebenbei erwähnt. Was haben die Deutschen da geübt? Haben die auch Experimente mit Giftgas veranstaltet, haben die auch zur Verseuchung mit Schwermetallen beigetragen? Haben deutsche Soldaten selbst womöglich solche Teile in sich aufgenommen und sind später an Krebs erkrankt? Das sind Fragen, die dieser Beitrag umschifft. Warum wurde nicht die mediengeile deutsche Verteidigungsministerin befragt?

Dann fragt sich allerdings, was so ein Beitag auf Zwangsgebührenzahlerskosten hier soll; gibt es nicht genügend Unrecht im eigenen Land, was hier ständig geschieht, wo Behörden sich mies aufführen? Was muten sie den Bewohnern allein an Feinstaub und Dieselemmissionen zu, was die erlaubten Richtwerke weit überschreitet.

Wozu also so einen Mischmaschbeitrag, der noch dazu ständig mit bedeutungsvoller Klassikmusik aus dem Regal unterfüttert wird, über ein Unrecht, was zwar ein halbes Jahrhundert lang begangen, aber seit 20 Jahren vorbei ist, wo allerdings die juristische Aufarbeitung noch im Gange ist?

Der Jurist John Arthur Eaves, Jr. setzt sich für die Belange der Inselbewohner ein, für Entschädigungen für die Inselbewohner im Milliardenbereich als Kompensation für die Gesundheitsschäden als Folge der skrupellosen Verhaltens des Militärs und der ebensolchen Skrupellosigkeit der staatlichen Gesundheitsbehörde, die den Experimenten die gesundheitliche Schadlosigkeit bescheinigt hat.

Die Rede ist von der US-Armee, von der Navy, von Experimenten mit Giftgasen und chemischer Kriegsführung. Bis 2003 hat sie die Sau rausgelassen auf der paradiesischen Karibikinsel Vieques – ohne Rücksicht auf Verluste. Militärs sind Schweine.

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Das Konstrukt: zwei Zehnjährige, Schulfreunde, Blutsbrüderschaft, irgendwo in der DDR in Grenznähe. Zwei konträre Familienhintergründe. Freds Familie ist proletarisch und stramm sozialistisch. Die Familie von Jonas lebt vornehm, will ausreisen, ist gläubig christlich. Der Ausreisewunsch der feinen Familie stellt die Freundschaft auf eine Probe. So ist das theoretisch modellhaft gedacht – und selbstverständlich fernsehredaktionskorrekt. Aber auch staubtrocken museumshaft.

Auch bleibt die Inszenierung von Dirk Kummer, der mit Bert Koß das Drehbuch geschrieben hat, papierhaft, die Dialoge bleiben theoretische Konstrukte frei erfundener Menschen, die nur Modellfunktion für die Theorie haben. Es wirkt so, als sei die Geschichte fürs Belehrmuseum erfunden oder so präpariert, dass auch Fernsehredakteurinnen das verstehen können, hier Claudia Simionescu (BR), Christine Strobl (ARD/DEgeto) und Stephanie Dömer vom (MDR), die dank unseren Zwangsgebührengeldern sicher schön mit Balkon wohnen und viel Vanillepudding essen, ihre Jobs sicher haben und uns solche Filme mit Papiermenschen und einem Aalglatt-Oneclick-Cast zumuten.

Fernsehen nach der Theorie aber nicht nach dem Leben. Oder für den quälenden Schulunterricht, damit die Kinder Begriffe wie Sozialismus und Christentum, Ernst Thälmann und Biermann ventiliert bekommen. Aber auch Australien und etwas über den Bumerang und die Aborigines, die Antipoden (und die beiden Jungs sind so strohdumm und fangen an, ein Loch durch die Erde zu graben – der Autor will uns damit demonstrieren, wie begrenzten Horizontes doch DDR-Jungs waren), Thema Grenze, Ausreise, Olympiakader, Glaube, Dissident, Erbauer des Kommunismus, Ideale des Kommunismus, Impressionen von der Sport-Kaderschule.

Die mangelhafte Personenerfindung im Drehbuch von Dirk Kummer und seine ebensolche Regie führen allerdings dazu, dass die Inszenierung den emotional-empirischen Nachvollzug und das Verständnis für die verbratene Theorie unmöglich machen, dass Kummer den Beweis für seine Theorie (pardon, welche?, dass die Sportausbildung in der DDR super war?, dass Olympiakader ein lohnenswertes Ziel ist?) schuldig bleibt. Insofern ein Film grau wie alle Theorie, ein unzulänglicher Fernsehfilm, dessen einzige Existenzberchtigung in der Erfüllung von Redaktionskriterien und dem Recht auf Zugriff auf eine Gage aus dem Zwangsgebührenhaufen zu bestehen scheint.

Nach dem Drama um Jonas, das viele Fragen offen lässt, nach etwa einem Drittel des Filmes, spielen die Erwachsenen zusehends bedröppelt, um den Film auf ein schnulziges, hoffnungs- und zukunftsfrohes Ende hinzudrehen. Verzuckert von penetrant nerviger Süßmusik.

Weiterer Hinweis auf den Drehbuchdiletanttismus: die häufige Verwendung der Frage, was los sei, was passiert sei.

Der DDR-Leistungsport wird als etwas Naturgegebenes, Gutes genommen. Er ermöglicht das Reisen in die Welt. Kritisch hinterfragt von wegen Staatsdoping wird er nicht. Naiver Zugang.

Mutti, ich brauch die Pille.
Übertreib nicht.
Das steht in der Bravo drin.

DDR-Bub: Für solche Haare würde ich Deine Mutter heiraten.
Anderer DDR-Bub: Aber meine Mutter kannst Du nicht heiraten, Ihr seid ja nicht in der Kirche.
DDR-Bub: Für solche Haare würde ich auch in die Kirche gehen.

(Bumerang) Australien… das ist eine ganz andere Welt.
Ist das besser als Sozialismus?

Weißt Du, was ne Seele ist?
Es gibt Geist und es gibt Seele.
Geist ist, was du über Mathe lernst und Seele, was du dabei fühlst.

Fred, was machst Du da?
Ich bete.
Jonas Mutter sagt, jeder Mensch glaubt an was.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Das Staatsfernsehen unter Oberaufsicht der Kammerzofe Redakteurin Stephanie Heckner (BR) steigt mit Glacehandschuhen und Mundschutz, bildlich gesehen, in das anrüchige Milieu der Pornofilmerei hinab, in die Massensexverfahren namens Gangbang oder des Bukkake.

Dieses Milieu wird dargestellt von einem abtörnenden Steifcast in Grobschauschpielerei. Die Kommissare, die mechanisch wirken, müssen pausenlos desinfizierendes Moralin über die Pornographie und den Gruppensex verströmen. Wie schlimm das doch sei. Nur der kleine Kalli darf aufklären, dass der Pornoumsatz in Deutschland sehr groß sei und also offenbar ein Bedarf darnach bestehe.

Philip Koch (Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben, Outside the Box, Picco), der mit Bartosz Grudziecki auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt einen Staatsanwalt in einen Mord in diesem Milieu verwickelt werden. Wie igitt. Seine Tochter wird nach einem Dreh mit Gangbang-Szenen ermordet aufgefunden.

Koch erzählt das ganz seriös im Step-by-Step-Verfahren ausgehend von der Leiche und die Kommissare tappen vorerst im Dunklen. Ja, sie arbeiten sogar vor lauter Ehrfurcht vor dem furchteinflößenden Milieu fast überbedacht und eine Nutte darf den schönen Satz sagen, dass die beste Art, Sex abzugewöhnen sei, beim Porno zu arbeiten.

Das Staatsfernsehen tut sich offensichtlich schwer mit so einem Milieu, sollte die Finger davon lassen – Gruppensex ist kein Staatsakt; auch die Schauspieler tun sich schwer mit den knarzigen Dialogen. Es fehlt offenbar an exakter Milieustudie der Autoren. Ihnen ist die Staatsmoral, dass Porno dreckig und anrüchig sei, wichtiger, etwas, wovon man bittschön die Finger lassen soll.

Sex darf kein Spaß machen. Kammerzofenmoralin in Tatortwolle verpackt. Das kommt bleifüßig daher. Trotzdem müssen ein paar Schüsse Pornodreh gezeigt werden, doch Staatspornokanal, das wäre eine Idee, wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt – der Bedarf ist doch da, warum sollte man ihn nicht in der Grundversorgung festschreiben?

Doppelmoral: mit spitzem Mündchen ‚i‘ zu sagen über einen Gegenstand, ihn aber unaufhörlich in Händen halten, ihn vorführen und auf Quote hoffen. Offenbar haben alle guten Schauspieler mit Urteilsvermögen nach Lektüre des Drehbuches abgesagt. So ist geblieben, was geblieben ist.

Schauspielerinnen können merkwürdigerweise nur ganz selten glaubwürdig Nutten und Pornodarstellerinnen mimen – dabei ist der Beruf doch reichlich nuttenhaft. Immerhin, da ist beim Tatort Verlass, etwa zehn Minuten vor Schluss rasen Polizeiautos mit Blaulicht und Sirenen dahin, wo der Fall gleich aufgeklärt wird. Da, wo einen schon grad gar nichts mehr interessiert.

Die Filmemacher brüsten sich mit vorgeblicher Kenntnis: Schneeflittchen und die miesen Zwerge wird zitiert und alibihalber wird Außer Atem einem pornographischen Zusammenhang zugeordnet von einer ungebildeten Figur.

„Diese besudelten Gesichter, ist das sowas wie das Markenzeichen?“
„Unsere Tochter ist tot, und du ziehst dir die Scheiße rein“.
„Hochseriös, so a Hauer-Produktion“.

Rezept: Man nehme im Staastsfernsehen etwas Verrurfenes, lasse dort einen Mord passieren und dann dürfen die Kommissare als Reiseleiter, Aufklärungs- und Moralonkel den unbedarften Zuschauer mit scheinheiligen Kommentaren und naserümpfend durch das Milieu führen.

Nach der englischen Opernarie am Anfang wird am Schluss ein deutsches Lied drübergehauen. So ist alles wieder kulturell in trockenen Tüchern, die ganze Schande der Pornographie und Staatsfunk-Kammerzofe und Moralgouvernante Heckner kann was Sauberes abliefern – glaubt sie.

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Kindern kann man ja alles vorsetzen.
Folge 1: Der Wunsch vom Fliegen.

Hier wird das Träumerische, Versponnene der Geschichte von Nils Holgersson verhunzt. Die Autoren Gert Verhülst und Hans Bourlon (Deutsche Bearbeitung: Petra Barthel, Katharina Bese; Regie: Petra Barthel) schreibt ihm dumme Texte zu und die werden dann auch noch platt und ungepflegt synchronisiert und mit Billigmusik unterlegt.

Das Ganze sei außerdem in 3D, hier am Rechner wurde mir das wenigstens erspart. Es scheint sich mehr darum zu handeln, eine längerfristige Abmelkung von Gebührengeldern in Gang zu setzen mit dieser lieblosen auf 52 Teile zerdehnten Selma-Lagerlöf-Schnorrerei, die durch plumpe Erweiterung des Figurentableaus und Entkernung der Nils Holgersson-Figur möglich gemacht werden soll.

Diesem Missbrauch von Zwangsgebührengeldern haben von ARD/BR-Seite Monika Gröller und Andreas M. Reinhard Tür und Tor geöffnet. Sie verwechseln sich mit dem von ihnen geförderten Synthetic-Nils-Holgersson und sagen wohl von sich „Ich bin so was von genial“, wie kann man so einen Satz einem träumerischen Jungen in den Munde legen: das heißt doch, Buchautor Cyril Tysh, der nach dem Storyboard von Sarah Amrani gearbeitet hat, hat die Figur überhaupt nicht verstanden, da hätten vielleicht die Regisseure Xavier deBrouker und Pierre-Alain Chartier besser abgelehnt, den Dämlich-Schmarren noch zu inszenieren. Aber, wenn das Gebührengeld lockt.

Ich bin sowas von genial, meine neueste Erfindung.
Verdammt, ich muss ihn aufhalten.
Ich brauch hier dringend Unterstützung, Hilfe.
Du bist ein Held Marti.
Auch dem Jungen gebührt Dank, was für ein Gespann.
Es wird spät heute
Muss sich um alles kümmern
Beeilt euch lieber, damit ihr den Zug nicht verpasst,
Bis heute abend,
Endlich allein, ich kann machen was ich will
Ich scheuch sie mal ein bisschen durch die Gegend, das wird lustig
Ha ha ha, ha ha ha
(lacht wie die Hexe in Hänsel und Gretel).
Hau ab, husch husch.
Der neue Flieger ist super, jaaa.
Ich bin sowas von genial, meine neueste Erfindung, der Propellerdrachen, kapiert ihr das nicht
und er kann fliegen weit weg von hier.
Wer Deine Hilfe nötig braucht, dem verwehre sie nicht.
Oh nein, so ein Mist, der Fuchs, jetzt hab ich echt ein Problem.
Auch dem Jungen gebührt Dank, was für ein Gespann.
Warum zögerst Du Matti, Du hast wahrlich nichts zu verlieren.

(was für steife, unlebendige Texte!) Plump, unpoetisch, richtig doof-blöd erzählt. Dazu reizlose, einfältige Zeichnungen in dümpeliger Gartenzwergästhetik (des Elfen). Null Bildungsinput. Null Geschmacksbildungseffekt, von der abwesenden sprachlichen Schulung für das Kinderohr ganz zu schweigen, BilligSynchro wie schlechtes Kindertheater.
Figurzeichnung Nils: ein rechthaberisch, arroganter Kerl, kein Sympathieträger, von der Zeichnung her immerhin Routine im Standard von ‚aufgeweckter Bub‘.
Hinterwäldler-Ästhetik. Schwach gezeichnet. Lieblos. Pfuschig. Ohne jeden Pfiff, ohne Humor, bierdimpfelige Animation. Ramsch-Ästhetik.

Doofer Song zu plumper Bäh-bäh-Musik:
er ist verzaubert,
er ist ein Held
der kleinste Junge auf dieser Welt
kann einfach reden
mit einem Tier und
er kann fliegen weit weg von hier.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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DIE STADT IST FÜR ALLE DA
ZIVILER UNGEHORSAM GEGEN UNRECHTSGESETZ

Es geht um Widerstand gegen eine Gesetzgebung, die dem natürlichen Rechtsempfinden widerspricht und welche in diesem Falle Familien, die keine Wohnung haben, die Kinder wegnimmt und in staatliche Obhut gibt.

Dieser Film von Laszlo Bihari (Dramaturgie: Sandor Szöke, Rdaktion SWR/ARTE: Bernd Seidl) porträtiert die ungarische Aktivisten-Gruppe „Die Stadt ist für alle da“ in ihrem Einsatz für Obdachlose.

In Ungarn stehen 400’000 Wohnungen leer, aber Zehntausende von Menschen sind obdachlos. Sie dürfen nicht auf der Straße leben, das ist gesetzlich verboten. Wenn eine Familie obdachlos wird, so werden ihr von Staates wegen die Kinder weggenommen und in Heime gegeben. Dagegen wendet sich der Widerstand der Aktivistengruppe.

Der Film kann auch gesehen werden als ein Lehrbeispiel für passiven Widerstand und zivilen Ungehorsam. Und dass durchaus etwas zu erreichen ist. Zwar nicht immer. Bei Parlamentarieren dürfen die Aktivisten erst nach lächerlichem Verfahrenshickhack sprechen, aber das Parlament lehnt eine Änderung dieser menschenunwürdigen Gesetzgebung ab. Immerhin erreicht die Gruppe für einige Obdachlose die Chance, in heruntergekommenen Häusern zu wohnen, wenn sie renovieren.

Diese Gesetzgebung verstößt gegen das gesunde Rechtsempfinden der Menschen. Es ist eine Unrechtsgesetzgebung. Vielleicht ist im ehemalig kommunistischen Ungarn das Rechtsempfinden gerade bezüglich Obdachlosigkeit stärker ausgeprägt als bei uns, denn im Kommunismus gab es das Phänomen nicht.

Aber die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt wird auch bei uns immer krasser, ein immer größerer Teil des Einkommens vieler Leute geht für die Miete drauf, diese steigen in den Himmel – und das hat auch bei uns mit der Gesetzgebung zu tun; insofern ist die Dokumentation auch für uns von Interesse.

Es gibt inzwischen in München eine Gruppierung von Aktivisten, die sich des Themas Wohnungsnot annimmt. Der Staat reagiert sonderbar, wie kürzlich zu lesen war, dass eine fingierte Hausbesetzung dazu geführt hat, dass der Staat ein SEK von 80 Mann losgeschickt habe – gleichzeitig hat eine Münchner Stadtratsdelegation sich in Zürich informiert und dort gehört, wie positiv sich die Hausbesetzungen auf die Stadtentwicklung ausgewirkt haben. Oder in München vor einiger Zeit die Guerillaaktionen von Goldgrund, die den Bau von Luxuswohnungen im letzten Moment verhindern konnten.

Unrechtsgesetzgebung, die gegen das Rechtsempfinden spricht, auch bei uns: die Finanzierung des Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk mittels Haushaltszwangsgebühr, die ein Umverteilungsmotor im Lande ist, die zu Lasten der Einkommensschwachen und zu Gunsten einkommensstarker Haushalte geht – immerhin ein Betrag von um die 9 Milliarden Euro! Das ist „eines liberalen Staates unwürdig“, wie in der NZZ zu lesen war (Michael Schönenberger in der internationalen Ausgabe vom Samstag, 16. September 2017).

Wobei eine Sendung wie diese zwar dieses Unrecht nicht aus der Welt räumt, aber Wege zu einem passiven Widerstand und ziviliem Ungehorsam aufweist und insofern einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut ansteht. Aber dass die Sendung um Mitternacht herum versteckt wird, das ist wiederum oberpeinlich.

Antwort einer Aktivistin von „Die Stadt ist für alle da“ auf die Frage „was ist Ihr Job?“ – „Schwarzarbeit!“

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