Archiv für die Kategorie: “TV”

Spät-Spätlese.

Die letzten Zeitzeugen aus der Nazidiktatur sterben aus, Täter, Opfer, Widerständler.

Katrin Sybold hatte aus dem Kreis um die Weiße Rose Menschen ausfindig gemacht und befragt. Sie hatten nach der Ermordung der Geschwister Scholl weitergemacht. Sie hatten Texte aus Reden von Thomas Mann, die sie über BBC empfangen konnten, mitgeschrieben, sie hatten Flugblätter getippt und abgeschrieben und verdeckt weitergegeben. Es waren höchst riskante, lebensgefährliche Aktionen.

Das Naziregime schien panische Angst vor solchen Texten zu haben. Um Hans Leipelt sammelten sich vor allem Studenten und Uni-Professor Wieland, Nobelpreisträger, deckte sie. Hans Leipelt wurde Ende 1944 in Donauwörth, damit es kein Aufsehen erregt, zum Tode verurteilt.

Andere Flugblattverteiler/innen kamen ins Gefängnis. Leipelt wurde Ende Januar 45, also nur wenige Monate vor Kriegsende enthauptet. Die Filmemacherin Katrin Seybold verstarb 2012. Ula Stöckl hat aus deren Material nun diesen Film gemacht, eine Art Spät-Spätlese letzter Zeugen.

Es sind Ausschnitte aus den Interviews, die Seybold über Jahre geführt hat. Es gibt schon einen Vorgängerfilm von 2008 (Die Widerständigen). Die Frauen und Männer erzählen von den Umständen, unter denen sie diese Flugblätter hergestellt (auf Reiseschreibmaschine und mit gerade mal zwei Durchschlägen) und weiterverbreitet haben (persönlich oder per Brief), von ihren Verhaftungen, Gefangenschaft, Gerichtsurteilen und vom Chaos des Kriegsendes.

Wenn man etwas die Nachrichten aus der Welt verfolgt, so ist schockierend, wie weit verbreitet staatlicher Meinungsterror auch heute noch ist: Russland, Türkei, Syrien, Saudi-Arabien, China, die Liste ist beliebig fortzusetzen der Länder, in denen allein Journalisten im Gefängnis sitzen – wegen Angsthasen von Staatschefs wie Putin, Erdogan, Assad, Al-Sisi …

Allerdings ist es heute wohl einfacher, Texte in die Welt zu setzen und zu verbreiten. Viel ist über die sozialen Medien zu lesen gewesen im Zusammenhang mit dem Aufruhr in den arabischen Ländern. Aber all diese Bewegungen scheinen noch nicht stark genug. Und auf, dass es bei uns nie wieder so weit kommt, sind solche Erlebnis- und Handlungsberichte aus dem eigenen Lande unverzichtbar und müssen immer wieder gezeigt werden. Das ist im Sinne eines demokratisch verantwortungsbewussten öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

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Die Produzentenallianz (Allianz Deutscher Produzenten – Film & Vernsehen e.V.) veröffentlichte am 30. Mai ein Positionspapier mit 12 Forderungen an die Politik.

In Punkt 1 geht es um die Sicherung der Rundfunkzwangsgebühr. Die Produzentenallianz schreibt:
„So ist eine der grundlegenden Forderungen des mit über 240 Mitgliedsfirmen maßgeblichen filmpolitischen Produzentenverbandes in Deutschland, das für die Vermittlung demokratischer Werte zentrale öffentlich-rechtliche Qualitätsangebot von ARD und ZDF durch eine ausreichende Finanzierung zu sichern.“

Die Produzentenallianz spricht sich also aus für eine absehbar massive Zwangsgbührenerhöung zur Finanzierung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkes (die Gerüchte gehen von über 10 Prozent aus). Sie begründet die Forderung mit der Vermittlung demokratischer Werte. (Hier ein Beispiel für die Vermittlung demokratischer Werte durch den BR).

Mein Einwand: Eine massive und offenbar längst geplante Erhöhung der Haushaltszwangsgebühr bedeutet: noch mehr Ungerechtigkeit in der Lastenverteilung zur Finanzierung dieses demokratischen Gemeinschaftswerkes, eine undemokratische Finanzierung, die zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht.

Durch die massive Zwangsgebührenerhöhung wird sich die Zahl der Haushalte, die Mühe haben, das Geld für die Zwangsgebühr aufzubringen, erhöhen, denn es handelt sich um einen absoluten Betrag, egal, ob ein Haushalt 300 Euro im Monat zu Verfügung hat oder 100′ 000 Euro.

Es soll jetzt schon über vier Millionen Haushalte geben, die nicht bezahlen oder nicht bezahlen können. Einkommensschwache Haushalte, und just deren Einkommen können mit der Erhöhung der Lebenshaltungskosten am wenigsten Schritt halten, das ist immer wieder zu lesen, werden also die Erhöhung deutlich stärker spüren als besser gestellte Haushalte.

Meiner Ansicht nach ist das Gesetz zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes ein Unrechtsgesetz, da es die einkommensschwachen Haushalte zur Finanzierung diese demokratischen Gemeinschaftswerkes weit überporportional belastet und die einkommensstarken Haushalte überproportional entlastet, was nicht im Sinne der Demokratie ist, zu der doch jeder Haushalt nach seinem Vermögen beitragen soll.

Oder soll das Gerechtigkeit sein, dass Rentner, die einkommensmäßig gerade so über der Grundsicherung liegen, Konsum- und Kultur-, wenn nicht gar Gesundheitsverzicht üben müssen, um die Zwangsgebühr aufzubringen, nur damit alte Säcke von Rundunkpensionären noch mehr Kohle kriegen, mit der sie nicht wissen wohin? Was hat das noch mit Demokratie zu tun?

Sind denn bei der Produzentenallianz lauter Dumpfbacken, dass keiner bemerkt, dass sie mit ihrer Forderung nach massiver Erhöhung der Rundfunkzwangsgebühr noch mehr Ungerechtigkeit in unser Land bringen, dass ihre Forderung mithin undemokratisch ist? Ist da nicht einer drunter, dem die soziale Unausgewogenheit des Rundfunk-Zwangsfinanzierungsmodells nach Prof. Paul Kirchhof auffällt?

Wenn der Produzentenallianz ernst ist mit ihrem demokratischen Auftrag und wenn sie ihre ja gut gedachte Mitwirkung dabei ernsthaft aufrecht erhalten will, so sollte sie sich zuallererst und dringendst für eine demokratisch akzeptable, gerechte Finanzierung dieses großen und wichtigen Gemeinschaftswerkes, einem über 8-Milliarden-Topf, einsetzen.

So aber ist zu befürchten, dass mit der absehbar massiven Erhöhung der Zwangsgebühr und der damit einhergehenden Vergrößerung der sozialen Ungleichheit im Lande die grundsätzliche Diskussion über die Existenz just dieses Rundfunkes – besonders angesichts der breiten Verfügbarkeit von Information auch ohne diesen – deutlich an Fahrt gewinnen dürfte mit unabsehbaren Folgen auch für die Produzenten, die sich in der Allianz zusammengeschlossen haben.

Die Produzentenallianz beruft sich für ihre Geldforderung auf ihre demokratische Funktion. Aber just mit dieser Forderung treibt sie einen weiteren Riss in unsere Demokratie, der im Finanzierungsgesetz für den Rundfunk angelegt ist und der mit jeder Zwangsbeitragserhöhung größer wird, der die Last für die einkommensschwachen Haushalte immer unerträglicher macht.

Ist das nicht einem der Mitglieder der Produzentenallianz aufgefallen?

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Liebesspielverderber.

Marika und Anke sind ein Paar. Marikas Traumberuf war schon im Kindesalter, Religionslehrerin zu werden. Sie ist ein Mensch, die ihre Ideen durchsetzt. Sie hat das studiert, hat von der katholischen Kirche die Missio Catholica, die Erlaubnis zur Erteilung von Religionsunterricht, erhalten. Die feierliche Überreichung dieses Dokumentes in einer Kirche kommt in diesen schwungvollen Lebenslinien von Michael Schmitt (Redaktion Christian Baudissin) in einem Archivausschnitt vor.

Später wird diese Übergabeszene noch einmal eingespielt werden. Dann rückwärts. Denn die katholische Kirche – man möchte es inzwischen schier nicht mehr glauben, in welcher Erstarrung die offenbar dahindümpelt – schaut genau in die Unterwäsche und unter die Bettdecke ihrer Mit- und ohne Glieder. Und wenn sie entdeckt, dass unter einer Bettdecke zweimal das gleiche Geschlecht sich paart oder was auch immer, dann steigt in ihr die Zornesröte hoch, dann verbannt sie diese Menschen, entzieht ihnen die Missio Catholica und die Kommunion dürfen sie auch nicht mehr empfangen.

Noch haarsträubender daran ist, dass die Kirche im Einklang mit dem deutschen Grundgesetz handelt, wie ein Antwalt für katholisches Kirchenrecht dem Dokumentaristen offenbart.

Raffiniert an diesen Lebenslinien von Michael Schmitt ist, dass sie nicht zornig sind. Schmitt hat sich anstecken lassen vom fröhlich-gelassen christlichen Wesen von Marika; er berichtet dieses Unfassliche als etwas immer noch Normales. Was es peinlicherweise genau noch ist.

Es war auch klug von Marika, sich nicht in die Opferrolle hineindrängen zu lassen. Dem Entzug der Lehrerlaubnis ist sie zuvorgekommen, indem sie diese selbst zurückgegeben hat zu dem Zeitpunkt, an dem sie ihre Partnerschaft mit Marika nicht mehr verheimlichen wollte. Sie hat auch vorgesorgt für den Verlust des Faches und sich heimlich Lehrkompetenz in Geschichte angeeignet.

Fazit: Marika dürfte das Idealbild einer Christin sein, gläubig, lebensfreudig, bestimmt keine schlechte Lehrerin; und just sie wird von der Kirche bestraft, weil sie mit einer Frau zusammenlebt. Offenbar bestraft da die Kirche sich selbst am meisten.

Schmitts Film gewinnt eine weitere Qualität nicht nur durch die gute Auswahl seiner Protagonisten (dazu die Mutter von Marika und ihre Bruder), sondern auch dadurch, dass sie sich gut – wie eine Bemerkung der Mutter durchblicken lässt – auf die Gespräche vor der Kamera vorbereitet haben.

Rosa von Praunheims Satz, dass nicht der Homosexuelle pervers sei, sondern die Situation in der er lebt, hat hier von seiner Brisanz nichts verloren. Sollte eine Partei für den Bundestagswahlkampf das Thema Gerechtigkeit auf ihre Fahnen schreiben wollen, so lagert hier knallige Munition.

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Münchner Ennui.

Offenbar inspiriert vom Fall Gurlitt und offiziell nach einer Novelle von Henry James („The Aspern Papers“), die Markus Busch als Anregung für sein mehr Schwach- denn Sach- oder Drehbuch verwendet hat, ergeht sich Regisseur Dominik Graf mit einem erlesenen Schauspieler-Ensemble, das gediegene Langeweile verbreitet, in bunten wimmelbildhaften München-Impressionen aus bekannten und unbekannten Aspekten, aus allerlei Gesellschaftsschichten, Wohn- und Arbeitsverhältnissen, aus Touristen, Puff, Hochwasser, Wäscherei, Apotheke, Atelier, Friedhof und modernen Bürobauten und bei diskret einschläfernder Barmusik, die das Öde-Petete dieser Bildverschwurbelung Münchens noch unterstreicht.

Der Plot, der höchst wackelig eingeführt wird, ist der, dass Philipp Keyser (Friedrich Mücke) in einem Bürohochaus einen Termin hat. Er meldet sich im ebenerdigen Empfang. Die Dame dort sagt, auf jenem Stockwerk, auf welchem er angeblich einen Termin habe, sei niemand mehr. Aber sie lässt sich seinen Ausweis geben und begründet es damit, dass sie neu sei hier.

Ob das jetzt Realität im Sinne Dominik-Grafscher Beobachtunsgabe ist oder mehr Irrealität im Sinne Grafscher Imagination, sei dahin gestellt.

Die Niemande hoch oben, das sind eine Reihe von gut in die Jahre gekommenen Damen und Herren. Sie haben Keyser bestellt. Wer sie genau sind, wollen sie nicht Herrn Keyser und will der Drehbuchautor uns nicht verraten. Aber sie kennen offenbar Herrn Keyser und referieren auf einen Fehler, den er vor Zeiten begangen hat.

Herr Keyser hat Kunstgeschichte studiert und soll für diese Herrschaften ein angeblich verschollenes Gemälde finden, eines von Ludwig Glaeden, er soll es finden und zurückkaufen. Der Zuschauer erfährt Details über die Zahlungsmodalitäten, die ihn kaum interessieren dürften; Graf dürfte damit seinen Anspruch auf Realismus untermauern wollen.

Das erste Teilchen auf der nun beginnenden, nicht allzu zwingend und nachvollziehbar zu Faden geschlagenen Schnitzeljagd ist das Gerücht, dass ein Magnus Dutt (Ernst Jacobi) der Besitzer sei. Er wird sich als die Gurrlitt-Figur erweisen, über die später, da im löchrigen Drehbuch kein Platz mehr war, im Sinne einer Erzählung noch dies und das zu berichten sein wird.

Zu Dutt selber kann Keyser nicht vorstoßen. Aber das nächste Teilchen erzählt, dass eine gewisse Alma Kufferer (Victoria Sordo), Verwandte von ihm und Künstlerin, den Weg zu ihm öffnen könnte. Es folgen merkwürdige Verfolgungs- und Beobachtungsspiele, bis die beiden sich urplötzlich so verhalten, als ob sie schon lange vertraut sind; dabei spielt deren Freundin Sabine (Emma Jane) eine Rolle. Auch die beiden sind aus heiterem Himmel gleich sehr vertraut.

Da es sich bei diesem Figuren um Figuren unterschiedlichen Geschlechts handelt, lassen es sich Graf und Busch nicht nehmen, von Intimitäten zu träumen. Die Kunst von Sabine, die eine vergängliche Kunst ist, Kunstwerke, die sich selber auflösen (das wünschte man sich für so manchen Fernsehfilm!), gibt Anlass für eine Diksussionsschiene über Kunst und deren Vermarktung.

Schnell geht Keyser in der Villa von Dutt ein und aus wie zuhause. Auch das ist alles andere als schlüssig, wird ad hoc behauptet. Liederliche Erzählung. Sie duscht sich den Kunstdreck weg und er bewundert Chagall. München ödpöte.

Die Dialoge wirken unorganisch, steif, weltfremd und auch gewollt gesetzt, man ist ja im Kunstmilieu. Oft bleibt unklar, wieso sich die Figuren, speziell Sabine, Kufferer und Keyser überhaupt aufeinander einlassen, wobei bei Keyser das Ziel klar ist, was aber in der Realität von Spiel und Inszenierung sich so gut wie nicht vermittelt.

Pack das bloss wieder ein, wie es war.
Aber wenn du vielleicht einfach – eine Weile – bei mir bleibst…
einverstanden
(unklare Motive für Frage wie für Antwort).
Das machen wir alle zwei Monate, Onkel mag keine Putzfrauen.
Du hast so tief in mich hineingeschaut, dass du denkst, sie vor mir beschützen zu müssen.
Ich weiß nicht, ist reiner Zufall, dass ich da bin, ich muss sofort wieder geben.
Oh, Sie bluten, ich bring Sie rauf.
Hast du Angst vor Friedhöfen,
vor dem Tod, Friedhöfe sind ok.
Jetzt hab ich Deine Handynummer.
Ich hab den Schlüssel verloren oder ist noch in der Wohnung,
ich bin die ganze Strecke dreimal hin und hergefahren.
Hast du keinen Erstatzschlüssel,
steckt er vielleicht von innen?
Biene hat mich vor Ihnen gewarnt, sie hat gesagt, Sie sind ein Lump.
Wie ist es denn eigentlich, sehen wir uns jetzt öfter?
Ich bin wachsam, sehen Sie, ich habe gesehen, wie Sie übers Nachbargrundstück gekommen sind.

Wie ein kleiner Kurzfilm wirkt die Riesennummer um einen verlorenen oder vergessenen Schlüssel, was weder story- noch interssefördernd wirkt. Soll damit einmal mehr die Realitätsnähe von Graf verdeutlicht werden?

Bei so einem Film ist es besonders peinlich, wenn schon in den ersten Szenen so viele Namen in die Titel drängen.
Solche ‚Kunst‘ soll sich ihre eigenen Sponsoren suchen, nicht aber Zwangsgebühren abgreifen. Sie wirkt als billiger, thematischer Vorwand, Zwangsgebühren abzugreifen.

Der Film ist nicht triftig genug, als dass es Sinn machte, dass einkommensschwache Haushalte sich dafür die Zwangsgebühr vom ihrem bescheidenen Budget noch absparen müssen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Lass andere (oder gar Roboter) deines Glückes Schmied sein und bezahle dafür.

Die Zutaten des Schnellgeschnetzelten dieses Film entstammen laut Abspann aus: Hebammen-Ausbildung, Geburtsvorbereitung für Paare, Säuglingspflegekurs, Physiotherapie und Wahrnehmungstest, Stationäre Therapie, Scenotest, Humanoid Robotics, Knigge fürs Kids Premium-Seminar, Profilfach Young-Ethical-Social, Neurofeedback-Training bei ADHS, Zentrifugenexperiment, Bremsassistenz-Systeme Prüfstand, Schulweg-Training, PKW-Intensiv-Training, Fahrsimulator, Mental Excellence-Training, Einsatzübungen, Kurs für Ersthelfer, „Handbuch für den Neustart der Welt“ (Probe), „Komm rein“ (Startprogramm für Flüchtlinge), Entwicklungs- und Prüflabor Holztechnologie, Bewerbungstraining, Stressmanagement, „Wer geht gewinnt“, Gewaltfreie Kommunikation, Iyengar Yoga, Indoor Skydiving, Gentleman-Training, Strip Academy, Parkours-Training & Méthode Naturelle, Möbelprüfanlagen, „Der Selbstentwickler“, Perspektive – Ambulante Jugend- und Familienhilfe, Lachyoga, Entspannungscoaching, Dynamische Meditation & Medizinreise, Bundeswehr Ausbildungszentrum Infanterie, Life Kinetik Übungen, Youtube-Tutorial „Minimalistisch Leben“, Suvrival-Grundkurs, Verkaufstraining, Human Branding Workshop, „Die Kunst, Dein Ding zu machen“, überbringen von Todesnachrichten, Mediatorenausbildung, Schauspieltraining für Führungskräfte, Psychodrama-Seminar, Eigensicherungstraining, Einzeltherapie, Tantra-Kurs, Lebenstraining, Ergotherapie, Alterssimulationsanzug GERT, Hospizbegleiter-Rollenspiel, Anamnesetraining, Smartphone für Einsteiger/innen, Spiegeltherapie, Seniorinnen-Gymnastik, Rollatortanzkurs, Vogelkundlicher Kurs, Zentrum für Virtuelle Realität und Visualisierung, Sargbaukurs „Schwierige Kiste“, Bestatterausbildung.

Gesucht: ein Kurs oder ein Trainer, der mir hilft, mit diesem Film von Ralf Bücheler & Jörg Adolph, die sich selbst den Harun-Farocki-Stempel aufdrücken mit dem Hinweis auf die Klonisierung, Remake oder Après-Make von dessen „Leben-BRD“ (1989), zu entziffern und zu verstehen.

…und irgendwann wird nach dem Einatmen kein Ausatmen mehr kommen.

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Im Keller ist besser mit Terpentin arbeiten.

Sie nennen es Satire, mir scheint es lediglich schlecht erzählt und Katzekratzmusik macht auch keine Satire draus.

Der Bürgermeister ist von seinen Handlungen her nach wie vor ein scheußlicher Charakter und von seinem Habitus her ein vereinnahmender Mann. Somit gewissenlos.

Dann kommt eine Schwarzer die Treppe runtergefallen. So eine Scheiße. Derweil wartet der Pfarrer auf seinen aktuellen Lover, dem er früher in der Folge eine Ohrfeige verpasst hat, nachdem sein früherer Lover vor seinem Haus aufgekreuzt ist und er diesen weggeschickt hat (mit diesem abgewiesenen Lover entsteht für einen Moment Empathie). Es kommen vor: eine gefälschtn Urinprobe, Fracking, Bildfälscherei, Friseursalonwunsch und anderen Schnackseleien. Dann schlägt der Bürgermeister wie wild auf einen Heuballen ein oder der Polizist schleppt ihn wie einen Hund am verbundenen Finger ins Polizeiauto. Hannes, das ist noch nicht fertig und du müsstest auch gleich wieder gehen. Manche sprechen Englisch, andere Französisch und einer singt in einer anderen Fremdsprache und wer kokst, der kokst. Dem Bürgermeister seine Trutschen gibt diesem treudoof den Schlüssel für den Raum mit den Wahlurnen (Anstiftung zur Wahlfälschung) und plötzlich hat der Bürgermeister eine Leiche im Auto und sie wissen nicht wohin damit. Und wenn es sonst nicht weitergeht oder der Faden mal wieder verloren ist, dann stellt jemand die dramaturgieschwächenverräterische Frage, was denn hier los sei, was die hier machen. Ganz untergegangen dabei ist die Versprechung aus dem Titel, dass es sich um Wahlkampf handle.

Wirrer, unausgegorener Storywust.

Quintessenz der Serie nach Folgen 1, 2 und 5: über die Behauptung, dass die Dörfler alle korrupt seien, geht der Gehalt nicht hinaus. Das dürfte wohl den einen oder anderen Landbewohner, der dafür noch Zwangsgebühr bezahlen muss, nicht sonderlich erbauen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Ein mäßiges Produkt der TV-System-Reihe Tatort. Fängt verheißungsvoll an mit Bildimprovisationen eines bohème-angehauchten Lebemannes (Martin Feifel als Stararchitekt und Frauenliebhaber Thomas Jacobi). Aber Feifel spielt schon kurz darauf nur noch den potentiellen Mörder, böse, finster, unattraktiv, sehlustmindernd.

Der Fokus des nicht überzeugenden Buches von Katrin Bühlig und der nicht sonderlichen Regie von Rainer Kaufmann liegt auf den Frauen, auf ihrer Attraktivität, auf ihrem Verführungspotential, das hier allerdings durchs Band notleidend ist. An Dorthe Braker hat dafür Frauen besetzt im Spannungsfeld von Schönheitsanspruch und Gestörtheit: eine polyamorine Dauerwelle, eine auf perfekte Schönheit gestylte Friseuse, eine grau wirkende, geblondete Ärztin, ein gestörtes Buschgespenst und eine erstmals federführende Architektin.

Durch diesen Fokus auf die Frauen bleibt das Stammpersonal der Männer von den Verspannungen der Regie verschont, spielt locker und zurückhaltend, der Pathologe verzichtet auf seine Clownereien, Leitmayr und Kalli bekommen sogar eine tragende Rolle (Sofa in den x.ten Stock hochtragen) und Batic insinuiert mit seiner Geliebten den eigenen Tatort-Spinoff.

Die Verwirrgeschichte handelt von toten Frauen und von den nach und nach an den Tag tretenden Liebschaften des Architekten, die empirisch kaum nachvollziehbar sind, denn er versucht den Täter zu spielen und verspielt dadurch sein Verführungspotential. Trotzdem wird seine erfolgreiche Verführungskunst behauptet und bewiesen mit einem schönen kleinen Requisit, einem wie in Glas gegossenen Hologramm seiner Büste.

Und wie 80 Minuten vorbei sind, muss es laut System zu Ende gehen, so wird denn kurz mit einem Beweisstück ein Täter aus dem Hut gezaubert, den man nicht erwartet haben sollte; aber Feifel hat so dick einen auf Ablenkungsmanöver gemacht, dass das nicht überrascht und wie vom Billig-Jakob wirkt.

Das Intro: Verheißungsvoller Lebenskünstler-Impro. Oh, eine interessante Figur in einem Tatort! Ein Typ, mit dem man zusammensein möchte, und dann spielt er ganz was anderes, versucht den Verdächtigen zu spielen. Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Die Intro suggeriert eine Delikatesse, stattdessen wird System-Erzählerei nach Dienst serviert, wobei nicht ganz klar ist, weshalb man sich dafür interessieren sollte.

Die Männer dürfen Kindsköpfe bleiben, können lustige Spiele treiben, beim Einsteigen ins Auto veräppelt Leitmayr Batic. Oder Batic darf ficken.

Erotik im Tatort braucht viel sorgfältig drapiertes Tuch.

Symptomsatz für diesen Tatort: etwas fehlt noch an dem Modell, ich komm nur nicht drauf was.

Gesellschaftliche Relevanz: gleich Null; belanglose Liebesklischees werden anskizziert.
Sehrvergnügen: bescheiden.
Spannung: gleich Null.
Interesse und Empathie an den Gastfiguren: gleich Null.
Im Hinblick darauf, dass es sich um eine zwangsfinanzierte Produktion handelt:

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Korea: Über Bravheit. Oder: ein Aufruf zu zivilem Ungehorsam.
Oder: mit Tränengas gegen Tränen. Und die Lügenpresse.

So viel anders als unser Land ist Südkorea nicht. Es gibt Dinge, denen geht die Regierung lieber nicht auf den Grund und die dominierenden Medien unterstützen sie dabei. Wir würden von Lügenpresse sprechen.

Minsu Park aus Südkorea studiert an der HFF München Dokumentarfilm. Er befassst sich in diesem Film mit dem Fährunglück im Gelben Meer vom 16. April 2014. Dabei starben 304 Personen, die meisten von ihnen Schulkinder. Aber die Regierung weigert sich, die Fähre zu heben, um das Unglück restlos aufzuklären. 9 Leichen sind immer noch nicht geborgen.

Es scheint sich um grob menschliches Versagen gehandelt zu haben aus reiner Profitgier, die dazu geführt hat, dass das Schiff offenbar mit zu viel Fracht beladen worden ist, dass seine Mannschaft aus Leiharbeitern bestand, die von einem Rettungsplan keine Ahnung hatten. Der Kapitän hat bis zuletzt die Parole ausgegeben, die Passagiere sollen im Inneren bleiben, Rettungswesten anziehen und sich ruhig verhalten. Was für viele den sicheren Tod bedeutet hat. Der Kapitän sei als einer der ersten von Bord gegangen. Sicherheitsbestimmungen wurden missachtet.

Minsu Park fängt den Film mit einem kurzen Blick in eine Parlamentsanhörung in Seoul an, in welcher die Aufklärung des Unglücks gefordert wird. Die Sewol ist auch ein Jahr nach dem Unglück noch nicht gehoben.

Dann fährt Minus Park in der Münchner Mäuschendokumanier fort, ist bei Hinterbliebenen, Müttern, Vätern, Geschwistern, bei ihrer persönlichen Trauer dabei. Eine Mutter hat Tage nach dem Unglück den Koffer der Tochter zurückbekommen. Ein Vater tut weiter so, als ob der Sohn noch lebt, kocht Frühstück für ihn, setzt ihn an den Schreibtisch, der zum Gedenktisch geworden ist.

In der Schule ist ein ganzer Klassenraum Gedenkraum. An jedem Tisch sind Fotos der ertrunkenen Schüler und viele Blumen. Eine Mutter und eine Tochter stehen am Meer, werfen Blumen und Süßigkeiten hinein, rufen nach dem Ertrunkenen.

Dann geht Minsu Park mitten hinein in die Katastrophe. Es gibt rekonstruierte Handyvideos, die die Kinder bis zuletzt aufgenommen haben, anfangs fanden sie es lustig, denn die Sewol scheint recht langsam gesunken zu sein. Sie haben schon die Rettungswesten an und halten sich, das wird eine Mutter später reflektieren, diszipliniert an die Verharrens-Anleitung, obwohl das Schiff schon in bedenklicher Schräglage sich befindet.

Es gibt Vidoes vom Helikopter aus. Kaum Menschen, die aus dem sinkenden Schiff hinaus mit den Rettungswesten ins Meer springen oder in die immer zahlreicher werdenden Fischerboote. Es gibt Handy-Gespräche bis kurz vorm Sinken.

Das ist der rebellische Impetus des Filmes, dass die Mutter sagt, wären die Kinder nicht so diszipliniert gewesen, so wären sie vielleicht nicht ertrunken. Der Augenschein der Videoaufnahmen von der Sinksituation gibt ihr Recht.

Da Staat und Medien wenig Interesse an Aufklärung zeigen, sondern die Eltern mit Geldzahlungen zum Schweigen bringen wollen, entwickelt sich eine starke Bewegung der Eltern, motiviert aus dem Verlust der Kinder, denn das Leben ist nicht mehr dasselbe, wenn eine Familie so verletzt wird. Es gibt Demonstrationen und die Polizei greift schnell zum Tränengas gegen die Tränen der Eltern. Es gibt machtvolle Demos und solche, bei denen Eltern, Väter und Mütter sich kahlrasieren lassen. Und regelmäßige Mahnwachen. Oder Trommelkurse für die Mütter.

Die Botschaft ist subtil in dieser Dokumentation: Das Warten und die Disziplin hat den Kindern den Tod gebracht.

Beachtlich ist das Interesse von chinesischen Touristen an den Mahntafeln der Eltern.

Traurig im Hinblick auf das öffentliche Interesse ist die Erkenntnis, dass Korea wie ein Topf sei, schnell heiß und auch schnell wieder kalt. Schicksale, die einen nicht kalt lassen können.

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Aufwändiger Fernsehfilm auf Kosten der Zwangsgebührenzahler und auf Basis aktueller Recherchen entwickelt, wie es im Abspann heißt, der wenig Illusionen lässt und wenig Hoffnung macht mit der Grundaussage: Widerstand ist zwecklos gegen die Korruption, die Pharmafirmen weltweit betreiben im Herstellen von falschen, oft tödlichen Präparaten und die Pharmaindustrie steckt unter einer Decke mit den Banken, der Politik und den Behörden. Depro-Info: 1 Million Tote im Jahr wegen gefälschter Medikamente, aber die Branche (und mit ihr die Poliitk) hält dicht, denn es geht um Milliarden.

Post- und pinupkartenhübsch herausgeputzte Darsteller rasen postkartenschnell in einfach sichtbar gemachten Zusammenhängen um die Welt, Cheb, Tschechien, München, Indien, Frankreich, New York, Zürich sind Spielorte dieses Filmes von Daniel Harrich (Der blinde Fleck), der mit Gert Heidenreich auch das Drehbuch geschrieben hat.

Opfer und Täter werden hier über den familiären Nexus des Münchner Pharmahändlers Günther Kompalla (Heiner Lauterbach), der weltweit auch mit giftigen Medikamenten handelt, und seiner Tochter Dr. Med. Katrin Kompalla (Luise Heyer) zusammengebracht. Sie arbeitet in den Slums von Mumbai mit ihrem indischen Freund, den sie bald heiraten möchte (im Hinblick auf Folkloreeinsprengsel in diesem Wirtschaftsthriller).

Katrin erlebt in den Slums hautnah den Tod einer jungen Mutter mit Tuberkulose aufgrund von gefakten Medikamenten, die von einem Geschäftspartner ihres Vaters in Indien hergestellt und vertrieben werden; da gibt es später eine wüste Szene mit einem fetten, arroganten Apotheker.

Der Film fängt mit einer Europol-Razzia in Tschechien an bei einem Fake-Pharma-Hersteller. Die Figur, die repräsentativ für den Gesetzesvollzug steht, ist die Europol-Agentin Aline Pribeau (Julia Koschitz). Sie führt als Nachforscherin durch die Verwicklungen von Pharmaherstellung, Pharmafälschung, Fälschungshandel.

Diese Nachforschungen rufen weitere Player auf den Plan, denn Pribeau ist recht erfolgreich und kann den Konglomeraten des Schweigens und Betrügens gefährlich werden. Da ist die falsche Schlange von Prof. Dr. Vera Edwards (Maria Furtwängler, deren Oberflächlichkeit hier hervorragend passt), die als objektive Wissenschaftlerin auf der Gehaltsliste der Industrie steht.

In Zürich werden die Banker und Investoren alarmiert und sehen die Chance, Kompalla-Chemie günstig zu erwerben. Durch die Größe des möglichen Skandals gelangt der Fall bis zu den politischen Spitzen in die Gremien in Brüssel und bei der UN in New York. Und hat dort keine Chance.

Damit die Zuschauermassen andocken können und ihre Machtlosigkeit auch begreifen, fallen zwischendrin Sätze wie: ich habe nie einen Vater gehabt oder ich will nur, dass du glücklich wirst.

Ein elegantes Gemälde der Verkommenheit dieser Geschäftswelt. Banken, Pharma, Wissenschaft, die Industriellen und die Banker und die Wissenschaft sind böse, sie wollen keine Budgeterhöhungen gegen Produktpiraterie bewilligen.

Juliette, Sie fahren, bringen Sie uns die Beweise und kommen Sie gesund wieder.

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Grob weitergestottert.

Nichts hat sich gebessert, nichts hat sich geklärt, lauter nicht nachvollziehbare Figuren und Szenen in Findafing in Folge zwei.

Die Story konfust wild hin und her zwischen Erpressung zwecks Enteignungsrückgängigmachung, dubiosem Fleischabfall aus der Ukraine, Toiletten-Vaterschaftstest im Wirtshaus, Flüchtlingsankunft (das Flüchtlingsthema beim Tegernseer Volkstheater mit deutlich mehr Charme und Witz behandelt), Donau Village-Problem, Koks, schlecht gespielten Eheszenen, bösem Geldeinforderer, korrektem Polizisten, den die Ghettobildung beschäftigt, Initiative „Unternehmen geben Flüchtlingen eine Chance“, Goldhammerfleisch, Leuchtturmprojekt, Beichtstuhlszene mit Helm und Katzenmusik und darnach eine Helmabnahmeverwirrszene, Tiefkühltruhe, Konto in Panama, Asylheim mit Biokantine und der Info Alfons hat mit Jackie gschnackselt. Alfons‘ Versageralptraum (aber den Versager spielt er nicht), Verbrennen von nicht klar was, Geldübergabe in blühender Wiese.

Wirrer Storywust. Es bleibt das verdruckste Storypflänzchen im Anskizzierten hängen, nicht ein Vorgang ist nachvollziehbar und somit glaubwürdig gespielt, da werden sie halt handgreiflich, was auch keine Erhellung bringt. Unsorgfältiges Buch, Casting und Regie. Mit Logik kommt man beim Entschlüsseln nicht weiter, mit Fantasie, Ästhetik oder Humor auch nicht, auch die Größe der Ortschaft bleibt rätselhaft, insinuiert wird eher, dass es sich um ein Deppendorf handelt. Nix wird dem Zuschauer exponiert, er soll wohl alles ahnen, fröhliches Storyraten. Oder dann ist es akkustisch kaum zu verstehen, wenn der Bürgermeister mit dem Pfarrer tuschelt. Der Pfarrer hat möglicherweise ein Verhältnis mit seinem Vorgesetzten, das wird anskizziert per Skype.

Manchmal Katzenmusik, manchmal jazzige Ansätze und je konfuser und lahmer die Handlung, desto aufgeregter spielt die Musik zur teilweisen Spukbeleuchtung.

Es ist unzumutbar, dass einkommensschwache Haushalte, sich das Geld für die Zwangsgebühr absparen müssen, damit solch unsorgfältig gearbeitete Ware produziert wird. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist kein Sandkasten. Gerade durch das sozial unausgewogene Finanzierungssystem hat er eine besondere Verantwortung im Umgang mit den Geldern. Davon ist hier nichts zu spüren.

Der Serie wäre ein schneller Exitus zu wünschen mit einer Explosion wie am Ende dieser Folge. Der kann genauso unvorbereitet kommen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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