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Der Pfründenplünderer weitere Folge.

Hier ist das Objekt knuddelig, airstreamig, ein süßer kleiner DDR-Wohnwagen in der Oberpfalz, der Eigenleben entwickelt und erneuert werden soll. Typisch: er stammt aus einer Zeit, als noch Kalter Krieg und das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Tümpel ohne Konkurrenz war; insofern passt er zu dieser Sendung, die wie ein Relikt aus jener Zeit anmutet.

Ansonsten gilt der Befund für die vorhergehenden Folgen 1 von 2016 und 1 von 2017.

Wobei das mit der Anleitung zum Selberbasteln nicht mehr stimmt. Es werden Fachleute zugezogen: ein richtiger Künstler und ein Elektrofachmann. Auch wird viel vom Innenausbau weggemauschelt; insofern hält die Sendung gleich mehrfach nicht, was sie verspricht („do-it-yourself!“).

Frau Milberg fällt vor lauter Ego-Überzeugtheit grad gar nichts ein, deshalb will sie das Wohnwägelchen mit eigenen Bildern bemalen und behauptet, ohne rot zu werden: Die kriegen einen Original-Milberg, unverschämter geht Fernseh-Werbung für die eigenen Kunst nicht; da verfehlt sie auch schlicht das Thema der Sendung: Anleitung zum Selberbasteln – oder sind die Original-Milbergs so simpel zum Selberbasteln? Wie eingebildet muss jemand sein, wie vom Ehrgeiz zerfressen, so was in aller öffentlich-rechtlichen Rundfunköffentlichkeit und im Brustton der Überzeugung zu behaupten, und was werden ernsthafte Künstler sagen, die ums Überleben kämpfen, die sich die Rundfunkzwangsgebühr zusammenkratzen müssen, um so eine dreiste Schnoddrigkeit zu finanzieren? Somit wird Frau Milberg zur Hypothek für den BR. Mit diesem Egobrauch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks treibt Frau Milberg möglichereise der AfD Wähler zu, die als einzige Partei die aktuelle, sozial unausgewogene Finanzierung dieses großen Gemeinschaftswerkes zum Thema macht.

Aber Frau Milberg hat ja keinen Gewerbeschein, wie in der Diskussion zu ersten Folge letztes Jahr geschrieben wurde, was wohl bedeutet, dass sie am Fernsehen ungeniert Werbung für sich und ihre Kunst, machen darf, und wenn sie in der Folge Aufträge bekommen sollte, so rechnet sie diese ohne Gewerbeschein ab und dann hat das auch nichts mit unfairen Wettbewerbsbedingungen zu tun. Kein Wunder, wirkt Frau Milbergs Schauspielerei immer gekünstelter, bei dem dünnen Eis, auf dem sie sich bewegt.

Frau Milberg scheint unentschieden, wie oberflächlich sie ihre Figur in dieser ausgestellten Fröhlichkeit anlegen soll, sie entscheidet sich offenbar für die Tendenz in Richtung alberne Gans: Das ist ja so überraschend hier, das ist ja knallmodern, ich glaub es nicht.

Der reelle, solide Handwerker Wagner dagegen kann einem nur leid tun.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Und da es sich bereits um die dritte Rote Karte handelt: Sperre für die Akteure bis zur Aufhebung der Zwangsfinanzierung des Rundfunks.

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Ein Bildschirm voll substanzarmer Hoffnungslosigkeit,

Abbild einer wenig attraktiven, wenig inspirierenden, wenig verbindlichen, sicher nicht stilbildenden Multikultimischwelt, die ihre Umgangsformen, ihre Attraktivität, ihre Lebendigkeit, ihre Verbindlichkeit gar nicht erst sucht oder hinterfragt, die in unentschiedener, konturloser Formlosigkeit wabert.

So schnell dürfte kaum eine Serie auserzählt sein. Schon in der zweiten Folge dieses Krimis nach Su Turhan, das dünnflüssige Drehbuch stammt wieder von Sascha Biegler, die etwas weniger unbedarfte Regie übernahm Matthias Steurer, scheint so manches auserzählt: der Seidentaschentuchtick des Kommissars, seine scheinheilige Beterei bei Leichen, sein falscher Glaube, sein bereits muffeliger Anzug und auch sein nackter Oberkörper genau so wie seine wenig stinnstiftende Sonnenbrille. Und der hier neu hinzuerfundene Gag des Requirierens von Privatwagen für eine dringende Mission ist so schlecht performed und so abgelutscht, dass er sich schon im ersten Fall von zweien in dieser Folge bereits mehr als übererzählt hat. Dasselbe gilt für den Versuch des Magenknurrens. Ist dieser als Fastenverarsche intendiert? Der Autor scheint unter Ideennotstand zu leiden und wirkt verzweifelt, Eigenschaften für diesen Kommissar zu erfinden, die ihn originell machen sollen. Und dass der scheingläubige Kommissar in Krisenmomenten zum Alkohol greift, billiger geht’s nicht, längst auserzählt.

Weil sie die Integration versemmeln, hangeln sie sich mit einfältigen, abgedroschenen Einfällen von Szene zu Szene und bestätigen somit Klischee und Vorurteil vom Gemüsetürken, statt es zu entkräften.

Nach wie vor gelten die Kritikpunkte von Fall 1.

Heute versucht der Kommissar im Ramadan-Modus zu delirieren, zwischendrin lächelt er souverän – kleines Continuity-Problem.

Es handelt sich um Morde im Brauereimilieu. Kein Grund, sich dafür zu interessieren. Der Kommissar breitet sein unerquickliches Privatleben aus. Das Jacket zieht er nicht mehr so oft an und aus, spielt weniger damit; hat wohl vom Cutter nach der ersten Folge einen Anschiss gekriegt; der Anzug hat seinen Reiz verloren. Einen erstaunlich aparten Sohn hat dieser Zivilpolizist. Dieser Sohn könnte mit der Mitarbeiterin Jale ein TV-Traumpaar abgeben, wenn denn einer ein gscheites Drehbuch schreiben würde. Sonst öde Hoffnungslosigkeit allerorten und die Versöhnung zwischen Kommissar und seiner Ex-Frau ist wie aus dem Ärmel geschüttelt und in keiner Weise nachvollziehbar. Der türkische Autor, mit dem sie zusammen ist, scheint ja kein Depp und bekannt ist er außerdem. Das Leben mit so einem Autor ist bestimmt spannender als das mit einem ungepflegten Kommissar. Dieser wirkt bereits in der zweiten Folge, als ob er unter Burn-Out leidet; man sollte ihn dringend zur Kur schicken.

Und immer noch ist nicht geklärt, womit dieser Kommissar seinen offensichtlich teuren Lebensunterhalt finanziert, er wird doch wohl für seine Kinder, die noch unselbständig sind, Unterhalt zahlen müssen, nebst der bestimmt beachtlichen Miete für die großzügige Altbauwohnung und nebst den teuren Seidentaschentüchern, die er reihenweise zum einmaligen Gebrauch verschenkt oder nach einmaligem Gebrauch entsorgt wie Papiertaschentücher. Schon bei der ersten Position bei Google kann so ein Teil bis zu 50 Euro und mehr – das Stück! – kosten.

Aufklärungsimpetus: der integrationsgeneigte Zuschauer erfährt ein paar Dinge über Ramadan. Und den hält der Kommissar offenbar wieder genau ein, vielleicht, um den Hungereffekt spielen zu können. Sonst gibt es noch eine übertriebene Knallcharge von fränkischer Pennerin und einige gestörte Brauerei-Figuren von Minga-Bräu. Suggeriert wird, dass es sich um feines Brauer-Milieu handle und es um eine Übernahme durch einen türkischen Unternehmer geht. Wobei dann doch alles ganz anders gewesen ist.

Die Figuren sind nach wie vor merkwürdig gehaltlos gezeichnet, die Besetzung wirkt zerfahren und beliebig – vielleicht eine Preisfrage (Politik des Senders: Thema Integration darf nichts kosten?).

Was die gesellschaftliche Relevanz des Filmes anlangt, ist auf Anhieb nicht ersichtlich, ob eine solche da ist, weil weder die Figuren noch ihre Probleme ernst genommen werden. Solch unentschiedener Umgang mit einem so delikaten Thema wie der Integration, lässt allemal offen, ob der Film nun pro Integration oder dagegen gedacht ist. Für einen Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist das, hm, gelinde gesagt etwas fragwürdig.

Einmal regt sich der Kommissar zwar über den Klimawandel auf, aber offenbar auch nur aufgrund seines Fastendeliriums.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Zwei Dinge sind an diesen Lebenslinien über die Ur-Münchnerin und Schauspielerin mit Vorfahren auf dem alten Südfriedhof bemerkenswert. Zum einen, dass sie ihr Kinderstartum, sie bekam schon mit 9 Jahren ihre erste Filmrolle, offenbar unbeschadet überstanden und mit einer kleinen Unterbrechung es seither in 55 Jahren auf um die 140 Film- und Fernsehrollen gebracht hat. Zum anderen, dass sie durch ihre von Helmut Dietl für sie maßgeschneiderten Rolle in den „Münchner Geschichten“ zur Fernsehgeschichte gehört.

Außer ein paar kurzen Hinweisen auf die Kinderstarzeit, gibt es noch gruselige Ausschnitte und Statements zum Polizeiruf (mit dem Insert von Szenen aus dieser Serie tut Andi Niessner, der Regisseur und Autor dieser Lebenslinien, der Portraitierten keinen Gefallen), aber von all den anderen vielen Rollen erfährt man grad gar nichts, auch kein Kommentar zum Niveau der Drehbücher und generell der Entwicklung des Fernsehens oder des Kinos.

Ein schöne Anekdote ist, und das spricht für ihre Freiheit, dass sie, nachdem nach dem Kinderstartum ein Angebot aus der Sexwelle kam, sie lieber mit Freunden in einem VW-Bus nach Afrika gereist ist. Solche Entscheidungen sind Knackpunkte, Weichenstellungen in einem Leben, sicher im Sinne der „Lebenslinien“. Und genau da, wo sie sich losgesagt hat von der Filmerei, sucht Helmut Dietl sie. Damals ging Kommunikation nach Afrika noch postlagernd.

Eine weitere Entscheidung war die, auch eine eindrückliche Anekdote, dass ihre Agentin Alexander aus ihr einen Weltstar machen wollte; dafür hätte sie aber ihre Nase operieren lassen müssen. Da weigerte sich die May und bewies Charakter.

Der größere, der Homestoryanteil dieser Lebenslinien ist nicht allzu ergiebig (Kinder, Trennungen, Scheidungen, Oma, Yoga, Natur und Käuzchen) und wie sie am Valentinsbrunnen auf dem Viktualienmarkt ein Rose hinlegt, kommt das Logo einer Münchner Brauerei doch irre gezielt im Hintergrund ins Bild; so als ob im Trüben mit solch nicht ausgewiesener Werbung Geschäfte gemacht würden.

Niessner hat sich in München vor allem für bekannte Drehorte entschieden: Viktualienmarkt, Isar, Nymphenburger Park.

Man hätte sich mehr von den Geschichten gewünscht, die dem Leben eine bestimmte Richtung geben, wie die Anekdote von der Agentin oder dem Sexfilmangebot und der darauf folgenden Entscheidung, Kindergärtnerin werden zu wollen.

Oder von den vielfältigen Aktivitäten, die der Schauspielerberuf wie ein bunter Strauß, wie sie sagt, bereithält (Lesungen, Theater). Aber Niessen gibt sich lieber mit wenig aussagekräftigen, wohlwollenden Statements von Kollegen, Yogagruppe, Bekannten und Verwandten zufrieden. So wirkt es allerdings auch so, als seien die ganzen Rollen, die Michaela May seit Dietl gespielt hat, spurlos an ihr abgeperlt. Gerade dadurch wiederum macht sie jedoch einen ganz normalen, bodenständigen – münchnerischen – Eindruck. Was nicht im Widerspruch zu ihrer Maxime steht, die Einheit von Alter und Aussehen, von Seele und Körper anzustreben.

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„Wenn eine Frau lächelt, dann ist die Suppe schon vergiftet“ meint der Kommissar – und wenn ein Kommissar lächelt – und er tut es oft, strahlt wie ein Konfirmand -, was ist es dann? Dann ist es Kommissar Pascha (Tim Seyfi), das bedeutet:

Billige Fernsehware, die linkisch auf den Integrationszug hechtet.
Resultat: Referenz an Rosenheim Cops als bayerisch-anatolischem Bauerntheater für Integrationszurückgebliebene.

Vielleicht hat die Story ja Hand und Fuß, ist aber im viel zu schnell und oft undeutlich prononcierten Textgeschnetzele schlicht untergegangen. Jedenfalls ist einem Kommissar, der lächelt, offenbar nicht zu trauen, dieser Kommissar ist nicht vertrauenswürdig, er ist scheinheilig, unzuverlässig, unhygienisch und ein anatolischer Macho dazu.

Scheinheilig: er spielt den gläubigen Muslim, kaum wird er einer Leiche ansichtig, betet er und im nächsten Moment, wenn es irgendwo Schweinefleisch und Bier gibt, greift er zu; also weder richtig Bayer noch richtig Anatole.

Er ist unzuverlässig im Umgang mit seinen Mitmenschen, Gattin, Tochter. Erst wenn letztere merkwürdig dilettantisch in Lebensgefahr gebracht wird, dann ist er plötzlich der liebende Vater; verlogen sowieso, wenn er behauptet, seine Familie sei seine große Liebe.

Er ist unhygienisch. Das zeigt der Umgang mit dem Zitronenhuhn, nachdem der Hund in die Tüte gebissen hat, trägt er die angebissene Tüte mit dem rausschauenden Hühnerkopf noch ewig und im Dienst nachlässig mit sich herum, der Kopf schleift fast auf dem Boden. Und wie er nachher das Huhn auf dem Küchentisch rupft, na guten Appetit! Auch im Biergarten trinkt er so unordentlich Bier, dass ihm ein dicker Schaumfetzen an der Nase hängen bleibt und er das offenbar nicht bemerkt, so dass die Tochter kümmernd diesen wegwischt, das lässt ihn als vertrottelt oder infantil erscheinen im Gegensatz zu seinen Bügelbemühungen.

Er ist ein anatolischer Macho. Er duldet keinen Mann neben sich und unter sich nur jüngere Frauen, und wenn Mann, dann muss es ein ganz pflaumenweicher sein (Michael A. Grimm als Pius).

Er will elegant sein, was an den guten alten Derrick als Kommissar erinnert, denn er trägt Anzug, verfügt über eine enorme Sammlung an Stofftaschentüchern mit Monogramm, die er sorgfältig bügelt. So eine teures Taschentuch nimmt er im Puff, um sich drauf zu setzen und entsorgt es gleich im Müll oder er verschenkt eines an die schniefende (das tut diese überzeugend!) Mitarbeiterin Jale (Almila Bagriacik).

Überhaupt scheint in den Lebensverhältnissen dieses Möchtegern-Mann-von-Welt einiges nicht zu stimmen, nicht nur, dass er es nicht geschafft hat, seine Familie zusammenzuhalten, auch wohnt er weit überdimensioniert in einer schicken Altbauwohnung, wie ein kleiner Kripokommissar sie sich in München garantiert nicht leisten kann, zu schweigen von der Sammlung offenbar exklusiver Taschentücher. Dieser Kommissar will mehr sein als er ist.

Die Anzug-Masche bringt ihn und die Continuity beim eh schon schwerfälligen Schnitt dauernd in die Klemme, Sakko an, Sakko aus, Sakko unterm Arm, Sakko über die Schulter, Sakko-Knopf zu, Sakko-Knopf auf oder am Knopf nesteln, auch wenn er zu ist, Sakko gezielt neben den Kleiderhaken hängen, auch das ein Hinweis darauf, dass diesem Kommissar nicht zu trauen ist, denn das müsste er doch bemerken; soll aber vielleicht diesmal erzählen dass er betrunken ist. Wenn schon Anzug als Hinwegtäuscher über Defizite, dann müsste man ihn wenigstens beherrschen.

Dieser Kommissar ist mit Selbstdarstellung beschäftigt und nicht mit Betrachten des Falles und der Menschen um ihn herum, der Fälle, die es zu lösen, in die es einzudringen gilt. Es fehlt das Elementarste für einen spannenden Krimi: eine menschliche und auch nachvollziehbare Geschichte, die sich aus Konflikten ergibt. Hier geht es lediglich um eine diffuse, geschäftliche Liaison zwischen zwei türkischen Geschäftsleuten, die in den Dämpfen eines Hamams in Istanbul schummrig bleibt und die nicht weiter herausgearbeitet ist. Dem Krimi fehlt der Krimi.

Der Impetus, einen Integrationsfilm zu machen (mit der Erfindung einer Türkenabteilung, Ausländerabteilung bei der Kripo, als Antwort auf die NSU-Morde? – das wäre doch hanbüchen) ist deutlich stärker, als der Impetus, etwas über Menschen und deren Konflikte zu erzählen.

Der Leiche, die auf dem Boden liegt, sieht man an, dass sie das Lachen verklemmt. Muss lustig gewesen sein am Drehort. Leider nicht für den Zuschauer.

Eine fernsehkritische Bemerkung erlaubt sich die junge Kommissarin angesichts eines möglichen Selbstmordes, vielleicht habe der Selbstmörder das Hauptabendprogramm geschaut. Nun, wegen diesem Film wird sich niemand erschießen; einschlafen oder wegzappen dürften naheliegendere Reaktionen sein.

Der Kommissar wirkt angespannt, der Druck seiner gut präparierten Texte, die wie aus dem Rohr geschossen kommen, übersteuert, zu bemerken gelegentlich an einem aufgeregten Fingerkuppenaneinanderreiben bei Steh-Dialogen, wobei die Regie von Sascha Bigler, der auch das Drehbuch nach dem Roman von Su Turhan geschrieben hat, nicht gerade smart zu nennen wäre – um höflich zu bleiben. Auch was die Bevölkerung des Bildschirms mit Randfiguren betrifft, mit plumpen, uncharmanten Knallchargen von Hundebesitzerin oder Killer, dumpfe Figuren, sind diese nicht dazu angetan sind, einen Krimi zum Vibrieren zu bringen.

Gleichzeitig muss der Taschentuchtick des Kommissars für einen billigen Running-Gag herhalten: ein Bediensteter des Kommissariats bringt ständig neue Kommoden, die mindestens drei Schubladen für Paschas Taschentuchsammlung haben sollen. Müde Einlage aus verschlissenem Improtheater.

Es scheint im Film um die Fusion zweier türkischer Unternehmen zu gehen. Eine Heirat soll das besiegeln. Anlass, das Thema Defloration, resp. den Anspruch auf und die Kontrolle der Jungfräulichkeit fürs deutsche Fernsehpublikum zu erklären und auch, wie ein kaputtes Hymen in einer Klinik namens Virgo wiederhergestellt werden kann.

Die Erinnerung an Derrick lässt den Unterschied zu diesem ungepflegten Machwerk besonders eklatant erscheinen. Derrik selbst musste im Grunde genommen nur den Anzug und die Rolex tragen können. Das tat er. Er musste sich lediglich das Drumherum anschauen (und mit ihm die Zuschauer): das waren generell erstklassig geschriebene Figuren, dargestellt von einer Riege erstklassiger Schauspieler, die unter der Anleitung erstklassiger Regisseure großartig aufgespielt haben. Das hatte Klasse. Hier scheinen jedoch Geld und Wille zur Klasse gefehlt zu haben; genau so wie ein Wettbewerb um die bestmögliche Besetzung. Die Billiglösung: anatolisch-bayerisches Bauerntheater; wobei das auch wieder nicht stimmig ist, denn die Darstellerinnen türkischer Provenienz versuchen sauberes Hochdeutsch zu sprechen, was faktisch einem niederschmetternden Fernsehdeutsch gleichkommt, um nicht in die Ecke des sogenannten „Gemüsetürken“ (der auch vorkommt) gestellt zu werden. Diese Rollen hat unser Kommissar bereits hundertfach hinter sich, wie die Liste bei IMDb vermuten lässt.

Der Prozess des Zusammenpralls zweier Sprachen ist miserabel beobachtet, er wird hier desintegrativ eingesetzt, wirkt wie eine kulturelle Schwundstufe, statt dass die beiden Idiome sich befruchtend antörnen: im Film wird faktisch negative Integration praktiziert; denn realiter ist in Bilinguebiotopen ein häufiges Übernehmen von Begriffen, ein von einem Idiom ins andere Fallen zu beobachten: das wird hier radikal ausgeschlossen, womit die Sprach- und Sprechverwaltung in diesem TV-Produkt konsequent auf Realitätsverweigerung setzt: den positiven Effekt von Integration negiert. Statt dass sich die Sprachen durch ihre Begegnung befruchten, separieren sie sich.

Der Kommissar will die wichtige Figur sein und nicht die Geschichte, die wird weggenuschelt, er möchte ein starker Typ sein, der seine Mitarbeiterin Isabel nur mit dem Familiennamen Vierkant (Theresa Hanich) schnodddrig anspricht. Hier will der Kommissar im Mittelpunkt stehen – und leider demonstriert er gerade dadurch einmal mehr, dass er nicht vertrauenswürdig ist. Denn er gibt sich auch dümmlich-kumpelig bei der Begrüßung „Habe die Ehre, hebe die Haare“ – nicht gerade geeignet, um einer Figur identifizierbares, verbindliches und respektgebietendes Profil zu verleihen.

Der Film versteht sich wohl von weltfremder, fernsehredaktioneller Seite und zur Legitimation der Erfüllung des Grundauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes als ein Immigrationsauflärungsbeitrag: es sind fingerzeigdicke Infos enthalten über die Döner-Industrie, türkische Hochzeitsrituale und das Problem des intakten Hymens.

Ob das geschickt ist, den Killer gerade während der Tötung eines Taxifahrers vorzustellen, mit Kopfhaube dazu, ein Mord, der im Film keine weiteren Folgen hat und dabei telefoniert der Täter noch beim Töten mit dem Handy, scheint zu sagen: uns interessiert Plausibilität einen Deut.

Überhaupt ist das Problem des Kommissars nicht klar, und auch, warum ein Mensch mit so vielen Defiziten Kriminalkommissar hat werden können.

Immerhin, eine schöne Kamerafahrt gilt es zu erwähnen: die Kamera schwenkt erhöht über München an einer Kirche nach oben, so wirkt der Kirchturm momentweise wie ein Minarett, das auch weitere Türme in München in diesem Lichte erscheinen lässt – fehlt nur noch die Überblendung zu Istanbul.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers an die von ihm finanzierten Redakteurinnen Stephanie Heckner, Katja Kirchen, Lucia Vogdt und an den Intendanten Ulrich Wilhelm des produzierenden BR!

(Erdogans Propagandabteilung dürfte den Auftritt eines bereits halbwegs islamisierten Kommissars im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland als enormen Erfolg verbuchen).

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Schleich-Werbung.

Keine guten Lebenslinien. Sabine Barth dringt forsch und breitbeinig in das Familienleben und Gefühlsmuus des renommierten und respektablen Kabarettisten ein, macht eine Homestory draus, die trieft vor Rührung über den harten Bruch in Helmut Schleichs Leben mit 6, wie seine Großmutter, bei der er bis dahin hauptsächlich aufgewachsen ist, starb.

Kinder und früher Tod einer Bezugsperson, das ist schon neulich im BR behandelt worden: inkompetent vom selbsternannten Checker Tobi und hochinteressant von der Sterbebegleiterin und Bayerin aus Kalifornien, die erzählt, wie sie mit den Kindern stundenlang bei der toten Mutter verweilt ist.

Helmt Schleich konnte so nicht Abschied nehmen von seiner Oma, die ihm alles bedeutet hat, denn die Mutter war ledig und berufstätig. Die Mutter hat, das sagt sie heute selber, sicher falsch reagiert, indem sie den Helmut zu einer wenig bekannten Verwandten gegeben hat, bis die Oma nach dem unerwarteten Tod weggeschafft worden ist. So ein Erlebnis prägt. Da bleibt was hängen. Ähnlich in den kürzlichen Lebenslinien über Reinhard Stummreiter, hier war der Tod der Mutter des Buben ausschlaggebend für die Fresssucht.

Sabine Barth behandelt all die Dinge wie heiße Klatschware und die verantwortliche Redakteurin Sonja Hachenberger lässt es ihr durchgehen. Vom Kabarettprogramm bekommt man wenig mit. Die gehen wohl davon aus, dass man es kennt. Was ich von mir nicht behaupten kann. So sehe ich denn, dass Schleich ein Franz-Joseph-Strauß-Imitator ist. Nun, Strauß? Hat doch einen ziemlich langen Bart.

Es ist zu erfahren ist, dass Helmut in der Jugend mit dem Kabarett Fernrohr aufmüpfig war und links und gegen Wackersdorf. Heute scheint davon nicht mehr viel übrig. Heute gilt es, an 100 Abenden im Jahr Hallen zu füllen und Geld herbeizuschaffen. Auch das ist typisch für solche Sendungen, die Kabarettisten erzählen gerne, wenn sie vom Geld reden, von früher, von heute, da wird eine dicke Decke des Schweigens drüber gelegt. Und da er Hallen füllt und dafür in Manier des Manchester-Kapitalismus Geld scheffelt, sind die Fernsehsendungen, die er regelmäßig macht, auch zu Proben und Aufzeichnungen gibt es kurze, wenig aussagekräftige Ausschnitte, in diesem Falle direkte Schleich-Werbung.

Das Fernsehen sollte auf solche Sendungen verzichten, so lange die Rundfunkzwangsgebühr unsolidarisch erhoben wird zu Lasten der Schwachen der Gesellschaft. Es kann nicht angehen, dass arme Familien mit drei Kindern, die beengt wohnen und die jeden Cent umdrehen müssen und die Fernsehzwangsgebühr kaum aufbringen können, diese bezahlen müssen, damit ein Kabarettist, so sehr wir es ihm gönnen, wegen seinem Kindheitstrauma für seine Familie zwei Wohnungen im teuren München sich leisten kann.

Das wäre mal ein brisantes Thema, das wir ihm, der jetzt eine Tournee-Pause für ein neues Programm einlegen will, aufzunehmen empfehlen. Ihm, obwohl er zu den Profiteuren gehört, wäre es allenfalls zuzutrauen, das rumorende Thema der unfairen Finanzierung des Gemeinschaftswerkes „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ anzupacken. Da könnte er mal wieder aufmüpfig werden im Sinne einer gerechteren Gesellschaft. Er wirkt redlich und bodenständig und sympathisch als Mensch, besonders mit seinem Geständnis des Verlustes der Bodenhaftung anlässlich Nockherbergerfolg und daraus resultierender Therapie.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Der Pfründenplünderer neue Pfründenblüten.

Was müssen das für armselige Kreaturen sein, die so einen Aufwand betreiben, um auf Zwangsgebührenzahlers Kosten sich ein bisschen Fernsehruhm zu erkrampfen, sich ein bisschen einen Fernsehnamen zu machen dank Pfründenkontakten und garantiert nicht dank eines Kreatitivätswettbewerbes um die Besten. Wie erbärmlich. Wie gieren sie nach Prominenz. Wobei der erste Name „Milberg“ in der Er-Variante bereits in Schaufenstern einer verstaubten Bank als Werbeträger für Banker zu sehen ist. Laut einer Umfrage des Schweizer Institutes mediatenor für das Weltwirtschaftsforum Davos haben Banker ein schlechteres Image als der Kriegstreiber Assad. Wenn der Werbeschuss nicht mal hinten raus geht. Promi, Promi, Name, Name um den Allerwertesten. Die Pfründenplünderer sind wieder am Werk. Sie halten sich laut Senderinformation immer noch für kreativ.

Es gab voriges Jahr schon einen Versuch. Es scheint nicht so, als ob seither hier Wettbewerb Einzug gehalten hat; obwohl Frau M. behauptet – und es hört sich eigenartig hohl an – sie liebe den Wettbewerb: falls es einen solchen gäbe um diesen Sendeplatz und die kreativsten Geister im Lande drum kämpften, dürfte wohl kaum sie das Rennen machen. Den Job haben sie und Herr Wagner lediglich Beziehungen zum BR zu verdanken, siehe Review vom vorigen Jahr.

Wieder darf Frau M. für ihre eigenes Atelier werben, wieder Herr Wagner für seine eigene Profiwerkstatt. Wieder dürfen sie ihre Namen prominenter und damit einträglicher machen und die Sendung ist kein Deut besser oder kreativer geworden, im Gegenteil, wie die Familie in der Pfalz den wenig kreativen Esstisch mit dem vielen Grau drum herum das erste Mal sieht, muss sie sich deutlich anstrengen, um für die Kamera wenigstens ansatzweise zu strahlen (In Folge 4 wird das indirekt bestätigt, indem Wagner ehrlicherweise zugibt, dass hier den Leuten das Produkt auch nach Abstellen der Kamera noch gefallen habe).

Aber: einem geschenkten Gaul oder Esstisch schaut man nicht ins Maul. 350 Euro habe die Chose gekostet, behauptet Frau M. Dabei vergisst sie, dass sie eine Gage dafür nimmt (oder sieht sie das als ihre idealistische Mission?), die hat sie glatt nicht eingerechnet, und Herrn Wagners Gage auch nicht und die Entlöhnung der Fernsehredakteure Ingmar Grundman und Iris Messow-Ludwig auch nicht, noch die Rechnung der Produktionsfirma Bilderfest factual entertainment und die Austrahlung und PR dafür haben ja auch gekostet; also unter einem mittleren 5-stelligen Tausenderbetrag dürfte der fantasiearme Esstisch mit grauen Stühlen, Teppich und der Beigabe einer Etagere nicht zu haben gewesen sein. Der BR liefert überteuerte Ware. Wer ein Interesse an wertvollen Designermöbeln hat, der ist in der Pinakothek der Moderne in München am richtigen Ort.

Frau M. will jetzt ihre Figur zwar teils in Pink aber nicht mehr so albern anlegen wie das letzte Mal, das wirkt fast noch merkwürdiger; sie versucht zwischendrin, gedankenvoll zu schauen und wirkt dadurch noch verstörter, wenn sie zu behaupten wagt, dass die Nervosität steige; vielleicht der Versuch, der anbiedernden Albernheit vom letzten Jahr einen seriösen Anstrich zu verleihen – leider hat sie keine Ahnung von der Höhe eines Esstisches, weshalb das neue Untergestell, das sie der alten Tischplatte unterjubeln will, viel zu hoch ist und wie ein armes Schlotterskelett dasteht. Aber man muss ja nicht glauben, was man sieht, man kann ihr zuhören und dann weiß man, dass es sich um einen Designertisch handelt, den sie gebaut hat. Der BR-Sprecher schreckt nicht davor zurück, die beiden Hobbykünstler als Wohnexperten zu bezeichnen.

Während Hobby-Bastler Wagner vielleicht Werbung für Wagner-Pizza machen sollte, das könnte sein Image runden und würde seiner tiefen Erkenntnis, dass alles seine Zeit habe, Schliff verleihen und seinem Bemühen, den jodelnden Stuhl zu entjodeln.

Vielleicht ist Frau M. ein Kriegskind, denn dort hatten die Leute gelernt aus Wenig und Nichts, Neues zu machen; heute nennt sie es ‚Upcycling‘; wobei im Krieg die Kreativität der Leute keine Grenzen kannte. Für ein Kriegskind sieht sie immerhin recht gut erhalten aus.

Was die beiden, die sich mit ihren Namen so wichtig fühlen, dass sie titelgebend sein müssen, uns vorstellen, könnte nett und förderungswürdig sein als Selbsthilfeinitiative in einem anonymen Wohnblock in Neuperlach; aber in einem zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat so eine Sendung nichts zu suchen. Hier kommt sie in die Asservatenkammer der Pfründenblüten.

Die halbe Stunde Sendung dauert ewig, wirkt leer und unbeseelt.

Rote Karte des Zwangsgbührenzahlers!

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Eine Lektion für Weight Watchers inlusive flankierender Eigenwerbung des BR für die Fränkische Fasnacht, denn Reinhard Stummreiter, der von Elisabeth Mayer zur Entwicklung seiner Gewichtsprobleme befragt wird, ist wegen seiner Fettleibigkeit zum Laientheater und dann als dicker Trommler zu einer Klamauk-Feuerwehrband gekommen, die im BR-Fasching auftritt.

Aus Einsamkeit und Verlustangst hat der neunjährige Bub Reinhard nach dem Tod seiner Mutter mit der Fresserei angefangen, wog mit 15 schon 110 Kilo. Wie ihm, wie er 27 war, der Vater gestorben ist, hat sich das wie ein Schub auf die Fresssucht ausgewirkt, zehn- bis zwölftausend Kalorien sind an einem Tag schon mal zusammengekommen.

Das scheint wie ein Teufelskreis. Aus Einsamkeit fressen und aus Fettleibigkeit erst recht einsam sein. So weit wird hier allerdings nicht analysiert. Es wird schön der Reihe nach berichtet, Archivmaterial gibt es nicht allzuviel, wie er den Beruf erlernt, wie die Firma Pleite macht, wie er LKW-Fahrer wird, eine eigene Kneipe eröffnet, dort nicht reüssiert, Schulden macht, wie die Feuerwehrmusik ihm einen sozialen Halt gibt, wie er aber immer noch zunimmt bis über 300 Kilo und wie dann der Musikchef ein ernsthaftes Wörtchen mit ihm redet (das berichtet dieser selber) und er sich den Magen operieren lässt, um in anderthalb Jahren auf etwa 130 Kilo runterzukommen, so dass er sich jetzt für die Auftritte noch einen Bauch umbinden muss, um weiterhin der komische Dicke zu bleiben.

Mit dem Abnehmerfolg stellt sich auch der Liebeserfolg ein. Eine rührende Geschichte, die mit der Jugend und einer österreichischen Alp zu tun hat.

Die Erkenntnis: das Abnehmen beginnt im Kopf, denn sonst greifen die alten Mechanismen und dann fängt, wie das auch beim Alkohol- oder anderen Suchtproblemen zu beobachten ist, der Selbstbetrug an, der einen darüber hinwegtäuschen will, dass man wieder in den Kühlschrank greift, bloß weil die Gattin kurz das Haus verlässt.

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Sich auskennen.

Den Politikerhabitus hat sie schon voll drauf, sei es, dass sie im Fond der Limousine sitzt und arbeitet, sei es, dass sie vor dem Bundestag redet, sei es, dass sie ihrer Chefin, der Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, ihre Aufwartung macht. Wie andere Politiker auch, lässt sie sich coachen, trainiert die Verbesserung ihres öffentlichen Auftrittes und von Reden. Beim Anhören eines ihrer Auftritte ist sie direkt perplex, wie sie selbst schon die Berufspolitikerin verinnerlicht hat.

Sie ist die ‚Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen‘: Verena Bentele. Sie stammt aus der Bodenseegegend, ihre Eltern sind Obstbauern. Sie ist seit ihrer Geburt wegen eines genetischen Defektes blind, wie einer ihrer Brüder auch. Sie hat eine beeindruckende Karriere als Olympionikin mit jeder Menge Goldmedaillen in Winterdisziplinen hinter sich. Sie hat Germanistik studiert und fühlt sich in ihrer politischen Position und Funktion sehr wohl.

Uli Kick (Redaktion: Christiane Hahn) portraitiert diese Ausnahmeerscheinung unter den Politikern in einer spannenden Mischung aus Rückblicken aus der Sportlerkarriere, einem Interview mit ihren Eltern, einem neu aufgenommenen Interview mit ihr selbst, Footage aus ihrer Tätigkeit als Bundesbeauftragte und wie sie in Berlin erst in einer WG wohnt.

Kick lässt auch ihre engste Mitarbeiterin und ihren Fahrer zu Wort kommen. Zu diesen Personen entwickelt sich ein besonderes Vertrauensverhältnis, das geprägt ist von einem sensiblen Gespür dafür, welche Hilfe sie braucht und welche nicht. Wobei Verena Bentele selbständig und souverän lebt in den Räumen, die sie kennt und ihren Blindenstab erst in dem Moment aufklappt, wie sie ihn braucht, wenn sie auf die Straße geht.

Ein Problem bei Empfängen ist, dass sie die Leute nicht sehen kann, dass sie auf ihre engsten Mitarbeiter angewiesen ist, zu reportieren, wer sich gerade in ihrem Blickfeld bewegt. Sonst hält sie es wie andere Politiker auch. Sie kämpft für ihre Belange, das sind die der Behinderten und zwar aus intimer Kenntnis der Probeme. Sie ist frustriert, wenn zu wenig zustande kommt, sie freut sich, wenn sie etwas erreicht, sie steht im Kreuzfeuer verschiedenster Interessen, die Behinderten sind nicht zufrieden mit dem Bundesteilhabegesetz, anderen geht es zu weit.

Sie empfiehlt Unternehmern die besonderen Fähigkeiten, die sich Behinderte in ihrem alltäglichen Kampf aneignen, zu nutzen.

Im Sport hat sie gelernt, mit Niederlagen umzugehen. Das hilft ihr in der Politik. Ihre These: Behinderung ist ein Thema für alle Menschen, keiner kann das für sich ausschließen. Insofern ist auch dieser Film ein Film für alle Menschen.

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Und die Diva war doch nur ein kettenrauchendes Flittchen.

Die Familie Neundorf plant einen Urlaub in Thailand. Von ihrer Großmutter erhalten alle vier Mitglieder, Vater, Mutter, halberwachsene Tochter und präpubertärer Sohn je einen identischen Thailand-Reiseführer, offenbar als Scherz gedacht von den Drehbuchautoren Aglef Üschel und Franziska An der Gassen. Die Regie, die die Familie kaltschnäuzig herzlos inszeniert, falls bei der hier vorgeführten Abblattspielerei von Regie überhaupt gesprochen werden kann, führt Franziska Buch.

Die titelgebende Diva, das ist die Oma. Die ist mit der echten Diva Hannelore Elsner besetzt. Die erliegt dem Irrtum, sie müsse das, was sie eh schon ist, auch noch spielen. Das ist ganz furchtbar. Herauskommt dabei eine knallverrückte Alte mit teils kindischen Allüren, gestolperte Schauspielkunst mit Lispelansatz. Der Regie fehlt offenbar das Urteilsvermögen, das zu sehen; außerdem gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Frau Elsner das irgendwie divenkritisch oder divenironisch anlegt.

Dieser Diva wird ein an sich dankbar zu spielendes Schicksal zu teil. Sie wird aus ihrer Wohnung rausgeworfen, landet obdachlos in einer Unterführung, spielt dort einen Zusammenbruch wie auf großer Bühne, worüber des Sängers Höflichkeit lieber schweigt, landet im Krankenhaus, dort wird ein Tumor festgestellt und ihr eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung vorgeschrieben. Die Autoren benutzen diese Situation um deutlich zu machen, wie schwierig es in unserem Lande sei, so eine Betreuung zu organisieren. Sozialkritischer Mahnfinger von Aglef Püschel und Franziska An der Gassen. Die Betreuung ist nötig, weil die Familie nach Thailand fliegen will (oder vielleicht vor allem das Filmteam).

Wenn in einem deutschen Film zur Zeit gekotzt wird, dann ist das als Indiz zu sehen dafür, dass die Autoren beabsichtigen, einen ernsthaften Themenfilm zu machen. Das ist hier nach einer dreiviertel Stunde der Fall.

Dieses ernste Thema ist die Rund-um-die-Uhr-Betreuung, die für die kettenrauchende Diva verlangt wird. Weil sich auf die Kürze bis zum Abflug nach Thailand niemand findet, schickt das Autorengespann die Oma als Problemchicken mit nach Thailand. Hier soll sie für Dramatik und Spannung sorgen. Sie wird viel rauchen.

Die Autoren verplotten ihr Thema so: die Familie ist auf einer Insel. Hier gibt es eine Altersresidenz für Europäer (das ist auch ein Infogehalt, den das Fernsehen seiner alternden Klientel wohl schmackhaft machen will: dass in Thailand Pflege viel billiger ist als in Deutschland). Die Tochter legt die Diva rein. In Trickgaunermanier schiebt sie der Mutter einen Vertrag für die Residenz unter, den diese dümmlich unterzeichnet. Eine Handlung, die durch die bisherige Charakterisierung (falls überhaupt von einer solchen gesprochen werden kann) der Figuren und deren Verhältnis zu einander wie aus der Luft gegriffen scheint. Die Tochter als ein mieses Stück Mensch. Haarsträubende Unglaubwürdigkeit in einem papierstrotzenden Drehbuch.

Dass es sich um typische Fernsehware handelt, zeigt auch der verräterische Satz „Was machst du denn hier?“. Oder die Dialoge schwingen sich zu vernünftelnden Sätzen hoch: intellektuell sich vorkommende Autoren schreiben Figuren, von denen sie offensichtlich keine Ahnung haben und die sie in keiner Weise fundieren, Allgemeinsätze zu, die sie für toll halten, wie
„ … oder musst du irgendwas aus Deinem langweiligen, pickeligen Teenieleben posten?“.
„Deinen Biohaferbrei kannst du auch wieder mitnehmen, dagegen war der im Krankenhaus Haute-Cuisine“.
„Was machen wir jetzt?“ (da hört man förmlich die Ratlosigkeit der Autoren heraus)
„Ich kann Euch hören, bin gleich nebenan.“
„Wie viel für Mord und Totschlag?“
„Die Nacht war Horror, Mama, ich bin fast erfroren.“
„Dann zieh dir doch was Wärmeres an.“
„Ich hätte gerne mal ein Gutnachtlied gehört.“
„Gut, dass wir nicht so aufeinander gehockt sind, man kann sich seine Familie nicht aussuchen.“
„Hoffentlich geht das nicht in die Hose.“
„Ich hab einen Bärenhunger.“
„Warum bist du nicht gestorben bei dem Scheißschlaganfall.“

Dafür also werden wir vom Staat gezwungen, Zwangsgebühr zu bezahlen, um Autoren vernünftelnde Sätze dreschen zu lassen und um Frau Elsner dauerrauchen zu sehen? Frau Elsners entlarvender Divenbegriff.

Nach nicht mal 20 Minuten sind sie alle in Thailand.
In so einem Fernsehquak wird nichts richtig ernst genommen.
Es ist alles so offensichtlich daraufhingeschrieben, dass Frau Elsner eine Rolle bekommt, dass man in Thailand drehen kann, um alibihalber noch das Thema der Unterhaltspflicht von Kindern für die Eltern runterzunuscheln.

Wenn ein Kleid so zusammengenäht wäre, wie dieses Drehuch gearbeitet ist, dann würde es schon beim Hineinschlüpfen platzen.

Die Mutter der Kinder spielt einen Schuh runter absolut für sich, daneben kann die Welt einstürzen, sie würde einfach weiterspielen. Wirkt wie beim Jogging eingepaukt. Überhaupt tut sich so gar nichts zwischen den Darstellern. Sie liefern kalt kasperlhaft ihre Texte ab. Keiner hört keinem zu. Zwischen ihnen könnte eine Wand stehen, es würde sich nichts an ihrer Performance ändern. Es passiert nichts zwischen den Figuren. Der Papa ist ein gutmütiger Clown, er schwankt wie eine Palme im Wind aus Hohlheit, den die Frauen machen. Alle spielen aneinander vorbei. Und schon raucht die Diva wieder.

Litaneien über Kaffe und Frühstück: nicht nachvollziehbar, was das mit einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seinem Grundauftrag zu tun haben soll. Drehbuchdilettantismus. Sie können nicht die einfachsten menschlichen Beziehungen in so einem Drehbuch plausibel entwerfen (stattdessen die Vernünftelei in den Texten mit der Folge: Unglaubwürdigkeit von Figuren und Handlung). In jeder anständigen Firma würden Leute, die so lausige Arbeit abliefern, hochkant rausgeschmissen.

Gestus und Texte der Diva klaffen auseinander wie ein Bruch in der Erdrinde nach einem Erdbeben der Stärke 8.

Ohne das zwangsgebührenfinanzierte Pfründensystem würde so ein lausiger Film nirgendwo auf der Welt hergestellt und finanziert werden; so aber werden wir 90 Minuten mit Drehbuchexkrementen gequält. „Scheiße, Scheiße, Scheiße“, ruft das Mädel in der Nacht im thailändischen Dschungel. Da ist aus der Diva eine besorgte Oma im knallroten Minikleid geworden, so was von bescheuert, Rolle voll vergessen. Die gütige, vermittelnde, einsichtige Oma. Und spricht uns aus dem Herzen: „Ihr geht mir auch auf die Nerven“. Um anzuschließen: „Sollen wir nicht mal etwas richtig Unvernünftiges machen?“ Das wirkt besonders peinlich, weil die Figuren als Vernünftler eingeführt wurden. Wenn die Vernünftler die Vernunft, die sie gar nicht haben, hinter sich lassen auf der Full-Moon-Party, da bleibt nur Party-Ödnis, die jeder Hochschüler lustiger filmt. Dann muss, weil die Sendezeit immer noch nicht vorbei ist, die Oma noch anbandeln mitm Opa. Oh Pein, lass nach, wo sind wir hier gelandet?

Nicht eine einzige, natürlich-glaubwürdige Situation.

Und jetzt noch die Annäherung zwischen Oma und dem pubertierenden Mädel. Kleinmädchenträumerei. Kitschwelt. Vom Habitus der Diva ist nichts mehr übrig geblieben. Ganz schnell ist die Rolle wie ein schales Kostüm von der Darstellerin abgefallen. Aber es ist nichts stattdessen zum Vorschein gekommen, außer bemühter Schauspielschulschauspielerei. Und dann Erinnerung: Moment, „das Monster in der Familie bin ich“ – so wurde uns das allerdings nicht performativ mitgeteilt.

Mangels Erzähl-Substanz folgt Souvernirshopping. Denn das Monster ist theoretisch längst Mensch geworden (faktisch war es nur eine kettenrauchende Egozentrikerin). Ejaculatio präcox des imaginierten Höhepunktes. Jetzt muss die restliche halbe Stunde noch mit Folklore und Drogen angefüllt werden. Besuch in thailändischen Familienverhältnissen.

Aha, wir sind tiefgründig: „Wie würdest du am liebsten sterben?“

Dann verstehen sich plötzlich die Diva und die Tochter und unterhalten sich traut und die Wellen des Meeres rauschen.

Ach so, jetzt muss das Zimmer für die Alte frei werden und dadurch erfährt sie überhaut erst davon, was ihre Tochter mit ihr im Sinne hatte, sie in der Alters — oh, Moment, wir bitten um Ihre geschätzte Aufmerksamkeit, jetzt bricht die Diva schon wieder mit großem Gestus zusammen. Die Drehbuchautoren haben den Tumor reaktiviert.

Und schon ist die Abendgala. Am vorderen Eingang ist heller Tag, und kaum sind sie über die Brücke gegangen, ist Nacht.

Und dann noch Ballons, Barmusik – ist die BR-Redakteurin Birgit Metz taub, stumm, blind oder gar Analphabetin, dass sie so ein Geworge zum Drehen frei gibt? Wir Zwangsgebührenzahler kommen für ihren Lohn auf. Es fördert nicht gerade das Vertrauen in den Staat, dass er uns zwingt, solche Gaga-Figuren zu finanzieren, denkt sich der Zwangsgebührenzahler.

Es bleiben noch zehn Minuten, den verschollenen (und längst vergessenen) Papa mühsamst für den Schlussapplaus auf die Bühne zu holen.

Mit solchen Produktionen stellt sich das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen selbst den frühzeitigen Totenschein aus. Annahmeverweigerung wegen grober Mängel. Da kriecht der kalte Zorn in einem hoch, dass der Staat einen zwingt, mittels der Zwangsgebühr, solch unseriöse Fernsehware zu bezahlen (die noch dazu ein vernünftelnd-kitischiges Menschenbild propagiert, was konfliktallergisch und ergo antidemokratisch ist; Jargon der Eigentlichkeit; Vernünftelei ist Gift für die Demokratie, Auseinandersetzung und Konflikt sind deren Lebenselixir).

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Sendung aus der guten, lieben, alten öffentlich-rechtlichen Rundfunkzeit, wie es sie schon bald nicht mehr geben wird, da einerseits das Finanzierungsmodell ungerecht ist, antidemokratisch: je schwächer ein Haushalt finanziell ausgestattet ist, desto stärker muss er sich beteiligen und umgekehrt, je besser ein Haushalt finanziell dran ist, desta vernachlässigbarer wird sein Anteil; und wenn der Rundfunk schon dank seines neuen Finanzierungssystems auf absehbare Zeit nicht mehr haltbar ist, so ist er es noch weniger durch seine innere Entwicklung: Pfründensysteme, Pensionssysteme, bürokratische Wasserköpfe. Er muss also an allen Ecken und Enden sparen trotz steigender Zwangsgebühreneinnahmen.

Die holde Zeit, in der ein verdienter Franz Xaver Gerstl noch mit seinem Ton- und seinem Kameramann sich ein Altherrenreislein auf Rundfunkkosten in fremde Länder leisten kann, die dürfte bald vorbei sein. Wir schauen hier in die Vergangenheit eines intakt sich fühlenden öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wir betrachten ein Unikum, eine vom Aussterben bedrohte Gemütlich-Sendung, fühlen uns in die Vergangenheit versetzt.

Allein, was es in San Francisco alles zu verkosten und zum Zuprosten gibt, das erweckt die Assoziation von Gernstl als wandelnder Heim- und Handwerkmesse: Essen vom kostenlosen Imbiss (dazwischen erhält der Tonmann einen Anschiss eines Bürgers, weil er in der Öffentlichkeit raucht), dann gibt es Pot-Pies, Leberkäs und selbstgemachten, amerikanischen Käse. Es folgen Haselnussschnaps, Brotzeit im Biergarten, Prost mit Bier und Schnaps dazu eine Musikdarbietung. Zwischendrin gibt es Namedropping nur vom Berühmtesten und einen Operndirektor, der für 1800 Dollar in einem WG-Zimmer haust. Weiter geht es mit Brezen, es folgen Rindsroulade mit Püree, schließlich noch Anstoßen auf einem Hausboot mit „Mimose“, einem Gemisch aus Sekt und O-Saft. — Nee, mit dem Zwangsgebührenzahler ist solches nicht mehr zu machen.

So geht das nicht mehr, nicht mit dem undemokratischen Zwangsgebührenmodell. Das kann nicht sein, dass Menschen sich die Zwangsgebühr vom Mund absparen müssen – und die gibt es! – damit ein alter, wohlbestallter Herr auf deren Kosten sich ein schönes Reislein inklusive Verpflegung finanzieren lässt. Das ist ein Affront gegen den Gebührenzahler, der sich dieses Zwangsgeld von bescheidenstem Budget absparen muss. Gernstl würde der Republik helfen, wenn er mal eine Reise zu Zwangsgebührenzahlern machte, die Lebensqualität und Kulturteilhabe einbüßen, damit ihnen der sogenannte Beitragsservice nicht den Gerichtsvollzieher schickt: Arbeitslose, deren Arbeitslosengeld nur leicht über der HartzIV-Bemessungsgrenze liegt oder Rentner, mit kleinen Renten, aber gerade so über dem Limit, das ihnen Grundsicherung gewähren würde (welches wie HartzIV eine Befreiung vom Rundfunkzwangsbeitrag bedeutet). Nein, so geht das nicht mehr, so ist dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk kein Gemeinschaftswerk mehr, so ist er nur noch eine Abzockanstalt: Wohlhabender lassen es sich auf Kosten von Bedürftigen gut gehen. Nein, das geht so nicht, nein, nein und nochmal nein.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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