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Schlappe für Paula.

Fazit: eine Dominokette von Fällen: Kids begehen eine rechtsradikale Tat. Sie werden verpfiffen und kommen vor Gericht. Als Nachfolgetat und Rache am Verpfeifer gibt es einen Doppelmord. Als Racheakt dafür werden weitere Morde geplant. Dazu ist die Kommissarin noch liebesmäßig mit einen rechtsradikalen Kollegen zugange. Als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, wird das auch noch verhackstückt erzählt. Tatkette wie in der Schweizer Kindergeschichte vom „Joggeli, der die Birnen runterschütteln soll“

Die Kommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) hat (gehabt) ein Verhältnis mit dem Kollegen Frank Leitner (André Hennicke), der offenbar extrem rechter Gesinnung war, alles über Rechtsextremismus und Kriminalfälle mit Ausländern gesammelt hat. Er ist verheiratet mit einer mindestens so rechtsextremen Frau wie der NSU-Patin Zschäpe, mit Gudrun Leitner (Ursula Strauß in einer Rolle, die vermutlich besser als Zschäpe-Sphinx angelegt worden wäre). Diese wiederum ist die Tochter von Theodor Pflüger (Hansjürgen Hürrig), bekannter Verleger rechtsextremer Texte.

Der Kommissarin Paul Ringelhahn fällt das rechtsextreme Milieu ihres Kollegen Frank nicht auf. Das ist hochgradig konstruiert. Das ist eine Pleite für das Image von Ringelhahn.

Die Kinder spielen eine Rolle. Herr Pflüger ist Sponsor/Chef eines Fußballvereins, der sein Vereinsheim in der Nähe hat und das ein rechtes Gesinnungsnest mit der bekannten Mauer des Schweigens ist.

Der Versuch, die Sachverhalte hinter diesem Tatort von Max Färberböck, der mit Catharina Schuchmann auch das viel zu komplizierte Drehbuch geschrieben hat, zu rekonstruieren, scheitert bald an Kleinigkeiten. Was ist mit den Kids? Es gibt im Film drei Kids, die zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt werden. Das ist passiert, weil ein Ausländer, Ahmad (Josef Mohamed), ein Musterstudent aus Libyen, in den alle Frauen verliebt sind, die Jungs bei einer kriminellen Handlung beobachtet und angezeigt hat.

Das weckt den Racheimpuls bei den Rechten, bei Frank, bei Frau Leitner oder bei dessen Vater. Die bringen brutal zwei Verwandte von Ahmad um.

Das ist nicht alles. Wäre so schon Stoff für eine 12-teilige Fernsehserie. Soll aber in einen 90-Minüter und dazu noch fernsehgerecht verhackstückt untergebracht werden.

Mit der Entdeckung der Leichen, die ordentlich nach den Riten des Islam gereinigt und in Tücher verpackt gen Mekka liegend gefunden werden (und warum nicht gleich begraben?), fängt der Film an. Dieser will – wie die Strafverfolger bei der NSU – erst den Verdacht in die Umgebung der Opfer lenken. Eher harmlos im Vergleich zu dem, was über die NSU Morde und den mangelhaften Aufklärungswillen durch den deutschen Staat, bekannt geworden ist, da war Fatih Akin in Aus dem Nichts couragierter.

Da wir in Bayern sind, dürfen auch die Ausländer nicht sauber wegkommen (denn der Islam gehört/gehört nicht … etc.). Ein Verwandter der Ermordeten, Attallah (Nasser Memarzia) beauftragt Verwandte von ihm, zwei junge Männer, darunter Ahmad, den Mord zu rächen (wobei mir nicht klar ist, wie die Polizei davon erfahren hat); mit der Begründung, die aus einem Gespräch mit den Kommissaren herauszuhören ist, dass der Unterschied zwischen dem Islam und uns sei, dass die den Begriff Ehre haben. Was auf einen beabsichtigten Ehrenmord schließen lässt.

So will der BR die Ausgewogenheit des Ausländerthemas garantieren, das dachte sich wohl die verantwortliche Redakteurin Stephanie Heckner – oder vielleicht dachte sie sich gar nichts dabei.

Das Problem bei Max Färberböck ist, dass er ein exzellenter Regisseur ist und auch wie er einzelne Szenen und Dialoge entwirft zusammen mit Catharina Schuchmann ist oft reizvoll und geht weit über die üblichen, platten Fernsehdialoge hinaus.

Schönes Beispiel ist das Gespräch im Auto zwischen Felix und Paula, wie Felix sein Tun in Frage stellt, sich nur in einem schwarzen Loch sieht und dass man immer wieder anfangen müsse. Auch reizvoll, aber vollkommen weltfremd, ist die Befragung des Sportheim-Abwarts durch Felix, seine Begründungen sind intellektuell nicht ohne, aber weder zielführend noch realistisch.

Färberböck versteht es immerhin, seine Schwächen als Drehbuchautor, vor allem, was den Entwurf der Story betrifft, mit erstklassiger Regie und prima Schauspielerführung zu verdecken. Wobei der fränkische Mitarbeiter auf dem Kommissariat immer noch ein überdeutliches und zu langsames Fränkisch spricht, auch wenn er sich leicht gebessert hat. Dass der fränkische Klang mehr Eingang in den Film findet, bekommt ihm gut, mit Entwicklungsspielraum nach oben.

Und das könnte dem Leben abgeguckt sein, wenn Dr. Kaiser (Stefan Merki) an einer Stelle einen Satz seines Mitarbeiters, den er inhaltlich problematisch findet, auf Fränkisch wiederholt.

Dialog-Fragmente:
Sagen Sie mal, brauchen Sie eigentlich einen Staatsanwalt oder können Sie einmal alleine denken?

Ihre Gedanken sind blutig, Herr Attala, und das ist eine Würde, die ich verachte.
Sie schreien nach Rache. Sie opfern diesen jungen Mann.
Etwas, das Sie in diesem Land nicht wirklich verstehen.
Ehre. Sie sind ein Beschuldigter, ein Mittäter und ich werde Sie verhaften.

Wir sind umgeben von kleinen, hasserfüllten Kreaturen, die nicht mal ihr Fressen wert sind.

Ihre Bekanntschaft mit Udo Rasch, Amahi braucht einen Denkzettel und sie soll gesagt haben, wenn schon Denkzettel, dann richtig.
Man muss schon sehr weit runter, um Ihnen zu begegnen.“ (zu Frau Leitner).

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Archivwühlkuddelmuddel.

Zweimal 45 Minuten lang soll die Sendung sein; sie soll reichlich angefüttert werden mit wild ineinanderzuschneidendem Archivmaterial; kein Clip darf länger als ein paar Sekunden dauern – aus Panik vorm Wegzappen der Zuschauer; dann drehen wir noch ein paar heutige Statements und Blabla von damals Beteiligten oder Unbeteiligten, schneiden das willkürlich dazwischen, schreiben ein paar nette bis augenzwinkernde Zwischentexte und lassen die mit Tranquilizer-Stimme vortragen und fertig ist wieder eine BR-Sendung, wieder konnten ein paar Menschen Zwangsgebührengelder abgreifen – ohne Besonderes zu leisten.

Eine sich historisch gebende Sendung, die ganz ohne Analyse auskommt, ohne Nachfrage nach dem Wieso, Weshalb, was die Gründe waren, was die Paradoxien waren (warum Widerstand just mit aufkommendem Wohlstand?). Hauptsache: es ist was los auf der Mattscheibe, Randale sind schön, Aufmärsche, blutige Köpfe aber auch Blasmusik und lange Haare oder auch ein Toter (Benno Ohnesorg – der wurde allerdings schon 1967 getötet und nicht in Bayern, sondern in Berlin).

Und sollte ein einziger Zuschauer eine neue Einsicht zu 1968 gewonnen haben, so war das keine Absicht der Redaktion (Andreas Bräu); sie will es mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag nicht übertreiben. Mit dem Herstellen dieses Bildverhaus wurde Klaus Uhrig beauftragt.

Dem BR dürften keine Probleme aus so einer Sendung entstehen; es sind keine gewagten Thesen, Beobachtungen oder neue Einsichten drin oder gar eine klärende Sicht auf jene Entwicklungen. Man verliert sich im Vielen und im Allgemeinen, im Schlagzeilenhaft-Ergiebigen.

Die Sendung wirkt fließbandhaft routinemäßig montiert, ja sie böte sich direkt an für einen Archivwühlroboter. Nur nicht denken, wenn es um die Produktion von so einer Sendung geht. Das Etikett allein soll überzeugen. Es steht zwar ‚Mythos‘ drauf, drin ist Bilderbrei. Warum stellt der BR nicht sein ganzes Material aus dieser Zeit direkt online? So könnte jeder sich sein eigenes Bild machen, seinen eigenen Bilderbrei kochen.

Fragen stellen wäre Majestätsbeleidigung. Ihren alten Kack wollen wir nicht mehr hören, Magnifizienz.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Mit dem Marianne-Koch-Pfund ist gut wuchern. Das tut der BR in diesen Lebenslinien von Evelyn Schels unter der Redaktion von Christian Baudissin ausgiebig.

Marianne Koch lässt sich dazu überreden, doch vor allem in der Vergangenheit zu wühlen. Die ist enorm, die ist grandios. Obwohl Marianne Koch zu bedenken gibt, dass die Gegenwart sie interessiere, dass sie nicht gerne zurückblicke und nicht gerne bilanziere; das zu respektieren, so viel Anstand bringt der BR nicht auf. So bringt die Sendung sie doch genau dazu, am Schluss eine knappe Bilanz zu ziehen mit Hinweis auf die besten, die entscheidenden Momente.

Marianne Koch moderiert heute noch für den BR das Gesundheitsgespräch. Insofern ist dieses Biopic reine Eigenwerbung für den öffentlich-rechtlichen Sender, der sich mit unfairer Finanzierung zulasten der Einkommensschwachen finanziert. Eigenwerbung sollte er nicht machen müssen, davon steht nichts im Grundauftrag.

Der Lebensweg von Marianne Koch ist bemerkenswert. Nicht allzu großzügig gewährt sie Einblicke in ihre private Situation, zeigt Fotos und erzählt von Drehbarbeiten.

Sie wächst in der Nazizeit mit einer starken Persönlichkeit von alleinerziehender Mutter auf. Sie ist das Kind einer außerehelichen Beziehung ihrer Mutter zu einem Arzt, der rechtzeitig in die USA emigriert ist.

Ihr Berufsziel war ganz früh, Ärztin zu werden. Sie war mit ihrem Bruder von der Mutter an der langen Leine erzogen worden, hat dadurch ein natürliches Selbstbewusstsein entwickelt. Bei einem Job in den Bavaria-Kopierwerken in Geiselgasteig ist die junge Frau angesprochen worden, ob sie ein Casting für eine Filmrolle mache. Sie sagte zu und bekam die Rolle.

Das war der Startschuss für eine 20 Jahre lang anhaltende Filmkarriere; Filmausschnitte zeugen davon. Irgendwie hat aber die Familie, inzwischen ist sie verheiratet, hat zwei Söhne, doch gelitten darunter: Scheidung, Abbruch der Filmkarriere.

Mit 40 entscheidet sie sich, das Medizinstudium wieder aufzunehmen, erfüllt sich ihren Berufswunsch, Ärztin zu werden. Das meistert sie mit 1-er Staatsexamen. Im Rundfunk bleibt sie präsent in der Kultsendung „Was bin ich“, die ihre Beliebtheit wohl auch darauf zurückzuführen hatte, dass die Rater das mehr als freundschaftliches Vergüngen betrieben haben und nicht aus Quotenehrgeiz. Hier kann das öffentlich-rechtliche Fernsehen wehmütig auf Zeiten zurückblicken, als es noch fest in breiten Teilen der Bevölkerung verwurzelt war, was heute wohl nur noch unter großen Vorbehalten behauptet werden dürfte.

Nach dem Studium hat Marianne Koch als Internistin gearbeitet und nach einigen Jahren ihre eigene (Nichtpromi!)Praxis in Haidhausen aufgemacht. Da freie Ärzte mit 68 keine Kassenpatienten mehr behandeln dürfen, hat sie ihre Praxis aufgegeben und sich dem Journalismus zugewandt.

Auch der erfüllt sie und sie ihn mit der erwähnten Sendung im BR und mit dem Schreiben von populärwissenschaftlichen Medizinbüchern. Die Sendung ist mehr Erinnerung an gute Zeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als ihm lieb sein dürfte.

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Insgesamt scheint es sich bei dieser Reihe um eine Verlegenheitslösung zu handeln. Es gibt Redaktionen, es gibt Gelder und es braucht Begründungen, diese auszugeben, der Grundauftrag des Rundfunkes spielt dabei keine Rolle.

Hier soll es etwas Unterhaltsames sein. Die Sendung wird outgesourced und produziert von einer Firma namens south & browse die offenbar die nötigen Kontakte zu den öffentlich-rechtlichen Geldquellen hat und diese ohne große Anstrengung anzapft.

Als Konzept wird gewildert in früher erfolgreichen Formaten von großen Samstagabend-Familienshows der Öffentlich-Rechtlichen. Wobei, wenn es um Spiele ging, früher lokale Teams gegen einander angetreten sind, wodurch der örtliche Zusammenhalt gefördert und der Teamgedanke gepflegt wurde.

Hier sind es ein Volksmusikant (Daniel Neuner) und ein BR-Moderator (Florian Wagner – dieser in unrühmlicher Erinnerung an das Pfründenplündererprodukt Milberg & Wagner), die gegeneinander antreten; damit werden sich nicht allzuviele identifizieren.

Dass auch nur ein Ansatz zur Ergründung unterschiedlicher (bayerischer) Männerbilder angedacht ist, kann nicht diagnostiziert werden. Der eine ist dick, der andere dünn, der eine schlauer, der andere weniger.

In der ersten Folge ging es mit der Schulhausnummer um den Bayern-Wissens-Horizont.

In Folge 4 schrumpft der Wissensanspruch (man will die Promis geistig nicht überfordern). Zweimal ist nur grober Sport angesagt und gleichzeitig Werbung für diese Ereignisse (Fischerstechen in Nürnberg und Tough Mudder in Wassertrüdingen, wobei in punkto Dreckeln die Privaten mit ihren Dschungelcamps die Nase vorn haben.

Das einzig Heimatkundliche in dieser vierten Folge ist der Schlusswettbewerb ums Klöppeln einer Blume im Allgäu.

Dadurch, dass jede Vertiefung des Figurunterschiedes fehlt, dadurch, dass wohl höchstens zufällige Identifikationen des Zuschauers mit den Protagonisten stattfinden können, werden die Folgen von Mal zu Mal öder. Auch weil die beiden Protagonisten nun nicht durch besondere Schlagfertigkeit sondern mehr durch ihre Pfründschaft mit dem Sender auffallen.

Man kann den beiden Herren beim (immerhin gelegentlich nass einigehenden oder schweißtreibenden) Abgreifen von Zwangsgebührengeldern zuschauen. Wenn man sich bewusst macht, dass viele einkommensschwache Haushalte, teils sogar ohne Fernsehen, sich dieses Geld von einem schmalen Haushaltsbudget richtiggehend abknapsen müssen, wenn sie nicht ins Gefängnis wollen, so wirkt so eine Sendung schal und schmal (geistiger Schmalhans).

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Wie umgehen mit lebensprägendem Unrecht?

Was ist der Mensch? Worin besteht seine Identität? Ist es seine Prägung durch die Gene oder jene durch Erziehung und Umgebung?

Dass diese Frage Menschen auch nach Jahrzehnten noch aufwühlen kann, zeigt diese Dokumentation von Inga Brermer. Sie berichtet hauptsächlich aus Barcelona – schneidet einige Stadtimpressionen dazwischen – über Aktivistinnen, die Aufklärung und Recht für Kinderraub und illegale Adoptionen in der Franco-Äre und auch noch eine Zeit nachher fordern.

Es scheint damals einen florierenden Handel mit Neugeborenen gegeben zu haben, in den eine Kette „ehrenwerter“ Menschen verwickelt waren, Dreh- und Angelkreuz: kirchliche Institutionen, am negativsten fällt eine Schwester mit Namen Pura, die Reine, auf.

Grauenhaft, zu erfahren, dass die Kirche Schutzräume für junge Schwangere schaffte und die Kinder gleich nach der Geburt an kinderlose Ehepaare verkaufte. Die Kirche soll ein Bombengeschäft damit gemacht haben. Den Müttern wurde ein totes Baby, das in einer Kühltruhe aufbewahrt wurde, gezeigt; es sei an Mittelohrentzündung gestorben, hieß es.

Und jetzt, Jahrzehnte später erfahren diese Mütter, dass die Kinder womöglich leben. Sie suchen sie. Sie kämpfen wie oft in solchen Opfersituationen gegen eine sichtlich desinteressierte staatliche und kirchliche Administration, die lieber vertuscht und ad acta legt, als Unrecht aufdeckt und verfolgt.

In Spanien gibt es wenig Erfolgsaussichten für Klagen, die auf den Weg gebracht worden sind. Anwälte und Opfergruppen versuchen es jetzt bei der UNO und in Straßburg.

Wobei ein weiteres Problem zur Sprache kommt, wie eine Mutter es formuliert, dass sie sich nicht die Jetztzeit mit diesem Problem kaputt machen möchte. Ein Jahr hat sie tatsächlich ihre biologische Tochter, die ganz anders aufgewachsen ist, bei sich gehabt. Aber wie die leibliche Mutter anfing, die juristischen Wege zu beschreiten, hat sich die Tochter wieder abgewandt. Diese steht im Loyalitätskonflikt mit den Adoptiveltern, die sie ein Lebenlang kennt und sicher auch liebt. Diese sind an einer Aufarbeitung nicht interessiert.

Auf die humorvolle Weise hat kürzlich der Film Wer ist Daddy? das Thema des Stellenwertes des biologischen Vaters zu behandeln versucht. Der scheint aber schnell aus den Kinoprogrammen verschwunden zu sein.

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Dieser Mann steht unter Dauer-Kreativstrom: der belgische Modeschöpfer Dries van Noten. Die Modewelt diktiert das mit dem Hunger nach ständig neuen Kollektionen, aber auch das Privatleben, die Villa, der Park, die Urlaubsreise bleiben davon nicht verschont. Die Doku von Rainer Holzemer lässt sich von diesem Strom mitreißen. Siehe Review von stefe.

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Münchner Symbole heute sind: Boom, High-Tech, Hotel-Suiten für 18’000 Euro pro Nacht, Olympiaturm, Frauenkirche, BMW-Turm, Allianz-Arena, FC Bayern, Tollwood, Schloss Nymphenburg, allenfalls noch das Oktoberfest.

Ach so, ja und völlig vergessen, reduziert zur Starkbieranstichfigur (ein BR-Produkt) irgendwo steht sie noch rum am Rande einer meist öden Fläche in der City, der Theresienwiese: die 16 Meter hohe Monumentalbronze Bavaria und hinter ihr kuschelt sich die Ruhmeshalle an die Theresienhöhe.

Vergessene Symbole, vergessene Wichtigkeiten. In der Ruhmeshalle kann 7 Monate lang eine unerlaubt dorthin geschmuggelte Büste einer Künstlerin stehen – und keiner merkt es. Und wenn die Künstlerin nicht selbst die Medien darauf aufmerksam gemacht hätte, so stünde die Gipsfigur wohl heute noch dort und rieselte vor sich hin. Das zeigt, das öffentliche Interesse an Ruhmeshalle und Bavaria ist so gut wie inexistent.

Der Erfinder und Sponsor dieser Figur und der Ruhmeshalle war der hochgebildete bayerische König Ludwig 1. Die Bavaria sollte Sinnbild sein, eine Symbolfigur (Eichenkranz, Bärenfell und Schwert) und identitätsstiftend für das bunt zusammengewürfelte Bayern. In der Ruhmeshalle sollten die Köpfe wichtiger Männer aufgestellt werden, jedoch keine Fürsten.

Vermutlich als flankierende Werbeunterstützung für den Starkbieranstich im Nockherberg, bei welchem eine Kabarettistin als Live-Double dieser Monumentalfigur auftritt, lässt der BR Bernhard Graf in der Geschichte und in Archiven blättern und über die Entstehung, Brauch und Missbrauch (Nazizeit) der Figur erzählen und wie sie den Krieg übersteht. Es sprechen Konservatoren, Historiker, Metallgießer, Referenten, Museumsmitarbeiter und zwei leibhaftige Nachfahren von König Ludwig.

Wie meist in solchen Konglomerats-Beiträgen sind die Archivtrouvaillen das Spannendste: Fotos vom triumphalen Transport der in fünf Teilen gegossenen Bronze oder der König im Automobil auf dem Weg zum Oktoberfest.

Die Frage, wie es dazu kommen kann, dass diese „erste Monumentalstatue seit der Antike“ dermaßen ihren Appeal verliert und zur Kabarettfigur verkommt, die stellt der BR nicht. Nur ja nicht sich mit dem Heute beschäftigen. Flucht in die Historie.

Über die wichtigen Männer und die wenigen, wichtigen Frauen in der Ruhmeshalle ist auch kaum etwas zu erfahren in dieser BR-Sendung.

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Keine Recherche-, aber eine Adabei-Doku, die Einblicke gewährt in die Leben von drei Mitmenschen in unserer Nähe und die unter dem Begriff Flüchtlinge die politischen Wellen hochschlagen lassen.

Andreas Unger, Suli Kurban und Emel Ugurcan haben die minderjährigen Flüchtlinge Esraa, Fahad und Moamel in ihrem neuen Leben in München beobachtet. Sie gehen in eine Übergangsklasse, in der sie vor allem Deutsch, Demokratie und Teamarbeit lernen sollen, aber selbstverständlich auch alle anderen Fächer, die nötig sind, damit sie nachher an eine weiterführende Schule oder in ein Praktikum mit anschließender Lehre wechseln können.

Zu sehen sind Momentaufnahmen aus der Schule; der Unterschied zu den autoritäten Schulsystemen in ihren Heimatländern kommt zu Sprache. Zu sehen sind Einblicke in die Privatleben, in die Praktika, in Schulausflüge und inszenierte Gespräche mit Lehrern oder erwachsenen Verwandten über die Haltung zur Schule und zum Leben.

Fahar kann anfänglich bei einem Onkel, der Firsör ist, unterkommen. Seine Familie ist noch im Irak. Esraa aus Syrien ist die älteste Schwester von vielen Kindern und wird von ihrem Vater religiös erzogen. Man sieht die ganze Familie beim Beten oder es gibt ein Gespräch über leichte Frauenbekleidung in Deutschland im Sommer. Moamel wohnt anfänglich mit seinem Vater in einem Wohnabteil in einer großen, mit dünnen Wänden unterteilten Halle. Sie haben keine eigenen Zimmer und sollen doch den Schulstoff bewältigen.

Probleme gibt es oft mit der Pünktlichkeit. Zwischen den Impressionen aus diesen jungen Leben schneiden die Filmemacher immer wieder Details und Überblicksaufnahmen von München und Telefonate mit den Familien in den Kriegsländern.

Solche Blicke über den Gartenzaun zu werfen, ist sicher sinnig und auch im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkes. Immerhin seien allein in Bayern 11’000 minderjährige Flüchtlinge. So bekommt die Zahl ein Gesicht.

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Hinter den Kulissen des weltberühmten Ballettes rumort es gewaltig, das geht bis zum Säureattentat. Einblick in eine Kunst höchster Disziplin und höchster Emotion, gezügelter und hassvoll ungezügelter. Siehe Review von stefe.

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Hingeschludertes Witzewerk, Drehbuch: Sascha Bigler, Karl Benedikter und Berith Schistek, Regie: Sascha Bigler, Redaktion: Sabine Weber (ORF) Anke Ferlemann (BR).

Wackelkamera soll Lebendigkeit suggerieren. Einen Ansatz von Schauspielerei bietet Erni Mangold als Restaurant-Betreiberin und Weinbäuerin Weininger auf dem Fernsehschirm, aber sie ist in diesem Haufen deplaziert und – das scheint der einzige anständige Vorgang im Drehbuch – die Geschichte lässt sie noch vor der Halbzeit verscheiden, entfernt sie aus der unrühmlichen Umgebung.

Der Rest ist Runterdrescherei religionsbasierter Vorurteilswitze – was sind wir stark und gegen den Strich! -, die vor allem erzählt, wie unglaublich locker sich dieses Team fühlt und Lockerheit mit Qualität verwechselt. Es ist eine Lockerheit, die keinen Zusammenhang aufkommen lässt, keinen Erzähl- und Storysogzusammenhang. Es ist ein Pfusch, eine weit unfertige Angelegenheit, miserabel gearbeitet.

Die gloriose Idee muss die gewesen sein, dass ein Taxifahrer Christ werden will, weil er dann ein Erbe antreten kann und andererseits Moslem werden will, weil er dann ein bestimmte Frau heiraten kann. Wobei nicht klar ist, wofür er anfangs überhaupt steht.

Aus diesen beiden divergierenden Interessen soll ein Konflikt entstehen. Konflikt, das heißt für Sascha Bigler: konfuses Material lausig und hektisch montieren und schnell, schnell irgendeine Musik drüber hauen, die nochmal penetrant Leichtigkeit verkündigen soll und ne Rangelei dazwischen, wenn der Text ausgeht.

Das Problem mit den Witzemachern ist: man hat keine Empathie mit ihnen und sie können keine spannenden Geschichten erzählen. Filmemachen wäre etwas völlig anderes.

Aber beim Fernsehen sehen die das nicht so pingelig, da fällt so ein Ramsch bestimmt nicht auf. Da läuft er in einem weiten Feld unter seinesgleichen.

Wie kann so ein Mensch überhaupt an die Regie kommen und ans Drehbuchschreiben und dafür auch noch Gebührengeld erhalten? Ich googel mal – oh – da erklärt sich alles: Sascha Bigler ist der Sohn der prominenten Schauspielerin Christiane Hörbiger. Sonst wäre er wohl nie an diese Regie gekommen und, was noch schlimmer ist, hätte nicht auch noch am lottrigen, substanzdünnen Drehbuch mitgeschrieben. Schicksale von Promikindern und die Gelackmeierten sind die Zwangsgebührenzahler.

Die ARD ist so kühn, dieses nicht mal im Rohbau akzeptable Machwerk unter der Rubrik „Film am Mittwoch im Ersten“ auf die Zuschauer loszulassen. Ist wiederum halb so tragisch, als diese den Öffentlich-Rechtlichen am Wegsterben sind. Auch während dieser Sendung werden den Zwangsgebührenanstalten wieder einige Zuschauer diese schrumpfende Fernsehwelt in Richtung Jenseits verlassen (und garantiert keine neuen zuwachsen), werden die Sender wieder ein Stück Legitimation verlieren, zweifach, nämlich durch die Todesrate als auch die Minderqualität der Sendung.

Lotus-Film hat produziert und mitkassiert.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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