Archiv für die Kategorie: “TV”

Keine Recherche-, aber eine Adabei-Doku, die Einblicke gewährt in die Leben von drei Mitmenschen in unserer Nähe und die unter dem Begriff Flüchtlinge die politischen Wellen hochschlagen lassen.

Andreas Unger, Suli Kurban und Emel Ugurcan haben die minderjährigen Flüchtlinge Esraa, Fahad und Moamel in ihrem neuen Leben in München beobachtet. Sie gehen in eine Übergangsklasse, in der sie vor allem Deutsch, Demokratie und Teamarbeit lernen sollen, aber selbstverständlich auch alle anderen Fächer, die nötig sind, damit sie nachher an eine weiterführende Schule oder in ein Praktikum mit anschließender Lehre wechseln können.

Zu sehen sind Momentaufnahmen aus der Schule; der Unterschied zu den autoritäten Schulsystemen in ihren Heimatländern kommt zu Sprache. Zu sehen sind Einblicke in die Privatleben, in die Praktika, in Schulausflüge und inszenierte Gespräche mit Lehrern oder erwachsenen Verwandten über die Haltung zur Schule und zum Leben.

Fahar kann anfänglich bei einem Onkel, der Firsör ist, unterkommen. Seine Familie ist noch im Irak. Esraa aus Syrien ist die älteste Schwester von vielen Kindern und wird von ihrem Vater religiös erzogen. Man sieht die ganze Familie beim Beten oder es gibt ein Gespräch über leichte Frauenbekleidung in Deutschland im Sommer. Moamel wohnt anfänglich mit seinem Vater in einem Wohnabteil in einer großen, mit dünnen Wänden unterteilten Halle. Sie haben keine eigenen Zimmer und sollen doch den Schulstoff bewältigen.

Probleme gibt es oft mit der Pünktlichkeit. Zwischen den Impressionen aus diesen jungen Leben schneiden die Filmemacher immer wieder Details und Überblicksaufnahmen von München und Telefonate mit den Familien in den Kriegsländern.

Solche Blicke über den Gartenzaun zu werfen, ist sicher sinnig und auch im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkes. Immerhin seien allein in Bayern 11’000 minderjährige Flüchtlinge. So bekommt die Zahl ein Gesicht.

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Hinter den Kulissen des weltberühmten Ballettes rumort es gewaltig, das geht bis zum Säureattentat. Einblick in eine Kunst höchster Disziplin und höchster Emotion, gezügelter und hassvoll ungezügelter. Siehe Review von stefe.

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Hingeschludertes Witzewerk, Drehbuch: Sascha Bigler, Karl Benedikter und Berith Schistek, Regie: Sascha Bigler, Redaktion: Sabine Weber (ORF) Anke Ferlemann (BR).

Wackelkamera soll Lebendigkeit suggerieren. Einen Ansatz von Schauspielerei bietet Erni Mangold als Restaurant-Betreiberin und Weinbäuerin Weininger auf dem Fernsehschirm, aber sie ist in diesem Haufen deplaziert und – das scheint der einzige anständige Vorgang im Drehbuch – die Geschichte lässt sie noch vor der Halbzeit verscheiden, entfernt sie aus der unrühmlichen Umgebung.

Der Rest ist Runterdrescherei religionsbasierter Vorurteilswitze – was sind wir stark und gegen den Strich! -, die vor allem erzählt, wie unglaublich locker sich dieses Team fühlt und Lockerheit mit Qualität verwechselt. Es ist eine Lockerheit, die keinen Zusammenhang aufkommen lässt, keinen Erzähl- und Storysogzusammenhang. Es ist ein Pfusch, eine weit unfertige Angelegenheit, miserabel gearbeitet.

Die gloriose Idee muss die gewesen sein, dass ein Taxifahrer Christ werden will, weil er dann ein Erbe antreten kann und andererseits Moslem werden will, weil er dann ein bestimmte Frau heiraten kann. Wobei nicht klar ist, wofür er anfangs überhaupt steht.

Aus diesen beiden divergierenden Interessen soll ein Konflikt entstehen. Konflikt, das heißt für Sascha Bigler: konfuses Material lausig und hektisch montieren und schnell, schnell irgendeine Musik drüber hauen, die nochmal penetrant Leichtigkeit verkündigen soll und ne Rangelei dazwischen, wenn der Text ausgeht.

Das Problem mit den Witzemachern ist: man hat keine Empathie mit ihnen und sie können keine spannenden Geschichten erzählen. Filmemachen wäre etwas völlig anderes.

Aber beim Fernsehen sehen die das nicht so pingelig, da fällt so ein Ramsch bestimmt nicht auf. Da läuft er in einem weiten Feld unter seinesgleichen.

Wie kann so ein Mensch überhaupt an die Regie kommen und ans Drehbuchschreiben und dafür auch noch Gebührengeld erhalten? Ich googel mal – oh – da erklärt sich alles: Sascha Bigler ist der Sohn der prominenten Schauspielerin Christiane Hörbiger. Sonst wäre er wohl nie an diese Regie gekommen und, was noch schlimmer ist, hätte nicht auch noch am lottrigen, substanzdünnen Drehbuch mitgeschrieben. Schicksale von Promikindern und die Gelackmeierten sind die Zwangsgebührenzahler.

Die ARD ist so kühn, dieses nicht mal im Rohbau akzeptable Machwerk unter der Rubrik „Film am Mittwoch im Ersten“ auf die Zuschauer loszulassen. Ist wiederum halb so tragisch, als diese den Öffentlich-Rechtlichen am Wegsterben sind. Auch während dieser Sendung werden den Zwangsgebührenanstalten wieder einige Zuschauer diese schrumpfende Fernsehwelt in Richtung Jenseits verlassen (und garantiert keine neuen zuwachsen), werden die Sender wieder ein Stück Legitimation verlieren, zweifach, nämlich durch die Todesrate als auch die Minderqualität der Sendung.

Lotus-Film hat produziert und mitkassiert.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Aus der Info des Senders: Serie, die im fiktiven Land Kisbekistan spielt. Ein Institut für deutsche Sprache und Kultur: in einem Land, das von den Briten, den Sowjets und den Mudschaheddin heimgesucht wird, von Konflikten, Korruption und Cholera. Es soll sich um eine Culture-Clash-Serie handeln, meint der BR.

Diese zweite Fogle beweist, was die erste von Anfang an vermuten ließ: es handelt sich um Kulturschnöseltum, um eine Assemblage von Ahnungslosigkeit und Ahnungslosigkeit, um Dialoge wie zwischen einer kopflosen Ziege und einer magersüchtigen Frau, die einen Liter Blut gespendet hat (vielleicht wäre dieser groteske Kurzverschnitt im Sinne der Macher), um gezielte Darstellung der Deutschen als einer Kulturnation von Deppen.

Geht es den Fernsehredaktueren Cornelius Conrad, Bettina Ricklefs (BR, Franziska Kischkat (ND), Henrike Vieregge (WDR) und Thomas Müller (Puls ), ARD Alpha, an ihren Positionen wirklich so schlecht, dass sie das lustig finden? Sind sie geistig so verödet, so ausgedörrt bei ihren Sendern?

Es gibt schwache Filme, da fällt einem ein Rat ein, woran die Leute arbeiten sollten, um zu besserer Qualität zu finden. Hier fällt mir nichts mehr ein, außer dass die Leute ihren Job nicht richtig machen. Oder dass es für viele der falsche Job ist. Dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen kann man nur raten, diese Redakteure zu entlassen, sinnvolles Sparprogramm; und für die Darsteller findet sich sicher ein Kindertheater, das sie dankbar engagiert, weil sie ja jetzt im Fernsehen gewesen sind – was in der deutschen Kulturnation immer noch ein Wert für sich ist. Hier fragt nie jemand nach, ob einer in einer Ramschsendung oder in was Hochwertigem mitgemacht hat.

Diese Sendung ist ein weiterer Beweis nicht nur für die Überflüssigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sondern für seine Unsinnigkeit, die allein durch ihre Existenz Schwachsinn hervorbringt.

Gerne versuche ich bei unbefriedigenden TV-Produkten Fehler zu analysieren oder zu überlegen, woran sie kranken. Hier ist von der Grundstruktur her Hopfen und Malz verloren; weil es keine ernsthafte Fundierung für diese Verarsche gibt, wodurch die Kulturpolitik-Verarsche zur Publikums- und Zwangsgebührenverarsche degeneriert.

Komisch wäre die Chose, wenn die Figuren es ernst meinten, das Gute wollten, und aus Ungeschick oder wieso auch immer, das Böse tun, das Schlechte erreichen; das wäre ein hinreichendes Comedy-Prinzip. Aber hier sind dafür nicht die minimsten Voraussetzungen erfüllt. Und das ist zuallerst der Riege von Redakteuren anzukreiden. Der Rest der Mitwirkenden sieht vermutlich auch nur das Geld, greift beflissen darnach und lässt das Urteilsvermögen außen vor.

Solche Ramschprodukte sind ein Grund, den zuständigen Redakteuren zu kündigen wegen mangelnder Sorgfalt im Job. Sie wollen Borat und können es nicht. Das ist das Einzige, was sich an diesem dürftigen TV-Produkt ablesen lässt. Aber das Produkt macht auch deutlich, dass zwischen Gefallenfinden an einer Sache und selber Gleichwertiges auf die Beine zu stellen, sich Abgründe auftun; so kommt ein Borat für minderbemittelte Zwangsgebührenzahler zustande und die Redakteure lachen sie schlapp, weil sie die Idee sehen und nicht das Produkt. So etwas Schwachbrüstig-Schwachgeistiges hat in einem undemokratisch zu Lasten Einkommensschwacher zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen null Daseins- und Finanzierungsberechtigung.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Serie, die im fiktiven Land Kisbekistan spielt. Ein Institut für deutsche Sprache und Kultur: in einem Land, das von den Briten, den Sowjets und den Mudschaheddin heimgesucht wird, von Konflikten, Korruption und Cholera, das meint der Sender.

Hier ist zu besichtigen, wie Zwangsgebührengelder sich in pseudointellektualistischem Getue in Nichts auflösen. Möchtegernintellektuelle Redakteure versuchen mit diesem unplausiblen Konstrukt mit vielen komplizierten Sätzen und Halbidioten aus Kisbekistan eine Begründung für ihr zwangsstaatliches Minder-Dasein zu liefern und zwar jenen höheren Chargen in Politik und Rundfunkrat, die Pseudokritizismus und Klischee, über das sich die Darsteller gleichzeitig lustig machen, indem sie alle Figuren als blöd darstellen, als wahre Ware nehmen, als Intelligenzprodukt sich um den Bart schmieren lassen.

Vielleicht gibt es in früheren Folgen ein plausible Grundkonstruktion, die die elementare Krux solcher Kulturmissionen im Ausland wie dem Goethe-Institut dramaturgisch scharf analysiert und für die Comedy gangbar einsetzt. Jedoch ist nichts davon übrig.

Vermittelt wird lediglich, dass sich Drehbuchautor Robert Löhr im Auftrag von Cornelius Conrad & Bettina Ricklefs (BR), Franziska Kischkat (NDR), Henrike Vieregge (WDR) und Thomas Müller (Puls), ARD Alpha, über die deutsche Kulturpolitik lustig machen sollen.

Und da die Regie von Lutz Heineking jr. und Markus Sehr dem auch nicht viel abgewinnen kann außer Dienst nach Waschautomatenrezept, fehlt der zündende Funke, der die Sendung legitimieren würde, umso mehr, als auch vom Cast außer bemühter Schauspielerei grad gar nichts kommt.

Die Rundfunkfunktionäre und Zwangsgebühren abkassierenden Fernsehmacher glauben, wenn man die deutsche Kulturpolitik als deppert darstellt, dann können sie auf genaue Recherche verzichten und auch darauf, den Situationen grundlegend als auch im Einzelnen Plausibilität zu verleihen und dadurch Biss und kulturelle Wirksamkeit zu generieren. So dumm kann kein Goethe-Institut sein.

Die Redakteure Cornelius Conrad & Bettina Ricklefs (BR), Franziska Kischkat (NDR), Henrike Vieregge (WDR), Thomas Müller (Puls), ARD Alpha scheinen sich apriorisch auf Verarsche geeinigt zu haben; womit sie es sich allzu einfach gemacht haben; denn es ist kaum zu erwarten, dass ihre Vorgesetzten auch nur ansatzweise in der Lage sein würden, ihnen diese Bequemlichkeit nachzuweisen – Fernsehbeamtenabgefucktheit: „Es merkts eh keiner, was für einen Shit wir hier produzieren“. Auch Ulrich Wilhelm, der von uns Zwangsgebührenzahlern überhonorierte Intendant des Bayerischen Rundfunks, scheint zu den Übertölpelten zu gehören.

Von Schauspielern, die offenbar bereitwillig solchene Kulturdeppen spielen, ist auch nicht viel zur Erhellung des Projektes zu erwarten.

Die Folge ist bereits mit der ersten Szene verloren, mit jener, in der die Deutschschüler gewollt schlecht „Im schönsten Wiesengrunde“ singen; da verraten Regie und die Redakteure, die das gutheißen, bereits die Billigkeit ihres Vorhabens.

Und wenn eine kleine Szene mit Action, eine Geiselnahme, eingebaut wird, dann wird das so pfuschig inszeniert und geschnitten, dass wohl kaum ein Zuschauer dabei bleiben dürfte. Nichtkönnerei.

Beispiel für miserable Arbeit: der Monolog einer Dame mit einem Arm im Gips.
Nur die Abspannmusik verrät, was möglicherweise beabsichtigt war, denn die hat Pep.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Hier hinkt das Fernsehen nur noch hinter der modernen Zeit hinterher. Gernstl fängt gleich mit einem Selfie an wie Millionen Menschen inzwischen selber und direkt und persönlich ins Internet posten. Damit verweist er seinen Film dorthin, wo er hin gehört: ins Internet, auf Youtube oder dergleichen. Und da kann er dann schauen, ob Leute sich überhaupt dafür interessieren bei den vielen Rom-Beiträgen und vor allem, ob irgend jemand überhaupt bereit wäre, dafür auch nur einen Cent locker zu machen. (Dass es sich hierbei um subventionswürdige Medienkunst handelt, wird wohl niemand zu behaupten wagen; allenfalls fürs Museum „Fehlentwicklungen öffentlich-rechtlichen Fernsehens“). Wer interessiert sich für die Rentnerreisen von Herrn Gernstl, die dieser sich auf Kosten der Zwangsgebührenzahler leistet? Einkommensschwachere Rentner mit minimalen Renten müssen sogar auf einen Kaffee, gar auf Elementares wie Medikamente verzichten zur Finanzierung von Herrn Gernstls Austragsreisen. Das ist Armenausbeutung. Das grenzt in manchen Fällen an Mundraub.

Solche Sendungen sind in einem nach einem Unrechtsgesetz zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk in keiner Weise mehr zu rechtfertigen. So besehen wird so eine Sendung zum Missbrauch des Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk, eine künstlich am Leben erhaltene Mumie von Sendung.

Es ist nicht mehr zu rechtfertigen, dass einkommensschwache Menschen, die nicht HartzIV- oder Grundsicherungsempfänger sind, auf elementare Dinge im Leben verzichten müssen, damit ein wohlbestallter, sehr wohlbestallter Herr Gernstl auf deren Kosten fein nach Rom reist, fein im Hotel unterkommt und sich von seinen Interviewpartnern noch Essen oder Getränke offerieren lässt. Das nagt an den Grundfesten der Demokratie. Das heißt, den Demokratiegedanken mit Füßen treten. Und so wird aus dem Herrn Gernstl plötzlich ein scheinheiliger, habgieriger, pfründenklammernder, skrupelloser, zynischer Geschäftemacher.

Immerhin, ein klein Bisschen hat Gernstl seit seiner Kalifornien-Reise gelernt, die schlimmsten Auswüchse des Sich-Bewirten- und Einladenlassens sind gekappt, nur noch einmal anstoßen und einmal essen – dafür allerdings 3-Sterneküche; der Ausfall muss kompensiert werden! – und das muss er sich auch noch schwer mit langem Zuhören und Zuschauen beim Probieren des Sternekoches erarbeiten; dass es ihm sichtlich schwer fällt, zeigen seine unkontrollierten Mundbewegungen derweil; ein Zucken und Zusammenkneifen der Lippen, die leicht als die Haltung einer beleidigten TV-Majestät gelesen werden können.

Als erstes hat er einen langweiligen Interviewpartner vom Kapitol. Ein Bibliotheksdirektor der Max Planck-Gesellschaft. Und dann wieder Prost. Dachterrassen sind begehrt in Rom.

Dann eine Österreicherin, die ein römisches Liebeslied singt. Was hat das mit dem Titel der Sendung, „Wo sind die Bayern“, zu tun? Auch das eine wenig ergiebige Begegnung. Viel Blabla. Und Gernstl lacht verkniffen über seinen eigenen Kommentar. Aber sie singt schön.

Ein Fremdenführer auf dem Segway, Arthur. Lobt die Vorteile des mangelnden staatlichen Sozialsystems in Italien, das ein privates, soziales Netz nötig macht.

Dann ein langer Werbeeinschub für das 3-Sterne-Lokal von Heinz Beck. Gernstl bekommt erst nichts. Endlich: Küchenbesichtigung. Dann greift er schnell und ungebeten schon mal zu; wie einer der es nicht erwarten kann. Und erst nach minutenlanger Gratiswerbung für den Sternekoch bekommt Gernstl endlich ganz offiziell aufgetischt und füttert auch noch den Tonmann.

Das ist wirklich interessant und schmerzhaft zugleich, zu beobachten, wie eine einst aufregende Journalismusidee sich vor unseren Augen korrumpiert, wie Gernstl es, siehe die Kalifornien-Folge, inzwischen für ganz selbstverständlich hält, dass man ihm Essen und Getränke offeriert, was mit journalistischen Qualitäten nur in den seltensten Fälllen kongruent läuft.

Werbung für einen Friseurladen. Hier lässt sich Gernstl rasieren. Was hat der mit Bayern zu tun?

Die einzig spannende Figur ist der Abt der Benediktiner aus Bayern. Aber für so eine intellektuelle Persönlichkeit ist die Gernstl-Ausbeute allzu bescheiden; über so eine Figur sollten ernsthafte Lebenslinien gemacht werden. Und nicht nur an der Oberfläche rumgetippt. Der Abt darf Werbung für seinen Bestseller machen und den automatischen Staubsauger loben; den gab es vom Meilenkonto der Lufthansa. Was machen die BR-Reisenden mit ihren Meilenkonten?

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Dieser 45-minütige Böhmerwald von Lisa Eder-Held unter den redaktionellen Auspizien von Ulrich Gambke (BR) und Ralf Quibeldey (ND) ist infomäßig dünn besiedelt. Diätmenü nach weihnachtlichen Festtagsessen. Es besteht – ineinanderverschlungen wie ein Weihnachtszopf – aus konstant zu früh abgebrochenen Drohnenaufnahmen, den Luchsen Luna und ihrer Tochter Lea, einem deutschen und einer italienischen Luchsforscherin, einer Glasmanufakturschülerin aus der Ukraine, einer einsamen, deutschen Bäuerin, die zur Zeit des Kommunismus tschechisch reden musste, mit einem Sohn mit Traktor, einer Tochter, die hilft und biologisch-schottischen Hochlandrindern, einem Polaroid-Fotografen, einem Heimatverbtriebenen, der heute noch nicht die Vertreibung der Deutschen aus Tschechien nachvollziehen kann und angesichts dieser Ungerechtigkeit immer noch fassungslos ist, einem Moorsee (mit Leichen drin?), einigen Touristen.

Ein TV-Fastensüppchen, gewürzt mit einer faden Sprecherstimme, die alles für bare Münze nimmt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Helmut Dietls letztes Nachthemd.

Gruselig, diese Lebenslinien von Reiner Holzemer über die Witwe von Helmut Dietel unter redaktioneller Oberaufsicht von Christiane von Hahn. Wie leichenfledderisch.

Was soll uns das erzählen, wenn wir von der Witwe den ganzen Medikamentenhaufen, die letzten Infusionsnadeln, das letzte Nachthemd gezeigt bekommen, eines großen Filmregisseurs, der erinnerungswürdige Filme gemacht hat, die das Münchner Leben mit unnachahmlicher Treffsicherheit gezeichnet haben.

Merkwürdig, wenn aus dem Schatten großer Figuren plötzlich die zweite Reihe sich meldet. Denn der Künstler war ja er. Auseinandersetzen wollen wir uns mit seinen Filmen.

Vielleicht war die Protagonistin dieses Filmes einfach zu stark geschminkt, so dass alles dick aufgetragen wirkt. Immerhin gibt sie zu verstehen, dass sie den Dietl gebändigt habe, ihn, den Schauspielerbändiger.

Die Story ist nicht schlecht, wie sie erzählt, wie sie sich verhalten habe, wenn der Choleriker (der sich selbst als Neurotiker charakterisiert habe) sie beschimpfte, dass sie das für ein Spiel hielt, dass sie ihm gesagt habe, er solle in den Spiegel schauen und diesen anschreien, sie würde derweil spazieren gehen; dann habe sie gewartet, bis er anrief, sie solle doch wiederkommen.

Sie zieht ihren großen Künstler aus für diese Lebenslinien, zeigt Fotos von sich mit ihrer Tochter, als Baby, von Dietl mit der gemeinsamen Tochter als Baby, von der Hochzeit in Venedig.

Dann sind es wieder so stinkübliche, langweilige Lebenslinien. Frau Tamara begeht ihre frühere Schule in Hamburg mit einer Freundin. Frau Tamara am Grab einer Freundin in der Toskana. Ein bisschen Reisen soll im Budget für Lebenslinien drin sein. Weil sonst wären sie wohl noch fader, wenn man nur den Menschen kennenlernen möchte. Vor allem, was er heute ist.

Lebenslinien heißt wohl, in vergilbten Fotoalben wühlen und Orte der Kindheit begehen. Nicht alle können das gleich gut. Bully Herbig darf in einer Leseszene darauf aufmerksam machen, dass das Buch von Dietl schlecht redigiert ist. Also bitte nicht kaufen, soll damit gesagt werden. Und die Ausstellung muss noch rein. Das ist irgendwie alles komisch mit dieser Frau, die als Coach arbeitet und im Nachlass von Helmut Dietl wühlt.
Überflüssige Lebenslinien. Nicht von öffentlichem Interesse.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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So ganz klar ist nicht, wer hier den Sinn des Lebens sucht in dieser gottverlassenen Gast- und LKW-Raststätte, die „B12“ heißt. Denn die Protagonisten in dieser kleinen, übersichtlichen Welt, das sind vor allem alte bis sehr alte Männer, die den Sinn doch längst gefunden haben: Bildzeitung lesen und in der Gaststätte „B12“ rumsitzen, ein Bier trinken und über Gott und die Welt reden.

Vielmehr scheint es so, als suche der BR krampfhaft nach seinem eigenen Sinn in der modernen Medienlandschaft. Denn es handelt sich um eine Webserie mit 21 3 – 5 Minuten langen Clips, Momentaufnahmen rund um die Gaststätte, mal von einem Flohmarkt oder einem Vereinsfest, von einem Parkplatzanweiser und Abkassierer, meist von den Stammgästen.

Zweifellsohne bieten diese alten Männer und manchmal auch ihre Geschichten Futter für die Optik und auch ab und an fürs Gehör. Doch Vorsicht ist geboten, das als Realität zu nehmen. Zu viele Filter sind eingebaut. Allein der Aufmarsch eines BR-Teams. Die kommen bestimmt mit einem dieser blau angemalten BR-VW-Busse, ein Kameramann, ein Tonmann und der Regisseur Christian Lerch.

Der Bus vor der B12 signalisiert laut: das Fernsehen ist da! So ein Team von mindestens drei Leuten verändert die Situation in den meist engen Thekenräumen, setzt Filter in die Köpfe der Protagonisten.

Weitere Filter passieren in der Prä- und Postproduktion durch die verantwortlichen Redakteure Petra Felber, Fatima Abdollahyan, Martin Kowalczyk, die sich mit diesem Format innovativ fühlen, dem BR einen Sinn zu geben glauben und damit Hilfestellung geben wollen für dessen zusehends problematische Legitimation angesichts der undemokratischen Zwangsgebührenfinanzierung.

Mit dem Format schmiegt sich der BR dem Internet an. Allein das passt nicht so ganz zu so einem schwerfälligen Apparat wie dem BR. Für ein wahrheitsgetreueres Abbild dieser Rast- und Gaststättenrealität reichte ein einziger Mensch aus, der mit einem modernen Handy oder mit unauffälliger GoPro (so ist denn die Szene im Auto mit der GoPro eine der überzeugenderen) ganz unauffällig mitdreht.

Und es bräuchte keinen Sender als Produzenten. Das kann heute wirklich ein jeder machen und es dann bei Youtube oder Facebook online setzen und damit der ganzen Welt zugänglich machen. Wobei in diesem Falle der Filter inzwischen an die Network-Betreiber delegiert ist.

Höchst erstaunlich, dass an der B12 Themen wie AfD oder Flüchtlinge ausgespart werden. Beschäftigt das diese Herrschaften kein Bisschen? Wären da nicht womöglich heftige Statements von diesen Protagonisten zu erwarten? Insofern langweilt die Stammtischwelt relativ schnell, wegen dieser massiven Schere im Kopf der Protagonisten, wegen ihrer durch die Aufnahmen massiv frisierten Stammtischwelt.

Womit der BR mit dem Nachhecheln den Medien der Zeit erst recht seine Überflüssigkeit beweist. Hier hat er nichts Aktuelles zu berichten außer einer geschönten, wahrheitsreduzierten Provinzwelt.

Dagegen ist der Film Neben den Gleisen von Dieter Schumann, der über eine S-Bahnhofskneipe in Mecklenburg-Vorpommern berichtet, deutlich spannender. Er hat sich auch menschlich für seine Protagonisten interessiert, ist ihnen näher gekommen, hat sich nicht als BR-Primadonna aufgeführt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Ach, was sind die beim Bayerischen Fernsehen unflexibel, in diesem Fall Autorin und Regisseurin Birgit Eckelt unter der redaktionellen Aegide vom Christiane von Hahn.

Sie planen Lebenslinien zu einer der sicher besten bayerischen Schauspielerinnen mit dem Wenigsten an Stargetue, zu Ilse Neubauer. Denken sich aus, was sie dabei machen und zeigen und recherchieren können, denken sich aus, dass sie einen Sprecher brauchen, der kommentierende Texte spricht, denken sich aus, dass sie zu dem Haus in den Bergen fahren, in welchem Ilse als Kind mit ihrer strengen Mutter, der bösen, älteren Schwester und dem kaum vorhandenen Vater eine Zeit lang gewohnt hat.

Sie fahren in ein Internat in die Schweiz, in welchem Ilse einen Teil der Schulzeit verlebte, suchen die Freundin Petra Perle in ihrem kuscheligen Wollladen auf, ist ja nicht unsympathisch, lassen den Kollegen Gert Anthoff über sie reden, den BR-Regisseur vom misslungenen falschen Siebziger, ihren eigenen Sohn auch, der soll doch seine Fotokunst präsentieren können.

Sie hecken aus, dass sie Ilse im Garten ihres Hauses in der Ludwigsvorstadt zeigen, beim Radeln durch die Stadt, am Bahnhof, in einem Kiosk, wühlen in Fotoalben von Ilse, picken sich, wohl nicht mit allzuviel Arbeit verbunden, einige Szenen aus Filmen heraus, sind bei ihrer Geburtstagsfeier im Hinterhof-Pflanzenasyl dabei, so glauben sie, ordentliche und typische „Lebenslinien“ herzustellen.

Dann interviewen sie sie noch direkt in die Kamera. Lassen sie erzählen. Da stellt sich heraus, was für ein direkter Mensch Ilse Neubauer ist, wie sprudelnd sie erzählen kann, wie gerade heraus sie über die Zustände in ihrer Familie berichtet, über ihre eigene Entwicklung, wie spannend sie schildern kann; da müssten doch die Filmemacher und die Redaktion aufgehorcht haben, müssten gecheckt haben, dass all der brave, öde Beifang drum herum verblasst, den sie schulisch gedankenlos produziert haben, und dass dieser den Eindruck der Lebenslinien verwässert, dass es vollauf genügt hätte, Ilse erzählen zu lassen, ohne jeden Kommentar drüber, Fotos einblenden, zwischendrin einige markante Filmausschnitte; aber nee!, die Fernsehleute in ihrer bornierten Dusseligkeit bemerken nicht, was für ein Goldstück sie vor sich haben, arrondieren es mit Blech, schieben Dienst nach Vorschrift, peinlich und unverzeihlich, versauen sich ihr Juwel.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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