Archiv für die Kategorie: “Tipp”

In ungeregelt-abenteuerlichen Verhältnissen eines grenzenlosen Visionärstums aufgewachsen, wird die Protagonistin immerhin Klatschkolumnistin bei der New York Times. Siehe stefes Review.

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Was sich doch aus der Anregung durch eine Kurzgeschichte von Tolstoi für ein vierstündiger, epischer Schwarz-Weißfilm machen lässt, der einen bannt und das Thema Mensch, Menschlichkeit und Würde in einer seltenen Tiefe, Vielschichtigkeit und Differenziertheit aufschimmern lässt, so dass einem so viele Filme drum herum, die vorgeben sich mit dem Menschentum zu beschäftigen (allen voran deutsche Themenfilme mit erfundenen Menschen), schal und armselig vorkommen und auch vieles an unserem modernen, hektischen Luxusleben. Dem Regisseur und Autor dieses Filmes, Lav Diaz, wollen über 30 Kinos in der Bundesrepublik mit dem Lav Diaz Day Aufmerksamkeit widmen.

Darum geht es: während Hongkong gerade in die chinesische Freiheit entlassen wird, hat Horacia Somorostro (Charo Santos-Concio) bereits 30 Jahre auf den Philippinen unschuldig im Gefängnis gesessen.

Der Film fängt mit der Schilderung des Alltages im Frauenknast an. Es ist im ersten Moment gar nicht klar, dass es sich um einen Knast handelt; die Szenen strahlen Ruhe, ja Geborgenheit aus. Die Frauen arbeiten auf dem Feld, es gibt Bewacher, sie wohnen in großen Schlafräumen mit doppelstöckigen Betten, sie sitzen beisammen und Horacia, die Lehrerin war, versucht den Frauen Bildung beizubringen oder erzählt Geschichten oder sie gehen in die Kirche.

Unverhofft endet diese scheinbare Idylle. Die wahre Täterin für den Mord, für den Horacia fälschlicherweise verurteilt wurde, stellt sich; Horacia kommt frei. Sie kennt den Mann, der ihr das eingebrockt hat. Es ist Rodrigo Trinidad (Michael De Mesa). Der war in sie verliebt, aber sie wollte ihn nicht heiraten. Das hat er nicht ertragen, er wollte sie zerstören.

Heute zelebriert Rodrigo mit großem Gepränge sein glückliches Familienleben. Es gibt im Film eine brillante Schilderung der Gesellschaftstruktur von Cavite in einer leeren Kirche: wer wo sitzt beim Gottesdienst und mit wie vielen Bodyguards, die die wahren Dämonen seien. Eine jener vielen Szenen einfacher Eindringlichkeit und Anschaulichkeit, die die profunde Qualität dieses Filmes ausmachen.

Vorher begleitet der Film Horacia auf dem Weg vom Knast in die Nähe von Rodrigo, der überzeugt ist, ihr Leben zerstört zu haben. Das ist die große Frage im Film, wie geht sie damit um? Selbstjustiz wäre eine naheliegende Antwort oder auch, den gerichtlichen Weg beschreiten. Rache und Gerechtigkeit, Abrechnung?

Horacia entscheidet sich für eine andere Möglichkeit. Sie bleibt unauffällig, so wenig Leute wie möglich sollen erfahren, dass sie frei ist. Sie besucht ihre Tochter, die hat sie zum letzten Mal mit sieben Jahren gesehen. Sie verkauft ein Grundstück und hat etwas Geld. Sie will erfahren, wo ihr Sohn abgeblieben ist.

Aber vorher nähert sie sich dem Unhold Rodrigo auf der der Insel Cavite. Sie nennt sich Renata. Sie verhält sich wie eine Urchristin, nach dem Satz aus Matthäus 11.28 „Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid…“ , umgibt sich mit den Elenden, den Gestrauchelten, den Benachteiligten, den Obdachlosen, den Randfiguren. Aber sie ist kein Apostel.

Renata kreist in ruhiger Geduld und beobachtend als Kreatur im Dunkeln unerkannt um das prunkvoll ausgestellte, christliche Familienleben ihres Übeltäters. In aufrechter Haltung steht sie da, horcht, schaut, nimmt auf.

Sie sucht das Umfeld zu Rodrigo. Sie macht einen kleinen Imbiss auf, eine Eatery, beschäftigt Leute, beobachtet immer wieder den protzenden Menschen. Sie wirkt wie eine Heilige. Sie ist barmherzig. Eine Mitteilung, die in den Film Eingang findet, ist die, dass Mutter Teresa gestorben sei. Aber sie ist keine Mutter Teresa.

Tatsächlich kauft sie eine Pistole. Sie übt sogar damit. Auch diese Variante wird angedeutet.

Aber nicht aus dem Racheimpuls oder aus einer Bilanz der Gerechtigkeitsbuchhaltung heraus, sondern daraus, wie Renata sich spürbar in der Nähe von Rodrigo aufhält – und nichts dergleichen unternimmt -, bezieht der Film seine enorme Spannung, und wie sie mit diesem schreienden Unrecht, was er ihr angetan hat, umgeht.

Gleichzeitig transportiert er das auch auf den Philippinen brisante Problem der Ungleichheit zwischen Arm und Reich. Renata praktiziert nicht die Idee christlicher Verzeihung.

Der Film lässt sich Zeit für die Entwicklung von Beziehungen zu gesellschaftlichen Randfiguren im Umfeld von Rodrigo. Es sind Outsider wie sie. Der Eierverkäufer (er bietet Balut an) war selber im Knast, musste dort als Sexsklave dienen (von ihrer Gefängnisvergangenheit wird er nicht erfahren; nix mit Me Too), Hollanda (John Lloyd Cruz), der Schwule, ist aus seinem Heimatort geflohen nach hier, wo ihn keiner kennt, wird aber vergewaltigt und wagt es nicht, das zu melden oder eine Frau, die immer wieder epileptische Anfälle hat. Horacia ist für diese Menschen da, greift ihnen unter die Arme. Aber sie spielt nicht die abgehobene Heilige; das ist für sie kein Selbstzweck; es ist eine Selbstverständlichkeit; das macht vielleicht ihre Würde und ihr Geheimnis aus; dass sie durch das Unrecht, das ihr angetan wurde, nicht mechanisch und automatisch auch zur Unrechtstäterin wird, sich vom Hassmechanismus verführen lässt – sie will sich nicht schmücken mit ihren Wohltaten. Sie verfolgt ein anderes Projekt. Es scheint, sie wartet auf eine Lösung der Geschichte mit Rodrigo. Die wird sich überraschend ergeben.

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Hinter den Kulissen des weltberühmten Ballettes rumort es gewaltig, das geht bis zum Säureattentat. Einblick in eine Kunst höchster Disziplin und höchster Emotion, gezügelter und hassvoll ungezügelter. Siehe Review von stefe.

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Zu Herzen geht diese britische Liebesgeschichte. Vermögenden Dame in vornehmer Altersresidenz verliebt sich in Penner, der in benachbarter, zum Abriss vorgesehener Villa haust. Sein Traum: ein festes und doch bewegliches Zuhause. Globalisierungs- und Klassenunterschieds-Seniorenromanze von unwiderstehlich bezaubernder Art mit allerbesten Schauspielern. Siehe Review von stefe.

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Der brillante Steven Soderbergh nimmt sich lustvoll und höchst unterhaltsam die amerikanische Provinzdenke vor. Siehe Review von stefe.

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Eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der aufkommenden Armeniermassacker in der Türkei, eine Liebe von ungewöhnlicher Stärke. Siehe stefes Review.

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Von wegen Frauenquote!

In der Hochschulstadt St. Gallen in der Schweiz beginnt am Mittwoch die Pantalla Latina (vom 15. – 19. November), ein sympathisches, temperamentvolles Latino-Festival, das nicht nach Rekorden jagt, sondern sich als Kulturvermittler versteht und das mit seiner persönlichen Atmosphäre und einem ansprechenden Rahmenprogramm unwiderstehlichen Charme verbreitet. Ein Festival, das nicht vom grassierenden Festivalsyndrom angesteckt ist, das immer mehr Filme in immer mehr Kategorien und Wagenladungen voller Stars auffahren möchte, sondern ein Festival, das übersichtlich und daher auch gut konsumierbar und anregend bleibt mit einer direkt angeschlossenen Pantalla-Bar, die lateinamerikanische Spezialitäten serviert. In Deutschland gehört akut zum Gejammer bei den Festivals das Thema Regie und Frauenquote; in St. Gallen sind von 15 Regisseuren der Filme des Hauptprogrammes 9 Frauen und nur 6 Männer (wobei die beim Kurzfilmwettbewerb wieder deutlich dominieren!). Hier die Filme des Hauptprogramms:

LOS PERROS (Chile)
Die verdrängte Zeit der Diktatur macht sich in einer heutigen Liebe unangenehm bemerkbar.
Von der Regisseurin Marcela Said stammt auch „Der Sommer der fliegenden Fische“ (El verano de los peces voladores).

NINAS ARANA (Chile)
Im Gegensatz zu Sofia Coppolas The Bling Ring brechen hier nicht Fans in die Villen von Prominenten ein, sondern Ghetto-Kids in die Villen von Reichen.
Regisseur Guillermo Helo hat bisher vor allem Fernsehserien gedreht.

JEFFREY (Dominikanische Republik)
Des armen Kids Traum von einer Reggeaton-Sänger-Karriere.
Es ist der erste Langfilm von Yanillys Perez.

EL FUTURO PERFECTO (Argentinien)
Eine Chinesin in Argentinien (Komödie)
Es ist der erste Langfilm von Nele Wohlatz.

EL PACTO DE ADRIANA (Chile)
Regisseurin Lissette Orozco spürt in ihrem Erstlingsfilm verdrängten Spuren der Diktatur in der eigenen Verwandtschaft nach.

LOS MODERNOS (Uruguay)
Die ewig gleichen Probleme der Beziehungskisten komödiantisch betrachtet.
Erstlingsfilm von Marcela Matta und Mauro Sarser.

LAS CINÉPHILAS (Argentinien)
Dokumentarische Filme über Kinofreaks sind skurrile Liebeserklärungen an das Kino.
Es ist der Erstlingsfilm von María Alvarez.

LA NOVIA DEL DESERTO (Argentinien, Chile)
Beliebtes lateinamerikanische Thema: Herrschaft/Dienerschaft. Eine Haushaltshilfe muss sich nach Jahrzehnten neu orientieren.
Das Langfilmdébut von Cecilia Atan und Valeria Pivato
(kommt am 30. November in Deutschland ins Kino).

LA REGIÓN SALVAJE (Mexiko/Schweiz)
Geheimnisvolle Vérónica bringt eingefahrene Rollen- und Geschlechterbilder in der Provinz durcheinander.
Vom Regisseur Amat Escalante stammt auch Heli (stefe: ein grandioses Stück Kino).

EL LIBRO DE LILA (Kolumbien)
Kinderanimationsfigur Lila sucht Leser Ramón, der ihr helfen soll, zu sich zurückzufinden.
Der Erstlingsfilm von Marcela Rincón González.

NADIE NOS MIRA (Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Spanien, USA)
Eines lateinamerikanischen Schauspielers Traum von einer Karriere in New York.
Regisseurin Julia Solomonoff hat schon einiges vorzuweisen an Kurz-, Fernseh- und Kinofilmen.

GABRIEL Y LA MONTANA (Brasilien/Frankreich)
Eine Weltreise als Initiation; verläuft aber anders als der deutsche Kinohit Weit.
Das ist schon der zweite Langfilm des Brasilianers Fellipe Barbosa.

SANTA Y ANDRÉS (Kuba)
Eine Freundschaft gegen die Ideologie im Kuba der 80er Jahre.
Carlos Lechuga ist ein kubanischer Regisseur, dessen Filme schon auf vielen Festivals gelaufen sind und Preise eingeheimst haben.

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Bescheidenheit

ist eine Devise von Daniel Barenboim. Aber nicht im Anspruch an die Kunst.

Dieser Fersehfilm von Sabine Scharnagl (Redaktion Bettina Häusler) über den berühmten Dirigenten und Pianisten hat eine prima Gewichtung mit einem gut genießbaren Verlauf.

Zuerst geht es um das politische Denken Barenboims. Die verfahrene Situation im Nahen Osten treibt ihn, den Israeli, der auch die palästinensische Staatbürgerschaft (nebst der argentinischen und der spanischen) hat, um. Er weiß, mit klassischer Musik kann er den Frieden nicht herstellen. Aber mit seinem Orchester des west-östlichen Diwans, das Musiker aus aller Herren Länder, vor allem des Nahen Ostens vereint, hat er es immerhin bis zu einem Konzert in Ramalla geschafft; das war 2005.

Ein weiterer Einstieg in den Film ist der ovale Konzertsaal von Frank Gehry der Akademie in Berlin, der Barenboim eine Herzensangelegenheit ist. Durchaus auch politisch gedacht.

Nur über menschliche Brücken, die in einem Orchester automatisch entstehen, kann Verständnis geschaffen werden. Aber die politische Situation in Israel/Palästina hat sich drastisch verschlechtert. Jetzt kann Barenboim gerade einen Workshop im kleinen Kreis in Ramallah geben. Heute dominiert dort die Verzweiflung.

Barenboim hält nicht mit Kritik an der israelischen oder palästinensischen Regierung zurück; er versteht nicht, wieso kaum einer in Israel auf die Idee kommt, dass die palästinensische Gewalt etwas mit der Besetzung zu tun haben könnte; aber er schürt keine Feindbilder. Da könnten sich viele ein Beispiel nehmen. Wenn mehr Menschen so dächten wir er, auch wenn nicht jeder ein grenzüberschreitendes Orchester gründen kann, aber wenn jeder in seinem Bereich auch nur ansatzweise so über den Tellerrand seines Berufes hinaus denken würde wie er, könnte sich vielleicht doch mehr bewegen auf der Welt.

Nach der nahrhaften politischen Message wendet sich der Film der Biographie zu. Barenboims Anfänge in Buenos Aires (die ersten 9 Jahre), das er als eine tolerante Stadt lobt. Seine Zeit als Wunderkind – sowohl als Dirigent als auch als Pianist – die ihn schnell nach Europa und dann nach Israel führt, wo er zehn Jahre lebt.

Dann die Weltkarriere. Um endlich in Buenos Aires vierhändig mit der anderen weltberühmten argentinischen Pianistin Martha Argerich zu spielen. Und auch den Tango spielt er.

Seit 25 Jahren ist er in Berlin als Dirigent der Staatskapelle. Jetzt am 3. Oktober war Wiedereröffnung der Staatsoper unter den Linden mit dem Perlenfischer von Bizet in der Regie von Wim Wenders.

Sabine Scharnagl nutzt viele Gelegenheiten, um Barenboim direkt in die Kamera erzählen zu lassen und seine Gedanken mit dem Zuschauer zu teilen; sie fügt wohldosiert nur wenige Statements von anderen Musikern, Sängern, Funktionären ein und auch Archivausschnitte aus Film und Foto setzt sie sparsam ein.

Scharnagl schafft es, ein spannendes und plastisches Porträt dieses Menschen zu schaffen, der selbst hinter der Kunst zurücktritt, der aber auch sagt, dass er Glück gehabt hat, der dieses Glück unermüdlich packt und vor nichts mehr Angst hat als vor Routine – dann würde er sofort aufhören. Einen Satz, der in Biopics oder Lebenslinien nicht allzu oft vorkommt. Aber Barenboim ist ein ganz Großer, hors classe. Weil er selbst so bescheiden ist.

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DIE STADT IST FÜR ALLE DA
ZIVILER UNGEHORSAM GEGEN UNRECHTSGESETZ

Es geht um Widerstand gegen eine Gesetzgebung, die dem natürlichen Rechtsempfinden widerspricht und welche in diesem Falle Familien, die keine Wohnung haben, die Kinder wegnimmt und in staatliche Obhut gibt.

Dieser Film von Laszlo Bihari (Dramaturgie: Sandor Szöke, Rdaktion SWR/ARTE: Bernd Seidl) porträtiert die ungarische Aktivisten-Gruppe „Die Stadt ist für alle da“ in ihrem Einsatz für Obdachlose.

In Ungarn stehen 400’000 Wohnungen leer, aber Zehntausende von Menschen sind obdachlos. Sie dürfen nicht auf der Straße leben, das ist gesetzlich verboten. Wenn eine Familie obdachlos wird, so werden ihr von Staates wegen die Kinder weggenommen und in Heime gegeben. Dagegen wendet sich der Widerstand der Aktivistengruppe.

Der Film kann auch gesehen werden als ein Lehrbeispiel für passiven Widerstand und zivilen Ungehorsam. Und dass durchaus etwas zu erreichen ist. Zwar nicht immer. Bei Parlamentarieren dürfen die Aktivisten erst nach lächerlichem Verfahrenshickhack sprechen, aber das Parlament lehnt eine Änderung dieser menschenunwürdigen Gesetzgebung ab. Immerhin erreicht die Gruppe für einige Obdachlose die Chance, in heruntergekommenen Häusern zu wohnen, wenn sie renovieren.

Diese Gesetzgebung verstößt gegen das gesunde Rechtsempfinden der Menschen. Es ist eine Unrechtsgesetzgebung. Vielleicht ist im ehemalig kommunistischen Ungarn das Rechtsempfinden gerade bezüglich Obdachlosigkeit stärker ausgeprägt als bei uns, denn im Kommunismus gab es das Phänomen nicht.

Aber die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt wird auch bei uns immer krasser, ein immer größerer Teil des Einkommens vieler Leute geht für die Miete drauf, diese steigen in den Himmel – und das hat auch bei uns mit der Gesetzgebung zu tun; insofern ist die Dokumentation auch für uns von Interesse.

Es gibt inzwischen in München eine Gruppierung von Aktivisten, die sich des Themas Wohnungsnot annimmt. Der Staat reagiert sonderbar, wie kürzlich zu lesen war, dass eine fingierte Hausbesetzung dazu geführt hat, dass der Staat ein SEK von 80 Mann losgeschickt habe – gleichzeitig hat eine Münchner Stadtratsdelegation sich in Zürich informiert und dort gehört, wie positiv sich die Hausbesetzungen auf die Stadtentwicklung ausgewirkt haben. Oder in München vor einiger Zeit die Guerillaaktionen von Goldgrund, die den Bau von Luxuswohnungen im letzten Moment verhindern konnten.

Unrechtsgesetzgebung, die gegen das Rechtsempfinden spricht, auch bei uns: die Finanzierung des Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk mittels Haushaltszwangsgebühr, die ein Umverteilungsmotor im Lande ist, die zu Lasten der Einkommensschwachen und zu Gunsten einkommensstarker Haushalte geht – immerhin ein Betrag von um die 9 Milliarden Euro! Das ist „eines liberalen Staates unwürdig“, wie in der NZZ zu lesen war (Michael Schönenberger in der internationalen Ausgabe vom Samstag, 16. September 2017).

Wobei eine Sendung wie diese zwar dieses Unrecht nicht aus der Welt räumt, aber Wege zu einem passiven Widerstand und ziviliem Ungehorsam aufweist und insofern einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut ansteht. Aber dass die Sendung um Mitternacht herum versteckt wird, das ist wiederum oberpeinlich.

Antwort einer Aktivistin von „Die Stadt ist für alle da“ auf die Frage „was ist Ihr Job?“ – „Schwarzarbeit!“

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Denkpausenmacher als Pausenfüller – die KiKa-Nachtschleife, das mimiklose Kastenbrot Bernd mit den für den Joystick zu kurz geratenen Armen und der imaginären Fußkette, die es vor dem White-Screen fesselt – nach dem Buch von Tommy Krappweis und Norman Cöster und in der Regie von Tommy Krappweis und Erik Haffner.

Bernd das tägliche Nachtbrot, das mit seinem 4.0-Dadaismus aus den ultramodischen Begriffen rund um die virtuelle Welt aus Games und Internet und Chat und Videoclips und Kommentarfunktionen nüchtern reflektiert und bestens unterhält und nicht mal beabsichtigt, witzig zu sein.

Dieses bemitleidenswerte Zeichnergeschöpf Bernd soll nun mit seinem pferdegebissigen Praktikanten Bob, der den Drehplan falsch herum hält, auf Tournee gehen, soll auftreten und singen. Sonst droht ihm eine Rolle als Komparsen-Brösel in Hänsel und Gretel – das Schicksal dieser Brösel darf als bekannt vorausgesetzt werden.

Bernd wundert sich, warum ihm überhaupt jemand zuschaut, da doch nix passiert. Das ist vielleicht das Geheimnis dieser reduzierten Zeichenkunst, dass mehr reflektiert und wortverdreht und wortverspaßt als agiert wird. Dass die Figur über die neuen Wörter stolpert. Dass sie über ihre neue Rolle als Follow-Me skeptisch spricht.

Die Serie Follow-Me, in der Bernd mitspielen soll, behandelt witzig kurz das Thema, was der Film The Circle extensiv macht, dass die ganze Welt teilhaben soll an Bernds Leben unter Ausbeutung des privaten Aspektes, dass Bernd in ständigem Chat-Austausch mit seinen Followern steht, was wieder eine Kette von absurd-witzigen Dialogen nach sich zieht; wodurch er aber auch preisgibt, dass er täglich seinen Schimmelblocker brauche, damit ihm aufgrund von Schimmel kein Haar wächst und aus der Netiquette wird die Berndikette.

Aber die Drehabeiten sind hart, der frühe Vogel ist auch saumüde; immerhin bekommt Bernd eine eigene Garderobe und das ist doch besser als im Recycling-Container zu landen. Seine Verträge hat Bernd mit Fußabdruck besiegelt. Und so wortspielt sich Bernd brillant durch seine Aphorismus-Brösel-Existentialismus-Abenteuer.

Auf der kurzweiligen DVD sind außerdem zu finden; Videoclips ICH SAGE NEIN und SINGT DAS BROT! – Hinter den Kulissen WIE EIN BROT – Singt das Brot! (Videoeffekte) und SINGT DAS BROT! (Outtakes)

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