Archiv für die Kategorie: “Review”

Ein in der Art einer Boulevardkomödie von Jon Hurwitz und Hayden Schlosser gekonnt und temporeich gemachter Problembewältigungsfilm: die Probleme des Älterwerdens (der Schulabschluss liegt über zehn Jahre zurück), der Routine in der Ehe und der trotzdem ständig sich meldenden Lust auf Sex und Liebe.

Nach einigen eher lieblos, fast wie ein Signal hingeklotzten ersten Szenen, fangen die Charakteres (dafür zeichnet Adam Herz verantwortlich) schnell an, einen für sich einzunehmen. Vielleicht ist das ein Charme, der auch darauf beruht, dass das Team aus denselben Protagonisten besteht wie schon 1999 im ersten Film der Reihe. Dass der Dreh zum „Klassentreffen“ selbst zu einer Art Klassentreffen geworden ist. Und dass die Probleme im Film durchaus auch die Probleme der Darsteller sein könnten.

Es scheint sich im Team sowas wie bei einem Klassentreffen abgespielt zu haben. Dass sich alle gefreut haben, wieder miteinander, mit denselben Figuren, die jetzt alle etwas in die Jahre gekommen sind, teils Bäuchlein angesetzt haben, zusammenzuspielen. Das überträgt sich positiv auf den Zuschauer, der Effekt des Eins plus Eins ist im Team eben mehr als Zwei.

Die Autoren haben die Problemlage der Altersgruppe ernst genommen, sie mit komödiantischen Mitteln überhöht gezeichnet und auf die Spitze getrieben, haben Träume wahr werden lassen, wie sie dem normal 30-jährigen, der seine Lebensschiene sowohl im Beruf als auch als Ehemann/Ehefrau gefunden haben dürfte, wohl verwehrt sind. Es sind die nicht nachlassenden Träume auf wilden, spontanen Sex. Davon ist auch die Elterngeneration nicht gefeit, Jims Dad mit Stiflers Mom, die zeigen, dass sie, die noch mehr Lebens- und Schauspielererfahrung haben, durchaus in der Lage sind, mehr zu bieten hat als die halbwegs gesättigten 30jährigen.

Die Sehnsucht der erwachsen sich glaubenden 30er, wieder soviel Spass zu haben wie auf dem College. Es ist vielleicht auch insofern wie im richtigen Leben, es gibt ja Untersuchungen, wie oft am Tag ein Mann an Sex denkt, und hier im Film, da denkt er eben nicht nur dran, da tut er auch was dafür, ihn eventuell zu bekommen. Aus diesem Motiv heraus kann er in diverse verfängliche Situationen geraten oder gar mal ganz deftig in die Getränkekiste eines vermeintlichen Rivalen kacken und dessen Wassermoped als Autoanhängsel in einer zackigen Fahrt zerschreddern.

Die Gag- und Humorlage wird von Anfang an eindeutig zweideutig und markant kundgetan mit der eingangs erwähnten Szene. Die Frau von Jim hat Sehnsucht nach Sex. Aber da ist schon seit Jahren nichts mehr gelaufen. Jeder schaut für sich. Sie zieht sich ins Bad zurück und hantiert mit der Brause zwischen den Beinen. Derweil hockt Papa auf dem Bett vorm Computer, befriedigt sich chattender Weise. Der kleine Sohnemann kommt ganz unschuldig rein, fragt naiv, was Papa mache, vor lauter Schreck klappt dieser den Laptop zu und klemmt seinen kleinen Freund schmerzhaft ein. Kurz darauf steht er in seiner Pyjamahose, auf der ein Blutfleck zu sehen ist, vor dem Kind und entdeckt seine Frau im Bad. Hier fühlte ich mich noch irgend wie fremd, und ich denke, dass es vor allem die Liebenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit der Charaktere sind, die einen die weiteren verfänglichen Situationen ganz gut gelaunt ertragen lassen. Weil ein Ernst dahinter steckt, der die Figuren nie denunziert. Weil das Thema bei aller derben, die Gürtellinie gezielt ignorierenden und gar nicht neuen Filmkomödiantik ernst genommen wird. Weil die Macher die Mittel der Komödie, eben nicht nur der Gags und Witze, sondern auch der Charakterisierungen der Figuren beherrschen, dürfte es für viele zumindest eine Angelegenheit zum Ablachen sein, aber eben zu einem qualitativ durchaus akzeptablen Ablachen, vielleicht könnte man sogar sagen von einem erleichternden wenn nicht gar reinigenden Ablachen sprechen.

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Kino als Voyeurismus pur. Wer einen gepflegten, intimen, aufreizenden bis melancholisch-wehmütigen Blick in ein Edelbordell des Paris von 1899/1900 werfen will, der ist hier richtig. Der ist hier aufgehoben in einer Welt mit engen Fluren, dunklen Vorhängen, düster gemusterten Tapeten, Frauen in jeder Sekunde malerisch gekleidet oder malerisch nackt und ebenso anzusehen. Hindrapiert mit ihren Freiern oder mit dem schwarzen Jaguar Vuitton wie auf einem schwülstigen Oelgemälde vergangener Zeiten.

Aus diesen Gängen und Räumen gibt es kein Entkommen. Zumindest für die Frauen nicht (aber im Grunde genommen auch für die Männer nicht; denn sie kommen immer wieder), für Samira, Clothilde, Julie, Léa, Madelein, Pauline. Denn die meisten sind hochverschuldet bei Madame, der mütterlichen Betreiberin des Bordells. Die Mädchen wohnen im Hause, in Gemeinschaftsräumen unterm Dach, wo normalerweise das Personal wohnt. In gewissen Sinne sind sie ja auch das Personal.

So diskret die Atmosphäre am Hause geschildert wird in diesem Film, so diskret wird sie musikalisch begleitet. Ausnahme bildet das große Maskenfest zur Auflösung des Etablissements, weil Bordelle verboten worden sind, da schmettert Pavarotti, der noch gar nicht auf der Welt gewesen sein dürfte, eine tolle Arie aus den Lautsprechern des Kinos.

Der Film versucht zum Vornherein den allfälligen Vorwurf des Voyeurismus, den ich aber aufrecht erhalte, muss ja auch nichts schlechtes sein und wer, wenn nicht das Kino, kann diesen besser und lustvoller bedienen, also der Film versucht diesen Vorwurf zu entkräften, indem er ein möglichst komplexes Bild aus dem Leben in so einem Gefängnis ausbreitet.

An Pauline erleben wir, wie ein Mädchen vom Lande von sich aus in dem Betrieb anheuert. Pauline darf als erstes in Champagner baden. Man sieht die Mädchen bei der ärztlichen Untersuchen, bei der Intimwäsche, ui das Sperma ist so klebrig, nach dem Verkehr, bei der Vorbereitung für die Arbeitszeit, beim Frühstücken, wenn Madames Schulkinder gerade aufgestanden sind und die Frauen endlich schlafen gehen sollten. Es gibt verschiedene Freier mit ihren speziellen Wünschen. Auch die Brutalität wird nicht ausgespart, Opfer ist Mathilde, deren Gesicht plötzlich von schweren Narben entstellt ist. Pauline muss Puppe spielen. Einer möchte sich vor allem unterhalten. Es wird auch gezeigt, dass es eine Stammkundschaft, Industrielle, Kaufleute, Banker gibt, die auch immer wieder die gleichen Mädchen buchen.

Der Traum von der Befreiung mittels Geschenk, Smaragd, eines Freiers fehlt ebensowenig wie die Gefahr durch Geschlechtskrankheiten, die Angst vorm Abstieg in einen billigen Puff zum Beispiel in Marseille.

In den Wartezeiten sitzen die Mädchen im Kontaktsalon, spielen ein Blasspiel, lassen sich die Karten legen oder reiben mit feuchten Fingern an den Rändern halbgefüllter Weingläser, was eine ganz eigene Klang-Musik ergibt, die sich anhört wie ein Klagelied über die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Etwa zur Halbzeit des gut zweistündigen Filmes gibt’s sogar einen kurzen Betriebsausflug, ein Picknick der Liebesarbeiterinnen mit ihrer Madame im Grünen. So kommen wir in den Genuss viele gut gebaute nackte Frauen ins Wasser springen zu sehen. Ein kleine Delikatesse: ein paar Schamhaare der Prostituierten in einem Kuvert dem Freier gereicht bedeutet, dass sie von ihm die Nase voll habe (ein Vokabular, was so im Film selbstredend nicht vorkommen würde).

In so einem schweren Interieurfilm ist kein rasanter Rhyhtmus möglich, da geht alles im Gleichmaß seinen Gang. Dieses Gleichmaß kommt einer Gefangennahme gleich. Der Ehemann, der findet, mit Huren sei er glücklich und der nach dem Bordellbesuch gar nicht wieder nach Hause zu seiner bürgerlichen Familie will. Das Elend des Freiers wird hier gezeigt. Nach dem Tod einer der Frauen tanzen die Überlebenden einen trübsalschweren sentimentalen, schwülstigen Tanz. Dieser Film verweigert sich dem Politischen in Gänze. Er ist wie ein perfekter, undurchdringlicher Oelgemäldeteig. Bertrand Bonello hat ihn meisterlich angerichtet.

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Akademisches, snobistisches oder Fan-Vergnügen?

Auf jeden Fall ein Vergnügen und das ohne Not. Für Fans von Marilyn Monroe oder Sir Laurence Olivier oder von Michelle Williams oder Kenneth Branagh – die beiden letzteren spielen hier die beiden ersteren – oder von Colin Clark, der bei einem Dreh der beiden ersteren in London „Dritter“ also in der Regieassistenten-Hierarchie der Underdog war und der eine gewisse vertrauliche, seelentröstende Zeit mit Marilyn allein verbringen durfte und darüber ein Buch geschrieben hat, welches ganz zufällig am 19. März als Deutsche Erstveröffentlichung in den Buchhandel gelangen wird.

Auf jeden Fall ein feines Häppchen für die Freunde Britischer Schauspiel- und Inszenierungskunst, speziell hierfür steht das phasenweise von Kenneth Branagh überkandidelt snobistisch-überprononcierte Shakepeare-English, bei dem jede Silbe im Unterton fragt, na, hab ichs drauf oder nicht? Da darf das verständige Publikum dann verständlicherweise verständig Beifall nicken, denn es wird kapiert haben.

Auch die Figurführung durch den Regisseur Simon Curtis, das Buch nach Colin Clark hat Adrian Hodges geschrieben, lässt an Deutlichkeit und Verständlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Der junge Colin Clark, gespielt von Eddie Redmayne, ein junger Brite aus bestem Hause, schlossähnlich zumindest, der im Schatten des Erfolges von Vater und Brüdern steht, ein Brite wie aus dem Bilderbuch. Der aber ausbüxt aus dem Wunschszenario seiner Familie und sich frisch, naiv, aber wach und schlagfertig beim Film bewirbt.

Auf Anhieb wird er „Dritter“. Der sich um die Macken von Frau Monroe kümmern soll. Es ist bekannt, sie hat ein Riesenproblem mit der Pünktlichkeit, unbekannt die Zahl der Stunden, die sie ganze Ensembles und Crews hat warten lassen. Jedenfalls schon einen seiner ersten Aufträge erledigt er ganz im Sinne seiner Auftraggeber: eine diskrete Unterbringung und standesgemäss für sie zu organisieren. Allerdings hat der Vermieter gleich geplaudert, finden die Produzenten heraus. Da zieht der „Dritte“ eine Alternative aus dem Hut, die er genau aus diesem Grund, weil er den Vermieter für schwätzig hielt, schon vorbeugend organisiert hatte.

Die Figurzeichnung von Marilyn Monroe lässt keinen Zweifel daran, dass sie ein höchst unsicheres Geschöpf und dazu noch keine besonders begabte Schauspielerin war, mit ihrem Leidenspäckchen, Tabletten und Alkohol, Angst vor den Menschen und den Kollegen, misstrauisch kein Wort dem Regisseur glaubend. Da Clark ihr aber, das dürfte Dreh- und Angelpunkt des Filmes sein, in einem Zwiegespräch offen sagt, was Sache sei, verkürzt gesagt, sie sei ein einmaliger Star, der nicht gerade viel könne und ihre Kollegen, die viel können aber keine solchen Stars seien, fasst sie etwas Vertrauen zu ihm und das dürfte ein Grund gewesen sein, dass sie bei der Stange geblieben ist.

Denn ihr aktueller Mann, Arthur Miller, hält es nicht lange aus in England und fährt zurück zu den Kindern nach New York. Eine weitere gut gezeichnete Figur ist Marilyns Coach Paula Strasberg, die fürs Method Acting zuständig ist, denn Marilyn kann nur spielen, wenn sie eine Rolle begriffen hat und auch drin ist – das kann dauern, da ist so ein Coach ganz nützlich, auch als Schutz.

Es gibt viele Szenen, wo man ihr diese Unsicherheit ansieht und fast zusammenbrechen möchte mit ihr, weil man spürt, sie schaffts wieder nicht, sie ist so leicht irritierbar. Hauptsächlich ist es aber auch ein Nähkästchenfilm, aus dem Filmnähkästchen plaudern, so wie es hinter der Kamera und hinter den Kulissen aussieht oder welch ein Volksauflauf zustande kommt, wenn Marilyn einmal unerkannt shoppen will. Aber man hat ja starangemessen einen Rolls Royce organisiert, in dem sie sich mit ihren Begleitern flüchten kann.

Ein Film für Kulturmenschen. Sicher geeignet für die Sonntagsmatinée.

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Dass der Film um die 40 Millionen Dollar gekostet haben soll (laut IMDb) wundert mich nun doch ein bisschen. Die Geschichte scheint nämlich gar nicht so wichtig (junge Frau braucht Geld, heuert bei einem Büro an, das für die Polizei gesuchte Verbrecher beschafft und dafür Prämien kassiert, also eine Art Kopfgeldjägerfirma, und gerät in einen ziemlich verwickelten Fall).

Die Geschichte sieht nun so grad gar nicht darnach aus, als ob sie dringend erzählt werden müsste. Was der Film aber erzählt, das scheint mir, dass die Macher einfach einen großen Spaß daran haben, Kino zu machen, Typen zu stilisieren und ins Extrem zu treiben, Gegensätze aufeinander prallen zu lassen, ein hübsche Frau, die sorglos und mit nicht ganz unerotisch offenem Haar durch die Weltgeschichte stöckelt, in kriminelle Verhältnisse eindringen zu lassen. Da soll sie sich bewähren.

Wenn man kurz vorher einen farblosen, needlosen deutschen Film mit deutschen Subventionsschauspielern gesehen hat, so findet man diese amerikanische Ostküstenart-Filme direkt erholsam, erfrischend; auch wenn die Darsteller sehr deutlich zeigen, dass sie spielen und dass sie Spaß dabei haben; die Nutte mit dem breiten Hintern und der viel zu engen Leggins, die Mutter mit der Haarpracht im Stile eines billigen Frisiersalons, der Exhibitionist, der alte, der bei der Polizei abgeliefert wird, die Oma, die beim Essen unversehens die Pistole der dank ihrem neuen Job jetzt bewaffneten Enkelin rauszieht und prompt in die Luft ballert oder der Metzger oder der Cop oder wer auch immer.

Ganz werde ich aber, wenn ich das so versuche Revue passieren zu lassen, den Eindruck nicht los, als handle es sich eher um einen Acting-Workshop für Fortgeschrittene und für sehr ausgewählte Typen, Männer wie Frauen, die schon versuchen, aus jeder Szene des Drehbuches von Stady Sherman, Karen Reay, Liz Brixius (nach dem Roman von Janet Evanovich) und unter der Regie von Julie Ann Robinson das Maximum rauszuholen. Wobei vermutlich von einem stimulierenden Wettbewerb unter den Akteuren ausgegangen werden kann.

Man wird den Eindruck nicht los, dass da ganz genau überlegt worden ist, wie die Szenen aufgelöst werden, vor allem auch, wie die Schauspieler agieren, wie sie reagieren, welche Emotionszustände sie zu spielen haben. Auch wenn sie nur so anwesend sind und keinen Text haben. Aus welcher Nähe sie aufgenommen werden. Wie wohldosiert man mit Nacktheit einer schönen Frau, wie Katherine Heigl, die die Protagonistin Stephanie Plum spielt, umgeht, ob es köstlich sei, wenn sie von ihrem Ex-Verehrten, den sie nun jagt, in ihrer eigenen Wohnung beim Duschen überrascht und noch dazu mit Handschellen an die Wand gefesselt wird, nackt natürlich. Wie schwierig daraufhin das Handy vom Lavabo zu angeln ist, mit dem sie den offiziellen Cop zwengs Rettung anrufen kann. Wie züchtig sie sich ihm gegenüber in den Duschvorhang wickeln soll.

Der Film passt durchaus in die Ostküstentradition, dadurch, dass viel mehr durch ständige Dialoge stattfindet, die Frage wer wo sei, wer was gesehen habe, wer wem vertrauen kann und die Action sich auf wenige Momente reduziert.

Was mir auch gefällt, ist der direkte, schnörkellose Ton der Schauspieler, das signalisiert Sachbezogenheit, Themenbezogenheit. Kleine ausgedachte Spielereien beweisen die These vom Schauspiel-und Inszenierungworkshop. Sie macht mit einem Cop Schießübungen. Es wird auf Scheiben mit aufgezeichneten Menschenköpfen geschossen. Er ballert genau in die Mitte des Kopfes. Einmal durchlöchert er richtig diese Mitte. Dann gibt’s ein kleines Schau-durch-dieses-Loch-Spiel, sie schaut ihn durch dieses Loch an und möchte die Zielscheibe behalten. Doch eher Kleinmädchenfantasien. Aber für ihn hatte sie ja auch als kleines Mädchen geschwärmt. Zu breit wird das Thema Liebe aber nicht behandelt.

Die Figuren werden weder psychologisch analysiert noch verändern sie sich, sie werden eher filmskulpturhaft herausgemeißelt. Eine nette Szene, wie ihr Cop sie für eine Überwachung mit Mikroport verkabelt, auch das wird ganz genau inszeniert, das Hinpeppen des Mikros in der Mitte des BHs, wie er sie dreht, um den Mikroport festzustecken – nun, aus Distanz betrachtet fragt man sich aber doch, wozu. Soll das irgend an eine Ersatzerotik erinnern? Soll es einfach den wunden Punkt, dass sie allein ist und eigentlich mit keinem Mann wieder was zu tun haben will, erinnern? Ist es dann doch Frauensentimentalität, gar Kitsch, das so zu zeigen, zu erinnern, dran zu tupfen.

Film auf jeden Fall verstanden als Handwerk wie das Schreinern, der Versuch, alles zu feilen und vor allem alles ins Lot zu stellen nach mannigfachen Tests. Das mag den physisch starken Eindruck eines solchen Kinos hervorrufen. Das aber übers Handwerkliche kaum hinauslangt. Warum ich mich dann wie eingangs erwähnt wundere, dass der Spaß 40 Millionen Dollar gekostet haben soll. Solch solides Handwerk sollte doch günstiger zu haben sein.

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Der Titel könnte Erwartungen in Richtung einer leicht schlüpfrigen Hofgeschichte erwecken; diese Erwartung wird zwar im kleinem Umfang auch erfüllt. Sie wird aber weit übertroffen, denn Nikolaj Arcel, der mit Rasmus Heisterberg das Drehbuch nach einem Buch von Bodil Steensen Leth geschrieben hat, gibt uns für dänische Verhältnisse sicher beeindruckend einen pointierten Einblick in die politische Entwicklung des 17. Jahrhunderts, des Jahrhunderts der Aufklärung.

Aus taktischen Adelserhalts- und Connectionsgründen wird die eine Titelfigur des Filmes, Caroline Mathilde, die jüngste Tochter von Friedrich Ludwig von Hannover und Augusta von Sachsen-Gotha, Schwester des Prinzen von Wales und späteren englischen Königs George III, früh von England nach Dänemark geschickt, um dort den dänischen Thronerben Christian zu heiraten. Sie war 15, er 17.

Der Film fängt in England an mit ihren Vorstellungen von Christian als Traummann. Mit der Ankunft in Dänemark geht es weiter. Der Prinz holt sie unterwegs mit eigenen Kutschen ab. Das erste Treffen ist einerseits Zeremoniell. Die Kutschen und viele Bedienstete stehen in der Gegend herum. Sie entsteigt ihrem Reisegefährt. Sehr formales Rumstehen, höfisch, auf Acker. Wo ist der Mann? Der Film benutzt das Steife und die Etiquette des Hofes generell genüsslich, um die Differenz dazu aufzuzeigen, oft auch, um dem Menschen dem Zeremoniell gegenüber als Individuum abzusetzen.

Wo also ist der König? Er ist nirgends zu sehen. Nur prächtig Uniformierte stehen steif in der freien Natur rum. Doch dort hinter einem Baum, da bewegt sich was. Ein Wasserstrahl. Offenbar ist da jemand beim Wasserlassen. Sicher der passendste Moment. Dann lugt der Prinz hinter dem dicken Baumstamm hervor. Schaut sie verlegen an. Sie steigt zu ihm in die Kutsche.

Sie haben sich nichts zu sagen. Ein Gespräch kommt nicht in Gang. Nicht mal Blabla. Er ist ein Verrückter, ein Träumer, ein Fantast, ein Kindskopf vielleicht. Er wird bei ihr keinen hochkriegen. Der Empfang am Hofe. Er müsse ihr so bald wie möglich einen Zimmerbesuch abstatten, so ist die Erwartungshaltung der Entourage. Wenn sie das schafft, dass er sie besuche, dann sei alles bestens. Solche Themen beschäftigen den ganzen Hof. Von Intimität keine Spur. Er besucht sie. Der Besuch endet in einem ganz ungentlemanhaften Desaster. Bald schon verabschiedet er sich für längere Zeit auf eine Europa-Reise. Lässt die Frau allein zurück.

Immerhin ist sie schwanger geworden mit einem Sohn. In Hamburg findet der Prinz einen neuen Leibarzt, den Preussen Johann Friedrich Stuensee. Der ist vom aufklärerischen Gedankengut durchdrungen. Arbeitet mit den Menschen ganz unten, mit denen im Elend. Aber er nimmt das Angebot des Prinzen einer Stellung am dänischen Hofe an, findet einen Draht zu ihm und über ihn, wie sie wieder in Dänemark sind, auch zu dessen Frau, die er bald schon über die Bediensteten-Tür heimlich aufsuchen kann. Hier setzt das Pikante an der Geschichte ein. Aber es wird eben nicht als Wert für sich erzählt. Es ist eingefügt in den aufklärerischen Gedankenzusammenhang.

Es bildet sich um die Drei herum ein Gruppe von Leuten, es kommen aus Hamburg die Deutschen Enevold Brandt und Schack Carl Rantzau dazu, die von den Ideen der Aufklärung durchdrungen sind, die Voltaire lesen. Und die das mithilfe des Prinzen, der zwar immer wieder im Clinch mit dem Staatsrat steht, politisch auch umsetzen wollen: Abschaffung von Prügelstrafe und Zensur, Einführung der Pockenimpfung und Gründung von Waisenhäusern und Universitäten.

Das Establishment am Hofe und der Staatsrat sehen sich immer mehr überfahren, wehren sich, bis Christian gerade noch rechtzeitig die Macht selbst übernimmt und den Staatsrat auflöst. Das brachte kurzfristig Dänemark zum Erblühen. Weiter blühte auch die Liebe zwischen Struensee und Caroline und er zeugte ein zweites Kind. Darin witterten die Entmachteten, darunter auch die Mutter von Christian, ihre Chance zum Staatstreich.

Denn inzwischen hatte der Leibarzt sich von Friedich die Procura geben lassen. Er durfte selber Gesetze unterschreiben. Friedrich hat das mehr belustigt zur Kenntnis genommen. Er ist und bleibt ein großes Kind, nicht dumm noch bösartig, aber ohne jede Verständnis für Sachzwänge, Intrigen oder eheliche Pflichten. Vielleicht war der in Dänemark einziehende Fortschritt einfach zu früh, jedenfalls siegte die Restauration. Friedrich wurde entmachtet, der Leibarzt und Brandt wurden geköpft. Dänemark sei daraufhin wirtschaftlich zurückgefallen, Schlusslicht in Europa. Bis dann der nächste dänische König alle Neuerungen wieder einführte und Dänemark eine lange Blützeit im Sinne der aufklärerischen Ideen bereitete.

Ein epischer Film, der sehr genau erzählt, sehr schön die Figuren charakterisiert, das Pikante nicht ausspart, aber gleichzeitig ein Stück Kultur- und Politgeschichte Europas erzählt. Angenehmer kann man allfällige Bildungslücken nicht schließen.

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Doch, doch, der Film hat ein Thema: scheuer junger Männer Allmachtfantasien. Aber dieses Thema scheint mit dem Autor Max Landis durchgegangen zu sein. Und auch der Regisseur Josh Trank konnte sich offenbar nicht wehren dagegen. Zu verlockend sind die Computertricks, mit denen man Menschen fliegen lassen kann oder wie sie mit einer Handbewegung einen Cordon von Polizeifahrzeugen, die einen jungen Mann ohne Chance auf Flucht umringen, wegfliegen lassen können. Die jungen Männer entdecken dieser Fähigkeiten nach und nach. Wie sie am Sportplatz rumhängen und entdecken, dass sie einen Motorlaubbläser fernbefohlen die Röcke einiger Cheerleader zum Flattern bringen können – und die Girls zum Kreischen. Oder sie fernverschieben ein Auto auf dem Parkplatz und freuen sich über die entsetzte Besitzerin, die mit Einkaufstüten an beiden Händen überladen zielgerichtet auf das umgeparkte Auto zustrebt.

Sie haben Namen, unserer drei Protagonisten. Die Sache fängt mit Andrew an. Der wächst in einem merkwürdig verwahrlosten Haus und Haushalt auf. Der Vater ist Trinker, Mutter schwer krank, sie hat Schläuche in der Nase zur Unterstützung der Atmung. In diesem Chaos fühlt Andrew, der immer sehr allein war, wie wir später erfahren, gerade mal mit seinem Cousin Matt kam er gelegentlich zusammen, also Andrew fühlt, dass er etwas tun muss, er hat ein Projekt, er möchte ab jetzt alles mit seiner Kamera aufnehmen; nicht das dümmste in einer Phase der Orientierung und Identittässuche oder Krise. Und mit Frauen hat er noch nichts gehabt.

Damit fängt der Film an: der betrunkene Vater poltert an seine Tür. Andrew macht nicht auf, erklärt ihm aber, dass er eine Kamera aufgestellt habe und ab jetzt alles dokumentieren werde, was hier vor sich geht. Ein junger Mann wie er, kann sich ziemlich radikal in so ein Projekt reinhängen. Dann filmt er die bettlägrige Mutter. Dann ist er mit seinem Cousin Matt im Auto unterwegs. Dem erklärt er das Projekt, meint aber, dass sich emotionale und phyische Wünsche nicht filmen liessen. Matt lädt ihn auf eine Party ein, möchte ihm aber dafür die Kamera ausreden. Geht nicht. Er stößt auf der Party auf ein blondes Girl, die auch mit einer Kamera bewaffnet ist, für den Blog, wie sei meint.

Nach der Party dürfte Andrew eine Art Blackout gehabt haben. Er findet sich auf einem Rasen in seiner Wohngegend wieder. Da taucht Steve auf, das wird der Dritte im Bunde, er ist ein Kumpel von Matt und die haben eben eine Entdeckung gemacht, die unbedingt mit der Kamera festgehalten werden muss. Diese Entdeckung wird, was zwar weder physikalisch noch parapsychologisch so richtig erklärlich sein wird, die Entdeckung dieser übernatürlichen Kräfte sein, die womöglich nur psychologisch ein Symbol für dieses unglaubliche Stärke- und Kraftgefühl eben ewachsener junger Männer werden dürfte.

Sie haben das Gefühl sie können alles, sie können die Welt erobern; aber sie haben noch keine Erfahrung und wissen doch nicht so recht, was mit den Kräften anfangen. Das scheint zunehmend auch mit dem Buch zu passieren. Die Entdeckung dieser Kräfte geht zwar noch sachte, nebst den erwähnten Beispielen auch beim einträchtigen Legospielen auf dem Teppich, wie der Turm sich ohne phyischen Einsatz zusammenbaut. Schön, solche schwebenden Teile. Es gibt heftigere Dinge, ein ferngesteuerter Tennisball kann blutige Folgen zeitigen. Und in der Talentshow ist Andrew plötzlich ein gefeierter Magier, der einen ganz sensationellen Kartentrick zeigt, auf dem Seil geht und die Kugeln so jongliert, dass es physisch auch nicht mehr erklärbar ist.

Wie sie schließlich entdecken, dass sie bis in die Wolken hinauffliegen können, da artet die Geschichte vollends aus. Ebenso geht es mit dem Film. Die jungen Männer werden der Kräfte, die sie riefen, nicht mehr Herr mit katastrophalen Folgen, die den Zuschauer nur insofern nicht weiter berühren, als man heute Animations-Tricks doch schnell durchschaut und jeder mit ein bisschen Talent das am Computer selber herstellen kann. Hinzu kommt, dass die Geschichte sich selbst zu sehr vom Thema hat blenden lassen und es nicht für nötig hielt, uns Andrew genauer vorzustellen, damit der Zuschauer das Gefälle zwischen seinem bisherigen, wohl sehr ruhigen Leben und der aufregenden Entdeckung der magischen Kräfte nachvollziehbar erleben kann.

Die Machart des Filmes kommt in der durchaus sympathischen Art des Independent American Kinos daher, wenn es sowas denn noch gibt. Die Jungs spielen sehr locker, fast privatistisch, das dürfte jedoch den Wirkraum des Filmes einengen, dass man oft den Eindruck eines rein privaten Vergnügens der Beteiligten hat. Recht naiv noch zum Teil.

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Ein Portrait des berühmten Fotografen und Filmemachers Anton Corbijn, das nicht ohne Widersprüche ist.

Einerseits ein einfühlsames Verehrungsbild aus einer geistigen, nämlich der protestantischen Welt, die Bildern doch eher abhold ist, andererseits eine protestantische Erbauungsstunde, die knapp 90 Minuten dauert und uns erzählt, dass auch ein Junge aus einer niederländisch-protestantischen Pastorenfamilie, der die Jugend eher einsam und düster in Erinnerung hat (auf dem Weg zur Kirche musste man über Gräber gehen; und in der Familie wurde nicht allzu viel gesprochen; unter der Woche waren die Eltern wenig anzutreffen, am Samstag musste der Papa die Predigt vorbereiten und hat sich zu diesem Zwecke in sein Studierzimmer eingesperrt und am Sonntag stand er zur Verfügung der ganzen Gemeinde), wie also selbst ein Junge aus einer solchen Familie relativ glücklich und sogar ein weltberühmter Fotograf und auch Filmemacher werden kann.

Anton Corbijn: ein Mensch, der von seinen Projekten ausgefüllt ist, viel unterwegs, ein Profi im Kofferpacken. Fotoshootings planen, Filmdrehs, Auswahl für Ausstellungen treffen, Vernissagen und Filmpremieren mit Fotografenmeuten und roten Teppichen.

Bei alle dem bleibt er die leicht schlacksige, leicht gekrümmte Figur, gekleidet, wie ein eben Hochgeschossener, meist ein etwas denkerisch angestrengtes Gesicht, immer ein Problem im Kopf wälzend. Darum liegen ihm Geselligkeiten wie Empfänge und dergleichen wenig, Small-Talk noch weniger, weil er schnell bei einem Gedanken, der geäußert wurde, hängen bleibt und dann das Folgende nicht aufnimmt, den Faden zum Gespräch verliert.

Seine engste Familie ist die Familie geblieben, in der er aufgewachsen ist, seine Mutter, der Vater liegt schon auf dem Friedhof, seine Schwester und deren Familie. Ein für eine Dokumentation eher unergiebiges Privatleben.

Die Filmemacherin Klaartje Quirijns hat ihn verstanden, wie sie ihn auf einem Spaziergang über seine menschliche Beziehungs-Geflechte ausfragen möchte und er sagt, er tue sich schwer damit, mit Leuten engeren Kontakt zu knüpfen; gleich darauf schlägt er vor „inside“ zu gehen, da lässt die Dokumentaristin oder die Verehrerin, ihn stehen, schwenkt auf eine Wiese.

Sie sucht zwar seine Nähe, aber letztlich erfahren wir nicht, ob es der Ruhm ist, der sie anzieht oder der Mann oder der Fotograf oder gar der creepy Einzelgänger. In seinen Filmen komme automatisch eher das Thema Tod auf denn Sex und Leichtigkeit. In „Control“ bringt sich der junge Mann, der sein Heil in der Musik sucht, am Ende um. Der Film sollte zwar eine Love-Story werden.

Er selbst ist über die Musik zur Fotografie gekommen. Weil ihn Musik begeistert hat, hat er angefangen Musiker zu fotografieren. Vielleicht einer der Gründe, warum so viele berühmte Musiker und Musikgruppen sich von ihm haben ablichten lassen. Dabei sehen sie auf seinen Fotos doch alles andere als anbiedernd oder leicht und lustig aus. Fast eher wie ein protestantischer Vorwurf, wie ein Gewissensappell gar? Er stellt sie gern vor Mauern, (wie Echos auf die Kirchengewölbe der Jugend) oder an den Meeresrand, wie Statuen, keine Heiligen, aber Figur gewordene, greifbar gewordene Figuren. Gebannt auf Film. Festgehalten. Vom Fotografen in die Form verpflichtet. In das Bild, was kein Abbild sein sollte.

Für Corbijn selbst sind die Shootings wie Ausflüge aus seinem Studio und dann ist er ganz glücklich, wenn er mit dem Material als seiner Beute nach Hause kommt, in seinen Kokon, und diesen Blick auf die Welt bearbeiten kann. Er sieht sich selbst als romantischen Fotojäger, auch wenn er diesen Eindruck äußerlich nicht unbedingt zwingend vermittelt. Das wäre dann die Frage, ob das Bild äußerlich wirklich das erzählt, was innen ist.

Fotgrafieren ist auch ein Mittel gegen die Einsamkeit.

Vom Technischen her ist spannend, wie er immer noch mit Polaroid arbeitet zur ersten Überprüfung eines Sujets und dessen Inszenierung. Eimal hat er eine digitale Kamera in der Hand und spottet ganz abschätzig aus den Mundwinkeln, da sehe er ja gar nichts.

In der Jugend hat er eine Reihe von Selbstportraits geschossen als die verschiedenen Beatles, als Janis Choplin, als Jimi Hendrix. Aber sein eigenes Werk sieht er durchaus skeptisch, perfekt sei es nicht, er hofft, dass noch etwas Leben drin enthalten und erhalten sei. Nüchterne protestantische Sichtweise. Könnte auch frösteln machen.

Klaartje Quirijns begleitet Anton Corbijn behutsam, respektvoll, einühlsam, versucht intuitiv in ihren Bildern zu erzählen, was sie verstanden zu haben glaubt von der Fotografie von Corbijn. Wobei die Verehrungshaltung gewiss einer seziererisch analytischen Haltung wenig Raum lässt. Immerhin scheint sie Corbijn bei seiner Arbeit nicht zu stören, wie Corinna Belz es sich gelegentlich von Gerhard Richter, den sie dokumentierte, vorwerfen lassen musste.

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Im Gschäftsbereich „Tierfilm“ findet eine Art Sensationswettbewerb statt, jeder glaubt, er müsse etwas ganz Spezielles, noch nie Gesehenes bieten, um auf dem Markt bestehen zu können.

Auch dieser Film ist davon infiziert. Was sich aber in manchen Dingen durchaus positiv auswirkt. Dass der ganze Film in der Freien Wildbahn, in der Massai Mara im Südwesten Kenias, gedreht worden ist. Dabei hatten die Filmer starke Teleobjektive und erhielten so eindrückliche Großaufnahmen von den Tieren, sie müssen auch starke Richtmikros gehabt haben für die Originallaute. So wird der Zuschauer vor Zootieren bewahrt.

Häufig leidet allerdings unter der Jagd nach Sensationen aus dem Tierreich die Geschichte, die erzählt wird. Hier wird ein Plot versucht, resp. zwei Plots, der eine betrifft eine Gruppe von Geparden, im Zentrum die Gepardenmutter Sita und ihr Nachwuchs. Der andere ist ein Rudel Löwen mit dem Herrscher Fang mit dem mitleiderregenden Gesicht und dem Zahn, der ihm zwischen den Lefzen raushängt, seinen Löwinnen und deren Nachwuchs, davon die junge Löwin Mara, die heranwächst.

Fortpflanzungsszenen sieht man keine im Film, der vermutlich jugendfrei sein soll. Aber einen stolzen Löwen mit seinen vier Söhnen, wie sie sich über den gefährlichen Fluss aufmachen, die Herrschaft über das Rudel oder die Sippe des angeschlagenen, alternden Fang zu übernehmen, der trottete dann einfach ab in die Savanne.

Für eine Kinogeschichte ist es eher ein Handicap, zwei Geschichten parallel zu erzählen, die nur einmal kurz in Kontakt kommen miteinander und dies eher zufällig, vermutlich weil man mit dem Aufnahmeequipment in der Gegend war, und weil die zu sehen waren. Da immer nur Zoomaufnahmen von ruhenden, leckenden, sich sonnenden, rennenden, spielenden Löwen, Löwinnen und Löwenkindern, Gepardinnen und Gepardenkindern ermüdend sind, wird dann versucht, eine Geschichte zu konstruieren. Da solche Naturaufnahmen viel Geduld erfordern, es ein Riesenzeitaufwand ist, solche Bilder überhaupt zu erhalten und gar einen Film zu füllen, wird dann doch noch viel Foto-Beifang aufgetischt von Vögeln, die Luftsprünge machen, von Geiern und Nashörnern, von Nilpferden und Krokodilen und immer wieder die Gnuherden. Das sind alles imponierende Aufnahmen, auch immer wieder die Luftaufnahmen über den Nationalpark hinweg, hoffentlich haben die diese mit einem geräuscharmen Gleitflieger gemacht. Aber das wirkt mehr wie ein erlesener Wandkalender, denn wie eine spannende Kinogeschichte. Insofern ist dieser Film eher was für Betrachter und nicht für Spannungssucher.

Musikalisch wird es oft bedeutungsvoll mit dieser weiblichen Sphärenstimme überhöht, was mir eine merkwürdige Interpretation der Natur scheint, wie auch der Text am Schluss, dass die beiden Protagonistinnen, die Löwin und die Gepardin, ausgezeichnete Mütter gewesen seien. Das ist schon sehr anthropotümelnd. Tierfilm als Lob auf die Mütter und die Mutterschaft.

Die Großaufnahmen der Raubkatzen sind beeindruckend und ich habe solche so noch nie gesehen. Insofern darf dem Sensationsanspruch recht gegeben werden.

Aber als Geschichte wäre es doch spannender gewesen, ganz genau zum Beispiel nur die Geschichte des Löwenrudels zu verfolgen, auch die Paarungen, die offenbar alle nachts statt finden, denn plötzlich ist wieder ein neuer Wurf da. So erwecken die eingesprochenen Texte den Eindruck, als ob aus der Fotostrecke eine Geschichte zurechtgebogen werden soll.

Der Mensch – und Kinozuschauer – ist immer wieder fasziniert von diesem Kampf auf Leben und Tod, wenn eine Raubkatze ein Gnu schlägt zum Beispiel. Denn die Verhaltensweisen sind uns nicht unbekannt. Was mich mal interessieren würde, wäre ein Naturfilm, der uns Respekt vor der Natur und damit vielleicht auch Respekt vor uns selber lehrt und der nicht irgendwelche irgendwo dann doch immer wieder süßlich und kitschig werdende Babygeschichten auftischt.

Eindrücklich, das versteht sich von selbst, wie auch die alte Löwin, die verletzt ist, davontrottet und einen ruhigen Platz zum Sterben sucht oder wie der alte Löwe Fang von den Gegnern von ennet dem Fluss vertrieben wird. Auch die Flussüberquerungen von Löwen und Geparden dürften unter das Kapitel „selten“ einzuordnen sein.

Und noch eine Vermutung: letztlich erwartet der Zuschauer im Kino, wenn er einen Tierfilm anschaut, doch eine menschliche Geschichte. Die wenigsten werden aus naturwissenschaftlichem Interesse hingehen. Ob der heutige Zuschauer allerdings sich damit abspeisen lässt, wenn die menschliche Geschichte in der tierischen lediglich ein Votum für die Mutterschaft ist, ob sie sich mit einer so einseitigen Interpration, einer dermassen eingeschränkten Sicht auf das Löwen- und Gepardenlebens zufrieden geben, würde ich eher bezweifeln.

Das Buch stammt von Keith Scholey und John Truby. Für die Regie zeichnen Alistair Fothergill und Keith Scholey.

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Hier geht nichts zusammen. Es fängt an in der Art von Reality-TV mit einer Phalanx von Wohnhochhäusern, Anonymität, Großstadt signalisierend. Radost, gespielt von Lola Dockhorn, die allein schon deswegen sympathisch ist, weil ihre Mundpartie der von der jungen Karin Baal ähnelt, radelt mit Schulzeugs beladen in den Eingangsbereich eines dieser Hochhäuser ein. Schnitt. Schon ist sie auf einer Etage auf dem Weg zu einer der Wohnungen.

Bei ihr geht allerdings auch nicht zusammen, dass sie hier eine 13jährige spielen soll, wobei sie selbst offensichtlich deutlich älter ist und im Teenbereich machen schon wenige Jahre eine Generation von Altersunterschied aus. Hier geht sozusagen die Besetzung nicht mit der Rolle zusammen.

In der Wohnung trifft sie auf ihren Vater. Der wird nun von Christian Ulmen gespielt. Und darum ist das die Hauptrolle. So dürfte der Film allenfalls für eingefleischteste Ulmen-Fans gerade noch erträglich sein. Auch bei ihm geht so einiges nicht zusammen. Er ist der Erziehungsverantwortliche für das Mädchen. Die Mutter ist gestorben. Es gibt noch eine Aufsichtsperson vom Amt, die gelegentlich ein Auge auf die Entwicklung in diesem Haushalt wirf. Denn dem Amt ist nicht verborgen geblieben, dass Herr Bruno Markowitsch, den der Herr Ulmen hier spielt, nicht ganz dicht ist.

Was Herr Ulmen im Laufe des Filmes uns nun an geistigen Krankheiten und Behinderungen vorspielt, das geht auf keine Kuhhaut – er würde jetzt sofort wieder den dadaistischen Übersprungswitz von Kuh auf Frau Corazon vom Sozialamt machen. Er hat Sprechschwierigkeiten, verhält sich manchmal wie ein Affe (oder wie Schauspieler gelegentlich glauben, Idioten darstellen zu müssen), er hat aber auch einen Zahlenfimmel, er kann in jedem Moment sagen, wie alt seine Tochter ist, auf den Tag. Aber auch diese Eigenschaft geht mit vielen anderen Eigenschaften seiner Behinderung überhaupt nicht zusammen. Das wird an einer Stelle offenbar, an der die Tochter genau 13 Jahre, 20 Monate und 17 Tage alt ist.

Oder er weiß ganz genau, wieviel Prozent Behinderung er hat. Aber dass es nur zehn seien, das widerlegt er glaubwürdig mit seinem Spiel. Es geht überhaupt nicht mit der realistischen Erfahrung zusammen, dass so ein Mensch der Erziehungsverantwortliche für eine heranwachsende Tochter sein soll. Es geht auch nicht mit dem, was er spielt zusammen, dass er einen verantwortlichen Job in einem Großmarkt hat, er füllt immer wieder Regale auf und macht dabei oft die Kunden blöd an.

Oder – und auch das scheint widersprüchlich – arbeitet er wieder in der Flaschenabfüll-, Flaschenreinigungsanlage. Vollkommen anderer Job.

Es geht auch der ganze Cast nicht zusammen. Da muss das entsprechende Departement etwas falsch oder gar nichts verstanden haben, aber vielleicht gabs hier schon beim Drehbuch nicht viel zu verstehen. Alles Figuren, die überhaupt keine Beziehungen zu einander aufbauen. Das lächerliche Architektenehepaar, wobei hier schon von der Besetzung her offenbar gegen jede Lebenserfahrung gecastet worden ist und den Rest erledigte die im Umgang mit Schauspielern offenbar vollkommen unbedarfte Regie (Anja Jacobs). Soll-lustig-sein-Karikaturen. Die Schauspieler lassen es mit sich machen. Einzig Hans Löw überzeugt in dem Moment als Chef des Supermarktes, wie er nach einem weiteren Unglück, was der behinderte Ulmen angestellt hat, neben diesem hockt und Verständnis zeigt. Das ist anrührend, dürfte aber eher ein Beitrag des Schauspielers sein. Alles andere sind Chargierungen (bis auf Radost und ja, auch ihr kleiner Architektensohnfreund), offenbar ausgewählt, um Herrn Ulmens Affigkeiten nicht ernsthaft zu konkurrieren. Der Zoo kommt natürlich auch vor in so einem Film. Und da wir Tierfreunde sind, so würden wir die ganze Veranstaltung am liebsten im Zoo lassen. Aber vermutlich würden selbst die niedrigsten Tiere sich schämen. Wer ums Himmels willen kommt auf die hirnrissige Idee, sowas ernsthaft als Kino verkaufen zu wollen?

Das muss dann noch sein, das ist auch so ein Einfall, den sich die Autorin, die mit der Regisseurin identisch ist, irgendwie aus den Fingern gesaugt hat, ein sich anbahnendes Liebesverhältnis zwischen dem Söhnchen des Architektenehepaares und Radost. Das Söhnchen macht einen auf Musik. Gitarre und so. Das misinterpretiert die Regie, dass sie über den ganzen Film Klampfentöne oder Xylophon legen zu müssen glaubt. Hilft alles nichts.

Erlebnisverhinderungskino. Eine Beleidigung für alle Behinderten und diejenigen, die mit ihnen zu tun haben.

Was vor allem die Glaubwürdigkeit der Behinderten-Figur von Herrn Ulmen unterminiert, ist der fehlende Ernst. Es geht jetzt nicht darum, ob etwas übertrieben dargestellt wird, das mag legitim sein, wobei aber der Film die Voraussetzung dafür gar nicht schafft, und insofern schon nach wenigen Minuten viele Zuschauer abhängen wird. Gerade die Komik verlangt einen tiefen Ernst. Es ist die Tiefenkonstruktion eines Behinderten, der im Innersten genau weiß, dass er eine Behinderung hat, dass er anders ist als die anderen, die fehlt in Ulmens Darstellung vollkomen. Er verblödelt lediglich die Figur. Darum ist er oft zu laut. Als ob er mit dicker Farbe an eine Scheibe male: Ausverkauf, Sonderangebot, Preisnachlass, mit dem er auf sich aufmerksam machen möchte. Auch wenn so eine Figur nur zur Unterhaltung als Comic-Figur kreiert werden würde, müsste ganz genau klar sein, ob es sich lediglich um physische Ticks, um Legasthenie und Sprech- und Sprachstörungen handelt, um das Tourettsyndrom oder welchen Spasst auch immer. Ulmens Antwort darauf: U L M E N.

Hahnebüchene bekloppte Geschichte (Anja Jakobs), ein lumpig hingehauener Film. Staatliches Filmgeld verblödet.

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Mit den Forsetzungen kann das so eine Sache sein. Der erst Knerten-Film, der ganz einfach „Knerten“ hieß, war eine einmalige und bemerkenswerte Angelegenheit, von tief-existentieller Bedeutung. Denn Lillebror, der kleine Bruder wie der Bub heißt, wird aus seiner vertrauten und prägenden Umgebung rausgerissen, weil seine Familie aus der großen Stadt ins abgelegene Land zieht. Lillebror verliert seine Freunde, hat ein richtig großes Problem. Die Astgabel, die ihm vom Baum zufällt, die erfindet er als seinen Freund Knerten. Der hilft ihm nun als fantasievolle Freundeserfindung, die schwierigen Situationen zu meistern.

Jetzt kommt die Fortsetzung. Das Hauptproblem von Lillebroer, das hat sich im ersten Film fantasievoll gelöst. Vor dem Screening habe ich mich gefragt, wie es jetzt weiter gehen könnte. Vielleicht die Ablösung des Holzgabelfreundes durch einen richtigen Freund? Denn der Mensch kann ja nicht immer nur von Imagination leben. Ganz so geht es aber nicht.

Die Story verwandelt sich jetzt in eine Art Bubenabenteuer-Feelgoodmovie, dazu Anfänge einer „Kribbeln-im-Bauch-Story“. Denn die kleine Freundin von Knerten hat ein Astfrauchen gefunden mit lustigen Zöpfen und die beiden Holzfigürchen unterhalten sich ganz ungeniert übers Heiraten.

Lillebroer hat aber noch ein anderes Abenteuer zu bestehen. Seine Mutter kommt eines Abends nicht nach Hause. Die beiden Brüder suchen sie, denn der Vater ist mit seinem holzverkleideten Kastenwagen und der bunten Damenunterwäsche auf Geschäftsreise. Sie fnden die Mutter verletzt in einem Waldstück im Graben neben der Straße liegen. Sie ist vom Fahrrad gestürzt.

Lillebroer findet in der Nähe der Unfallstelle ein Stück Blinklicht von einem Auto. Er ist überzeugt, dass das Auto, von dem das Blinklichtteil stammt, die Mutter angefahren hat mit anschließender Fahrerflucht. Es geht jetzt darum, den Täter oder die Täterin anhand des beschädigten Vorder- oder Rücklichtes zu ermitteln und der Polizei zu übergeben. Knerten ist dabei zweifellos hilfreich und die Dinge entwickeln sich unvorhergesehen, wie es sich gehört für eine anständige Bubenabenteuergeschichte.

Auch die Hochzeit des norwegischen Königspaares, die am Fernsehen übertragen wird, spielt ein Rolle. Es gibt außerdem einen neuen Buben in der Gegend, Carsten heißt er, der gerne von seiner Mutter in einem stolzen Mercedes rumkutschiert wird. Am eindrücklichsten ist allerdings die Fahrzeugmechanikerin mit ihrem Abschleppwagen. Sie ist herzzereißend charakterisiert als eine Person, die immer unglücklich ist, die sich für ein Nichts, ein Niemand hält und die ein Dutzend Crêpes auf einmal verschlingen kann. Die harte, sinnliche Schönheit, die sich mutig eine Sonnenbrille aufsetzt und das Haar löst. Sie ist hier unversehens zu der Figur geworden, die dringend eines Knerten bedürfte.

Die Musik wird mächtig in Richtung Feelgood-Movie filmorchestral aufgemotzt.

Das Buch ist von Birgitte Bratseth, für die Regie zeichnet Martin Lund.

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