Archiv für die Kategorie: “Review”

Auf holprigerem und widrigerem Wege und ohne eine einzige Probe in den letzten 30 Jahren dürfte sich wohl kaum je zuvor ein Orchester so rasend schnell zu einem so wohlklingenden Klangkörper entwickelt haben. Was uns lehrt, wie überflüssig doch Orchesterproben sind oder dass heute allenfalls das Kino für solche Wunder zuständig sei.

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Neckische Gedankenspielereien um das Infektiöse und die Wirksamkeit von Ideen und deren Einpflanzung in den Köpfen anderer auf dem Wege des Eindringens in die verschiedenen Ebenen ihrer Träume, mit welchen Christopher Nolan Bildmaterial überwiegend aus dem Fundus der Untiefen des amerikanischen Actionkinos neu verschnürt und mit DiCaprio als unwiderstehlichem Schmerzensmann ziert. Oder: ein Bebilderungsversuch zum Satz „Im Anfang war das Wort“, und wie der Mensch damit rumtricksen möchte.

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Eine saubere Parade der Fantasie gegen Minenproduktion und Waffenhandel.

Erst ein paar Stimmungsbilder, unter anderem ein Minenräumkommando in einer Wüstengegend. Überall verteilt Männer, die ganz vorsichtig den Boden absuchen. Dann eine Explosion, Rauchwolke, einer fliegt durch die Luft, ihn hats erwischt. Alle eilen herbei, offenbar jede Vorsicht vergessend.

Dany Boon ist der wunderbare Hauptdarsteller. Er arbeitet in einem kleinen Laden in Paris. Davor findet eine Schießerei statt. Eine fehlgeleitete Kugel landet in seiner Stirn. Dann die OP. Beides schwierig. Operation könnte das ganze Gehirn schädigen. Nicht-Operation könnte baldigen Tod bedeuten. Was tun. Hat jemand einen Euro. Der Entscheid fällt auf Nicht-Operieren.

So läuft Dany Boon als Bazil denn ab jetzt mit schöner schlanker Stirnnarbe überm linken Auge (quer zu den Brauen) herum. Durch den Krankenhausaufenthalt hat sich seine wirtschaftliche Existenz in Nichts aufgelöst.

Von einem Tag auf den anderen steht er auf der Straße. Aber er beherrscht einige Tricks, weil er oft zuhause, Referenz an „Welcome Mr. Chance“ mit Peter Sellers, sich alte Filme angeschaut hat und alle Rollen darin mitsprechen kann.

Eine Straßensängerin hat sich mit Lautsprecher an einer U-Bahn-Säule postiert, er stellt sich an die Rückwand, spricht die Texte mit den Lippen mit und kassiert das Geld der Passanten. Die Sängerin kriegt davon nichts mit. Aber wie er von dannen trottet, bekommt er Mitleid und schenkt ihr die Einnahmen.

Wie er vor einem Café seine Nummer spielt, wird er von einem alten Typen, der auch sowas wie einen Stand hat, angesprochen. Der nimmt ihn anschliessend mit in sein Zauberreich der Fantasie, in ein als Schrotthaufen getarntes Paradies. Einzig der Blechmann über dem Eingang, der sich auf Knopfdruck auch bewegt und tanzt, macht deutlich, dass sich hier was verbirgt.

Drinnen haust eine bunte Truppe aus abgestürzten Fantasten, der eine baut Fantasieroboter, die andere ist ein Schlangenmensch und bewahrt sich auch mal im Kühlschrank auf, und wieder eine andere ist ein Zahlenmensch, kann zu allem was vor sich geht, immer gleich die Zahlen sagen, wenn zum Beispiel Bazils Kopf gemessen werden soll, hat sie die Maße schneller als das Maßband.

Jedenfalls, denn wir haben auch einen Abrechnungs-Film vor uns, hat Bazil sich vorgenommen, den Rüstungsindustriellen, der die Kugel in seinem Kopf fabriziert hat sowie dessen Konkurrenten, dessen Mine Bazils Vater auf dem Gewissen hat, nicht ungeschoren davon kommen zu lassen. Aus der Abrechnung eines Einzelnen wird nun ein Unternehmen der ganzen Truppe und jeder trägt mit seinen speziellen Fähigkeiten dazu bei, diese Rache filmspannend und filmunterhaltsam zu vollziehen. Es muss mit viel List in die Wohnung eingedrungen werden, erst die alten Ablenkungstricks, es müssen Termine, die der Industrielle ausser Hause wahrnimmt, erkundet werden, um dann die Treffen zu sprengen. …

Schliesslich gelingt es, eine ganze Waffenlieferung im Hafen zur Explosion zu bringen.

Bilder: Kinowelt

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Die Regisseurin ist nicht unbegabt im Umgang mit Laien und inszeniert mit diesen Alltagssituationen einfacher Menschen in Istanbul, die einzig verbindet, dass sie was mit der Brücke zu tun haben. Die Frage ist, warum die Regisseurin gerade diesen – laienschauspielerseminarähnlichen – Film gemacht hat. Hätte sie ihn auch gemacht, wenn sie dafür keine Fördergelder bekommen hätte, wäre das wirklich ihr tiefstes Bedürfnis gewesen, dies (was genau?) mitzuteilen? Angetan von der Idee schienen immerhin das Medienboard Berlin-Brandenburg, der Deutsche Filmförderfonds, der Rotterdam Media Fund und Koproduzenten wie Kaliber Film, Bayerischer Rundfunk, ZDF/3SAT und Rush Hour Film. Im Fernsehen versendet sich das spielend.

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Eine ganze Spielfilmlänge nur dazu zu benutzen um aufzuzeigen, wie träge und faul und vorurteilshaft die Griechen doch seien, dürfte angesichts des griechischen Beinah-Staatsbankrottes ungefähr so sinnig sein, wie eine weitere Eule nach Athen zu tragen. Der aktuelle Versuch von Leandros Rakintzi, die Beamten Griechenlands zu zählen, nimmt sich dagegen wie ein Thriller aus.

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Coco Martin spielt in diesem Film von Brilliante Mendoza den jungen, unerfahren-naiven Polizisten Peping, der es eben geschafft hat gegen den Moloch Grossstadt seine junge Frau, mit der er bereits ein Kind hat, zu heiraten (allein diese Aktion ist ein Kurzfilm für sich!), da wird er auf der Polizeischule vom Chef aufgefordert, am Abend noch mitzugehen, er könne sich ein Extrageld verdienen. Was er auf dieser irren Nachtfahrt mit einer Polizeisquad erlebt, übersteigt nicht nur seinen Erfahrungshorizont bei weitem, es dürfte auch den Zuschauer fordern; am frühen Morgen endlich auf dem Heimweg von dieser Horrornacht, erfährt Peping in der Taxe bereits aus dem Radio, was an Torsoteilen der exekutierten Nutte wo überall gefunden worden ist.

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Das kommt mir vor wie das Resultat einer Computertomographie durch das Gefühlsleben eines Menschen innerhalb jenes kleinen Zeitfensters in seinem Leben, in welchem über die vermeintlich eine, lebenslängliche Paarung entschieden werden muss. Wer mit wem. Und da ist es ganz patent, wenn man eine junge Frau zwischen zwei jungen Männern hat; wobei „jung“ relativ ist, die Darsteller scheinen mir für das reale Alter, in dem diese Durchlässigkeit der Poren zur definitiven Paarung natürlich gegeben ist, schon zu alt; spielt aber keine Rolle, denn es geht hier kein bisschen um Erotik, auch nicht um Sex, noch um Wahlverwandschaften, es geht um die Entscheidung für einen Partner, und das im konservativsten Sinne, nämlich darum, den Partner FÜRS LEBEN zu finden. Nur so kann diese Entscheidung die extreme Bebilderung vertragen.

Den Seelenaufschluss symbolisieren nebst Wölfen die zwei Jünglinge Edward und Jacob, die beide um Bella buhlen, wobei Edward der Vampir ist, der Bleichling, der Böse, der Zwielichtige, der Verführerische und Jacob der Wolfige, der werbeaffin Bemuskelte, der ohne zweites Gesicht.

Nur weil die Entscheidungssituation der Frau als totalitär verstanden wird, muss sie so krass gegensätzlich illustriert werden. Einerseits Wildheit und Wölfe, andererseits Romantik und Zärtlichkeit und violette Wiesen im Gegenlicht.

Kommentar: die Wolpertinger-Phase des Menschen bildhaft in Griff zu kriegen ist kein leichtes Unterfangen. Vor allem, wenn das ohne jeden Humor mit bierischem Pseudoernst versucht wird (bis auf die paar bodenständigen Pointen des Polizistenvaters aus der abgestandenen wirklichen Wirklichwelt). Es ist halt eine Wahnsinnsphase. Das jedenfalls haben die Macher dieses Filmes kapiert.

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Der treffendere Titel dieser losen Szenensammlung zu einem Vater-Sohn-Konflikt wäre: vier Schauspieler, zwei Männer und zwei Frauen, erfinden und improvisieren workshopmässig-konzentriert mögliche Begegnungen in verschiedenen Kombinationen zum weitest gefassten Thema ’Entfremdeter Sohn mit gehbehinderter Freundin trifft in Alphütte auf seinen Vater mit dessen heimlicher Geliebten’.

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Gänzlich ironie- nicht aber humorfreies Einrichtungskino. Eine frauliche Sicht auf das Leben als ein Modus des Einrichtens. Darum betreibt die Protagonistin einen ihrer gehobenen Klasse angemessenen Gebrauchtmöbelladen in einer schönen Avenue in New York. Leben heisst, sich einrichten in einem umfassenden Sinne. Diese Einrichtung muss ständig verteidigt werden gegen allerlei störende Einflüsse. In der Jugend sind es die Pickel. Im Erwachsenenalter ist es die Mammographie, später der Tod, der dann Haushaltsauflösungen zur Folge hat. Es können verbrannte Gerüche sein, die die Oma wahrzunehmen glaubt oder die Schädlichkeit von Mikrowellenherden, das sind Gesichtsbehandlungen oder Massagen für die schöne Haut, Dampf, der Poren öffnet. Da Einrichtung immer auch asozial ist, weil sie auch Abschirmung bedeutet, geht mit ihr, so ist zu folgern, ein schlechtes Gewissen einher. Dieses lässt sich nicht bändigen und möchte andauernd Gutes tun, möchte sich ehrenamtlich engagieren (anlässlich der Beerdigung der Oma werden ihre vielfältigen ehrenamtlichen Einsätze gewürdigt, die vor nichts halt machten). Dass die Entwicklung der Hauptfigur im Film offenbar die zu sein scheint, dass die Mutter am Ende der Tochter die Jeans für 200$ schenkt, die sie ihr anfangs verweigerte, was das zu bedeuten hat, darüber muss ich noch nachdenken.

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Sie haben nichts gelernt. Trotz ihres fast biblischen Alters, ab 80 geht’s los, wollen sie siegen, wollen aufs Treppchen, wollen die Besten sein bei der Senioren-Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Lahti in Finnland.

Sie ärgern sich über überlegene Konkurrenten, sei es über Olga aus Russland, die sich in einem Dutzend Disziplinen angemeldet hat, sei es über den 90 jährigen Läufer aus Italien, der einfach besser ist.

Sie gehen, wenn es sein muss, noch mit der Gehhilfe an den Start.

Sie möchten mit der Kugel unbedingt mehr als 6 Meter erreichen, weil 6.01 Meter hört sich einfach besser an als 5.99 Meter, auch wenn man damit schon Seniorenweltmeisterin im Kugelstossen wird.

Sie trainieren und pusten und quälen sich im Park, in der Sportanlage, auf dem Balkon, im Treppenhaus. Denn sie möchten Weltrekorde knacken. Und sie möchten den Applaus des Publikums.

Eine Dokumentation im üblichen TV-kommensurablen Häppchen-Ineinanderschnitt mehrerer Protagonisten-Portraits, die vom Training bis zur Weltmeisterschaft sporadisch berichten und auch Persönliches erzählen, bei der man sich fragt, wer sich das im Kino wann anschauen möchte. Vielleicht was für die närrischen Tage oder für Halloween.

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